Stefan Aus

15 Nov 07
15. November 2007

— Ein Gastbeitrag von Oliver Gehrs —

Der „Spiegel“ ist nicht gerade dafür bekannt, dass er spart: Die Gehälter sind überdurchschnittlich, das viel zu teure Berliner Büro residiert mitten in den Blumenrabatten am Pariser Platz, und manchmal kann es sein, dass einen der Ressortleiter anhält, mehr Spesen zu machen. Öfter mit Informanten schick essen zu gehen.

Aber nun brechen andere Zeiten an. Unter dem neuen Geschäftsführer Mario Frank wird gespart. Und man nimmt es sympathischerweise nicht den Kleinen, sondern fängt mit dem wohl größten Posten im Personal-Etat an. Denn Chefredakteur Stefan Aust wird bestimmt eine Million im Jahr bekommen haben — das heißt, die jetzt erfolgte Kündigung könnte richtig Geld sparen. Aust hat einen Fünf-Jahresvertrag bis zum 31.12.2010, der aber jetzt erstmals vorzeitig gekündigt werden kann. Hätte man die Gelegenheit verstreichen lassen, wäre eine hohe Abfindung fällig geworden.

Es wird aber auch Zeit. Noch nie hat ein Chefredakteur den Spiegel so wurstig gemacht wie Aust in den letzten Monaten. Während er daheim in Stade Rennpferde züchtete, von denen denn auch prompt das Schnellste für eine mittlere sechsstellige Summe verkauft wurde, oder für die ARD spannende RAF-Dokus produzierte, ließ er seine Hintersassen (copyright Kurt Kister, „Süddeutsche Zeitung“) unterirdische Titel produzieren. Mal wurden Hamburg und Riga zu Topstädten hochgejazzt, mal die Klimakatastrophe als Heil für die nördliche Welt beschrieben, dann wieder belangloses 68er-Workshop-Gewäsch gedruckt. Aust war der Spiegel egal geworden, und dass konnte man jeden Montag am Kiosk merken.

Gut, dass damit Schluss ist, und das Tollste ist: Aust weiß es vielleicht noch gar nicht. Er ist gerade im Urlaub.

Oliver Gehrs, 39, ist Autor der unautorisierten Stefan-Aust-Biographie „Der Spiegel-Komplex“ und bespricht jeweils montags die aktuelle „Spiegel“-Ausgabe auf „WatchBerlin“.

48 Gedanken
  1. 1
    Reptilienfonds says:

    >Gut, dass damit Schluss ist, und das Tollste ist: Aust weiß es vielleicht noch gar nicht. Er ist gerade im Urlaub.

    Von SPon hat er es jedenfalls nicht erfahren …

  2. 2
    Jemand says:

    Es wäre ganz nett gewesen, wenn geschrieben worden wäre, wer Stefan Aust überhaupt ist. (auch wenn ich es als langjähriger Leser dieses Blogs weiß)

  3. 3
    felix says:

    gehört das nicht zur allgemeinbildung?

  4. 4
  5. 5
    Moritz E.K. Waldhauser says:

    woher kommt eigentlich diese hass-liebe von oliver gehrs gegen den spiegel? war sein angestelltenverhältnis wirklich so schlimm oder wäre er gern selbst mal spiegel-chefredakteur? ich meine er weiß, dass mir seine blattschüsse auf watch.berlin größtenteils ganz gut gefallen – aber was soll man darauf geben, wenn er die austsche-selbstdarstellung im spiegel bemäkelt und sich selbst in seinem dummy-magazin die letzten hochglanzsseiten, als mode-model präsentiert… ironie hin oder her – wo dort eigentlich der platz für einen jungen schriftsteller gewesen wäre(!) nein, okay – ich bin nicht nachtragend und nehms auch nicht persönlich, aber ich denke es hätte mehr sinn ergeben, als die komische hass-liebe auf ein spiegel-bild

  6. 6
    Uato says:

    Endlich, früher was der Spiegel tatsächlich mal ein demokratisches und zum teil sogar idealistisches Magazin (ausser natürlich sein verhalten während der aids vorfälle damals), mit austs weggang kann es nur besser werden….ich würde aber mit der kündigung austs nicht aufhören da gibt es eine riege arroganter autoren die meiner meinung nach gekündigt gehören wie z.B Matusek, Broder, und die Panorama Ressortleiterin deren Name mir momentan entfallen ist

  7. 7
    Augusten says:

    Naja. Ich wollte eigentlich mein Spiegel-Abo aus genau den oben beschriebenen Gründen schon seit einem halben Jahr kündigen. Vielleicht gebe ich dem neuen jetzt nochmal eine Chance, wieder ein besseres Magazin zu machen …

  8. 8
    corax says:

    Darf ich mal blöd fragen warum jetzt zwangsläufig alles besser werden soll, bloß weil dem Aust gegangen wird?
    Steht der Neue schon fest und wenn ja, weiß man was er kann? Schlechte Angewohnheiten lassen sich nur schwer wieder abgewöhnen auch wenn es heißt: „Neue Besen….

    Pax

  9. 9
    Matti says:

    @ 2

    Nun ja, das ist eben schon so ein klitzekleines Stückchen Allgemeinwissen, was man da aufbieten müsste.

  10. 10
    Augusten says:

    @9: Muss nicht, aber es besteht die Chance.
    @7: Matussek würde ich auch lieber gegangen sehen.

  11. 11
    Sebastian Sachse says:

    Ich glaube aber, Matussek macht jetzt weiter.

  12. 12
    Sebastian says:

    Oh je, bitte im vorletzten Absatz die Konjunktion durch einen sächlichen bestimmten Artikel ersetzen. Danke! ;)

  13. 13
    Axel says:

    Matussek, ich höre immer Matussek.
    Was ist denn gegen den zu sagen?

  14. 14
    Sebastian Sachse says:

    Sein Videopodcast. Und seine ewigen Wirsindwiederwer-Artikel, bzw. dass er das in jedes Interview miteinfließen lässt. Ich sehe ihn immer Tränen jauchzend vor mir, wenn er „Deutschland“ sagt.

  15. 15
    Florian says:

    Matussek ist die Pest. Der Kulturteil ist das Schlimmste, was der SPIEGEL Woche für Woche zu bieten hat. Uninspiriert und damit absolut austauschbar. Und wenn ich nur an diese Deutschtümelei und das grausige Interview seines Sohnes (Nepotismus!) mit 50Cent denke!
    Herr Gehrs freut sich ja währenddessen über Austs Abgang. Ich fürchte allerdings, dass der SPIEGEL auch in Zukunft mehr mit crazy, hippen, coolen Themen aufmacht. Warum? Siehe Folgendes:
    „Wir wollen mehr junge Leute an das Blatt binden. Dazu braucht es eine frische, neue Kraft.“ (Armin Mahler, Geschäftsführer der Mitarbeiter KG)
    (http://www.focus.de/kultur/buecher/der-spiegel_aid_139337.html)

  16. 16
    Sebastian says:

    > Aust weiß es vielleicht noch gar nicht. Er ist gerade im Urlaub.

    Hm, die SZ schreibt, er habe es „heute Nachmittag“ erfahren.

  17. 17
    renke says:

    @16 (Florian) du hast ja viel Vertrauen in die jüngeren Leute – die sind also automatisch crazy, hip und cool?
    Werden dann ja lustige Jahrzehnte für mich, wenn nur die alte Garde noch Ernsthaftigkeit kennt…

  18. 18
    Mirko says:

    Das Problem sind wohl weniger die jüngeren Leute, als das, was so einige Marketing-Fuzzies über 50 sich scheinbar darunter vorstellen. Ich hege zumindest noch eine gewisse Hoffnung, dass es bei den „jüngeren“ noch genug Leute gibt, die nicht MTViva, DSDS und Jamba vergöttern… ;) (Und umgekehrt, dass es über 50 nicht nur spießige Nieten in Nadelstreifen gibt… ;))

  19. 19
    Augusten says:

    Matussek ist ein Typ, der seine Meinung zu Nachricht macht und der es bei mir verschissen hat, seit mir bei einem seiner Talkshow-Auftrite gedämmert ist dass er ins neokonservative „Frauen an den Herd“-Horn nur deswegen tutet, um seinen eigenen Lebensentwurf zu verteidigen. Ziemlich jämmerlich fand ich dann allerdings, dass er es trotz Verbannung seiner Angetrauten in die Küche nur zu einem Kind gebracht hat. Mal ganz zu schweigen davon, was für abgrundtief dummes Zeug dieser Mann da von sich gegeben hat (es wäre heutzutage normal, dass Frauen sich schon deswegen scheiden lassen weil der Mann ihnen nicht die richtige Schrankwand kaufen möchte) — das hat in mir letztendlich die Überzeugung reifen lassen, dass dieser Mensch offenbar wirklich so dumm ist, wie er daherredet …

  20. 20
    scipio says:

    Wie man hört. reicht den Herrschaften in der Redaktion der wirtschaftliche Erfolg nicht mehr. Die wollen mehr Harmonie(die Aust angeblich durch Arroganz gestört hat). Da kommen einem ja die Tränen. Nicht nur 6-stellige Jahresgehälter abgreifen, sondern auch noch geliebt werden. Das sind eben die Luxusprobleme deutscher Knallkorkenjournalisten.

  21. 21
    Ommelbommel says:

    @scipio 21: A

  22. 22
    Ommelbommel says:

    Ups, nochmal:

    @scipio 21: Also wenn es etwas gibt, was eine gute Redaktion nicht braucht, dann ist das ja wohl Harmonie. Die haben ja Ideen.

  23. 23
    schlunz says:

    Geil, einfach nur GEIL! (Ich lege Wert auf die Feststellung, dass ich den Ausdruck hiermit gerade zum allerersten Mal überhaupt in dieser flapsigen Bedeutung gebraucht habe.)

    Ich hoffe, den Spiegel wird man jetzt auch wieder zum Lesen kaufen können. In der Aust-Ära hat er ja nur noch zum Auslegen des Katzenklos getaugt, oder zum Einwickeln von stinkendem Fisch.

  24. 24
    Lukas says:

    @Axel:

    Matussek, ich höre immer Matussek.
    Was ist denn gegen den zu sagen?

    Sowas, zum Beispiel.

  25. 25
    Fareus says:

    Herr Gehrs lese ich da bei Ihnen eine Genugtuung heraus ? :P

  26. 26
    Rhabarber says:

    Hurra!

  27. 27
    Anderer Gregor says:

    @8: Heh, ich habe auch schon bedauert, dass ich mein Spiegel-Abo nicht laengst demonstrativ gekuendigt habe (der einzige Grund dafuer war, dass ich keinen Ersatz gefunden habe, der nicht noch schlechter gewesen waere), um es jetzt wieder demonstrativ wiederaufzunehmen.
    Schaun wir mal. Vielleicht beschaeftigt sich der zukuenftige Spiegel / SpON in den Tagen, nachdem bekannt wird, dass u.a Spiegel-Redakteure abgehoert wurden und bei diversen Redaktionen Post heimlich durchleuchtet und vorgefiltert wurde, ja nicht mehr mit Ufos auf US-Tankstellen und Britney Spear’s Erziehungsplaenen …

  28. 28
    Augusten says:

    @29
    Ersatz in D war tatsächlich nicht vorhanden, deswegen hatte ich mir schon überlegt ein ausländisches Magazin zu abonnieren.

  29. 29
    Ulf says:

    „ließ er seine Hintersassen (copyright Kurt Kister, „Süddeutsche Zeitung”) unterirdische Titel produzieren“

    Kister gebührt zwar Lob für die Wiederbelebung des ausgestorbenen Wortes, aber auf solche Entdecker- und Sprachpflegeleistung gibt es kein Copyright. Erfunden hat er meines Wissens nur „Neufünfland“. Wer mehr über Hintersassen wissen möchte: -> Wikipedia.

  30. 30
    Thorsten says:

    Die wöchentliche Spiegelrezension von Gehrs gefällt mir. Gut vor allem, dass er das Problem Matussek benennt, diesen Egozentriker, bei dem ich das Gefühl habe, dass er seine Bildung zwanghaft angelesen hat und bei jeder Gelegenheit zeigen muss, dass er Goethe und Rilke zitieren kann.

  31. 31
    jakob says:

    No jokes on names Herr Gehrs! What do you call a man with a ham sandwich? Ahmed! (Ham-ed)

  32. 32
    Florian says:

    @18 (renke):
    Natürlich sind nicht alle Jugendlichen derart drauf. Ich persönlich bin auch erst 19 Jahre alt und stehe absolut nicht auf dieses ganze „Europas coole Städte“-„Second Life“-Gedöns. Da kann man sich auch den Stern oder diese anderen Illustrierten kaufen. Aber wenn ich sehe, was die 12- bis 16-Jährigen von Heute interessiert, dann sehe ich den SPIEGEL noch weiter in diese boulevardeske Richtung gleiten. Es kann natürlich alles auch ganz anders kommen – und das wäre wünschenswert!

  33. 33
    schläfer says:

    Eine gute Nachricht – hoffentlich wissen SPIEGEL-Leser bald wieder mehr!

    Schon damals beim „Windkraft – Nein danke!“-Artikel habe ich nach dem Lesen nochmal auf den Umschlag geguckt, ob ich nicht das falsche Heft erwischt habe.
    Auch das Stillhalteabkommen/Sympathisieren mit Springer seit dem gemeinsamen Widerstand gegen die Rechtschreibreform und die Boulevardisierung des Magazins haben mich zunehmend angewidert (z.B. drei Seiten 25 Jahre tote Grace Kelly, vier Seiten über den wirklich allerletzten Abschlußuntersuchungsbericht wie, ob und warum Lady Di starb oder das der neue Audi ABC 88 mit Sechsradantrieb und obenliegenden Scheibenwischern da ist und ganz toll fährt).
    Das wirtschaftsverliebte Manager-Magazin von nebenan schlägt auch immer stärker durch.

    Mal sehen, ob Aust in der ihm nun verbleibenden Zeit redaktionell angeschlagen ist und (trotz seiner Vasallen) weniger Einfluß auf die Inhalte hat oder ob er versucht, „verbrannte Erde“ zu hinterlassen.

  34. 34
    Fareus says:

    Wenn ich den Satz höre „Es war nicht alles schlecht“ muss ich an die NS-Zeit oder an die DDR denken.

    Nun kommt auch noch der SPIEGEL dazu, toll.

    http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/es-war-nicht-alles-schlecht/?src=TE&cHash=f34cc17e6c

  35. 35
    cliquot says:

    Also ich bin nicht wirklich traurig drum. Dem Spiegel wirds nützen. Hoffentlich …

  36. 36
    surfer_dd says:

    im grunde hat gehrs recht. blöd nur, dass er selber sehr wurstig referiert. denn: der spiegel hat tallinn (nicht riga) zur coolen stadt erklärt. und das war übrigens völlig okay …

  37. 37
    Und tschüss... says:

    Das war bitter nötig. Wenn jetzt auch noch der Matussek gegangen wird dann wird der Spiegel vielleicht wieder anständig. Ich hab mich über den Rauswurf jedenfalls diebisch gefreut :)

  38. 38
    Dr. Dean says:

    Hier liest sich Gehrs zum Casus Aust noch halbwegs moderat. Was er aber in der TAZ umfangreich ausgebreitet hat, lässt in jeden gerechten Menschen den Wunsch entstehen, jedenfalls für einen kurzen Moment, dass der Vertrag mit Aust nachträglich doch verlängert wird.

  39. 39
    Joe says:

    wenn jetzt noch dem überzeugten irakkrieg befürworter und chefredakteur claus malzahn aus dem ressort politik des online nachrichten dienstes spiegeloffline gekündigt wird, wäre dies das sahnehäubchen der ganzen geschichte.

  40. 40
    Joe says:

    achja, broders abgang würde ich auch sehr begrüssen.

    polemische artikel im niveau billigster „blog-hetzt-artikel“ haben in einem international renomierten nachrichten magazin nichts zu suchen.

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  7. […] und bespricht jeweils montags die aktuelle „Spiegel”-Ausgabe auf „WatchBerlin”.) Stefan Aus Diese Links sind im Artikel […]

  8. mek blog sagt:

    […] oliver gehr schreibt über das “stefan.aus” bei niggemeier » Filed under allgemein, blog by mek at 19:42. back to […]

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