Kurz verlinkt (34)

19 Apr 09
19. April 2009

Hart aber fair, das ist die selbstreferenzielle Antwort eines politischen Journalismus, der behauptet, Politik sei etwas anderes als die Wirklichkeit, aber an der Wirklichkeit nur dann interessiert ist, wenn er sie selbst inszenieren kann im ewig selben Ritual.

Carolin Emcke nimmt in der „Zeit“ die Methode von Frank Plasberg auseinander.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterFlattr the author
50 Gedanken
  1. 1
    Fred Feuerstein says:

    Da schaunmermal wie hier die Leser und wie am 24.4. reagieren und diskutieren

    „Am Montag, 24. April, diskutiert die Autorin ab 12 Uhr mit den ZEIT-Lesern in unserer Community“

  2. 2
    SQN says:

    Ich schaue schon seit längerem kein Fernsehen mehr und habe auch „hart aber fair“ schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Der Kommentar von Carolin Emcke erinnert mich aber ein ums andere mal an einen charmanten Aufsatz des Philosophen Harry Frankfurt mit dem passenden Titel „On Bullshit“.

    Dort argumentiert Frankfurt, dass unsere mediale Welt durchsetzt ist von „Bullshit“, d.h. von Äußerungen und Beiträgen, bei denen es zu allerletzt um die reale Faktizität der Aussagen selbst geht. Was wahr ist und was Lüge ist, ist im endeffekt egal — im Mittelpunkt stehen Selbstdarstellung und vermeintliche Authentizität.

    „What bullshit essentially misrepresents is neither the state of affairs to which it refers nor the beliefs of the speaker concerning that state of affairs. Those are what lies misrepresent, by virtue of being false. Since bullshit need not be false, it differs from lies in its misrepresentational intent. The bullshitter may not deceive us, or even intend to do so, either about the facts or about what he takes the facts to be. What he does necessarily attempt to deceive us about is his enterprise. His only indispensably distinctive characteristic is that in a certain way he misrepresents what he is up to.“

    Wenn ich den Kommentar richtig lese, handelt es sich bei „hart aber fair“ ganz eindeutig um „Bullshit“. Die Äußerungen von Plasberg lassen dies zudem jedenfalls vermuten.

  3. 3
    V says:

    Ich fand den Artikel auch äußerst intelligent und hervorragend geschrieben. Danke für’s Verlinken.

  4. 4
    Markus says:

    Nun wird eine Behauptung nicht wahr, bloß weil sie dauernd wiederholt wird. Nur weil die SPD das „sozial“ im Namen führt, ist sie es ebenso wenig, wie die CDU nächstenliebend ist, nur weil sie sich „christlich“ nennt.
    Made my day.

  5. 5
    Gunnar says:

    Ich finds immer wieder interessant, wenn Leute behaupten, dass sie keinen TV mehr haben/kein TV mehr gucken und es sie trotzdem nicht daran hindert sich übers TV auszulassen, bzw. alles blöd zu finden, was im TV läuft.

    ‚Hart aber fair‘ finde ich zuweilen ganz unterhaltsam, vor allem weil dort (auch unter den Gästen) mal etwas heftiger zur Sache geht. So eine vernünftige Streitkultur fehlt ja hier in Deutschland. Da geht es im amerikanischen TV schon ganz anders zu. Gestört hat mich bisher hauptsächlich die Auswahl einiger Gäste. Wenn Prof. Pfeiffer mal wieder zum Thema ‚Computerspiele‘ eingeladen und mit keinem Wort erwähnt wird, dass viele seiner Aussagen höchst umstritten sind, oder wenn ein Bild-Redakteur auch noch seinen Unsinn im ÖR verbreiten darf, dann stimmt etwas nicht.

  6. 6
    Sebastian S. says:

    5: An der letzten Sendung zum Thema Computerspiele war Pfeiffer noch das kleinste Problem (er war aber eines). Eines der größeren war, dass die Sendung sich eigentlich garnicht mit Computerspielen hätte befassen sollen.

  7. 7
    SQN says:

    @ Gunnar

    wo habe ich gesagt, dass ich alles blöd und stupide finde, was im TV läuft? Das habe ich mit keinem Wort behauptet!

    Allein die Tatsache, dass ich kein TV habe, heißt nicht, dass ich mich nicht dafür interessiere, was im TV läuft (nicht zuletzt deshalb lese ich dieses Medienblog) und es heißt auch nicht, dass ich mich nicht bei Gelegenheit dazu äußern kann.

    Ich verweise lediglich auf die Tatsache, dass meine Urteilsfähigkeit eingeschränkt ist, da ich seit Jahren nicht mehr „hart aber fair“ gesehen habe — was ich früher, als ich noch ein TV hatte, schon mal ganz gerne getan habe.

  8. 8
    Günter says:

    Und was ändert diese Dekonstruktion von Plasbergs Methode daran, dass „Hart aber fair“ auf dem Jahrmarkt der Politshow-Eitelkeiten trotzdem positiv heraussticht, weil der Moderator zumindest gut informiert, rhetorisch versiert und schlagfertig ist? (drei Attribute, die mir zu beispielsweise Christiansen und auch Will nicht unmittelbar einfallen würden). Was mich aber wirklich stutzig macht, ist, dass Frau Emcke ausgerechnet die völlig überflüssigen Beiträge von Brigitte Büscher lobt — dabei ist diese Wiedergabe von „Volkes Stimme“ nach dem Muster „Herr Müller aus Essen meint, die Politiker sollten mal die Steuern senken und im Sommer für besseres Wetter und Freibier sorgen“ einfach nur total banal und völlig verzichtbar.

  9. 9
    Herr Kaliban says:

    Ich habe schon beides gesehen: den „gut informiert, rhetorisch versiert und schlagfertig“ agierenden Plasberg und einen stümpernden, hilflosen, dem Thema und seinen Implikationen fernen Plasberg.

    Seit ich den zweiten gesehen habe, kann ich an den ersten nicht mehr recht glauben.

  10. 10
    Gunnar says:

    @SQN

    Das war jetzt gar nicht explizit an Sie gerichtet (nur so ein bißchen). ;)
    Allerdings gab es hier in der Vergangenheit immer wieder Kommentare — wenn Stefan Niggemeier das tut, was Medienjournalisten nunmal so tun — die das Fernsehen allgemein verdammen und sowieso den Fernseher schon vor 20 Jahren aus dem Fenster geworfen haben.

  11. 11
    aljas says:

    @SQN
    Meist erwähnen Kommentatoren die Tatsache, dass sie seit Jahren keinen Fernseher mehr haben lediglich zu dem Zweck, sich selbst als besonders clever und abgeklärt darzustellen. Als Intellektuelle über dem gewöhnlichen, dummen Volke schwebend, dass sich das TV-Geschwurbel überhaupt erst reinzieht. Genauso oft sind solche Kommentatoren dann auch noch stolz darauf, Sendungen nicht gesehen zu haben, über die sie sich genüsslich auslassen zu müssen meinen. Insofern unterscheiden Sie sich von solchen Kommentatoren, aber Gunnars Einlassung fußt ja auf einer allgemeinen Beobachtung.

    Back to topic: Der Artikel in der »Zeit« entspricht sehr meinem Empfinden. Was habe ich mich damals während der im Artikel erwähnten Sendung zum Thema Israel über die Gesprächsführung geärgert!

    Deshalb: Danke für den Hinweis!

  12. 12
    aljas says:

    Sehe gerade, dass Gunnar sich bereits selbst geäußert hat. Sorry für das Quasi-Doppelposting.

  13. 13
    Schreiberling says:

    Ich habe den Eindruck, dass es völlig unmöglich ist, einen guten politischen Talk zu machen.
    Geht es zu laut zu, nennt man es niveaulose Brüllshow.
    Geht es zu ruhig zu, unterstellt man gemeinsame Sache zwischen Machern und denen da oben, die ohnehin so verhasst sind, wie kaum jemand sonst.
    Plasberg macht seine Sache mal besser und mal schlechter, aber zufrieden wären wir doch erst dann, denn den Befragten z.B. in der Sendung ein Finger abgetrennt würde, oder?

  14. 14
    Marc says:

    Habe noch einen Fernseher und nutze den auch… allerdings nur öffentlich-rechtlich. ( Sollte das schon eine wirtschaftsschädigende Konsumverweigerungshaltung sein? ;) ) Frau Emcke trifft den Nagel auf den Kopf — mittschiffs.

  15. 15
    Felix says:

    @13: Schön wäre eine sachliche Diskussion, bei der tatsächlich irgendjemand daran interessiert wäre, sich Argumente anzuhören, darauf einzugehen und bei der alle, Teilnehmer wie Zuschauer, vielleicht irgendwie weiterkommen würden. Das Ergebnis des Schauens von Polittalks im Fernsehen ist allerdings zumindest bei mir — und ich denke es geht da vielen ähnlich — lediglich der Gedanke, dass man wirklich keine Lust hat sich mit diesen albernen Figuren wie sie sich dort darstellen zu beschäftigen.

  16. 16
    Ille says:

    „Es ist eine sonderbare déformation professionelle, wenn der journalistische Ehrgeiz sich vor allem darauf konzentriert, kritisch auszusehen, wenn komplexe Fragen unterkomplex präsentiert werden, damit sie dann mit „richtig“ und „falsch“ beantwortet“ (Zitat aus dem verlinkten Artikel).

    Da spricht mir Frau Emcke aus der Seele. Dass sich Plasbergs Gäste dank der ständigen Interventionen des Moderators meist nur noch im Anakoluth-Stil äußern können, lässt jede Behandlung einer komplexen Thematik von vornherein scheitern. Vielschichtige, diverse Faktoren berücksichtigende Antworten werden als Ausweichmanöver diffamiert — ein populistisches „So ist es und nicht anders“ wird dagegen als Aufrichtigkeit glorifiziert.

    Dass Plasberg Angst hat, von einem Populisten vorgeführt zu werden, ist bezeichnend, denn es ist die Furcht, mit den eigenen Waffen geschlagen zu werden.

    Die vielen Auszeichnungen, die „Hart, aber fair“ bekommen hat, sagen nichts über das Niveau der Sendung, allerdings sehr viel über die mangelnde Qualität der betreffenden Preise aus.

  17. 17
    Jörg says:

    Was ist eigentlich aus dem Journalistenverständnis eines Hanns-Joachim Friedrichs geworden, dass ein guter Journalist ‚sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört‘? Anzunehmen, dass das überhaupt ginge, ist vielleicht blauäugig, aber als formuliertem Anspruch, also als Zielsetzung, kann ich mich damit durchaus anfreunden.

    Was ist also schlimm daran, wenn sich Plasberg in seiner Sendung zunächst der Form und — unterstelltermaßen — erst dann dem Inhalt verpflichtet fühlt? Der Artikel lässt mich denken, dass das Fensehen für die Vermittlng politischer Inhalte möglicherweise nicht das richtige Medium sein könnte. Eine Erkenntnis, der ich mich noch nicht ergeben möchte.

  18. 18
    Tim says:

    Meh. Politische Talkshows sind meiner Ansicht nach als Informationssendungen vollkommen unbrauchbar. Letztlich geht es fast allen nur um Selbstdarstellung: Dem Politiker sowieso, dem Moderator/dem Sender/der Redaktion meist auch (wie in diesem Fall) , und Experten wenn man Pech hat ebenfalls, oder sie kommen einfach nicht zu Wort. Ein komplexes Thema in einer einstündigen Diskussion mit meist 5 bis 7 solcher Teilnehmer angemessen und ansprechend zu behandeln ist einfach unmöglich.

  19. 19
    Darian van Dark says:

    Zu 1, Zitat:

    „„Am Montag, 24. April, diskutiert die Autorin ab 12 Uhr mit den ZEIT-Lesern in unserer Community”

    Der 24.04. ist ein Freitag (und ich muss es wissen, ist mein Burzeltag), Montag ist der 20.04. — für manche allerdings auch ein scheinbar wichtiges Datum.

  20. 20
    Felix says:

    Ich halte das nicht für unmöglich. Sicherlich lässt sich nichts abschließend diskutieren, aber gewinnbringend. Wenn der Wille dazu da ist.

  21. 21
    Fernsehkritiker says:

    Als „Hart aber fair“ noch im dritten Programm lief, war es in der Tat eine tolle Polit-Talkshow — doch der Wechsel ins Erste hat dieser Sendung nicht gut getan. Zum einen ist Plasberg sein Erfolg offenbar zu Kopf gestiegen (was sich auf seine Seriösität negativ auswirkt), zum anderen werden immer mehr niveaulose Themen ins Programm genommen.
    Den Tiefpunkt erlebte diese Sendung kürzlich, als man den 9Live-Abzocker Jürgen Milski zum Thema „Alkohol bei Jugendlichen“ einlud. Ich schrieb daraufhin an die Redaktion, ob es denn mit dem Niveau der Sendung vereinbar sei, eine solch dubiose Persönlichkeit einzuladen. Des weiteren wollte ich wissen, warum Frank Plasberg keine einzige Frage zur 9Live-Abzockerei an Milski stellte.
    Die Antwort (vom Redaktionsleiter persönlich) fiel so aus, dass man mir mitteilte, dass Herr Milski ja nicht als 9Live-Präsentator eingeladen gewesen sei, sondern als Mallorca-Ballermann-Sänger. Deswegen sei es nicht nötig gewesen, dass Plasberg kritisch zu dem Thema 9Live hätte Fragen stellen müssen.
    Auf meinen Einwand, dass man mit diesem Argument ja auch den rechtsexremistischen Anwalt Jürgen Rieger einladen könne (zu einem Justiz-Thema nicht als Rechtsexremist, sondern eben bloß als Anwalt) erhielt ich keine Reaktion mehr.

  22. 22
    Schreiberling says:

    @ 15 „Schön wäre eine sachliche Diskussion, bei der tatsächlich irgendjemand daran interessiert wäre, sich Argumente anzuhören, darauf einzugehen und bei der alle, Teilnehmer wie Zuschauer, vielleicht irgendwie weiterkommen würden. „
    Das halte ich für ein unerfüllbares Ideal. Diese Annahme begründe ich damit, dass grundsätzlich jede Form in Frage gestellt wird.
    Ich behaupte mal, dass Ruhe und Interesse sofort als Anbiederung und Parteinahme interpretiert würde. Den Talks wird i.A. unterstellt, von vorn bis hinten abgesprochen zu sein. Daher kann eine Erklärstunde nur als politische Werbung aufgefasst werden. Noch dazu mit all dem Parteienproporz in den Sendern.
    Mein Eindruck ist, dass viele Menschen die ungeliebte Poltik im übertragenen Sinne bluten sehen will und da ist Plasberg insofern nicht schlecht, als dass er auch gern Phrasen unterbricht oder Faktenchecks durchführt.
    Es ist aber nicht zu leugnen, dass die Sendung nicht (mehr?) wirklich gut ist. Bezeichnend war der schnelle Sprung auf den Killerspielzug nach dem letzten Amoklauf. Aber würde die Sendung hier ohne solche Ausfälle wirklich besser ankommen?

  23. 23
    Dexter says:

    @16: Besser könnt´ ich es auch nicht sagen.
    In den wenigen monatlichen Stunden, die ich den Fernseher überhaupt noch „nutze“, bin ich letztes Jahr auch über Hart aber Fair gestolpert. Da saß Sarah Wagenknecht links auf der Anklagebank. Nach einem dümmlichen Einspieler, in welchem die DDR-Realität als verqueres Ideal einer werbe– und konsumwahnsinnsbefreiten Gesellschaft dargestellt wurde, ging die erste Frage von Plasberg natürlich an die Vertreterin der LINKEn: „Frau Wagenknecht, kennen Sie jemanden, der sich das als Alternative zurückwünscht?“ — Antwort Wagenknecht: „Man sollte einfach nicht so fantasielos sein, dass einem als einzige Alternative zu unserem heutigem System die DDR einfällt“. Haha, was hab ich gelacht und gleich mal weitergezappt :P

  24. 24
    Daniel says:

    Es ist ja schon interessant Plasber mal genauer auf die Finger zu schauen, aber die Autorin gerät dabei so ins Schwafeln dass am Ende irgendwie nicht mehr soviel sinnvolles übrig bleibt IMO.
    Mit Ausführungen wie

    „Plasberg nennt das „einen gepflegten Zettelkasten von Vorurteilen“ und ist froh, wenn er ihn „während der Sendung aufräumen muss“. Wer sich von Menschen oder ihren Ansichten nach Belieben distanzieren will, für den ist diese Art der flexiblen Stigmatisierung nützlich.“

    diffamiert sie Plaber durch inhaltsfreie Suggestivrhetorik. Sie berauscht sich dabei ganz eitel am eigenen Gerede (denn der Text könnte ohne Inhaltsverlust auch 2/3 kürzer sein ) und entwirft ein simples Zerrbild von Plaberg in dem sie ihm Eitelkeit und simplistische inszenierung vorwirft. Dass ist wohl Ironie für Fortgeschrittene, mindestens Level 3.
    Ein bisschen erinnert mch der Text leider auch an die ewig gleichen Hasspredigten die SPON auf Christiansen abgelassen hatte

  25. 25
    Haco says:

    ach, so schlimm finde ich das nicht, wenn Politiker mal auf eine Ja/ Nein-Aussage gedrängt werden, komplexes Thema hin oder her. Wie sich jemand in einer konkreten Situation verhält, sagt meist mehr aus als so manche Absichtserklärung. Ich muss mich ja auch ständig zur Welt verhalten, abwägen und überlegen, was ich für richtig halte und irgendwann mal eine Entscheidung treffen, ja oder nein — und naher damit leben.
    Es gibt genug andere Talkshows in denen man den Poltikern bei der Kunst zusehen kann, möglichst wortgewaltig nichts zu sagen.

  26. 26
    Andreas says:

    Politische Talkshows sind total überflüssig. Die Diskurse die dort geführt werden, sind von einer medialen Konsumlogik geprägt. In vielen komplexen politischen Fragen gibt es eben kein klares Ja/Nein, kein Gut/Böße, vor allem befinden sich solche Fragen immer in einem Kontext von Zwängen (die nicht immer selbstverständlich sind), deren Erklärung Zeit benötigt. Das widerspricht aber dieser Konsumlogik. Erstens müssen Diskurse irgendwie zum Tagesgeschehen passen. Läuft jemand Amok, brauchts eine PC-Spiele– und Waffendiskussion, wennn auch der betroffene Bereich (Jugendschutz, Waffenrecht, Bildungspolitik) entweder schon durchreguliert und alles mögliche verboten ist oder man konstatieren muss, dass Politik hier keinen Einfluss hat (was sie nicht davon abhält, innerhalb dieser Mediendiskurse das Gegenteil zu suggerieren). Zweitens müssen diese Diskurse in ein Zeitfenster passen, das bei einer Talkshow selten 90 Minuten übersteigt. Hier schmeissen sich dann in der paritätisch besetzen Runde Repräsentanten der Parteien, Gewerkschafter, Arbeitgeber und Verbandsvertreter ihre politischen Überzeugungen und Pseudofakten an den Kopf. Über Details kann nicht gesprochen werden, weil dies die politische Arbeit in den jeweiligen Ausschüssen eine Richtung vorgeben würde auf die man später festgenagelt werden könnte. Talkshowteilnehmer außerhalb der Legislative können ihre Vorstellung möglichst detailliert ausbreiten, sie müssen sie ja schlussendlich nicht politisch durchsetzen. Diese Diskrepanz zwischen (als Expertenmeinung vom Volk hochgeschätzte Meinung und) ausgefeilten Vorschlägen und (Nicht)Durchsetzung verschafft ihnen eine legitimierende Distanz zu den „Politikern“. Will man in der Gestaltung der Talkshow etwas „alternativer“ und nicht so parteipolitisch ausgeprägt rüberkommen lädt man statt kompetenten, aber aufgrund der politischen Logik zu klaren Antworten ungeeigneten Fachpolitikern Prominente ein. Diese dürfen dann ihre Unverständnis über die aktuelle Politikgestaltung äussern und zementieren dann das Bild, das politische Talkshows allgemein ausmacht. Die Medienlogik der pol. Talkshow zwingt den Politiker, so aufzutreten, wie er eben auftritt. Kein Diskurs, sondern Präsentation. Wir machen das(gut), die anderen das(schlecht). Das Thema ist an sich austauschbar, da es nur als Aufhänger für die gleichen politischen Botschaften im jeweils anderen Schafspelz dient.

    Ein kleiner Lichtblick ist da (mit Einschränkungen!!!) die Phoenix Runde. Die minimalen Einschaltquoten verleiten die teilnehmenden Akteure wohl dazu, etwas klarer zu formulieren und aufzutreten. Es hängt aber auch mit der Art der Moderation (Anke Plättner!), der Reduktion (nur 4 Diskutanten), den Gästen (eher Fachpolitiker statt Generalsekretären) oft fehlt eine allzu einfache rechts/links, liberal/sozial — Dichotomie. Sachfragen werden einfach mal vertieft, auch auf die Gefahr hin, dass ein paar weitere Zuschauer umschalten. Man hat kaum Zuschauer — also muss man die Medienlogik einer Sonntagabendtalkshow im Ersten auch nicht fürchten.

  27. 27
    Stefan W. says:

    Den Artikel finde ich ganz gut — er trifft es nicht voll aber ziemlich. Zu lang? Ja, aber 1/3, nicht 2/3.

    Das Zerhacken der Sendung mit den Einspielern gibt einen Takt vor, in dem der gerade Angegriffene jetzt 3 Minuten lang zeigen muß, daß er auf Zack ist, und dann kommt er nachher noch ein zweites Mal dran. Es wird ein Auf-Zack-Sein abgeprüft, aber eine sinnvolle Diskussion wird, wenn sie sich überhaupt zu entwickeln droht, zerstört.

    Bei Politikern fällt das kaum auf, weil diese grundsätzlich auf eine destruktive Diskussionskultur trainiert sind.

    Im Club2 (3sat) habe ich häufiger — auch nicht immer — Gespräche gesehen, bei denen Experten unterschiedlicher Bereiche zu einem Thema was sagen konnten, und so selbst fachfremde Eindrücke vermittelt bekamen — da war eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema möglich.

    Wenn da jemand steht der noch 4 von 6 Einspielern loswerden muß — wie soll das gehen?

    Daß man den anderen ausreden läßt, nicht angreift, und sich nicht als Superheld darstellt, der als Wunderheiler die richtigen Antworten hat, das sieht man sonst noch im Nachtstudio (ZDF) und bei den Sternstunden — auch 3sat. Letztere haben einen besonderen Trick: Nur ein Gast, der eine Stunde lang befragt wird, aber manchmal 2 Frager.

    Die Politiker sind zu sehr darauf aus sich zu verkaufen, zu taktisch, die würde ich überhaupt nicht mehr ins Fernsehen reinlassen. Die ziehenn nur die Gesprächskultur herab, das ist ja wie das Nachmittagsmobbing, nur in einer anderen Sprache. Das wird aber vom Publikum noch nicht genug sanktioniert, und von den Talkmastern schon gar nicht.

    Zuhören kenne ich von den Flaggschiffen (Will, Plasberg, Maischberger, Dingsbums) überhaupt nicht mehr — früher bei Maischberger zu beobachten — womöglich schleift sich das mit der Zeit einfach ab.

    Eigentlich ist es doch peinlich, daß die höchsten Repräsentanten des Staates ohne Dompteur nicht miteinander reden können.

    Ein guter Moderator müßte auch mehr versuchen die Leute untereinander ins Gespräch zu bringen, aber sie werden wenn dann aufeinander gehetzt — dürfen das aber nicht ausleben, sondern es geht Moderator-Gast 1 — M — G1 — M — G2 — M G2 — M — G3 … immer der Moderator dazwischen. Die Choreographie ist so stur, daß ein Gespräch qua Planung ausgeschlossen ist.

    Wo Differenzierung und leise Töne notwendig wären wird alles für die Dümmsten der Doofen zugespitzt, auf eine Aussage reduziert, und dann schnell zum Nächsten.

    Die Einspieler dienen auch nicht dazu einen Widerspruch zu irgendwas aufzuzeigen, sondern nur jemanden in die Enge zu treiben. Absichtsvolles Mißverstehen um des Effektes willen.

    Eine echte Härte kommt so auch nicht auf, und von Fairneß wollen wir lieber schweigen — jeder kriegt eins drauf — das ist die Fairneß die gemeint ist.

  28. 28
    B.Schuss says:

    Ich denke, Andreas bringt in #26 die Grundprobleme bei politischen Talkshows auf den Punkt.
    Plasberg unterscheidet sich von den Kollegen und Kolleginnen seiner Zunft nur noch dadurch, dass er anscheinend noch mehr auf Selbstdarstellung aus ist, als die anderen. Ist zumindest mein Eindruck.

    Interessant wäre in dem Zusammenhang mal eine Talksendung zum Thema „Sinnhaftigkeit von politischen Talkshows“, mit Illner, Maischberger, Plasberg und Konsorten als Gästen. Vielleicht stellt sich Stefan ja als Moderator zur Verfügung. ^^

  29. 29
    Thomas says:

    @8: „Was mich aber wirklich stutzig macht, ist, dass Frau Emcke ausgerechnet die völlig überflüssigen Beiträge von Brigitte Büscher lobt“

    Das ist mir auch aufgefallen. Sie scheint eine andere Sendung zu schauen als ich.

    @16: „Die vielen Auszeichnungen, die „Hart, aber fair” bekommen hat, sagen nichts über das Niveau der Sendung, allerdings sehr viel über die mangelnde Qualität der betreffenden Preise aus.“

    Definitiv. Und über das mangelnde Niveau des politischen Inhalts von TV Sendungen.

    Im Prinzip beschreibt die Zeit-Autorin eigentlich nur das Konzept von hart aber fair, ich kann wenig enthüllendes über Plasberg darin erkennen, auch wenn sie in jedem Absatz Anlauf nimmt, endlich das zu tun.t

  30. 30
    Paternoster says:

    Ich besitze keinen Fernseher — um das vorweg zu nehmen allerdings nicht aus snobistischen, sondern anderen Gründen: 1. Ich kann Werbung nicht ertragen, bis hin zur physischen Aversion, 2. Ich halte einen Großteil des privaten Programms und eine gute Hälfte des öffentlich-rechtlichen für bullshit. 3. Ich kann Sendungen, die mich interessieren, im Internet verfolgen.

    Letzteres hat mich auch schon des Öfteren bei Plasbergs vorbeischauen lassen. Manchmal musste ich allerdings auf „Pause“ drücken, wegen Fremdschämens.

    @8: „Was mich aber wirklich stutzig macht, ist, dass Frau Emcke ausgerechnet die völlig überflüssigen Beiträge von Brigitte Büscher lobt”

    So sehe ich das nicht unbedingt. Die O-Töne fügen sich häufig stilistisch nur widerwillig in die laufende Diskussion, d´accord. Aber nachdem sie einmal im Raum stehen, zwingen sie (und manchmal hakt Plasberg dann nach) die Diskutanten, auf sie Bezug zu nehmen. Irgendwie populistisch, klar, aber die ganze Sendung ist populistisch ausgelegt.

    Was ich sehr häufig als unerträglich empfinde
    – ist z.B. die herablassende, selbstgefällige Art der Moderation.
    – Plasberg schürt Konflikte zwischen Diskutanten und lässt sie gerne auch mal eskalieren, das hat Frau Emcke richtig beschrieben.
    – Plasberg würgt außerdem interessante Diskussions-Stränge systematisch ab.
    – Er verfolgt ein sehr seltsam wirkendes Ideal der Ausgewogenheit und Unparteilichkeit, die mich manchmal daran zweifeln lässt, ob er wirklich im Thema steckt.
    – Häufig stehen sich in der Sendung Kernthesen gegenüber, die im Meinungsspektrum nah beieinander angesiedelt sind und selten kommen sie von außerhalb des „Mainstream“.
    – Wirklich kritische und alternative Meinungen und deren Vertreter sind äußerst selten, das lässt sich schon anhand der Prominenz der Studiogäste vermuten: die kommen gar nicht erst zu einer tatsächlich kontroversen Debatte.
    – Fällt eigentlich niemandem die relativ hohe Dichte an Politikern und „Otto Normalverbrauchern“ in der Sendung auf — gegenüber einem eklatanten Mangel an Vertretern aus Wissenschaft, NGO´s, Vereinen? Dass hier ein künstliches Gegenüber von ‚Politikern und Managern da oben‘ und den ‚einfachen Menschen hier unten‘ aufgebaut wird, das touchiert m.E. den Grenzbereich von autoritären Diskursen und entlastet die Runde von allzu großer Sachlichkeit.

    Hier komme ich zu meiner Kernthese, kann gerne kritisiert werden: Ich halte Plasberg für einen autoritären Charakter, dem sich der Charakter seines Konzepts von Politik und von Talk-Sendung anpasst, nicht umgekehrt. Das autoritäre Konzept wird ja sogar spielerisch ironisiert durch ein Setting als Schüler-Lehrer-Situation mit „dem Volk“ als Zuschauer. Dies ist aber nicht mehr als ein schlauer Kniff, um von der eigentlich autoritären Diskurs-Situation abzulenken.

  31. 31
    Thorsten says:

    Ich stimme Pasternoster zu und Thomas auch, was Frau Büscher angeht — wobei ich die Sendung erst 1,5 mal gesehen habe. Hart aber fair ist so eine Art Bildzeitung fürs TV.

    Außerdem haben die 90 Minuten Zeit, dennoch herrscht chronischer Zeitmangel, weil tausend Fragen nur hektisch angeschnitten werden. Dazu die extrem subjektiven, verzerrten Einspieler. Einfach nicht einschalten.

  32. 32
    JZ says:

    Die Analyse von Caronlin Emcke ist in der Tat äußerst treffend. Da es allerdings — zumindest in meiner Generation — keine vollständig zufriedenstellende Politik-Talkshow gibt oder gegeben hat, muss ich leider zu dem Schluss kommen, dass diese Formate zur Erörterung komplexer gesellschaftlicher und politischer Fragestellungen einfach nicht geeignet sind.

  33. 33
    Dexter says:

    Eine gute Sendung, in der in der eigentlich viel zu kurzen Sendezeit von 60 min wirklich Standpunkte erläutert werden und sich die Beteiligten recht sachlich und angemessen austauschen ist das „Philosophische Quartett“ im ZDF.
    Das Konzept mit den 2 Moderatoren (Shootingstar Sloterdijk und der schon etwas länger im TV aktive Safranski) hat wirklich Klasse. Die beiden Herren Moderatoren müssen sich sicher auch nie Gedanken darüber machen, den Gästen intellektuell und rhetorisch unterlegen zu sein. Selbst an seinen schlechteren Tagen iwar Sloterdijk doch immer wieder in der Lage auf Kosten von evtl. „aufmüpfigen“ Gästen die versuchen polemisch, unsachlich oder populistisch argumentieren einen hintergründigen Scherz zu machen.
    Die Sendungen können über Netz gesehen werden:
    http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/8/0,1872,1021352,00.html
    (Tipps: „Was ist Links“ (mit Prantl), „Was ist deutsch“, Sendung zum Konflikt in Georgien … )

  34. 34
    Peter says:

    Toller Artikel, dem man anmerkt, wie viel Zeit Zeit-Redakteure für solche Artikel investieren dürfen und können. Nämlich ziemlich viel. Eine schallende, verdiente Ohrfeige für Plasberg. Weiter so!

  35. 35
    Johannes says:

    Es gibt so ein paar Details, an denen man die Qualität einer politischen Diskussion oder auch des politischen Journalismus bestimmen kann. Die Floskel „die da oben (wir hier unten)“ beispielsweise markiert die unterste Schublade.

    Und was daran so investigativ sein soll, den Gästen das Thema nicht im Voraus mitzuteilen, entzieht sich meinem Verständnis. Damit prüft man vielleicht ihre Schlagfertigkeit, aber nicht den Wert ihrer Aussagen.

    Letztlich ist jede „Diskussion“ vertanes Geld (und hinausgeworfene Gebühren), in der Leute sich ausschließlich zu Themen äußern, zu denen sie keine Ahnung haben, um sich dann in wirkungslosen Gemeinplätzen zu ergehen („ja, Gewalt ist ein Problem, ja, wir müssen mehr für die Jugend tun“…). Das führt nur zu einem Wettlauf der absurden Profilierungsversuche, wie es die CDU derzeit im Wochentakt vormacht. Kampf um Aufmerksamkeit statt produktiver Streit über Themen. Oder, wie @2 treffend schreibt: Bullshit.

  36. 36
    arahf says:

    NAJA.…

    Eigentlich sehe ich mir die Sendung ganz gerne an, auch wenn sicher nicht alles top ist: die Machart (wie im Artikel beschrieben) und die klugscheißerischen Einspieler die in einem sehr ekligen Ton gesprochen sind.
    Dafür gefällt mir Plasberg sehr gut wenn er einen Gast konsequent unterbricht sobald der seiner Frage mehrmals ausweicht. So würde man sich die Wills und Illners wünschen.

    Achja und Brigitte Büscher ist der Tiefpunkt jeder Sendung, dumm und schlecht vorgetragen, keine Ahnung was Frau Emcke da geritten hat ausgerechnet sie zu loben.

  37. 37
    Tomtom says:

    hart aber fair — grausam unjournalistisch.

  38. 38
    Fridolin says:

    Plasberg hatte im WDR ein wirklich neues Format entwickelt. Doch wie jedes Format ist es nach einiger Zeit abgedroschen. Nachdem Plasberg nun auch seine eigenen Shows produziert, steht er unter ganz anderem Druck – doppelt kassieren bringt eben Zwänge mit sich. Die Einspieler sind oft völlig daneben, Plasberg hört nicht mehr zu, unterbricht gerade laufende inhaltliche Diskussionen. Er feiert sich meist selbst und freut sich primär übers seine unnützen Filmchen und aufs Knöpfedrücken. Journalistische Kompetenz hatte er mal, aber er nutzt sie nicht mehr. Er ist jetzt eben Showmaster und Entertainer, der wie so viele vor ihm die ARD geschickt als Umsatzquelle nutzt, aber keinen inhaltlichen Anspruch mehr hat. So muss man ihn jetzt einordnen. Solche Shows schaue ich mir nicht an, schon lange nicht mehr. Dafür ist mir die Zeit zu schade.

  39. 39
    Fridolin says:

    @ 30 Paternoster:
    Sehr, sehr gut beobachtet und beschrieben. Ich teile jedes Wort Ihrer Meinung ab der Aufzählung, was Sie unerträglich finden. Plasberg ist unerträglich und ein Moderator (nicht: Journalist), der sich liebend gern selbst inszenziert. Das kann er perfekt, was auch der etwas aus dem Ruder gelaufene Zeit-Artikel belegt. Frau Emckes Schlusssatz (s.o.) bringt seine Attitüde aber bestens auf den Punkt.

  40. 40
    Peter says:

    Plasberg ist übrigens innerhalb seiner eigenen Redaktion und beim WDR insgesamt verhasst..

  41. 41
    Linus says:

    Ich hab die Sendung sehr gerne gesehen, als sie noch nur im WDR lief, und fand sie damals wohltuend anders als den üblichen politischen Talkshow-Mist, der einem sonst so begegnet. Besonders Christiansen / Will / Illner empfinde ich (immer noch) als unter aller Kanone. Das liegt aber zum Gutteil auch an der Auswahl der Gäste mit seinem vermeintlich politisch ausgewogenen Proporz.

    Von daher ist „Hart aber fair“ vielleicht auch ein Stück weit Opfer des eigenen Erfolges geworden. Seit da die Granden der Politik rumfallen, gibt es auch dort nur noch Worthülsen.

    Und seit mir Plasberg als einer derjenigen begegnet ist, der im Fall Gladbeck besonders nah bei Rösner und Degowski in der Kölner Fussgängerzone sein wollte, hat sich meine Einstellung zu seiner verschmitzten Oberlehrermasche auch fundamental geändert.

    Politische Talkshows haben nur dann den Hauch von Relevanz, wenn man Leute einlädt, die nichts mehr zu verlieren haben. Also die gelegentlichen Altherren-Runden bei Maischberger oder z.B. Auftritte von Hilmar Kopper bei Plasberg.

  42. 42
    Michael says:

    „Achja und Brigitte Büscher ist der Tiefpunkt jeder Sendung, dumm und schlecht vorgetragen, keine Ahnung was Frau Emcke da geritten hat ausgerechnet sie zu loben.“

    Naja, sie hat ja auch bei der Diskussion später „Frontal 21″ als positives Beispiel für öffentlich-rechtliches Fernsehen genannt. So gesehen fällt ihre (weitgehend berechtigte) Kritik an Plasberg wohl leider unter „auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“.

  43. 43
    arndt says:

    finde es durchaus ermüdend, dass medienjournalismus immer den gleichen zyklus hat: 1. als geheimtipp loben, 2. nach dem aufstieg beteuern, das schon immer sehenswert gefunden zu haben, 3.wenn das ganze allgemein beliebt ist: ach so mutig und innovativ sein, das ganze doch irgendwie scheiße zu finden. das ist öde und berechenbar. so viel zu metaebene. inhaltlich kann man die sendung natürlich kritisieren, dann aber doch bitte mit essenz und gehalt. oha: die sendung wird geplant/durchdacht/dramaturgisch aufgebaut und es findet eine selbstreflexion statt. wer hätte das gedacht.
    wenn man schon vor der recherche weiß, was man schreiben will, dann kann man natürlich jede geste, jedes wort negativ auslegen — keine kunst. vielmehr tunnelblick.
    immerhin scheint diese sendung konzeptionell gut genug, als dass anne will seit anbeginn ihrer sendung hart aber fair-elemente gezielt kopiert und als eigene ideen deklariert. (nebenbei rockt sie damit das gesamte talkformat kaputt mittels herstellung von gleichförmigkeit.
    auch wenn ich hier vielmehr bedarf an medienjournalistischer reflexion sehe, ist es amüsant anzusehen wie frau emcke jenseits von prägnanz, essenz, ernsthafter erkenntnis und gehalt gegen bezahlung ihr vermeintlich unvoreingenommenes journalistisches gespür in lediglich 1962 worten zur schau stellen kann.

  44. 44
    Linus says:

    @43

    Die Meta-Ebene in allen Ehren, aber die Sendung war zu dem Zeitpunkt, als sie vermeintlich hochgeschrieben wurde, noch um einiges besser. Jetzt ist sie eine blasse Kopie ihrer selbst. Und das liegt nicht an der mangelnden Innovation, sondern am mangelhaften Umgang mit eigenen Idee.

  45. 45
    Macht nix ... says:

    @43: Es fällt mir schwer, deinen Ausführungen zu folgen. Eines ist jedoch für mich völlig unverständlich:
    „nebenbei rockt sie damit das gesamte talkformat kaputt mittels herstellung von gleichförmigkeit„
    Wie soll man denn das verstehen?

  46. 46
    sauerkraut says:

    Folgende Zutaten braucht eine politische Diskussionssendung:
    1. Zwei Gäste plus einen Moderator.
    2. Der Moderator muss gut informiert sein, darf sich aber nicht in den Vordergrund spielen.
    3. Eine Sitzgruppe plus abgedunkeltem Hintergrund. KEIN Studiopublikum.
    4. EIN klar umrissenes Thema.
    5. Und ja: Das kann man auch im RAdio übertragen. Im TV kann aber in einer solchen Diskussion, wenn sie sich auf wenige Diskutanten beschränkt, eben auch viel über Gestik und Mimik passieren.

  47. 47
    Christian says:

    Hier ein Link zu einem arbeitslosen Journalist. Dieser versucht über seinen Blog einen neuen Job zu finden. Ganz in WEB 2.0 Manier :)
    http://bonz.ch/blog/?p=412

  48. 48
    a. englisch says:

    polit-talk: bloßes affenttheater!

    sehe ich mir seit jahren nicht mehr an, obwohl ich einen tv habe! :D

    kann ja schlechter als bei christiane sabinchen, beim plasberch auch nicht sein, oder?

  49. 49
    Micha says:

    Natürlich ist diese Kritik an Hart aber Fair berechtigt. Fand die Sendung im WDR besser. Allerdings sehe ich kaum bessere Alternativen. Abgesehen von den gemütlichen blahblah Schnarchrunden wo jeder Teilnehmer seine übliche Soße abwechselnd alle 5 Minuten absondern darf (siehe Anne Will), ohne echte Zuspitzung. Da zieh ich mir doch lieber den Audio-Podcast von Hart aber Fair rein, freiwillig.

  50. 50
    Daniel says:

    @49: Eben, die Alternativen sehe ich auch nicht. Aber deswegen finde ich die in dem Artikel geäusserte Kritik eben auch nicht berechtigt. Plasberg stellvertretend für alle „systemimmanenten“ Fehler des Poilt-Talkshow-Genre zu kreuzigen ist mir zu billig.
    Wenn man die Machart der Sendung mal ernsthaft analysieren will sollte man doch zumindest einfach mal den Vergleich mit der Konkurrenz anstellen und nicht ausschliesslich in den luftleeren Raum hineinfabulieren was man alles besser machen sollen würde hätte können.
    Im Vergleich zu Will, Christiansen etc. sind selbst simple Einrichtungen wie der Faktencheck ein journalistischer Quantensprung.

    Und apropos Christiansen, kaum habe ich weiter oben in nem Kommentar an die Verrisse bei SPON erinnert hat man dort anlässlich ihrer neuen n-tv Sendung gleich einen neuen verfasst. Der natürlich auch inhaltlich vollkommen identisch ist mit allem anderen was dort bereits über Polit-Talks geschrieben hat. Wahrscheinlich ist es absichtliche Ironie wenn man dort zum 100000. Mal bemäkelt dass in den Talkrunden ja eh immer nur das Gleiche von den Gleichen wieder und wieder und wieder gesagt wird.

Einen Kommentar hinterlassen

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>