Spätes Debatten-Opfer

Das Drama um einen abrupt gelöschten Blog-Eintrag auf „Welt Online“ über Kai Diekmann (die Älteren werden sich erinnen) hatte noch personelle Konsequenzen: Der Verlag Axel Springer hat sich von Philip Steffan getrennt, der als Moderator für „Welt Debatte“ gearbeitet hat.

Grund für die Trennung, die Steffan in seinem Blog „Schattenraum“ als „Rauswurf“ bezeichnet, obwohl sie formal im „gegenseitigen Einvernehmen“ erfolgt sei, ist nach seinen Angaben ein Blog-Eintrag, den er damals geschrieben hatte. Er hatte darin die Entscheidung von „Welt“- und „Welt Online“-Chef Christoph Kesse, den pointierten Text Alan Poseners kommentarlos löschen zu lassen, kritisiert:

Poseners Artikel ist nun mal nicht mehr zu verstecken, also hätte man im Hause die Zähne zusammenbeißen und seinen Stolz herunterschlucken können und vermutlich auch noch Lob eingefahren, einen selbstkritischen Diskurs offen zu führen.

Offiziell gestoßen hätten sich die Springer-Leute aber nicht an der Kritik und Offenheit Steffans, sondern an einem Screenshot vom „Welt“-Online-Redaktionssystem, der eigentlich eine Illustration ohne inhaltliche Brisanz darstellte. Der Screenshot habe jedoch nach Ansicht von Springer einen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz dargestellt und als Grundlage für die Trennung gedient, schreibt Steffan.

Ein interessantes Detail der Geschichte ist, dass der Verlag offenbar Wochen brauchte, Steffans vermeintlich heiklen Blog-Eintrag überhaupt zu entdecken — obwohl er damals überall verlinkt worden war.

Steffans Fazit:

Es wird schwierig bleiben für Verlage im Informationszeitalter, wenn Macht und Know-how weiterhin so diametral über die Hierarchie verteilt sind.