Wollt ihr den totalen Widerspruch?

Auf den Seiten der FAZ findet gerade eine heftige Debatte statt über die sogenannten „Klima-Skeptiker“, die die vorherrschende Meinung zum Klimawandel und seine Ursachen anzweifeln. Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf hat ihnen und den Medien „Desinformation“ vorgeworfen, und jetzt antworten die von ihm angegriffenen Christian Bartsch, Günter Ederer, Matthias Horx, Wolf Lotter, Dirk Maxeiner, Josef Reichholf und Wolfram Weimer. In einem gemeinsamen Beitrag.

Wolf Lotter schreibt für die Zeitschrift „Brand Eins“, die ich schätze, auch wenn ich ihre Meinung nicht immer teile. Ich hätte mir gewünscht, dass ein „Brand Eins“-Autor sich nicht einfach so vereinnahmen ließe. Und vor allem, dass er seinen Namen schon aus sprachlichen Gründen nicht unter einen solchen Text setzte.

Ich bin kein Klimaexperte. Aber ich glaube, dass die Sprache eines Textes viel verrät. Und dass es kein gutes Zeichen ist, wenn ein Text überquillt vor Absolutheiten und Beschwörungs- und Beteuerungsformeln. Der erste Absatz der Erwiderung von Bartsch-Ederer-Horx-Lotter-Maxeiner-Reichholf-Weimer beginnt so:

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf ist ein sehr erfolgreicher Mann. Sein Sieg auf allen Kanälen der öffentlichen Meinungsbildung ist total. In allen Talkshows trat er schon auf, in Radio, Funk und Fernsehen ist er omnipräsent.

(Hervorhebungen von mir.)

Ich bin kein Klimaexperte. Aber ich misstraue jedem, der so formuliert.

Wie grobschlächtig muss man mit Sprache hantieren, um zu behaupten, der Sieg Rahmstorfs „auf allen Kanälen der öffentlichen Meinungsbildung“ sei „total“? Das kann er schon deshalb nicht sein, weil dieser Satz Teil eines langen Textes ist, der in einer der wichtigsten deutschen Zeitungen veröffentlicht wird. Und weil mehrere Absender für Medien arbeiten, in denen sie die Thesen publizieren konnten, an denen sich Rahmstorf stört.

Die Autoren nehmen es offenbar nicht so genau, und versuchen das durch das Aufdrehen des Lautstärkereglers zu überdecken.

Jedes Wort hat sicherheitshalber, als traue man den eigenen Argumenten nicht, eine Verstärkung bekommen; es wimmelt vor Pleonasmen. Es geht nicht nur um eine „Mission“, sondern um eine „heilige Mission“; die „Verschwörung“ ist eine „finstere Verschwörung“; Andersdenkende werden nicht nur verfolgt, sondern „fanatisch“ verfolgt, und die Autoren sind keine Publizisten, keine Bürger, nicht einmal „normale Bürger“, sondern „ganz normale Bürger“.

Und sie verzichten nicht darauf, in die große Nazi-Kiste zu greifen, und werfen Rahmstorf vor, den „Endsieg“ in der Klimadebatte zu wollen.

Ich bin kein Klimaexperte. Aber ein paar Behauptungen im ersten Absatz kann ich überprüfen, und sie sind falsch. Warum soll ich den Behauptungen glauben, die ich nicht nicht überprüfen kann, noch dazu, wenn sie so übersteuert klingen?