Schöner sterben mit dem „SZ-Magazin“

Das „Süddeutsche Zeitung Magazin“ hat ein Themenheft über die „größte Sinnkrise der klassischen Medien“ produziert, meint mit „klassischen Medien“ aber, wie sich herausstellt, nur die Zeitung. Als vertrauensbildende Maßnahme haben die Kollegen nun die komplette, morgen erscheinende Ausgabe namens „Wozu Zeitung?“ online gestellt (und verlosen sogar 1 Jahresabo der „Süddeutschen Zeitung“ an einen Nicht-Zeitungs-Leser unter zwanzig, damit er damit, wenn ich die Ausschreibung richtig verstehe, den Boden der Bio-Tonne auslegen kann).

Verschiedenen Leuten und Institutionen hat das „SZ-Magazin“ außerdem angeboten, Artikel aus der Sonderausgabe auf ihren Internetseiten zu veröffentlichen und mit ihren Lesern darüber zu diskutieren. Die interessantesten „(natürlich auch kritischen)“ Leserkommentare sollen dann wiederum auf der „SZ-Magazin“-Seite veröffentlicht und verlinkt werden.

Ich hätte hier deshalb einen Beitrag von Felix Salmon veröffentlichen dürfen, einen Mann, den das „SZ-Magazin“ so vorstellt:

Felix Salmon, 37, betreibt mit portfolio.com einen der erfolgreichsten
amerikanischen Blogs, der sich mit Wirtschaft und Finanzen auseinandersetzt.

Das trifft es fast ((hier in der Bedeutung von „gar nicht“)). portfolio.com ist kein Blog, sondern der Online-Ableger von „Portfolio“, einem monatlichen Wirtschaftsmagazin von Condé Nast. „Portfolio“ und portfolio.com werden gerade mangels Werbeerlösen eingestellt. Felix Salmon bloggt da aber eh schon seit Ende März nicht mehr, sondern für Reuters.

Okay, das sind nur „Fakten“. Und es hätte auch eine gewisse Ironie gehabt, seinen Beitrag „Zehn Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren“ hier zu veröffentlichen. Aber Salmons Gründe sind so doof, dass mir selbst der unendliche Platz, den das Internet bietet, dafür zu schade ist. Sie beruhen auf Aussagen wie: „Ansehen ist etwas, wonach fast alle Deutschen streben“, „Die Deutschen nehmen ihre Ferien extrem ernst“ und „Deutschland hat (…) andere Universitäten“.

Sie können sich den Beitrag natürlich trotzdem gern auf den Seiten des „SZ-Magazins“ durchlesen und dort oder hier oder woauchimmer darüber diskutieren. Die anderen Artikel habe ich noch nicht gelesen, aber Journalistik-Professor Klaus Meier hat es getan.

Nachtrag, 14.35 Uhr. Im englischen Original des Artikels bei Reuters (!) schreibt Salmon übrigens keineswegs darüber, „warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren“, sondern warum es keine deutschen Wirtschaftsblogger („econobloggers“) gebe. Aber das war dem „SZ-Magazin“ wohl nicht sexy genug.

Nachtrag, 8. Mail. Klaus Jarchow hat eine schöne Parodie auf Salmons Thesen verfasst.