Wie „Hallo Deutschland“ Opfer rekrutiert

Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag berichtet heute über Winnenden:

Die ersten Anfragen nach Interview-Partnern erschienen nur wenige Stunden nach dem Amoklauf. Ganz vorn dabei: das ZDF.

Für das Boulevardmagazin „Hallo Deutschland“ suchte ein ZDF-Autor nach Jugendlichen, die vor der Kamera sprechen würden. Das Interesse der Medien werde stark zunehmen, kündigte der Fernsehreporter an und empfahl den Minderjährigen, sich einem „seriösen“ Medium wie dem ZDF anzuvertrauen.

Ich habe das Unfallmagazin „Hallo Deutschland“ mit seinem sensationsgeilen Voyeurismus schon vorher für eine der schlimmsten Verirrungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gehalten. Aber diese Art der Rekrutierung unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ist noch widerlicher, als ich dachte.

Um es klar zu sagen: Ich würde jedem, der ein „seriöses“ Medium sucht, dringend davon abraten, sich ZDF-Sendungen wie „Hallo Deutschland“ oder „ZDF-Reporter“ anzuvertrauen.

Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag widmet heute übrigens seine ganze Medienseite der Berichterstattung über den Amoklauf. Die wöchentlich erscheinende Seite wird von dem 24-jährigen Journalistik-Studenten Sebastian Wieschowski mit Unterstützung durch den 59-jährigen ehemaligen „Tagesspiegel“-Redakteur und Pressesprecher von Heide Simonis, Gerhard Hildenbrand, gestaltet — was nach einem ziemlich spannenden Konzept klingt. Die heutige Seite kann man sich (mit freundlicher Genehmigung des Autors) hier ansehen: