Eine Zeitung sagt Sorry!

Der „Evening Standard“, die einzige kostenpflichtige Londoner Lokalzeitung, hat seit Anfang des Jahres einen neuen Besitzer: den russischen Milliardär Alexander Lebedew. Der engagierte einen neuen Chefredakteur, der erst einmal eine Marktforschung über das Blatt in Auftrag gab.

Das Ergebnis war wohl einigermaßen verheerend, und so entschloss sich das Blatt zu einer einzigartigen Werbekampagne, in der es sich in der U-Bahn und auf Bussen bei den Londonern entschuldigt:





Nun hat es der „Evening Standard“ mit seiner penetranten, gehässigen Parteilichkeit zweifelsohne ganz besonders nötig, sich bei seinen Lesern und Nicht-Lesern zu entschuldigen. (Die Heftigkeit der Kommentare im „Guardian“-Blog von Roy Greenslade, der auch für den „Evening Standard“ schreibt, spricht Bände.) Aber der spanische Medienberater Juan Antonio Giner hat schon recht, wenn er meint, dass diese Werbebotschaft vielen Zeitungen gut zu Gesicht stünde, und er in ihr einen „Fünf-Punkte-Plan“ sieht, um Zeitungen zu verändern und zu retten.

Warum habe ich das Gefühl, dass viele deutsche Zeitungen im Zweifel umgekehrt von den Menschen eine Entschuldigung dafür fordern würden, dass sie sie nicht lesen?