Giulia Siegel

Die Wahrheit ist hart, aber einer muss sie sagen: Das Problem mit Giulia Siegel ist, dass sie einfach nicht peinlich genug ist.

Sie hat wirklich alles gegeben: ihren Vornamen „Julia“ ändern lassen, sich für den „Playboy“ ausgezogen, das Sommerloch 2005 mit der Frage gefüllt, ob sie ihren damaligen Mann oder er sie geschlagen hat, an einer dramatisch misslungenen RTL-2-Realityshow mit Claudia Effenberg und Maja von Hohenzollern mitgewirkt, sich vor den Kameras von RTL die Kopfschmerzen von den Augenlidern wegoperieren lassen, ins Dschungelcamp gegangen; schon 1999 nutzte sie einen Auftritt bei „TV Total“, um sich plumpst zu produzieren, kam erst als Hippie verkleidet und zog sich dann um, also: aus. Ja, das war sehr peinlich, aber kann sich irgendjemand noch daran erinnern?

Man muss fast Respekt haben vor diesem Lebenswerk, einem aufopferungsvollen Kampf um die Aufmerksamkeit der Nation, diesen anhaltenden Schrei „NEHMT MICH ZUR KENNTNIS“, aber irgendwie ist er jenseits einer süddeutschen Stadt namens München verhallt. Giulia Siegel hat weder breite Anerkennung für ihre Arbeit gefunden (worin auch immer sie bestehen mag), noch es geschafft, für mehr als eine Saison in die Trash-Bundesliga mit Verona Pooth, Jürgen Drews und Jürgen Drews‘ Frau Ramona aufzusteigen.

Neulich hat sie sich ein „Kellerduell“ (Stefan Raab) mit ihrer Beinahe-Stiefmutter Naddel geliefert. Und es war zwar ganz schön peinlich, wie sie ihre Möchtegern-DJ-Konkurrentin öffentlich provoziert hat, aber Naddel war so betrunken und dumm und überfordert und kindisch, kurz: in einer ganz anderen Liga von Peinlichkeit, dass Giulia Siegel daneben fast besonnen und vernünftig wirkte und also langweilig und egal.

Seit dieser Woche versucht sie es mit einer Casting-Show auf Pro Sieben, in der sie angeblich einen neuen Mann sucht und an der das beste die Satzzeichen sind. „Giulia in Love?!“ klingt nach einer zweifelnden Frage des Senders, ob man das wirklich sehen will, die viele zu Recht mit nein beantworteten. Man merkt Frau Siegel darin an, dass sie gleichzeitig versucht, aufzufallen und normal zu wirken, und das kann nichts werden. Es ist keine gute Show, dafür ist sie einfach nicht schlecht genug.

(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

19 Replies to “Giulia Siegel”

  1. Das gilt doch aber nur, wenn man sich gerne schämt, oder? Sonst wird so eine Show durch Peinlichkeit vielleicht weniger langweilig, aber trotzdem nicht besser.
    Gibt es ein langes, schwieriges Fremdwort für pathologische Freude am Fremdschämen?

  2. Im Rahmen der Sendung kommt es mir eher vor als würden die Teilnehmer und weniger Frau Siegel um die Ehre streiten, wer sich nun peinlichster Teilnehmer nennen darf.

  3. Ich, als extremst glücklich verheirateter Familienvater und Kind, das bis zum viel zu frühen Tode meines Vaters, als ich 22 war, mit zwei Elternteilen aufgewachsen bin, würde einfach jedem Wünschen, genauso glücklich sein Leben zu verbringen. Daher würde ich mich für Gulia Siegel und ihre Kinder natürlich wünschen, dass Sie den Mann fürs Leben bzw. einen gescheiten „Stiefvater“ finden.

    Ich habe meine Zweifel, ob es tatsächlich das Ziel dieser Show ist, bzw. überhaupt sein kann, den Mann fürs Leben zu finden. Aber warum nicht? Ein Freund von mir hat eine Internetbekannte aus St. Petersburg (nein, nicht aus dem „Katalog“, sie lernten sich in einem Cello-Forum kennen) geheiratet und ist schon seit Jahren glücklich mit ihr.

    Also, warum sollte das der von Dir so trefflich beschrieben Frau nicht auch im Fernsehen gelingen können?

    Ja, es ist keine gute Show, aber heutzutage bin ich schon froh, wenn es überhaupt eine Show ist und auch nicht noch richtig schlecht. Die jeweils circa halbe Folge Frauentausch, die Auswanderer, Mein Neues Leben XXL, Gallilo, Gallileo-Mystery, ganz zu schweigen von den Reality-Doku-Soap-Entertainment-Mist am Nachmittag waren um so viele Klassen schlechter, dass ich konstatiere: Mittelmaß.

    Und Mittelmaß hätte ich vorher Gulia Siegel – die erstaunlicherweise sehr sympathisch rüberkam, nicht so arrogant-dummdreist-abgebrüht wie sonst immer – nicht zugetraut.

  4. früher habe ich mich bei solchen Shows ja noch fremdgeschämt, mittlerweile ist auch das vorbei. Denn fürs Fremdschämen bedarf es zumindest eines Mindestmaßes an Sympathie für die Teilnehmer, und den letzten Rest davon haben mir diversen Reality-Formate jetzt auch ausgetrieben.

    Das einzige, was ich noch aufbringen kann, ist Gleichgültigkeit.

  5. Ich schaue weder solche Sendungen noch kenne ich Frau Siegel aus irgendeinem solchen Zusammenhang. Ich gehe jedoch nicht taub und blind durch die Welt und somit ist mir der Name geläufig und das sie etwas mit Fernsehen zu tun hat.

    In Ihrem Artikel beschreiben Sie eine Person, die auf peinlichste Art und Weise versucht mediale Aufmerksamkeit zu erheischen … und dies aber wohl offensichtlich erfolgreich!

    Wenn diese Person so wäre, wie Sie sie darstellen, dann würden Sie nicht darüber schreiben (!) und sie wäre nicht ständig in den Medien präsent.

    Wer ist eigentlich nun für die Entstehung und permanenten Präsenz dieser „Sternchen“ verantwortlich, der Medienschaffende (also auch Sie) oder der Konsument, der das (angeblich) sehen will?

  6. Peinlicher wäre es nur noch, wenn sie sich in Gullia umbennen würde. Und peinlich war auch die Sache bei diesem 2Kipp-Roll-Fall Spektakel“, als das Kind sie entkleidete…

  7. Respekt vor dem 4. Kommentar!!
    Der 6. Kommentar bringt das ganze aber zum punkt ,mit dem ich völlig übereinstimme.Giulia Siegel ist im privaten Leben eine großartige Freundin und mit ihr kann mann oder frau devinitiv Pferde stehlen. Manch einer ist eben manch einer.Ciao ihr Lieben

  8. Verwirrung beim 9. Kommentar.

    Kann man nun mit ihr Pferde stehlen, weil sie „auf peinlichste Art und Weise versucht mediale Aufmerksamkeit zu erheischen“ oder trotz dessen. Oder ist sie gar nicht so, wie sie ist? Aber warum sollten Sie dann mit #6 übereinstimmen?

  9. Geht es wirklich darum, dass GS nicht peinlich genug ist / nicht schlecht genug ist?

    Ich glaube eher, dass sie seit Jahren mit großem Erstaunen und triefendem Geifer zugeschaut hat, dass so jemand wie Verona jetzt Pooth aus nichts einen Haufen Kohle gemacht hat.
    Das kann ich auch, dachte sich GS – machte sich auf in die Welt der Schaumschlägermedien und scheiterte eins um andere Mal damit, sich zu einer eigenständig laufenden, sich selbst stets erneuernden Gelddruckmaschine zu machen.
    Denn trotz aufopferungsvollem Madenessen und ständigem Selbstentblößen ist noch immer kein gold glänzender Werbevertrag in Sicht.
    Ihr steht im Weg, dass sie es im Gegensatz zu Veronalein nicht lassen kann, schlauer sein zu wollen als die anderen, taffer zu wirken, schlagfertig zu erscheinen. Es ist für sie nicht hinnehmbar, nicht das letzte Wort zu haben oder gar als dümmlich dargestellt zu werden.
    Die jetzt doch noch gestartete Serie, die anscheinend nicht schon nach der ersten Folge abgesetzt wurde, krankt auch an dem GS-Syndrom: totale Sucht danach, sich als Marke endlich zu etablieren gepaart mit dem unwiderstehlichen Drang, trotz des gewählten Formats gut dazustehen, nicht unterlegen zu sein.

    Bei GS sieht man einfach stets die großen Dollarzeichen, die sich in ihren Augen spiegeln. Selbst die Heirat mit einem Geld-Typen scheint sie nicht vorangebracht zu haben. Sie muss noch immer weiter strampeln zu ihrem Sack voll Geld.

  10. Das Frau Siegel versucht über VIP-Stutus + Medien Geld zu verdienen finde ich ganz normal! Spätestens mit Dieter B. und der „bewußten“ übertretung von Jugendschutzrichtlinien bzw. dem Bauen einer Sendung um eine so Fragwürdige Figur/Masche ist doch eigentlich fast alles erlaubt/normal. Warum also nicht auch eine Germanys next Topmodel Kopie?
    Was ich mich frage ist, warum die Siegel nicht ein wenig früher nach einem zahlungskräftigen Mann zum verlieben gesucht hat – sie hätte sich bei besserem Timing zumindest das glanzvolle Kloakenformat „ich bin ein star holt mich hier raus“ sparen können!

    erschreckend fand ich weniger die Kopie von Klum’s Erfolgsformat (eine zicke, eine „dicke“, bilder, DIE Entscheidung …) sondern vielmehr das erwachsene Männer bei der Geschichte mitmachen! Da erscheint ein Mann von 44 Jahren wie selbstverständlich in der Rolle der Zicke und all die anderen „Mädels“ von damals (…) sind nun plötzlich in männlichen Körpern zuückgekehrt!

  11. Ich habe gestern diese Show zum ersten mal gesehen.
    Wenn Giulia auf diese Art und Weise ernsthaft einen Mann gesucht hat, dann war Sie mit den anwesenden masochistischen Vollidioten bestens bedient.
    Kein normaler Mann der nur ein wenig auf sich hält würde sich in einer solchen Weise am Ring durch die Nase durch die Manege führen lassen und wäre überhaupt auf die Idee gekommen bei einem solchen Schwachsinn mitzumachen.

    Die Ironie war dann auch noch wie Sie immer betonte Sie will einen Mann der sagen kann wo es lang geht. Selten so gelacht.

    Alles in allem eine Sendung mit makaberen Unterhaltungswert…

    Nachdem der Traumprinz in Ibiza ja wieder abgelegt worden ist, ist nun die 2 Staffel zu befürchten.

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