Was (nicht mehr) zu beweisen war

Die „Westfälischen Nachrichten“ schreiben über mich:

Niggemeiers Coup, in Wikipedia Wirtschaftsminister Guttenberg den falschen Vornamen Wilhelm unterzujubeln, war ein kleiner Medienskandal. Verdeutlichte es doch die Bequemlichkeit mancher Journalisten bei ihren Recherchen.

Das ist auf eine faszinierende, fast rekursive Weise treffender, als wenn es wahr wäre.

(Aber im Vergleich mit Sascha Lobo hab ich noch Glück gehabt. Sein Mini-Porträt beginnt mit den Worten: „Sascha Lobo ist mittlerweile selbst eine Riesenmaschine.“)

58 Replies to “Was (nicht mehr) zu beweisen war”

  1. Ich fand ja die Sache besser, als du damals Wasser zu Wein verwandelt hast.. Geschmackssache, nehm ich an.

  2. Ganz ehrlich: die ganze Sache ist mir, als sie passiert ist, am Allerwertesten vorbeigangen. Wikipedia ist nicht völlig verlässlich, Journalisten recherchieren nicht ordentlich, Papst katholisch.

    Und trotzdem hat das Überfliegen des Eintrages vor einiger Zeit für mich ausgereicht, um jetzt noch zu wissen, wo hier der Fehler ist. Aus irgendeinem Grund finde ich diese Verwechslung viel dämlicher als sich auf Wikipedia zu verlassen. Letzteres ist Faulheit. Aber das hier ist eine ausgewachsene Lese(verständnis)schwäche — und wenn man schon nicht weiß, wo man recherchieren soll, wäre es doch schon, wenn die benutzen Quellen, ob geeignet oder nicht, wenigstens ansatzweise verstanden würden.

  3. hehehe. aber ist das nicht quasi der gag des artikels? das der genauso schlampig recherchiert ist, wie die über die er schreibt? das wäre doch eine geniale meta-ebene!

    btw: gibts einen grund für die häufung liebloser, knapper bloggerporträts bei denen? und wird in dem über mc winkel auch stehen, das er wetten dass moderiert hat?

  4. Ich wusste, dass so etwas geschrieben werden wird. Wobei ich selbst bis heute nur zu 90 Prozent überzeugt bin, dass Bildblog zumindest die Sache nicht in Auftrag gegeben hat.

  5. @ hannah: womit du vollkommen recht hast. manchmal schäme ich mich für aus der hüfte geschossene kommentare. es ist aber auch schon spät…

  6. Wer „watchblog“ mit „big brother is watching you“ assoziiert oder gleichsetzt, bei der/dem/denen tickt die watch nicht richtig.

  7. WN: „Der bald 40-Jährige ist in der Liste von Vanity Fair unter die Top 100 der wichtigsten Deutschen gewählt worden.“ Kann Stefan diesen Erfolg jemals toppen?

  8. um mal auf angemessen niedrigem niveau zurückzuwadenbeißen: lass sie halt schreiben, solange sie noch können.

    @3 (nilz zum thema recherche):

    nein, es handelt sich um ein sogenanntes qualitätsmedium. qualitätsmedium bedeutet, dass nicht schlampig recherchiert wird. und wenn man sich dann doch erwischen ließe, wäre das ein einzelfall und gemein, darauf herumzureiten.

    qualitätsmedien tragen ungemein schwer an der verantwortung, die ihnen als vierte gewalt zukommt und müssen sich gegen die bösen dinge aus diesem internet durchsetzen, die so ungeheuer billig von idealisten umgesetzt werden. die brauchen nicht mal einen kanten brot dafür. was sollen die qualitätsmedien da anderes tun als, ähm, mit den verfügbaren ressourcen kostensparend umgehen, ohne die qualität zu vernachlässigen.

    .~.

  9. Dieser Niggemeier, das ist ja ein ganz schlimmer. Missbraucht den armen hey-hey-Wickie, um Ludwig Erhart zum Baron zu machen. Oder wie heißt nochmal der Wirtschaftsministrant?

  10. Wenn auf n-tv Twitternachrichten auf Riesenbildschirmen kommentiert werden (wie schon länger bei CNN), kann auch ein Niggemeier bei Vanity Fair in die Top 100 kommen. Man kann noch abstimmen, momentan ist er 24. Wetten, dass wir ihn noch an Bushido vorbeivoten können?

  11. @Twipsy: Diese Abstimmung läuft immer noch?! Obwohl es „Vanity Fair“ in Deutschland längst nicht mehr gibt? Eine Wahl, die nie abgeschlossen ist?!

    Aus meiner Verzweiflung könnte man Kathedralen bauen.

  12. Bitte nichts verfälschen in Wikipedia, schreibe gerade eine akademische Arbeit und brauch Wikipedia. Also bitte keinen groben Unsinn mehr.

  13. Der Internetblogger klaut sich seinen Content per cut’n’paste – da passieren so Dinge nicht – die Zeitungen machen die News eben selbst (wie man sieht).
    Ein Netz dichter Korrespondenten hilft dabei.

  14. Häme macht unvorsichtig und verleitet zu kognitiven Ausfällen. Für jeden Kenner zwischen Münster und Osnabrück liegt die eigentliche Bosheit des WN-Artikels in dem StN angehängten Attribut „gebürtiger Niedersachse“ – immerhin hat er nicht geschrieben „alter Schwede“. Seit dem Friedensreiter-Ritt von 1648 gönnt ein münsterscher Schreiber dem „Nord“-Westfalen aus dem Osnabrücker Land keine Top-100-Erwähnung. Wenn schon gar nicht erst ignorieren geht – dann bloß nicht loben.

  15. @20: Umpff – natürlich „Wenn schon nicht „gar nicht erst ignorieren“ geht, dann bloß nicht loben“, sprach der Großmeister der dreifachen Verneinung. Wahrscheinlich war es einfach nur der Neid des Münsteraners, daß die Osnabrücker seit je im Fälschen besser waren, historisch gesehen – s. Carolinum-Diplom von 804.

  16. Mal eine doofe Frage: den Grimme Online Award hat Stefan doch 2007 bekommen, oder? Steht zumindest so im Lebenslauf…
    Im Artikel wird von 2005 gesprochen… *grübel*

    Wieder ein Zeichen für schlechte Recherche?

  17. @22: Nicht schimpfen, aber selbst schlampern:
    „Grimme-Online-Award für BILDblog 2005.

    Grimme-Online-Award für stefan-niggemeier.de/blog 2007.“

  18. Ich bin stolz auf euch, Männer! (und Frauen). Wir haben Stefan an Bushido und Helmut Schmidt vorbeigeklickt. Nächstes Ziel ist Michael Ballack!

  19. Kann mich mal jemand aufklären, was der Gag ist an dem Satz, dass Lobo jetzt selbst eine Riesenmaschine sei? Warum hat Niggemeier da noch Glück gehabt?

    Danke im voraus.

  20. @Lukas Kathedralen?? habe letztens irgendein buch gekauft. als geringstes übel dann zu ken follett gegriffen – von wegen, wenn so viele dann ja nicht alle irrend. du hörst dich auch nach einem opfer von tom builder an?!

  21. q.e.d.: Wirklich schlampig recherchiert, nämlich gar nicht. Ich hatte es ernsthaft so in Erinnerung und herunter geschrieben. Jetzt aber geändert. Mea culpa.

    Den ersten Satz bei Lobo lasse ich aber. Ich finde den Einstieg witzig. Zunächst wollte ich mit Lobotomie anfangen. Den Dreh habe ich aber nicht bekommen. ;-)

  22. Ist übrigens geändert worden in:

    „Anhand des kleinen Medienskandal, als in Wikipedia Wirtschaftsminister Guttenberg der falsche Vorname Wilhelm untergejubelt wurde, verdeutlichte Niggemeier in seinen Blogs, die Bequemlichkeit mancher Journalisten bei ihren Recherchen.“

    Der letzte Teilsatz beinhaltet ja damit sogar fast soetwas wie Selbstkritik ;-)

  23. Ein bisschen fernab vom Thema vielleicht: Erinnert sich noch jemand daran, dass die Band „Notwist“ mal geschätzte 750 000 Euro ausgeschlagen hat, weil sie nicht wollte, dass ihr Stück „Pick up the phone“ in einem Vodafone-Spot auftauchte? Das fällt mir ein, wenn ich jetzt Sascha Lobo etc. in diesem neuen Filmchen sehe.

  24. Gewissensfrage: Solltest Du nicht mit den gleichen Mitteln reagieren, mit denen der Verlag mutmaßlich vorgegangen wäre, hättest Du etwas Falsches über ihn geschrieben? Also: Richtigstellung per Anwalt fordern?

    Das klingt zwar kleinkariert. Aber: Es geht eben auch um die Wahrnehmung. Und ernst genommen werden Blogs bei klassischen Medien vielleicht erst dann, wenn sie in der Sprache mit ihnen sprechen, die sie verstehen.

  25. @Thomas Knüwer: Ach was. Die Sprache möchte ich gar nicht sprechen. Ich find’s zum Beispiel ganz schön, bislang (im Gegensatz zum Beispiel zu Herrn M. Broder) sagen zu können, dass ich noch gegen keine Veröffentlichung juristisch vorgegangen bin.

  26. @ locomon: Der letzte Teilsatz ist kein Teilsatz, sondern ein Satz. Es ist der Satz. Alles andere im Zitat sind Satzergänzungen. Deswegen ist auch das letzte Komma dort fehl am Platz. (Ihrem letzten Satz mit dem Smiley am Ende kann ich allerdings zustimmen.)

    Aber ich kenne das eigentlich fast nicht anders: Beim Redigieren einen Grammatik- und einen Zeichensetzungsfehler einpflegen, aber mit keiner Silbe erwähnen, dass da früher mal was anderes, falsches stand. Und sich überhaupt nur so viel bewegen, wie unbedingt nötig (erscheint).

    Die Präposition „anhand“ finde ich nämlich ebenfalls unglücklich (oder ist sie gar verräterisch?). Nicht mittels dieses „Skandal[s]“ hat Stefan Niggemeier die Bequemlichkeit der Journalisten verdeutlicht, sondern „an dessen Beispiel. „Anhand“ schließt immer noch nicht aus, dass er der Urheber der Wikipedia-Manipulation war.

    Oder sehe ich das gerade etwas eng?

  27. @ Matthias W: Nein, das ist in der Tat nicht eindeutig formuliert. Ich habe das jetzt noch mal geändert. Und auch den Hinweis dazu ergänzt, dass vorher etwas anderes dort gestanden hat. Auch das ist ein berechtigter Hinweis.

  28. „Werbung f. Vodaphone, 30 Silberlinge“ hier erinnert mich daran, daß nach Alice Schwarzer jetzt auch Udo Lindenberg gestorben ist. Für mich. Wie traurig.

  29. 48, Thorsten: Es handelt sich wohl um eine Anspielung auf Lobos Internetadresse namens „Riesenmaschine“, wenn ich es richtig verstehe. Ganz erschlossen hat sich mir aber auch noch nicht, inwiefern Herr Niggemeier da noch Glück hatte.

  30. @rog, 49: Naja, stell dir mal vor, sie hätten über Stefan geschrieben, er wäre schon ein richtiger Stefan-Niggemeier. Oder ein richtiges Bildblog. Das wär doch schon doof, oder?

  31. rog, danke. Das dachte ich mir auch, wobei sich mir der Witz nicht erschließt. Mir geht bei solchen Situationen nur auf den Keks, dass in gewisser Weise klugscheißerisch so eine Art Herrschaftswissen aufgebaut wird: „..hab ich noch Glück gehabt…“ und niemand kann einem erklären, worin das Glück besteht. Aber gut möglich, dass das Glück gar nicht existiert. So geht PR. Viel Rauch um nichts.

  32. Aber der Herr Lobo ist doch eine Riesen-Eigen-PR-Maschine, wo ist da jetzt der Skandal? Ich meine, das streitet er doch auch gar nicht ab, deshalb verstehe ich jetzt den Witz nicht. Oder sollte das nur ein Trick sein, um auf die kurze Geschichte über ihn hinzuweisen?

  33. ist es etwa nicht seltsam zu behaupten, er “ ist „?
    und hat man da nicht doch ne menge glück, nicht auch so was oder noch vieeel schlimmeres zu sein.

  34. Meine Güte: „Herrschaftswissen“? Worüber „herrscht“ Stefan denn hier? Über seinen Blog? Über die „Blogosphäre“? Das Internet? Die Welt? Stefan findet den Satz einfach blöd, das kann man nachvollziehen oder auch nicht, wie z.B. der Autor laut eigener Aussage hier in den Kommentaren. Du liebe Zeit, da nimmt jemand das Wort „klugscheißerig“ in den Mund und kommt dann direkt im Anschluss mit so Worthülsen wie „Herrschaftswissen“.

  35. Schon gemerkt? Die lesen offenbar hier mit und sind lernfähig: Artikel wurde korrigiert, aber nicht einfach geändert, sondern mit Disclaimer und Link hierhin. Irgendwie ein schöner kleiner Akt der Ironie, dass sich ausgerechnet in dem Artikel ein solcher Fehler eingeschlichten hatte, den Du selbst korrigierst :).

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