Kurz verlinkt (38)

30 Jun 09
30. Juni 2009

„Der Ludwig“ mag im rechtlichen Sinn zur Familie gehören, tatsächlich bleibt er ein Fremdkörper. Einer, der nicht dazu gehört, weil er nicht so geworden ist, wie gewollt — nämlich nichtbehindert.

Oliver Tolmein im FAZ-„Bioethik“-Blog über einen erstaunlichen „Spiegel“-Artikel, der dafür plädiert, die Spätabtreibung behinderter Kinder zuzulassen.

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Die FAZ, die seit Monaten eine Kampagne für neue Leistungsschutzrechte gegen „digitale Enteignung“ fährt, lizenzierte Texte von Elke Heidenreich ohne deren Wissen und ohne finanzielle Beteiligung.

Peter Mühlbauer in „Telepolis“ über die Folgen des Vertrages [pdf], den freie Mitarbeiter der FAZ [wie ich] unterschreiben müssen. Der ganze Fall im „Literaturcafé“.

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Ralf Köttker bleibt Sprachrohr des DFB, wechselt aber den Arbeitgeber.

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Aiman Abdallah stellt seine fehlende Kompetenz in den Dienst eines Joghurts mit Fruchtzubereitung und macht im Werbefernsehen einen Versuch, um herauszufinden: „Wie bekommt man soooo viele Früchte überhaupt in einen Becher“. Marcel Bülow hat für „Plazeboalarm“ nachgerechnet und stellt fest: In einem „Froop“ Erdbeer könnte ziemlich genau eine Erdbeere stecken.

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Verglichen mit dem Netz ist das Leben ein Sündenpfuhl. Das Gerede vom „rechtsfreien Raum“ kann also nur von Menschen kommen, die sich nicht einmal entfernt mit dem Internet und den Urteilen zu Störerhaftung, Urheberrecht, Markenrecht usw. befasst haben. Der Kampfbegriff des „rechtsfreien Raumes“ wird exzessiv genutzt, obgleich er erwiesenermaßen falsch ist.

Bettina Winsemann in „Telepolis“ über die schwachsinnige Lieblings-Floskel von Anwälten, Politikern und Verlagslobbyisten.

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Ein „Photoshop Disaster“ bei Boris Beckers Hochzeit und im „Blick“.

33 Gedanken
  1. 1
    Thomas Lobig says:

    Ich hab ehrlich gesagt einen Moment lang nicht verstanden wo das Problem an dem Bild liegt. Und ich verstehe immer noch nicht wie es entstanden ist. Ich fass mir da echt an‘ Kopp.

  2. 2
    onlime says:

    Ich habe auch mindestens eine Minute lang den Fehler im Bild nicht gefunden…
    wie es aber entstanden ist, kann ich dir sagen: Es sollte wohl nur der linke Bereich verwendet werden, wo aber noch die Hand der Dame in die Autotür hineinragte, was wohl aus irgendwelcen Gründen doof aussah. Also wurde nur der Bildausschnitt retouchiert, den man gerade brauchte.

  3. 3
    onlime says:

    Ach ja und an der Formulierung „Einer, der nicht dazu gehört, weil er nicht so geworden ist, wie gewollt — nämlich nichtbehindert.“ habe ich noch länger herumüberlegen und stutzen müssen.

    Das klingt für mich nämlich so, als würde der Ludwig nicht dazugehören, weil er nichtbehindert ist und als hätte man ein behindertes Kind gewollt.

  4. 4
    Olly says:

    Zum „Joghurt mit Fruchtzubereitung“
    Bei Gelegenheit sollte mal jemand untersuchen, wie oft der Einsatz eines Promis in Werbung den gegenteiligen Effekt – nämlich den Boykott der Ware – bewirkt. Froop hab´ ich zwar eh noch nie gegessen, aber nur wegen N. Hagen hab´ ich keine Ahoi-Brause mehr gekauft und dank D. Bohlen hab´ ich noch einen Grund mehr, alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor ich zähneknirschend eine Bahnfahrkarte kaufe.
    Jedenfalls… wenn die Aiman-Werbung beginnt zuckt meine Hand reflexartig in Richtung Fernbedienung, damit ich den bescheuert-perfiden Satz „Machen wir ein Experiment“ nicht hören muss…

  5. 5
    onlime says:

    Trotz den grundsätzlich grausigen Werbespots muss ich leider zugeben, dass Froop lecker schmeckt…

    (Allerdings kann man das ziemlich gleiche Ergebnis auch erzielen, wenn man Naturjoghurt mit Samt-Marmelade versetzt. Da ist dann wahrscheinlich auch mehr Frucht drin…)

  6. 6
    Marc says:

    Wenn es nicht schon vorher ein gutes Dutzend Gründe für eine Vermeidung von Müller-Produkten gegeben hätte, dann wäre für mich wohl das unendlich nervige „Fruchtalarm“-Kind der Anlass gewesen.

  7. 7
    paranoid android says:

    @ Olli: Ich fühle mit Ihnen, habe aber leider oft keine Wahl, was die Bahn angeht. Die grinsende Bohlen-Visage auf der Bahn-Website ist die schlimmste Antiwerbung des bisherigen Jahrhunderts.

  8. 8
    onlime says:

    …und wer nicht umhin kommt, mit der Bahn zu fahren, kann ja zum Ausgleich keine Grillwürste und keine Margarine kaufen.

  9. 9
    Patrick says:

    Zum Thema FAZ und Leistungsschutzrecht ganz aktuell ein netter Link:

    http://​tinyurl​.com/​k​v​6​x4h

    (Link führt zur FAZ)

  10. 10
    Babsi says:

    Als ich vor Jahren noch ab & zu Galileo geguckt habe *schäm* gabs auch mal einen Beitrag zu genau diesem Thema: wieviel Frucht ist tatsächlich im Joghurt drin, wenn es auf der Packung heißt „Fruchtzubereitung“´:)

  11. 11
    Bernd says:

    Mein erster Blick fiel auf das zweifarbige Gesicht. Und wenn man erstmal glaubt, was zu sehen, dann dauerts…

  12. 12
    Selle says:

    Verstehe ich das richtig, dass jemand, der seinen Master in Wissenschaftsjournalismus macht, einen Artikel schreibt, in dem er völlig ins Blaue irgendwelche Werte vermutet, sich noch nicht einmal die Mühe gemacht hat, einen entsprechenden Becher zu besorgen und am Ende mit seiner Schätzung offenbar auch noch um fast 100% danebenliegt? Das ist ja granatenmäßig recherchiert.

  13. 13
    Stefan Niggemeier says:

    Inwiefern liegt er mit seiner Schätzung um fast 100 % daneben?

  14. 14
    blubb says:

    Vermutlich hat Selle gerade einen „Fruchtjoghurt“ aus dem Kühlschrank geholt, aber darauf hat der Autor ja immerhin selbst hingewiesen (nein, ich weiß nicht was nun zutrifft). Den Gang in den Supermarkt hätte der Autor aber durchaus auf sich nehmen können, meine ich.

  15. 15
    pyrrhussieg says:

    Und ich dachte erst, der kleine Becker ist das Photoshop-Disaster. :-)

  16. 16
    Stefan W. says:

    @onlime, #2: Wenn nur der linke Bereich verwendet werden sollte, und eine hereinragende Hand störend schien, wieso ist die Hand dann horizontal und nicht vertikal abgeschnitten?

    Vielleicht ist die blonde Person anderweitig ausgeschnitten worden, wo die Hand durch etwas verdeckt war, und man hatte noch nicht ganz raus, wie man mit der fehlenden Hand umgehen wollte, als man in Zeitnot vergaß überhaupt eine Lösung zu versuchen.

    Ich retouchiere aber selten Bilder, und vielleicht ist im Manipulationsprozeß die horizontale Arbeitsweise einfach praktisch gewesen, und Du hast doch Recht.

  17. 17
    MyFairLady says:

    Einen weiterführenden Kommentar zu den Verlinkungen (außer dem PS-Disaster) spare ich mir, weil mir da gelinde gesagt der Mageninhalt nach oben schießt.

    Also: Wenn man sich das retuschierte Bild anschaut, wird m.E. recht deutlich, dass aus dem Bild etwas entfernt wurde und die Dame eben nicht hineinkopiert worden ist. Man beachte, wo der Arm abrupt aufhört und wie die Reflektionen im Lack der Autotür aussehen. Der Arm ist also wahrscheinlich deswegen so merkwürdig „abgeschnitten“, weil das entfernte Objekt (ein Kind?) so — ähem — geformt war.

    Interessant ist aber auch das zweifarbige, genau in der Hälfte geteilte Gesicht des Mädchens, das gerade aus dem Auto aussteigt.

  18. 18
    Stefan W. says:

    Marcel Bülow: „Da in den Packungsinformationen jedoch von einer „Fruchtzubereitung“ die Rede ist, gehe ich einmal von einem Mindestfrucht von 3,5 Prozent aus. Verdoppelt macht das dann 7 Prozent und bei einem 150g Becher somit ganze 10,5g Frucht.“

    Ein Kommentator schreibt dann 3 Tage später:
    „Doppelt so viel — wie vorgeschrieben“, bezieht sich im Spot also auf einen Fruchtjoghurt und damit wären es nicht 7 %, sondern 12 % Prozent bzw. 18 g Frucht je Becher.

    Das ist nicht 100% daneben, sondern ungefähr 70%, und der Kommentator ist der Wissenschaftsjournalist selbst. Das entschuldigt ihn in meinen Augen ein wenig.

  19. 19
    Stefan W. says:

    Wie sehen die Reflektionen im Lack der Autotür denn aus? Verwischt. Andererseits für Spiegelungen auf dem Lack nicht ganz untypisch.

    Neben der Amputierten ragt noch etwas reißverschlußartiges hervor, etwa zwischen Arm und Bauchnabel, das erklärungsbedürftig ist.

    Das zweifarbige, genau in der Hälfte geteilte Gesicht des Mädchens ist dagegen schlicht der Schatten. Das Licht kommt von rechts, und die linke Gesichtshälfte liegt damit im Schatten, und ist dunkler — ein Effekt, der an manchen Gesichtern im Hintergrund auch zu beobachten ist, z.B. der dritte Kopf rechts des Mädchens. Das halte ich für harmlos.

  20. 20
    Benny Rotzlätschn says:

    Dass entfernt wurde sieht man daran, dass sich die Frau in der Autoscheibe spiegelt.

  21. 21
    Paz says:

    Beim Foto gehe ich mal davon aus, dass das Bild in der gedruckten Ausgabe so platziert wurde, dass nur die zwei Kinder im Ausschnitt zu sehen sind (Unterschrift „Jetzt schon ein kleiner Herzensbrecher“). Der Arm musste da raus retuschiert werden, weil ein abgeschnittener Arm neben zwei Kindern eben nicht sonderlich zur Ästhetik des Bildes beiträgt. Schräg retuschiert ist er deshalb, weil sich der schräg nach oben verlaufende Arm so eben am leichtesten wegstempeln lässt.

    In der online Version wurde dann eben versehentlich das komplette Bild genommen, da es nicht tatsächlich beschnitten sondern nur als Ausschnitt platziert worden war.

    Lustig ist es trotzdem.

  22. 22
    Alberto Green says:

    Ich habe mir alles, was hier verlinkt wurde, durchgelesen und finde es ein wenig komisch, dass hier über Jogurt und Photoshop diskutiert wird.

  23. 23
    Jonathan says:

    Kleine Selbstueberpruefung, ob ich das Gelesene richtig verstanden habe:
    Die BKA-Menschen nutzen widerrechtlich einen Markennamen (Muppetshow) als Pseusonym. Also macht sich Interim strafbar, weil sie deren Texte veroeffentlicht haben. Das haben die Leute vom BKA clever eingefaedelt.
    Ach nein. Ich liege vollkommen falsch. Interim ist ja offline. Sodom und Gomorra ohne Einstuerzende Neubauten. Glueck fuer Interim.

  24. 24
    Jonathan says:

    Ay… S&G immer noch mit h hinterm rr…

  25. 25
    Mumpakl says:

    Ich denke auch, dass das erste Thema eine deutlich breitere Kommentierung verdient hätte.

    Obwohl sich wohl viele der FAZ-Meinung anschließen werden, gebe ich mal etwas zu bedenken. Die Gesellschaft gibt betroffenen Eltern keine Wahlmöglichkeit und verlangt damit, dass Unmengen an Zeit, Geld und Nerven in ein Kind gesteckt werden, das sich wahrscheinlich nie selbst versorgen kann oder auch nur entfernt die Gesellschaft voran bringen könnte. Mit diesem notwendigen Einsatz wäre es den Eltern alternativ problemlos möglich 2–3 weitere und gesunde Kinder groß zu ziehen. Die Kinder hätten was davon (das erlöste wie auch die sonst nicht geborenen), die Eltern hätten was davon und die Gesellschaft hätte was davon.

    Es gibt zweifellos auch Fälle schwerer Behinderungen, mit denen sich erstaunliche Lebensgeschichten entwickeln können. Ich denke da z.B. an eine contergangeschädigte kleinwüchsige und kurzarmige Richterin. Allerdings ist sowas bei schwerer geistiger Behinderung wohl kaum zu erwarten.

    Und was lernt man daraus? Nicht lange mit Ethikkommissionen und Endlosuntersuchungen aufhalten lassen, sondern sofort in andere Länder ausweichen, wenn die Diagnose eindeutig ist (meinetwegen nach der dritten bestätigten Untersuchung). Rein finanziell betrachtet (da das beim Spiegel als möglicher Hinderungsgrund angesehen wird) ist die einmalige Investition in Flugtickets deutlich billiger als jahrzehntelang Untersuchungen, Behandlungen und Sonderausstattung zu zahlen.

  26. 26
    Twipsy says:

    Ich will jetzt nicht das Killerargument von Euthanasie und deutscher Geschichte bringen, aber wenn ich lese, dass hier Flugtickets gegen Behandlungen von behinderten Kindern aufgerechnet werden, muss ich kotzen.

  27. 27
    Olly says:

    Sorry für den Beitrag zur Joghurtdiskussion, aber das Thema des ersten links fasse ich mit der Kneifzange nicht an :(
    Oder doch, ganz kurz: Ich glaube nicht, dass es irgendjemandem zusteht, die jeweilige Entscheidung der Eltern zu kritisieren.

  28. 28
    Ich says:

    Zu dem FAZ Link bzw. viel eher dem Spiegel Artikel, bleibt jedem der sich mit den Themen Geburt, Behinderung und Leben beschäftigt hat, nicht anderes außer Kotzen übrig.
    So bleibt die Geschichte der Diskrimierung Behinderter wohl weiterhin eine permanente.

  29. 29
    anonym says:

    Den Beitrag im „Spiegel“ über den Ludwig hatte ich auch gelesen. Er hat mich etwas ratlos gemacht. Ich fand ihn nicht schlecht, aber dennoch war mir etwas unbehaglich. Ich denke aber, daß er durchaus nicht leichtfertig geschrieben wurde und auch keine unethischen Ziele verfolgt. Das ist sogar vielleicht einer der Artikel, an die man sich noch nach Jahren erinnert und die einen eben berechtigterweise nachdenklich stimmen.

  30. 30
    Johannes says:

    @anonym:
    An diesen Artikel sollte man sich nicht mehr erinnern. Der Spiegel hat die Diskussion dazu kommentarlos geschlossen und sie sollten auch den Artikel löschen.

    Dass die Autorin das behinderte Kind immer „Der Ludwig“ statt einfach „Ludwig“ nennt ist an sich schon werten. Sie wertet Ludwig ab. Ludwig ist somit nur noch ein Ding. Ein Ding, das es nicht verdient hat zu leben und auch sicherlich (wenn auch unbeabsichtigt) nicht die elterliche Zuneigung bekommt wie sein Bruder. Allein dies zeigt neben den vielen anderen einfach aufgestellten unschlüssigen Schlussfolgerungen, dass der Artikel schlecht geschrieben ist. Menschenverachtend!

    Ob die Eltern nun die Wahl haben, ein behindertes Kind zu empfangen oder nicht sei der Moral oder der Religion oder der Amoral überlassen. Diskutiert darüber!

    Aber dieser Artikel strotzt vor Dummheit und Naivität der Autorin. Soewas misathropisches im Spiegel, unglaublich!!

    Dazu will ich anmerken, dass ich vier Geschwister habe, davon einer seit 18 Jahren auf der Welt und seit Geburt schwer behindert. Spina Bifida und Hydrocefalus (offener Rücken/ Querschnittslähmung und Wasserkopf). Er geht auf eine Sonderschule. Er braucht viel medizinische und persönliche Versorgung. Aber! Er ist mein Bruder, wir lieben ihn, kümmern uns um ihn, er hat einen Namen (wir nennen ihn nicht DER Behinderte) und wir haben nicht ein einziges Mal darüber diskutiert ob er lebenswert ist!

    Sobald ein behinderter Mensch auf der Welt ist, ist die Diskussion um sein Dasein nicht mehr zu führen, es wäre nicht menschenwürdig. Und das tut dieser Artikel. Er beleidigt meinen Bruder, mein GG und meine Werte!

  31. 31
    Twipsy says:

    Da eh momentan Beitrags-Push-Wochen sind: Eine Collage von einem Hacker, der mit seinem Computer verschmolzen ist. Stern​.de scheint es zu ahnen und bietet das Foto nur in klein an.

  32. 32
    Twipsy says:

    Vielleicht doch nicht, ist aber nur in Groß zu sehen…

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  1. […] der Heidenreich-Texte recherchierte und darüber auch der Perlentaucher, Telepolis, der Freitag und Stefan Niggemeier berichteten, ihre Website massiv »aufgerüstet« hat. Getreu dem Motto, dass auch schlechte […]

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