„Fragen stellen ist nun mal unser Beruf“

Wenn in Zukunft jemand fragt, was das eigentlich ist, was wir in Deutschland anstelle eines Nachrichtensenders haben, wird man ihm nur diesen Ausschnitt zeigen müssen.

Es ist fast, als hätte ein Satiriker ein Drehbuch geschrieben, um in knappster Form all die Katastrophen dieser Art von „Berichterstattung“ bloßzustellen — bis hin zu der Ironie, dass n-tv, während der Mann am Telefon davor warnt, sofort unkommentierte Bilder vom Tatort zu zeigen, in der Dauerschleife unkommentiert Bilder vom Tatort zeigt.

[via Alexander Svensson, dem auch ein Detail im Laufband aufgefallen ist]

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Der ähnlich eindrucksvolle Live-Bericht einer RTL-Reporterin aus Winnenden bei „Punkt 12“ („Es ist Wahnsinn, hier blinken die Lichter. Man hat nicht erwarten können, dass ein solches Großereignis hier heute eintritt. Es ist hier ein Chaos vom Feinsten!“) ist bei YouTube übrigens nicht mehr zu sehen. Stattdessen heißt es:

Das Merkwürdige daran ist, dass RTL beteuert, keine Löschung veranlasst haben. Bei YouTube heißt es dagegen, der Hinweis, der anstelle des Videos angezeigt wird, sei korrekt. Genauere Auskünfte gibt die Firma Google, zu der YouTube gehört, traditionell nicht. Auch auf nochmalige Frage kann man sich bei RTL den Vorgang nicht erklären.

Vielleicht könnte jemand, der den Ausschnitt zufällig hat, ihn nochmal hochladen? (Oder einfach mir schicken.)

Nachtrag, 17.50 Uhr. Georg hat mir freundlicherweise den Auftritt geschickt, so dass man ihn sich jetzt wieder ansehen kann:

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Unbedingt in Erinnerung blieben sollte von der medialen Aufbereitung dieses Ereignisses auch die „ZDF-Reportage“ zum Thema, die nicht unter den hektischen Bedigungen einer Livesendung entstand, sondern am darauffolgenden Sonntag ausgestrahlt wurde.

Sprecher: Tim K., der Amokläufer. Wenig erfährt man über ihn und seine Familie in den Tagen nach der Tat. Die meisten Menschen in Winnenden sind Reportern gegenüber sehr zurückhaltend. Das Elternhaus von Tim K. am Abend nach dem Amoklauf. (…) Die Familie wird als wohlhabend und eher zurückhaltend beschrieben. Bei Nachbarn wollen wir nachfragen.

Reporter: Bei dieser Wohnung, wo da noch Licht brennt, ist das Ihre Wohnung? Dann würde ich da natürlich nicht nochmal klingeln wollen.

Nachbarin: Nein, Sie dürfen im ganzen Haus nicht klingeln. Ich verbiete Ihnen des.

Sprecher: Distanz überall.

Reporter: (an einer Tür) … okay, gut, dann entschuldigen Sie die Störung, ich Danke Ihnen.

Sprecher: Reporterschicksal. Winnenden will Ruhe. Aber Fragen stellen ist nun mal unser Beruf.

Reporter: (an einer anderen Tür) … natürlich. Danke schön.

Sprecher: Deutschland will daheim am Fernseher Neuigkeiten sehen, aber in Winnenden möchte keiner von Reportern an der Haustür belästigt werden. Auch wir spüren den Unmut der Nachbarn.

Reporter: (an einer weiteren Tür) …gut, dann haben wir nicht länger gestört, danke schön.

Sprecher: Rechtschaffene Leute seien Tims Eltern, hören wir, als die Kamera nicht läuft. Ein paar Kilometer vom Wohnort hat der Vater einen Zulieferbetrieb für Verpackungen. Damit schirmen die Mitarbeiter jetzt die Fenster ab. Niemand möchte sich zeigen oder gar mit ihnen sprechen.

Reporter: (zu einem Mann, der gerade mit dem Auto vor dem Haus geparkt hat) Schönen guten Tag, dürfen wir Sie ganz kurz stören? Sie sind sicherlich ein Kunde des Hauses.

Passant: Ich geb dazu keine Antwort.

Reporter: Wie geht’s Ihnen heute mit der Situation?

Die Sendung kann man sich in der ZDF-Mediathek ansehen — dieser Ausschnitt ab ca. 13.15 Minuten.

113 Replies to “„Fragen stellen ist nun mal unser Beruf“”

  1. Der Typ gefällt mir…Als er die Reporterin korrigiert: „Aber das können Sie bestimmt nachrecherchieren. Danke, Tschüss!“ Subtile Kritik, klasse!

  2. Schade nur, dass subtile Kritik hier nicht helfen wird. Selbst weniger subtile Kritik (also auch das, was hier dankenswerterweise sooft zu lesen ist) wird nicht helfen.
    Es bleibt wohl wirklich nur der Gang zum Briefkasten.

  3. Das Problem ist ja, man kann ja gar nicht in so viele Briefkästen kotzen wie man das zur Zeit möchte … zumindest ich und mein Magen fühlen uns da überfordert.

    Aber ernsthaft, es wäre doch mal toll wenn nach dem 5ten Amoklauf in 10 Jahren (oder waren es „nur“ 4?), die Medien (um das mal so zu verallgemeinern) daraus lernen würden. Aber leider ist dass Thema in ein paar Wochen wieder gegessen und auch wir hier werder uns darüber nicht mehr aufregen. Bis zum nächsten Mal (und dass es ein nächstes Mal geben wird, halte ich für sehr wahrscheinlich) wo das ganze wieder von vorne losgeht. Es sei denn uns (also jetzt nicht unbedingt den Lesern hier) fällt etwas dazu ein.

  4. „Deutschland will daheim am Fernseher Neuigkeiten sehen, aber in Winnenden möchte keiner von Reportern an der Haustür belästigt werden.“

    Das ist nach der unsäglichen Superstarsuche jetzt die zweite Sache, mit der dieses Deutschland Symphatien verspielt. Zum Glück bin ich Papst und damit fein raus.

  5. „Deutschland will daheim am Fernseher Neuigkeiten sehen…“

    Ich mag es ja schon nicht, wenn „Deutschland“ personifiziert wird. Aber auch ob „die Deutschen“ wirklich das sehen wollen, was die Journalisten da zu senden versuchen, wage ich zu bezweifeln.

    Wenn „Deutschland“ wirklich wissen will, was die Nachbarn der Eltern des Amokläufers gar nicht sagen wollen, dann bin ich nicht Deutschland. Fühlt sich gar nicht so schlimm an.

  6. „Deutschland will daheim am Fernseher Neuigkeiten sehen, aber in Winnenden möchte keiner von Reportern an der Haustür belästigt werden.”

    Hallo, Deutschland hier.
    Ich weiß gar nicht, wer so einen Schwachsinn in die Welt setzt. Kann ich mich gegen diese Verleudmung irgendwo zur Wehr setzen?

    Gruß,
    Deutschland (das das ZDF bestimmt nicht ist)

  7. Joachim Kersten ist schon ein klasse Typ. Bei 10vor11 liefen vor ein paar Jahren eine ganze Reihe interessanter Interviews über Kriminalität, Gesellschaft und Männerbilder usw. die Alexander Kluge mit ihm gemacht hat – da war er hin und wieder auch ein bischen ungehalten (was vermutlich an AKs dazwischenquatscherei liegt), wenn man ihn aber lässt, dann hat er Erhellendes in klarer Sprache zu berichten. Ich empfehle mal in „Gut und (Ge)schlecht“ und „Der Kick und die Ehre“ reinzuschauen wenn es sich ergibt.

  8. Mich wundert, wie ruhig die Leute bleiben, vor deren Tür das Reporterpack steht. Ich wüßte wirklich nicht, wie ich meine Aggression im Griff behalten sollte, wenn es eines Tages mal an meiner Tür klingelt.

  9. „Ich wüßte wirklich nicht, wie ich meine Aggression im Griff behalten sollte…“

    Einfach daran denken, dass jeder Ausbruch wie folgt kommentiert würde: „Winnenden. Auch die Nachbarn der Eltern sind ausgsprochen aggressive Menschen. Holte sich Tim K. hier den Hass, den er für seine Tat brauchte?“

  10. Zum ZDF-Ausschnitt: Na ja – wenn Springer aggressiv versucht an Informationen zu kommen, ist es Herrn Niggemeier nicht recht. Dann verspottet er Springer auf Bildblog.de. Wenn das ZDF aber die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten achtet, ist dem Sender der Hohn auf Stefan-niggemeier.de gewiss.

  11. ich stells mir aber auch schwierig vor nicht zu berichten. dann ist man ja toll und muss darüber berichten, dass man nicht berichtet. und schon berichtet man.

    das ist so, wie wenn es stinkt. man riecht, stellt fest es stinkt und riecht trotzdem immer wieder, als ob man überprüfen muss ob es immernoch stinkt.

  12. Diese Unverfrorenheit und der anscheindend tiefe Glaube wohl journalistische Arbeit zu tätigen mit dem das ZDF hier vorgeht und auch noch draughält während der Reporter abgewimmelt wird ist schon beeindruckend.
    Auch wenn es polemisch sein mag: man kann die Menschen dort nur bewundern, dass sie nicht handgreiflich geworden sind

  13. Das erste Video hab ich damals live gesehen (praktisch, denn hier läd es nicht) – ich bin vor Lachen fast vom Bett gefallen. Man spürt von Anfang an den Unmut von Joachim Kersten, der wohl nur teilgenommen hat um dieser Art sensationsheischender Nachrichten mal eins auf den Deckel zu geben.
    Aber schön irritierter Blick der Moderatorin zum Schluß. :)

  14. @Steffen: Sie haben diesen Eintrag so verstanden, dass ich mich darüber lustig mache, dass das ZDF die Persönlichkeitsrecht der Beteiligten achtet? Moment, lassen Sie mich das anders fragen: Sie haben nach dem Betrachten der Sendung den Eindruck, dass das ZDF die Persönlichkeitsrecht der Beteiligten achtet?

  15. Und neben Reportagen, die durchaus einige Menschen in Deutschland eben nicht sehen möchten und wollen und es durchaus sinnigere Themen gibt als über die geschlossenen Türen eines bereits malträtierten Dorfes zu berichten führen diese überspitzten Nachrichtensendungen, die sich über Tage hinweg auf alle Sender beziehen (Radio nicht ausgeschlossen), lediglich zu Nachahmungen.
    Komischerweise sind mir derartige Fälle nämlich aus der Vergangenheit, bevor soetwas in Amerika geschah, aus Deutschland nicht bekannt. Und komischerweise gab es andere (zwar ebenso traurige aber dennoch nicht so folgenreiche) Methoden der Kinder, die mit ihrem Leben/Umfel/Gesellschaft nicht klar kamen, „Amok“ zu laufen oder ihrem Leben ein Ende zu setzen.

  16. ich habe die Berichterstattung von n-tv an diesem Tag eine Zeitlang verfolgt und fand sie unerträglich. leider habe ich Herrn Kersten verpasst, seine Einstellung gefällt mir, er spekuliert nicht wild herum wie andere „Experten“ und Reporter, die ich auf n-tv zu dem Thema erlebt habe, sondern kritisiert alles, was in der Sendung passiert, in der er gerade zugeschaltet ist – so muss es sein

  17. Wenn man selber nicht über echte Ereignisse berichtet, ist es natürlich leicht, diese Berichte zu kritisieren.

  18. Scheint so, als würde sich der Bildzeitungs-Stil immer weiter ausbreiten. Wobei mir die Frau von RTL (Sarah Jovanovic) schon fast leid tat. Die muss sich plötzlich Mittags um zwölf nach Winnenden begeben und über den Amoklauf berichten, wo sie doch sicher lieber über DSDS berichtet hätte. Die war überfordert und wird so eine Chance wohl nicht mehr bekommen.
    Vielleicht sollte man einmal strukturell denken und sich fragen, warum Medien so berichten? Konkurrenz bis aufs Blut? Geldverdienen über alles? Eine Gesellschaft, in der diese Berichterstattung toleriert wird? Jedenfalls ohne weitreichende Folgen bleibt?

  19. Ich hab den Beitrag, als er lief, im TV gesehen und war entsetzt. Irgendwo lief dann auch noch ein Beitrag (ich glaub es war Stern TV Reportage oder sowas), in dem sich ein Reporter selbst filmen lassen hat um andere Reporter zu interviewen (Im Auto: „Ich bin gerade auf dem Weg nach Winnenden, hier auf der Autobahn geht nichts mehr, bla bla“). Das muss man sich mal vorstellen …da hatten die nix neues mehr zu berichten und haben kurzerhand über sich selbst eine Reportage gemacht. Als wollten sie sich rechtfertigen, was fürn Mist die Herren da abziehen.

  20. Wie ist es eigentlich um das Ansehen bestimmter Berufstände bestellt? Das Tiefgeschoss unter dem ebenerdig anzusiedeldenden Berufstandes der Zuhälter wird ja nun schon von Bankmangern bewohnt. Sieht so aus als müsste dieses für die Journalistenriege nochmal unterkellert werden.

  21. Oh man, da muss man sich ganz schön fremdschämen, für seine „Kollegen“ – *rot-werd*versteck* – Warum nur vergessen so viele so schnell wo Pressefreiheit aufhört und Persönlichkeitsrechte beginnen? – Eine Blamage nach der anderen… Da brauch man sich gar nicht mehr zu wundern, warum Journalisten so unbeliebt sind, ich verstehe das.

  22. Winnenden ist für mich die endgültige Bestätigung, daß unsere minutenaktuellen Medien allesamt vom ach so niveaulosen Netz-Pöbel in die Tonne gekloppt werden können: es gibt schlicht und ergreifend keinen qualitativen Unterschied mehr.

    Man muss sich mal vor Augen halten, welch wahnsinnige Liberalisierung das Internet hier gebracht hat: ob ahnungslose RTL-Reporter vor der Kamera inhaltsleere Nichtigkeiten herunterstammeln oder journalismusfremde Augenzeugen über Chats, Blogs und Twitter ihre Eindrücke ins Netz rotzen – als Konsument beider Medienzweige kann ich mich beruhigt zurücklehnen und sagen: die Qualitätsfrage ist eine Scheindebatte. Qualität ist irrelevant. Nicht einer der beteiligten Nachrichtenmacher hat sich dem wahnsinnigen Experiment verwehrt, als traditionelles Medium gegen das Internet anzutreten und fröhlich-verzweifelt zu zeigen, wer die rhetorischen und inhaltlichen Seifenblasen schneller und ungeprüfter über den Äther schicken kann.

    Das „Live“-Symbol neben dem Senderlogo verpflichtet nicht mehr, trotz schwieriger Produktionsbedingungen einen Mindeststandard an Sorgfalt, Verantwortung und Professionalität einzuhalten. Im Gegenteil: das „Live“-Symbol ist zu einer Entschuldigung geworden für Schlampigkeit, für die Versendung von Nichtigkeiten, für eine als investigativ, aktuell und informierend verschleierte Aneinanderreihung von journalistischen und menschlichen Tabubrüchen.

    Ja, ich möchte in so manchen Briefkasten kotzen. Aber es bringt nichts: denn quotentechnisch war Winnenden mit Sicherheit ein voller Erfolg. Eine schreckliche, willkommene, sich hoffentlich nie wieder und hoffentlich schnellstmöglich wiederholende Tragödie. Es kommt nur auf den Blickwinkel an.

    Ekelhaft.

  23. richtig schlimm war übrigens auch der „extra“ beitrag zu diesem thema. auch so als „wir berichten übers berichten“ – mäßig aufgemacht.
    da reicht dann ein briefkasten auch nicht mehr.

  24. „Deutschland will daheim am Fernseher Neuigkeiten sehen.“ Wollen wir, denn auch du bist ja bekanntlich Deutschland, den Dreck wirklich sehen? In dieser flachen, hektisch rausgeknallten Billigqualität und der epischen Breite? Ich nicht.

    Während der Attentate im Dezember 2008 war ich in Indien, nicht weit von Mumbai, Kurzurlaub nach 5 Wochen Entwicklungsarbeit in Nepal. Zwei Tage und Nächte lang konnte man kein Haus, kein Restaurant, keine Strandkneipe betreten, ohne von der Live-Berichterstattung erschlagen zu werden. Überall lief die Glotze, hallten Schüsse, gellten Schreie, waberte Rauch – und wenn nicht live, dann in der hundertsten Wiederholung. Wem ist damit gedient, wer will sich 60 Stunden Terrordauerberichterstattung antun? Wem hilft das? Den Opfern und ihren Angehörigen bestimmt nicht. Ich weiß, good news is no news, aber vergiften wir uns nicht schleichend mit dem ständigen Alltagshorror?

    Schöne neue Medienwelt! Schade, ich hab leider den Zündschlüssel für meine Zeitmaschine verbummelt.

  25. Da ich um zwölf nie zu Hause bin, kenne ich die Moderatorin nur von Switch, wo sie zwei süße Robenbabys im Soster Zoo ankündigt…

  26. Die arme Sarah hat ihre angestrebte Journalistenkarriere damit hoffentlich im Keim erstickt. Aber mit blinkenden Lichtern und Hotbuttons soll man sich bei 9Live ganz gut auskennen, vielleicht geht da noch was.

    Mit kopfschüttelnden Grüßen

  27. Man kann natürlich so oder so auf besonders das N-TV Interview und die Bemühungen der ZDF „Reporter“ gucken.

    Positiv gesehen:
    – Nicht alle Experten fühlen sich so gebauchpinselt wenn sie von den Medien um ihre Meinung gebeten werden, dass sie jedes beknackte Spiel mitspielen und brav erzählen und fabulieren, was gerade gewünscht ist
    – Nicht alle „Deutschen“ fühlen sich gebauchpinselt, wenn die Medien sie nach ihren „Beobachtungen“ fragen. Manche empfinden das (besonders in der hier beschriebenen Situation) als genau die Unverschämtheit, die es ist.

    Na dann: Noch ist Deutschland nicht verloren ;-)

  28. Diese Punkt12-Scheiße ist einfach nur ekelhaft. Ausgelegt auf den dümmsten anzunehmenden Zuschauer mit dem Ziel, Panik zu machen, um dann über diese Panik ausführlich berichten zu können.

  29. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die muss i net wissen.Das Grundmuster reicht.Ein hübsches Standbild und ein O-Ton und fertig ist die Musik!

    Aber soviel Reporterwahnsinn, der führt bei mir zum nächsten Gang und zum nächsten Briefkasten! *örrrrkkkksss*

  30. Bei all der berechtigten Kritik, die hier in den Kommentaren geäußert wird: Warum geht es bei vielen Usern eigentlich nicht ohne pauschales Draufhauen und Verallgemeinern? Genau so wenig, wie sich das ZDF zu Deutschlands Sprachrohr machen darf, sollte man umgekehrt nicht vom boulevardesken Verhalten eines einzelnen Reporters auf die Arbeitsweise eines gesamten Senders Rückschlüsse ziehen. Und wer aufgrund der journalistischen Fehltritte in Winnenden gleich einen ganzen Berufstand unterhalb von Zuhältern einordnet, disqualifiziert sich selbst.

  31. Wie die, mit Verlaub, saudumme Reporterin irgendeine Sensation aus dem Kerl rausbekommen will, ist fast so beschämend, wie seine Antworten Mut machen, das noch nicht aller Verstand restlos ausgelöscht ist.

  32. Prof. Kersten von der (Achtung!) Deutschen Hochschule der Polizei war übrigens vor einigen Jahren sehr häufig Gesprächspartner von Alexander Kluge in dessen Sendungen im Kulturfeigenblatt auf RTL.

  33. Joachim Kersten ist ganz groß! Hab ihn früher ab und zu be Alexander KLuge gesehen mit wirklich sehr interesanten und fundierten Gesprächen.
    Ich hab das NTV-Interview jetzt bestimmt schon fünfmal gesehen. Es wird jedes Mal besser! Ganz großer Fernsehmoment!!

  34. @38 / Shaun:

    Das, was der einzelne Reporter abliefert, geht idealerweise durch eine Qualitätskontrolle. Das, was er an Bildern und Berichten liefern soll, wird von der Redaktionsleitung diktiert. Winnenden ist ein Paradebeispiel für die Arbeitsweise eines Senders, zumindest für die Arbeitsweise der journalistischen Abteilung: es gibt bei der Live-Schalte keine Qualitätskontrolle – zu Gunsten größtmöglicher Aktualität. Und gibt es keine Informationen, wird die Tatsache, daß es keine Informationen gibt, als Information verkauft.

    Der Berufsstand des Journalisten, unterhalb von Zuhältern? Zumindest für mich nicht. Aber alle an Winnenden (live im Blutbad-TV und später beim Abdruck der Opferfotos) beteiligten Journalisten, Redakteure, Moderatoren und Producer tragen ihren Teil dazu bei, daß das Ansehen der Informationsbranche sinkt.

  35. Ach, es ist zum Haare raufen, diese völlige Unfähigkeit dieser beiden nTV-Duracell-Nachrichten-Hasen, mit einem Gesprächspartner zu sprechen(!???)….mich würden wirklich mal die Anforderungsprofile solcher Sender an ihre Nachrichtensprecher interessieren, ich selbst kenne es nur aus dem Radio-Betrieb, aber da sind die Moderatoren auch meistens die dümmsten und eitelsten.
    Allerdings wundert mich bei n-TV schon lange nichts mehr, dieser einst etwas krude, aber ambitionierte Nachrichtensender hat doch seit der Übernahme durch RTL nichts mehr zu bieten. Bei mir lag er dereinst auf der 6 der Fernbedienung, mittlerweile hab ich ihn irgendwo zwischen 9live und hse24 in die hinteren Ränge verschoben.
    Und die ÖR haben zwar ein Dutzend Spartensender für Wiederholungen und Archivmaterial, aber auf einen Nachrichtensender alla msnbc, mit selbständiger Redaktion und hervorragendem Personal, darauf könne wir ewig warten.
    Allein das Phoenix (meine aktuelle 6) bis heute seinen Hauptsitz in Bonn hat, ist doch ein Hohn.

  36. Toll, der Experte im ersten Film! Man merkt genau, dass die Moderatorendarstellerin gar keine Ahnung hat, mit wem und wovon sie spricht. Sehr schön der Moment, als sie sagt: „Kommen wir doch zu dem Amoklauf, Sie sagten ja, Sie sind… wie… wie, aus Ihrer Sicht…“ – da wird einfach nur offensichtlich, dass Sie meint, ihre Frage prophylaktisch rechtfertigen zu müssen, indem sie ihm sagt, was sie meint, was er sei… Ein schaurig schöner Fernsehmoment – oder doch ein schön schauriger?

  37. „das können Sie sicher noch nachrecherchieren“ – einfach nur schön.

    Kurz fragte ich mich, woher ich dieses Zoomen auf den Namen der Schule kenne – zoom hin … zoom weg… zoom hin, … zoom weg.

    Das war gestern oder vorgestern, der österreicher Kriminalitätsforscher Dr. Thomas Müller zu Gast bei Kerner. http://wstreaming.zdf.de/zdf/300/090319_mueller_jbk.asx
    Diese Müller hat auch die Scholl-Latoursche Unerschrockenheit einfach zu sagen, was er für richtig hält – seinetwegen habe ich mir die Sendung angesehen – ansonsten meide ich Kerner wo es geht.

    Und in eben dieser Sendung wurde auf das Portrait Fritzels gezoomt – und wieder weggezoomt. Und wieder hin. Und wieder weg. z.B. bei 8:50.

    Das sagt dem Zuschauer: Wir sind unfähige Moronen. Wir wollen etwas ausdrücken, und wissen nicht was. Es ist ein bildgewordenes „äh – ich sage mal so – äh.“

    Außerdem sind jetzt Einblendungen da „Die momentan laufenden Fernsehbilder dürfen aus rechtlichen Gründen leider nicht im Internet gezeigt werden. Es geht gleich weiter.“ bei 4:50 und 8:20 – was im Original da war weiß ich nicht mehr.
    Vielleicht auch mehr – den ganzen Beitrag wollte ich dann doch nicht erneut sehen.

  38. Nachtrag: „Keiner findet die richtigen Wprte – die Eltern sind zusammengescharrt worden …“ – na da hat doch jemand passende Worte gefunden.

    Auftritt: Hubschrauber.

    Bei Karl May gab es die Geier die am Himmel kreisen – diese Rolle übernimmt so ähnlich in der Moderne der Hub-schrab-schrab. Das heißt oft – wenn auch nicht immer: Hier ist was brisantes.

  39. Mich wundert, erstaunt oder erschreckt bald nichts mehr. Zum lachen/weinen/isolieren.

    Das Mädel von RTL wollte bestimmt mal was mit Medien machen, hat beim Praktikum die richtigen Knöpfe gedrückt und wird jetzt richtig schön verheizt.
    Man darf einerseits nie vergessen, dass hinter der schlimmsten Medienmaschine wiederum auch nur ein Haufen armer Tropfe steckt, die anscheinend dermaßen unter Druck gesetzt werden, dass ihre mehr oder weniger solide Kompetenz ähnlich schnell zerplatzt wie ihre Träume von der großen Karriere im Dienste der Wahrheit.
    Andererseits ehen wir hier vielleicht konkrete Symptome, was die Journalismus-Forschung im Bereich des journalistischen Rollenverständnisses schon länger als Shift zum „unterhaltenden Service-Journalisten“ sieht. Oder doch einfach nur eine einzigartige Ansammlung von überforderten Dummköpfen?

  40. Auch der Hinweis am Ende „und wir werden im Laufe der Sendung auch noch etliche male zu ihnen hinschalten, sobald sie neue Informationen haben“ ist eine schöne Offenbarung dessen, was bei RTL als „Information“ gesehen wird.
    Overnewst but underinformt gewürzt mit einer menschenverachtenden Grundhaltung…

  41. @45 karnival
    „Und die ÖR haben zwar ein Dutzend Spartensender für Wiederholungen und Archivmaterial, aber auf einen Nachrichtensender … darauf könne wir ewig warten.“
    Das müssen wir sogar… wegen n-tv.
    M.W. haben die Privaten 1997, als Phoenix gegründet wurde, verhindert, dass da ein richtiger Nachrichtensender draus wird. Nichtmal das Morgenmagazin darf durchgeschalten werden. Begründung war der angeblich vorhandene private Nachrichtensendermarkt, der durch einen ör Sender zerstört würde. Diese Begründung gibts noch heute. Damals aber gab es nur n-tv. Mittlerweile gibt es auch N24 und der Markt entwickelte sich bei beiden Sender von Nachrichten weg.
    So preisgünstige Versuche wie EinsExtra mit seinen 11-14 Stunden Dauertagesschau sind Angriffe durch die Hintertür. Aber auch da drohte der VPRT bereits mit dem Gang nach Brüssel.
    Dass es keinen ör Nachrichtensender gibt haben wir also den Privaten zu verdanken, die ihrerseits auch nichts Richtiges anbieten. Ein Hoch auf die deutsche Medienpolitik.

  42. @51 Fabian
    „…ist eine schöne Offenbarung dessen, was bei RTL als „Information” gesehen wird.“
    Der Sender zählt Extra, Explosiv und Exclusiv zu seinen Informationsprogrammen, so wie auch taff oder das ehemalige Sat.1-Mittagsmagazin (Stichwort „Schrittklemme“)Informationsprogramme sind, bzw. waren.
    Ein Hoch auf die deutsche Medienpolitik.

  43. joachim kersten wird auf jeden fall nie wieder angerufen. er spekuliert einfach zu wenig.
    schon schade das diejenigen, welche einen erkenntissgewinn ermoeglchen, allein dadurch aus dem programm fliegen, weil sie einen erkenntnissgewinn ermoeglichen.

  44. Am kommenden Montag dem 23.3.09 um 22.45 Uhr erscheint die Geisel Igor.W. zur „Vernehmung“ bei Beckmann.
    Man darf gespannt sein, wie weit ihn seine Phantasie treibt.

  45. ████████████████████████████████████████

  46. Glückwunsch an Joachim Kersten, der genau das richtige gesagt hat. Leider werden es a) zu wenige Leute gesehen, b) zu wenige Leute verstanden haben und zudem wird c) niemand Schlussfolgerungen daraus ziehen.

    @21 Thorsten und @32 Joachim
    Ich bin mir leider gar nicht so sicher, ob Sarah Jovanovic nie wieder so eine Chance bekommt oder ihre Journalistenkarriere hiernit im Keim erstickt ist.

  47. Große Leistung auch mal wieder von SPON: Da schafft man es doch tatsächlich, von dem heutigen offenen Brief der Angehörigen ausgerechnet den Absatz zu übersehen, in dem darum gebeten wird, den Täter wegen der dadurch gegebenen Heroisierung nicht mehr namentlich zu erwähnen oder Bilder von ihm zu zeigen.

    Aber sonst hätte es ja auch komisch ausgesehn, wenn dann im selben Artikel nochmal der komplette Vor- und Zuname genannt wird..

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,614664,00.html

  48. herr niggemeier, außer kotzen fällt mir dazu nichts ein. und entleeren wollte ich mich nicht in ihrem geschätzten etablissement.

    .~.

  49. Wenn sich der Verfassungsschutz bei (der Schauspielerin!) Maria Furtwängler darüber beschwert, dass der Tatort „Das Gespenst“ eine „völlig unrealistische Darstellung der Arbeit des Verfassungsschutzes“ gezeigt habe, dann brauche ich mir keine Gedanken mehr darüber zu machen, wie es um die Wahrnehmung des durchschnittlichen Medienkonsumenten bestellt ist.
    Und wenn sich der NDR dann noch rechtfertigt, dass er sich habe „professionell beraten lassen “ und sogar das Drehbuch (in dem der VERFASSUNGSSCHUTZ vorkommt) vorab an das niedersächsische LANDESKRIMINALAMT geschickt habe, dann zähle ich jetzt mal 1 (Medien) und 1 (Konsumenten) zusammen und komme zu einem erstaunlichen Ergebniss: 1+1=1.

  50. RTL punkt 12 – die „Nachrichten“sendung für den Nichtwähler, eine Art „Brisant“ oder „Hallo Deutschland“ am Mittag.

  51. Ich könnte mir vorstellen, dass die überforderte Dame von RTL den peinlichen Beitrag selbst hat entfernen lassen. Ich könnte es sogar verstehen.

  52. Stefan, vielen Dank für die Dokumentation dieser widerwärtigen „Berichterstattung“. Ich muss mich meinen Vorrednern anschließen: Man kann nicht so viel fressen wie man kotzen möchte.

  53. Ich finde Deinen Idealismus bezüglich der Fernsehlandschaft rührend Stefan.

    Ich mag mich da wiederholen aber schon nach Erfurt hat Frontal 21 auf Bildniveau berichtet, das alles hier sind keine neuen Tiefpunkte und ich kann mich darüber nicht mehr entsetzt zeigen. Ich habe seit 2 Jahren keinen Fernseher mehr weil mich keiner der deutschen Sender mit Inhalten versorgen kann, die ich interessant finden könnte. Es gibt einfach nichts. Gar nichts. Ich weiß einfach zu viel, um mir nicht vom deutschen Fernsehen am laufenden Meter verarscht vorzukommen. Das fing vor Jahren seicht mit „Symbolbildern“ an und ist inzwischen dazu ausgeartet, dass themenfremde Filmschnipsel ohne „Archivbilder“-Einblendung gezeigt werden, Dinge ausserhalb der zeitlichen Reihenfolge gesendet werden und generell suggestiv berichtet wird, nur um die Meinung der Masse und des Autors der Sendung widerzuspielgeln. Dieses Gefühl, dass einen Reporter einfach nur noch ankotzen, habe ich vor Jahren gehabt, und einfach abgeschaltet, weil ich’s nicht mehr ertragen konnte.

    Was sonst soll man denn auch machen?

  54. „keiner weiß wirklich etwas weil die polizei jetzt auch noch nicht alles preisgibt was sie weiß an täter-wissen und so weiter …“
    unfuckingbelievable. gut, dass mein fernseher schon vor jahren gestorben ist.

  55. Wenn bei einem „Großereignis“ wieder wild hin- und hergeschaltet wird, begleitet von der ewig gleichen Bildschleife mit mehr oder minder verwackeltem Rohmatrial, nur um Vermutungen und Falschmeldungen als erster live auf dem Schirm zu haben, fragt man sich wirklich, was der Nutzen solcher „Nachrichten“ sein soll. Oder ist das gar fiktionales Entertainment?

    Für RTL war es wohl wichtiger, irgendwen für einen „Stimmungsbericht“ mit Live-Bild vor Ort zu haben, der keine Ahnung hat und irgendwas dahinbrabbelt, als auf diese Live-Schalte zu verzichten. Ganz nach der Devise, die inzwischen alle Sender zu haben scheinen: Schnell vor Ort! Was dabei herauskommt: egal. Schnelligkeit vor Wahrhaftigkeit.
    Dabei hatte man davor zu Beginn der Sendung „Punkt 12“ einen Reporter per Telefon befragt, dessen Informationen, auch aus der Rückschau betrachtet, fast alle korrekt waren.
    Nachdem die darauf folgende erste Schalte zu Sarah Jovanovic so kläglich verlief (und durch die Zwischenfragen von Katja Burkhard, die im YouTube-Video herausgeschnitten sind, nicht besser wurde), bekam die RTL-Nachwuchskraft nach einer Stunde eine zweite Chance, die sie zwar besser, aber auch nicht gut meisterte. Dieses zweite Video („RTL-Reporterin Sarah Jovanovic in Winnenden“) ist immer noch auf rtl.de „offiziell“ abrufbar. Offenbar ist man dort über diese „Leistung“ nicht verschämt, sondern hält es für Journalismus, den es zu archivieren gilt.

  56. @84:
    Den Link zu dem von Dir erwähnte zweite Video von Sarah Jovanovic habe ich weiter oben (#72) bereits gepostet und ich finde nicht, dass sie das besser gemeistert hat. Zugegeben- weniger Emotionen und vollkommen sinnlose Passagen, dafür aber mehr inhaltliche Fehler. Laut diesem „Report“ hat der Täter angeblich zwei Menschen aus dem Auto heraus erschossen und ist danach in ein Kaufhaus gelaufen…

  57. Und ich dachte schon, ich bin der Einzige, dem diese Berichterstattung dieser Sensationsjournalismus dieses Leichenfleddern auf den Senkel geht.
    Ich schließe mich hiermit den Herren dot tilde dot sowie grey²³ an und werde nun gepflegt eine Runde kotzen. Allerdings nicht in diesem Blog, sondern vor den Türen eines beliebigen deutschen Fernsehsenders (unabhängig davon, ob öffentlich-rechtlich oder privat) oder eines beliebigen deutschen Verlags.
    Vermutlich werde ich anschließend an Unterernährung verrecken. Aber Hauptsache, ich weiß, was der Amokläufer Mörder zum Frühstück gegessen hat…

  58. Hmm, ist das ein Darstellungsproblem meines Browsers oder wird der HTML-Code für’s Durchstreichen in den Kommentaren nicht mehr unterstützt, Herr Niggemeier?

  59. @Kommentar 1: Ja, der Fernsehrat des ZDF, der für Programmbeschwerden, also Beschwerden, die die Verletzung von im ZDF-Staatsvertrag festgelegten Programmgrundsätzen behaupten, zuständig ist, hat selbstverständlich auch einen Briefkasten.

    Aber halt, die Frage war rhetorisch gemeint, oder?

  60. […] „Fragen stellen ist nun mal unser Beruf” « Stefan Niggemeier: Stefan Niggemeier wirft einen kritischen Blick auf die Fernsehberichterstattung zum Amoklauf in Winnenden, journalistische Verantwortung und deren nicht Beachtung. Wie sooft dienen YouTube Schnipsel zur Dokumentation. Und wie so oft, spricht das Material für sich. Ob diese Form der Medienkritik auch Gegenstand de Schulunterrichts ist? […]

  61. Sag mal, Stefan:

    Schämst Du Dich eigentlich inzwischen dafür, diesem Journalistenpack anzugehören? (Reiner Zynismus.)

    Die Kommentare sind dermaßen pauschalisierend, da bleibt mir einfach die Luft weg… Und eigentlich macht mich das ganze Draufgehaue traurig, weil es eine notwendige Qualitätsdebatte letztlich verhindert. „Die Presse“ ist böse und „die Journalisten“ alles Arschlöcher, ist mir schon klar. Ein schlimmer Holzweg.

  62. Nemo es ist doch eher so, dass die Journalisten nur das Schappi produzieren, dass die Meute fressen will. Oder nein halt – wir essen ja alle wieder Rindfleisch, egal ob’s Prionen-Probleme gibt oder nicht, hauptsache billig. Das Schappi nebendran ist teurer.

    Wenn uns unser Informationsverhalten so wichtig wäre wie unsere Köter, dann wären die „News“ wahrscheinlich auch besser.

    So sieht’s doch aus.

  63. @#17: Auf der Basis der ZDF-Bebilderung hier schon (die Sendung insgesamt kenne ich mangels Fernseher zu wenig und kann dementsprechend nur über diesen Auszug urteilen). Das ZDF wird als unfähig hingestellt, weil es nichts herausbekommt. Weil es respektiert, wenn die Beteiligten nichts sagen wollen, und sein Sensationsinteresse wenigstens nach entsprechender Willensäußerung hintanstellt. Weil es nicht weiter aggressiv nachbohrt, keine Nachbarn besticht oder unter Druck setzt, keine Ersatzinformationen erfindet oder Bewohnern das Wort im Mund herumdreht. Wie gesagt kann man das zwar machen, aber wenn Sie beide Positionen kritisieren, wird jedenfalls mir nicht klar, was Sie eigentlich positiv wollen, und es fällt mir schwer, dem eine konstruktive Komponente abzugewinnen. Es sei denn, das ist gar nicht gewünscht, vielleicht überbewerte ich Ihre Intention auch.

  64. Auf ein Wort zu Sarah J.

    Ich finde es traurig, wie hier auf einer – offensichtlich komplett unerfahrenen – Reporterin rumgehackt und sich über sie lustig gemacht wird. Dass der Beitrag und ihr Gestammel mitleiderregend ist, will ich gar nicht bezweifeln.

    Nur so viel: Jeder hat mal klein angefangen. Und mit Gespött, wie es hier geäußert wird, kommt wirklich keiner weiter – am wenigstens Sarah J., die noch viel zu lernen hat.

    Wirkliche Größe zeigt, wer sich auch mit den „Großen“ anlegt.
    Wenn die 12.-Klässler auf dem Schulhof die 5.-Klässler verprügelt haben, kam mir das auch immer schäbig vor.

    Da ich davon ausgehe, dass dieser Blog durch eine Menge Medienleute/Journalisten frequentiert wird, bitte ich doch um ein bisschen mehr Respekt gegenüber dem Nachwuchs.

  65. Da hätte RTL aber auch intelligenter sein können und für so einen Ausnahmezustand keine blutjunge Reporterin schicken brauchen.

  66. Wenn man sich diese Videos anschaut, möchte man diesen ekelhaften Aasgeiern einfach nur in die Fresse schlagen.

    Und die ach so seriöse ARD (bzw. SWR) stellt nach der Trauerfeier auch noch einen Journalisten vor die Kirche, um eine Theologin nach ihrer Meinung zur Trauerfeier zu fragen. Und man muss noch dankbar sein, dass das nicht Delling und Netzer waren.

  67. @ Simon: Ja. Genau das meinte ich, als ich das Niveau der Debatte erwähnte. Merkt ihr eigentlich noch, was hier passsiert?

  68. @nemo: Wir nähern uns hier und in den Kommentaren zu den anderen Beiträgen hier im Blog dem Niveau der -ähem- Medienkritik bei Twitter. Ich würde nicht so weit gehen wie Jens Schröder ( http://www.popkulturjunkie.de/wp/?p=4214 ), aber drüber nachdenken kann man durchaus.

    Typen wie Simon laufen zur Zeit aber ja auch im echten Leben rum. Aufgeheizt durch offenbar (i.S.v. wie sich zunehmend herausstellt) bestenfalls scheinseriöse ZAPP-Beiträge, von denen mindestens einer auch im SWR ausgestrahlt worden ist, drohen sie Journalisten tatsächlich, die Fresse zu polieren.

    Um in die Zielgruppe der neuen, selbsternannten Wächter der Moral zu geraten, muss man indes nicht etwa in Winnenden gewesen sein oder in Gladbeck, Witwen geschüttelt haben oder Bilder bei StudiVZ geklaut haben. Mit einem Block, einem Stift, einer Digitalkamera und ein bisschen Pech fernab irgendwelcher Trauerfeiern aufzukreuzen reicht jedenfalls in Süddeutschland derzeit völlig aus, um mit „Kritik“ à la Simon konfrontiert zu werden. (Der „Witz“ dabei ist, dass selbst die Winnender Bürger scheinbar sehr wohl zu differenzieren wissen – Quelle: SWR1 „Leute“ http://www1.swr.de/podcast/xml/swr1/bw/leute.xml ).

  69. Ganz peinlich fand ich die ZDF-Sondersendung. Dort wurde jemanden, der beim Erfurt-Attentat einen Angehörigen verloren hatte. Er wurde vor dem PC positioniert und sah sich dort – natürlich über die ZDF-Mediathek – die Bilder aus Winnenden an. Das würde ihn jetzt alles noch mal sehr mitnehmen, sagte der Mann. Ja klar. Wer hätte das gedacht. Die ganze Zeit deutlich zu sehen: Die super-duper Mediathek. Einfach nur erbärmlich.

  70. @nemo und @Thomas

    Ich bin ein friedlicher Mensch, aber dieses Verhalten einiger Journalisten und Fotografen widert mich an. Und das zugespitzte „in die Fresse schlagen möchten“ war eben meine persönliche Empfindung als ich hier die Videos nochmal gesehen hab.

    Mitnichten hab ich hier alle Journalisten in einen Topf geworfen, wie du hier suggerierst, Thomas. Ich habe hier lediglich von ekelhaften Aasgeiern gesprochen bei denen ich diese Empfindungen bekomme.
    Und ich bin mit Sicherheit nicht der Meinung, dass alle Journalisten ekelhafte Aasgeier sind (du vielleicht?).

  71. Die „Vor Ort“-Reporterin von RTL, ohne Worte! Die Personifizierung der „Ich will mal irgendwas mit Medien machen“-Generation.

  72. Ich halts wie Groucho Marx, der einmal gesagt haben soll:

    „Ich denke, Fernsehen bildet. – Jedes Mal, wenn jemand den Fernseher einschaltet, gehe ich nach nebenan und lese.“

    btw. Richtig schön, dass Nils Minkmar hier jetzt auch schreibt …

  73. Die Tatsache, dass Geld und Sensationslust wichtiger sind als jede menschliche Reaktion ist schockierend- besonders wenn man an kommende Generationen denkt, die diese Art der Berichterstattung als normal kennenlernen.

  74. […] Kein Blogger hat traumatisierte Schulkinder zu Aussagen gedrängelt, kein Twitterer Fotos der Toten veröffentlicht. Die Gegenöffentlichkeit des Netzes hat überhaupt erst dafür gesorgt, dass irgendwann auch die etablierten Medien sich gefragt haben, ob es in Winnenden nicht übertrieben wurde mit dem Prinzip “Ich bin ein Arschloch – Lasst mich hier rein”. […]

  75. Reporter: (zu einem Mann, der gerade mit dem Auto vor dem Haus geparkt hat) Schönen guten Tag, dürfen wir Sie ganz kurz stören? Sie sind sicherlich ein Kunde des Hauses.

    Passant: Ich geb dazu keine Antwort.

    Meine Antwort dazu wäre folgende:

    ‚Ich habe mit der Sache nichts zu tun und Stelle Ihnen für das Recht zur Veröffentlichung meines Bildes ab 1000 Euro aufwärts in Rechnung. Der Vertrag kommt durch Ausstrahlung meines Bildes zustande.‘

    Es ist unwahrscheinlich, das jemand das über den Sender gehen lassen wird …

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