Der Fluch der Gleichgültig

09 Nov 07
9. November 2007

In Dresden ist heute erstmals der Sächsische Förderpreis für Demokratie verliehen worden, und wenn man diesem Preis etwas wünschen darf, dann vielleicht, dass sich im nächsten Jahr ein richtiger Medienpartner findet.

Und nicht wieder nur stern.de.

Über welchen Fehler im Bericht über die Verleihung mag man sich dort wohl am meisten ärgern, wenn schätzungsweise am Montagvormittag erstmals wieder jemand mit Deutschkenntnissen zum Dienst antritt?

Über einen der Komma-, Anschluss- und Grammatikfehler? Über den falsch geschriebenen Nachnamen des sächsischen Ministerpräsidenten, den falsch geschriebenen Vornamen eines der Preisträger oder den mal falsch, mal richtig geschriebenen Nachnamen des Initiators? Darüber, dass man im Bildtext Anetta Kahane und Christian Petry zu Empfängern des Preises gemacht hat, obwohl sie ihn verliehen haben? Über die Schreibweise „Mittwaida“ statt „Mittweida“, obwohl es vier Zeilen vorher richtig steht? Darüber, dass der Link in der letzten Zeile nicht funktioniert, weil sich ein Leerzeichen darin versteckt? Oder darüber, dass dem Satz „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit“ aus einem Flugblatt der Weißen Rose die letzte Silbe abhanden gekommen ist?

Ich glaube, ich weiß es:



69 Gedanken
  1. 1
    A. K. says:

    Oh mein Gott.

    Die Freitag-Abend-Praktikanten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

    Im Ernst: Ich als Laie dachte immer, so ein Artikel geht vor Veröffentlichung durch mehrere Instanzen, wo er jeweils gründlich begutachtet wird. Bei online-Medien scheint das aber anders gehandhabt zu werden.

  2. 2
    SD says:

    „den falsch Vornamen eines der Preisträger“?

    Ich schätze mal der Teil wird für Verärgerung sorgen… bei irgendwem. :P

    Aber jetzt fliegt der erste Stein schon… ;)

  3. 3
    Stefan says:

    Da werd ich wohl mal ein ernstes Wort mit meiner Schlussredaktion reden müssen. Mannmannmann.

  4. 4
    Simon Columbus says:

    „sie“ statt „Sie“ ist mittlerweile als Alternative erlaubt. ;)

    So schlimm kann kein Praktikant arbeiten…

  5. 5
    critter says:

    @1: Nur eine Instanz kann eigentlich auch genügen, sofern sie der Syntax und der Orthographie mächtig ist. Muss ja nicht jeder so angehen wie der Spiegel, bei dem ein Artikel geschätzte zwölf bis 22 Schreibtische passiert.

    Sollte aber vielleicht.

    Ich habe die Vermutung, dass derlei Instanzen auch in der Printpresse immer seltener gefragt werden oder überhaupt vorhanden sind. Vielleicht sollte man Outsourcing betreiben und “ Niggemeiers Gegenleseservice“ einschalten. Oder gleich Sick fragen.

    Dann kommen auch keine falsch Namen mehr vor. ;-)

  6. 6
    critter says:

    @4: Verwechseln Sie das nicht mit etwas? Oder sind Sie mit der aktuellen Rechtschreibung auf Du und du?

  7. 7
    Marc | Wissenswerkstatt says:

    Haarsträubend. Haben die beim stern heute schon ne vorgezogene Weihnachtsfeier gehabt? Puh!? Man kann doch so eine simple Meldung nicht so verhunzen? Da kann man ja mit dem Kopfschütteln überhaupt nicht mehr aufhören… :-(

  8. 8
    Patrick Pricken says:

    Groß.Artig.

    Vielen Dank für diesen Lacher vor dem Heiamachen. Und nicht vergessen:

    Zerreißt den Mantel der Gleichgültig!

    Zerreißt den Mantel der Gleichgültig!

    ZERREIßT DEN MANTEL DER GLEICHGÜLTIG!

  9. 9
    nur mal so says:

    Das alte Lied: „Lass das doch den Praktikanten machen ..“ Obwohl das jetzt zu hart gegenüber der Praktikantenzunft wäre. Das Ärgerliche an dem Artikel ist nicht der Artikel selbst, sondern die Tatsache, daß es nur einer von vielen ist. In seiner Lieblosigkeit zwar schon beeindruckend, aber eben nur einer von vielen.

  10. 10
    Daniel Große says:

    Oh Gott, ist das schlecht. Schade, stern.de, wirklich schade. Ich würd mir in den A…beißen, wenn ich so derart vorgeführt würde. :-)

  11. 11
    corax says:

    Zeile 5:
    […geehrt Sachsen??? Ministerpräsident…]
    fehlt noch.

  12. 12
    Marc | Wissenswerkstatt says:

    Ich kann mir nicht mehr helfen: geht das mit rechten Dingen zu? Oder sind wir nur Zeuge einer kleinen perfiden Sabotageaktion eines Praktikanten oder Redakteurs, der am heutigen abend schlicht keine Lust mehr hatte?

    Wir werden es vermutlich nie erfahren. Aber bemerkenswert ist nicht nur, daß solche kapitalen Fehler sich in diesem Text geradezu tummeln, sondern daß dieser Text mit dieser Überschrift seit mehr als 2 Stunden unverändert online ist.

  13. 13
    Stefan says:

    @Marc: Da ist keiner mehr. Da arbeitet seit Stunden keiner mehr. Das ist so bei stern.de. Man kann es auch daran sehen, dass um 22.15 Uhr ein Fußball-Bundesliga-Spiel zuende gegangen ist. Auf sueddeutsche.de, faz.net, Spiegel Online, Focus Online, Welt Online kann man selbstverständlich Spielberichte dazu lesen. Auf stern.de nicht.

  14. 14
    Stefan says:

    @Corax: Danke! Ich hab’s nachgetragen.

  15. 15
    RJ says:

    Zeile 13: „Und trotzen …“ fehlt auch noch.

  16. 16
    Limited says:

    „EINWNADERUNG

    Schwarzenegger erzürnt Latinos mit Sparchlern-Tipp“

    Gefunden auf SPon am 14.06.2007 – wurde aber immerhin im Verlaufe von 8 Stunden mit einigen Anläufen korrigiert.

  17. 17
    Robert Z. says:

    Vielleicht leide ich unter der Uhrzeit – aber der letzte Link im Text funktioniert doch sauber?! Ich sehe da auch kein Leerzeichen, weder im Linktext noch in der Link-URL selber.

  18. 18
    Ommelbommel says:

    Liebe Güte…

  19. 19
    Markus Pirchner says:

    Wer selbst im Glashaus sitzt:
    >Nachnamen des Initiatoren?
    das ist schon eine etwas kreative Genitivgestaltung. ;-)

    Auch hätte sich die Formulierung „und organisieren Zivilcourage“ als schlichter Mumpitz anprangern lassen.

  20. 20
    Stefan says:

    @Markus Pirchner: Danke. Ich habe meine Genitivgestaltung jetzt nachträglich korrigiert.

    @Robert Z.: Ja, stimmt. Aber ich bin mir ziemlich sicher: Als ich das erste Mal darauf geklickt habe, war da noch ein Leerzeichen zwischen http:// und demokratie…

  21. 21
    Alberto Green says:

    @8: Wo wir grad beim Klugscheißen sind: Kein ß bei Großsbuchstaben. Man könnte sonst zerreiben lesen (was im Kampf gegen die Gleichgültig allerdings auch ein statthaftes Mittel wäre). Beispiel KLUGSCHEISSE. Klugscheibe ergäbe ja keinen Sinn.

    Die Fehler sind ja katastrophal, viel schlimmer finde ich aber, daß auf Spon irgendeiner auf den Kreativtrichter gekommen ist und Überschriften wie „iPhone? I wo!“ äh dichtet. Am besten noch „Wenn Roque Junior alt aussieht.“ Super! Namenwitze!

  22. 22
    Nils Philipp says:

    Dieses Blog scheint bei der „Frühschicht“ von stern.de nicht zur Pflichtlektüre zu gehören. Aber offenbar auch die eigenen Inhalte nicht. Wie sonst ist es zu erklären, dass nach wie vor die „Topmeldung“ unter „Politik & Panorama“ nicht in die allgemeine Rechtsschreibung übertragen wurde?

  23. 23
    Stefan says:

    Ich glaube nicht, dass da überhaupt schon jemand arbeitet.

  24. 24
    Frank Möller says:

    @Alberto Green: U+1E9E LATIN CAPITAL LETTER SHARP S

    Ein kleines ß ist aber sicherlich falsch.

  25. 25
    Daniel Große says:

    So, und nun gebt es zu – wer von Euch war das hier? :-)

  26. 26
    G says:

    Ich würd ja gerne mal Mäuschen spielen und sehen wie es in solch einer Redaktion wirklich abläuft.

  27. 27
    Torrit says:

    auch ein schöner artikel auf stern.de
    http://www.stern.de/politik/panorama/601072.html?nv=ct_mt

    (vllt liegts ja an meinem rechner und mir, aber wiederholt sich da nicht ab und zu was?)

  28. 28
    Frederic Schneider says:

    Interessant ist, dass wir Samstagvormittag, 11:35 Uhr haben und immer noch nichts korrigiert wurde. Das mit „Sachsen Ministerpräsident“ hat übrigens etwas: Man kann es ja so interpretieren, als wäre Milbradt der MP der Sachsen statt vom Bundesland Sachsen. Hat ja irgendwie eine Logik, wenn auch nicht mehr zeitgemäß.

  29. 29
    Stefan says:

    Ich sag doch, dass da erst am Montagmorgen wieder jemand mit Deutschkenntnissen aufschlägt. Der Samstagsdienst war bislang damit beschäftigt, einer AP-Meldung folgenden Vorspann zu verpassen:

  30. 30
    G says:

    Vielleicht könnte ja mal jemand den in 25 verlinkten Kommentar der Redaktion melden. Sonst merken die das doch nie. :)

  31. 31
    Mr. Juso says:

    Die Korrektur ist da!!

  32. 32
    Alberto Green says:

    @29 Und was trug GWB nun: T-Shirt oder kurzärmliges blaues Hemd? Ich bin so gespannt…

  33. 33
    Daniel v. Bülow says:

    „Mit schönen Grüßen, Ihre stern.de-Redaktion.“

  34. 34
    Matti says:

    Ob Marcus Eick nun Marcus Eick heißt, oder doch Markus Eick und eben nicht Marcus Eick, das bleibt wohl auf ewig ein Geheimnis.

    Oder ist Herr Niggemeier etwa auf die wahnwitzige Idee gekommen, ihn einfach mal persönlich zu fragen??? :)

    (zumindest die Google-Suche ergibt mehr und sinnigere Treffer für die C-Version)

  35. 35
    Stefan says:

    @Matti: Er selbst scheint sich tatsächlich (wie stern.de) mit „c“ zu schreiben: http://www.buendnis.landjugend-sachsen.de/index.php?id=13

    Die Leute vom Preis schreiben ihn mit „k“: http://www.demokratiepreis-sachsen.de/die-nominierten-projekte/buendnis-fuer-menschenwuerde/

  36. 36
    bitter_twisted says:

    Verstehe ich euch richtig?Die Demokratie wird durch ein paar Extremisten gefährdet, aber die totale Abschaffung der Bügerrechte und die totale Überwachung aller Bürger ist kein Problem?

    Ihr solltet etwas vorsichtiger sein was ihr raucht.

  37. 37
    Theo says:

    Ist das nur in meiner Realitaet so, oder macht Komemntar 36 hier schlicht und ergreifend keinen Sinn?

  38. 38
    Frederic Schneider says:

    Ich pflichte dir bei, Theo @ 37 ;).

  39. 39
    sb says:

    Oh, ist korrigiert.

  40. 40
    Fragen kostet ja nix says:

    Mir ist das alles eg. Um nicht zu sagen: gleichgült.

  41. 41
    Sebastian says:

    @37, 38: am gestrigen Freitag hat der Bundestag dem Gesetz zur Telekommunikationsüberwachung inkl. Vorratsdatenspeicherung zugestimmt, das wird der Bezug sein. In der Tat habe ich mich beim Überfliegen einiger Nachrichtenportale auch über die Gleichgültig gewundert, mit der dieses Thema behandelt oder auch eben gar nicht behandelt wird.

  42. 42
    Gregor Keuschnig says:

    Und der stellvertretende Chefredakteur des „stern“ (ja, ich weiss, das hat mit „stern-online“ rein gar nichts zu tun) schmeisst mit Dreck auf Blogger und schwafelt von „Qualitätsjournalismus“.

    Vielleicht, weil man das am meisten mag, von dem man eigentlich am wenigsten weiss.

  43. 43
    Ayetho says:

    @ 27: Ganz große Klasse. Ganz große Klasse. Ganz große Klasse. Wie man eine lächerliche 7-Zeilen-Meldung auf eine ganze Seite bringen kann. Ganz große Klasse. Wie man eine lächerliche 7-Zeilen-Meldung auf eine ganze Seite bringen kann. Ganz große Klasse!

  44. 44
    F. Kobel says:

    Oh, da wird Herr Niggemeier aber eine Aushilfe die zum ersten Mal was alleine schreiben durfte ganz schön traurig gemacht haben… na, ja muss halt nicht jeder Medienjournalist werden…

  45. 45
    PS says:

    Ein paar hier sind wohl zu sehr von ordentlich redigierten Print-ausgaben großer Zeitungen verwöhnt.
    Wer schonmal die Pforzheimer Zeitung (print, nicht online) lesen musste, weiß was Rechtschreibfehler und Grammatik anrichten können.

  46. 46
    vib says:

    Hm, wundert mich gar nicht. Ich wette, bisher hat das noch niemand von den Verantwortlichen gemerkt. Tritt sich fest, ehm, das verliest sich, oder so…

  47. 47
    WhiplashWilli says:

    Mittlerweile ist der Artikel korrigiert worden. Und das nicht einmal klammheimlich, sondern mit ausführlicher Anmerkung und Dank für die „konstruktive Kritik“.

  48. 48
    Markus Kämmerer says:

    Nicht ganz so extrem, aber etwas kürzer ist auch der Artikel in der TLZ: http://blog.happyarts.de/2007/07/09/757/haendys-und-praktikanten-bei-der-tlz

  49. 49
    Felix Deutsch says:

    Ha.
    Fast noch schöner war letzte Woche ein Fall von Gefälligkeitsjournalismus auf Süddeutsche.de über irgendeinen startup-pitch Wettbewerb in dem das Ex-Unternehmen der Sponsoren „ABADO“ statt „ALANDO“ genannt wurde und so auch (trotz sofortigem Hinweis) über das ganze Wochenende unkorrigiert stehen blieb.

  50. 50
    Harald says:

    Einen korrigierten Text gratis geliefert zu bekommen ist doch eine durchaus „konstruktive Kritik“, die der Stern nach kaum 24 Stunden dann auch gerne aufgegriffen hat. Hoffentlich wurde der arme Mitarbeiter der das Original verbrochen hat nicht gleich gefeuert, sondern nur zum „Deutsch für Profis“ Auffrischungskurs verdonnert ;-)

    Vielleicht hat das Stern.de Content Management System bzw. das Layout der Webseite auch ein „Jahr 2000 Problem“, und man hatte bei der Erstellung nicht damit gerechnet dass ein Redakteur der Stern-Leserschaft so lange Überschriften zumuten würde…

  51. 51
    Judgement says:

    Ohhhh mein Gott, alles was ich hier lese ist Kopfgewichse. Ihr scheint alle einen langweiligen Sonntag zu haben. Es gibt wichtigeres, als sich über andere Leute Rechtschreibung aufzuregen.

  52. 52
    Sebastian Sachse says:

    Was ist eigentlich mit Menschen, die sich darüber aufregen, dass sich andere über etwas aufregen? Haben die spannendere Sonntage?

  53. 53
    Mathias S. says:

    Sie haben übrigens den Artikel verbessert (Stand: Sonntag, 11.11.07, 23:20).

  54. 54
    Stefan says:

    Ja, schon am Samstag gegen viertel nach Zwölf oder so.

  55. 55
    Beate Kaminski says:

    hm, kommt wohl davon, wenn man ständig an den falschen stellen sparen will – nämlich an leuten, die auch tatsächlich der deutschen sprache mächtig sind. „das decken wir aus unserer redaktion ab“, ist da eine gern bemühte standard-antwort. das ergebnis sieht man ja. :-(

  56. 56
    westernworld says:

    früher schrob ich darob noch lesermails.
    heute sehe ich die kreative gestaltung vor allem von spon, stern und focus ertrage ich nicht, in sachen rechtschreibung und grammatik bis hin zur völligen sinnentstellung per kopieren&einfügen als eigenständigen teil des unterhaltungsangebotes an.

  57. 57
    Ächz says:

    Früher sagte man ja in mancher Redaktionen: „Das bißchen, was ich lese, schreib ich mir selber.“ Da wurde also noch gelesen!

    In Online-Redaktionen geht’s heute ohne, da wird nur noch geschrieben. Das heißt dann „content“, von englisch „sich mit etwas begnügen“.

  58. 58
    Weltregierung says:

    Mittlerweil ja schon Alteis, aber herzlichen Donk Herr Niggermeyer
    vür diese gar amühsante bloggeray.

    – Grinsregierung.

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