Rach rettet Deutschland

von Nils Minkmar
10 Mrz 09
10. März 2009

Da der Montag mein Sonntag ist, sehe ich auch den Montagabend als politischen Fernsehtermin. Ich halte Christian Rachs Restauranttester nicht für eine Reality-Show, sondern für eine politische Sendung. Es ist Krisengebietsprogramm: Rach lehrt, wie man den Weg aus einer auf vielfältige Art und schon ziemlich lange verfahrenen Situation herausfindet. Er besucht überschuldete, entvölkerte Lokale, in denen die Stimmung mies und die Arbeit rar und schlecht entlohnt ist. Jedes dieser Lokale kommt einem bekannt vor. Das Set an Problemen ebenfalls. Die Misere des ganzen Landes wird in diesen renovierungsbedürftigen, von Depression heimgesuchten Restaurants deutlich.

Rach kommt nicht als Spitzenkoch, der lange Vorträge über das Wesen des Schaumsüppchens hält. Er beschäftigt sich mit der Currywurstbude wie mit der Tapasbar gleichermaßen, meist aber kommt es gar nicht erst so weit. Meist winkt er längst ab, bevor es an die Debatte der Ingredienzen und Rezepte geht, meist sind es die Probleme der Leute, die seiner Zuwendung bedürfen.

Da sind immer drei Gruppen: Rach kommt stets etwas früher, als er erwartet wird. Daher fällt er direkt dem Servicepersonal in die Arme. Manche von denen sind erschrocken, wenige unfreundlich, die meisten aber freuen sich über die Hilfe von außen. Die Kellnerinnen und Kellner haben nur begrenzten Einfluß auf den Gang eines Lokals, sind aber als erste von schlechten Zeiten betroffen und den Anfeindungen unzufriedener Gäste ausgesetzt. Und trotzdem sind ihre Begeisterung und Einsatz für eine Reform des Ladens meistens unübertroffen und rührend: Sie haben die Misere nicht verursacht, verdienen am wenigsten an einer Gesundung und geben den vollen Einsatz, auch an Charme, auch an Nachdenken.

Dann sind da die Köche. Hier trifft Rach auf eine völlig heterogene Kollegenschaft, bei denen, wegen des breiten Spektrums der besuchten Lokale, keine einheitlichen Standards gelten. Selten trifft er welche, denen Kochen Spaß macht. Meist sind sie beleidigt und ratlos, kommen aber im Laufe der Woche aus dem Quark. Irgendein Funke zündet immer.

Christian Rach ist Saarländer. Er hat daher einen guten Draht zu Leuten auf jedem Level. Da gibt es keine Attitüde, aber auch keine bemühte Leutseligkeit. Es geht um die Sache, ohne die Personen dabei gering zu schätzen. Rach verliert bei solchen Besuchen zwar oft die Fassung, aber er brüllt und tobt nie, wie sein britischer Kollege Gordon Ramsay, sondern findet für seine Empörung deutliche, aber nie demütigende oder herabsetzende Worte.

In der gestrigen Folge kannte ein angeblicher Tapaskoch den Unterschied zwischen Thymian und Rosmarin nicht. Rach bekam einen Lachanfall und ernannte den Mann zum Mitarbeiter der Stunde. Ganz offenkundig hatte der aber in einer Küche nichts zu suchen.

Schließlich stellt sich als härtester Brocken stets die dritte soziale Gruppe heraus: die Pächter oder Chefs der Restaurants. Sie sind fast alle extrem narzistisch. Es fällt ihnen schwer, die Hilfe von außen anzunehmen. Es fällt ihnen schwer, ihre Vorstellungen in Worte zu fassen und ihren Beschäftigten mitzuteilen. Es fällt ihnen schwer, Vorstellungen überhaupt zu entwickeln.

Leider sind die grössten Problemtiere im Krisengebiet die Männer im mittleren Alter.

In einer Folge musste Rach einem Herrn, dessen Ehefrau als Pächterin eines Ladens in großen Schwierigkeiten war und die bei der Betriebsversammlung zu weinen begann, den brandheißen Tip geben, mal das Bierglas abzustellen und seine Ehefrau in den Arm zu nehmen. Autistisches Management, das ist der häufigste Befund bei diesen Sendungen.

Rachs Kriterien sind, wie die eines jeden guten Kritikers, klar und für jeden nachvollziehbar: Einrichtung übersichtlich halten, viel selber kochen, viel sparen und allgemeine Sauberkeit und Umsicht walten lassen. Es sind Kriterien, die sich auf nahezu alle Branchen übertragen lassen.

Ich sehe die Sendung nie, ohne an alle möglichen analogen Beispiele aus dem Alltag zu denken. Vielen von Rach besuchten Restaurantbesitzern reicht das Erwärmen von Fertiggerichten, es ist Ausdruck eines lauwarmen Kalküls von Aufwand und Ertrag, alles auf kleinstem Nenner. Schon beim Anblick der gezeigten Speisen entweicht jede Lebenslust, das kann nur von deprimierten Menschen zubereitet worden sein, die jeden auch noch so kleinen überflüssigen oder umständlichen Extrahandgriff scheuen. So macht ja auch Dieter Bohlen sein Zeug: Irgendwie kalkuliert, damit ja genug Kohle übrig bleibt, ohne Liebe zur Sache. Die Kunst rächt sich natürlich: Kann sich irgendjemand auf nicht ironische Weise an einen Bohlen Song erinnern?

Eben. Ich finde, so arbeiten in Deutschland zu viele Handwerker, zu viele Einzelhändler, zu viele Selbstständige.

Foto: RTL

78 Gedanken
  1. 1
    timste says:

    DANKE!!

  2. 2
    pos says:

    …und nicht nur die…

  3. 3
    knorke says:

    Der Rach gefällt mir jedenfalls besser als sein britisches SM-Pendant (wie heißt der blonde Typ mit den deftigen Äußerungen gleich noch…).

  4. 4
    Sebastian says:

    Mir fehlt da die Erwähnung der Spülkräfte, aber das liegt wohl an mir ;-)

    Jaja die Mädels vom Service… (und ein paar Jungs natürlich auch).

    Wie auch immer, netter Artikel. Ich persönlich würde mir sowas nie ansehen. Reality TV ist für mich sowas wie Tütensuppe. Der ganze Geschmack kommt vom Glutamat. Null Gehalt. Aus der Sendung könnte man eine 90 minütige Doku machen und damit wäre das Thema gegessen. Hier wird’s wiedergekäut.

  5. 5
    Uwe says:

    Habe die Sendung ein paar mal gesehen. Zuerst wollte ich immer weg schalten, aber ich fand die dann jedes mal sehr gut gemacht.

    Ich hoffe ich oute mich damit nicht als Proll?

  6. 6
    René says:

    Unheimlich kurz und knackig auf den Punkt gebracht, was Rach im Vergleich zu Ramsey ausmacht. Ich mag beide Serien, aber aus unterschiedlichen Gründen. Denn wo Ramsey mit seinem „das Herz auf der Zunge tragen“ punktet und aneckt, da spielt Christian Rach mit Großmütigkeit auf – er stellt immer das Lokal in den Mittelpunkt und nicht die Tatsache, dass ER das schon wieder richten muss.

    Sehr, sehr schöner Artikel!

  7. 7
    Christian says:

    Auch zu erwähnen ist, dass die Show weniger voyeuristisch ist, wie die meisten anderen „Realitiy“ Formate.
    Ich kann mich erinnern an eine Folge, an der eine Besitzern wie so oft in Tränen ausgebrochen war und Rach meinte: „so jetzt machen wir die Kameras aus und ich bespreche das mit der Frau XY mal unter 4 Augen“

    Ich denke Herr Rach übt da einen gewissen Einfluß aus und versucht die Show auf einem gewissen Niveau zu halten. In jeder Nachmittags-Mitten-Im-Frauentausch-Leben hätte man sicher einfach draufgehalten, dazu noch Whitney Housten als Background Musik oder sowas.

  8. 8
    Thomas says:

    „Ich finde, so arbeiten in Deutschland zu viele Handwerker, zu viele Einzelhändler, zu viele Selbstständige.“

    So arbeiten auch unsere PolitikerInnen. Nur daß es in der Politik keine Rachs gibt. Es gibt nur die Sinns, Henkels und Raffelhüschens :(

  9. 9
    pulmoll says:

    so arbeiten aber auch die programmplaner bei rtl, die einem nahezu jede zweite woche aufs neue eine aufgewärmte folge als neue kreation auftischen wollen…

  10. 10
    Flammenfresser says:

    Danke, einfach nur danke…
    Wunderbarer Artikel, alles sehr gut auf den Punkt gebracht. Auch ich beziehe die Problematik in Rachs Sendung immer wieder auf verschiedene Gebiete. Das was Herr Rach im Grundsatz jedese Mal aufs Neue übermitteln muss sind so grundsätzliche Dinge, die einen jeden unternehmer ausmachen müssen! Viele überschätzen sich anscheinend maßlos, verkaufen Kunden für dumm und haben zu oft Schwächen im Service. Diese Dinge kommen wie ein Bumerang zurück und schlagen ein wie eine Bombe. Leider gibt es dennoch zu viele Unternehmer die mit diesem System ganz erfolgreich fahren. Bei Ladengeschäften sind es die, die an Plätzen sind, die stark frequentiert werden, und bei denen im Internet tut die Anonymität und die Möglichkeit der schnellen Umfirmierung ihre Dienste. Kunden werden immer interessierter, immer informierter und konsumieren auch immer bewusster. Das wird noch so einigen das Genick brechen, was an sich der Natürlichen Auslese ganz gut tun wird und hoffentlich in der breiten Masse bessere Unternehmer hervorbringen wird. Warten wir es ab.

  11. 11
    Felix says:

    Meine absolute Zustimmung zum letzten Satz. Genau das kann man nämlich ständig überall beobachten und es ist eine wahre Freude wenn man immer mal wieder Menschen begegnet die ihrer Tätigkeit mit einer gewissen Begeisterung und Liebe für’s Detail nachgehen.

  12. 12
    Schreiberling says:

    „Eben. Ich finde, so arbeiten in Deutschland zu viele Handwerker, zu viele Einzelhändler, zu viele Selbstständige.“

    Oder Fernsehverantwortliche. RTL hat diese Idee von den Briten geholt. So wie fast alle dieser Helpshows bei dem Sender…

  13. 13
    Daniel says:

    Finde die Sendung von Rach auch grossartig. Nicht nur weil Rach vom Typ her einfach sym- und empathisch daherkommt sodnern auch weil die typischen Krawall- und Voyeurismuselemente weitgehend fehlen.
    Wobei ich zugeben muss dass ich auch Ramsey sehr gerne gucke, selbst seine US-Nightmares und Hell’s Kitchen gucke ich gerne obwohl sie natuerlich wirklich alle schlechten Reality-Klischess bedienen. Aber irgendwie schafft es keine noch so kitschige und krawallige Inszenierung es Ramsay unauthentisch wirken zu lassen.
    Und zum „bigger picture“ das diese Sendungen widerspiegeln: Das Problem liegt fast immer nicht (nur) im fehlenden Herzblut, sondern in der Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen. Viele der gezeigten Gastwirte arbeiten sich halbtot und sehen jeden einzelnen Tag dass ihr Konzept (soweit existent) nicht funktioniert, sind aber trotzdem unfähig Entscheidungen zu treffen was man besser machen kann und muss. Leider findet man auch dass in jedem Beruf und jeder Branche immer noch viel zu oft.

  14. 14
    Andrea says:

    Ich schaue die Sendung gerne über rtlnow.de und finde sie unter dem „Coaching“-Aspekt interessant. Spannend zu beobachten, wie unterschiedlich Menschen generell auf Veränderungen reagieren. Viele sperren sich erst einmal wie aus Prinzip. Auch ausgesprochene Wahrheiten rufen ein unterschiedliches Echo hervor.

    Vielen wäre wohl ein plötzliches Wunder am Liebsten, zumindest lieber als bodenständige Grundlagenarbeit. Genau diese Haltung kann ich sehr oft im Alltag beobachten.

    Neulich kam mir bei einer Folge sogar ein Tränchen. Es war einfach sehr bewegend und rührend, wie sich die Leute in diesem badischen Entenrestaurant engagiert haben und Rachs Hilfe dankbar annehmen konnten. Das hat mein Herz berührt. Ganz ohne Drama-Inszenierung.

    Christian Rach ist authentisch, er hat den Sinn fürs Machbare und er achtet seine Mitmenschen. Ihm nehme ich ab, was er sagt. Und wenn man sich darauf einlässt, kann man in dieser Sendung sogar als Zuschauer etwas für sein Leben lernen, auch wenn man kein Restaurant betreibt.

    Vielen Dank für den Artikel, Stefan, ich nehme die Wirkung und die Relevanz der Sendung ganz ähnlich wahr.

  15. 15
    Andrea says:

    sorry falscher Name, danke an: Nils! :)

  16. 16
    Moritz says:

    „Ich sehe die Sendung nie, ohne an alle möglichen analogen Beispiele aus dem Alltag zu denken. Vielen von Rach besuchten Restaurantbesitzern reicht das Erwärmen von Fertiggerichten, es ist Ausdruck eines lauwarmen Kalküls von Aufwand und Ertrag, alles auf kleinstem Nenner.“

    erinnert doch in Teilen sehr stark an Franz-Josef Wagner :-)

  17. 17
    Haco says:

    Ich mag die Sendung, nicht nur weil sie viel über Handwerker, Einzelhändler aussagt, sondern auch viel über mich selbst. Dieses Nicht-zu-Potte kommen, diese Lethargie, der fehlenden Blick von außen… …das bin auch ich.

    Dem Bohlen-Vergleich stimme ich nicht zu: Bohlen hat zwar mehr Ehrgeiz als Talent. Ohne Ehrgeiz geht es aber nicht. Ohne Talent schon. Wenn er merkt, eine Masche zieht nicht mehr, strickt er an einer neuen. Würden die Restaurantbesitzer danach handeln, müssten sie Rach nicht rufen. Ihnen fehlt der Blick für das Wesentliche. Sie haben vielleicht Träume, aber Macher sind sie nicht.

    Gordon Ramsay finde ich aber besser in seiner Klarheit und Direktheit. Nur würde das kein deutscher Restaurantbesitzer aushalten und mitmachen. Die kriegen ja schon die Krise, wenn man ihnen sagt, was sie eh schon wissen: dass der Laden so nicht funktioniert.

  18. 18
    arahf says:

    was ich einfach nicht verstehe ist dass die chefs rach herbestellen und wenn er dann da ist und mit aller kraft helfen will tun sie so als wäre er ihnen aufgedrängt worden und nehmen partout keine hilfe an.

    Einfach unverständlich und respekt wenn der rach dann trotzdem weiter macht (hauptsächlich ja zu liebe der mitarbeiter die im ggsatz zum chef einsatz zeigen)

  19. 19
    Roland Panter says:

    Rach ist ein großartiger Unternehmensberater. Einer, der sich traut Wahrheiten an- und auszusprechen. Da kann sich manch klassischer Unternehmensberater eine Scheibe abschneiden.

  20. 20
    Martin says:

    Ich schaue dem Herrn Rach auch sehr gerne zu. Neben den Hausaufgaben (schlanke Organisation, Sauberkeit…) versucht er immer den individuellen Charakter hervorzukehren. Ich weiß nicht ob er mit seiner Vision was dieser nun eigentlich ist, immer richtig liegt.
    Verwunderlich in manchen fällen, dass sich die Betreiber auf die Sendung einlassen, aber dann völlig unbeweglich bleiben.

    Wenn ich mir all die Pizza – u. Dönerbuden angucke, dann denke ich auch oft, dass mit ein bißchen mehr Interesse am eigenen Produkt sehr viel mehr Qualität erzeugt werden könnte. Allein was sich alles mit den richtigen Gewürzen anstellen läßt.

  21. 21
    tim says:

    WER NIX WIRD, WIRD WIRT. …Scheint was Wahres dranzusein…

  22. 22
    Martin says:

    @Moritz: Na, nach Wagner klingt das aber noch nicht ganz. Aber ein Vergleich mit Wagner ist m.E. immer ein Kompliment. (Aber erzählts nicht dem Hausherrn)

  23. 23
    Bonni says:

    Toll geschrieben, toll zu lesen! Danke!

  24. 24
    clay says:

    gibt es auch irgendjemanden, der die sendung _nicht_ mag, nur mal so als abwechslung, argumente optional?

  25. 25
    jd says:

    wirklich nett und toll geschrieben … und es stimmt, auch in der dienstleistung ist es so … gerade soviel wie nötig.

    versucht man dann anders zu arbeiten hat man es schwer.

  26. 26
    SB says:

    Es ist wirklich erstaunlich. Normalerweise sehe ich keine Reality-Sendungen, bin zufällig mal an dieser hängengeblieben und schleichend hat sie die Kontrolle über mein Einschaltverhalten übernommen, so dass ich mich jede Woche dabei ertappe wie ich verblüfft, erfreut oder berührt diese Sendung verfolge. Und wenn ich mich dann frage, warum ich mir das schon wieder ansehe, nicht auf Arte umschalte oder ein Buch zur Hand nehme, kopfschüttelnd über mich selbst, dann rauschen mir Argumente durch den Kopf, die in diesem Artikel schön kompakt zusammengefasst sind.

    Und dazu noch diese einhelligen Kommentare… Dann ist die Sendung und der Herr Rach eben einfach gut.
    Danke sehr, Herr Minkmar.

    @24: Tschuldigung.

  27. 27
    Dean says:

    Ich mag Rach eigentlich überhaupt nicht, da ich das ganze Suppenteller-TV einfach nur noch öde finde. Es mag sein, dass Rach noch einer der besseren Vertreter des Genres ist, aber nachdem ich inzwischen beim Zappen im deutschen TV innerhalb von 10 Minuten mehr Kocharbeiten sehe, als in einer Woche in meiner eigenen Küche, ertrage ich es schlicht nicht mehr.

    Ich kann auch nicht finden, dass in irgendeinem dieser voyouristischen TV-Formate wirklich geholfen wird. Hilfe ist gut und schön, aber dann bitte ohne Kamera.

  28. 28
    Oliver says:

    Die Kommentare hören sich an, als wäre die Sendung „echt“. Also nicht nach Drehbuch gefilmt sondern als würde da _wirklich_ vor der Kamera einem Restaurant geholfen.

    Meint Ihr echt, das ist so?

    Ich dachte bisher immer, das ist einfach nach Drehbuch abgefilmt. Inszeniert. Scheint mir einfach zu unrealistisch/unglaubwürdig zu sein.

    – Oliver

  29. 29
    andreas says:

    „Christian Rach ist Saarländer. Er hat daher einen guten Draht zu Leuten auf jedem Level.“

    Kann man dann auch das hier drunter so schreiben?

    „Erich Honecker war Saarländer. Er hatte daher einen guten Draht zu Leuten auf jedem Level.“
    ;-)

    Ach, ich seh‘ grade im FAZ Impressum:
    „Nils Minkmar (mink). Am 12. November 1966 in Saarbrücken geboren…“

    Also Lokalpatriotismus :-)

    Der Artikel hat mir übrigens trotzdem gefallen.

  30. 30
    Dean says:

    Ich vermute, dass es in diesem Fall echt ist, da man doch eigentlich alle Restaurants besuchen könnte, in welchen er angeblich gewesen ist. Das haben doch bestimmt schon welche gemacht, ich meine, das ist doch in vielen Fällen der einzige Grund, warum die Chefs / Pächter das Kamerageschmeiß einladen, um so billig 1h Werbung zur Prime-Time zu haben.

  31. 31
    Dierk says:

    Mich stört, dass die Rach-Sendung von RTL 2s Kochprofis geklaut ist, die wiederum Ramsay [mäßig gelungen] kopieren. Außerdem haben Ramsays Shows den Vorteil, dass er sich einfach nichts bieten lässt – ‚Ihr habt mich gerufen, ich helfe gern, aber nur wenn Ihr mitmacht, und dazu zwinge ich Euch.‘ Er bedient nicht den Feelgood Factor unserer* Comfort Society, er macht, was nötig ist, wenn wirklich schnell was geändert werden muss. Weg mit der Fassade, rin in die Kartoffeln und ab dafür.

    *’Unsere‘ bezieht sich nicht nur auf Deutschland.

  32. 32
    Oliver says:

    @dean:

    Ich glaube schon, dass die Restaurants echt sind, ist ja gute Werbung, wenn am Ende der Sendung der Laden „geläutert und erneuert“ im rechten Licht steht.

    Ich denke nur, die ganzen Reaktionen und so sind abgesprochen. Ein Chef der die Ratschläge einfach nur dankbar annimmt, Werbung macht oder sowas wäre halt zu langweilig ;) Ist doch Infotainment.

    – Oliver

  33. 33
    Daniel B, says:

    Sehr sehr richtig und gut. Nur der Bohlen-Vergleich ist in meinen Augen nicht treffend in der Sache und wirkt plumb in diesem Kontext: Der Eindruck entsteht, als wolle man ihm um jeden Preis einen überbraten – das wirkt zwanghaft.

  34. 34
    Haco says:

    @Oliver / dean
    Es ist so echt wie Reality TV eben echt ist. Eine Woche wird auf eine Stunde eingedampft. Gezeigt wird, was in die Dramaturgie passt. Ob die Restaurantbesitzer tatsächlich so unbelehrbar sind, ob sich was geändert hat… wir wissen es nicht.

  35. 35
    Cali says:

    Es arbeiten zuviele Selbständige so? Mag sein. Aber deutet das an, dass sie es bewusst machen? Oder dass gar rationales Kalkül dahintersteht? In manchen Fällen, die Rach besucht hat, waren früher mal höchst motivierte Menschen am Werk, die nach einer gewissen Zeit betriebsblind im täglichen Einerlei resignierten; als Mensch, der im Familienbetrieb arbeitet (Fleischerei), kenne ich das nur zu gut.
    Viele dieser Menschen arbeiten im Prinzip für gar nichts. Und das oft genug 24/7, wenn man die übrig bleibende Freizeit so sieht, wie sich oft darstellt: als Schlafphase. Da bleibt die Familie auf der Strecke, die Freundschaften erst recht; der Kopf ist nicht mehr frei, persönliches Glück…nunja, man kann natürlich sagen, dass man die Wahl hatte. Aber darum geht es ja nicht. Sondern darum, von irgendwoher die Energie zu bekommen, die es einem ermöglicht, notwendige Änderungen vorzunehmen. Wieder herauszukommen aus dem Loch. Nicht in allen Fällen lag es an offensichtlichen Mängeln (etwa das Restaurant, das eine Familie ohne einen einzigen gelernten Koch führte).
    Da bleibt die Sendung oft genug oberflächlich. Hier ein neues Schild, da eine neue Karte, dort neue Gardinen: Nein, so einfach ist eben nie. Sag einem Depressiven, er möge mehr lächeln, dann wird das schon…

  36. 36
    pos says:

    @17
    mag sein, daß man da an einer neuen masche strickt: s‘ bleibt halt das alte Muster, nicht grad schlau…

  37. 37
    andreas says:

    das geilste an „rach“ ist ja, wenn er gerade noch kocht, interveniert, belehrt und sich dann total unvermittelt an die kamera wendet und aus dem stand eine furztrockene moderation raushaut: GENIAL!

  38. 38
    clay says:

    es ist übrigens aufschlussreich, während der sendung im internet nach dem betroffenen restaurant zu suchen. handelt es sich um eine erstausstrahlung, liegt das gezeigt rund zwei bis drei monate zurück. und die website verrät nun, wie es aktuell um den betrieb bestellt ist.
    ein schönes beispiel ist die gaststätte „entenjakob“ in brühl, wo online heute zu spüren ist, wie neuer enthusiasmus durch rach geweckt wurde und welcher immer noch anhält (siehe http://www.entenjakob.de/).
    weniger ergötzlich dagegen ist der besuch von homepages, die ein gästebuch bereithalten – denn die rtl-zuschauer, die sich dort montags ab 21:20 uhr einfinden, haben offenbar ein maß an frustration in ihrem leben, das sie nur noch im internet ablassen können (bis zur schließung des gästebuchs, vgl. http://www.koenig-albert-bad.de).

  39. 39
    nixloshier says:

    gute sendung, sehr guter artikel.

  40. 40
    pos says:

    … und überhaupt kann und/oder sollte eine Show mehr leisten als ihre Beiwohner zu ertragen bereit scheinen?

  41. 41
    Thomas Lobig says:

    Mir geht riäliti TV nur auf die Nerven. Wie es Dean in #27 sagt, Helfen ist ja ok, aber bitte ohne Kamera. Alltagselend anderer Leute brauch ich nicht und will ich nicht. Das ist auch bei dieser Sendung nicht anders. Da kann der Rach noch so nett sein, ich schalt ihn trotzdem nicht ein. Ich will Fernsehen das relevant ist. Wir wärs mit einer Show bei der ein Imageberater abgehalfterten Politikern zu neuen Höhen verhilft? Nee, Quatsch, wär ja nur das gleiche grün (oder schwarz, rot, usw).

  42. 42
    Jeff Kelly says:

    Das Depressive steckt überall in Deutschland nicht nur in den restaurants, die Rach besucht.

    Entscheidungsschwäche, fehlende Empathie, Narzismus, mangelnde Kreativität, Prokrastination, Aufschieben, alles klassische Symptome, die man heutzutage in Deutschland überall finden kann, nicht nur in Restaurants.

    Was die Ursachen angeht habe ich meine eigenen Theorien. Wenn man 24/7 über alle Medien immer nur mit Existenzangst und Katastrofen zugeballert wird, einem noch jeder drittklassige Experte haarklein erzählt was im nächsten Jahr alles schlimmes passieren wird. Man im Schnitt 50 Stunden pro Woche arbeitet (Selbstständige auch gerne mal 70 oder mehr) trotzdem jeden Tag um seinen Job und seine Existenz fürchten muss. Trotz der Arbeit meistens gerade so über die Runden kommt und oft verschuldet ist, man ständig hört man sei als Mitarbeiter lästig und zu teuer und würde bei nächster Gelegenheit eh outgesourct. Man soziale Kontakte durch privaten und beruflichen Streß vernachlässigt.

    etc, etc.

    Kombiniert das mit der Tatsache, dass in Deutschland Scheitern oder falsche Entscheidungen extreme persönliche Konsequenzen hat und es wundert mich warum es nicht noch mehr depressive sind.

  43. 43
    plumtree says:

    Klasse Artikel!
    „so arbeiten in Deutschland zu viele“ – Du hast soooo recht aber leider werden Einsatz und Kreativität nicht belohnt.
    Die allermeisten sind mit einer lauwarmen Leistung zufrieden – solange sie billig ist. Als Einzelhändler eines kleinen Fotogeschäftes stelle ich das jeden Tag fest (ja, ich jammere auf hohem Niveau).
    Wir versuchen genau das. Mit Herz bei der Sache, unmögliches möglich machen und das auch mit einem gewissen Personaleinsatz.
    Aber viel zu oft hört man dann.
    „Ach wissen sie, ihre Beratung ist schon toll, aber Rossmann macht die Bilder für 2 Cent weniger“ oder „…Amazon verkauft diese Kamera für 10 Euro weniger“.
    Da braucht man manchmal schon sehr viel Motivation…

  44. 44
    Manuel says:

    Toller Artikel – kann ich komplett nachvollziehen!

  45. 45
    Ste says:

    Dreh- und Angelpunkt ist die Schnelligkeit bei allen Vorgängen; mit mehr Puffer reicht die Zeit zum ordnen, durchatmen, nettes Gespräch mit den Kollegen, ein Austausch etc.
    Wenn alles hetzt ist das ein Indiz dafür, dass die Arbeit keinen Spaß macht und man hofft den Arbeitstag so schnell wie möglich rum zu kriegen.

    So oder ähnlich.

  46. 46
    karmacoma says:

    Ich gucke die Sendung inzwischen gerne, das liegt vor allem an Herrn Rach, der das ganze meiner Meinung nach professionell und charmant macht. Es ist eben nicht dieses Bloßstellen von Leuten, sondern tatsächlich die Anleitung zur Hilfe.

  47. 47
    Olly says:

    Sorry, keine Chance das zu sehen, montags wird Pro7 geschaut…
    (Ich wäre aber sehr überrascht, wenn mir irgendein Reality-Format gefallen würde)

  48. 48
    pos says:

    [Diverses gelöscht]

  49. 49
    Jule says:

    So arbeiten MANCHE Einzelhändler, Köche, Journalisten, Zugbegleiter, Manager, Lehrer, Dorfdiscobesitzer et cetera pp.
    Bleiben wir auf dem Teppich. Von (un)gerechten Entlohnungen und Überarbeitung will ich jetzt gar nicht anfangen, aber…
    Nichtsdestotrotz ist das eine gute Sendung. Und ein guter Artikel.

  50. 50
    Leon Fabrice says:

    Ich bin auf Ihren dritten Beitrag gespannt. Den ersten fand ich originell. Aber der zweite enttäuscht mich sehr. Solche Fernsehthemen wickeln doch die Herren Niggemeier und Schader schon in ihrem FAZ-Fernsehblog ab.

  51. 51
    Halcyon says:

    Oha, das haut mich nun um das hier so ein windiges Format in den Himmel gelobt wird. Durch die Überarbeitung der Speisekarte, die Angestellten in wir haben uns alle lieb Stimmung zu versetzten und ein paar Eimern Farbe rettet man keine heruntergewirtschaftete Gastronomie sondern schafft nur Quoten für die Sendung. Ich bin wirklich sehr erstaunt wie auf einer so kritischen Seite so eine Lobeshymmne für ein Format, das nur oberflächliche Lösungen für komplizierte Probleme liefert Zustande kommen kann….

  52. 52
    Martin Sp. says:

    Ich muß auch sagen, ich schaue Rach gerne. So gerne, daß mein Recorder darauf programmiert ist :-) Andere Doku-Soap oder Reality-Formate schaue ich lieber gar nicht, aber bei Rach denke ich, daß er ne Menge zu sagen hat wie die Sendung gemacht wird.

  53. 53
    Christian says:

    Jaja, Rach der „deutsche Ramsey“. Dabei könnten beide kaum verschiedener sein …
    Ramsey leidet wenn er schlechtes sieht oder isst, dreht durch und ist absoluter Perfektionist. Ein britischer Hitzkopf der die Perfektion der französischen Küche beherrscht. Rach ist dagegen eher ein „ruhiger Deutscher“, fast wie aus dem großem Buch der Klischees nicht so vernichtend aber auch nicht so mitreißend wie das britische Vorbild.
    Ich finde ja, beide machen ihre Sendungen gut, jeder auf seine Weise. Aber nach einer gewissen Zeit werden diese Formate langweilig. Recht bald hat man die 3, 4 typen von Problemen durch und es ähnlet sich alles sehr (auch die Menschen dazu).

  54. 54
    Cornelius says:

    Ein wirklich gelungener Artikel mit wunderbaren Parallelen zu anderen Branchen und natürlich auch zur schwächelnden Politik. Gutes Auge, gute Denke und sehr gute Schreibe …

    Qualitätsjournalismus <

  55. 55
    Perlenschwein says:

    Ist das normal hier, dass sich fast jeder Dritte mehrfach überschlägt, nur um einen handwerklich recht ordentlichen Beitrag über den noch nicht sehr grünen Klee und direkt in den frühlingsgrauen Himmel zu loben? Der Autor ist doch journalistischer Profi und kein übersensibler Behindertenpädagoge.

  56. 56
    Cornelius says:

    Wollten Sie, liebes „Perlenschwein“ sich auch etwas Zucker bei den Leser/innen hier abholen?

  57. 57
    grey²³ says:

    @ Perlenschwein #55

    Ja, das ist, glaube ich normal hier – Stimmungen einfangen und einfach mal aufschreiben. Ohne den Profi raushängen zu lassen. Abwarten, wie die Leute reagieren. Man nennt es Bloggen…

  58. 58
    Sebastian says:

    @Perlenschwein:

    die Leute, denen die Sendung nicht gefällt, haben den Artikel übersprungen in ihrem RSS Reader, sind gar nicht erst hergekommen und haben auch nicht kommentiert.

    Cheerleader gibt es überall, aber gerade bei solchen Reality-Formaten tummeln sich dann ganz gerne diejenigen, die das auch gerne sehen, sich aber schlecht dafür fühlen und dann endlich mal sagen können, wie toll sie’s eigentlich finden.

    Ich guck gar kein deutsches Fernsehen mehr, an mir geht das alles vorbei. Wie das Dschungelcamp auch :-)

  59. 59
    Mickey says:

    Ich finde die Sendung auch klasse: bin vor ein paar Wochen per Zufall darauf gestossen und stelle jeden Montagabend fest, dass mein Finger wieder den Knopf zum Einschalten gefunden hat. Herr Rach macht seinen Job wirklich gut. Schön auch der Artikel hier: ich glaube, darin steckt viel Wahres. Manches Mal schon habe ich mir die Haare gerauft, weil ich es einfach nicht fassen konnte, wer so alles meint, ein Restaurant aufmachen zu müssen – und das ohne jegliche Erfahrung. Kochen kann jeder?

  60. 60
    Jonas says:

    Schöner Artikel, da bekomm ich doch tatsächlich Lust mir das mal anzusehen… und das wo ich Reality TV hasse. :)

  61. 61
    creezy says:

    Großartiger Artikel zu dem einzigen sehbaren Programmpunk auf RTL, danke. Vor allem für die Schlussfrage.

  62. 62
    Dogz&Salad says:

    Schöner Artikel, trifft den Kern der Dokuserie ganz gut. Nur bei einem Satz musst ich etwas aufstossen: „Christian Rach ist Saarländer. Er hat daher einen guten Draht zu Leuten auf jedem Level.“ – Das ist ja wohl ausgemachter Quatsch.

  63. 63
    Thomas says:

    Weise Worte!

  64. 64
    JonasA says:

    Toller Artikel! Mein Lebensmut steigt jedes Mal, wenn ich sowas lese…

    Ich weise noch auf den grottenschlechten, völlig unqualifizierten Artikel des Herrn Matthias Kalle im Tagesspiegel zum gleichen Thema hin:
    http://www.tagesspiegel.de/medien-news/art15532,2738179

    PS: Das „König Albert Bad“ gehört geschlossen!

  65. 65
    mork vom ork says:

    Schön beobachtet! Die Übertragung auf eine allgemeine Krisen-Lösungs-Ebene gefällt mir gut.

    Die Sendung sehe ich gerne, aber ich störe mich trotzdem am Reality-_Show_-Format. Vielleicht ist es hier vergleichsweise wenig, aber mir fällt es trotzdem unangenehm auf.

    Herr Rach kommt in den Laden und begrüßt spontan die Anwesenden – ach die Kamera (mit viel Licht) ist schon vorher da? Naja, trotzdem fast spontan.

    Genauso die Auswahl von Mimik, Gestik, Äußerungen, etc um Personen zu „charakterisieren“. Das ist mir zu dick aufgetragen. Unbestritten, da sieht man ganz erstaunliche Persönlichkeiten. Aber gerade dort wäre das verdichten gar nicht notwendig.

    Reportage statt Show, dann wäre mir die Sendung etwas lieber.

    Grüße vom Mork

  66. 66
    J. says:

    Die Rach-Sendung soll für den Grimme-Preis nominiert sein? Falls das stimmt: zu Recht.

  67. 67
    Perlenschwein says:

    #56:
    Warum nicht, kommt drauf an, wer dem Affen Zucker gibt. Oder muss man hier ohne Wortfindungsstörungen ab in die Streberecke?
    #57:
    Ach, Bloggen nennt man das! Hat für mich einen Touch von brown-nosing oder sucking-up.
    @Sebastian #58:
    Danke für den Hinweis, ich hab seit 1996 keine Glotze mehr im Haus, deshalb nicht gecheckt, wer Rach ist und den Artikel gelesen. Anyway, ein interessanter Blog.

  68. 68
    frietzsche says:

    Ich bleib da auch gerne hängen, zumal es viele Parallelen zu meiner täglichen Arbeits- und Erfahrungswelt zu geben scheint.

    Aber mal eine Frage: Ist es eigentlich gut, Leuten unter die Arme zu greifen, die jahrelang als miese, inkompetente, beratungsresistente Chefs ihre Mitarbeiter ausgebeutet haben? (vielleicht auch sich selber, aber da greift ja nun die Eigenverantwortlichkeit: Null Mitleid.) Die Einsatzbereitschaft der Mitglieder der unteren Hierachiestufen wurde hier ja schon als meistens hervorragend beschrieben: Warum? Weil diese Menschen oft abhängig von ihrem Job sind und desto schlechter bezahlt er ist, desto abhängiger sind sie, weil sie keine Rücklagen bilden können. Die mittlere Herachie (hier zB Köche) ist meist weniger an Verbesserungen interessiert, da sie ja ein erträgliches Gehalt beziehen, ihre Funktion für den Betrieb meist unverzichtbar (1 Koch, aber 3 Kellnerinnen – wem würde im Falle eines Engpasses wohl zuerst gekündigt werden?), qualifiziert sind, somit auch eher die Möglichkeit haben zu wechseln – die Motivation sich zusätzliche Arbeit für allgemeine Verbesserungen aufzubürden ist dementsprechend geringer. Schlussendlich die Chefs: Ihre Aufgabe wäre es, das Unternehmen zu managen … und hier haben die Vorgeführten fast immer versagt, sonst käme ja nicht der nette Herr Rach vorbei. Diesen offensichtlichen Mangel an Kompetenz versuchen viele dadurch zu verschleiern, dass sie sich raushalten. Wenn man schon keinen finanziellen Erfolg hat, dann will man sich wenigstens als Chef fühlen und sich nur den vornehmsten Aufgaben widmen (‚Meine Aufgabe ist das organisieren.‘). Am Tagesgeschäft teilnehmen? Iwo. Dadurch verschlimmert sich ihre Inkompetenz, weil Ihnen die täglichen Informationen fehlen, die jede Kellnerin jeden Tag aufnimmt. Und somit treffen sie immer unsinnigere Entscheidungen ….
    Das sind jetzt sehr viele Verallgemeinerungen auf engstem Raum, gebe ich gerne zu, aber: Richtig gut fände ich die Sendung wenn die Mitarbeiter ihre Chefs rausputschen und den Laden übernehmen würden. Also so was die Farm der Tiere, also zB Der Gasthof der Prekariar (ist das jetzt Prekariatsfeindlich? oder nur kommunistisch?). Ich bin mir fast sicher, das sich viele Betriebe auch so verbessern liessen. Schutz des Eigentums? Ich bin mehr für Eigentum verpflichtet, wer damit nicht umgehen kann, also eben nicht in der Lage ist, ein Geschäft zu führen, sollte auch die Rechte an diesem Eigentum verlieren. Weil eben das Leben der Beschäftigten davon abhängt. Erbe oder Vermögen ist keine Qualifikation sondern ein Privileg.
    Ich bin nicht dafür Unternehmen zu verstaatlichen, aber wie schön wäre eine Welt, in der die Leistungsträger (die Mitarbeiter) am Unternehmenserfolg angemessen partizipieren würden.
    Übrigens finde ich die Ratschläge von Herrn Rach auch meistens sehr naheliegend und fern von visionärer Sprengkraft, letztenendes erfüllt er die Funktion eines Boten, der dem Chef mitteilt, was er sich von seinen Mitarbeitern und Gästen nicht sagen liess.
    Meuterei ist also a) viel unterhaltsamer (Hier ist Nahrung für 3 Tage und dann wird Chef in der Fußgängerzone ausgesetzt) b) von meinem Moralbegriff ausgehend wichtig und richtig.

  69. 69
    motzgurke says:

    Mir ist das alles zu einfach gedacht: Immer sind es hochmotivierte Mitarbeiter auf den unteren Hierarchestufen, immer sind es unfähige und unwillige Vorgesetzte.

    Man bedenke, wer RTL schaut: Wohl eher seltener Unternehmer, wohl eher häufiger einfache Angestellte. Da macht sich Chef-Schelte immer gut, damit verschafft man dem Zuschauer Identifikationsmöglichkeiten, die spielt man die Rolle als Kleine-Leute-Versteher und das Publikum dankt.

    Ohne Zweifel: Viele der von Rach aufgezeigten Probleme sind auch welche, viele auch verallgemeinerbar. Aber die Sendung spitzt zu, polemisiert, macht Politik. Respekt vor Menschen, die selbst etwas versuchen, wird untergraben: Bilder von Dreck und schlechtes Essen zieht immer, da kann jeder mitreden oder meint es zu können.

    Die Lobeshymne hier verstehe ich wirklich nicht: Nur, weil man aus der Sendung Anregungen beziehen kann? Das kann ein unternehmerisch denkender Mensch auch aus HALLO SPENCER.

  70. 70
    Haco says:

    @motzgurke
    Naja, in der Regel sind es ja die Besitzer (und nicht die Angestellten) die kurz vor der Pleite stehen, und die stehen im Mittelpunkt. Respektlosigkeit ihnen gegenüber hab ich bisher in der Sendung nicht erlebt. Und es sind auch Mitarbeiter wie z.B. Köche, die ihr Fett abbekommen.

    Wenn eine Sendung einen angenehmen Flow hat, inspiriert, Geschichten erzählt, in denen man sich in unterschiedlicher Weise wiederfinden kann (schlechte Restaurants, Betriebsblindheit, Schwierigkeiten sich auf Neues Einzustellen und sich von Vertrautem zu trennen), und so auf mehreren Ebenen funktioniert, dann kann man schon sagen, dass sie gut ist.

    Ich bezweifle Deine RTL Publikumseinschätzung: ich denke dass es genügend Leute gibt, die – unabhängig davon, wo eine Sendung läuft und welchem Genre sie angehört – einfach das anschauen, was ihnen gefällt.

  71. 71
    frietzsche says:

    @motzgurke: Was ist nun dein Punkt? (Tschuldigung, aber Motzgurken duze ich) Wo wird denn hier Respekt von Menschen, die etwas versuchen untergraben? Hier ein paar unfehlbare Merksätze: Gut gemeint ist das Gegenteil von Gut gemacht. Versuch macht kluch. Beratungsresistenz ist keine Tugend.
    Wer nicht fragt, bleibt dumm etc.
    Aber verraten Sie mir gerne, welche wichtigen Anregungen Sie als unternehmerisch denkender Mensch aus HALLO SPENCER beziehen:)
    Natürlich ist hier vieles zu einfach gedacht, aber bedenken Sie: Wir befinden uns hier nicht in einer Doktorarbeit, sondern in einem Raum wo alle fröhlich durcheinanderschnattern. Lieber einfach gedacht, als gar nicht.

    Unternehmerisch denken tun übrigens auch viele Angestellte, das nennt man dann mitdenken. Fürs denken braucht man keine Kohle, nur wenn man etwas umsetzen will, wird es schwierig ohne Eigenkapital oder einen aufgeschlossenen Chef.
    Ich habe nichts gegen erfolgreiche Unternehmer, ganz im Gegenteil: Aber hier ist nunmal die Rede von Heulsusen, die nichts gebacken bekommen in ihrem eigenen Restaurant.
    Nochwas:
    Ich hatte mal einen gedokterten Geschäftsführer, Sohn einer hamburger Unternehmerdynastie, der freimütig bekannte, keine Filme außer Disneyfilme zu gucken. Ich halte das für einen schönen Hinweis auf die Realität, in der er sich aufhielt.
    Das Unternehmen ist übrigens damals zügig gegen die Wand gefahren worden von dem guten Mann, was seiner Geschäftsführerkarriere nicht geschadet hat, er war danach gleich wieder als Geschäftsführer beschäftigt.
    Ich befürchte, dass viele Unternehmer sich viel zu sehr von Hallo Spencer inspirieren lassen, da hat der Chef ja auch noch was zu sagen. Was leistet Spencer eigentlich?

  72. 72
    G. Weiß says:

    Die Konsumhaltung des Restaurantbesitzers bzw. der Köche oder Servicepersonals geht mir häufig beim Schauen der Sendung auf die Nerven. Ich habe den Eindruck, dass in einigen Köpfen herumgeistert:
    „Der Rach wird das schon für uns machen“.
    Ich habe manchmal den Eindruck, dass einige Restaurantbetreiber meinen auf diese Weise ohne großen Aufwand und Einsatz ihren maroden Betrieb retten zu können. Da sieht man wieder wie wichtig ein guter Teamgeist in unserer Gesellschaft ist.

  73. 73
    Helmut says:

    Stimme 29. und 62. zu, dass dieser Satz etwas irritiert:

    „Christian Rach ist Saarländer. Er hat daher einen guten Draht zu Leuten auf jedem Level.“

    Wenn schon, dann hätte das mit Ironie getränkt werden müssen. Ansonsten ein absolut gelungener Text. Die Sendung mit Rach deckt leider auch schonungslos auf, was in der Gastronomie gang und gäbe ist: viele Leute ohne jede Ahnung fühlen sich berufen, ein Restaurant oder eine Bar aufzumachen. „Essen und Trinken – das kann doch jeder.“

    Denkste. Das ist ein Geschäft wie jedes andere auch, das erlernt werden muss. Und da man direkt mit Menschen und ihren unmittelbarsten Bedürfnissen (Hunger & Durst) zu tun hat, geht es da auch nicht ohne Leidenschaft und positives Denken. Bei vielen Läden, wie auch dem Tapas Restaurant der letzten Sendung, habe ich allerdings das Gefühl, dass sie, trotz Rachs Hilfe, in wenigen Wochen oder Monaten pleite gehen werden. Die Krux in der Gastronomie: falsches und ungelerntes Personal.

  74. 74
    Mickey says:

    @74: das „Tapas“-„Restaurant“ ist doch pleite gegangen, es wurde vor dem Abspann ein entsprechender Satz eingeblendet.

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  1. […] Rach rettet Deutschland Ich halte Christian Rachs Restauranttester nicht für eine Reality-Show, sondern für eine politische Sendung. Es ist Krisengebietsprogramm: Rach lehrt, wie man den Weg aus einer auf vielfältige Art und schon ziemlich lange verfahrenen Situation herausfindet. Er besucht überschuldete, entvölkerte Lokale, in denen die Stimmung mies und die Arbeit rar und schlecht entlohnt ist. Jedes dieser Lokale kommt einem bekannt vor. Das Set an Problemen ebenfalls. Die Misere des ganzen Landes wird in diesen renovierungsbedürftigen, von Depression heimgesuchten Restaurants deutlich. (Lesebefehl!) […]

  2. […] Nils Minkmar, der derzeit als Gastautor auf http://www.stefan-niggemeier.de schreibt, ist normalerweise Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er guckte die RTL-Serie “Rach, der Restauranttester” und schrieb seine Gedanken dazu. […]

  3. […] Rach rettet Deutschland (Stefan Niggemeier) Rach lehrt, wie man den Weg aus einer auf vielfältige Art und schon ziemlich lange verfahrenen Situation herausfindet. Er besucht überschuldete, entvölkerte Lokale, in denen die Stimmung mies und die Arbeit rar und schlecht entlohnt ist. Jedes dieser Lokale kommt einem bekannt vor. Das Set an Problemen ebenfalls. Die Misere des ganzen Landes wird in diesen renovierungsbedürftigen, von Depression heimgesuchten Restaurants deutlich. aus Delicious/steinhobelgruen  Linkdump       […]

  4. […] lesenswerter Artikel auf stefan-niggemeier.de über die Sendung “Rach, der Restauranttester“: Die […]

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