Zen­tra­les Leit­mo­tiv der Fei­er­lich­kei­ten zum sech­zigs­ten Geburts­tag der »Bild«-Zeitung ist die Behaup­tung, das Blatt sei nun in der Mitte der Gesell­schaft ange­kom­men. Und die viel­leicht am häu­figs­ten dis­ku­tierte Frage ist die, wie sehr sich das Blatt ver­än­dert hat.

Ent­schei­den Sie selbst. Dies ist ein Arti­kel von mir aus der »Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung«, erschie­nen heute vor zehn Jahren.

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Nichts zu dan­ken. Die »Bild«-Zeitung wird fünf­zig Jahre alt — und alle, alle gra­tu­lie­ren. Doch gibt es was zu feiern?

Viel­leicht muß man das ein­fach mal erlebt haben, daß einem Fami­li­en­mit­glie­der weg­ster­ben in einem furcht­ba­ren Unfall und man am nächs­ten Tag nicht die paar Schritte von der Haus­tür zum Auto gehen kann, weil Foto­gra­fen und Repor­ter von der »Bild«-Zeitung am Grund­stück lau­ern und einen ver­fol­gen und foto­gra­fie­ren und wenig spä­ter anru­fen und fra­gen, ob man sich wirk­lich ganz sicher sei, daß man nicht in einem Inter­view über die eigene Trauer reden wolle, weil man die Fotos von einem selbst und sei­nen Ange­hö­ri­gen ver­öf­fent­li­chen werde, so oder so, aber so wäre es viel­leicht besser.

Viel­leicht muß man das ein­fach mal erlebt haben, daß man mit sei­nem Las­ter einen tra­gi­schen Unfall ver­ur­sacht, der zwei Men­schen das Leben kos­tet, um fest­zu­stel­len, daß damit der Tief­punkt noch nicht erreicht ist, son­dern erst am nächs­ten Tag, als die »Bild«-Zeitung ein rie­si­ges Foto von einem abdruckt und einen Pfeil und dane­ben die Schlag­zeile: »Er hat gerade zwei Ber­li­ner totgefahren.«

Viel­leicht muß man das ein­fach mal erlebt haben, daß man vor Gericht steht, weil man mög­li­cher­weise als Hand­wer­ker einen Feh­ler gemacht hat und durch eine unglück­li­che Ver­ket­tung von Umstän­den ein Kind einen Strom­stoß erlei­det, der blei­bende Schä­den bei ihm aus­löst, und am nächs­ten Tag sein eige­nes Gesicht in der »Bild«-Zeitung sehen und dane­ben die Frage: »Hat der Elek­tri­ker Timmi auf dem Gewissen?«

Viel­leicht würde es schon rei­chen, wenn man ein­mal erlebt hätte, wie das ist, als halb­wegs pro­mi­nen­ter Mensch von der Klatsch-Kolumnistin der »Bild«-Zeitung ange­ru­fen zu wer­den und sinn­ge­mäß gesagt zu bekom­men: »Sag mir, mit wem du vögelst. Wenn du es mir nicht sagst, schrei­ben wir mor­gen, du vögelst mit XY.«

Wahr­schein­lich wüßte man dann, daß die »Bild«-Zeitung lügt, wenn sie, wie ges­tern, schreibt: »,Bild‹ fei­ert Geburts­tag. Ganz Deutsch­land freut sich, ganz Deutsch­land fei­ert mit.« Wahr­schein­lich würde man dann ver­su­chen, die Jubi­lä­ums­fei­er­lich­kei­ten in der »Bild«-Zeitung weit­räu­mig zu umfah­ren. Und wahr­schein­lich würde man dann ver­zwei­feln, weil man fest­stel­len müßte, daß »Bild« in die­sen Tagen nicht nur Geburts­tag hat, son­dern hei­lig­ge­spro­chen wird, nicht nur von den ange­schlos­se­nen Springer-Blättern, nicht nur von den Kon­ser­va­ti­ven und Staats­tra­gen­den, son­dern auch von der hal­ben libe­ra­len Presse. Vor ein paar Jah­ren war es noch so, daß »Bild« bäh war; alle lasen sie, aber wer sich bekannte, es gerne und inter­es­siert zu tun, war in auf­ge­klär­ten Krei­sen schnell ein Außen­sei­ter. Heute ist es so, daß »Bild« cool ist; alle lesen sie, und wer sich bekennt, sie für ein ent­setz­li­ches men­schen­ver­ach­ten­des Blatt zu hal­ten, ist in auf­ge­klär­ten Krei­sen schnell ein Außenseiter.

Sie hat sich diese schil­lernde Ober­flä­che aus Neben­säch­li­chem, Harm­lo­sig­kei­ten und Selbst­iro­nie zuge­legt, die Medi­en­pro­fis und Intel­lek­tu­el­len gefällt. Die freuen sich über den Ein­fall, zum Fußball-Spiel am frü­hen Mor­gen die »Bild«-Zeitung mit zwei Titel­sei­ten erschei­nen zu las­sen — je nach Sieg oder Nie­der­lage. Sie inter­pre­tie­ren öffent­lich, wie man das zu wer­ten habe, daß die »Bild«-Zeitung, im kal­ku­lier­ten Schein-Tabubruch, vor dem USA-Spiel schreibt: »Ami go home«, höhö. Sie sind süch­tig nach dem täg­li­chen Brief von Franz-Josef Wag­ner und nei­disch auf seine Fähig­keit, den Wirr­warr in sei­nem Kopf ohne Umweg über Fil­ter im Gehirn auf die Sei­ten flie­ßen zu las­sen. Sie schauen mit ein biß­chen Abscheu und viel Fas­zi­na­tion auf die Abgründe, die sich jeden Tag auf Seite eins auf­tun, auf die x-te Wen­dung im Uschi-Glas-Drama, stau­nen, wie »Bild« es an guten Tagen schafft, wenn man glaubt, nun könnte ihnen dazu unmög­lich noch etwas ein­fal­len, sogar meh­rere Dauer-Handlungsstränge zusam­men­lau­fen zu las­sen und die Schick­sale von Klaus-Jürgen Wussow, Uschi Glas und Ireen Sheer unend­lich kunst­voll inein­an­der zu verweben.

Sie lesen die »Bild«-Zeitung, kurz gesagt, als Fik­tion. Und die »Bild«-Zeitung för­dert das, indem sie — selbst­be­wußt und selbst­re­fle­xiv, fest ver­an­kert im post­mo­der­nen und pos­tideo­lo­gi­schen Zeit­al­ter — ihre eigene Rolle im Blatt zum Thema macht und zum Bei­spiel das end­los wei­ter­ge­drehte Wussow-Scheidungsdrama selbst zur Soap erklärt und mit eige­nem Logo »Die Wussows« samt Angabe der »Folge« versieht.

»Kam­pa­gnen« hat man dem Chef­re­dak­teur Kai Diek­mann kurz nach sei­nem Amts­an­tritt vor­ge­wor­fen, und er hat das empört von sich gewie­sen. So ein Unfug: Seit Diek­mann Chef­re­dak­teur ist, fin­den auf der Seite eins der »Bild«-Zeitung fast aus­schließ­lich Kam­pa­gnen statt — nur daß man sie, ange­sichts der The­men, eher »Fort­set­zungs­ro­mane« nen­nen müßte. Jedes Thema wird über Tage, Wochen, Monate gar wei­ter­ge­dreht, bis auch die letzte dra­ma­tur­gi­sche Wen­dung und irre Pointe her­aus­ge­preßt ist. Im Februar stan­den an vier­zehn von vier­und­zwan­zig Erschei­nungs­ta­gen die pri­va­ten Sor­gen von Uschi Glas und ihrer Fami­lie auf der Titel­seite der »Bild«. Ein Thema so ernst zu neh­men ver­langt einen gewis­sen Unernst, ein Augen­zwin­kern. Das ist hohe Kunst. Da staunt die Bran­che. Und lacht.

Ob es auch dem durch­schnitt­li­chen Leser gefällt, ist eine andere Frage. Aus­ge­rech­net im ers­ten Quar­tal, jenem mit den Uschi-Glas-Trennungs-Festspielen, sackte die Auf­lage der »Bild«-Zeitung um 200 000 Stück gegen­über dem Vor­jahr ab, ein Rück­gang um hef­tige fünf Pro­zent. Diek­mann erklärt das damit, daß die Leser nicht mehr abge­zählte Gro­schen rüber­schie­ben konn­ten, son­dern nach Cent kra­men muß­ten. Frage: Würde die »Bild«-Zeitung einem Wirt­schafts­boß oder Minis­ter diese Erklä­rung durch­ge­hen lassen?

In einer Lob­hu­de­lei attes­tierte die »Welt« ihrem Schwes­ter­blatt in der ver­gan­ge­nen Woche, daß »das heu­tige Blatt erheb­lich jün­ger und sexier wirkt als die Pro­tes­tie­ren­den von damals« (was natür­lich kein Kunst­stück ist, da es Men­schen ein biß­chen schwe­rer fällt als Zei­tun­gen, den Alte­rungs­pro­zeß durch den Aus­tausch von Chef­re­dak­teu­ren auf­zu­hal­ten). Die »Welt« wei­ter: »Die Intel­lek­tu­el­len haben auf­ge­hört, sich über ›Bild‹ auf­zu­re­gen.« Das Furcht­bare an die­sem Satz ist, daß er in dop­pel­ter Hin­sicht stimmt. Er beinhal­tet näm­lich auch die Ana­lyse, daß es nicht die »Bild«-Zeitung ist, die sich ver­än­dert hat, zah­mer gewor­den sei etwa, son­dern die Intel­lek­tu­el­len die­je­ni­gen sind, die sich geän­dert haben. Die Ori­en­tie­rungs­punkte haben sich ver­scho­ben, die Medi­en­welt ins­ge­samt, nur des­halb ist »Bild« plötz­lich kein Schmud­del­kind mehr. Heute erzählt der nette Herr Röbel, der bis vor ein­ein­halb Jah­ren »Bild«-Chefredakteur war, im »Tages­spie­gel« ganz offen, wie das geht, die­ses Wit­wen­schüt­teln, das ihm sein Chef beige­bracht hat, über den er »nichts Schlech­tes sagen« kann: »Hatte man etwa bei einem Unglück die Adresse von Hin­ter­blie­be­nen her­aus­ge­fun­den, ist man sofort hin­ge­fah­ren, klar. Beim Abschied aber hat man die Klin­gel­schil­der an der Tür heim­lich aus­ge­tauscht, um die Kon­kur­renz zu ver­wir­ren. Ich war damals oft mit dem­sel­ben Foto­gra­fen unter­wegs, wir hat­ten eine per­fekte Rol­len­auf­tei­lung. Er hatte eine Stimme wie ein Pas­tor und begrüßte die Leute mit einem dop­pel­ten Hän­de­druck, herz­li­ches Bei­leid, Herr … Ich mußte dann nur noch zuhö­ren. So kamen wir an die bes­ten Fotos aus den Fami­li­en­al­ben.… Es war ein­fach geil.«

Schwer zu sagen, ob all die Intel­lek­tu­el­len, die sich nicht mehr auf­re­gen, all die libe­ra­len Jour­na­lis­ten mit ihren Eigentlich-ist-sie-doch-gut-Artikeln zum Geburts­tag, ob sie diese Metho­den auch geil fin­den oder ob sich ihre »Bild«-Lektüre auf die wit­zi­gen, schrä­gen, span­nen­den ers­ten bei­den Sei­ten, den Sport und den Klatsch am Schluß beschränkt. Dazwi­schen näm­lich, vor allem in den Lokal­tei­len, läuft das Blut wie eh und je. Es ver­geht kein Tag, ohne daß zum Bei­spiel »Bild Ber­lin« der Leser­schaft die Betei­lig­ten eines Unfalls, eines Pro­zes­ses, irgend­ei­ner Tra­gö­die mit gro­ßen Fotos zum Fraß vor­wirft. Eine Vier­tel­seite füllt das Foto von Chris­tian S. neben der Schlag­zeile: »Ich habe eine nette Oma tot­ge­fah­ren. Was ist mein Leben jetzt noch wert?« Ver­däch­tige wer­den nicht dann zu Mör­dern, wenn sie ver­ur­teilt sind, son­dern wenn »Bild« sie dazu erklärt: »Anna (7) in Schul­toi­lette ver­ge­wal­tigt. Er war’s« steht dann da und ein Pfeil und ein Bild, und im Text ist schon vom »Beweis sei­ner Schuld« die Rede.

Jeder Betei­ligte wird abge­bil­det und trotz eines Alibi-Balkens über sei­nen Augen (den auch nicht alle bekom­men) mit Vor­na­men, abge­kürz­tem Nach­na­men und Orts­an­gabe für sein Umfeld ein­deu­tig iden­ti­fi­zier­bar. »Weil sie sich mit ihrem Freund amü­sierte — diese Ber­li­ner Mut­ter ließ ihren Sohn ver­hun­gern«, »Domi­nik (15) erhängte sich auf dem Dach­bo­den« — sie alle dür­fen wir sehen. Es reicht schon, eine blinde Hün­din aus­ge­setzt haben zu sol­len, um mit Foto an den »Bild«-Pranger gestellt zu werden.

Das Blatt Axel C. Sprin­gers kämpft immer noch jeden Tag die alten Kämpfe. Wenn die PDS mit­re­giert in Ber­lin, schreibt »Bild«: »PDS krallt sich drei Senatoren-Posten«. Wenn Gre­gor Gysi Wirt­schafts­se­na­tor wird, steht da an einem Tag die Frage: »Was wird jetzt aus Ber­lin« und an einem ande­ren Tag die Ant­wort: »Gute Nacht, Ber­lin« und nur ganz klein dar­un­ter in Klam­mern: « … sagt Edmund Stoi­ber«. »Neue Stasi-Akten über Gysi gefun­den«, heißt die Über­schrift neben einem Bild, auf dem man ihm den bösen Spit­zel schon anzu­se­hen glaubt, doch im Text sagt ein Spre­cher der Gauck-Behörde nur: »Hier und da wurde noch ein Blatt über ihn gefun­den« und der Autor ergänzt: »Ob bri­sant, dazu wur­den keine Anga­ben gemacht«. Wenn es sein muß, wie vor eini­gen Mona­ten in Bre­men, wird täg­lich neu gegen »Schein-Asylanten« gehetzt. Sexu­al­straf­tä­tern wird kon­se­quent das Mensch-Sein abge­spro­chen; sie sind »Mons­ter«, deren Leben »im Knast schö­ner« wird, »bei­nahe wie im Hotel«. Die Leser ver­ste­hen, ohne daß »Bild« es hin­schrei­ben müßte: Ihre Zei­tung kämpft täg­lich für die Todes­strafe für Kin­der­schän­der und –mörder.

Nein, neu ist das alles nicht. Das ist es ja: Im Kern ist die »Bild«-Zeitung die alte. Ein ent­setz­li­ches, men­schen­ver­ach­ten­des Blatt.

Bit­ter daran, daß dies von wei­ten Tei­len der ver­öf­fent­lich­ten Mei­nung nicht mehr so gese­hen wird, ist auch, daß es Kai Diek­mann ermun­tert, ein Bild von sei­ner Arbeit und sei­ner Zei­tung zu zeich­nen, das höchs­tens in einem Sprin­ger­schen Par­al­lel­uni­ver­sum Berüh­rungs­punkte zu dem hat, was täg­lich nach­zu­le­sen ist. Der Mann, des­sen Zei­tung vom Pres­se­rat immer wie­der wegen der immer glei­chen Ver­stöße gerügt wird, die­ser Mann sagt gegen­über der Katho­li­schen Nach­rich­ten­agen­tur: Die Gren­zen des Bou­le­vards seien dort, »wo Men­schen ver­letzt wer­den könn­ten« — daher messe sich die Zei­tung regel­mä­ßig an den jour­na­lis­ti­schen Leit­li­nien des Deut­schen Pres­se­rats. Mes­sen schon, nur ver­fehlt sie sie regelmäßig.

Der »Frank­fur­ter Rund­schau« erzählt Diek­mann: »Ich bin ein Strei­ter für jour­na­lis­ti­sche Sorg­falt, gegen die Ver­lu­de­rung der Sit­ten.« Jeder Repor­ter müsse selbst ent­schei­den, wo die Gren­zen sind, aber er sage ihnen: »,Lie­ber haben wir drei­mal das Bild nicht, als daß wir den Ange­hö­ri­gen der Opfer zu nahe tre­ten.‹ Schließ­lich sind das Men­schen, die ohne eige­nes Zutun ins Licht der Öffent­lich­keit gerückt sind.« Das ist ein Satz, der so atem­be­rau­bend ist, daß er in jedes Schul­buch gehört. Und dane­ben der »Bild«-Artikel samt Foto von dem Mau­rer, der in sei­nem Dach­stuhl ver­brannt ist. Oder der »Bild«-Artikel samt Foto von dem drei­zehn­jäh­ri­gen Unfall­op­fer: »Tot, weil er eine Sekunde nicht auf­ge­paßt hat«. Oder der »Bild«-Artikel samt Foto von dem Vize­bür­ger­meis­ter, der sich »in Pfütze tot­ge­fah­ren« hat. Oder der »Bild«-Artikel samt Foto von dem Acht­zehn­jäh­ri­gen, der nach einem Unfall auf regen­nas­ser Straße im Auto sei­nes bes­ten Freun­des starb.

Dann sagt Kai Diek­mann der »Frank­fur­ter Rund­schau« noch dies: »Ganz im Ernst: Wer wirk­lich pri­vat sein will, kann das selbst­ver­ständ­lich sein. Es gibt Men­schen, Poli­ti­ker, die set­zen bewußt ihre Fami­lie ein. Und andere, wie Gün­ther Jauch oder Harald Schmidt, tun’s nicht. Die haben unbe­ding­ten Anspruch auf Schutz ihrer Pri­vat­sphäre.« Wirk­lich pri­vat wollte, nach eige­nen Anga­ben, Alfred Bio­lek mit sei­nem Part­ner sein. Kai Diek­manns »Bild«-Zeitung gewährte ihm diese Ehre nicht. Zwei Tage lang zele­brierte sie eine Home-Story, die auch noch den Ein­druck erweckte, sie sei von Bio­lek selbst initi­iert. Wirk­lich pri­vat wollte auch Anke S. sein, die Geliebte des Ehe­manns von Uschi Glas. Anders als die »Luder«-Fraktion wollte sie ent­schie­den nicht in die Presse, ging gegen die Ver­öf­fent­li­chung ihrer Bil­der vor, doch im Februar gab es Zei­ten, in denen sie Tag für Tag auf der ers­ten Seite der »Bild«-Zeitung nackt abge­bil­det war, einen schwar­zen Bal­ken nicht über den Augen, son­dern ihrem Busen, als wäre der das Merk­mal, an dem sie zu erken­nen wäre. Bio­lek und Anke S. gehen juris­tisch gegen die »Bild«-Zeitung vor, wie Hun­derte Pro­mi­nente vor ihnen. Einige bekom­men vor Gericht recht, die meis­ten eini­gen sich irgend­wie mit der Zei­tung, weil Recht eine Sache ist, die Feind­schaft der »Bild«-Zeitung eine andere.

Selbst einige von jenen, denen die »Bild«-Zeitung übel mit­ge­spielt hat, haben ihre Ein­wil­li­gung gege­ben, daß der Ver­lag ihr Foto für die Jubiläums-Kampagne benut­zen darf, die auf geschickte Weise offen­läßt, ob »Bild« ihnen dankt oder sie »Bild« dan­ken. Öffent­lich nicht mit­fei­ern wol­len nur die Wall­raffs die­ser Welt, die man leicht als Ewig­gest­rige, Mie­se­pe­ter, Spiel­ver­der­ber dar­stel­len kann. Ach, und viel­leicht der ein oder andere Mensch, des­sen pri­va­tes Unglück so ungleich uner­träg­li­cher dadurch wurde, daß die »Bild«-Zeitung davon lebt, es der gan­zen Nation zu zeigen.