Kurz verlinkt (36)

ix entwickelt ein paar nachvollziehbare Thesen, wie so ein Journalistenteller wohl aussieht.

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Und während die Nachrichtenagentur dpa und andere Medien die (ohnehin wenig glaubhafte) Geschichte verbreiten mussten, dass das russische Fernsehen beim Eurovision Song Contest live zur Raumstation ISS geschaltet habe, hatte der Wissenschaftsjournalist Alexander Stirn die verwegene Idee, einfach mal im Internet nachzugucken, ob das auch stimmt.

(Natürlich ist es im Grunde egal, ob das wirklich live war oder nicht. Aber es ist ein weiteres schönes Gegenbeispiel zur These von SZ-Feuilletonchef Andrian Kreye, dass die „neuen Medien die Generierung von harten Fakten“ erschweren.)

Nachtrag, 19. Mai. dpa-Korrespondent Stefan Voss weist — zu Recht — darauf hin, dass dpa nur vor der Sendung von einer „Liveübertragung“ gesprochen hat.

18 Replies to “Kurz verlinkt (36)”

  1. Ouhhh, das gibt gefühlte 50 Milliarden Kommentare, welcher Journalist in der Küche dran glauben muss. Man muss den ja nicht essen, Hauptsache schlachten…

  2. Ja, ja, ja, – auch „alte Medien“ machen Fehler. Muss man sich wirklich so lange an Thesen abarbeiten, die doch für jederman erkennbar eher tendenziell gemeint sind und nicht als absolute Wahrheit?! Entscheidend ist auch nicht der Vertriebsweg von Informationen, sondern, ob der Inumlauf-Setzer sorgfältig recherchiert hat. Will hier jemand behaupten, im Netz walte die größere Sorgfalt beim Verlautbaren? Mir ist aber noch etwas aufgefallen: Wer zum Beispiel versucht herauszufinden, ob sich Günter Jauch mit „th“ schreibt, bekommt im Netz ebenso viele falsche wie richtige Hinweise (selbst RTL schrieb ihn schon falsch). Was veranlasst mich dann eigentlich, den guten alten Munzinger als eiserne Wahrheit zu sehen? Er wird zu einer Quelle unter vielen, und ich bin immer noch nicht schlauer.

  3. Drumhead, niemand behauptet ernstlich, dass jederzeit alles, was im Netz veröffentlicht wird, gut recherchiert oder per se korrekt sei. Außer Ihnen, um Ihren Strohmann dann gleich einreißen zu können.

    Richtig ist vielmehr, viele Hansel, die ihr Geld mit Druckpressen verdienen [zumindest mittelbar] behaupten, das, was im Netz geschehe sein – salopp formuliert – ‚Dreck‘. Die gleichen Hansel implizieren, insinuieren und behaupten ganz direkt: ‚Wir machen das besser und vor allem korrekt!‘ Wenn das nicht stimmt, muss das aufgezeigt werden, schon damit kein falscher empirischer Eindruck entsteht.

  4. Ist Alexander Stirn identisch mit diesem Kommentator aus dem „Coffee And TV“-Grand-Prix-Liveblog?

    „11:12 [Kommentar von Alex]
    Die ISS-Schalte wurde laut Dienstplan übrigens am 6.5.2009 um 19.15 GMT aufgezeichnet.“

  5. Dieses „Netz versus Zeitung“-Ding nervt mich langsam. Von beiden Seiten. Da guck ich mir heute abend lieber ein paar Folgen „West Wing“ an, das ist interessanter. Es gab übrigens alle sieben Staffeln neulich für insgesamt 50 Euro bei Amazon in Großbritannien, Herr Niggemeier. War ein schönes Schnäppchen.

  6. Die „Liveschalte“ zur ISS hätte man schon deshalb komisch finden müssen, weil keinerlei Interaktion zwischen Moderator und Kosmonauten stattfand. Die Moderatoren sagten sowas wie „und jetzt live von der ISS“, dann sprach dort einer der beiden eingeblendeten Menschen, ohne jegliche weitere Kommunikation. Mein halb betrunkenes Gehirn, das sehr viel mehr auf Trashentertainment genießen als auf kritisch hinterfragen eingestellt war, meldete trotzdem ein „das ist doch nicht live“.

  7. der journalistenteller im foto hat zwei beilagen, die ähnlich und doch unterschiedlich sind, und er ist jeden tag wieder voll, egal mit was.

    scnr,

    .~.

  8. Lieber Stefan Niggemeier, wir gingen tatsächlich bis zum ESC-Finale in Moskau davon aus, dass es – wie von den Russen angekündigt – eine Live-Übertragung geben werde. Die Schalte am Samstagabend kam mir aber ebenfalls merkwürdig vor, deshalb steht in unserer akutellen dpa- Meldung „ISS-Crew gibt Signal für Grand-Prix-Abstimmung“ auch nur „in einer Fernsehübertragung“ und nicht „per Live-Schaltung“. Soviel zur Sorgfalt.
    Schöne Grüße aus Moskau, Stefan Voß (dpa-Moskau)

  9. @Stefan Voss: Danke für den Hinweis! Ich finde den Fehler, wie gesagt, nicht dramatisch. Ich war eher begeistert, was man im Internet inzwischen alles recherchieren und welche PR-Tricks widerlegen kann.

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