Wladimir Kaminers Schwulenwitz

17 Mai 09
17. Mai 2009

Das meiste, was gestern beim Grand Prix zu sehen war, wird natürlich schnell wieder vergessen sein. Ich fänd’s schön, wenn der Auftritt von Wladimir Kaminer in der Countdown-Sendung der ARD nicht dazu gehört und ihn noch eine Weile verfolgt:

Angesichts solcher Berichte aus Moskau zu formulieren: „Die Russen sind nicht schwulenfeindlich, sie sind schwulenfreundlich, sie zeigen es nur nicht“, ist schon von ausgesuchter Ekelhaftigkeit.

Dass die Funktionäre der veranstaltenden European Broadcasting Union keine Veranlassung sahen, ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Menschenrechte zu setzen — und sei es nur aus Solidarität mit ihrer treuesten Zuschauerschaft — kann niemanden überraschen. Dass niemand während der Show auch nur einen winzigen, ansteckergroßen, regenbogenfarbenen Protest wagte, muss man womöglich auch hinnehmen. Aber dass ein Wladimir Kaminer von Hamburg aus nachtritt und die Opfer verhöhnt — das ist das Letzte.

221 Gedanken
  1. 1
    Johannes Kram says:

    Danke!!!!
    und Guildo hat die Ehre gerettet, sonst wäre es insgesamt sehr peinlich geworden.
    hab eben dazu auch was hier geschrieben: http://nollendorfblog.de/?p=59

  2. 2
    Twipsy says:

    Ja, das war wirklich unglücklich. Aber hätte man ihn nicht ausreden lassen sollen? Zumindest sollte er sich im Nachhinein äußern, in einer weniger aufgeheizten Stimmung. Er wollte sich gegen einen Generalverdacht wehren, der aber gar nicht geäußert wurde.
    Man stelle sich vor, ein Deutscher hätte diesen Satz in einer Talkshow im Ausland gesagt, als die ausländerfeindlichen Krawalle in Rostock und Solingen stattfanden. Wäre das nicht vergleichbar? Ich denke auch, dass viele Russen nichts gegen Schwule haben, es sich aber nicht trauen zu äußern, weil sie dann auch eingesperrt würden.

  3. 3
    Steffen says:

    Das war wirklich ein derber Schlag in die Magengrube des gesunden Menschenverstandes. Das zweite Mal bin ich dann beim ersten Einspieler „unserer Außenreporterin“ beinahe vom Stuhl gefallen. Das war dann noch mal ein zusätzliches und absolut unverständliches „Friede, Freude, Eierkuchen“.

  4. 4
    iolanthe says:

    Zumindest die schwedische Punkteverkünderin trug allerdings einen Regenbogenanhänger, wenn mich nicht alles täuscht. http://www.youtube.com/watch?v=8gF4EQkZg_E&feature=related (ab Minute 6 1/2)
    Ist im YouTube-Video nur zu erahnen. Wer auf der offiziellen eurovision-Seite guckt, sieht es deutlicher.
    Allerdings ist 1 aus 42 jetzt natürlich keine all zu rühmliche Ausbeute…

  5. 5
    Achim B. says:

    auch ich sage danke für diesen beitrag. als ich den kaminer gestern hörte, dachte ich, ich müsse sofort brechen. ich hab dann einfach nur die glotze ausgeschaltet.

    danach dachte ich, vielleicht muss man als russe auch in deutschland so reden. sonst hat man den geheimdienst an der backe. oder unterstelle ich den russen jetzt zu viel gemeinheit? also den »offiziellen russen« in russland.

  6. 6
    schwulenmutti says:

    Eigentlich hätte man auf Grund solcher Vorgänge, als normal denkender Bürger garnicht gucken sollen. so als typische Boykotthaltung eben. Nur es wird sich in diesem Punkt gerade nichts zum positiven bewegen!

    Weil es geht schlicht um Machsicherung der russischen Politik-Elite.
    Ja es ist in Russland so, wer schwulenfeindlich ist kriegt bei Wahlen die meisten Stimmen.Bei uns undenkbar.Inzwischen kriegt jeder Politiker der was werden will von der politschen Schwul-lesbischen Community Wahlprüfsteine aufgebürdet.

    Aber eins ist klar: Kaminer kommt mir nicht mehr ins Regal,wie so manches auch nicht!

    Gute Nacht ! Und macht hier ne ordentliche gut fundierte Diskusssion daraus!

  7. 7
    Johannes Kram says:

    @ Twipsy
    er hätte zumindest sagen müssen, dass das nicht in Ordnung war und das hätte ja wohl jeder einigermaßen nicht geisteskranke Deutsche nach Rostock und Solingen im Ausland auf die Reihe bekommen. Er hat es nicht gesagt, obwohl Thomas Anders mehrmals nachgefragt hst. Er wollte es nicht sagen, und das ist wirklich das Letzte, Allerletzte.

  8. 8
    Sebastian S. says:

    Ach, Wladimir. Ich knabbere mich seit einer Ewigkeit durch das leidlich witzige „Salve Papa!“, weil es ein Doppelgeschenk zusammen mit einem Live-Auftritt von ihm war und dieser grandios war. Nun weiss ich nicht, was ich hiervon halten soll. Der ganze Abschnitt klang ja nach der offiziellen Propaganda, die Staatsführer halt immer abspulen, dass man dem Land Zeit geben müsse und man sich auf dem Weg befinde. Nun hat Kaminer durchaus einen Sinn für Ironie, so dass ich ihm zutraue, dass es genauso gemeint war: eine Parodie auf eben dieses Gewäsch, zumal er bislang auch nicht dadurch aufgefallen ist, die russische Politik besonders zu loben. Aber es kann eben auch sein, dass er es ernst meinte, und das wäre ein ziemlicher Griff ins Klo.

  9. 9
    Stadtneurotiker says:

    Zweifellos eine dumme Reaktion, die ich allerdings als Replik auf das immer wieder zu beobachtende Russland-Bashing hierzulande ansehe.
    Wenige Minuten später, bevor nach Moskau geschaltet wurde, wurde ein Bericht gesendet, in dem dem dem unbedarften Zuschauer aufs Neue suggeriert wurde, daß westliche Errungenschaften erst vor drei Wochen dort Einzug gehalten haben. Ich glaube, es war der von Achim (#5) erwähnte Bericht.

    Man mag Thomas Anders zugute halten, daß er in der Partystimmung das Thema nicht untergehen lassen wollte. Aber gut gemeint ist häufig nicht gut gemacht.

  10. 10
    aCks says:

    …“und sei es nur aus Solidarität mit ihrer treuesten Zuschauerschaft“

    Gibt es hierzu verlässliche Zahlen, oder ist das sonst irgendwie verizierbar?

    Wenn dem tatsächlich so wäre, wären dann die vielen knackigen Damen der Schöpfung, die als Interpretinnen an dem Gesangeswettbewerb (in möglichst knapper Oberbekleidung) teilnehmen, nicht „Perlen vor die Säue“ geworfen?

  11. 11
    kolm says:

    Ach na geh. Da spricht Herr Kaminer, ein Nichtmuttersprachler, live und eher unvorbereitet ueber eine enorm heikle Sache, in einer sehr schwierigen Situation. Er formuliert grundsaetzlich wolkig, missverstaendlich, ausdeutungsbeduerftig, manchmal mit Gewalt hintergruendig.

    Das ist manchmal sehr nett zu lesen, manchmal einfach wertlos. Und hier rutscht ihm ein Satz heraus, der eher wertlos ist. Weil er an den Kleinrussen zuhause denkt, der seinem Gast sagt „Weisst Du, Du kannst gerne schwul sein und ich find das in Ordnung, aber auf die Demo geh ich lieber nicht“, und bei „Russe“ nie an die Polizei denkt, das ist ihm eher ein landfremdes Element; da ist so vieles wohl kaum uebertragbar ist zu den Deutschen. Und weil er nie wirklich angekommen ist hier, in Deutschland, dem Land des „Das kann man so doch nicht sagen“ und „So geht das ja nun wirklich nicht“, und den angeborenen, schicksalsergeben herzlosen Zynismus nie verstecken konnte, auch nicht, wenn er voellig fehlangebracht ist.

    Aber daraus jetzt herauszukratzen, dass er nochmal auf die Opfer eingetreten haette, das ist ja nun wirklich albern. Wer vorher geradezu bettelt „Geben Sie uns Zeit, wir muessen erst lernen“, der tritt nicht direkt danach haemisch nach.

  12. 12
    Johannes Kram says:

    @ 11 Es geht nicht darum ob man sowas nicht so sagen kann, sondern ob man überhaupt was sagen kann. Natürlich hat er auf die Opfer eingetreten. Schon alleine dadurch, daß er leugnet, daß es hier überhaupt Opfer gibt.

  13. 13
    dot tilde dot says:

    ich mag ja seine bücher.

    aber man kann wohl nicht alles haben. am ende ist er gar ein mensch, mit schattenseiten. wenn es gegen schwule geht, kann ich ihm gar nicht folgen. und dann auf diese süffisant-evasive art, das ist mir widerlich. enttäuschung im wahrsten sinne des wortes.

    offensichtlich habe ich genug kaminer gelesen für ein leben.

    .~.

  14. 14
    Teststrecke says:

    Die, die Kaminer erst jetzt verstehen, gelangten wenigstens zu später Erkenntnis. Immerhin. Hoffen wir, dass alle Leser von Broder auch einen Erkenntnisgewinn verbuchen werden.

  15. 15
    Bartleby says:

    Wo war denn der Herr Uecker dieses Jahr?

  16. 16
    16 says:

    Der wollt sich das nach dem Debakel letztes Jahr nich mir geben, hat er damals gleich danach angekündigt.

  17. 17
    Carola says:

    Hallo?! Da stand ein Thomas Anders auf der Bühne. Ihr wisst schon: der Typ, der früher in knatschbraun mit dickem Nora-Goldkettchen und Dieter Bohlen unsägliches Gesungen hat. Es war das Festival der hohlen Worte und dünnen Stimmen und nun werden ausgerechnet die Worte Kaminers auf die Goldwaage gelegt, dass die Russen nicht schwulenfeindlich, sondern schwulenfreundlich sind?
    Wobei ich wette, dass er es auch noch genau so gemeint hat und von den Russen sprach und nicht der Polizei. Zu DDR-Zeiten haben sich die Deutschen dort auch herzlich wenig mit ihrer Regierung und ihren Polizisten identifiziert – soooo unverständlich sollte uns diese Denke doch noch nicht sein.
    Noch dazu ist ihm Herr Anders massiv ins Wort gefallen um schnell in seichte Gewässer zurückzuplätschern.
    Angesichts des Vorgehens gegen die Demonstranten hätten wir unseren Sänger zurückpfeifen sollen. Das wäre ein Signal gewesen und hätte uns auch noch die Blamage dieses Auftritts erspart … :)

  18. 18
    Tellerrand says:

    Lieber Stefan, erstmals – und entschuldige bitte für den harten Vergleich – muss ich diesem Eintrag BILD-Niveau zusprechen.

    Hier wird in einen unglücklichen Wortwechsel ein Skandal hineininterpretiert, welcher jeder Grundlage entbehrt. Kaminers Problem ist ein überforderter Anders und ein holpriges Deutsch in einer Situation, in der eben jedes falsche Wort verhängnisvoll sein kann.
    Dass er nicht direkt die Polizeiaktion anspricht, liegt womöglich an der Fragestellung Anders‘, welcher die Schwulenfeindlichkeit auf die ganze Stadt (und folglich ihrer Bürger) projiziert („Chance [vertan], sich als Supergastgeber zu präsentieren“ – und waren etwa die höflichen Polizeibeamten gemeint, als bei der WM06 von einem „Supergastgeber“ gesprochen wurde?). Diesem Generlaverdacht gegenüber den Russen will Kaminer wiedersprechen, verhaspelt sich, und bekommt durch Anders nicht einmal die Chance, weiter auf das Thema einzugehen.
    Dies ist unglücklich, von einer „Verhöhnung“ zu sprechen ist aber übertrieben und eine Unterstellung – zumal Stichworte wie „richter Umgang mit Minderheiten“ und die Anmerkung, dass der Song Contest ein „Schritt in die richtige Richtung“ sei, für Kaminer sprechen und ein anscheinend erfolgloser Versuch seinerseits sind, die Sache aufzuklären.

    Diese werden aber in BILD-Manier ausgeblendet und unter den Tisch fallen gelassen.

  19. 19
    lena says:

    Also, hier glaubt doch nicht wirklich einer ernsthaft, dass der Kaminer schwulenfeindlich ist??!? Kann Tellerrand nur beipflichten, hier wird versucht einen Skandal heraufzubeschwören, wo keiner ist. Man kann sich auch anstellen… ich glaube, da gibt es wichtigere Probleme für die Schwulenbewegung, aber der Kaminer ist bestimmt keines…

  20. 20
    Stefan W. says:

    Das ist ein Scherz über die Sprachregelung der Führung. „Man ist nicht schwulenfeindlich, man ist schwulenfreundlich, und zeigt es nur nicht.“ Ebenso hat man den Grand Prix schon früher immer gezeigt (allerdings erst zu Weihnachten).

    Man kann allenfalls bekritteln, daß er nicht auf das Thema eingeht (Schwulenfeindlichkeit) und stattdessen sein eigenes Süppchen kocht (autoritäre Strukturen) – daß er selbst schwulenfeindlich ist kann ich da nicht rauslesen.

    Ich bin kein Kaminerfan, der eine Kaminer-CD oder ein Buch hätte, aber habe ihn schon das ein oder andere Mal gesehen – ich halte es für eine Kaminersche Ungelenkheit, die manchen Witz nicht ankommen läßt, und manchmal den Reiz seiner Witze ausmacht.

    In dubio pro reo.

  21. 21
    grey²³ says:

    Diskussion hin oder her… verarschen kann ich mich auch alleine, ich übergebe mein Exemplar der ‚Russendisko‘ hiermit der Mülltonne.

  22. 22
    Andreas says:

    Seit dem Tod von Ivan Rebroff ist Kaminer der einzige deutschsprachige Russlandexperte. Da muß er sich dann aufgrund seiner Mediengeilheit notgedrungen auch zu Themen äußern in denen er sich nicht auskennt.

  23. 23
    Cleo Jones says:

    Trotzdem kann man von ihm verlangen, dass er mitdenkt, die ziemlich blöde Frage von Anders ignoriert und an entscheidender Stelle auch mal nix sagt bevor er solchen unüberlegten Sondermüll fabriziert.

  24. 24
    SG says:

    Tatsächlich ist dieser unglückliche Wortwechsel wohl kein Skandal, nicht mal eine irgendwie wichtige Nachricht. Es ist aber interessant, dass (zumindest bei diesem Fall) Stefan Niggemeier genauso gehandelt hat wie viele andere (wahrscheinlich sogar fast alle) Medien: Auch Nicht-Nachrichten werden skandalisiert bzw. aufgesext. Da wird eine allenfalls unglückliche Äußerung dann eben ganz schnell als „ausgesuchte Ekelhaftigkeit“ bezeichnet. Das Medium berichtet nicht über die Nachrichten, es macht die Nachrichten.

  25. 25
    Johannes Kram says:

    @ 18, 19, 20 und andere: Ob Herr Kaminer schwulenfreindlich ist oder nicht: Will hier jemand ernsthaft besteiten, daß er sich eindeutig schwulenfreinlich geäussert hat? Und das, ohne von Hern Anders dazu gezwungen worden zu sein? Ob das zusätzlich auch noch dumm ist, schließt sich ja nicht aus.

  26. 26
    Katzenblogger says:

    Ich tippe eher, dass Kaminers Bemerkung eine Mixtur aus Flapsigkeit und Zynismus war. Die Flapsigkeit mag man kritisieren; sein Zynismus – so vermute ich es – bezieht sich aber genau auf die Feigheit der europäischen Teilnehmer, gegen die russische Diktatur und dem dort geduldeten Schwulenhass Stellung zu beziehen.

    Deutlicher konnte er es nicht eben nicht sagen. Die Moderatoren (inkl. Kaminer) mussten – so darf man es vermuten – allesamt knebelvertraglich zusichern, während des Grand Prix keine politisch kritischen Anmerkungen zu machen.

    Klar ist jedenfallls, in unserem beinahe auf russische Weise „demokratischen“ Fernsehen, dass jemand wie Kaminer jede Auftrittsmöglichkeit verlieren würde, wenn er
    a) an dieser knebelvertraglichen Praxis des deutschen Qualitätsfernsehens Kritik üben würde oder
    b) sich über den Knebelvertrag hinweg setzen würde und scharfe politische Kritik gegen die russische Diktatur äußern würde.

    Im Übrigen tut eine Email an Kaminer nicht weh.

    (Immerhin beauftragt er im Gegensatz zu unseren Spitzenpolitikern keine PR-Arschenturen, wenn besorgte Bürger nachfragen)

  27. 27
    Katzenblogger says:

    Ähem:

    Und ich schließe nicht aus, dass Wladimier Kaminer einfach nur peinlichen Stuss gelabert hat.

  28. 28
    Exil-Russe says:

    Kaminer als Kämpfer gegen die russische Diktatur und Schwulenhass? Interessant, wie Kaminer hier romantisiert wird, er auf Grund seines affektierten russischen Akzentes als authentischer Typ, dem ein wenig Homophobie (hier: unglückliche Wortwahl) ja mal passieren könne, verklärt wird. Kurz: Kulturrelativismus at its best.

    Kaminer steht den russischen, faschistischen Nationalbolschewiken nahe, ist Fan von Eduard Limonow und Jegor Letow und verteidigt und unterstützt russische Neofaschisten am laufenden Band.
    Letow sagt über Schwule, dass man sie »gleich ins Gefängnis schicken sollte, weil diese absurde Vorliebe den Traditionen unseres Volkes total fremd ist«, Kaminer besuchte ein Konzert des selbigen in Berlin und gab anschließend zu Protokoll, Jedor sei Kein Nazi, ihm würden Ehre und Stolz des russischen Volkes eben noch etwas bedeuten. Und obendrein seien die Tschetschenen ja wirklich nur ein Räubervolk.
    Daraufhin kam es zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Nazis rein? Russische `Nationalbolschewisten‘ auf Berliner Lesebühnen“, wo die Vorwürfe gegen Kaminer und Co. geklärt werden sollten, dieser boykottierte die Diskussion jedoch.

  29. 29
    Hein says:

    Naja, ich stimme zu, dass Kaminers Wortwahl auf jeden Fall unglücklich war. Allerdings kann ich die Intention von Kaminer nicht wirklich erkennen. Verhöhnt er tatsächlich die Opfer? Hat er einen misslungenen Witz gemacht? War er einfach nur zynisch?

    Ein Skandal ist dagegen, dass die deutschen Verantwortlichen des Song Contest in Schweigen hüllen, während vor der Halle Menschen zusammengenüppelt werden. Ein Boykott der deutschen Interpreten hätte ein Zeichen gesetzt.

  30. 30
    meykosoft says:

    @23

    Der schöne und eindeutige Begriff „schwulenfreinlich“ macht das Dilemma deutlich und bringt es wie nebenbei auf den Punkt ;)

    Danke dafür!

  31. 31
    kapsberger says:

    Nun bin ich ja schwul und habe auch den verlinkten taz-Artikel mit ansteigender Wutkurve gelesen.
    Und doch will mir als solchermaßen Betroffenem auch nach zweimaligem Ansehen nicht so recht einleuchten, wo in diesem Null-Gespräch der unfassbare Skandal liegen soll. Ein bisschen ungeschickte Russland-Kritik von Anders, ein bisschen vom Anliegen her verständliche, aber ebenso ungeschickt vorgetragene Russland-Verteidigung von Kaminer, der man übrigens mit ein bisschen gutem Willen auch noch diesen einen skandalösen oder vielleicht halt doch nur im Eifer des Gefechts verunglückten Satz zuschlagen könnte – und sonst viel nichtiges Geplänkel, Grand-Prix-Gedöns halt.

  32. 32
    Stefan Niggemeier says:

    @lena: Ich glaube auch nicht, dass es ein größeres Problem für die Schwulenbewegung ist. Aber vielleicht für die Kaminerbewegung.

    @Tellerrand: Der Vorwurf, ich hätte die anderen Aussagen Kaminers ausgeblendet („in BILD-Manier“ natürlich, das kenn‘ ich schon), ist natürlich süß, wenn ich extra das Video mit den anderen Aussagen Kaminers einbinde, damit jeder sie sich angucken und seine eigene Meinung bilden kann.

    @Katzenblogger: Nein, das war die ARD-Sendung in Hamburg vor dem eigentlichen Grand-Prix. Da musste niemand irgendeinen Knebelvertrag unterschreiben.

    Ich finde übrigens, gerade im Zusammenhang mit den Sätzen davor wird Kaminers Witzversuch erst richtig unangenehm. Wenn er sagt, man müsse den Russen Zeit lassen, erinnert er mich wirklich an die Verteidiger der chinesischen Aufräumaktionen vor den Olympischen Spielen.

    Natürlich kann man sich streiten, ob das ein kleiner Ausrutscher oder ein großes Ärgernis war. Aber so zu tun, als hätte da ein überforderter Mann gestanden, der nur gebrochen deutsch spricht, ist auch ungerecht Kaminer gegenüber. Ich weiß nicht, in wievielen Talkshows dieser Mann schon aufgetreten ist. Der ist Profi. Man kann von ihm schon erwarten, dass er einen Satz findet, in dem er die Aktion gegen die Demonstration oder die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in seinem Land bedauert, bevor er versucht, witzig zu sein (wenn überhaupt).

  33. 33
    vib says:

    Hm, von Thomas Anders in seinem sinnfreien Geblubber unterbrochen zu werden, ist zumindest ein kleiner Teil gerechter Strafe, wenn auch überhaupt gar nicht ausreichend.

  34. 34
    Jeeves says:

    „Ekelhaft“? würde ich den zitierten Satz nicht nennen. Er mag falsch sein, oder falsch ironisch. Aber „ekelhaft“?

  35. 35
    Badratgeber says:

    Mansche Menschen haben halt keine Erziehung genossen…

  36. 36
    SvenR says:

    Auf mich wirkte Kaminers Aussage eher zynisch als tatsächlich schwulenfeindlich. Ich habe das für eine nicht unübliche „rhetorische Figur“ gehalten, die nochmals unterstreicht, dass die Russen (wer auch immer „die Russen“ sein mögen) sehr schwulenfeindlich sind.

    Wobei ich als nicht-betroffener heterosexuler Mann das wahrscheinlich anders sehe, als wenn er mich damit gemeint haben könnte.

  37. 37
    Christina says:

    Kaminers „gebrochenes“ Deutsch ist sein Markenzeichen, der schreibt seine Bücher schon selbst, und ist auch sonst ganz schlagfertig. Sein Statement war höchst unglücklich, vor allem nachdem ihm Guildo quasi eine Vortlage geliefert hatte, der er nur noch zuzustimmen brauchte. Unschön, das, sehr sogar.

    Unschön ist aber auch Herr Niggemeiers letzter Absatz. Diese Klimax kann ich nicht verstehen: die EBU schweigt, keiner protestiert, aber Kaminers Spruch soll jetzt das Allerschlimmste, das Allerekligste, das Letzte sein? Das finde ich ein bisschen übertrieben.

  38. 38
    Norbert says:

    Mein Eindruck ist, dass die ARD da auch für Chaos gesorgt hat. Kaminer scheint aufgeregt, dass er zu dem Thema Stellung beziehen soll, er wirkt recht unvorbereitet. Meine Theorie: die ARD war überrascht von dem Statement von Guildo und die Regie hat dann während den drei Minuten, in denen Mark Medlock irgendwas von Band gesungen hat und die im Video oben fehlen, beschlossen, das Thema nochmal aufzugreifen – und haben dafür offensichtlich den falschen Gesprächspartner gefunden.

    Die Haltung, ich bin nicht die Moskauer Polizei, ich bin vermutlich auch nicht schwulenfeindlich, warum soll ich da jetzt was zu sagen, ist weitverbreitet. Etwa auch beim Sieger Alexander Rybak, ich zitiere queer.de: „Bei der Pressekonferenz nach seinem Sieg sagte er auf die Frage eines vermutlich homosexuellen Journalisten, was er von der Aktion der Lesben und Schwulen und dem Einsatz der Polizei halte: ‚Ich möchte einen Witz darüber machen: Ich war nicht derjenige, der sie verhaftet hat. Aber das ist nichts, worüber man Witze macht. Ich habe die ganze Woche über gesagt: es ist sehr schade, dass sie all die Energie für die Parade heute genutzt haben, während die größte Schwulenparade heute Nacht war.'“ Könnte man sich drüber aufregen, ist aber auch die Haltung von anderen Grand-Prix-Teilnehmern, auch schwulen gewesen.

    Das eigentlich schöne an dem Video oben aber ist Guildo Horn. Der hat kurz zuvor seine neue Single besungen, ausgerechnet „Moskau“, und statt nochmal dafür zu werben hält er offenbar aus eigener Initiative ein Wort zum Sonntag ab.

  39. 39
    Katzenblogger says:

    @ Stefan Niggemeier

    Ja, stimmt. Im Zusammenhang mit dem, was er davor gesagt hat – zur Verteidigung Russlands bzw. der russischen Politik – ist es ziemlich schräg.

    (ähem – man kann meinen Kommentar #26 problemlos in der Rubrik „peinlicher Stuss“ abheften – obwohl ich ja fest, sogar sehr fest, an die Existenz derartiger knebelvertraglicher Bestimmungen glaube)

    Kaminer glaubt an eine schon bald anstehende Liberalisierung der russischen Diktatur (bzw. sieht Russlands Autokratie aus patriotischen Gefühlen heraus nicht als Dikatur an) – und er wollte zur Ablenkung und Entspannung der Gesprächssituation einen lockeren Witz machen („…sie zeigen es nur nicht„).

    @ Exil-Russe

    Es wird kolportiert, dass Kaminer eine gewisse Nähe zu den Politextremisten im „eifrei“-Umfeld hat. Anders gesagt, Kaminer hat eher eine Tendenz zu einem extremistischen Rechtslibertarismus, gewürzt mit russischen Patriotismus, als zu Neofaschismus russischer Provinienz.

    Vielleicht läuft es darauf hinaus: Kaminer ist politisch naiv.

  40. 40
    Stefan Niggemeier says:

    @Christina: Nein, viel schlimmer ist natürlich das Schweigen der EBU. Aber nicht überraschend. Dass kein Teilnehmer einen Eklat riskieren mag, ebenso. Aber Kaminers Foul war unprovoziert, unnötig und unvorhersehbar und deshalb für mich fast noch ärgerlicher.

  41. 41
    Jan Wigger says:

    Ich werde immer skeptisch, wenn jemand sofort mit übermäßigem Verständnis für eine eindeutig unvernünftige Position reagiert. Für Russland um Zeit zu bitten, wäre ihm sicher nicht in den Sinn gekommen, wenn seine Familie niedergeknüppelt worden wäre.
    Über seine Motivation kann man nur spekulieren, da gäbs genug Möglichkeiten, ändert aber nichts daran, dass seine Aussagen ziemlich dumm waren. Und wenn das kritisiert wird, dann zu Recht.

  42. 42
    polyphem says:

    „Witzelsucht“ nennen das die Psychologen. Bei Komikern stark verbreitet. Ist stark ätzend. Katzenblogger ist auch infiziert. (s. # 26)

  43. 43
    snicer says:

    Alles ganz vergessen wo es bei den Olympischen Spielen in China ja nur um Sport ging und da sind politische Dinge wie Menschenrechte jawohl nicht _so_ wichtig. Wenn man hier jemanden ein Vorwurf macht dann doch bitte der den Fernsehsehndern, damals wurde doch noch alles totgeschwiegen.

    Aber auf den bösen Russen kann man draufschlagen wenn er eine Demo gewaltsam beendet, welche in China wohl nie zustande gekommen wäre – doppelmoral?

    Man sollte doch den Veranstaltern und Geldgebern (ARD?) den Vorwurf machen so etwas zu tollerieren und keine Konsequenzen daraus zu ziehen. Es wäre doch mal ein Zeichen gewesen, wenn die deutsche Delegation abgezogen wärde wegen so etwas…. aber nein.. the show must go on.

  44. 44
    Carola says:

    Und dass sich auf der Bühne der deutsche Interpret das Hemd nun unbedingt von einer eigens eingeflogenen Frau vom Leib reißen lässt, obwohl er mit einem Mann zusammenlebt, bietet sich nicht eher als Zielscheibe für einen Beitrag an?

    Mir hätte ein „Mister Kiss, Kiss Bang“ besser gefallen :)

    Immerhin lässt der Beitrag hier hoffen:
    Stars und Sternchen müssen nicht mehr fürchten, dass Gerüchte aufkommen, sie seien homosexuell – nein – mehr oder weniger verdächtige Anzeichen für Homophobie sind es nun, die sie ins Gerede bringen …

    Sorry, aber ich halte diesen Beitrag hier eher für ein Foul

  45. 45
    noir.desir. says:

    Ich mag Kaminer, und jetzt mag ich ihn noch mehr. Es muss nicht jeder jede Abartigkeit gutfinden, nur weil es gerade „in“ ist.

  46. 46
    Anders says:

    Wenn ein Volker Pispers sagt: „Natürlich hat kein Mensch in Deutschland was gegen Ausländer. Keiner hat was gegen Ausländer. Wir arbeiten ja noch an einem Mittel.“, dann ist das politisches Kabarett.
    Wenn Kaminer sagt: „Die Russen sind nicht schwulenfeindlich, sie sind schwulenfreundlich, sie zeigen es nur nicht”, dann ist das ein Angriff auf die Menschenwürde.

    Ja, nee, is klar ….
    Anders

  47. 47
    Katzenblogger says:

    Gehören nicht a) Schlager und b) Seichtigkeit zusammen, eng umschlungen und unzertrennbar – bis ans Ende aller Gesänge?

    Insofern sind es die oft grenzdebilen Songtexte des Grand Prix, wo sich der Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks materialisiert. Neuste Deutung: Kaminer hat sich halt angepasst – der Autor wollte den Clown geben.

    (Man könnte es so formuliereni: Kaminer ist ein politisch sehr aufmerksamer Autor und Intellektueller, aber er zeigt es nicht…)

  48. 48
    Linus says:

    @46

    Ich hoffe doch mal stark mit „Abartigkeit“ ist der Grand prix gemeint?

  49. 49
    Tomtom says:

    ist Hedda Gabler eigentlich ein gelangweiltes Opfer einer Männlich dominierten Welt, oder ein bösartiges Biest?

  50. 50
    Jan Wigger says:

    @44: wieso Doppelmoral? China wurde auch sehr kritisiert für seine Fehltritte während der Olympia-Organisation

    @45: guter Ansatz, etwas weniger Heteronormativität in den Medien wär toll und sollte auf dem Forderungskatalog weiter oben stehen. Bin nur nicht mit der Idee des „stattdessen“ einverstanden, Kritik an Heteronormativität und Homophobie ist okay

    über 46: Plz dont feed the trolls.

  51. 51
    Christoph says:

    @46: Klasse, so kommen wir echt weiter! Die Galle kommt mir hoch, wenn ich zu solchen Beiträgen solche(!) Kommentare lese. Man kann das hier für einen Skandal halten oder als Foul von Stefan Niggemeier abtun.

    Aber solche Kommentare führen mir immer wieder erschreckend vor Augen, wie wichtig Bildung ist! Und Informationen. Was im Zusammenhang ARD – Tagesschau – Contestausstrahlung übrigens auch einen sehr faden Beigeschmack erhält.

    Grüße an Guido: Einfache Sätze an richtiger Stelle sind die besten!

  52. 52
    dan says:

    @47
    Aber hallo! Da ist doch wohl schon der Kontext ein anderer. Einfach zwei Äußerungen nebeneinander zu stellen, ist grober Unfug.

  53. 53
    Ullrik says:

    #47
    Dann soll er sich als Kabarettist outen und nicht so tun als sei er Schriftsteller.

  54. 54
    onlime says:

    Die Bemerkung Kaminers sollte wohl witzig sein. Aber der Witz zeigte sich nicht.

  55. 55
    Burtchen says:

    Sorry für meinen ersten Typo-Flame, aber: „Ich fänd’s schön, wenn der Auftritt von Wladimir Kaminer in der Countdown-Sendung der ARD nicht dazu gehört und ihn noch eine Weile verfolgt:“
    Fehlt da nicht ein hätte oder so?

    @Topic: Am Sonntag war internationaler Tag gegen Homophobie.

  56. 56
    Martin says:

    Gibts eigentlich noch irgendwas zwischen Schwulenfreundlichkeit und Schwulenfeindlichkeit und sind das überhaupt die richtigen Begriffe? Für mich ist die Würde eines Homosexuellen genauso unantastbar wie die eines Heterosexuellen. Das ist keine Schwulenfreundlichkeit, das ist eine Selbstverständlichkeit.

    Kaminer war zumindest eher daran gelegen, Russland in Schutz zu nehmen, als den Vorfall und die Opfer angemessen zu würdigen. Aber die Frage von Anders hat ihn ja auch in diese Verteidigungsposition gedrängt.

    Kaminer hat einen zärtlichen fast schon väterlichen Blick auf sein Heimatland. Als würde er über einen ungezogenen Bengel reden. Ich kann das verstehen mir geht mit Deutschland ganz manchmal ähnlich (auf die heutige Zeit bezogen). Aber man darf natürlich nicht das viele Leid vergessen, dass durch diese Ungezogenheit verursacht wird. Ungezogene Bengel mit zuviel Macht sind gefährlich.

  57. 57
    Stefan Niggemeier says:

    @Burtchen: nein.

  58. 58
    Hansgerd Zappenduster says:

    Hallo? Man sieht doch im Video eindeutig, dass Kaminer nicht ausreden kann. Da gebietet es die Fairness nicht so eine Dose aufzumachen. Man hätte ihn zumindest fragen müssen was er denn eigentlich sagen wollte. Ich halte den Eintrag hier für unangemessen, besonders von einem Medien-Journalisten.

  59. 59
    freischwimmer says:

    ich kann in diesem videoschnipsel keinen wirklichen beweis finden, dass herr kaminer schwulenfeindlich ist oder nicht. vielmehr lassen seine wenige sekunden dauernden äußerungen (die von herrn anders abgewürgt wurden) spielraum für so einiges…
    um ernsthaft darüber diskutieren zu können, sollte man vielleicht herrn kaminer um ein interview bitten, das spielraum für vollständige gedankengänge lässt und ggf. für ironie und zynismus.
    aber noch aus einem anderen grund wäre so ein interview lohnenswert: wir könnten vielleicht was lernen: über die russische denke, über kultur, gesellschaft und russische politik. denn mal ehrlich: was wissen wir schon großartig über land und leute? wer kennt schon vertreter der russischen kultur? aktuelle schriftsteller? künstler? was wissen wir über die einstellung der menschen zur homosexualität?

    kein job für sie, herr niggemeier?

  60. 60
    tommi16 says:

    Ich war bis gestern beruflich (Pressearbeit für ein Wirtschaftsunternehmen) in Moskau. Am Samstag vormittag fand ich in meiner Postfach ein Mitteilung, das es am nachmittag in der Innenstadt „Stunk“ geben würde. Wir waren mit anderen Kollegen dort.
    Faktist: 30-35 Männer traten mit Transparenten auf, die eigenartigerweise keine sinvollen Forderungen, sondern irgendwelche Sinnsprüche enthielten. Da die „Demo“ nicht angemeldet war, hat die Polizei die Männer aufgefordert diese zu beenden und den Platz zu verlassen. Nach mehrmaliger Aufforderung, inklusive der Mitteilung, das notfalls Gewalt angewendet wird. Erst als darauf hin nichts passierte, wurden die Männer festgenommen.
    Für mich ist ide ganze Sache eine geplante Provokation unter den Scheinwerfen des ESC gewesen.
    Wenn Stefan objektiv wäre, würde er auch über jede mit Polizeikräften aufgelöste illegale Demo in Berlin, Hamburg, New York oder London berichten. Ist aber nicht. Moskau macht sich immer besser.

  61. 61
    Gregor Keuschnig says:

    Kaminer ist ein Autor, der seine Erzählpersonalität von seiner Privatpersonalität schon lange nicht mehr auseinanderhalten kann (falls er es jemals konnte). Er redet so, wie die Protagonisten in seinen Büchern. Deshalb lädt man ihn auch ein (in Talkshows) und deshalb befragt man ihn wahrscheinlich auch zu allem, was irgendwi emit Russland zu tun hat. Beim durchschnittlichen Leser erschöpft diese meist arg bemüht wirkende Holzschnitt-Komik nach maximal einhundert Seiten.

    Was an dem Kaminer-Zitat jetzt besonders „ekelhaft“ sein soll, erschließt sich mir nicht (man könnte vermutlich hunderte solcher „ekelhafter“ Stellen zitieren, in denen er über Heterosexuelle in ähnlicher Form herzieht). Es ist dumm, aber so ist Kaminers Humor nun einmal.

  62. 62
    olaf says:

    Ich muss H.G. Zappenduster recht geben. Wenn Anders Kaminer zu diesem komplexen Thema befragt (im Rahmen einer solchen Lala-Veranstaltung!), dann sollte er ihn auch ausreden lassen. Was Anders ja offenbar wollte, war, dass Kaminer kurz und knapp sagt: „ja, schrecklich diese grassierende Schwulenfeindlichkeit in Russland“. Kaminer wollte sich aber wohl differenzierter äußern. Das ist das ganze Problem an diesem Schnipsel. Den Skandal den der geschätzte Blogautor hier daraus macht, gibt das Ganze in meinen Augen nicht her.

  63. 63
    Jan Wigger says:

    @61 Die Demo-Veranstalter haben gar keine andere Wahl als sie verboten abzuhalten. Denn Schwulen- und Lesbendemos werden in Moskau einfach nicht genehmigt. Ich weiß nicht, ob alle Protestmärsche der Schwarzen in den USA zu den Zeiten der Rassentrennung erlaubt waren, aber wenn die alle so niedergenüppelt worden wären, sähe es dort vielleicht anders aus. Und Demos sollen ja Aufmerksamkeit erregen. Die Provokation ist das Verbot der Demo, nicht die Demo selbst.

    Weiter: nur weil Herr Niggemeier nicht über alle Vorfälle schreibt, sagt das nichts über seine Objektivität aus. (und sowieso hört die ja schon bei jeder Themenwahl auf)

  64. 64
    theo says:

    Also wirklich das als „nachtretten“ zu interpretieren ist böswillig. Ich behaupte mal er meinte

    Die Russen sind [mehrheitlich] nicht schwulenfeindlich, sie sind schwulenfreundlich, sie zeigen es nur nicht [wie sie sollten]

    Kann darin nichts verwerfliches erkennen. Übrigens auch nicht in dem Hinweis gesellschatliche Veränderung brauche Zeit – wenngleich ein Aufruf zu stärkerem Engagement diese Veränderung aktiv herbeizuführen folgen sollte.

  65. 65
    Marco says:

    „Die Russen sind nicht schwulenfeindlich, sie sind schwulenfreundlich” …

    ist ja genau so falsch wie das Gegenteil. Kollektivismus ist immer Unsinn. Wir sind als Menschen Individuuen und in Russland gibt es Menschen verschiedenster Einstellungen zu dieser Thematik. Da gibt’s Leute, die wollen Homosexuelle (meist allerdings nur Schwule) am liebsten von der Erde verschwinden lassen, dann solche, die sich nur vor ihnen ekeln, aber ihnen nichts tun wollen, andere wiederum, die es einfach nicht kratzt und dann natürlich noch jene, die Homosexuelle bevorzugen (wollen), zu (finanziellen) Lasten der Nichthomosexuellen. Ist also so diffrenziert, wie überall.

  66. 66
    freischwimmer says:

    @theo

    möchte ihnen zustimmen!
    übel in diesem thread finde ich allerdings die aufforderung, dass herr kaminer diesen aufruf zu mehr toleranz und gesellschaftlicher veränderung leisten soll. herr kaminer, seit nunmehr 18 jahren deutscher, soll rechenschaft über das verhalten der russischen/moskauer polizei abgeben. er hat dafür 20 sekunden und darf sich keine fehler erlauben. keine ironie. kein zynismus. keine langen erklärungen. keine beschwichtigungen. der „russe“ soll bitteschön niederknien und vor einem besoffenen schlagerpublikum für sein herkunftsvolk um verzeihung bitten.
    wie wäre es, wenn jeder, der sich hier wichtig macht oder lauthals proklamiert, kaminer-bücher jetzt entsorgen zu wollen, mal selbst aktiv wird? unterschriftenlisten, demos, engagement in einschlägigen organisationen….die möglichkeiten sich vielfältig! oder an die adresse von herrn niggemeier: mal ein interview führen oder darüber in der tagespresse berichten.

    die deutsche selbstgerechtigkeit, die in vielen kommentaren hier durchscheinen finde ich allerdings mehr als widerlich!

  67. 67
    Andi says:

    Freischwimmer:
    Das Hamburger Publikum kollektiv als „besoffen“ darzustellen, ist genauso unsachlich und polemisch, wie Herrn Kaminer in Sippenhaft für alle Russen nehmen zu wollen oder gar alle Russen über einen Kamm zu scheren.

    tommi16:
    Ob das 30, 35 oder nur 2 oder 500 waren – das spielt überhaupt keine Rolle. Und ob die das am Tag des ESC oder zu Nikolaus machen – auch völlig unerheblich.
    Es ist ein Skandal, wie die Moskauer Sittenwächter dagegen vorgegangen sind. Und das MUSS man thematisieren.

    Kaminer selbst hat keinen Skandal heraufbeschworen. Er hat falsch reagiert. Er ist Medienprofi. Er ist Autor. Er ist schlagfertig genug, um eine gute Antwort abzugeben. Sein Fehler war, dass er lustig sein wollte.
    Guildo Horn hat´s deutlich besser gemacht.
    Der Skandal ist, dass Thomas Anders nach Horns Aussage, mit der alles gesagt war, bei Kaminer noch weiter nachbohren wollte. Das hatte Kernersche Dimensionen. Das ist Pfui.
    Wobei ich auch nicht glaube, dass das allein auf Anders´ Mist gewachsen ist.

  68. 68
    Titux says:

    @Wigger

    Vielleicht einfach mal informieren, z.B über die „Watts-Riots“.
    Wenn es den Schwulen/Lesben irgendwann irgendwo in Europa mal so schlecht geht wie den schwarzen US AmerikanerInnen damals kannst dich gern nochmal bei mir melden um Widerstand zu organisieren.

    Ach ja, auch ich halte das Thema Demoauflösung für aufgeblasene Anti-Russische Propaganda, Kaminers Spruch ist allerdings eine unentschuldbare Frechheit/Dummheit.

  69. 69
    Darian van Dark says:

    Hier wird doch immer so gerne nach Offenheit, Echtheit und Ehrlichkeit geschrien – und wenn dann jemand offen, direkt und echt ist: Will man ihm vorschreiben, was er eigentlich hätte sagen müssen. Da lässt man einen Guildo Horn munter seine Meinung vertreten, kein geschniegelter Thomas A. (den man unweigerlich ebenfalls schnell für jemanden von der „warmen Truppe“ halten könnte) verbalisiert dazwischen – und die Reaktion darauf wird mit einem „Lass uns doch zum Contest zurückkommen“ niedergebügelt.

    Ich weiß nicht, ich weiß nicht… ob das alles jetzt einen pseudobetroffenen Aufriss im Internet wert ist? Nun ja, wenigstens kann man die Medien so wieder für ein paar Tage beschäftigen und gelangweilte Blogger: Auch. Siehe: Mich.

  70. 70
    Darian van Dark says:

    Nachtrag:

    Ich stelle mir mal einen Herrn Stefan N. in Russland auf einer Eurovisionsfeier vor, der mit geborchenen russisch darauf reagieren soll das irgendein Promirusse (jetzt einfach mal angenommene) Angriffe auf Russen durch Neonazis in Deutschland verurteilt. Anprangern macht Spaß, besser machen: Nicht.

  71. 71
    Darian van Dark says:

    Zu 72: Es muss natürlich „gebrochenem Russisch“ heissen… und zum Brechen scheint ja vielen hier zu Mute…

  72. 72
    Moritz says:

    Ich weiß auch nicht. Vielleicht bin ich ja schon zu abgestumpft, aber mich will angesichts der Äußerungen von Wladimir Kaminer nicht so recht der Ekel packen.

  73. 73
    Sister Rose says:

    Schon bemerkenswert das der „Spassbarde“und oft als Prolet betitelte Gildo Horn das ganze mit seiner Aussage auf den Punkt brachte.
    Zu Kaminer gibt es nichts zu sagen, sein Auftreten spricht für sich.

  74. 74
    robert says:

    In meinem Verständnis übersprang man in dem Gespräch das „ja, das war scheiße, was Russland da macht“, weil es selbstverständlich ist. Kaminer springt direkt einen Absatz weiter.

  75. 75
    Stefan Niggemeier says:

    @Darian van Dark: Kaminer ist Deutscher. Mehr noch: Er ist deutscher Schriftsteller, er schreibt auf deutsch.

    Auf die Gefahr hin, noch ein Fass hier aufzumachen: Ich finde das eine besonders perfide Form von Ausländerfeindlichkeit, Menschen ausländischer Herkunft zu unterstellen, sie könnten sich halt nicht besser ausdrücken. Kaminer hat ein Recht darauf, dass man ihn genau so ernst nimmt (und das heißt auch: kritisiert) wie jeden anderen an seiner Stelle.

    Und warum meinen Sie, Kaminer soll doch gefälligst seine Meinung sagen dürfen – kritisieren aber, dass ich das auch tue?

    Und letztlich: „Thomas A. (den man unweigerlich ebenfalls schnell für jemanden von der ‚warmen Truppe‘ halten könnte)“? Ich dachte, Sie sind 1976 geboren? Warme Truppe?

  76. 76
    Stefan Niggemeier says:

    @Gregor Keuschnig: Eklig wird es für mich durch den Kontext. Er macht ja nicht einfach einen Witz, sondern es ist gerade vorher etwas passiert in Moskau.

  77. 77
    freischwimmer says:

    Kleine Handlungsanweisung für Ausländer, die nach 18 Jahren in Deutschland sich auf einer Bühne und vor einem besoffenen Reeperbahn-Publikum für Polizeiaktionen in ihrem Geburtsland in einem 20-Sekunden-Statement rechtfertigen müssen:

    (1) nicht versuchen, lustig zu sein: 20 Sekunden sind dafür einfach zu kurz!
    (2) Ironie vermeiden. Grund, siehe Punkt (1)
    (3) Zynismus unterdrücken: mit schlechtem Deutsch und in begrenzter Zeit nicht vermittelbar (schon gar nicht dem alkoholfreudigen Schunkelpublikum)
    (4) auf eine differenzierte Analyse des Problems verzichten: nach fünf Warsteiner mag das deutsche Hirn nicht mehr zwischen ausländischer Polizei und dem Alltags-Ausländer unterscheiden
    (5) lieber in die Solarium-gebräunte und fröhliche Menge schreien: „Ja schlimm wir Ausländer. Wir sind alle Minderheiten-feindlich“ (am besten diesen Satz auswengig lernen, auch wenns nicht stimmt –> den Umstand, dass man selbst schon Ewigkeiten in Deutschland lebt und im Herkunftsland als Jude selbst Minderheit war einfach ignorieren!)
    (6) und falls man doch einen Fehler macht, weil man die Unterwerfungsanforderungen nicht erfüllt hat: nicht verzweifeln, dass einige bekennen, die eigenen Bücher entsorgen zu wollen. Bücher-Vernichtung als Ausdruck des empfundenen Ekels ist ein beliebtes Ausdrucksmittel.

    (Für weitere Anregungen bin ich dankbar. Meine Liste darf als „Wiki“ begriffen werden!)

  78. 78
    Stefan Niggemeier says:

    @freischwimmer: Ausländer?

  79. 79
    Stefan Niggemeier says:

    Und Sie meinen wirklich, der Verkauf von Büchern auf eBay lässt sich mit der Bücherverbrennung vergleichen? Woher nehmen Sie das mit der „Vernichtung“?

    (Anders gefragt: Sind Sie Ausländer? Bin ich besoffen?)

  80. 80
    Alberto Green says:

    @ Darian Dark und andere: Es wurde zwar gesagt, aber es wird so schnell alles vermengt:

    Kaminer ist keine Muttersprachler. Na und? Er beherrscht in Form und Ausdruck die deutsche Sprache besser als ich und andere Muttersprachler und macht bestenfalls in kleinen Fällen Fehler, die ihn als Nicht-Muttersprachler (Ausländer?!WTF?) ausweisen. Das beschränkt sich aber auf die Aussprache und kleinere Wortstellungsfehler.

  81. 81
    Tellerrand says:

    Herr Niggemeier,
    natürlich dürfen Sie kritisieren und
    nartürlich war mein BILD-Vergleich kindisch und „süß“.
    Aber: Wenn Ihnen daran liegt, dass der sich Leser eine eigene Meinung bilden kann, warum dann so drastische Worte? In diesem Fall wird dem Leser eine eindeutige Meinung aufoktruiert – auf der Grundlage von schwammigen und bereits interpretierten Äußerungen, welche als faktisch dargestellt werden. Und das kommt, so finde ich, einer Verunglimpfung im Stile der BILD sehr nahe, denn werden Kaminers Worte derart interpretiert, wie es der Berichterstattung entegenkommt. Man findet den Skandal immer, muss nur danach suchen. Und das kenne ich nun mal von der BILD.

    Sie haben vor einigen Tagen einen großartigen und fundierten (!!!) Artikel über „den Journalismus“ geschrieben, werden diesem im heutigen Eintrag aber nicht gerecht.

  82. 82
    Thom says:

    Kaminer tritt nach? Er wird für das Verhalten der russischen Machthaber attackiert und verteidigt seine über einen Kamm geschorenen Landsleute in vielleicht wenig elegantem Deutsch, aber inhaltlich doch nicht unangemessen.
    Na ja, bei bestimmten Gruppen ist es eben eine Lebenseinstellung, sich diskriminiert vorzukommen.

  83. 83
    Marks says:

    aber Herr Niggemeier, Sie wollen Ebay doch nicht ernsthaft als Mülltonne bezeichnen – oder umgekehrt ;-)

    vgl. #21 „…Diskussion hin oder her… verarschen kann ich mich auch alleine, ich übergebe mein Exemplar der ‘Russendisko’ hiermit der Mülltonne.“

  84. 84
    Haco says:

    und wenn Männer ihre Frauen verprügeln, dann tun sie das auch nur, weil sie ihre Frauen lieben – irgendwie. Sie können ihre Liebe zu ihnen nur nicht so richtig zeigen. Es ist ja auch nicht so einfach, denn Frauen können so aufmüpfig sein, grade dann wenn es so gar nicht passt. Die Männer sind deshalb aber noch lange nicht frauenfeindlich. Man muss ihnen nur mehr Zeit geben, sich in dieser neuen, ungewohnten Welt zurechtzufinden…

    ach ja.

  85. 85
    Stefan Niggemeier says:

    @Tellerrand: Sie unterschätzen meine Leser, wenn Sie glauben, dass die sich meine Meinung so einfach aufoktruieren lassen (vgl. der relativ deutliche Widerspruch hier in den Kommentaren).

    Außerdem: Woher kommt immer das Wort von einem „Skandal“? Ich habe mich — wie der verlinkte Nilz Bokelberg — sehr geärgert über Kaminer. Nicht mehr und nicht weniger.

  86. 86
    Gregor Keuschnig says:

    @79/Stefan Niggemeier
    Wie gesagt, das ist Kaminers Humor (ich nehme an, Sie kennen ihn, wenn überhaupt nur oberflächlich). Man könnte – mit ein bisschen „gutem Willen“ – die Sache auch genau andersherum interpretieren. Das wäre dann Ironie (ob die gelungen ist oder nicht lassen wir mal zur Seite). Finden Sie nicht?

    @80/freischwimmer
    Ihre Prämisse ist falsch. Kaminer ist Schriftsteller, der auf deutsch schreibt. Man darf, ja muss davon ausgehen, dass er genau weiss, was er wie sagt.

  87. 87
    Thom says:

    Imperialismus ist so schön, wenn man ihn gar nicht mehr bemerkt. Wie imperialistisch? Wir haben doch die „Menschenrechte“ auf unserer Seite. Und außerdem als Deutsche einen uralten Leumund für vorbildliches Verhalten innerhalb und außerhalb unserer Landesgrenzen. Und den Schwulenparagraphen 1994 abgeschafft. Fünfzehn Jahre ist das her – und erlaubt uns, heute über alle, die noch nicht so weit sind, zu reden, als wären sie Kannibalen.

    Es ist wirklich unglaublich, wie man nur fest genug glauben muß, diskriminiert zu werden, um blind zu werden dafür, wie man andere diskriminiert. Aber da gibt es drei Menschengruppen, mit denen kannste darüber nicht reden.

  88. 88
    Stefan Niggemeier says:

    @Gregor Keuschnig: Ja. Dass er versucht hat, einen Witz zu machen, steht ja außer Frage. Aber im Kontext damit, dass ihm schon im Satz zuvor nur einfiel, das Problem kleinzureden, spricht halt wenig dafür, dass er ironisch eigentlich das Vorgehen gegen die Schwulen kritisieren wollte.

    Ja, ich kenne ihn nur oberflächlich. Ich habe mal versucht, eine seiner Geschichtensammlungen zu lesen, und fand sie sehr fad.

  89. 89
    Stefan Niggemeier says:

    @Thom: Sie meinen, eine Nation, die anderen soviel Unrecht und Leid zugefügt hat wie die deutsche, sollte als Lehre daraus schön die Klappe halten, wenn anderswo Unrecht geschieht?

  90. 90
    Darian van Dark says:

    Zu 76: Her Niggemeier, meiner einer erblickte im Jahr 75 des 20ten Jahrhundert das blendende Lichtlein der Welt. Ich habe nur langsam den Eindruck, dass Sie Herr Niggemeier unter einem gewissen Skandalzwang leiden könnten nur um Ihren Blog mit vermeintlich diskussionswürdigem Material zu füllen. Wenn Herr K. im Ausweis Deutscher ist, warum befragt man dann einen Deutschen zu seiner Meinung? Da hat doch der Herr Horn schon alles zu gesagt – auch, wenn ich Herrn Horn nicht unbedingt als Inbegriff des typisch Deutschen sehen möchte, dafür ist er zu offen, zu tolerant und ihm zu sehr scheissegal was die Welt von ihm hält.

    Und „warme Truppe“…. ja meine Güte… was wollen Sie lesen? Rosettenveredler, Hinterlader oder, oder, oder? Sind derlei Worte zu hart gewählt, sind sie zu diskreminierend? Ist doch langsam lächerlich… alle schreien nach Gleichbehandlung, ergo sollte man jede Minderheit hier und da mal beleidigen dürfen – sonst fühlt sich womöglich irgendeine Minderheit minder beachtet – und das darf doch in einem so toleranten Land wie dem unseren nicht passieren…

  91. 91
    theo says:

    Ich stelle (nochmal) in Frage, dass er versucht hat einen Witz zu machen. Kaminer sagt einfach die Russen seien an sich nicht schwulenfeindlich, das sei aber eben nicht widergespiegelt.

    Der unterstelle Zynismus greift nur dann wenn man das Niederknüppeln als kollektive Aktion „der Russen“ begreift. Dass Kaminer das nicht tut sollte offensichtlich sein.

  92. 92
    Darian van Dark says:

    zu 88:

    Herr Niggemeier, Sie beherrschen die Mittel derer, die Sie kritisieren aber schon sehr vorBILDlich… wenn jemand schreibt, Sie würden mit Ihrem Artikel ggf. schon eine vorgefertigte Meinung aufdrücken wollen, dann argumentieren Sie in beliebter Einschleimmanier: „Glauben Sie, meine Leserschaft sei so dumm, sich eine Meinung einreden zu lassen?“ (jetzt einmal etwas aufgerundet zitiert).

    Wenn DAS Ihre Argumentation bzw. Reaktion ist sei erlaubt zu fragen, ob Sie mehrere Millionen Bundesbürger für unmündig und dumm halten, weil Sie einen kompletten Blog betreiben der sich mit vermeintlichen Fehltritten und Skandalgelüsten eines täglichen Spaßblattes beschäftigt? Diese Form der Arroganz passt zwar durchaus zu dem Bild welches Sie teilweise vermitteln, aber dürfte doch nicht Ihrer tiefst empfundenen Intention entsprechen, oder?

  93. 93
    Jonas Schaible says:

    Im Übrigen heißt es „aufoktroyieren“ und das „auf“ ist dem eigentlichen Wortsinne nach auch unnötig, aber das nur am Rande.

  94. 94
    Stefan Niggemeier says:

    @Darian van Dark: Klitzekleiner Unterschied zwischen mir „Bild“: Ich habe das Originalmaterial in meinen Beitrag eingebaut. Deshalb kann sich jeder seine eigene Meinung bilden, ob Kaminers Auftritt ein Ärgernis war oder nicht. „Bild“ fälscht und lässt weg.

  95. 95
    nilz says:

    meine güte. was ist denn hier los? was kaminer da gemacht und gesagt hat war total unsouverän. ich habe das nüchtern und live im fernsehen gesehen und mich über so einen schwachsinn, ob ironisch gemeint oder nicht macht keinen unterschied – weil wenns ironisch war, dann war es zu dumm formuliert und wenn es ernst gemeint war…das möchten wir doch lieber gar nicht annehmen – sehr geärgert. ja, guildo horn hat gezeigt wie man klipp und klar stellung bezieht, egal was um einen rum passiert. der auftritt kaminers war dermassen daneben. warum das wie passiert ist, spielt doch keine rolle („er hatte nur 20 sekunden zeit“, „thomas anders fiel ihm ins wort“ was sind das für argumente dagegen zu sagen „ja, war scheisse, aber das war nicht der grossteil der russen.“???). es geht um gesunden menschenverstand der einem sagt wann und in welchem rahmen welche art von ironie angebracht ist und wann nicht.

    und stefan jetzt meinungsdiktatur vorzuwerfen ist ja das lustigste. ist das ein neuer paragraph in godwins law?

  96. 96
    CJD says:

    @ Stefan Niggemeier

    Haben Sie denn Kaminer schon einmal bzgl des Themas angeschrieben? (Bzw. ein Link zum Beitrag würde ja reichen…)

    So unsympathisch und schlicht und ergreifend doof ich seine Aussage (und ihn in gewissem Maße jetzt auch) finde, so sehr würde ich ihm trotzdem die Möglichkeit gönnen, sich zu rechtfertigen.

  97. 97
    Stefan Niggemeier says:

    @CJD: Nein, habe ich nicht.

  98. 98
    Alberto Green says:

    Meine Fresse, Darian, sie verbrauchen ja die ganze Familienpackung Hutschnüre, die ich mir anlässlich der Rollstuhlgeschichte gekauft habe! Aber aus welcher Ecke diese Scheiße kommt, weiß man ja Gott sei Dank.

  99. 99
    Hyperkeks says:

    Hä? Was ist denn hier los?

    Kaminer sagt schlimmstenfalls etwas das missverstanden werden kann, aber ist in meiner Wahrnehmung (in diesem Videoauschnitt) meilenweit davon entfernt sich über irgendwas lustig zu machen.

    Und obendrein ist er ist ja wohl OFFENSICHTLICH total unvorbereitet und nervös. Es ist mir echt ein Rätsel wie man mit sowas einen kleinen Skandal herbeireden kann.

    Ich verstehe das man als Betroffener empfindlicher reagiert, aber trotzdem sollte man (vor allem als Journalist) die Verhältnismäßigkeit im Blick behalten.

    Ich empfinde das Posting hier ähnlich sachlich wie BILD-Artkel. Eine Aussage wie „das soll ihn noch lange verfolgen“ finde ich extrem unangemessen.

  100. 100
    vauxi says:

    Meine Güte, also hier haben einige schon ein merkwürdiges Toleranzverständnis.
    Jemand sagt etwas, was ihnen nicht passt, und sofort wird zur Büchervernichtung aufgerufen.
    Abgesehen, davon kann ich die Aufregung über Herrn Kaminers Äußerungen gar nicht verstehen.
    Er macht lediglich klar, dass man nicht „die Russen“ für das Vorgehen der Polizei in Kollektivhaft nehmen kann, dann wird er von Modern Talker Anders unterbrochen.
    So what?
    BTW, kann mir, als Hetero, mal einer erklären, woher diese seltsame Begeisterung vieler Homosexueller für diesen Affenzirkus Schlagergrandprx herrührt?

  101. 101
    B.Schuss says:

    also erst Mal, wenn man sich die ganzen 2 Minuten 37 anschaut, wird man feststellen, dass Kaminer noch mehr zum Thema sagt als die zwei Sätze, die den Zorn der Gerechten hier erregt haben.
    Wie man aus der Gesamtheit der Aussagen irgendwie den Schluß ziehen kann, Kaminer würde die Problematik verharmlosen, oder das Vorgehen der russischen Polizei rechtfertigen, erschließt sich mir irgendwie nicht so ganz. Von Schwulenfeindlichkeit ganz zu schweigen.

    Ich denke er war überrascht, weil er diese Frage nicht erwartet hatte, und dann kam halt so was hingeschludertes heraus. Sonderlich wohl schien er sich in seiner Haut auch nicht zu fühlen.

    Ihm da also jetzt was unterstellen zu wollen, finde ich übertrieben, besonders, wenn man ihn nicht vorher dazu befragt hat. Und das hat Stefan nicht getan. Schon seltsam, wenn man sich vor Augen führt, wie oft er hier seine Kollegen wegen ihrer schlampigen journalistischen Arbeitsweise an den Pranger stellt…^^

    Und wenn wir schon beim Korinthenkacken sind: wenn der Wikipedia-Eintrag korrekt ist, hat Kaminer aufgrund seiner Herkunft den Status eines Kontingentflüchtlings, und damit die unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Deutscher ist er aber nicht, wenn ich das richtig verstehe. Spielt natürlich in diesem Zusammenhang keine Rolle, aber weil die Herren sich weiter oben so schön darüber gestritten hatten, ob er nun Ausländer ist, oder nicht….egal.

    Ich denke, wir widmen der Sache schon viel mehr unserer kostbaren Zeit, als sie verdient.

  102. 102
    SvenG says:

    Als ob ich es geahnt hätte: Nachdem der Kaminer meinte, man möge den Russen „mehr Zeit“ geben, habe ich am Samstag sofort den Fernseher ausgemacht, um mir solche Pseudo-Rechtfertigungen nicht anhören zu müssen.

    Nunja danke, seit gerade eben weiß ich immerhin, dass er sogar noch nachgetreten hat.

  103. 103
    Stefan Niggemeier says:

    @B.Schuss: Ich hab ihm nichts unterstellt. Ich habe mich darüber geärgert, was er gesagt hat. Punkt.

  104. 104
    Darian van Dark says:

    101: Ich finde, jetzt diskreminieren Sie mich, vielleicht bin ich ja geistig stark eingeschränkt und möchte mit meinen Beiträgen hier nur am normalen, sozialen Leben teilnehmen? Und wer seine Nase zu viel in Ecken mit Scheisse steckt, muss sich nicht wundern wenn es stinkt, oder Alberto Green?

  105. 105
    Stefan Niggemeier says:

    (Munzinger sagt: „Im Juli 1990 kam K. als jüdischer Kontingentflüchtling nach Ost-Berlin, wo er bald und kurz vor dem Ende der DDR die deutsche Staatsangehörigkeit erhielt.“)

  106. 106
    Darian van Dark says:

    97: Herr Niggemeier, Sie zeigen vielleicht Originalmaterial, aber Sie bringen mit Ihrer Art der „Berichterstattung“ schon Ihre persönliche Färbung mit ein, prägen so ggf. die eine oder andere, vorgefertigte Meinung. Sachlicher hätte ich es von einem gelernten und andere Medien gerne ob ihrer Schludrigkeit angreifenden Journalisten gefunden, wenn dieser zum Hörer greift, bei Herrn K. oder seinem Agenten anklingelt und nachfragt, wie es gemeint war bzw. ob er da nicht noch mehr hätte zu sagen wollen. Aber da ich kein Journalist sondern nur einer bin aus dessen Ecke es stinkt (ich zitierte hier nur Eintrag 101) habe ich wohl mangels Ahnung kein Recht auf diese Meinung.

    Oder?

  107. 107
    dantian says:

    Wenn man Kaminer die Gelegenheit gibt, kriegt man auch eine anständige Antwort. So befördert eine Google-Suche folgenden taz-Artikel vom Juni 2007 ans Tageslicht, wohl im Anschluss an die damalige Demo geführt:

    https://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=do&dig=2007%2F06%2F16%2Fa0022&cHash=43bd90ed7e

    Darin äußert sich K. sehr ausführlich zum Thema Homosexualität und Russland.

  108. 108
    freischwimmer says:

    SvenG (105) schreibt:

    „Nachdem der Kaminer meinte, man möge den Russen „mehr Zeit” geben, habe ich am Samstag sofort den Fernseher ausgemacht, um mir solche Pseudo-Rechtfertigungen nicht anhören zu müssen“
    ————————————————————————–

    jenseits des umstandes (und darüber scheinen wir alle einig zu sein), dass das vorgehen der polizei gegen die demonstrierenden brutal und inakzeptabel war, frage ich mich, was an dem „den russen mehr zeit geben“ so verwerflich ist. ich will keineswegs die menschenrechte relativieren, aber soweit ich mich erinnere, findet das thema homosexualität und der umgang damit erst seit den 90er jahren öffentlich in russland statt. will sagen: wir haben es mit einer gesellschaft zu tun, die dieses thema erst seit rund 15 jahren behandelt (wenn überhaupt!)
    ich möchte nur mal daran erinnern, dass uns deutschen auch „zeit“ gegeben wurde, um bspw. vom faschismus abschied zu nehmen. noch in den 50er jahren fand allensbach in einer umfrage heraus, dass die mehrheit der deutschen die demokratie ablehnten. bis wir das „gelernt“ haben, hat es also auch ein paar schöne jährchen gedauert.

    ps: um ehrlich zu sein, würde mich die einschätzung kaminers zu diesem thema mehr interessieren als die von guildo horn. nicht trotz, sondern gerade weil er nicht „piep piep piep, wieso haben wir uns nicht alle lieb?“ dem hamburger schunkelpublikum entgegen geschmettert hat!

  109. 109
    ingo wetterau says:

    Infam.

  110. 110
    freischwimmer says:

    @ dantian (110)

    vielen dank für den link, zeigt er doch, dass die russen offensichtlich anders ticken bzw. wir recht wenig über sie und ihre vorurteile/urteile wissen.
    außerdem passt dieser kaminer-text sehr gut zu dem hier diskutierten soundbite. aber wie will man so eine einschätzung auch 20-sekunden kompartibel vermitteln?!

  111. 111
    freischwimmer says:

    upps: auf das „R“ in meinem „kompartibel“ kann man natürlich auch gut verzichten! :)

  112. 112
    Darian van Dark says:

    Das ist für mich insgesamt betracht auch eines der Themen die mich daran erinnern, dass nur ein Schwarzer einen anderen Schwarzen „Nigger“ nennen darf, dass nur ein Blinder einem anderen Blinden „Schön Dich zu sehen!“ entgegnen darf und das nur ein Schwuler dem anderen Schwulen ein „Na Du alte Tucke!“ rüberwerfen sollte. Moralische Vorzeigeempörung fürs gut(menschlich)e Gewissen… da lobe ich mir doch den Rainer Hubbe:

    http://www.hubbe-cartoons.de/rainer.html

  113. 113
    Tellerrand says:

    DANKE dantian,
    ich habe nach einigen Interviews von Kaminer gesucht, da mir dieser ziemlich unbekannt war, dieses aber nicht gefunden.
    Und sein Interview dürfte obigen Ausschnitt relativiert haben bzw. in einem anderen Licht dastehen lassen.
    Und nichts anderes, Herr Niggemeier, hätte ich von ihnen erwartet, denn das wäre jener Journalismus, den sie vorige Tage gefordert haben. So ist Ihr Beitrag lediglich genau jene Berichterstattung, die sie zurecht verurteilen – und ich/wir schätze(n) Ihren Blog doch eben wegen der Differenziertheit.

    Und ja, Ihre Leser scheinen in der Tat nicht manipulierbar sein! Außer jene, dessen Kaminer-Bücher bereits in den Tiefen der Mülltonne verschwunden sind… ;-)

  114. 114
    Carola says:

    @110
    Danke für den Link!
    Vielleicht könnte Herr Niggemeier den Link ja oben mit an seinen Pranger stellen, damit auch dieses Interview Herrn Kaminer ihn „noch eine Weile verfolgt“.
    Wobei man es natürlich auch ein wenig unsensibel finden könnte, das von Herrn Niggemeier gewählte Wort-Bild des verfolgten jüdischen Schriftstellers in Deutschland …
    Hach ja, wenn man Formulierungen unbedingt missdeuten möchte, findet man da nicht überall etwas?
    Kaminer macht einen Schwulenwitz und Niggemeier wünscht Verfolgung eines jüdischen Schriftstellers …
    Ich ziehe für mich nun einen Strich und möchte für den Anstoß danken, denn immerhin habe ich auf die Art ein günstiges Hörbuch Kaminers entdeckt (und bestellt), dass ich noch gar nicht hatte.

  115. 115
    Tellerrand says:

    Nachtrag:
    Natürlich handelt es sich um kein Interview; mein Fehler.

  116. 116
    eva says:

    Blöde Frage: Was genau ist jetzt der Stein des Anstoßes? Das Kaminer sagt „Die Russen sind nicht schwulenfeindlich, sie sind schwulenfreundlich, sie zeigen es nur nicht”? Ich sehe das Drama hinter dieser Aussage nicht.
    Die einzigen, über die man sich aufregen sollte, sind Putin, Medwedew und Co… der Otto-Normal-Russe und ein unsympathischer Schriftsteller sind doch eher unspektakulär.

  117. 117
    SvenG says:

    @freischwimmer (111)
    Dann hätte er meiner Meinung nach eine (für russische Verhältnisse) progressive Meinung vertreten und klar Stellung beziehen können, indem er ein solches Verhalten mitverurteilt. Das anwesende Publikum hätte das offensichtlich nicht verurteilt, wenn man die positiven Reaktionen auf Guildo Horns Worte bedenkt.

    Wobei das wiederum zu kurz gedacht ist, da dann wahrscheinlich ein Killerkommando (möglicherweise (!) Übertreibung) aus Moskau käme, um ihn umzustimmen. Aber so ist das halt in Obrigkeitsstaaten – welche (un-)glücklicherweise nur hauchdünn vom demokratischen Rechtsstaat entfernt sind.

    ———————
    Wenn eine Gesellschaft Menschen nicht akzeptieren will, obwohl sie nichts für ihre Identität oder Ausrichtung können, sollte sich eine solche Gesellschaft nicht wundern, wenn sie am Ende kaum einer mag.

    In 105 ist das „der“ vor „Kaminer“ übrigens versehentlich in die gepostete Version gerutscht.

  118. 118
    Ille says:

    Nicht nur Kaminer, auch Anders und Horn haben genormte und deshalb austauschbare Phrasen produziert. Der Unterschied liegt doch lediglich darin, dass die einen Äußerungen politisch korrekt und die anderen Wortspenden grotesk bis verstörend waren. Ganz abgesehen davon, dass es wohl schwer zu ergründen sein dürfte, welche Meinung „die“ Russen vertreten.
    Alle drei Herren haben übelstes TV-Schmierentheater abgeliefert, das ungeführ so entnervend war wie eine von Plasberg moderierte Polit-Talkshow. Die Gesinnungs-Monstranzen, die man im Fernsehen (und im Internet) gern zur Schau stellt, sind unabhängig von ihrer Ausrichtung einfach nur lächerlich bis ekelhaft. Ich wette, dass sich die Herren Anders, Horn und Kaminer für die Lage Homosexueller in Russland genauso interessieren wie für den in China umfallenden Sack Reis. Aber vor einem Millionenpublikum möchte man sich ja ins rechte Licht rücken, und wenn dann schon mal ein geeignetes Thema des Weges kommt …

  119. 119
    SvenG says:

    @eva (118)
    Gegenprobe mit fiktiver Aussage:
    Ehefrau-verprügelnde Männer sind nicht frauenfeindlich.
    Sie sind frauenfreundlich; sie zeigen es nur nicht.

    Für eine solche Aussage würde man zweifelsohne nicht nur Alice Schwartzers Zorn auf sich ziehen.

    Natürlich sollte man eher die Personen(gruppen) kritisieren, die du nanntest. Allerdings finde ich auch, dass man minder schweres Verhalten, das in dieselbe Kerbe schlägt, nicht unkritisiert stehen lassen kann.

  120. 120
    Tellerrand says:

    @SvenG (121)

    Du verstehst es anscheinend immer noch nicht: Die russische Polizei steht alles andere als für die Bevölkerung…
    Dein „Gegenbeispiel“ ist vollkommen fehl am Platz.

  121. 121
    Katzenblogger says:

    Zum politischen Denken von W. Kaminer gibt es ein umfangreiches Interview in einer FDP-nahen Extremistenzeitung (S. 25 f).

    Dort erfährt man:

    * Herr K. fühlt sich politisch sehr unwohl und gar als „Sklave des Systems“
    * Linke Kreuzberger mag er auch nicht
    * Er beklagt, dass „die Macht, der Staatsapparat“ seine Freiheit so stark beschränkt, denn ein „von Natur aus“ totalitärer deutscher Staat stecke „in jeden Winkel seines Lebens seine Pfoten“
    * Das Verhalten der Bundeswehr in Afghanistan entspreche dem Verhalten der russischen Armee in Tschetschenien
    * Er wünscht – als Option – eine möglichst vollständige Sezession vom deutschen Staat, der ihm wie ein „Knast“ vorkommt
    * Sozialdemokraten sind besonders schlimm
    * Der Sozialstaat gefällt ihm als Idee garnicht, nämlich, weil es sein Geld kostet
    * Für ihn als „überzeugten Anarchisten“ ist Demokratie vor allem schwammig – und verglichen mit einem sozialistischen Totalitarismus „unehrlicher“ und eine „größere Trickserei“
    * Russen sind im politischen Sinn klüger

    Erwartet jemand von Kaminer kluge politische Kommentare?

  122. 122
    Bäh says:

    „Die Opfer verhöhnt?“ – wow das ist ja BILD-Style, wie hier eine völlig harmlose Aussage von Kaminer einach mal instrumentalisiert wird. Was sagt Kaminer? „Wir mögen die Schwulen.“ Das ist offenbar seine Überzeugung und es ist doch eher rührend, wie er seine Landsleute in Schutz nimmt. Denn: Was haben die mit der offiziellen Schwulenpolitik zu zun?

    Vielleicht hat ihm auch einfach nur die bigotte Art von Thomas Anders gestunken, dem nichts anderes einfiel, als Kaminer unter Rechtertigungsdruck zu setzen. Als ob er wirklich irgendwas dazu sagen könnte. Die Schuld liegt hier eindeutig nicht bei Kaminer.

    Ätzender Eintrag.

  123. 123
    Stefan Niggemeier says:

    @Tellerrand: Wenn ich den verlinkten Text mit Kaminer in der „taz“ lese, habe ich meine Zweifel, ob Sie recht haben mit Ihrer Unterscheidung zwischen Polizei und Bevölkerung. Außerdem geht es nicht nur um die Polizei, sondern die Politik des Bürgermeisters, und der scheint mehrere Male mehr oder weniger demokratisch gewählt worden zu sein.

    Ich finde auch im „taz“-Text einige Aussagen Kaminers, nun ja: eklig. Zum Beispiel wenn er schreibt: „Anders als in Deutschland kann man jedoch in Russland mit Homosexualität keine Wahlen gewinnen.“ Und in Deutschland kann man das? Wowereit wurde Regierender Bürgermeister, weil sein Schwulsein nicht länger vor der Öffentlichkeit verbarg? Die FDP hat zweistellige Prozentzahlen in den Umfragen, weil Wowereit Westerwelle seinen Freund nicht mehr versteckt?

    Was Kaminer womöglich meint: Dass man in Deutschland Wahlen gewinnen kann, obwohl man homosexuell ist. Oder auch: Dass es der Mehrheit der Bevölkerung egal ist, ob ein Politiker homosexuell ist oder nicht. (Aber vermutlich müsste ich nach Ansicht einiger Kommentatoren erst bei ihm nachfragen, wie genau er das gemeint hat, bevor ich das in meinem Blog kritisieren dürfte.)

  124. 124
    PabloD says:

    @Stefan/125:
    Das in der FDP ist aber immer noch Westerwelle.

  125. 125
    eva says:

    @SvenG (121):
    Tellerrand hat es ja schon geschrieben, es waren nicht ‚die Russen‘ die auf homosexuelle Demonstranten losgegangen sind, sondern Polizisten, die den Befehl dazu bekommen haben. Insofern halte ich Kaminers Aussage für nicht sonderlich abwegig. Meine Russlandkenntnisse sind bescheiden, aber ich bezweifel doch mal ganz stark, dass die Russen ein Millionenvolk homophober Irrer sind. Das Vorgehen der russischen Behörden ist das (Alleralleraller-)Letzte, das ist klar. Aber einen wirren Satz, den ein zufälligerweise russischstämmiger Autor im Vorfeld des ESC(!!!) vor sich hin brabbelt, ebenso zu bezeichnen, finde ich übertrieben.

  126. 126
  127. 127
    Ste says:

    Danke Niggemeier! Immer noch richtig, immer noch wichtig!

  128. 128
    Tellerrand says:

    @ Stefan,

    also ich bin in meiner Beurteilung tatsächlich davon ausgegangen, dass er zweiteres meint… Aber genau das mein(t)e ich ja – wenn man in bestimmter Hinsicht unsicher bei manchen Aussagen etc. ist, gerade dann sollte man sich doch mit Verurteilungen zurückhalten, oder?

  129. 129
    ingo wetterau says:

    Ich habe Herrn Kaminer gefragt, was er von dem in Herrn Niggemeiers Artikel nach meiner Meinung enthaltenen Vorwurf der „Schwulenfeindlichkeit“ halte.
    Er hat geantwortet:
    „ich leide, ehrlich gesagt, unter diesem Vorwurf.
    Tatsächlich habe ich bemerkt, dass meine Friedensbotschaft wegen der
    extremen Kürze der Aussage nicht bei allen richtig ankam. Ich wollte
    schlicht und einfach sagen, die Russen sind nicht von Natur aus
    homophob, sie haben bloß Minderwertigkeitskomplexe, Angst, von, Europa
    nicht für voll genommen zu werden. Sie kennen Schwulenparaden nicht und
    glauben die Welt will sie auf den Arm nehmen. Wer wirklich falsch
    handelt, ist der Staat. Natürlich muss Russland, als europäisches Land,
    dass es sein will, die Minderheiten unter besonderen Schutz nehmen und
    sie tolerieren, es ist nur peinlich für das Land, wenn es Angst vor
    Schwulenparade hat.“

  130. 130
    Cleo Jones says:

    Der Typ ist Medien- und Sprachprofi und ist sicher nicht blind und taub durch die Gegend gelaufen, konnte also damit rechnen auf das Thema angesprochen zu werden. Und wieso sollte man ihn auch nicht drauf ansprechen dürfen? Und dann in so einem Zusammenhang den etwas trotteligen Sprachkaspar zu geben ist einfach unangebracht. Zumal er es ja mit jedem weiteren Satz eigentlich immer schlimmer macht, bis es T. Anders (der mit so einem Thema als Interviewer allerdings auch sichtlich überfordert ist) einfach abbricht, was auch sein gutes Recht ist. Der hat seine Grenzen nämlich erkannt, bei Kaminer und seinen Aussagen, ob jetzt Humor, Ernst oder was auch immer, bin ich mir da allerdings nicht so sicher. Wie schon gesagt wurde. Dann soll Kaminer politisches Kabarett machen. Aber dafür ist er nicht bekannt und deshalb stoßen solche Aussagen erst mal sauer auf.

  131. 131
    Cleo Jones says:

    @132: Na also. Der Herr Kaminer kann ja ne Aussage kurz und präzise auf den Punkt bringen. Wieso sagt er es nicht gleich so?

  132. 132
    david says:

    @eva (128)
    Aussagen wie die Ihre ärgern mich immer ein bisschen. Deutsch und Englisch können Sie doch bestimmt, oder? Und von Google haben Sie auch gehört? Es dauert 5 Minuten, sich zu überzeugen, dass Russland für Homosexuelle wohl kaum das Land der ersten Wahl sein kann.

    Es geht nicht gleich um Millionen gewalttätiger Homophober. Es geht aber darum, das etwa der Angriff auf Volker Beck 2007 bis heute keine Konsequenzen nach sich gezogen hat. Allein das schon ist ein Zeichen.

    Was, glauben Sie, würden wir über uns denken müssen, würden hierzulande entsprechende Demonstrationen nicht nur von der Polizei zusammengeprügelt, sondern auch von den lieben Mitbürgern? Macht sich dann die schweigende Mehrheit nicht genauso schuldig?

  133. 133
    inga says:

    Wieso ist hier eigentlich immer die Rede davon, Kaminer hätte sich für seine ehemaligen Landsleute „rechtfertigen“ müssen? Er wurde nach seiner Meinung zu einem aktuellen Ereignis gefragt. Dass man diese Frage jemandem stellt, der die russische Kultur besser kennt als die anderen Anwesenden, ist doch logisch (und zwar selbst bei so einer Tralala-Veranstaltung). Ich kann nicht nachvollziehen, warum man Kaminer diese Frage nicht hätte stellen sollen und genauso wenig kann ich nachvollziehen, warum hier so mancher findet, man hätte einen Medienprofi nicht mit einer so absolut vorhersehbaren Frage überrumpeln dürfen.

    @Darian (109): Seit wann ist es denn anrüchig, weil manipulierend, in seinem eigenen Blog seine eigene Meinung zu vertreten? Wenn ich einem Freund sage: Hey, probier mal den Kartoffelsalat, der ist total versalzen!, ist das dann auch schludrig? Weil ich ihm meine Meinung „aufoktroyiere“? Jadaleckstmiamarsch!

  134. 134
    Cleo Jones says:

    @133: soll natürlich Sprachkasper heißen…

  135. 135
    Tellerrand says:

    @david (134)

    also DAS ist nun wirklich absolut populistisch. Wenn 30 Bürger auf 30 Schwule einprügeln, ist das also representativ für Russland (Moskau)? Man nennt dies in der Psychologie eine Wahrnemungsanomalie. Und ich glaube genau dies ist hier der Fall – und natürlich sind Vorfälle wie z.B. mit V. Beck ein gefundenes Fressen für die Medien…

    @inga (135)

    Nein, er wurde nicht konkret zu den Ereignissen und seienr Haltung gefragt – ihm wurde vorgehalten, Moskau (seinem Verständnis nach schließt es die Bürger ein) sei kein guter Gastgeber.

  136. 136
    Martin says:

    Was ist denn eigentlich ein Medienprofi? In diesem Fall jemand, der weiß wie er sich gegenüber einer großen Öffentlichkeit angemessen äußert und verhält? So jemand wie Gottschalk?

    Allein die Tatsache dass Kaminer Bücher schreibt und Lesungen hält, prädestinieren ihn doch nicht dazu wie Gottschalk zu sein.

    Ich glaube Kaminer wird eine Proffessionalität unterstellt, die er nicht hat. Ich halte ihn tatsächlich für einen zartbesaiteten und ängstlichen Mann, der sich in der Öffentlichkeit unwohl fühlt.

  137. 137
    Katzenblogger says:

    @ Ingo Wetterau – #132

    Gut gemacht! Bravo!

  138. 138
    Andi says:

    Martin:
    Dann soll er nicht in die Öffentlichkeit gehen.
    Und wer seit Jahren Bücher rausbringt, steht automatisch in der Öffentlichkeit. Und von so jemandem muss man erwarten können, dass der sich eloquent äußern kann. Egal, zu welchem Thema und egal, vor welchem Publikum.

  139. 139
    Cleo Jones says:

    @ 139: Den Gotttschalk-Vergleich bringen sie. Ich erklär aber gerne was ich im Zusammenhang mit Kaminer und Medienprofi meine, auch, wenn man es eigentlich verstehen könnte. Kaminer ist einer, der sehr genau weiß, wann er sich wo in welche Talkshow setzen muß oder wo er ein Interview geben muß um mal wieder ein Buch zu verkaufen. In einem Medium wie dem Fernsehen erreicht man nämlich immer noch Millionen potentielle Käufer. Da weiß er sich geschickt zu vermarkten. Also war er zu keiner Sekunde überfordert, überrumpelt oder sonst irgendwas in der Art.

  140. 140
    Stefan Niggemeier says:

    @Martin: Ich will nicht ausschließen, dass Sie recht haben. Das wäre aber eine psychologisch interessante Art, diese Angst zu bekämpfen: Auf Bühnen, in Talkshows, in eigenen Radiosendungen, in einer eigenen Rubrik im ZDF-Morgenmagazin…

  141. 141
    Tellerrand says:

    @Andi und Martin,

    Ja aber darum geht es doch gar nicht! Es bezweifelt keiner, dass er sich nicht medienkonform verhalten hat (aber eben jene Konventionen sind komischerweise oft (zurecht) kritisiert), es geht um die Tatsache, dass Schwulenfeindlichkeit suggeriert und Ekelhaftigkeit attestiert wurde…

  142. 142
    eva says:

    @david (134):
    Mir widerstrebt es, Millionen Menschen über einen Kamm zu scheren, nur weil an der Spitze des Staates Lügner und Betrüger stehen, die sich mit zwielichtigen Methoden an der Macht halten.

    In Russland gibt es Homosexuelle, in Russland gibt es Schwulenhasser, in Russland gibt es aber auch herrlich tolerante Menschen und in Russland wird es einen Haufen Leute geben, denen es herzlich egal ist, mit wem der Nachbar von nebenan gedenkt in’s Bett zu steigen – also ein relativ durchschnittliches Land. Schwulenfeindlichkeit gibt es in Deutschland, Spanien und England genauso, nur dass es sich dort meistens auf weniger aufsehenerregende Ereignisse beschränkt, weil eben kein ‚Putwedew‘ die Polizisten mit Schlagstöcken vorbei schickt.

  143. 143
    inga says:

    @Tellerrand: Anders sagt wörtlich „Was sagst du dazu, Wladimir?“ und nicht „Warum macht ihr Russen sonen Scheiß?“ oder dergleichen. Für mich ist das eine Frage, wie er sich zu den Ereignissen stellt und das ist legitim. Ich werde als Deutsche im Ausland auch manchmal zum Thema 3. Reich gefragt und käme ehrlich gesagt nie drauf, das als Angriff auf mich zu verstehen, sondern als Interesse daran, wie bestimmte Ereignisse von mir in meiner Rolle als Deutsche wahrgenommen werden. Was soll das auch für eine abstruse Idee sein, jemandem Dinge vorzuwerfen, für die er nachweislich nichts kann?

  144. 144
    kottan says:

    @84 +88: Es heißt aufoktroyieren, nicht aufoktruieren. Sonst ist alles gesagt.

  145. 145
    Tellerrand says:

    inga: Anders sagt wörtlich:

    „Wir haben es eben schon von Gildo gehört, also heute wurde in Moskau von der Polizei gewaltsam eine Demonstration von Homosexuellen zerschlagen, öhm, es wurden 30 Schwule festgenommen. Das ist natürlich nicht so ’ne dolle Visitenkarte jetzt für ’ne Stadt, die doch die Chance hat, sich als Supergastgeber zu präsentieren. Was sagst du dazu, Wladimir?

    Nun? Im Kontext betrachtet bezieht sich das „dazu“ nach meinem Verständnis auf die „Chance“. ;-)

  146. 146
    inga says:

    Und dazu darf er keine Meinung haben? Weil er selbst aus Russland kommt? Tut mir leid, ich kann Dir da nicht folgen. Ich kann nicht erkennen, an welcher Stelle Anders Kaminer auffordert, sich für das Vorgehen der Polizei zu rechtfertigen. Ich finde diesen Vorwurf abstrus.

  147. 147
    david says:

    @eva:
    Ohne spöttisch klingen zu wollen, und um zu Herrn Kaminer zurückzufinden: Halten Sie es für ein Kennzeichen eines Landes mit einer schwulenfreundlichen Bevölkerung, dass dort Übergriffe entweder nicht geahndet oder von der Polizei gleich selbst verübt werden?

    Ich nicht.

  148. 148
    Darian van Dark says:

    Jetzt sei aber bitte mal eine Frage bei so manch auftauchender Pauschalempörung erlaubt:

    Kann hier irgendjemand von uns aus wirklich SICHERER Quelle (und das würde für mich wohl nur bedeuten, dass man dabei war und es nicht irgendwo gehört oder gelesen hat), dass die Demonstranten verhaftet wurden, weil sie schwul sind oder einfach „nur“, weil sie (unerlaubt) demonstriert haben? Wenn morgen 100 Frauen auf die Straße gehen und gegen die Unterdrückung der russischen Hausfrau demonstrieren und 10 davon werden festgenommen (vielleicht auch, weil sie sich nicht vernünftig verhalten haben): Sind die Russen dann auch Frauenfeindlich?

    Kaum jemand von uns kennt doch die Umstände, viele der Meinungsäusserungen hier scheinen sich auch mehr auf Klischees zu berufen die man vielleicht über das eine oder andere Land inkl. Bevölkerung und/oder Machthaber im Kopf hat – geprägt von den Medien oder in die Welt gesetzt von den so genannten „Opfern“…

  149. 149
    Tellerrand says:

    @inga

    EBEN! Er wurde nicht aufgefordert, sich zu rechtfertigen. Seine Intention war es, sich gegen einen MÖGLICHEN Generalverdacht gegenüber der russischen Bevölkerung zu wehren.

    Ich glaube, wir haben ein bisschen aneinander vorbeigeredet…

    @david,

    denk doch mal nach und du kannst Deine Frage dahingehen bejahen, dass dies möglich ist. Warum auch nicht? Muss denn die Bevölkerung grundsätzlich hinter der Staatsmacht stehen und ihr Verhalten adaptieren?

    Müßige Diskussion…

  150. 150
    Stefan Niggemeier says:

    @Darin van Dark: Die Leute wurden verhaftet, weil sie an einer verbotenen Demonstration teilgenommen haben. Aber verboten wurde die Demonstration, weil sie schwul sind.

    Eigentlich nicht so schwer zu verstehen.

  151. 151
    Darian van Dark says:

    Herr Niggemeier, lese ich da ein wenig Pampigkeit aus Ihren Worten? Vielleicht sind nicht alle Leser Ihres Blogs so intelligent wie Sie an anderer Stelle zu vermitteln suchten. Übrigens: Der Paragraph 175 wurde in Deutschland erst 1994 in vollem Umfang aufgelöst – und wenn man einmal den technischen Fortschritt der Russen in Bezug auf Automobile mit dem eines gesamten Volkes inkl. Staatsmacht in Sachen Toleranz gleichsetzt: Sind die Russen nichts schlechter oder besser als wir.

    Da wird ein paar Homosexuellen in Russland verboten zu demonstrieren und alle schreien was von Erniedrigung, von Toleranz, von was auch immer…. aber das wirkliche Unrecht vor der eigenen Haustür: Darüber schaut man gern hinweg. Aber jeder hat so seine Prioritäten. Ich finde halt nur, dass Sie hier aus einer Heteromücke einen Homoelefanten gemacht haben – nicht mehr, nicht weniger. Aber: Ihre Sache.

  152. 152
    david says:

    @Tellerand:

    Ich wiederhole mich gerne. Benutzen Sie doch einfach die Ressourcen des Internet und finden Sie in nur 5 Minuten heraus, was der Fall ist, nicht, was möglich ist.

    Sie könnten hiermit anfangen:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Societal_attitudes_toward_homosexuality
    http://www.country-data.com/cgi-bin/query/r-11424.html
    http://www.msnbc.msn.com/id/12803288/

  153. 153
    eva says:

    @david (150):
    „Halten Sie es für ein Kennzeichen eines Landes mit einer schwulenfreundlichen Bevölkerung, dass dort Übergriffe entweder nicht geahndet oder von der Polizei gleich selbst verübt werden?“

    Ich glaube, wir reden meilenweit aneinander vorbei.

    1. halte ich die Mehrheit der russischen Bevölkerung nicht unbedingt für schwulenfreundlich sondern ’nur‘ für nicht schwulenfeindlich – das ist mMn ein Unterschied.

    2. darf man nicht davon ausgehen, dass die Polizei die Bevölkerung repräsentiert.

    3. wird in Russland so manches nicht geahndet, was geahndet werden müsste. Und das liegt sicher nicht an der Bevölkerung.

  154. 154
    Stefan Niggemeier says:

    Nein, Herr „van Dark“, da wird vielen Homosexuellen in Russland verboten zu demonstrieren. Ein paar haben es trotzdem gemacht.

    Sie finden übrigens oben unter den Wörtern „solcher Berichte aus Moskau“ vier Links mit interessanten weiterführenden Informationen, teilweise sogar von Augenzeugen.

  155. 155
    Stefan Niggemeier says:

    @eva: Den Gedanken, dass die Russen „schwulenfreundlich“ seien, hat Herr Kaminer selbst in die Diskussion gebracht.

  156. 156
    rog says:

    @147, Kottan: Es heißt „oktroyieren“, also laut Duden „aufdrängen, aufzwängen“. Aufoktroyieren ist doppelt gemoppelt.

  157. 157
    rog says:

    Korrektur zu @159: „Aufzwingen“, nicht „aufzwängen“. Tschuldigung, Tippfehler.

  158. 158
    Stefan Niggemeier says:

    @rog: vgl. #96.

    Wär’s arg schlimm, wenn ich die Kommentare hier demnächst schließen würde? Die Diskussion hat ein Ausmaß erreicht, das zu dem Anlass wirklich in keinem Verhältnis mehr steht, und erfahrungsgemäß wird der Erkenntnisgewinn irgendwann eher kleiner als größer.

  159. 159
    eva says:

    @Stefan (158):
    Ich weiß ;)
    Diesen Gedanken teile ich so aber nicht und da ich mich von david angesprochen fühlte, meine Erläuterung dazu.

  160. 160
    Martin says:

    Es ist schon richtig, dass Herr Kaminer in der Medienbranche arbeitet (wobei ich das nicht so genau wußte) und sich entsprechend verhalten können müßte. Im Radio zu vielen Einzelnen zu sprechen, hat aber doch nochmal eine andere Qualität als einer johlenden Menge ausgesetzt zu sein, wie in diesem Fall. Mancher Kneipier könnte das evtl. besser. Nunja.

  161. 161
    olaf says:

    Ist das was Kaminer sagt nicht eigentlich eher ein „Russenwitz“ denn ein „Schwulenwitz“?

  162. 162
    Runner84 says:

    Ich muss dem Kaminer aber zumindest teilweise Recht geben. Und meine Schwiegerfamilie kommt von dort und lebt immerhin in Moskau.

    Dass es ohne Frage, eine Schweinerei ist, was die russischen Offiziellen mit den homosexuellen Bürgern anstellen, will ich nicht weiter erläutern. Doch das Volk tickt da tatsächlich nochmal wieder anders.

  163. 163
    Darian van Dark says:

    Herr Niggemeier, ich wäre dafür die Diskussion nicht zu beenden – das ist bei Ihnen scheinbar nur DANN der Fall, wenn Sie mehr Gegen- als Rückenwind erhalten. Sie machen aus einer Nichtigkeit was „ganz Großes“ (zumindest verballern Sie damit Webspeicherplatz) und sind denn erstaunt, dass dieser Unwichtigkeit nach ca. 166 Kommentaren nichts Wichtiges entnommen werden konnte?

    Nachtigall, ick hör dir trappsen…

    P.S.: Was eigentlich haben ein Schwuler und ein Papagei gemeinsam?

  164. 164
    Gruene Nase says:

    #161, Niggemeier: Dieses Ausmaß, zu dem es wenig Anlass gab, haben Sie doch selbst verursacht.

  165. 165
    badenmeister says:

    @Stefan (162)

    zugegeben, die Diskussion hat ihren Zenith sicher überschritten, die meisten Argumente pro und contra sind ausgetauscht, ich halte eine weitere offene Diskussion dennoch für sehr interessant.
    Das www und seine blogs sind doch Ausdruck der Demokratie und der freien Meinungsäußerung.
    Ich fürchte, da muss man als Blogger, und dein Blog ist sicherlich einer der am höchst frequentiertesten in Deutschland, mit leben, dass eine größere und zuweilen redundante Diskussion aufkommt, als es eigentlich erwartet worden war.

    PS
    Spannende Diskussion. Normalerweise wird Stefan in den Kommentaren von zustimmenden Beiträgen nur so erschlagen.
    Dass das diesmal ausnahmsweise nicht so ist, wird nicht zuletzt Stefan freuen. Denn ein Blog lebt ja schließlich von Kontoversen.

  166. 166
    Ommelbommel says:

    @Gruene Nase 167: Endlich mal ein lustiger Kommentar in dieser Diskussion.

  167. 167
    Patrick says:

    Herr Niggemeier hat in seinem Blog seine Meinung zu einem öffentlichen Kommentar eines Schriftstellers abgegeben (Ein vergleich mit der Bildzeitung schließt sich grundsätzlich aus…). Kaminers Kommentar ist, im Kontext geäußert, wie wir hier sehen, sehr diskussionswürdig. Ein kritischer Seitenhieb auf Kaminer legitim.

    Sollte Herr Kaminer seine Aussage, wie es in einem vorangegangen Zitat (132) erscheint, klargestellt haben, so können wir hier, wie von Herrn Niggemeier vorgeschlagen, die Diskussion beenden.

    Dies ist auf jeden Fall besser, als noch einen „witzigen“ Beitrag von „Darian van Dark“ zu lesen. Ich bekomme im Alltag als weitestgehend „ungeouteter“ Mensch bereits genug davon mit.

    Ich habe leider auch nie verstanden, warum bestimmte Menschen vor allem dann zur Höchstform auflaufen und sich für angebliche Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit einsetzen, wenn es darum geht Minderheiten zu beleidigen.

    Aber, Darian van Dark, sollten Sie sich mit ihrer eigenen Sexualität wohler fühlen, wenn Sie sich auf diese Weise an anderen abarbeiten, dann sei Ihnen das natürlich gegönnt…

  168. 168
    7an says:

    @stefan niggemeier: zu schnell geschossen.

  169. 169
    Emma Peel says:

    Der Spruch wundert mich von Kaminer nicht.
    Ich habe kürzlich sein Schrebergarten-Buch gelesen und mich da auch über schwulenfeindliche Passagen geärgert. Da hatte ich schon die Lust verloren, jemals wieder etwas von ihm zu hören oder zu lesen.

  170. 170
    eusebius says:

    Was erwarten die eigentlich, wenn sie eine Demonstration durchführen, die verboten wurde? Kooperation?

    Ich verstehe übrigens nicht, was Kaminers Aussage mit der Demo zu tun haben soll. Die Organisatoren der Demo brechen ganz bewußt das Gesetz und wenn Kaminer sagt, dass Russen nicht schwulenfeindlich sind, dann ist das „ekelhaft“? Wo ist der Zusammenhang?

    Wirklich ekelhaft ist übrigens die Sippenhaft, in die „die Russen“ mal wieder genommen werden sollen. Ekelhaft ist, dass man, um Diskriminierung und Rassismus zu bekämpfen, diskriminiert und rassistisch argumentiert. (Hier in den Kommentaren, nicht in SNs Artikel.)

  171. 171
    Werner says:

    „Ekelhaft“ ist noch geschmeichelt für diese zutiefst zynische und menschenverachtende Bemerkung. Aber es passt ganz gut zu der Mentalität russischer Großkotzmilliardäre sowie zu dieser weichgespülten Partystimmung vor Ort, bei der man besser anstelle der deutschen Nationalflaggen Regenbogenfahnen verteilen hätte sollen.

    Bedenklicher und geradezu abartig finde ich jedoch, dass von „unserem“ ach-so-offen schwulen Teilnehmer Oscar Loya nicht das geringste Zeichen der Solidarität gekommen ist. Bleibt zu hoffen, dass zumindest bei schwulen Veranstaltungen seine Karriere damit beendet sein wird. Zu befürchten steht allerdings, dass sich die Schwesternschaft mal wieder lieber von seinem Sixpack blenden lassen statt seinen schäbigen Charakter zu sehen.

  172. 172
    loo says:

    Das Statement von Kaminer war total daneben, schwulenfeindlich eher nicht, aber sehr sehr zynisch. womöglich unabsichtlich, aber das ist mir egal. man muss schon ein bisschen aufpassen, was man so rausblubbert.

  173. 173
    Darian van Dark says:

    zu 170: Diskussionswürdig ist hier lediglich, ob es nötig ist sich über eine derartige Belanglosigkeit aufzuregen und ihr sogar einen Blogeintrag zu widmen. Die Aussage selbst ist hier in den wenigsten Kommentaren das Thema. Herr Niggemeier scheint einmal mehr über den propagierten Eigenanspruch hinausgeschossen zu sein. Nicht mehr. Nicht weniger. Aber auch dafür wird er journalistisch wertvolle Worte zur eigenen Verteidigung finden.

    Vielleicht meint er es ja auch ganz anders und kann es nur nicht so zeigen…

  174. 174
    B.Schuss says:

    Wie andere hier bereits gesagt haben, stehen die Aktionen der russischen Polizei genau so wenig stellvertretend für „die Russen“, wie Kaminer für „Russland“.
    Anstatt weiter herum zu spekulieren, wie er dies oder jenes gemeint haben könnte, sollte Stefan einfach ein kurzes Interview führen, um diesen Punkt zu klären, Herr Kaminer steht sicher gern zur Verfügung. Das wäre auch aus journalistischer Sicht sicher sehr interessant. Und um Journalismus gehts hier doch, oder ? ^^

    Patrick, in #170:
    „Ich habe leider auch nie verstanden, warum bestimmte Menschen vor allem dann zur Höchstform auflaufen und sich für angebliche Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit einsetzen, wenn es darum geht Minderheiten zu beleidigen.
    Aber, Darian van Dark, sollten Sie sich mit ihrer eigenen Sexualität wohler fühlen, wenn Sie sich auf diese Weise an anderen abarbeiten, dann sei Ihnen das natürlich gegönnt…“

    Patrick, Gleichberechtigung bedeutet, dass man sich auch mal den ein oder anderen Spruch anhören muss, sei es jetzt als Scherz im Freundeskreis, oder so auf der Straße. Muss jeder, und das hat nichts damit zu tun, ob man hetero oder homo, dünn oder dick, alt oder jung, hässlich oder hübsch ist. Und jedem steht es frei, darauf zu reagieren, wie es ihm gefällt. Ausnahmen gibt es nicht. Gleichberechtigung halt.
    Dazu gehört übrigens auch, das man den eigenen Status als Angehöriger einer „Minderheit“ nicht beutzt, um anderen Leuten Diskriminierung zu unterstellen, nur weil einem deren Meinung nicht gefällt. Wo ist die Gleichberechtigung, wenn man einem Schwulen gegenüber nicht mal Kritik, oder eine abweichende Meinung äussern darf, ohne sofort als „schwulenfeindlich“ abgestempelt zu werden ?

    Der letzte ad hominem ist übrigens ganz typisch für dieses Verhalten…

  175. 175
    freischwimmer says:

    @ Emma Peel (172)

    Ich habe kürzlich sein Schrebergarten-Buch gelesen und mich da auch über schwulenfeindliche Passagen geärgert.

    könnten sie bitte eine kostprobe geben?! denn bisher hat sich kaminer keineswegs schwulenfeindlich geäußert. im gegenteil, wie sie oben verlinkten taz-artikel entnehmen können.

    @werner (174)

    „Ekelhaft” ist noch geschmeichelt für diese zutiefst zynische und menschenverachtende Bemerkung. Aber es passt ganz gut zu der Mentalität russischer Großkotzmilliardäre…

    ekelhaft? menschenverachtend? russische Großkotzmilliardäre? eine zeile später sprechen sie von „abartigkeit“, dass von unserem ach-so-offen schwulen Teilnehmer Oscar Loya nicht das geringste Zeichen der Solidarität gekommen ist

    bin sehr verwundert über die qualität der vokabeln, die hier so verwendet werden. hätte man seine abneigung gegenüber des durch t. anders abgebrochenen kaminer-satzes nicht anders artikulieren können oder sogar müssen? sind worte wie „ekel“ wirklich angemessen? zumal es scheint, als ob kaminer möglicherweise gar nicht so eine ekelhafte meinung besitzt, wie ihm unterstellt wird. kurzum: ich wette, die diskussion hier wäre sehr kurz gewsen, wenn es bei einer kritik geblieben wäre, die ohne kracher wie „ekel“, „abartigkeit“, „menschenverachtung“…ausgekommen wäre.

  176. 176
    inga says:

    @Darian (176): Ob ein Thema interessant genug für den eigenen Blog ist, das entscheidet genau einer: Der Blogbetreiber. Du als Leser entscheidest dagegen, ob ein Blogthema interessant genug ist, um es zu lesen und eine zweistellige Zahl von Kommentaren beizusteuern.

  177. 177
    Haco says:

    @178
    „denn bisher hat sich kaminer keineswegs schwulenfeindlich geäußert. im gegenteil, wie sie oben verlinkten taz-artikel entnehmen können.“

    schwulenfeindlich vielleicht nicht. aber ignorant:

    80% der russischen Bevölkerung halten nach seinen Angaben Homosexualität für eine gefährliche Krankheit, und weitere 15% wollen nichts mit Schwulen & Lesben zu tun haben.
    Weiter schreibt er, „möchten die Russen keinen gleichgeschlechtlichen Sex in der Öffentlichkeit sehen. Deswegen wird auch die Schwulenparade Jahr für Jahr entweder verboten oder vom dagegen demonstrierenden Mob angegriffen, weil sich die Leute durch eine Parade bedroht fühlen. Eine Parade ist immer ein Aufruf, eine Kraftprobe, sie wird als Propagandashow der Homosexuellen abgelehnt“

    Die „Leute“ und die „Russen“ (also in Kaminers Augen nicht nur die Obrigkeit), seien aber nicht schwulenfeindlich, sondern „nur ängstlich“. (und in Zusammenhang mit seiner Songcontest-Äußerung heißt das vielleicht: schwulenfreundlich, ohne es zeigen tu können).

    Find ich jetzt schon etwas verniedlichend ausgedrückt.

  178. 178
    Henry K. says:

    … hier profilierten sich moderatoren vor einer community, die immerhin regenbogenfahnig-pittoresk eingeblendet wurde und Kaminer versuchte wohl ungeschickt zu differenzieren…
    aber skandalös ist das nicht.
    und wenn wir den russen sagen wollen, wie sie mit homosexuellen umgehen sollen –
    ließen wir deutschen uns vorschreiben wie mit „pädophilen“ umzugehen ist?

  179. 179
    Patrick says:

    @177 b.schuss
    Ich bewege mich hier nicht in meinem Freundeskreis und ich denke nicht, dass Darian van Dark hier viele schwule Freunde hat. Ich sehe es im übrigen nicht ein, warum ich mir „auf der Straße“ irgendwelche Sprüche anhören „muss“ und mir das von Ihnen dann als „Gleichberechtigung“ verkauft wird. Und ich habe auch leider keineswegs das Gefühl, dass es dabei egal ist, „ob man hetero oder homo, dünn oder dick, alt oder jung, hässlich oder hübsch ist“. Wäre es egal, wie sie suggerieren, dann würden diese Eigenschaften zumindest auf der Straße keine Rolle spielen.

    „Jedem steht es frei darauf zu reagieren, wie es ihm gefällt.“ Ja, danke für diesen Allgemeinplatz… (Herr Niggemeier hat übrigens nichts anderes getan, wofür er hier von einigen kritisiert wird.)

    Zuletzt würde mich aber noch interessieren, wer hier seinen Minderheitenstatus „benutzt“ haben soll, um jemanden als schwulenfeindlich „abgestempelt“ zu haben.

    Mein „ad hominem“, wie sie es bezeichnen, beschäftigt sich im übrigen nicht mit der Argumentation der angesprochenen Person, sondern bezieht sich auf seine eingeschobenen Statements. Ich beziehe mich damit also auf den von Ihnen, b.schuss, eingebrachten Allgemeinplatz. Das Sie mir dies wiederum als „typisches Verhalten“ auslegen, erscheint mir ganz und gar nicht logisch…

  180. 180
    B.Schuss says:

    @Patrick, 182: was ich meinte, war, dass jeder das Recht hat, und haben muss, Kritik zu üben, und zwar unabhängig davon, ob die zu kritisierende Person homosexuell ist, oder nicht. Aber ich sage auch, dass die, die Gleichberechtigung einfordern, dann nicht gleichzeitig fordern können, dass man aber bitte Schwule nicht kritisiert, oder die Kritik darauf reduziert, dass derjenige was gegen Schwule hat, oder Probleme mit der eigenen Sexualität. Das genau unterstellen Sie nämlich in ihrem Beitrag #170:

    „Aber, Darian van Dark, sollten Sie sich mit ihrer eigenen Sexualität wohler fühlen, wenn Sie sich auf diese Weise an anderen abarbeiten, dann sei Ihnen das natürlich gegönnt…“

    Wie großzügig. Und wie absurd. Was soll Darians Sexualität mit seiner Kritik zu tun haben ? Und ja, das ist, zumindest meiner Erfahrung nach, ein typisches Verhalten. Haben Sie selbst ja schön demonstriert. Kritik wird abgeblockt, und entweder als Diskriminierung, oder als Zeichen dafür gewertet, dass derjenige selbst Probleme mit seiner Sexualität hat.

    Wer echte Gleichberechtigung fordert, sollte sich so nicht verhalten.
    Denke ich.

    Und wofür Stefan hier kritisiert wird, ist nicht etwa – wie Sie unterstellen – dass er seine Meinung äussert. Vielmehr geht es um die Einhaltung journalistischer Standards, die er selbst an dieser Stelle von seinen Kollegen oft genug eingefordert, sie aber, nach Ansicht einiger hier, in diesem Fall selbst missachtet hat.
    Ob das stimmt, darüber kann sich jeder hier selbst ein Urteil bilden.

  181. 181
    loo says:

    hallo b.schuss: wenn jemand „einen spruch“ fallen lässt, hat er selbstverständlich das recht dazu. wenn der spruch aber meiner meinung nach schwulenfeindlichen inhalt hat, dann habe ich wiederum das recht, auf genau dieses hinzuweisen. und auch mich darüber aufzuregen.
    wie extrem schwulenfeindlich muss denn einer sein, damit sie es für gerechtfertigt halten, dem armen schwulenfeindlichkeit zu attestieren und ihn bis an sein lebensende zu stigmatisieren. wer ein homophobes arschloch ist, soll doch bitte auch die eier haben, dazu zu stehen und sich nicht auf die gleichberechtigung zurückziehen. zum totlachen eigentlich: die arme mehrheit der heterosexuellen wird von den homos mundtot gemacht mit dem „totschlagargument“ schwulenfeindlichkeit.
    ein paar fakten zur gleichberechtigung in deutschland:
    schwule dürfen in deutschland immer noch keine kinder adoptieren, es sei denn ein partner bringt das kind mit in die „lebenspartnerschaft“.
    inwiefern ist das gleichberechtigung, wo werden hier einer schwulen „ehe“ die gleichen möglichkeiten wie einer heteroehe zugestanden?
    aber das können die schwulen ja leicht ändern, sie müssen ja nur der jeweiligen regierung schwulenfeindlichkeit unterstellen.
    das ist echt beschuss…

  182. 182
    loo says:

    @ henry k: pädophilie und homosexualität zu vergeichen, das ist so 1938, honey.
    und jetzt sagen sie nicht, das hätten sie nicht getan, sie legen ja nahe, dass das zwei sexuelle abarten sind, bei denen es dem jeweiligen land zu überlassen ist, wie man damit zu „verfahren“ hat.

  183. 183
    noir.desir. says:

    „schwule dürfen in deutschland immer noch keine kinder adoptieren“

    Auch wenn das nicht ins Weltbild einiger Alles-Tolerierer passt: Kinder entstehen aus dem Liebesakt zwischen Mann und Frau – oder eben nicht, dann kommt gegebenenfalls eine Adoption infrage.

    Aus dem Geschlechtsakt zweier Männer können nun einmal keine Kinder entstehen. Wieso sollten schwule Paare Kinder adoptieren können? Was mag uns die Zukunft bringen: Noch ganz andere Lebensformen? Dürfen dann auch Wohngemeinschaften Kinder adoptieren? Kommunen? Parteien?

    Alles tolerieren kann keine Alternative zum Denken sein.

  184. 184
    loo says:

    ich toleriere nicht alles, ich möchte nur auch gerne ein kind groß ziehen.
    einen wirklilch triftigen grund haben sie ja noch nicht genannt, warum ich das nicht dürfen sollte.
    eine beziehung zwischen zwei männern, die gerne eine familie gründen würden, ist für sie also ähnlich gelagert, wie wenn die cdu ein kind adoptiert.
    scheinbar haben sie bereits eine alternative zum denken gefunden…

  185. 185
    a. englisch says:

    „Alles tolerieren kann keine Alternative zum Denken sein.“

    aber alles zu trollerieren ist keine alternative zum diskutieren…armselig!

  186. 186
    Bibliothekarin says:

    Hallo Loo,

    „schwule dürfen in deutschland immer noch keine kinder adoptieren“

    Mal blöd nachgefragt: Ist das wirklich so?

    Mir fällt nun leider nur das Beispiel Patrick Lindner ein :)
    Hat er nicht mit seinem Partner ein Kind adoptiert???

    Im übrigen ist mein Wissensstand, dass nur Alleinstehende nicht adoptieren dürfen.

    Bitte um Aufklärung & Sorry für das Abweichen vom eigentlichen Thema!

    Beste Grüße
    Bib.

  187. 187
    freischwimmer says:

    @Haco (180)

    unsicherheit oder ängstlichkeit ggü einem phänomen, was man nicht so gut kennt oder was immernoch tabuisiert ist, ist schon was anderes als feindschaft. kaminer beschreibt lediglich eine doppelmoral der russen: es gibt schwule kneipen, schwule saunas, schwule kulturschaffende usw: nur gesprochen werden darf darüber in der öffentlichkeit nicht. noch nicht…
    übrigens ein phänomen, das auch sie in ländern wie bspw italien beobachten können, also in ländern, die sehr religiös geprägt sind.

  188. 188
    loo says:

    Hallo bib:
    mein wissensstand ist: wenn ein partner bereits vater ist, also mit einer frau ein kind gezeugt hat, nun aber mit einem mann zusammenlebt, kann der jetzige lebenspartner versuchen, dieses kind zu adoptieren.
    wie patrick lindner das hinbekommen hat, weiß ich nicht.
    das gleiche gilt analog natürlich für ein lesbisches paar.

  189. 189
    Bibliothekarin says:

    @ Loo

    Möglich ist es schon, hier einige Informationen dazu:
    http://www.family.lsvd.de/beratungsfuehrer/index.php?id=52

    Der EGMR entscheid außerdem 2008, dass Homesexuellen eine Adoption nicht verwehrt werden darf, weil sie homosexuell sind

    Ich denke schon, dass es also möglich ist. Unter Umständen kommt ja auch eine Auslandsadoption in Frage?!

    Ist natürlich nicht wie bei einer gleichgeschlechtlichen Ehe, aber Single-Frauen haben zum Beispiel auch keinen Zugang zu Samenbanken.
    Benachteiligung wird wohl nie völlig „abgeschafft“ werden können.

    Beste Grüße
    Bib.

  190. 190
    Bibliothekarin says:

    Natürlich meine ich „entschied“ :)

  191. 191
    loo says:

    Hallo, vielen Dank für den Link!

  192. 192
    B.Schuss says:

    @loo, #184:

    dann sagen Sie mir doch, wie sie die von mir zitierte Aussage Patricks interpretieren ? Was hat ihrer Meinung nach Darians Sexualität mit seiner Kritik zu tun ?

    Natürlich bedeutet Gleichberechtigung, seine Meinung äussern zu dürfen, und denen die sich diskriminierend verhalten, das auch zu sagen.
    Aber ich habe bei Unterhaltungen mit Schwulen oft das Gefühl, dass sie allgemeine Kritik an ihrem Verhalten als Mensch immer sofort auch als Kritik an ihrem Schwulsein verstehen, und dann schnell das von ihnen angesprochene Totschlagargument rausholen, auch wenn ihre Homosexualität gar nicht das Thema war. Gerne wird auch dem Gesprächspartner eine ambivalente Einstellung zur eigenen Sexualität unterstellt, wie von Patrick eindrucksvoll demonstriert.

    Ich weiss, ist ein Klischee, ein Allgemeinplatz, etc., und trifft mit Sicherheit nicht auf alle zu. Aber bestreiten lässt es sich auch nicht.

    Was das von ihen angeführte Beispiel Adoption angeht, da bin ich nicht so im Thema. Aber wenn ich meinen Vorrednern glaube, ist die Situation durchaus nicht so dramatisch, wie Sie meinen.

    Ich gönne jedem Lebenspaar ein Kind. Ihnen Viel Glück.

  193. 193
    SvenR says:

    Noch eine Nebenbemerkung: Auch wohlsituierte heterosexuelle verheiratete Paare können nicht so ohne weiteres ein Kind adoptieren.

    Man darf sich von den Madonnas, Jolie/Pitts, Lindners oder Schröders deser Welt nicht blenden lassen – Geld, Macht, Promminenz helfen da anscheinend enorm.

    Ich bin nicht so generös, wie Sie, lieber B.Schuss. Ich gönne nicht jedem Lebenspaar ein Kind. Wobei ich mit Ihnen einig bin, dass das nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun hat.

  194. 194
    Patrick says:

    @b.schuss
    Sie sollten meinen letzten Beitrag l e s e n, dass hilft vll. bei der Interpretation.

    „Mein „ad hominem”, wie sie es bezeichnen, beschäftigt sich im übrigen nicht mit der Argumentation der angesprochenen Person, sondern bezieht sich auf seine eingeschobenen Statements. Ich beziehe mich damit also auf den von Ihnen, b.schuss, eingebrachten Allgemeinplatz. Das Sie mir dies wiederum als „typisches Verhalten” auslegen, erscheint mir ganz und gar nicht logisch…“

    Ich bin mir nicht sicher, wovon Sie sich so irritieren lassen, aber auf diese ganze Kaminer Diskussion habe ich mich nicht eingelassen und Darians Kritik war mir herzlich egal. Was mir nicht egal war, waren seine sonstigen Statements und „Witzigkeiten“.

    Und zu ihrem „Gefühl“ im Bezug auf Schwule:
    Ich habe keine Ahnung, wie Sie im Rahmen dieser Diskussion darauf kommen. Aber vll. sollten Sie das mit den betroffenen Personen klären?

  195. 195
    loo says:

    @b.schuss: danke für die glückwünsche. zum totschlagargument: in dieser speziellen diskussion ging es ja aber nicht um kritik an jemandem als mensch, sondern um das leben mit homosexualität.
    wie das bei ihren bekannten ist, kann ich nicht sagen, ich kenne niemanden, der so reagiert.
    die ambivalente einstellung zur sexualität ist womöglich ein klischee, dreht aber den spieß effektiv um.
    was stört sie daran, als homosexuell bezeichnet zu werden? ist schon lustig, wie da manche leute plötzlich richtig wütend werden, weil eigentlich ist es ja nicht schlimm oder?

  196. 196
    alf says:

    Selbst hierzulande kann man auf Beleidigung und Schmerzensgeld klagen wenn man als homosexuell „beschimpft“ wurde nicht aber wenn man als hetero „beschimpft“ wurde.

  197. 197
    freischwimmer says:

    @ alf (199)

    das kann ihnen nur passieren, wenn sie „schwul“ als schimpfwort benutzen, also außerhalb seiner bedeutung. sie können auch wegen beleidigung belangt werden, wenn sie einen mitmenschen als „alte sau“ bezeichnen. straffrei gehen sie hingegen aus, wenn sie ihm „alte katze“ entgegenschmettern.

  198. 198
    B.Schuss says:

    @loo: mich stört das nicht, da es ja keine Beleidigung darstellt, jedenfalls nicht für mich. Ich bezog mich aber auch nicht unbedingt darauf, als homosexuell bezeichnet zu werden.

    Es ging mir um Patricks Aussage in #170:

    „Aber, Darian van Dark, sollten Sie sich mit ihrer eigenen Sexualität wohler fühlen, wenn Sie sich auf diese Weise an anderen abarbeiten, dann sei Ihnen das natürlich gegönnt…“

    Leider hat er sich – trotz mehrfacher Bitte – noch nicht wirklich dazu geäussert, was genau er seinem Gegenüber damit unterstellen wollte, aber aus meiner Sicht ist diese Art der Argumentation, die Verknüpfung von sexueller Orientierung und Meinung, einer wirklichen Gleichberechtigung nicht zuträglich.

    Das gilt natürlich in beide bzw. alle Richtungen. Genau so wenig wäre es akzeptabel, wenn ich einem Schwulen unterstellen würde, er würde eine bestimmte Meinung nur deshalb vertreten, weil er
    a) schwul ist, oder
    b) meine Sexualität nicht versteht / toleriert.

    Bei Schwulen habe ich aber manchmal den Eindruck, dass es ihnen schwer fällt, bestimmte Themen losgelöst von ihrer sexuellen Orientierung zu diskutieren.
    Und damit Schluss mit den Gemeinplätzen. Das Thema ist sowieso durch. ^^

    Wünsche Frohen Vatertag, alle zusammen. :)

  199. 199
    MRT says:

    Gibt es eigentlich nichts Wichtigeres? Ich bekomme den Eindruck, Herr Niggemeier muss immer häufiger irgendwelche Nichtigkeiten künstlich aufblasen, um seinen Blog voll zu kriegen.

  200. 200
    SvenR says:

    @ MRT #202:

    Der Eindruck trübt. Diese Blog wird nie voll, denn es hat „nach unten offenen Kommentarspalten“.

  201. 201
    Armin says:

    @203 SvenR

    Das stimmt, nach unten offen…das gilt zum einen für die Beiträge als auch für die Kommentare

  202. 202
    minderleister83 says:

    schroeders lupenreine demokratur.

  203. 203
    Sascha says:

    Die Bücher von Kaminer mag ich zwar nicht besonders und als Mensch finde ich ihn nicht unbedingt interessant, aber was hier veranstaltet wird, ist in meinen Augen schon etwas übertrieben.

    Die Behauptung, Herr Kaminer spreche fließend und sicher Deutsch, weil er Bücher auf Deutsch schreibt und in vielen Talkshows schon mitgemacht hat, finde ich falsch. Da ich selber einen ähnlichen Migrationshintergund habe und fast 10 Jahre schon in Deutschland lebe, weiß ich, dass was geschrieben wird (und dazu mehrmals geprüft, selbstverständlich auch von Lektoren) in keinem Vergleich zu dem steht, was man als nicht Muttersprachler spricht. Vor allem Live und im Fernsehen. Kaminers bisherigen Auftritte im Fernsehen, die ich mitverfolgen durfte, waren alles andere als sicher und souverän – eher holprig und erst dann schlagfertig, wenn er die vorbereiteten Floskeln aus eigenen Büchern von sich gab. Ich werde mich nicht wundern, wenn der Satz über Verhältnis des russischen Volkes zu Homosexuellen auch aus seinem Notizbuch stammt.

    Wird tatsächlich eine ernste Antwort zu dem ernsten Thema von einem Schriftsteller erwartet, die Märchenbücher über das Leben in dem (post)sozialistischen Raum schreibt? Genauso gut könnte man den (sogenannten) Sänger, der den zweitpeinlichsten Beitrag bei dem diesjährigen Contest (Ukraine sei dank) abgeliefert hat, direkt nach seinem Auftritt für Deutschland fragen, wie er zu Sterbehilfe steht. Es ging ja nur um Show, feiern, saufen und sich amüsieren.

    Hat nun jemand wirklich das Gefühl, dass Kaminer tatsächlich schwulenfeindlich ist? Es ist doch klar, dass dies ein Ausrutscher war und ein gescheiterter Versuch witzig zu sein. Was ist noch von einem Mann zu erwarten, der sonst immer lustig sein muss und seinen Unterhalt damit verdient. Man schaltet automatisch in so einen immer-witzig-sein Zustand sobald man in der Öffentlichkeit steht. So ein Witz hätte sich auch ein Harald Schmidt erlauben können, nun hätte er vielleicht noch es anschließend mit ein paar Sätzen das Ganze abgerundet. Da hätte man keine Große Sache daraus gemacht. Jeder weiß ja, da der ganz schlimmer Zyniker ist und noch dazu nicht unbedingt erfolgreich mit seinem Humor in den letzten Jahren.

    Die Aufrufe Kaminers Bücher bei ebay zu versteigern finde ich genauso lächerlich, wie von bestimmten russischen Politikern – keinen georgischen Wein mehr zu kaufen oder von mir persönlich – die RSS Feed und FAZ abzubestellen und in noch vorhandenen Exemplaren von der Zeitung die Kolumne von Stefan Niggemeier rauszuschneiden.

    Was ich damit sagen will – es ist Ihr gutes Recht, Stefan, Ihre Meinung zu äußern. Allerdings man muss sich auch bewusst sein, dass man ab dem bestimmten Level von der Popularität, wenn man ganz schnell einen großen Kreis von Menschen medial erreichen kann, gewisse Äußerungen erst gut überlegen muss. Dass betrifft Herr Kaminer genauso wie Sie – mit dem kleinen Unterschied, dass er kaum Zeit hatte, seine Antwort zu überlegen. Dagegen Sie, anstatt voller Wut gleich den Text zu posten, hätten vielleicht ein Bierchen trinken können um sich anschließend zu fragen – ob es tatsächlich die Meinung von Kaminer war oder nur ein schlechter Witz, die zahlreich an diesem Abend gefallen sind.

  204. 204
    sm says:

    nicht homophober als eine durchschnittliche south park folge.

  205. 205
    gjlfhjr says:

    В России большинство жителей относятся к геям вполне терпимо. Никто никого не учит жизни.

  206. 206
    x says:

    hey, danke.
    hab den beitrag nur via deutschlandfunk/breitband gefunden.
    das rtl sowas schönes sendet ohne rumzudoktern.
    gildo pwns!
    kaminer, wer ist das schon?!

  207. 207
    Dag says:

    Fand ich beim ersten Lesen letzte Woche auch recht sonderbar, was für einen Strick Du dem Kaminer aus diesen wenigen, möglicherweise unbeholfenen Worten gedreht hast. Ist sonst eigentlich nicht so Dein Stil hier.

  208. 208
    jan says:

    Schlechter Zeitpunkt, etwas undurchschaubarer Sarkasmus. Aber sicher nicht wirklich ernst gemeint.

  209. 209
    Irmchenmarx says:

    Warum gibt’s bloß noch keine Fernseher, die automatisch Satire erkennen und einen entsprechendem Warntext einblenden? Man sieht doch hier wieder, wie dringend notwendig das wäre!

  210. 210
    treets says:

    @206:

    Eine wohltuend ruhige und ausgewogene Stellungnahme, vielen Dank. Den Ratschlag mit dem Bierchen sollte S. Niggemeier durchaus öfter befolgen. Schaum vorm Mund hat er ja sowieso schon häufig. ;-)

  211. 211
    Kand.in.Sky says:

    Kaminers Bemerkung war typisch für ihn in der Art der Kritik. In seinen Büchern werden ausländische Studenten in Russland schon mal als Anwärter für Zirkusakrobaten tituliert. Soviel zum angeblich perfekten sozialistischen Bildungssystem – und das von Kaminer.

    Seine obige Bemerkung passt genau in dieses Schema. Als Komiker/Satiriker wird er keine direkte Kritik üben sondern stets in seiner Rolle bleiben, zumindest wenn Kameras/Journalie in der Nähe ist.

    Volker Pispers analysisert ja auch nicht sachlich Merkels Fehltritte sondern in seiner typischen Art/Weise.

    So einfach ist das.

    #k.

  212. 212
    Amber Bach says:

    @Olaf: Endlich einer, der Humor besitzt. Ich habe Kaminers Aussage auch sofort als Russenwitz verstanden. Was kann man den Verantwortlichen für diese schwulenfeindliche Aktion Schlimmeres vorwerfen als schwulenfreundlich zu sein?! Bravo Kaminer! Er hat auf gewohnt ironische Weise den Spiegel vorgehalten. Einziger Fehler: nicht alle sind seine Ironie gewöhnt. Kaminer ist nicht schwulenfeindlich.

  213. 213
    Amber Bach says:

    Schade nur, daß ich den Blog so spät entdeckt habe.
    Zur Länge des Blogs: ich kenne Sie nicht, Herr Niggemeier, aber so viel Aufmerksamkeit haben Sie – zumindest in diesem Fall – nicht verdient. Aber sie galt ja nicht in erster Linie Ihnen, was zahlreiche Kaminer-Fans mit ihren Kommentaren bewiesen.

  214. 214
    Matti says:

    Das ist so ein typischer Niggemeier.

    Eklig was er da sagt?

    Auch eklig, dass er den Contest als richtigen Weg betrachet, um Russland von solchen Aktionen abzubringen? Russland zu öffnen?

    Wie passt das mit Ihrem „eklig“ zusammen, hä?

    Und nochwas.
    Bitte folgendes vorstellen:
    Thomas Anders steht als Gast in „Moscow“ bei so einer Veranstaltung auf der Bühne, In Deutschland sind gerade wieder Ausländer von Nazis verprügelt worden. Anders wird gefragt, was er davon hält und sagt: „Die deutschen sind nicht ausländerfreindlich, Sie sind ausländerfreundlich! “

    Ist das auch eklig?
    Muss man erst mal 20 Minuten lang klarstellen, dass man ja ganz und gar nicht schwulen- oder ausländerfeindlich ist?
    Das können Sie nicht ernsthaft wollen und verlangen.

    Klar, es war dumm von Kaminer sich so zu äußern. Warum? Weil zu viele zu gucken, die zu dämlich sind zu reflektieren.
    Das durchscnittliche Publikum dieser Sendung (und auch Sie Herr Niggemeier) schreit halt lieber gleich JEHOVA!

    Das Kaminers Situation eine noch viel schwierigere ist, als die von meinem fiktiven Anders in Moskau, versuche ich jetzt gar nicht erst zu erläutern.
    So sehr ins Detail wollen Sie bei diesem Thema hier eh nicht, Herr Niggemeier.

  215. 215
    chaim says:

    Mein Gott, ihr scheinheiligen politkorrekten Deutschen! Wenn ihr nur ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen hättet in die Denkweise von Menschen, die aus anderen Kulturen stammen. Aber nein: Am deutschen Wesen soll wieder einmal die Welt genesen. Wer nicht denkt wie ihr, der wird mit der Intoleranzkeule gegeißelt. Und, tut mir leid, ein bisschen Antisemitismus scheint da auch noch dahinter zu sein, plus Verachtung der Slawenwelt – ein jüdischer Russe „kommt mir nicht mehr ins Regal“ (Zitat aus einer besonders verkorksten Mail). Und das Schlimmste: der Titel „Kaminers Schwulenwitz“. Kaminer wollte alles andere als einen Witz machen, sondern nur die Russen erklären. Aber um das zu verstehen, braucht man auch ein bisschen mehr interkulturelle Kompetenz, als der Durchschnitt dieser MailschreiberInnen zu haben scheint.

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