Schöner sterben mit dem „SZ-Magazin“ (3)

20 Mai 09
20. Mai 2009

Georg Diez, Autor des „SZ-Magazins“, den ich von unserer gemeinsamen Zeit in der Redaktion der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ kenne, antwortet in den Kommentaren auf die Kritik an dem Sonderheft zur Zukunft des Journalismus und wirft mir vor, ungenau und unfair gewesen zu sein:

Lieber Stefan Niggemeier,

am 8. Mai erschien ein SZ-Magazin über die schwierige Situation des Journalismus, nicht nur des Printjournalismus, auch des Onlinejournalismus — es geht dabei um inhaltliche und um finanzielle Dinge, wobei beides nicht so leicht voneinander zu trennen ist.

Auch auf dieser Webpage wurde darüber diskutiert, vor allem über einen Beitrag, eine Kritik der deutschen Blogger-Sphäre von Felix Salmon, einem englischen Blogger, der in New York lebt.

In einem hast du natürlich recht (wir duzen uns, weil wir uns kennen): Wir haben einen ziemlich dummen Fehler gemacht, als wir Felix Salmon mit „Portfolio“ in Verbindung brachten, er hatte dort zu dem Zeitpunkt längst aufgehört, „Portfolio“ war eine Zeitschrift, die einen Online-Ableger hatte, beides ist der Presse-Krise zum Opfer gefallen. Salmon „betreibt mit portfolio.com“ also nicht „einen der erfolgreichsten amerikanischen Blogs“. Das war ein handwerklicher Fehler, den wir bedauern.

Einiges würde ich aber doch gern aufklären, was bisher meiner Meinung nach falsch oder missverständlich in der Diskussion war:

Du schreibst vom „englischen Original des Artikels“, was nahe legt, dass das SZ-Magazin den Text nachgedruckt habe. Wir haben den Text aber in Auftrag gegeben, Salmon hat dann für den vorab veröffentlichten Blog-Eintrag den Begriff „Econoblogger“ eingefügt — alle seine Wertungen bezogen sich aber ganz allgemein auf das Bloggen in Deutschland. Es ging nicht darum, dass es „dem SZ-Magazin wohl nicht sexy genug“ war, nur von „Econobloggern“ zu schreiben.

Oder in Salmons Worten, auf Nachfrage von uns: „Econoblogs are the subjet of the blogosphere which I know best, and one can extrapolate from the econoblogosphere to the blogosphere more generally — to some extent, and with a bit of care. I’m more comfortable writing about econoblogs than blogs generally just because I know what I’m talking about in the first case, and less so in the second. But as a blogger, that’s never stopped me before!“

Am 18. Mai nun folgte ein weiterer Eintrag, der Verweis auf ein Interview, das Salmon dem Online-Magazin „The Local“ gegeben hat. Hier will er, so schreibst du, „aus der merkwürdigen Art, wie die Zeitschrift seinen Text umdeklarierte, noch nicht auf den Zustand der etablierten deutschen Medien insgesamt schließen“.

Als Beleg dafür zitierst du zwei Fragen und zwei Antworten, von denen eine von dir gekürzt wurde. Was du nicht zitierst, ist die erste Frage und die erste Antwort von Salmon.

Frage: „How does it feel to be the whipping boy du jour of the German blogosphere?“

Antwort: „It feels as though it was almost too easy. But maybe it just goes to show how important newspapers are and how unimportant blogs are, in Germany at least: when my blog entry first appeared on April 19, the reaction was much more muted. Once it was ratified by appearing in print, however, the reaction was much stronger.“

Das wegzulassen ist mehr als ein handwerklicher Fehler.

Gekürzt wurde auch ein weiterer Satz, der doch ganz hilfreich ist, das Blogger-Selbstverständnis zu erklären.

Die zweite Frage im Interview war:

„Were you aware your column was picked up by the Süddeutsche Magazin and that it had kicked up such a stink in the German blog world?“

Antwort: „I actually wrote the column at the request of Süddeutsche Magazin“ — nun folgt die Auslassung: „I pride myself on taking requests, and in this case they were going to pay me, too.“ Dieser Satz fehlt leider in deinem Zitat.

Mich haben die Reaktionen auf Salmons Beitrag sehr überrascht, es war nicht unsere Absicht, die alten und die neuen Medien gegeneinander auszuspielen. Im Gegenteil. Was wir wollten, war eine Qualitäts- und Zukunftsdiskussion über den Journalismus, egal in welcher Form, am besten in allen und von so vielen wie möglich, alle haben ihre unterschiedlichen Stärken. Präzision und Verlässlichkeit sollten auf jeden Fall dazugehören, im Netz und im Print. Und Fairness auch.

Best,
Georg Diez

(Links von mir)

48 Gedanken
  1. 1
    Stefan Niggemeier says:

    Lieber Georg,

    danke für Deine ausführliche Antwort!

    Tja: Hat Felix Salmon einen Text über Wirtschaftsblogs geschrieben, aus dem das „SZ-Magazin“ nachträglich den speziellen Bezug nachträglich entfernt hat? Oder hat er einen Text über Blogs im Allgemeinen geschrieben, in den er dann nachträglich einen speziellen Bezug eingebaut hat? Euer Autor widerspricht im Interview mit „The Local“ Deiner Darstellung schon deutlich und, ehrlich gesagt, finde ich seine Variante plausibler. Ich weiß es nicht. Ich finde es aber schon bezeichnend, dass er selbst Euch gegenüber anscheinend erklärt hat, dass er im Grunde zu wenig über deutsche Blogs weiß, um darüber schreiben zu können.

    Aber vor allem wirfst Du mir vor, sein Interview böswillig gekürzt zu haben. Ich bin anderer Meinung — und das nicht nur, weil ich das Original verlinkt habe und sich jeder Leser so seine eigene Meinung bilden konnte. Richtig ist natürlich, dass ich ausschließlich seine Bemerkungen über den Umgang des „SZ-Magazins“ zitiert habe, quasi als Nachtrag zu meinem ersten Eintrag.

    Salmons Gedanken, dass die heftige Debatte ein Indiz dafür sei, wie wichtig Printmedien in Deutschland seien und wie unwichtig im Vergleich dazu Blogs, habe ich aus einen anderen Grund weggelassen: Ich halte ihn für großen Unsinn. Dabei teile ich seine Ansicht, dass Print zur Zeit in Deutschland noch viel mehr Einfluss hat und Leitmedium für wichtige Debatten ist. Das ist kein Naturgesetz, ich bin überzeugt, das wird sich ändern, aber noch ist es so. Doch Salmons Beleg dafür ist hahnebüchen. Er folgert das daraus, dass sein ursprünglicher Blog-Eintrag kaum eine Diskussion ausgelöst hat und die Debatte erst durch die Veröffentlichung im „SZ-Magazin“ losging. Aber liegt das an der Bedeutung von Print? Oder könnte es daran liegen, dass sein Text über deutsche Blogs nun auf deutsch erschien? Und daran, dass er plötzlich nicht mehr das Spezialthema „Econoblogs“ hatte, sondern sich die deutsche Blogosphäre insgesamt vorzunehmen schien? Und daran, dass Ihr Euch gar nicht auf die Bedeutung des gedruckten „SZ-Magazins“ verlassen habt, sondern den Text breit über verschiedene Blogs, Spiegel Online, taz.de, die Netzeitung und FTD.de gestreut habt? Kein Wunder, dass dann eine Debatte losging — obwohl der Artikel selbst sie meiner Meinung nach nicht verdient hätte.

    Schöne Grüße
    Stefan

  2. 2
    Critic says:

    Hier ist Entscheidendes gesagt:
    http://blogbar.de/archiv/2009/05/20/wer-sagt-uns-eigentlich/
    Die Netz-Hype als Medienhype ist das Werk der Generation 35+, die sich einerseits noch an das Alter erinnert und gleichzeitig mit dem Neuen noch einmal an der Spitze des Wandelns treten will. Aber er ist schon längst Realität. K e i n einziger Blog beeinflusst die Politik. Bei Millionen Usern gibt es kein neue Leitadresse und daß das Stefan Niggemeier nicht merkt, ist, weil der erinzige Ort wo es funktioniert, die Medienseiten sind – die kritische Begleitung von Print. Ein bißchen Selbstkritik täte Not.

  3. 3
    Marek says:

    @Critic: Wer „der Blog“ sagt, hat schon verloren. :)

  4. 4
    rog says:

    Hier wie beim Lesen anderer Beiträge von Ihnen, Herr Niggemeier, beschleicht mich das Gefühl, dass sie an Relevanz gewonnen hätten, wenn Sie sich selbst noch einmal um Nachfrage zum jeweiligen Thema bei den von Ihnen kritisierten Medien bzw. Personen bemüht hätten. Schließlich haben ja Ihre Beiträge oft die Einseitigkeit der Berichterstattung in Zeitungen und dem Fernsehen zum Thema. Ich finde, dass Sie sich angreifbar machen, indem Sie selbst zu dieser Einseitigkeit beitragen – nicht immer, aber doch recht oft. Vielleicht eine kleine Anregung von mir, die hoffentlich als konstruktive Kritik verstanden wird.
    Und noch ein Nachtrag zu @3 (Critic): Ich sage seit Anbeginn auch unbeeindruckt „der Blog“, weil es mir irgendwie natürlicher erscheint – obwohl ich zur Jahrtausendwende mehrere Jahre als Online-Redakteur gearbeitet habe.

  5. 5
    Michalis says:

    Warum zitiert eigentlich keiner, dass Felix Salmon auch gesagt hat: „Germans in general have better things to do than listen to unqualified bloggers opine on random subjects“? Ich fand das ganz gut.

  6. 6
    Heiko C. says:

    „Der Blog“ ist wie „die Mofa“: eigentlich falsch, aber sagt man halt so.
    Man sagt ja heute auch schließlich immer noch falsch „Der Keks“ obwohl es eigentlich „Die Keks“ heißen müsste.

  7. 7
    Jürgen Kalwa says:

    Vielleicht ist das nicht nur mir aufgefallen: Es gibt offensichtlich noch immer mindestens einen Unterschied zwischen Printmedien und Blogs. Wenn eine Zeitung die Fakten nicht in den Griff bekommt und etwas Falsches druckt, dann handelt es sich dabei schlimmstenfalls um einen sogenannten handwerklichen Fehler. Hingegen in einem Online-Text eine Passage aus dem Originalzusammenhang „wegzulassen ist mehr als ein handwerklicher Fehler“. Selbst wenn der Originaltext verlinkt ist, und jeder die Quelle in toto studieren kann. Wie das Bewertungsraster zustande kommt, ist mir ein Rätsel.

  8. 8
    Philip says:

    Die ausgelassenen Punkte finde ich eigentlich nicht sonderlich wichtig in Bezug auf die Grundaussage

  9. 9
    Katzenblogger says:

    (wo bleibt hier eigentlich der Kommentar vom Neu-Disser?)

  10. 10
    michael mosmann says:

    Hmm.. ich finde, man sollte sich die Zeit nehmen und mal tief Luft holen. Wenn man dann trotzdem noch mit einem kleinen Hämmerchen auf jemanden raufhauen möchte, wiederholt man das ganze.

    Ich finde es in Ordnung, ja sogar notwendig, wenn man seinen Standpunkt so umfassend wie möglich, aber eben auch kompakt formuliert. Das gilt für Blogs ebenso wie für Printmedien.

    Da es bei diesem Thema, wie bei so vielen anderen, kein richtig und falsch gibt, ist es für mich verwunderlich, wenn man dann über Weglassungen diskutiert. Kurz gesagt, hat Hr. Niggemeier die Aussage so verstanden, andere anders. Darüber sollte man diskutieren, wenn überhaupt.

    Das dann in den Kommentaren jeder so sein eigenes Nebenkriegsschauplätzen aufmacht, dient nicht dem Problem, sondern meist dem eigenen Ego.

    Was für mich einen unangenehmen Beigeschmack hat, ist folgendes: Warum fragt man einen nicht-deutschen Blogger, wie und warum es hier so aussieht, wie es aussieht? Welche Information kann man aus so einer Frage gewinnen?

    Und zum Schluss kann ich es mir nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass es naiv ist, anzunehmen, hier leiste sich jemand „handwerkliche Fehler“. Es ist doch davon auszugehen, dass jederzeit bewusste Entscheidungen getroffen wurden. Es war Absicht. Na und? Stehen wir dazu. Dann könne wir auch sagen, dass wie hier und da nicht einverstanden sind.

    .. schönen Feiertag.

  11. 11
    JMK says:

    @michael mosmann
    um einen Blick von außen auf die deutsche Blogger-Szene zu werfen. Solche Betrachtungen von „außen“ sind doch oft genug interessant und lehrreich.

  12. 12
    Ommelbommel says:

    @ Marek: Das halte ich für großen Quatsch.

    @ Critic: Die Diskussion, die hier angeregt wurde, ging ja anfangs gar nicht um den Einfluss von Blogs, sondern um Qualität, gemessen an gründlicher Recherche und dem sinngebenden Ordnen überpüfter Fakten, weitestgehend losgelöst von der Frage, wer das Produzierte denn nun liest.

  13. 13
    Ommelbommel says:

    Hab ich was Böses gesagt?

  14. 14
    pyrrhussieg says:

    Medien, die Menschen in ihren Entscheidungen prägen, sind mächtig. Wer kennt das nicht: Eine Reportage, die lange nachwirkt; ein Blogeintrag, der nachwütet; ein Buch, das das Leben umkrempelt.

    Das SZ-Magazin gehört wohl nicht in diese Reihe. Denn anders kann man nicht erklären, wie man ein ganzes Magazin mit Selbstreflexion füllt, ohne dabei zu einem anderen Handeln (im Netz) beflügelt zu werden. Da brauchts schon sehr starre Strukturen… und Menschen, die lieber gutmütig lamentieren.

  15. 15
    Tellerrand says:

    Clemens Fritz ist soeben mit dem Ball unbedrängt ins Aus gelaufen…

    In Momenten resignativer Stimmung, hätte ich in diese Aktion wohl eine Metapher für den Journalismus gesehen.

  16. 16
    Sebastian S. says:

    Wer hanebüchen mit h schreibt ist nämlich.

  17. 17
    polyphem says:

    „Dat is haneböiken“ sagt man auf westfälisch platt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Haneb%C3%BCchen

  18. 18
    Jeeves says:

    @11 „Solche Betrachtungen von „außen” sind doch oft genug interessant und lehrreich.“
    Stimmt! …wenn der Beobachter das kennt, was er betrachtet und dann preist oder verdammt. Der nette Engländer aus New York bestätigt aber: er kennt’s nicht so genau, sein Spezialgebiet sind eigentlich volkswirtschaftliche Blogs (…und Themen, nehm‘ ich mal an).
    Dass dieser englische New Yorker genug Deutsch versteht, davon geh‘ ich mal aus, sonst wär’s ja ganz blöde.

  19. 20
    Stefan Niggemeier says:

    @Ommelbommel: Hing im Spamfilter fest. Sorry.

  20. 21
    vader says:

    Es heisst „die Blog“, so, wie es anderswo „die Borg“ heisst.

    … wollte auch mal was sagen.

  21. 22
    *fish says:

    Vielleicht sollten sich Journalisten mit der Person Spider Jerusalem auseinandersetzen und sich einen Darm-Desruptor zulegen.

  22. 23
    Nashwin says:

    @critic:
    Ich halte Ihren kurzen Beitrag für einen der treffendsten zu dieser Debatte hier.
    Bezeichnend und wenig überraschend, dass sich die erste Reaktion darauf auf irgendwelche angeblichen Grammatikfehler bezogen hat – die Niggemeier Schule hat bestens gewirkt…

  23. 24
    Jojo ohne Blog says:

    Ich sage so lange „der Blog“, wie EDV-Menschen „der Virus“ sagen.

  24. 25
  25. 26
    Horst says:

    Wenn dieses Egomanen-Geschwafel etwas mit der Zukunft des Journalismus zu tun haben sollte, dann: Gute Nacht. Früher laberten sich diese Leute den Knopf an die eigene Backe, heute gehen sie alle online.

  26. 27
    arahf says:

    „die Mofa“ ist mir aber noch nie untergekommen..?!

  27. 28
    vader says:

    > K e i n einziger Blog beeinflusst die Politik.

    Keine _einzige_ Zeitung beeinflusst die Politik.

    > K e i n einziger Blog beeinflusst die Politik.

    Andererseits: Wie war das gerade mit der Gegenbewegung gegen die „Internetsperren“ der Frau von der Leyen?

    > Wenn dieses Egomanen-Geschwafel etwas mit der Zukunft des Journalismus zu
    > tun haben sollte, dann: Gute Nacht. Früher laberten sich diese Leute den Knopf
    > an die eigene Backe, heute gehen sie alle online.

    Und auf wen (oder was) bezieht sich DAS jetzt? Haben Sie ein generelles Problem damit, dass sich Leute äussern und Sie nichts verstehen? „Wenn doch alle still wären…“. Tipp: Computer abschalten, dann müssen Sie das ganze „Online“-„Gelaber“ nicht lesen. Das Sie ja dann wohl ein eher non-verbaler Typ sind, wird man Sie als Leser auch nicht vermissen.

  28. 29
    Patrick says:

    Ich wäre sehr begeistert, wenn die Betroffenen in Zukunft wieder vor der Veröffentlichung die Gelegenheit zur Stellungnahme haben. Das war hier AFAIR mal Standard. Stattdessen wird hier in letzter Zeit nur noch über Sachverhalte und Personen geschrieben.
    Das ist IMHO ziemlich „Daten bei Wikipedia abschreiben“-mäßig.
    Klein wenig mehr Aufwand durch Nachfrage und sooo viel mehr Transparenz.

  29. 30
    nicht lustig says:

    Hat die SZ hier ihre Jubelperser geschickt?

  30. 31
    Don Commodore de Montegonzi says:

    „Jubelperser“ ist ein schönes Wort, finde ich.

    Ansonsten merkt man ja, dass die Diskussion sehr dogmatisch geführt wird.

    Was ich ja an dieser Debatte verwunderlich finde ist, warum sie so festgefahren ist. Statt dass sich Print, die ja aufm Absteigenden Ast sind, mal mit Bloggern richtig zusammensetzt und überlegt was man verändern könnte, schießen beide Seiten so lange aufeinander bis einer weint. Na ja, oder zumindest beleidigte Briefe verfasst.

  31. 32
    donquichotte says:

    @30, 31 Der Begriff „Jubelperser“ ist von kritischer Presse und Studis geprägt worden anläßlich der Tumulte beim Schah-Besuch in West-Berlin ’67 und bezeichnet jene persischen „Sicherheitsbeauftragten“, die auf die Studis mit „Dachlatten“ (kommt erst später, s. Holger Börner) einprügelten. Wer prügelt hier?? Und vor allem: Wer versteckt sich hier angeblich hinter der Maske von „empörten Bürgern“. Die 67/68-Szene war voll von Leuten, die genau wußten, was sie taten – und in Wirklichkeit zur Gegenseite gehörten. Es ist eine höchst hintersinnige Ironie der Geschichte, daß der Ohnesorg-Killer, Polizist Kurras, jetzt als jahrzehntelang treues Mitglied der SED und Stasi-IM enttarnt zu sein scheint. Merke: Auch Stalinisten hatten was gegen sog. „langhaarige Affen“, nicht nur die Springer-Presse. Also bitte Vorsicht mit der leichtfertigen Übernahme von Wörtern, die in ganz anderem Kontext stecken.

  32. 33
    Katzenblogger says:

    Zukunft des Journalismus, unter besonderer Berücksichtigung der politischen Berichterstattung.

    Tja. Großes Thema – aber das dafür zur Verfügung stehende Geld wird nun einmal kleiner.

    Umgekehrt, man sieht das recht leicht bei den Wahlkampagnen der Parteien, wächst die Relevanz von Internet-Medien. Blogs sind hiervon, zweifellos ein Teil – und (ich finde das überraschend) nicht einmal unwichtig, obwohl der Vergleich zwischen der deutschen Blogszene politischer Blogs mit der US-Szene – nunja – doch eher jämmerlich ausfällt.

    (mein eigenes politisches Blog inklusive)

    Diesen Befund sollte man jedoch nicht mit Irrelevanz verwechseln. Es ist nun einmal so, gerade beim jüngeren Publikum, dass „social media“ auch für den Bereich der politischen Informierung/Meinungsbildung Gewicht hat – und dieses Gewicht nimmt zu.

    Vielleicht geht Freitag einen Weg, der – trotz der Unwuchten dort und trotz des damit verbundenen Aufwands – am ehesten das darstellt, was unter „Zukunft des Journalismus“ verstanden werden könnte. Dort, wo „social media“ eng und vor allem lebendig ans Blatt gebunden wird und Qualität bietet (weitere Beispiele: Knüwer, FAZ-Blogs), da wird es modern – und m. E. auch zukunftsfähig.

    Ob aber alles, was im Moment in der schnell vergänglichen Welt des Internets als modern gilt, sich für die Zukunftsfähigkeit von Zeitungen und Zeitschriften eignet, oder – nochmal anders – für die Zukunft des Journalismus, das kann man durchaus bezweifeln.

    Eine Frage lautet also, was von den „modernen“ Erscheinungen des Internets auch für die Zukunft Wert hat – sowie für die Zukunft des Journalismus. Blogs, als Ausschnitt von Social Media, zähle ich dazu. Zu dieser Ansicht gehört sehr wenig – ein Blick in die USA darf als Vergewisserung dienen.

    Wer hier mit offenen Augen hinschaut, wird die typischerweise hochätzenden Töne aus dem deutschen Fäuleton – ggüber der deutschen Bloggerszene – kaum anders als einen Sterbensgesang ehemals Etablierter werten können.

    Das bedeutet leider nicht (m. E. sogar garnicht), dass Social-Media-Formate (inkl. Blogs) die bald Versterbenden gut ersetzen können. Mit ihrer Interaktivität und Direktheit bieten sie aber echte Vorzüge, zumal verglichen mit dem ungerechtfertigten Bildungsdünkel, mit dem aus den Verlagshäusern heraus fast alles schlecht gemacht wird, was sie mangels eigener geistiger Beweglichkeit zu missverstehen suchen.

    Besonders den Verlagshäusern gewidmet.
    Ihr Katzenblogger

  33. 34
    Linus says:

    @32

    Der Begriff ist als Bezeichnung für einen „bestellten Claqueur“ auch in die deutsche Umgangssprache eingegangen. Sagt die Wikipedia. Hatte ich auch so im Gedächtnis. Passt also in diesem Fall.

  34. 35
    donquichotte says:

    @34 Die deutsche Umgangssprache ist so eine Sache – darunter versteht jeder etwas anderes. Aber immerhin geht aus Wiki deutlich hervor, wie sehr „umgangssprachlich“ der Begriff „Jubelperser“ verniedlicht worden ist – einem solchen Zynismus kann und will ich mich nicht anschließen.

  35. 36
    Linus says:

    @35

    Ich kann da beim besten Willen keine Verniedlichung erkennen. Liegt der Zynismus nicht eher darin, bestellte Claqueure irgendwo hin zu schicken, als in der Umgangssprache?

  36. 37
    hobelmann says:

    Brückentagblogeintrag.

  37. 38
    Ommelbommel says:

    @ *fish 22: Das Original ist zum Teil noch besser, aber generell kann ich auch nur empfehlen, sich damit auseinander zu setzen, allein, weil es sehr gute Unterhaltung ist.

  38. 39
    Horst says:

    Auf wen sich das bezieht, fragen ausgerechnet Sie, hochverehrte/r „vader“? Natürlich auf Leute wie Sie. Ganz genau auf Sie!

  39. 40
    vader says:

    „Auf wen sich das bezieht, fragen ausgerechnet Sie, hochverehrte/r „vader”? Natürlich auf Leute wie Sie. Ganz genau auf Sie!“

    Aha. Dann, bezieht sich das also auf die Kommentare. Danke für die Aufklärung, ihr ursprünglicher Beitrag konnte in dieser Hinsicht ja keine Klarheit transportieren :-).

    Sie sind übrigens wirklich Horst durch und durch? Praktisch. Da kann ich mir jede weitere Ausführung sparen.

    Mit freundlichem Gruss in Ihre kleine Welt – Vader.

  40. 41
    Horst says:

    Ein unverzichtbares Kriterium für den hier so heiß diskutierten Qualitätsjournalismus – ob Print oder Online – ist die gesellschaftliche Relevanz. Da ist dem Ober-Investigativen, Hans Leyendecker, unbedingt zuzustimmen.

    Einfach nur unverschämt und ätzend, unhöflich und überheblich sind ja viele. Doch manche sind auch vollständig irrelevant.

    Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Vadertag, Erleuchteter.

    Mal wieder voll durchgeknallt, oder?

    Horst

  41. 42
    vader says:

    > Einfach nur unverschämt und ätzend, unhöflich und überheblich sind ja viele.

    Stimmt. Da können Sie also für sich kein Alleinstellungsmerkmal daraus machen.

    Die Relevanz des Restes Ihrer so überaus luziden Ausführungen erschließt sich mir nicht so recht: Warum reden Sie über Qualitätsjounalismus, wo Sie sich doch mehr an den Kommentaren hier reiben wollten? Kommentare sind doch kein Journalismus. Für Sie alten Hasen: Das sind mehr wie „Leserbriefe“. Und „Leser“, das sind die Einheiten hinter den Zahlen mit denen denen Sie den Anzeigenpreis begründen, Sie erinnern sich?

    > Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Vadertag, Erleuchteter.
    > Mal wieder voll durchgeknallt, oder?

    „Apology accepted.“ – Ihr Vader.

  42. 43
    Moritz says:

    Meine Güte, wie lange wollen wir uns denn eigentlich noch alle an der falschen Autoren-Etikettierung im SZ-Magazin abarbeiten? Oder geht es darum gar nicht mehr, sondern schon längst wieder ganz allgemein um die bösen, irrelevanten, zum Sterben verurteilten Printmedien bzw. die überflüssigen, inhaltsleeren und kindischen Blogger? Ich kann’s nicht mehr hören – und lesen will ich es auch nicht mehr.

  43. 44
    Lupe, der Satire-Blog says:

    amüsant: 3 total verschiedene diskussionsstränge in einer kommentarspalte.
    .
    1. die gräben zwischen online- und printjournalismus
    2. heisst es „der“ oder „das“ blog?
    3. „dart vader“ und „der horst“, die sich aneinander aufreiben,
    .
    zu punkt 1: nehmt doch alle die kritik an und um blogs nicht so ernst.
    zu punkt 2: beides ist gemäss rechtschreiberegeln möglich. „der“ gefällt mir besser.
    zu punkt 3: (bier holen, zurücklehn, füsse hochlagern) macht unbedingt sofort weiter so. schlage sogar einen neuen blog vor: „Horst vs. Vader“. nähme ich sofort in den blogroll auf.

  44. 45
    vader says:

    > 2. heisst es „der” oder „das” blog?

    Nochmal: Es heisst „die Blog“, wie in „Wir sind die Blog, Widerstand ist zwecklos. Sie werden assimiliert.“. Womit auch der Zusammenhang zu 1. wieder deutlich wird.

    > 3. „dart vader” und „der horst”, die sich aneinander aufreiben,

    Ich weiss auch nicht, warum er sich meine Wade ausgesucht hat :-0, vielleicht hält er mich für „relevant“.

    :-P

  45. 46
    Moritz says:

    Guter Trick von mir, eigentlich. Zum Nachmachen:

    1. Blogeintrag viel zu spät lesen (wegen Feiertag).
    2. „Schluss jetzt!“ posten, nachdem alle anderen sowieso längst fertig sind.
    3. Freuen, dass sich alle dran halten.

    Na bitte. Geht doch.

  46. 47
    vader says:

    > Na bitte. Geht doch.

    Nix da. Jetzt schon mal aus Prinzip.

    > Ich kann’s nicht mehr hören – und lesen will ich es auch nicht mehr.

    Das schöne am Internet und an gedruckten Texten ist ja, dass man sie nicht lesen muss.

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