Geht sterben (7)

Es hat etwas merkwürdig Irreales, von einer Veranstaltung zurückzukehren, auf der Journalisten zwei Tage lang über Qualitätsjournalismus geredet haben, über die Notwendigkeit, eigene Geschichten zu erzählen, unverwechselbar zu sein und Fakten zu überprüfen, über die Gefahren, einfach irgendwelche Meldungen zu übernehmen oder irgendwelchen Bloggern zu trauen, über die Möglichkeiten, im Internet Geld zu verdienen und die eigene unverzichtbare Aufgabe notfalls von Stiftungen oder dem Staat finanzieren zu lassen…

…und dann mit der real existierenden journalistischen Qualität und Vielfalt der professionellen Online-Medien konfrontiert zu werden:












Ist es nicht beeindruckend, in welchem Maße vermeintliche Qualitätsmedien bereit sind, ihre ebenso vermeintlich guten Namen über Inhalte zu setzen, über die vor der Veröffentlichung kein Mitarbeiter von ihnen auch nur eine Zehntelsekunde drübergeschaut hat? Und ist es nicht beeindruckend, in welchem Maße vermeintliche Qualitätsmedien glauben, es sei eine gute Idee, ihre Online-Angebote automatisch generiert mit exakt den Inhalten zu füllen, die wortgleich, fehlergleich überall, überall, überall sonst stehen?

[via „Medium Magazin“]

Nachtrag, 9. Juni. Nach 36 Stunden sind die „Westfälischen Nachrichten“ die einzigen, die es geschafft haben, den falschen Text einfach durch die richtige dpa-Meldung zu ersetzen. Die Online-Ableger von „Stern“, „Zeit“ und „Berliner Zeitung“ halten weiter an Beyoncé fest.

151 Replies to “Geht sterben (7)”

  1. Beyonce singt besser als der Frank, was auch für den Steinmeier gilt! Der hat ja nun wohl auch fertig!

  2. Das ist schon beeindruckend. Es wird ja nun auch nicht jeder Text von der dpa automatisch eingestellt, also muss sich doch jemand vorher das angeguckt haben.

  3. So ‚was passiert, wenn alle die nicht ausgetestete Beta-Version vom neuen Schlagzeilomat einsetzen. Man muss es positiv sehen: Immerhin benutzen alle die stabile Version des Kopieromat.

  4. Bei einigen dieser Artikel steht ja eine Uhrzeit dabei, kurz vor 14 Uhr. Nun ist es fast 23 Uhr, ich habe den Großteil der Links ausprobiert, jeweils war der falsche Artikel nach fast neun Stunden noch online. Das bedeutet ja nicht nur, dass vor dem Veröffentlichen kein Schwein den Text durchliest, später anscheinend auch nicht mehr.

  5. Nee, ernsthaft jetzt: man fragt sich bei den Online-Auftritten so mancher Hochglanzpostille wirklich, wer von denen wirklich das eigene Werk noch in Augenschein nimmt.

  6. Bei der SZ ist wenigstens noch ersichtlich, dass sie hier einfach den DPA-Ticker hineinlaufen lassen. Die anderen Angebote, bei denen die Artikel dagegen immer noch regulär über die Rubriken abrufbar sind, sind dagegen schon hochnotpeinlich. Wollte stern.de nicht mal Deutschlands führendes Online-Nachrichtenmagazin werden. Ok, von Deutschlands bestem oder glaubwürdigsten haben sie nicht gesprochen.

  7. NEU! Service als Journalismus: „Wetter“ jetzt auch unter „Börse“, „Panorama“ unter „Politik“.
    An „Journalismus“ unter „Redaktioneller Inhalt“ arbeiten wir noch.

  8. Liebe Zeitungs-Online-Redakteure,

    der eine oder andere von Euch wird ja hier mitlesen. Könntet Ihr mal Stellung nehmen? Gerne auch pseudonym, aber bitte sachlich und substanziell.

  9. Vermutlich morgen dann bei „RP Online“:

    Steve Shill verfilmt die Verleihung des Ludwig-Börne-Preises mit Beyoncé als Frank Schirrmacher

  10. Die Westfälischen Nachrichten packen das Problem an. Der Artikel hinter dem Link ist nicht mehr verfügbar – das sind Lösungen, wie sie vom deutschen Qualitätsjournalismus zu erwarten sind. Über die Suche lässt sich der fehlerhafte Artikel natürlich trotzdem munter aufrufen… aber wer versteht schon so ein doofes CMS.

  11. arbeitsplatzsicherung durch arbeitsplatzvernichtung. qualität durch monokultur. und beyoncé hat sich im april mit ihrem neuen film.

    .~.

  12. Qualitätsjournalismus: Einer diktiert und Alle schreiben ab.
    … Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet … Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt aber innerlich sind wir stehen geblieben … Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns … Ihr seid viel zu schade für diese verirrten Subjekte, diese Maschinenmenschen, mit Maschinenköpfen und Maschinenherzen …
    Quelle: Der große Diktator, Schlussrede (1940)

    Qualitätsjournalismus:
    Gleiche Arbeit – Gleicher Lohn?
    oder
    Einer arbeitet – Viele verdienen

  13. Das war ein Test von den Veranstaltern. Wir diskutieren und stilisieren uns jetzt erstmal alle zu Ikonen und Besserjournalisten und lassen dann den Roboter Agenturmeldungen ungeprüft veröffentlichen.
    Aber ist nicht unsere ganze Welt inzwischen so? Mehr Schein als Sein, Potemkinsche Dörfer, Fassade mit nichts dahinter, große Fresse, keine Eier. Die Rendite muss stimmen, der Shareholder muss befriedigt werden, notfalls oral. Jeder versucht sein Schäflein heute noch ins trockne zu bringen, wer weiß ob’s morgen noch welche gibt. Heute für den gewinn von heute, was morgen ist juckt nicht, da sind andere am Abzug, und ich mit der Beute hinterm Ofen.

  14. Hi,

    “ geht sterben „.
    Genau!
    Man weiss bald nicht mehr wo man gerpüfte Informationen bekommt.
    Selbst der Deutschlandfunk bringt abends Meldungen, die am Morgen aufgezeichnet wurden und am Abend obsolet sind.
    Nicht mal der Moderator hält es für nötig etwas dazu zu sagen.

  15. Hahaha (wenn es nicht so traurig wäre), Montag, 08.06.09, 12:04, die Hamburger Morgenpost ignoriert das völlig. Gerade im Archiv gesucht und wie beschrieben gefunden….. wahrscheinlich interessierts einfach keine Sau mehr, viellleicht sind die Medien wirklich nur so gut wie Ihre Konsumenten…….

  16. @Peter Hammer: Ich nehme gerne Stellung. Die ganze Sache sieht doch so aus: Irgendwann hat einer angefangen, die Meldungen direkt aus dem Ticker auf die Startseite durchzulutschen. Und was denken Sie, wie das Ergebnis ausgesehen hat? Für wie groß halten Sie die Chance, dass eine gut geschriebene und nachrecherchierte Geschichte um 18 Uhr noch gelesen wird, wenn die Konkurrenz sie um 10 Uhr online hatte?

    Und ich äußere mich zu noch einem Fakt. Selbst wenn Redakteure an den Texten sitzen, bleibt ihnen genau aus dem beschriebenen Grund kaum noch Zeit, mehr als einen netten Lead und einige Notizen anzufügen. Das gilt vom Stern über den Spiegel bis hin zur kleinsten Regionalzeitung. Warum das nicht auffällt? Weil neben den aktuellen Nachrichten immer noch ein Teil der Teams echte Geschichten macht.

    Bin ich glücklich darüber: Nein. Kann ich etwas ändern: Nein.

  17. @onliner
    ach so, wer zuerst kommt mahlt zuerst und wer später veröffentlicht kann es auch bleiben lassen?
    Es soll ja Menschen geben, die nicht alle 10 Sekunden nach den neuesten Meldungen suchen, die vielleicht nur ein oder zwei Mal bei „ihrem“ bevorzugtem Online Medium vorbeisurfen

  18. Es ist wie überall Zur zeit: Man will gar nix verändern, man macht gerne genau so weiter wie bisher. Warum sollte die Journalisten, ausgerechnet die Journalisten, da eine Ausnahme bilden, bitteschön????

    @Onliner: Love it, leave or change it…. (ja ich weiß, aber auch wenn man Familie und Verpflichtungen hat, kann man sich das dann doch leisten, nicht?).

  19. Interessant finde ich da aber schon, dass viele Zeitungen die Quelle komplett verschwiegen haben.
    Wenn man schon so tollen „Qualitätsjournalismus“ macht, könnte man da nicht wenigstens die ungeprüft übernommenen Agenturmeldungen (deutlicher) kennzeichnen? So ein „erster Schnellschuss“ ist ja in Online-Medien imho durchaus legitim. Aber er muss als solcher zu erkennen sein. (Und warum verstecken so viele „Qualitätsmedien“ die Eigenleistung so verschämt hinter zig dpa-Panorama-Meldungen?)
    Ganz zu schweigen von den Agenturmeldungen und Konkurrenzartikeln, die von manchen „Qualitäts“-Medien grammatikalisch und optisch überarbeitet wie ein eigenes Werk präsentiert werden…

  20. Also von dem Cameo-Auftritt von Frank Schirrmacher in dem Film steht da ja garnichts!

    ;D

  21. @Onliner: Ganz vergessen: Hier geht es nicht einmal darum, dem Ticker eine „gut geschriebene und nachrecherchierte“ eigene Geschichte entgegenzusetzen. Hier geht es geht darum, ob wenigstens noch ein Mitarbeiter lange genug auf die Meldung guckt, um zu merken, dass ihr Inhalt nicht zur Überschrift und zum Foto passt. Wie lange würde das dauern? Eine Sekunde? Drei? Die haben Sie nicht? Das ist nicht vorgesehen?

    Dann bleibe ich bei meiner Überschrift.

  22. @38, onliner

    Sie meinen also für den Konsumenten sind die automatisch veröffentlichte, ungeprüfte Agenturmeldung (Fehlerquote X%, Neuigkeitswert niedrig, Eigenleistung 0%) und die redaktionelle Meldung (tragen Sie die Werte ihres Arbeitgebers selber ein) gleichwertig?
    Kann sein dass es solche Konsumenten gibt. Wenn man mich dazu zählt reagiere ich allerdings mit Konsumverweigerung und suche mir meine Nachrichten in Zukunft woanders. Damit bin ich nicht ganz alleine, wenn ich mich hier so umschaue.
    Danke trotzdem für die Nachricht aus dem Inneren der Maschine und evtl. eine echte Diskussion.

    Grüße vom ork

  23. @ Andreas (No. 37) Immerhin in der Printausgabe ist es richtig dargestellt, wenn auch etwas kürzer. Und, nicht ganz zum Thema, aber als „Verteidigung“ der Mopo ganz sinnig: Auf der vorletzten Seite wurde heute der Sachverhalt des Absturzes der Air France-Maschine vor Brasilien zumindest dergestalt richtig wiedergegeben, dass drei Geschwindigkeitsmesser drei verschiedene Werte produzierten, und sich deshalb der Autopilot abstellte, und nicht, dass der Jett zu schnell, zu langsam, oder andere Geschwindigkeitsprobleme hatte. Wenn es überhaupt ein Boulevardmedium gibt, dass zumindest im Printbereich einigermaßen seriös versucht zu arbeiten, dann die Hamburger Morgenpost. Da erkennt man ein Bemühen, auch wenn dort immer wieder mal Fehler passieren.

  24. Ich bitte darum, bei Jett doch wenigstens ein ‚t‘ zu entfernen. Sonstige Rechtschreibfehler sind toll, und bleiben!

  25. @Peter Hammer: Schön dokumentiert wurde hier die Situation vieler Onlineabteilungen deutscher Tageszeitungen. Qualitätsjournalismus kann da kaum stattfinden, weil Internet einer Zeitung häufig immer noch als 5. Rad am Wagen betrachtet wird. So entstehen Klickmaschinen, die Banner möglichst über TKP abrechnen. Doch dieses Geld reicht nicht, um Qualität zu finanzieren. Leider.
    Wenn auf Konferenzen über Qualitätsjournalismus gesprochen wird, dann ist das in der Regel gedruckter Jouralismus. Hierfür geben die Nutzer (noch) Geld aus. You get what you pay for. Und da im Internet die Zahlungsbereitschaft für redaktionelle Inhalte nicht so stark ausgeprägt ist :-) gibt es eben das Einheitsfutter aus dem automatischen Feed der Nachrichtenagentur.
    Das erzeugt bei MaerkischeAllgemeine.de ein Grundrauschen, das die Online-Abteilung um tagesaktuelle Inhalte aus der Region ergänzt. Und genau die werden von den Nutzern auch vorwiegend wahrgenommen. Den Qualitätsjournalismus bezieht die Online-Abteilung aus den recherchierten exklusiven Stücken, die ihr von den Printredaktionen zur Verfügung gestellt werden.

  26. Das bestätigt doch die These der „Qualitätsmedien“, daß online-Journalismus nichts taugt: schlampig recherchiert, sowieso alles kritiklos irgendwo abgeschrieben, keiner liest es gegen.
    Die online-Angebote der „Qualitätsmedien“ sind also Teil einer groß angelegten Verschwörungskampagne.

  27. Hallo Herr Niggemeier,
    wie werden sie eigentlich bei solchen Journalistentagungen von anderen Journalisten behandelt? Werden sie geschnitten, werden sie „angemacht“, sagt man ihnen mal richtig die Meinung („Nestbeschmutzer“ usw.)?

  28. @Dennis:

    Wenn die betroffenen Zeitungen nicht selbst dazu Stellung nehmen, dann muss die meiner Meinung nach auch niemand anderer in Schutz nehmen (…und ich bin Hamburger… und ich lese dann und wann die Mopo).

    Es ist nunmal wie in der Volkswirtschaft: Wenn sich alle ein wenig mehr Mühe geben, so ungefähr 0,1 %, dann kann sich das Gesamtergebnis sehen lassen. Und mit alle meine ich nicht nur das produzierende Volk, sondern auch diejenigen, die wirtschaften und die Bedingungen fürs Wirtschaften schaffen… aber die klagen ja sowieso ständig…. und die sind dann auch diejenigen, die weitermachen wie bisher…. denn die sind eben sehr eng mit den Banken…. und achachach…..

    … und jetzt wirds beinahe schon verschwörungstheoretisch, deshalb PUNKT

  29. @ Andreas: Ich glaube nicht, dass der Fehler kurzfristig korrigiert werden wird (Sowohl bei der Morgenpost, als auch anderen Zeitungen), das Kulturressort ist halt nicht DER Kaufanreiz für den „normalen“ Zeitungslesenden, und mit einer Stellungnahme für einen solchen Lapsus rechne ich gar nicht. Dass ich die Mopo „in Schutz nehme“ resultiert einfach daraus, dass viele meiner Kollegen die Bild lesen, ich als einer der wenigen die Mopo (und die taz), und sich bspw. gerade im Lokalteil die selben Ereignisse mit völlig unterschiedlichem Sachverhalt finden lassen – und dreimal dürfen sie raten, welche Zeitung da größeren Unfug verbreitet ;-) Und bei der Mopo gibt man sich ein wenig mehr Mühe.

  30. Die fehlerhafte dpa-Meldung ist jetzt ca. 24h alt. Dieser Blogartikel über 16h.

    Aktuell stehen 10 der 13 verlinkten Artikel noch immer fehlerhaft online, lediglich die Neue Osnabrücker Zeitung, die Rhein-Neckar-Zeitung und die Nord-West-Zeitung lassen den Link – kommentarlos – ins Leere laufen.

  31. Das hat in so fern gar nicht surreal mit Qualitätsjournalismus zu tun, als es wieder einmal keiner ist. Allenthalben wird beim Sparen lieber auf eigene Leute, als auf teure, der Einfachheit halber, und weil’s schon immer so war, mit dem eigenen Hause fest verwachsene Lieferanten verzichtet – und dann kochen die auch nur mit Wasser. Dumm gelaufen – und mehrfaches Pech für den Leser (der als Kunde einer potenziellen Qualitätsdienstleistung offenbar nicht ernst genug genommen wird). „Geht sterben“ trifft es schon recht gut. Dem gegenüber steht der einzig angemessene Ausruf des Lesers: „Bloß schnell weg hier!“ Der Journalismus braucht dringend eine Qualitätsoffensive statt immer mehr Beliebigkeit schaffende Webfeedautomatik nach dem Motto: Wird schon gutgehen, merkt ja keiner.

  32. Qualitätsjournalismus, my arse!…

    Falls sich noch irgend Jemand fragen sollte, warum ich meine Zeit nicht gerne mit dem Lesen bzw. ansurfen der Onlineauftritte etablierter Medienerzeugnisse verplempere, so bekommt er hier bei Stefan Niggemeier eine wunderbare Begründung serviert.

  33. @Henrik Bortels

    Und da im Internet die Zahlungsbereitschaft für redaktionelle Inhalte nicht so stark ausgeprägt ist :-) gibt es eben das Einheitsfutter aus dem automatischen Feed der Nachrichtenagentur.

    Das halte ich für ein Standard-Jammer-Argument.

    Ich bin der Meinung, dass der Konsument durchaus zahlen würde, wenn es vernünftige Preise und vernünftige Zahlungsmethoden gäbe. Aber scheinbar ist so gut wie niemand in der Lage soetwas dem Kunden zu offerieren.

    Ähnlich war es doch bei der Musik: Die Musikindustrie hat regelmäßig geklagt, dass sie durch Internettauschbörsen ruiniert wird und niemand mehr bereit ist für Musik zu zahlen. Dann kam Apple mit dem Itunes-Store und der Rubel rollt wieder.

  34. Unglaublich, einmal mehr. Und @ 3, Pyrrhussieg: Aus welchem Stück stammt das Zitat (von Heiner Müller)?

  35. @Hein (62): Die Musik ist ein viel zitiertes Beispiel, wie gut es doch (wieder) mit bezahlten Inhalten klappt. Doch höre ich mir persönlich einen Song wesentlich öfter an als ich mir einen Artikel immer wieder durchlese :-) Und was ist ein vernünftiger Preis für einen Artikel? Ein Abo im Internet (für exklusive Inhalte!) klingt da schon sinnvoller. Doch scheitert sowas bei vielen Regional- und Lokalzeitungen rasch an der Relevanzkontrolle: Was ist wirklich so relevant, dass Nutzer dafür im Internet Geld bezahlen… wenn sie es am kommenden Tag sowieso in der gedruckten Ausgabe lesen können?

  36. @Henrik Bortels

    Ok, zugegeben, der Vergleich hinkt etwas. :-)

    Bei dem Verkaufsmodell gäbe es ja verschiedene Varianten und ich bin auch unschlüssig, was nun die beste Variante wäre.
    Ich bin allerdings trotzdem der Meinung, dass sich auch im Online-Bereich vernünftig Geld verdienen ließe, wenn man auf die Kundenwünsche eingeht. Gerade auch im Hinblick auf die neuen e-Book-Reader.

  37. So was zeigt doch immer wieder, wie „ernst“ die Etablierten das Web und seine Leser nehmen… Und dieses blinde Klick-Klick-Übernehmen, das mir selber noch nie passiert ist, kenne ich in dem Maße ausschließlich aus dem Online-Bereich…traurig.

  38. Um auf den einen oder anderen Punkt zu antworten: Natürlich gibt es Leser, die nicht alle zehn Minuten vorbei kommen. Ein nicht unwesentlicher Anteil erwartet jedoch inzwischen nach einem Zweizeiler in den Radionachrichten heute einen geschriebenen Text vorzufinden. Seiten wie RTL.de verschicken Eilmeldungen als Newsletter. Im Klartext: eine 1:1 Kopie der Agentur an alle registrierten Nutzer. Solche Mails bekommen wir mit der Frage weitergeleitet, wieso die Meldung bei uns nicht zu finden ist. Ebenfalls von Interesse: Mit Klickzahlen lässt sich online fast alles messen. Und eines dieser Ergebnisse ist lautet: wenn die Meldung noch vor den nächsten Radionachrichten online ist, sind die Zugriffe höher. Das ist so. Und wie richtig festgehalten wurde lässt sich online nur so Geld verdienen.

    Was diese Ausführungen angeht, liegt Herr Niggemeier seiner Kritik selbstverständlich richtig. Besprochen werden hier eigentlich voll automatisierte Systeme, bei denen niemand mehr die Publikation überwacht. Aber genau dort geht die Entwicklung durch den unsäglichen Wettbewerb doch hin. Der Automat macht Fehler, aber ist schneller als die Menschen. Viel schneller. Die ganze Geschichte wäre doch mal ein interessantes Thema für die Forschung: Wie viel Zeit vergeht vom Erscheinen einer Meldung in den Nachrichtenagenturen bis zur Publikation in den ganz großen Online-Medien und in welchem Umfang werden diese von den Redakteuren noch bearbeitet. Ist ja nicht schwer. Meldung dpa/AFP/AP/Reuters Original vs. Meldung online. Vielleicht mache ich das sogar irgendwann selbst. Ich sollte mir nur vorher einen neuen Job suchen ;)

  39. Natürlich ist so ein Lapsus ärgerlich. Ich bin bloß immer wieder erstaunt über tiefsitzende Trauma der Net-Gemeinde, die sich mit Hingabe über jeden Druckfehler oder falschen Online-Auftritt hermacht, als müsste man irgendwas beweisen. Wer an sich und sen Medium glaubt, soll doch glücklich und zufrieden sein. Schließlich verplempern doch Zeitungen auch keinen Platz damit, all die endlosen Fehler aus dem Netz herauszusuchen und sich darüber lustig zu machen. Das ist doch ein albernes Hickhack.

  40. @drumhead: Hallo? Ununterbrochen verplempern Zeitungen in diesen Tagen Platz damit, den Bloggern und Amateurjournalisten zu erzählen, wie unfähig, dumm, unqualifiziert, unzuverlässig sie sind — und wie unverzichtbar ihre eigene journalistische Arbeit.

    Das ist nicht „so ein Lapsus“. Das ist ein Beispiel, das sehr anschaulich zeigt, dass das Geschäft vieler Online-Medien gar nicht Journalismus ist, sondern das ungeprüfte Durchleiten und Umdeklarieren fremder Inhalte.

  41. Zu diesem etwas verzerrten Blick auf die Berichterstattung von Zeitungen kann man nur kommen, wenn man sich vorzugsweise auf den Medienseiten rumtreibt. Außerdem kann man das doch mit einiger Gelassenheit wegstecken.
    Und ja: Bloggen hat mit Journalismus so viel zu tun, wie das Durchleiten von dpa-Meldungen. Mein Tagebuch zu Hause ist auch kein Journalismus. Wir hatten doch an anderer Stelle schon festgestellt, dass Qualität keine Frage des Vertriebsweges ist. Warum müssen wir denn diese dämliche Front immer wieder aufmachen!

  42. 70, SN:

    Den ersten Satz (nach „Hallo?“) kann ich nicht bestätigen. Ich sehe das nicht. Ich glaube auch mehr und mehr, Sie ziehen sich da einen Schuh an, den es nicht einmal virtuell gibt.

    Absatz 2 hingegen möchte ich unterstreichen. Das hängt aber damit zusammen, dass viele Häuser noch nicht so recht wissen, was sie online machen sollten – es gibt eigentlich noch kein vernünftiges Geschäftsmodell.

    Da über solche Online-Auftritte und deren Ausgestaltung vor allem die Betriebswirtschaftler entscheiden, sieht deren Rechnung halt so aus: wenig Einnahmen = wenig Ausgaben. Dass man sich damit selbst ins Knie schießt, verstehen leider die wenigsten.

  43. Die meisten Zeitungen haben seit Jahren einen Online-Auftritt und machen seit Jahren Miese damit. Das zeigt doch, dass sie sich der Notwendigkeit bewusst sind und es trotzdem durchziehen. Die Spiegel-Mitarbeiter KG hätte sowas längst eingestellt (wie weiland das Reportage-Magazin), weil ihnen der Tantiemen-Rock näher ist als die moderne Verlust-Hose. (das Bild ist definitiv kein Qualitätsjournalismus – sorry im voraus!)

  44. @drumhead: Welcher Notwendigkeit sind sich die Zeitungen bewusst? Der Notwendigkeit, den 7000. dpa-Feed online durchzuleiten?

    @treets: Haben Sie die letzten Wochen mal in eine beliebige Ausgabe der „Zeit“ geschaut? Oder das „SZ-Magazin“ neulich gelesen? Oder das FAZ-Stück von Frau Meckel?

  45. Haben wir den lieben Kollegen Niggemeier da bei einem soliden Minderwertigkeitskomplex erwischt? Ist das Internet durch das SZ-Magazin existenziell bedroht? Medien schreiben soviel Unsinn übereinander: Zeitungen über TV-Sendungen, Radio-Kritiken zu Online-Auftritten – warum müssen wir uns hier an der Net-Print-Grenze abarbeiten. Außerdem muss man doch auch mal ehrlich sagen, dass der breite, große Qualitätsjournalismus tatsächlich nicht genuin aus dem Netz kommt. Da bricht man sich ja nichts ab.

  46. @68 (onliner):

    was antworten sie denn auf solche emails, in denen die 1:1-übernahme der meldungen angemahnt wird?

    und könnte es vielleicht sein, dass pis eine messgröße sind, die den wert der publikation mittelfristig schmälern?

    und schließlich: ich hoffe, dass ihr job sicher ist. haben sie wirklich angst, oder gönnen sie sich einen sarkasmus, der eventuell die suche nach lösungen behindern könnte?

    .~.

  47. 75, Stefan:

    Das:

    „Haben Sie die letzten Wochen mal in eine beliebige Ausgabe der „Zeit” geschaut? Oder das „SZ-Magazin” neulich gelesen? Oder das FAZ-Stück von Frau Meckel?“

    ist doch nicht gleichbedeutend mit dem:

    „Ununterbrochen verplempern Zeitungen in diesen Tagen Platz damit…“

    Es gibt ein paar solcher Artikel, doch genauso gibt es doch Print-Beiträge, die all das differenzierter sehen.

    Darüber hinaus:
    Wenn Frau Meckel mal wieder seitenweise schwurbelt, muss man das doch nicht so ernst nehmen. Sie hat sich schon immer wohlfeil ausdrücken können, aber am Ende weiß man bei ihr doch oft nicht, was Madame uns eigentlich sagen wollte.
    Das gepflegte Meckelsche Sowohl-als-auch könnte fast rheinische Züge haben, wenn ihr nicht jeglicher Humor fehlen würde.

  48. Drumhead hat in so fern Recht, als es eine Qualitätsgrenze zwischen Print und Online nicht gibt: Arbeiten da und verantworten das Journalisten, gelten hier wie da eisern dieselben Maßstäbe. Deshalb ist es ja so zum Heulen, dass gedruckte Zeitungen oft unendlich abstrakt und leserfern gemacht werden und Onlinejournalismus diese Bezeichnung sehr oft nicht verdient. Nein, das Internet ist nicht besser – Sch…e lässt sich dort genau so bringen, wie man sie drucken kann. Dass Regionalverlage auch da, wo sie Kompetenz behaupten, an der Qualität der Berichterstattung sparen: im Lokalen und im Regionalen, das ist der eigentliche Skandal, nicht der Webfeed für irgendwelche Schirrmacher-und-Beyoncé-Almost-non-Issues.

    Das Problem wäre zu vernachlässigen, wenn irgendwo im Umfeld des Webfeeds wirklich über irgendetwas mit einem belastbaren, zukunftsfähigen Konzept anständig berichtet würde. Ich sehe aber fast überall nur Feigenblätter, die Feigenblätter bedecken, nirgends gute Zuschnitte und elegante Lösungen. Jedenfalls nicht in der Nähe.

    Norwegische Lokalblätter haben z.B. im Print oft keine überregionalen Mäntel – dafür hochqualitative, lebendige, äußerst starke Lokal- und Regionalteile und im Internet sehr aktive, gut geführte lokale Communities (mit eigenem Content). Und da, im Netz, aber sehr am Rande, haben sie auch nationale und internationale Nachrichten aus der Agenturautomatik. Es ist ja nicht nötig, sich mit etwas zu beschäftigen, was andere besser können und einen selbst nur vom Wesentlichen abhält… Aber das Wesentliche möchte schon erkannt und ernsthaft bearbeitet sein.

  49. Man könnte meinen, Google allgemein und Google News speziell sei bei den Verlegern der Buhmann, weil dadurch peinliches Versagen ans Licht kommt. :)

  50. Manchmal würde ich so gerne bei dpa arbeiten… in manchen Situationen muss das einfach alle wirren Allmachtsgelüste befriedigen ;)

  51. Naja, bei den „kleineren“ Seiten kann ich es ja eigentlich noch verstehen. Wenn so eine Online-Tocher vielleicht 1-2 Mio. Euro Umsatz im Jahr macht, mangelt es einfach an Personal. Bei Zeit und der Süddeutschen ist es allerdings nur peinlich.

  52. Sehr mutig die genannten Medien generell als „vermeintliche Qualitätsmedien“ abzukanzeln.
    Sehr schöner Rundumschlag.

    Ist schon ein wenig problematisch, wenn der Mißerfolg der anderen den eigenen Erfolg begründet, gell.

  53. Hartz hoch4 für Verleger…

    Don Alphonso hat recht, wie so oft, wenn er den Verlegern auf die Sprünge hilft: „Die korrigierte Resolution im Wortlaut“. Allein, das Problem gründet ein wenig früher, bei den Journalisten: „Die Freiheit der Presse beginnt im Kopfe des Journalis…

  54. Finde ich auch ganz schön:

    angeteasert auf SPON „WIR BRAUCHEN SUBSTANZ“
    Guttenberg über die Zukunft von Arcandor

    und auf der Folgeseite nur ein Satz…

    „Wirtschaftsminister Guttenberg fordert von den Eigentümern des Warenhaus-Konzerns Arcandor einen deutlich höheren Eigenbeitrag zur Rettung des Unternehmens.“

    Sieht so aus, als brauche auch die Online-Redaktion mehr Substanz, oder war das genauso gemeint??

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,629417,00.html

  55. @— Johannes: Das heisst Bionce (gefunden bei einem der wenigen Medien, denen ich noch Qualität zu traue: http://www.heise.de/newsticker/Sony-rechnet-wieder-mit-Jahresverlust–/meldung/137834)

    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen. Man was habne wir noch vor 2 Jahren über die gleich geschaltete Presse und George W. Bush gelacht. Und jetzt haben wir die und der Dubbeljuh ist gar nicht mehr da. Hmmm. Was nun?

    Die vierte Säule des Staats verkommt zu einer Lachnummer und dem einen Teil der Bevölkerung ist das egal (die liest eh nicht mehr) und die andere Hälfte merkt es nicht. Nur ein insignifikanter Teil merkt überhaupt noch was …

  56. bei diesen online-medien machen vermutlich häufig vier redakteure die arbeit von zehn, weil kaum geld in die online-ausgabe gesteckt wird.
    da läuft dann halt so einiges schief…

  57. Was da passiert ist scheint fast einer automatisierten Übernahme von Agenturmeldungen zu entsprechen, bei denen in das Websystem des jeweiligen Mediums nach kurzer Prüfung durch einen Sachbearbeiter (a.k.a. Journalist) – bspw. durch Ansicht des Nachrichtenheaders – die Agenturmeldung eingespielt worden ist.
    Oder hat jemand eine andere Erklärung? Oder gar keine Prüfung, sondern vollautomatische Übernahme der Agenturmeldung?

  58. bin student. bin onliner. angehängt an eine agentur füttern wir diverse news-plattformen mit eben diesen agentur-news. titel, untertitel, zwei bilder, kürzen, raus damit. mehr als 5 minuten kann man sich da kaum verweilen an einer meldung. da können fehler passieren.

    aber!

    entweder man merkt es selbst oder die kollegen merken es. und dann wird halt korrigiert. innerhalb minuten, höchstens wenigen stunden. auch wieder direkt.

    von daher find ich das jetzt schon ziemlich grob.

  59. 90:

    „Die vierte Säule des Staats verkommt zu einer Lachnummer…“

    Schön, dass es hier auch was zum Lachen gibt.
    Großer Sport.

    ;-)

  60. Jakob Augstein über Blogger, Auszug aus einem FR-Interview (http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/1791127_Interview-Das-Netz-hat-gewonnen.html):

    „Ich habe dort im Podium gesessen und die Leute gefragt: „Angenommen, ihr tragt bald das ganze Gewicht der vierten Gewalt, wenn jetzt die gesamte klassische Presse den Bach runter gehen sollte, wie von manchem prophezeit – seid ihr darauf vorbereitet? Habt ihr die Disziplin, habt ihr die Reife und die Professionalität dazu, könnt ihr das?“ Darauf bekomme ich keine befriedigende Antwort, weshalb ich denke: Oh Gott, bitte gib uns noch ein bisschen Zeit und lass die Zeitungen nicht so schnell sterben, weil sonst das Feld brach liegt. Wenn Don Alphonso und Sascha Lobo diejenigen sind, die diese Lücke in Zukunft ausfüllen sollen, dann kann ich nur sagen: Herzlichen Glückwunsch!“

  61. Die Online-Journalismus-Brut blamiert ihre Print-Elternhäuser. Tja, das kommt davon, wenn man seinen Nachwuchs jahrelang unbeaufsichtigt auf unbekanntem Terrain rumstreunen lässt. Dieser massenhafte Rufselbstmord des ‚Qualitätsjournalismus‘ hätte verhütet werden können. Wäre in Würde Aussterben (aber der Nachwelt in guter Erinnerung bleiben) nicht doch die bessere Alternative gewesen?

  62. Seid froh, dass die Leser nichts von den Produktionsbedingungen wissen. Die haben noch immer ziemlich viel Vetrauen in die Medien.

    Zuviel :-)

  63. @107:

    Dem durchschnittlichen Stern- oder Spiegel-Leser ist die Online-Ausgabe ziemlich wurscht. Gleiches gilt für viele Online-Ableger von Zeitungen. Die bringen den Verlagen so gut wie nichts ein und kosten nur. Deshalb werden sie auch nicht sehr gepflegt.

    Daraus nun eine Krise des Journalismus an und für sich abzuleiten, wie es hier ja einige tun, zeugt auch nicht gerade von einem weiten Horizont. Und Blogs wie dieser hier von Stefan Niggemeier sind ja sehr amüsant und unterhaltsam, aber erreichen doch nur eine verschwindend kleine Minderheit (was nicht gegen sie spricht).

    Von der Warte aus anderen Medien zuzurufen „Geht sterben“ ist schon kurios, wenn der durchschnittliche Blogbetreiber selbst Mühe hat, über die Runden zu kommen.

  64. @treets
    Den wollte ich immer schon mal kennenlernen, den durchschnittlichen Stern- oder Spiegel-Leser. Kennen Sie ihn? Können Sie mal einen Termin arrangieren?

  65. @109, polypherm:

    Den Spruch hatten wir als Jung-Redakteure vor 20 Jahren auch immer gerne drauf. Ist nach wie vor lustig, bringt aber in einer Diskussion nicht viel weiter.

    Energie!, möchte man da als Trekkie rufen.

    :-)

  66. Qualitätsjournalismus kann sich nicht dem gier-dynamischen Hase-Igel-Spiel ausliefern. Was mit dem Hase passiert ist bekannt.
    Da kann man beim Begründer eines scharfzüngigen politischen Feuilletons wie Ludwig Börne noch heute etwas lernen. Sensationsgeilheit und überstürzte Meldungen sind fehl am Platze. Ungeprüfte Übernahmen führen dann zu solchen Serienpannen, da jeder der schnellste Hase sein wollte.
    Gibt es da irgendwo Licht im Tunnel?

  67. hmmh, also zum Einwand, dass bei manchen Online-zeitungen die Quelle nicht angegeben wird: das gibt’s mittlerweile auch recht häufig bei Printausgaben. Entweder fehlt eine Angabe völlig (z.B. Schwarzwälder Bote), oder man ruft in der Agentur an, fragt nach, zu wem das Kürzel xy unter einer Meldung gehört und setzt dann „von unserer Mitarbeiterin xy“ darunter/darüber

  68. … „Geht sterben!“, meint Niggemeier, und tatsächlich wäre es kein Verlust, wenn all die 1:1-Klone von dpa aus dem Web verschwinden würden, die mit der namensgebenden Zeitung nur die „Marke“ gemein haben – was insofern immanenter Widersinn ist, als eine Medienmarke (wie jede Marke) für etwas Unverwechselbares, nicht Austauschbares steht. Ein Zeitungsverlag, der mit vorkonfektioniertem Material online geht, schafft nun einmal keinerlei Mehrwert und lässt es deshalb besser ganz bleiben. …

  69. Nun, wahrscheinlich liegt es am eintönigen Essen in der Redaktionskantine…jeder isst copy pasta ;)

  70. @treets: Doch doch. Mein Joke könnte die Diskussion weiterbringen. Aber wenn Sie seit 20 Jahren glauben, dieser Spruch sein nur ein Witz, dann haben sie wohl die weitergehenden Möglichkeiten von Ironie und Satire nicht verstanden. Wenn Sie jedoch auch in der Zukunft für „Durchschnittsleser“ und nicht für die Vielfalt von Medienkonsumenten produzieren wollen, dann müssen Sie das vielleicht auch nicht. Dann weiterhin guten Appetit mit „Einheitsfutter aus dem Nachrichtenfeeder“. (Zitat Henrik Bortels s.o.)

  71. werte(r) polyphem,

    Sie haben da etwas, so scheint es, überlesen. Ich unterscheide zwischen etablierten Medien, großen Illustrierten und Zeitungen und deren Online-Auftritten. Dass die Online-Ausgaben sich auf Dauer selbst beerdigen, wenn sie weiterhin so schlecht gepflegt werden, wäre gut möglich.

    Aber deswegen nun, wie einige es hier tun, den Illustrierten und Zeitungen einen baldigen Tod zu bescheinigen, halte ich für ein kleines bißchen übertrieben.

    By the way:

    „dann haben sie wohl die weitergehenden Möglichkeiten von Ironie und Satire nicht verstanden“

    Glaube ich zwar nicht, dass dem so ist. Aber ich gebe zu, dass ich ihren Joke als nicht sonderlich originell bezeichnet habe. Meinen Sie, dass ein Witz nach zig Jahren noch Durchschlagskraft besitzt? Ich bin gespannt.

  72. @treets

    Ob ich das „Humorprodukt“ (Gag, Witz, Joke?) neu erfunden hatte, oder ob ich die Zeilen schon mal vor 30 oder vielen Jahren gehört habe, kann ich nicht ausreichend sicher beantworten. Ich dachte, es sei neu; aber wir schöpfen ja auch aus Erinnerungen, die uns nicht (mehr) bewusst sind.

    Als alter Anekdotenonkel (m). der auch schon nicht mehr gut sieht, erlebe ich jedoch durch den (erfreulichen) Umgang mit meinen Kindern und Enkeln und mit deren Freunden und Bekannten den radikalen und rapiden Wandel im Mediengebrauch.

    Und (nicht nur) dadurch bin ich der Meinung, das „Sterben“ (sic!) vieler Holzmedien liegt nicht nur an reduzierten Werbeeinnahmen aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise, sondern auch an rückläufigen Auflagen. Dieser Auflagenschwund mag zwar teilweise auch wieder durch wirtschaftliche Situation der Leser beeinflusst werden, ist aber hauptsächlich durch den Wechsel zu online begründet.

    Zusätzlich beschleunigen i-phone und ähnliche Produkte mit ihren Möglichkeiten den Trend. Das kann man zwar überall lesen, aber es stimmt wohl trotzdem, denn es wurde mir auch schon (ungefragt) von Kids und jüngeren Geschäftspartnern davon erzählt. Jetzt brauche ich nur noch eine Brille oder Lupe, mit der ich die kleinen Dinger lesen und bedienen kann und ich werde auch diese Technik nutzen.

  73. Die mir vorliegenden Untersuchungen sagen, dass zumindest bei den Deutschen ganze neun Prozent ihre Informationen aus dem Netz holen. Nimmt man nur die sehr viel netz-affineren Jungen bis 29, dann sind es 14 Prozent. Also es mögen sich ja alle möglichen Leute im Netz herumtreiben, nur mit Informationen und Journalistik hat das nichts zu tun. Wie wäre es mit dieser These: Wenn eine Gesellschaft wie die unsere nicht ihren Wohlstand und ihre Stellung in der Welt verlieren will, wird auch in Zukunft der gebündelte Info-Input, den es bisher gab, irgendwie an Entscheidungsträger, Interessierte und Macher herangetragen werden müssen. Da dieser Info-Input aufwändig aufbereitet und bearbeitet werden muss, wird es auch in Zukunft nötig sein, damit Geld zu verdienen. Lassen wir uns mal überraschen, auf welchem Wege das Wissen also künftig verteilt wird.

  74. […] Ein unschönes Beispiel dafür hat jetzt Stefan Niggemeier aufgetan, ehemals Medienjournalist bei der FAZ, nun als freier Autor einer der ernst zu nehmenden Blogger. Unter dem Motto “Geht sterben” hat er jüngst einen grotesken Auswuchs der Überforderung von Journalisten und / oder Sparsamkeit bei Verlagen demonstriert. Die können sich bei der Deutschen Presse-Agentur unter anderem ein Komplett-Paket bestellen, den dpa-feed: Für die Online-Ausgaben der Zeitungen werden aktuelle Nachrichtenblöcke eingekauft und automatisch auf die Web-Site gehoben. Und so geschah es auch vor gut einer Woche, am 7. Juni. Da meldete dpa: “Frank Schirrmacher erhält Ludwig-Börne-Preis”. Und unter dieser Überschrift stand dann: “Beyoncé hat sich im April mit ihrem neuen Film ,Obsessed’ an die Spitze der US-Kinocharts gespielt. Der Thriller erinnert stark an ,Eine verhängnisvolle Affäre’ von 1987.” Dazu ein Bild Schirrmachers, der seine Laudatorin Necla Kelek umarmt. Diese abstruse Kombination fand sich in gleich 13 (!) Online-Auftritten deutscher Zeitungen und Zeitschriften: Von der Süddeutschen Zeitung über die Lausitzer Rundschau bis zu stern.de und Zeit-online. Bei einigen war das Kürzel “dpa” vor dem Text stehen geblieben, bei anderen war es entfernt worden, , die Augsburger Allgemeine aber setzte “az” als Kürzel vor die Meldung: Da muss also jemand hingesehen haben und doch blind gewesen sein für das eklatante Auseinanderklaffen von Bild und Text. Quelle 1: Frankfurter Rundschau Quelle 2: Stefan Niggemeier […]

  75. […]         Fällt Ihnen an dieser von Focus-Online publizierten DPA-Meldung etwas auf? Richtig, die Überschrift passt nicht zum Text. DPA ist ein Fehler unterlaufen, das kann schon mal  passieren, das ist auch verzeilich. Umso unverständlicher ist hingegen, dass große Onlineportale eine Meldung nicht gegenlesen, sondern ungeprüft auf die Seite stellen. Focus-Online waren nicht die einzigen, Stefan Niggemeier zeigt eine Übersicht auf seiner Webseite und meint: geht sterben. […]

  76. Ist es nicht herrlich wie man die Leute manipulieren kann.
    Es ist schon erstaunlich wie einfach es ist irgendeine Meldung zu schreiben und jede Online-Redaktion ergreift diesen Text weil er ja dafür bezahlt hat. Das ist Meinungsmache pur. Es bleibt also nur noch der Leser selber übrig und da meine ich, ob er diese Schlagzeilen für bare Münze hält oder ob er sein Gehirn einschaltet.

  77. […] Ein unschönes Beispiel dafür hat jetzt Stefan Niggemeier aufgetan, ehemals Medienjournalist bei der FAZ, nun als freier Autor einer der ernst zu nehmenden Blogger. Unter dem Motto “Geht sterben” hat er jüngst einen grotesken Auswuchs der Überforderung von Journalisten und / oder Sparsamkeit bei Verlagen demonstriert. Die können sich bei der Deutschen Presse-Agentur unter anderem ein Komplett-Paket bestellen, den dpa-feed: Für die Online-Ausgaben der Zeitungen werden aktuelle Nachrichtenblöcke eingekauft und automatisch auf die Web-Site gehoben. Und so geschah es auch vor gut einer Woche, am 7. Juni. Da meldete dpa: “Frank Schirrmacher erhält Ludwig-Börne-Preis”. Und unter dieser Überschrift stand dann: “Beyoncé hat sich im April mit ihrem neuen Film ,Obsessed’ an die Spitze der US-Kinocharts gespielt. Der Thriller erinnert stark an ,Eine verhängnisvolle Affäre’ von 1987.” Dazu ein Bild Schirrmachers, der seine Laudatorin Necla Kelek umarmt. Diese abstruse Kombination fand sich in gleich 13 (!) Online-Auftritten deutscher Zeitungen und Zeitschriften: Von der Süddeutschen Zeitung über die Lausitzer Rundschau bis zu stern.de und Zeit-online. Bei einigen war das Kürzel “dpa” vor dem Text stehen geblieben, bei anderen war es entfernt worden, , die Augsburger Allgemeine aber setzte “az” als Kürzel vor die Meldung: Da muss also jemand hingesehen haben und doch blind gewesen sein für das eklatante Auseinanderklaffen von Bild und Text. Quelle 1: Frankfurter Rundschau Quelle 2: Stefan Niggemeier […]

  78. Es past schön hierhin: Der nette Herr Burda bangt mal wieder um sein gutes, altes Geschäftsmodell.

    Schleichende Enteignung im Netz
    „„Es geht um die Bewahrung eines Kulturguts…Wenn die strukturelle Krise der freien Presse deren finanzielle Spielräume enger werden lässt, muss die rechtliche Absicherung der wirtschaftlichen Basis umso mehr ein Selbsterhaltungstrieb unseres Rechtsstaats sein.“
    Hört, hört! Und gestern noch auf alt-neue Jackson-Fotos reinfallen…

  79. >..glauben, es sei eine gute Idee, ihre Online-Angebote automatisch generiert..<

    Generiert wird bei dpa, die Webserverapplikation parst nur die Texte, knallt die in die DB und legt das vorher eingestellte Layout drueber.
    Bei allen Online ausgaben die Du oben aufgefuehrt hast kann ich das mit Sicherheit sagen.

  80. Ich suchte nach „Qualitätsjournalismus“ und die ersten Treffer führten mich zu diesem Blog. Was für eine arme Welt wir uns doch geschaffen haben… Was werden bloß angehende, motivierte Journalien denken, die während ihres Studiums diesen Begriff recherchieren?
    Danke Stefan, ich les dich doch eh fast täglich.

  81. […] Umso erfreulicher ist, dass die DPA-Content Mafia wieder mal die Artikel-Pakete fuer ihre angeschlossenen “unabhaengigen” Medienpartner fuellen konnte und so schiesst dieser Titel gerade durch die deutsche Presselandschaft. Copy and Paste, die Art von Content-Erstellung, die man den Bloggern doch so gerne unter die Nase reibt, weil wir ja nur Verwerter und Aggregatoren sind. Entweder haben die grossen Redaktionen dafuer keine Zeit oder aber sie zeigen auf offenbarende Art und Weise auf, wie das von Murdoch, Burda, Hombach und Co. favorisierte Bezahl-Modell zum Scheitern verurteilt ist. Der Stiftung Warentest Artikel hat mich naemlich 2,5 Euro gekostet, was aufgrund des Inhalts nicht nur eine Frechheit, sondern geradezu Wucher ist. Soviel Geld, fuer sowenig Content scheinen die Redaktionen wohl nicht bezahlen zu wollen. Ich kann es verstehen, denn ich habe es getan. Geht sterben! […]

  82. Schirmacher und Jauch sitzen bei Beckmann und faseln über das Internet, oder auch: Blinde reden über Licht.
    Diese iPhones etc. werden die Macht übernehmen oder so. Da müsste man denen doch eigentlich mal eine Bombe unter den (Kartentisch) Google Maps schmuggeln.

  83. Unglaubliche Realsatire!
    Jauch: „Das ist wie Post im Briefkasten: erstmal macht man alles auf…“

    Ich nicht; SKL-Werbung mit Jauch drauf kommt bei mir gleich in Müll!

    Schirrmacher: „Schlimm ist, dass wir so viele (Rechen)tricks verlernt haben.“ (Seit die Taschenrechner in die Schulen kamen). Soll man da nun lachen oder weinen?
    Zumindest durfte Lobo ihm kurz widersprechen, per Einspieler.

  84. Nett das ganze mal so hübsch vor Augen geführt zu bekommen. Auch klasse das google diesen Eintrag mal direkt auf Platz 3 setzt, wenn man „dpa feed“ sucht.

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