Der DJV kennt Google News nicht

06 Aug 09
6. August 2009

In dieser Woche schrieb Michael Konken, der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), in der „FAZ“:

Der Nachrichtenaggregator Google News ist dagegen bisher weitgehend unbeschadet von Ansprüchen Dritter geblieben. Dabei ist hier die fast vollautomatische Zeitung schon heute Realität. Einerseits sorgt die Präsenz auf dieser Seite für mehr „Traffic“ bei den dort verlinkten Internetseiten, andererseits übernehmen diese und vergleichbare Angebote einen wichtigen Teil des Anzeigengeschäfts, das die Produktion dieser Inhalte erst möglich macht.

Das konnte man noch für den Irrtum eines schlechtinformierten Lobbyisten halten, der es mit der Wahrheit eh nicht immer so genau nimmt. Aber es ist schlimmer.

In der offiziellen Stellungnahme des DJV zu Änderungen der Urheberrechtes [pdf], die der Verband dem Bundesjustizministerium zukommen ließ, formuliert der Justiziar Benno H. Pöppelmann:

Es ist einerseits ärgerlich, wenn Google Geld mit Werbung verdient, die neben Hinweisen auf von Verlagen finanzierte Veröffentlichungen34 platziert wird. Andererseits kann nicht übersehen werden, dass die Anzeigen durch die Suchmaschine zu Zugriffen auf das Angebot der Verlage führen und damit für die Werbeeinnahmen der Verlage förderlich sind.

Und die Fußnote auf derselben Seite lautet unmissverständlich:

34 http://news.google.de

Weil die Sache so unübersichtlich ist, habe ich sie einmal in einem Schaubild verdeutlicht — als kleinen Service für Herrn Konken, Herrn Pöppelmann und die anderen. Das hier links ist eine verkleinerte Darstellung der aktuellen deutschen Google-News-Seite. Und auf der rechten Seite ist die komplette Werbung zu sehen, die Google darauf platziert hat, sämtliche Anzeigen, mit denen Google News auf der Grundlage der Inhalte der Verlage Geld verdient, das dem Anzeigengeschäft der Medien fehlt:

Ich kann’s aber auch sicherheitshalber noch einmal hinschreiben: Auf news.google.de ist keine Werbung. Google News ist zur Zeit in Deutschland ein kostenloser, werbefreier Service von Google, von dem Leser und Online-Medien profitieren.

Das Schlimme ist: Die differenzierte Position des DJV zur Forderung der Verlage nach einem Leistungsschutzrecht, wie sie in dem Papier formuliert wurde, ist gar nicht dumm; sie ist auch sehr in meinem Interesse als (freier) Journalist. Aber würden Sie diese Leute ernst nehmen?

72 Gedanken
  1. 1
    palosalto says:

    hast du die herren um ein kommentar gebeten?

  2. 2
    Twipsy says:

    @1 Na ja, welchen Sinn hat das, wenn unter dem Artikel in den Kommentaren seit 2 (!) Tagen dieser Fehler aufgeklärt ist, ohne dass am Text was passiert? Mal wieder typisch!

  3. 3
    Stefan Niggemeier says:

    @palosalto: Nö. Warum?

  4. 4
    Jemand says:

    @Stefan zu palosalto: … Weil es inteeressant wäre!

  5. 5
    Stefan W. says:

    Scheint ja wahnsinnig wichtig zu sein, dieses Google-News, wenn er sich so gründlich damit befaßt hat.

    Oder es ist die perfide Technik der Suchmaschine, die Verleger automatisiert erkennt, und diesen, aber nur diesen, doch Werbung präsentiert. Vielleicht ist Google weiter als wir denken.

  6. 6
    Stefan W. says:

    P.S.: Man möchte bei einer Podiumsdiskussion im Publikum sitzen, während oben ein Laptop mit Beamer und Internetverbindung steht, und ganz unschuldig bitten, doch mal diese Werbung bei Google-News zu zeigen. :)

  7. 7
    Google News Blog says:

    Wednesday, February 25, 2009 10:58 AM
    Posted by Josh Cohen, Business Product Manager

    If you’re in the US, starting today you may notice something a bit different when you search Google News.

    Last November, we announced plans to begin experimenting with ads on a number of Google properties, including news query refinements within Google search. Today, we’re continuing a similar experience for users by introducing ads on Google News search-results pages in the US. What this means is that when you enter a query like iPhone or Kindle into the Google News search box, you’ll see text ads alongside your News search results–similar to what you see on regular Google searches or Google Book Search.

    In recent months we’ve been experimenting with a variety of different formats, like overlay ads on embedded videos from partners like the AP. We’ve always said that we’d unveil these changes when we could offer a good experience for our users, publishers and advertisers alike, and we’ll continue to look at ways to deliver ads that are relevant for users and good for publishers, too.

  8. 8
    Raventhird says:

    Die Lösung ist ganz einfach: Diejenigen, die sich über Google beschweren, werden aus dem Suchindex gekickt. Wer sich über den Fahrer aufregt, der Kunden heranschafft, dem werden von diesem Fahrer keine Kunden mehr gebracht. Aber dann geht sicherlich sehr schnell das Gejammere von der anderen Seite aus wieder los (böses Google, will uns nicht helfen, Zensur unserer Angebot etcetc).

  9. 9
    Twipsy says:

    @7 Was war das jetzt? Kommen Blogs, die sich mit Google News beschäftigen, automatisch in ein Google News Blog-Abo? Oder kennt man Stefan sogar in USA?

  10. 10
    Stefan Niggemeier says:

    @Twipsy: Ich würde mal tippen, der Absender ist gelogen.

  11. 11
    Stefan Niggemeier says:

    Ich habe sicherheitshalber im vorletzten Absatz noch einmal die Worte „in Deutschland“ hinzugefügt. Denn darum geht es.

  12. 12
    Twipsy says:

    Das ist natürlich die einfachste Lösung…Datenkrake Google wär aber auch hübsch gewesen ;-)

  13. 13
    matthias says:

    @7 der Inhalt der Meldung scheint allerdings authentisch zu sein.
    Sprich, der DVJ plant voraus. :D

  14. 14
    Stefan Niggemeier says:

    @matthias: Natürlich ist es nicht abwegig, dass Google in Zukunft auch Werbung auf news.google.de verkauft. Und man darf sich auch gerne jetzt schon Gedanken darüber machen, wie man das findet, als Urheber oder Verleger. Nur so zu tun, als sei es längst Tatsache, zeugt entweder von Ahnungslosigkeit oder vom Willen zur Desinformation.

  15. 15
    Armin says:

    Hm, wie ist das eigentlich mit dem FAZ Kulturkalender?

    Es ist einerseits ärgerlich, wenn die FAZ Geld mit Werbung verdient, die neben Hinweisen auf von Kulturtraegern finanzierte Veranstaltungen platziert wird. Andererseits kann nicht übersehen werden, dass die Anzeigen durch die FAZ zu Besuchen bei den Angeboten der Kulturtraeger führen und damit für die Eintrittsgeldeinnahmen der Kulturtraeger förderlich sind.

  16. 16
    Faps says:

    Kein Werbung, o.k., aber zur „Kundenbindung“ dient Google News doch allemal! =)

  17. 17
    Marc says:

    Die Darstellung dass Google – nur weil sie auf der News-Seite keine Werbung einblenden – mit den News kein Geld verdiene, ist aber aber auch eine kleine Milchmädchenrechnung.

    Schließlich bietet Google den Service nicht umsonst an, sondern um die mit Werbung versehenen Angebote Googles weiter zu fördern.

  18. 18
    Muriel says:

    @Marc: Hier behauptet doch aber auch keiner, es würde kein Geld verdient, oder?

  19. 19
    Johannes says:

    Vielleicht ist hier ja der eine oder andere, der sich ein wenig mit dem Zeitungsgeschäft auskennt.

    Und zwar hat man mir als Kind / Jugendlicher in den Neunzigern immer erzählt, dass der Verkaufspreis der Zeitung gerade mal die reinen Herstellungskosten (also die Stückkosten) deckt, während der redaktionelle Aufwand ducrh die Anzeigen finanziert wird. Stimmt das (ungefähr)? Und wenn das stimmt, dann dürfte sich doch die Ertragslage der Zeitungen gar nicht so sehr verändert haben, denn die Hostingkosten sind eher undedeutend, oder?

    Oder ist das Problem wirklich, dass mehr Geld in die Suchmaschinenwerbung (nicht Google News sondern Google Websuche) fließt, oder wird mehr ins Fernsehen gesteckt …. was ist der eigentliche Grund für die verschlechterte Ertragslage der Zeitungen?

  20. 20
    Stefan Niggemeier says:

    @Johannes: Die Werbeeinnahmen pro Leser sind im Internet viel niedriger als im Print-Geschäft. Das heißt, obwohl viele Kosten wegfallen (Papier, Druck, Vertrieb), reichen die Werbeerlöse in den meisten Fällen (noch) nicht aus, guten Journalismus zu finanzieren. Und, ja: Im Internet müssen sich die Medien den ohnehin (noch) kleineren Kuchen auch noch mit Google & Co. teilen.

  21. 21
    Twipsy says:

    @Johannes Die Einnahmen der Zeitschriften sind stark von der Auflage abhängig; zum einen durch den reinen Verkaufserlös, andererseits zahlen Werbekunden natürlich umso weniger für ihre Anzeigen, desto weniger Leute sie kaufen (Reichweite). Und wenn mehr Leute im Internet sind, wirbt man natürlich lieber da, ist ja auch noch billiger. Krise und so.
    Dagegen sind die hohen Fixkosten zu sehen, die so eine Zeitung verschlingt. Die ändern sich nicht, wenn man weniger druckt, man kann natürlich ein paar Redaktionen entlassen. Ob das die Leser dann noch anspricht, ist die andere Frage.
    Das dürfte so das Problem im Printbereich sein.
    Ist das so korrekt?

  22. 22
    cws says:

    Ich begreife die Verwunderung nicht.
    Jeden Tag weist Stefan Niggemeier sorgfältig nach, dass überall Leute Entscheidungen treffen, andere informieren oder Gesetze beschließen, die keine Ahnung von dem haben, was sie tun.
    Und jetzt sind alle völlig überrascht, dass die Herren Konken und Pöppelmann ebensolchen Unsinn reden wie Frau von der Leyen.
    Das ist eher die Spitze des Eisbergs. Ist es nicht der Normalfall, dass Leute Entscheidungen treffen die nicht wissen wovon sie reden?
    Was mich ehrlich fasziniert ist, dass das System trotzdem leidlich funktioniert.

  23. 23
    Haco says:

    „Kuchen mit Google teilen“
    Eigentlich ist Google erstmal nur Vermittler von Werbung, den Werbekuchen müssen sich die Online-Medien mit Millionen Webseiten teilen, die – meist mit Googles adsense – nun ebenfalls Werbung schalten. Und so ganz bin ich auch noch nicht überzeugt, ob die Firmen, die über Google werben, tatsächlich auch die sind, die in Onlinemedien werben würden: Google sammelt doch eher die vielen kleinen Onlineshops etc ein. Aber Kleinvieh macht eben auch Mist. Ich hab irgendwo gelesen, dass die Firmen, die traditionell in Printmedien werben, mit der Online-Werbemöglichkeit nicht so ganz glücklich sind: es gäbe online kein zufriedenstellendes Äquivalent zur wirkungsvollen ganzseitigen Anzeige. Deshalb wären sie online zurückhaltender.

  24. 24
    Yannic Federer says:

    Hallo Herr Niggemeier,
    da Sie sich im Posting als Befürworter des Leistungsschutzrechtes outen, können Sie mir vielleicht bei Verständnisschwierigkeiten helfen: Was genau soll das denn bringen? Das Urheberrecht verbietet doch so oder so schon nicht-lizensierte Nutzung. Was Google auf seinen Seiten präsentiert, dürfte ja wahrscheinlich problemlos als Zitat durchgehen und damit erlaubt sein. Soll das Leistungsschutzrecht jetzt das Zitatrecht einschränken? Das kann ja wohl wirklich keiner wollen… Oder hab ich das alles falsch verstanden?

  25. 25
    Stefan K. says:

    Ganz unrecht hat der DJV ja nicht, da schon seit geraumer Zeit auch bei der normalen Google-Suche die aktuellen News-Ergebnisse mit eingeblendet werden. Und daneben sindet sich natürlich Werbung!

    Jetzt müsste Google mal verraten, wieviele Menschen systematisch wie mein Namensvetter und ich, den Links speziell aus news.google.de folgen – und wieviele den News-Links aus gewöhnlichen Suchen folgen…

    Wenn ich mir das Google-Gebaren normaler User anschaue, die kaum die Spezial-Suche images.google.de, geschweige denn news.google.de kennen, würde es mich alles andere als überraschen, wenn die Einbindung der News-Ergebnisse in die gewöhnliche Google-Suche der Knackpunkt für die Verlage ist…

    In diesem Falle sollte der DJV aber seine Argumentation sauberer ausführen – das gebietet die journalistische Sorgfaltspflicht ;-)

    Ich schließe mich meiner Vorrednerin an, dass ich dankbar wäre für eine Erläuterung, wie das Leistungsschutzrecht (das ich bisher mehr als Begriff denn im Detail kenne), dem einzelnen freiberuflichen Journalisten hilft bzw. über das Urheberrecht hinaus geht.

  26. 26
    Stefan K. says:

    P.S.: Wenn der Begriff gerade in vielen Medien behandelt wird, tauchen bei einer gewöhnlichen Google-Suche die News-Ergebnisse durchaus auch als erstes, direkt unter und neben der Werbung auf…!

    Aktuell z.B. bei den Stichworten „Krankenkasse(n)“, „HRE/ Hypo Real Estate“, „Banken“…

    Wer also die größten AUfreger der Radio- oder TV-Nachrichten „normal“ googelt, bekommt die Verweise auf die aktuellen News-Berichte oft ganz oben plus Werbung drüber und daneben.

    Insofern ist der Aufschrei der Verlage nicht gänzlich aus der Luft gegriffen.

  27. 27
    palosalto says:

    @3/Stefan: na weil es doch sehr erstaunlich ist, dass der verband schlecht informiert ist. unabhängig davon, ob der vorstoß an die geldtöpfe im internet berechtigt ist oder nicht, ich vermute, es handelt sich hier um ein durchaus wichtiges thema in der verbandsagenda. dass man sich dann nicht mit dem googledingens auskennt, ist doch sehr überraschend. entweder sind die burschen schlecht informiert, dann sind sie aber für die interessenvertretung ungeeignet, oder das google-thema ist eine schlampig vorbereitete buschtrommelei und damit ein schuss ins knie…

  28. 28
    Christian M. says:

    *Klugscheißmodus an*
    Gleich im ersten Satz wurden die Buchstaben DJV vertauscht. Dort steht DVJ.
    *Klugscheißmodus aus*

  29. 29
    Dysgenik says:

    @27: Soll Google also seine Suchmaschine so umstellen, dass Nachrichten nicht mehr gefunden werden? Das können die Verlage doch schon selbst verhindern per robots.txt.

    „have one’s cake and eat it too“: die Verlage möchten natürlich den fremden Kuchen gerne einerseits besitzen (das Suchergebnis mit Links auf ihre Seiten) und ihn dann auch gleichzeitig noch aufessen (sich darüber beschweren, dass jemand anderes auch so unverschämt ist, Geld verdienen zu wollen, etwa mit Suchergebnissen).

    Abgesehen davon, bei den meisten spezifischen Nachrichtenthemen wird auf Google offenbar nicht einmal in den Suchergebnissen Werbung angezeigt (etwa mit aktuell „Baitullah“ oder „Taliban“).

  30. 30
    Badratgeber says:

    Seien wir doch mal ehrlich Google ist doch wohl eindeutig die beste Suchmaschiene sonst würden sie ja nicht alle nutzen. Und wenn die Konkurrenz schon seit Jahren Werbung schaltet warum sollte das denn jetzt nicht auch Google machen dürfen?

  31. 31
    Dierk says:

    Ich habe gerade mal einen Blick auf Google News geworfen, die US-Seite allerdings, schließlich lässt sich für D auch aus dem oben gezeigten Bild herauslesen, was Google da eigentlich macht. Klar gesagt: Ich bin enttäuscht!

    Nach allem, was DJV, Verleger und sonstige so geschrieben haben, erwartete ich ein komplettes Artikel- und Reportageangebot, direkt zu lesen auf Google. Ohne weitere Browserfenster aufzumachen. Aber nein, was ich zu sehen bekomme sind Überschriften, teils sehr lange URLs und kein bis zwei Zeilen Abriss. Will ich die verschwitzte Arbeit der wunderbaren Qualitätsjournos lesen, muss ich mich wahrhaftig durchklicken zu Washington Post, NYT, LAT, Chicago Sun-Times etc.

    Schlimmer noch – keine einzige Anzeige! Wie soll ich denn da Google finanzieren? So geht das doch nicht! Denkt denn keiner an die Rinder?!

    Letzte Woche ging ich in eine Bibliothek und fragte den menschlichen Google vorn, wo ich denn die aktuelle Ausgabe der Bunte fände. Der erdreistete sich tatsächlich, mir zu sagen wie ich zum entsprechenden Regal komme! Hat der einfach so beschrieben! Natürlich musste ich ihm meinen Bibliotheksausweis zeigen, den ich zuvor einmal gekauft hatte. Da macht also diese fiese Bibliothek Geld mit der harten Arbeit Hubert Burdas!

    Als ich die aktuelle Ausgabe der Bunten dann in die Hand nehmen wollte, stellte ich fest, dass die vorher schon jemand hatte – und zwar geklaut. Konnte ich also nicht mehr lesen. Auch nicht die Informationen der Werbepartner wahrnehmen. Mein Tag war gerettet.

    Und weil ich ein anständiger Kerl bin, habe ich natürlich nicht in die Web-Ausgabe der Bunten geschaut. Will ja nichts Falsches tun.

  32. 32
    Formwandler says:

    So peinlich das Ei ist, das sich der DJV hier (mal wieder) gelegt hat – ich finde es zweischneidig, sich zu sehr darauf zu kaprizieren.

    Wenn nämlich Google News in Deutschland tatsächlich Anzeigen aufweisen würde, änderte das m.E. überhaupt nichts an der hanebüchenen DJV-Argumentation.

  33. 33
    Augusten says:

    @Stefan (#15)
    So wie sich der neulich hier kommentierende journalist gebärdet hat, gehe ich von beidem aus: Erst Ahnungslosigkeit und nach Aufklärung dann Willen zur Desinformation. Beides ein extremes Armutszeugnis für Leute, die Journalist sein wollen.

  34. 34
    Nashwin says:

    Zwei Dinge sind mir bei dem Thema nicht klar:

    1. Warum sollen Verlage dafür Geld bekommen, dass sie Webseiten haben, die auf Google gefunden werden können?

    2. Und warum sollen dann nur Verlage Geld bekommen und nicht alle Betreiber von Webseiten, die bei einer Google Suche gefunden werden können?

  35. 35
    cws says:

    Google kann intern offenbar sehr genau erkennen wohin ein Suchergebnis verweist, und sein Verhalten dem jeweiligen Herausgeber der Seite anpassen. Normalerweise sind die „Treffer“ direkt verlinkt, mit einem Link zu ähnlichen Ergebnissen versehen und es gibt jeweils eine Version der Seite aus dem Cache. Diese gecachte Version fehlt bei Links zu den Onlineseiten der Presseerzeugnisse.
    Dies ist nicht nur bei den Google-News-Seiten so, sondern auch, wenn sich die Treffer in die normalen Suchergebnisse mischen. Offenbar wird hier immer mit den bei Google-News gelisteten Anbietern abgeglichen.

    Google bietet durchaus die Option zwar bei Google in Suchergebnissen gefunden zu werden, aber bei Google-News nicht dabei zu sein.
    Nur wollen das die Verlage natürlich auch in Google-News vertreten sein.
    Google macht gratis Werbung für die Verlagsprodukte. Werbung, die andere bezahlen, da sehe ich keine Veranlassung, dass die Verlage einen Anteil bei Google verlangen. Den Standpunkt könnte man auch umdrehen. Google will Geld von den Verlagen, sonst werden sie nicht mehr präsentiert und verschwinden aus den Suchergebnissen. Jede andere Firma wäre bereit gutes Geld für führende Positionen bei Google zu zahlen, nur bei den Verlagen ist es umgekehrt? Gibt es aus deren Seiten kein SEO? Sind sie nicht dankbar für jeden Klick, den sie bekommen?

  36. 36
    journalist says:

    Google News ist meiner Ansicht nach nicht vom Zitierrecht gedeckt, das jedes Individuum natürlich hat (und behalten soll). Für einen Automaten, der auf fremde Inhalte zugreift und daraus ein eigenes Produkt (aber – Juristen, bitte korrigieren, wenn ich hier falsch liege – kein wiederum durch eigenes Zutun schützbares „Werk“) zusammenstellt, fehlt bislang die geeignete Bezeichnung im Sinne des Urheberrechts sowie eine rechtliche Einordnung.

    Und auch für den Fall, dass ich erneut der Ahnungslosigkeit bezichtigt werde: Es kommt nicht darauf an, wie genutzt wird, es kommt auf die Nutzung selbst an. Es bleibt fremdes Material, und dessen Produzenten/Eigentümer scheinen sich derzeit so orientieren zu wollen, dass sie die Nutzung vergütet sehen wollen. Das ist ihr gutes Recht.

    Dabei besteht bei Google kein Zweifel, dass es eine kommerzielle Nutzung ist: Es geht um Präsenz, um Marktanteile und um das Tracken von Nutzerbewegungen (und damit -Interessen). Es wäre naiv zu glauben, dass Google „News“ aus reiner Liebe zur Verlinkung betreibt.

    Für diejenigen, die sagen, dass Medien sich mit den Robots bei Google einfach ausklinken könnten (ich wiederhole jetzt nicht, was trotz allem dagegen spricht), könnte man den Spieß auch umdrehen: Warum schaltet Google „News“ nicht angesichts des sich abzeichnenden Konflikts einfach ab, wenn sie angeblich doch nichts davon haben bzw. der Traffic den Verlagen so viel mehr bringt?

    Zum Google Book Search gab es übrigens neulich diesen Artikel in der „FAZ“ – ob Analogien erlaubt sind, wage ich nicht zu spekulieren, ich finde ihn allerdings erhellend: http://www.faz.net/s/Rub642140C3F55544DE8A27F0BD6A3C808C/Doc~E3C8226A47A294A7387FFC50208AD4461~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews

  37. 37
    Stefan Niggemeier says:

    @journalist: Es gibt sehr wohl eine rechtliche Einordnung dieser Art von Angebote. In seinem „Paperboy-Urteil“ entschied der Bundesgerichtshof:

    Ein Internet-Suchdienst, der Informationsangebote, insbesondere Presseartikel, auswertet, die vom Berechtigten öffentlich zugänglich gemacht worden sind, handelt grundsätzlich nicht wettbewerbswidrig, wenn er Nutzern unter Angabe von Kurzinformationen über die einzelnen Angebote durch Deep-Links den unmittelbaren Zugriff auf die nachgewiesenen Angebote ermöglicht und die Nutzer
    so an den Startseiten der Internetauftritte, unter denen diese zugänglich gemacht sind, vorbeiführt.

    http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=2003&Sort=3&Seite=5&client=3&anz=1706&pos=171&nr=27035

  38. 38
    journalist says:

    @38: Das ist mir bekannt. Aber zwischen „Kurzinformationen über die einzelnen Angebote“, also kommentierten oder an-glossierten Links wie bei „Perlentaucher“, und automatisch und unkommentiert übernommenen Überschriften und Teasern der Originalartikel sehe ich doch einen Unterschied.

  39. 39
    Armin says:

    @journalist (#37):

    Die Frage ist doch die, welches „fremde Material“ wird da genutzt und in welcher Form?

    Wird es in seiner Vollstaendigkeit genutzt ohne dass ein Mehrwert durch irgendeine Bearbeitung entsteht? Das ist doch klar nicht der Fall, ich kann bei Google nicht die kompletten Artikel lesen. Ich bekomme eine Liste der Artikel, bestenfalls mit einem „Anreisser“ aus der Seite. Zugestanden, da wird durch die Nutzung des Materials etwas neues erzeugt, aber das passiert doch ueberall.

    Mal ein persoenliches Beispiel: Die Sueddeutsche benutzt hier meine Arbeit. Das ist meine „Geistesleistung“, meine „Idee“, meine „Arbeit“ die dort genutzt wird. Ja, da steht noch etwas Text/Kommentar dazu, aber ohne meine ursprungliche Leistung (und die der anderen in der „Bilderstrecke“) haette die Sueddeutsche diese Bilderstrecke gar nicht machen koennen.

    Ich bin nicht gefragt worden ob das OK ist, die Sueddeutsche benutzt es einfach. Im Gegensatz zu den Zeitungen in den Google News Suchergebnissen habe ich noch nicht einmal viel davon dort „gelistet“ zu sein. Da steht zwar die URL meiner Seite, aber einen Link goennt die Sueddeutsche mir nicht (und ich glaube kaum dass viele die Adresse abtippen werden). Aber verdienen tut die Sueddeutsche dran, und zwar nicht zu schlecht wenn ich mir die Masse an Anzeigen rundherum ansehe.

    Heisst das jetzt es ist mein gutes Recht Geld von der Sueddeutschen zu fordern?

  40. 40
    Dysgenik says:

    @39: Kommentierte Links sind nützlicher bei der Auswahl und werden eher weniger Klicks generieren als unkommentierte, nur Überschrift und Teaser wiedergebende. Würden sie dem nicht zustimmen?

  41. 41
    Stefan Niggemeier says:

    @journalist: Es ging in dem Urteil aber nicht um „kommentierte oder an-glossierte Links wie bei ‚Perlentaucher'“, sondern um Paperboy, das als Suchmaschine ähnlich funktionierte wie Google News.

  42. 42
    J. S. says:

    google will auch Geld verdienen.
    Und was wären die Verlagsseiten ohne google?

    Hier wird schwadroniert über Werbeeinnahmen, über Zitatrecht . etc.
    Dann sollte google sein news-service einfach vom Netz nehmen. Sollen die News-Seiten doch dann schauen, wie sie an Leser herankommen.

    Und dann will ich von den Verlagen kein Wehklagen mehr hören. Denn dann sehnt man sich wahrscheinlich nach so einem Service zurück.

  43. 43
    ein anderer Philipp says:

    @37: Es bezweifelt doch niemand, dass Google Geld mit seiner News-Sparte verdienen will. Aber es spielt sehr wohl eine Rolle, WIE die kontrekte Nutzung aussieht. Denn Google verdient doch eben nichts an den eigentlichen Inhalten der verlinkenten Angebote, sondern lediglich durch deren blosse Existenz. Von daher finde ich die Frage, die in einem anderen Eintrag schonmal aufgeworfen wurde durchaus berechtigt: Zeitungen profitieren auch finanziell von der Existenz von z.B. Sportveranstaltungen, ueber die man eben nur dann berichten kann, wenn es sie gibt. Warum zahlen die Zeitungen dann nicht an Fussballvereine?

    Zu dem Aspekt des Zitatrechts: Angenommen Google wuerde anstelle eines Computers einfach einen Menschen bezahlen, der die Ueberschriften und die ersten zwei Saetze abtippt, waere das dann nach deiner Auffassung in Ordnung?

  44. 44
    cws says:

    Letztlich ist die ganze Debatte in Teilen auch scheinheilig.
    Es ist doch nicht so, dass Google heimlich die Seiten der Verlage scannt, um dann daraus Google-News zu generieren.
    Ohne das aktive Zutun der Verlage würden sie dort nicht erscheinen.
    Google verlangt bestimmte technische Voraussetzungen, die die Seiten erfüllen müssen, die Verlage erstellen extra Sitemaps, um besser vertreten zu sein, gleichzeitig beklagen sie, dass sie missbraucht würden.
    Nein, hier scheint mir Neid erkennbar.

  45. 45
    cws says:

    Entschuldigt, dass ich noch einen technischen Aspekt nachschiebe.
    Selbst einfache CMS wie Joomla! und mit etwas Trick auch WordPress, geben die Möglichkeit jedem Artikel ein eigenes Metatag zu geben.
    Da wäre es ein Leichtes dem Redakteur jeweils die Entscheidung an die Hand zu geben, ob der Artikel bei Google erscheinen soll oder nicht.
    Das lässt sich problemlos bei jedem Artikel einzeln regeln, durch den jeweiligen Redakteur, der ihn verfasst.
    Wo ist da der Missbrauch der kostbaren Inhalte durch Google?

  46. 46
    incontinence says:

    @34 #Augusten

    Es sicher gibt auch viele Andere aber:

    Journalist bleibt Journalist ;)

  47. 47
    Tom 2 says:

    Es geht doch nur ums Jammern, nicht um eine Lösung.
    Wer nicht will, dass Google seine Inhalte anzeigt, legt eine robots.txt im Startordner und verbietet dort das auslesen durch Google & Co.

    Wem dazu ein Informatikstudent 1. Semester oder internetaffiner Jugendlicher 5. Klasse zu teuer ist, dem biete ich das sogar kostenlos an:

    robots.txt:

    User-agent: *
    Disallow: /

    Damit kann man aber zugegebenermaßen nicht das Sommerloch zujammern.

  48. 48
    Perlenschwein says:

    Antwort auf die Frage: Würden Sie diese Leute ernst nehmen? Nöh.

    Leider zeigt sich in den Medien zunehmend die Tendenz, hektisch über Dinge zu berichten, die man nicht durchschaut oder irgendwo abgekupfert hat. Nix da mit schöne neue Welt des Kommunikationszeitalters, statt dessen galoppierende Verdummung durch Info-Overload.

  49. 49
    pyrrhussieg says:

    Man kann dem DJV keine Vorwürfe machen, wenn man den Verband als vorausschauenden Autofahrer betrachtet. Denn Google News wird sicher nicht ewig ohne Ads daherspazieren. Törööö:

    http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5gRqFRzuaEPBCS1eMGcdnEj6Ny1ow

  50. 50
    ein anderer Philipp says:

    Was mich eigentlich noch viel mehr irritiert als die Werbegeschichte, sind die Aussagen im ersten Zitat.

    1) Der Verleich von Google News mit einer „vollautomatischven Zeitung“ hinkt. Eine Zeitung deren Inhalte lediglich aus Ueberschriften und zwei weiteren Saetzen besteht ist keine.

    2) Warum wird sich ueber den Traffic beschwert, den die Verlinkung nach sich zieht? Darf man daraus schliessen, dass es am besten waere, wenn niemand das eigene Internetangebot aufruft, weil man so am wenigsten fuer den anfallenden Traffic zahlen muss?!

    3) Wenn Anzeigenkunden Werbung lieber bei Google als bei Zeitungen schalten, dann liegt das wohl daran, dass Google die attraktiveren Konditionen hat. Das nennt man wohl Konkurenz und ich sehe nicht, wie sich daraus ein Anspruch der Verlage gegenueber dem Konkurenten ergeben sollten.

  51. 51
    journalist says:

    @Stefan Niggemeier: Oh, danke, „Paperboy“ kannte ich nicht. Das, was ich jetzt auf „Paperboy“ sehe, ist RSS – also als Feed (push) wieder etwas anderes als automatisch von fremden Anbietern aggregierte Teaser (pull), wie „Google“ sie hat. Oder stellt mein Browser „Paperboy“ wegen irgendwelcher Bugs falsch dar?

    Ich habe aus der Formulierung des Gerichts geschlossen, dass die Argumentation ähnlich wie beim „Perlentaucher“ sei.

    Dort wurde bekanntlich in der Urteilsbegründung (gegen „FAZ“ und „SZ“) das Zitieren – auch mit kommerzieller Absicht – ausdrücklich deshalb als zulässig angesehen, weil die eingebettete Form des Zitats eindeutig den Charakter eines eigenständigen Werks habe. Das Verbot oder die Einschränkung hätte somit Meinungs- und/oder Kunstfreiheit der „Perlentaucher“ eingeschränkt.

    Dass – auch kommerzielles – Zitieren in dieser Weise zulässig ist und nicht als „geklaut“ behandelt werden sollte, finde ich übrigens auch unstrittig.

    Dass es in so ähnlichen Fällen Urteile unterschiedlicher Richtung gibt, scheint mir sinngemäß zu bestätigen, was ich eingangs sagte: Das letzte juristische Wort ist hier nicht gesprochen, und eine klare Definition dessen, was Google macht, gibt es nicht (erneut: Juristen, falls einer von Euch mitlest – help!).

  52. 52
    Stefan Niggemeier says:

    @journalist: Wieso Urteile unterschiedlicher Richtung? Die Richtung der Urteile ist dieselbe: Das Zitieren ist erlaubt.

    (Und ob das Paperboy von heute noch viel mit dem Paperboy von damals zu tun hat, weiß ich nicht.)

  53. 53
    journalist says:

    @Die unterschiedliche Richtung ergibt sich aus dem mutmaßlichen Unterschied der „Schöpfungstiefe“ bzw. der Werk-Eigenständigkeit der beiden zulässig zitierenden Beklagten sowie wiederum deren vermutetem (im Falle „Perlentaucher“ freilich erwiesenen) Abstand zu Google, unserem Thema hier. Aber da wir beide „Paperboy alt“ nicht kennen, reden wir gerade womöglich über Löckchen auf Glatzen.

  54. 54
    Twipsy says:

    @54 „Aber da wir beide „Paperboy alt” nicht kennen, reden wir gerade womöglich über Löckchen auf Glatzen.“

    Weiß nicht, ob sich jemand die Mühe machen will, aber es gibt ja die Waybackmachine. Hier haben Sie die Paperboy-Seite der letzten 10 Jahre.

  55. 55
    jw says:

    Ich wünsche mir öfter so überzeugende Schaubilder. Dann muss ich nicht so viel lesen und klicken. Stefan, mach mal!

  56. 56
    tomatensuppe says:

    Sollte man die rechte Seite des Schaubildes nicht besser als Klickstrecke aufbereiten?

  57. 57
    Robert Willemelis says:

    ich hatte jetzt zwar keine Lust mir alle 57 kommentare duchtzulesen, aber Du hast definitiv vergessen, dass Google deshalb so gut mit Werbung Geld verdient, da es ein riesen großer Sammler Deines Nutzerverhaltens ist. Und jeder klick auf einen Artikel den google. aggregiert hat, bringt Google durch die Information Deines Verhaltens Geld. Denn Dein Verhalten nutzt es dann bei Deiner Google-Suche und der Google Suche von anderen mit ähnlichem Verhalten aus. Das ist das Kerngeschäft von google seit eh und je.
    Der cleverste Geschäftsmann ist immernoch der, der ohne dass du es merkst mit Dir Geld verdient! Und Google ist das offenbar …

  58. 58
    Michael Magenta says:

    @Robert Willemelis:
    Ich habe dafür volles Verständnis. Auch ich habe keine Lust, mir alle (inzwischen 58) Kommentare durchzulesen. Ich gehe sogar noch weiter: Auch der Artikel des Blogbesitzers interessiert mich nicht. Und wenn ich ehrlich bin: Ich habe nicht die geringste Absicht, hier zu kommentieren.

  59. 59
    LISA! Sprachreisen says:

    Das Problem für die Verlage ist doch nicht, dass google als cleverer Kaufmann Geld mit deren Inhalten verdient, sondern dass die Verlage es nicht geschafft haben ein eigenes Werbesystem auf die Beine zu stellen, dass es dem Kunden möglich macht auf einer Markenseite seine Werbung zu schalten. Mit google news ist doch der ein oder andere Verlag erst groß geworden.

  60. 60
    Jan Peter says:

    @37 (journalist)
    „Für diejenigen, die sagen, dass Medien sich mit den Robots bei Google einfach ausklinken könnten (ich wiederhole jetzt nicht, was trotz allem dagegen spricht), könnte man den Spieß auch umdrehen: Warum schaltet Google „News” nicht angesichts des sich abzeichnenden Konflikts einfach ab, wenn sie angeblich doch nichts davon haben bzw. der Traffic den Verlagen so viel mehr bringt?“
    – nun, ganz einfach, weil google es…
    1. nicht will – google ist anscheinend mit dem Status Quo zufrieden, jedenfalls beschwert sich (soweit ich weiß) niemand von google darüber, dass es „News“ gibt und dass der „News“-Service so ist, wie er ist. Und
    2. nicht muss – da es (wie Sie betonen bisher) kein Gesetz/keine Rechtssprechung gibt, die das fordern würde. (oder?)
    Und als kleinen Punkt 3. kann man anfügen, dass das ja auch überhaupt niemand fordert, oder? Ich habe nirgendwo von den Verlagen gelesen, dass Sie google oder sonstwen ausdrücklich auffordern, sie aus dem Dienst rauszunehmen. Ganz im Gegenteil, vgl. Kommenar 45 (cws) – „die Verlage erstellen extra Sitemaps, um besser vertreten zu sein[…]“

  61. 61
    Qualitätsjournalist, der says:

    Ich kenne den DJV nicht.

  62. 62
    moti says:

    abgesehen davon, dass die sogenannten „snippets“, also die kurzen ausschnitte unter den verlinkten überschriften in den google-(news)ergebnisseiten in dieser form legal und durch das zitatrecht gedeckt sind und dass ein webservice wie google sich völlig legitim mit werbung finanziert:

    snippets sind ja gerade dazu da, den beitrag anzuteasern, also dem user den artikel schmackhaft zu machen, entscheiden zu können, was relevant ist und den klick auf die (verlags)webseite zu animieren.

    gäbe es diese snippets nicht:
    – könnte überhaupt keine relevanzeinordnung vorgenommen werden
    – ohne relevanz keine klicks und somit keine suchmaschine
    – folglich erheblich weniger besucher auf verlagswebseiten

    „don’t bite the hand that feeds you“

  63. 63
    Frank says:

    Wollen uns die Medien erzählen, dass sie ausversehen in Google News gelandet sind? Nun darf jeder URLs für eine Aufnahme vorschlagen. Verleger müssen ein Formular ausfüllen. Ein Automatismus für eine Aufnahme besteht jedoch nicht. Auch crawlt Google nicht Webinhalte und veröffentlicht sie unerlaubt auf Google News, wie es uns die Medien suggerieren. Zudem können Verleger jederzeit ihr Angebot aus Google News entfernen. Ich zitier mal aus der Google News Hilfe für Verleger:

    „Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Website in Google News aufgenommen wird, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Wir werden Ihre Website dann aus unserem Index entfernen.“

    Auch bieten fast alle Medien RSS-Feeds. Warum verklagen sie dann nicht die Anbieter der Feed-Reader?

    Und was ist mit den Artikeln a la „der hat dieses und jenes gesagt oder herausgefunden“? Richtig, wer sich auf Inhalte anderer bezieht oder sie umschreibt, hebelt Urheber- und Verwertungsrecht aus. Denn Berichte über Geschehnisse sind nicht geschützt, müssen jedoch trotzdem recherchiert und dokumentiert werden. Was Kosten verursacht. Streng genommen dürfte über eine Story nur dann berichtet werden, wenn auch selbst recherchiert wurde. Das macht aber niemand.

    Warum werden Fotos, für die das Recht zur Nutzung ausschliesslich für einen bestimmten Artikel eingeräumt wurde, ohne Wissen und Genehmigung der Rechteinhaber an Nachrichtenagenturen verkauft?

    Für mich ist der FAZ-Artikel nur mal wieder eine Quoten-Hatz, weil Google ja sowieso keinen guten Ruf in der Bevölkerung geniesst und jede Negativschlagzeile dankbar von Gegenern der Suchmaschine ausgenommen wird.

  64. 64
    GEZ Preller says:

    Google anzurechnen das sie auf der eigenen Presenz keine Werbung machen ist wie E-On vorzuwerfen das sie keine Werbung für Vattenfal machen. Die sind doch selbst der grösste Werbetreibende im Netz. Bei Google ist NICHTS kostenlos!

  65. 65
    Sasubianer says:

    Da hat sich aber jemand ausgiebig von den PR-Profis beraten lassen. Es ist doch längst gang und gäbe, dass man sich möglichst einen Milliarderkonzern sucht, auf den man verbal einprügeln kann.

    Ob die Vorwürfe stimmen oder nicht, ist völlig nebensächlich. Das Durchschnittspublikum weiß es sowieso nicht besser, und wenn doch gilt: Corporate-Bashing ist eben Volkssport in D, da können endlich mal wirklich alle mitmachen.

  66. 66
    GEZ Preller says:

    Google scannt mechanisiert die Mails der gmail user auf keywords, GoogleAnalytics beobachtet, katalogisiert und wertet das Surfverhalten der Nutzer aus, Chrome gibt Rückmeldungen an Google über die Aktivitäten des Nutzers, mit Streetview wird das Persönlichkeitsrecht und das Recht am eigenen Bild mit der rechtswidrigen Vorgehensweise ‚erst fotographieren dann fragen‘ mit Füssen getreten. Nunja, bashing, ich weiss nicht … manchmal ist der Preis den wir zahlen nicht nur monetär zu beziffern, manchmal zahlen wir auch einfach indem wir etwas verlieren, z.B. Freiheit und Selbstbestimmung.

  67. 67
    Jan Peter says:

    Stimme Dir zu, dass das alles nicht schön ist (besonders bei emails find ich’s widerlich), Bis auf die Streetview Sache ist das aber alles auf freiwilliger Basis, niemand ist gezwungen, gmail, google (suche) oder Chrome zu benutzen. –> Freiheit und Selbstbestimmung gehen bei diesen Beispielen m.E. nicht verloren

  68. 68
    Meta Schreiber says:

    Die Aufregung eigentlich umsonst. Michael Konken hat nicht unbedingt zur Stärkung des DJV in den letzten Jahren beigetragen. Jetzt braucht er ein Schlachtfeld vor der Wahl. Der Berliner Politikberater und Verhandlungsexperte Friedhelm Wachs hatte bereits bei der Schlacht um die Halbamtlichkeit des Presseausweises darauf hingewiesen, das dem DJV durch das Verhandlungsgeschick der Gegenseite ein großer Schaden entstehen wird. Ghostnegotiator Wachs kennt die Pappenheimer der anderen Seite. Jetzt verrennt sich Konken wieder und macht damit den Weg im parlamentarischen Verfahren für die andere Seite frei.

  69. 69
    Frank says:

    Google allein ist nicht das Problem. Die müssen sich genauso an die US-Gesetze halten, wie alle anderen US-Bürger und -Unternehmen auch. Das Problem sind die Regierungen, die an diese Daten wollen. Google nutzt die Logs, um sein Geschäftsmodell weiter zu entwickeln. Und? Bislang ist noch kein Fall bekannt, dass Google unsere Daten illegal weitergegeben hättte. Unser Problem ist die EU, die unsere Flugdaten den USA-Behörden hinterher wirft , unser Problem sind aber auch Konzerne wie Daimler, Telekom, Bahn, Deutsche Bank, Lidl und wie sie alle heissen, die uns Kunden und ihre Mitarbeiter bespitzeln, ohne dass der Gesetzgeber wirksam eingreift. Der Elektronische Reisepass inklusive Fingerabdrücke kommt ebenfalls. Den haben unsere Politiker gegen unseren Willen durchgesetzt. Dagegen wirkt Google wie ein Schulmädchen.

  70. 70
    vera says:

    als fussnote ganz interessant:
    http://www.zeit.de/online/2009/33/paid-content-murdoch, darin wird immerhin ein vorschlag gemacht (nicht von murdoch), wie es mit bezahltem content gehen könnte.

  71. 71
    Stefan B says:

    Hier hat sich aber auch ein Fehler eingeschlichen:

    „In der offiziellen Stellungnahme des DJV zu Änderungen der Urheberrechtes [pdf],“ –> „… Änderungen DES Urheberrechtes“.

    Ansonsten war das ja wieder klar: Bei Google-Bashing sind alle ganz vorne mit dabei, ob es stimmt oder nicht.

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  1. […] Im Journalismus macht man sich bekanntlich große Sorgen um die Zukunft der eigenen Zunft und man hat auch einen Schuldigen ausgemacht: Google. In der Stellungnahmen für das Justizministerium hat der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) dann aber ein wenig übers Ziel hinausgeschossen, wie Stefan Niggemeier bemerkt hat: Der DJV kennt Google News nicht. […]

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