Klaus Staeck verlässt WWF wegen „Bild“

06 Jan 08
6. Januar 2008

Die Umweltverbände Greenpeace und World Wide Fund For Nature (WWF) haben durch ihre Zusammenarbeit mit der „Bild“-Zeitung einen prominenten Unterstützer verloren: Der Grafiker und Verleger Klaus Staeck hat seine Mitgliedschaft im WWF gekündigt. Für Greenpeace will er in absehbarer Zeit keine Plakate mehr entwerfen.

Staeck, seit 2006 Präsident der Akademie der Künste, hat sich mit seinen Plakaten und Postkarten immer wieder gegen „Bild“ gewehrt und war Anfang der Achtziger Jahre einer der Initiatoren des Boykotts „Wir schreiben nicht für Springer-Zeitungen“ mit Heinrich Böll, Günter Grass und anderen. Für Greenpeace entwarf er einige Plakate, die Aufsehen erregten. Im Sommer 1990 klebte die Organisation deutschlandweit Plakate Staecks, die Porträtfotos des Hoechst-Chefs Wolfgang Hilger und seines Kollegen von Kali-Chemie, Cyril von Lierde zeigten. Darüber stand: „Alle reden vom Klima, wir ruinieren es.“ Die beiden Unternehmen waren die einzigen in Deutschland, die noch FCKW produzierten. Hilger klagte gegen das Motiv, in dem er ein „modernes An-den-Pranger-Stellen“ und eine „Diffamierung“ sah. Der Bundesgerichtshof gab Staeck schließlich Recht, das Bundesverfassungsgericht nahm eine Verfassungsbeschwerde Hilgers nicht an.

Greenpeace, WWF und BUND sind seit April 2007 Partner von „Bild“ bei der umstrittenen Aktion „Rettet unsere Erde“. Sie sollte 3,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Nach Angaben von Greenpeace haben sich mehr als 30.000 Menschen im Sommer am ersten Energiesparwettbewerb beteiligt und „insgesamt rund 121.000 Tonnen CO2 eingespart“. Anfang Dezember veranstalteten die organisierten Umweltschützer mit „Bild“, Google und ProSieben eine symbolische Aktion, bei der die Deutschen aufgerufen wurden, für fünf Minuten das Licht auszuschalten, die ebenfalls auf Kritik stieß.

In der „Frankfurter Rundschau“ kritisierte Staeck die Partnerschaft von Greenpeace, WWF und BUND mit „Bild“ schon im Juni:

(…) Wer wie Greenpeace glaubt, allein die Reichweite einer Aktion zähle, hat die Rechnung ohne seinen ökologischen Verstand gemacht. Wer bei BILD „1000-Liter Gratis-Benzin“ gewinnen möchte und es auf Spritztouren in die Atmosphäre bläst, bei dem werden wohl auch die umweltrelevanten Tipps zwischen Autotests und Benzinpreisschelte ganz schnell verpuffen. Zumal wenn es sich um Ratschläge handelt, die „dem Lebensstil nicht wehtun“ sollen, wie Greenpeace die Kuschelkommunikation verkauft. Naiver geht’s nimmer. (…)

In diesen taktischen Bündnissen kann nur eine Seite gewinnen. Und das ist jene, die Glaubwürdigkeit benötigt und nicht die, die sie für eine vermeintlich größere Publicity verschleudert. Drei renommierte Umweltschutzorganisationen pokern derzeit mit dem größten Kapital, das sie besitzen. In der Hoffnung, „potentielle Mitkämpfer“ für den Klimaschutz zu gewinnen. Doch dabei verspielen sie ihren Kredit bei denen, die es damit wirklich ernst meinen. (…)

Jetzt zog Staeck, wie er mir bestätigte, auch persönliche Konsequenzen.

30 Gedanken
  1. 1
    Jemand says:

    Ich habe mich nach der Aktion auch gefragt, was genau diese unnsinnige Aktion den Umweltschutzverbänden langfristig gebracht hat. Ich denke, dass es unterm Strich nichts Positives sein wird.

  2. 2
    Thomas says:

    Tjo, und Recht hat der Mann.

  3. 4
    Ivo says:

    Auf jeden Fall konsequent der Mann. Grundsätzlich würde ich ihm sofort beipflichten wollen. Allerdings darf man tatsächlich nicht vernachlässigen, wie viel Leute man mit der Springerpresse erreichen kann. Eine Zwickmühle, wenn man so will.

  4. 5
    Paula Schramm says:

    Das war wirklich eine sehr gute, konsequente Entscheidung. Ich wünsch mir, dass Greenpeace, BUND und WWF daraus lernen. Sie verlieren mit dummen BILD-aktionen ihre (teilweise eh schon skeptischen) Unterstützer.

  5. 6
    Tobias says:

    Dass Straeck aus seinem Rückzug eine PR-Aktion macht, ist ja ganz nett und zeigt, dass er von Greenpeace oder Greenpeace von ihm viel gelernt hat. Aber die Aussage finde ich falsch. Letztes Jahr war das wichtigste für Greenpeace und Co, Reichweite zu generieren. Es ging nicht mehr darum, mit Schornsteinklettern auf das Problem aufmerksam zu machen sondern die Diskussion war einen Schritt weiter. Da kann ich die Entscheidung in die Massenmedien zu gehen, auch wenn damit Probleme verbunden sind, durchaus verstehen.

  6. 7
    Gregor Keuschnig says:

    @6/Tobias
    Letztes Jahr war das wichtigste für Greenpeace und Co, Reichweite zu generieren.
    Interessant. Warum? Warum „letztes Jahr“? Was habe ich verpasst? Und dieses Jahr? Und wo ist die PR-Aktion von Staeck? (Der Mann heisst Staeck; nicht Straeck.)

  7. 8
    Gallus says:

    Man erreicht mit der Springerpresse vielleicht eine große Masse an Menschen, aber wer wirklich etwas für den Klimaschutz tun will, wartet nicht, bis er dazu aufgerufen wird. Herr Staecks Schritt war der richtige.

  8. 9
    Torsten says:

    Einer der größten Erfolge der BIDL ist es ja, wie sie ihre Verächter immer wieder einkassiert.

    Beispiel: Über Jahrzehnte hatte Manfred Krug über Seriengrenzen hinweg die „Blöd-Zeitung“ geschmäht, aber dann seine Biographie eben dort vorab veröffentlicht.

  9. 10
    Frederic Schneider says:

    Ich frage mich überhaupt, wie man Greenpeace noch unterstützten konnte. Die sind seit Jahren nicht mehr das, was sie mal waren.

  10. 11
    Tobias says:

    @Gregor und @Frederic: no comment

  11. 12
    Hagen says:

    Richtig so, denn:

    1) Wer sich mit der Bildzeitung einlässt unterstützt damit diesen miesen Journalismus.

    2) Und diese Aktionen bringen sowieso nicht. Wir machen 5 Minuten das Licht aus und machen dann weiter wie bisher. Das wird unsere Erde retten…

  12. 13
    Helga@LG says:

    Sehr konsequent von Herrn Staeck. Finde ich gut.
    Auf Kosten der eigenen Glaubwürdigkeit ein breites Publikum zu erreichen, halte ich für den (langfristig) faschen Weg. Ins eigene Fleisch schneiden sozusagen.

  13. 14
    Harry says:

    da sag ich nur… UND TSCHÜß!!!

  14. 15
    Tania says:

    War schon immer ein Fan von Staeck. Sehr gute Nummer.

  15. 16
    knorke says:

    Wenn vielleicht alle, die noch nicht in der Mühlen der PR und Finanz total zermürbt wurden, nun auch noch aus WWF, Greenpeace und BUND austreten, dann könnten die doch eine aufrichtige Gemeinde werden und einen sauberen Verein gründen! Wäre das nicht toll? Und vielleicht gibt es ja noch ein paar grüne Politiker, die noch nicht von der Macht (oder dem Machtwillen, oder dem Joschka) korrumpiert wurden, die könnten sich ja mit einreihen. Und dann könnten ja auch noch die Journalisten des Springer Konzerns, die noch ein Gewissen haben (wie viele werden das sein?!) in Zukunft Pressesprecher bei der neuen Organisation des Guten werden. Und dann … Ach Träume und Illusionen, was kommt ihr zu mir und seid doch nicht zu fassen?

  16. 17
    Tobias says:

    LOL es ist einfach zu lustig die Kommentare hier zu verfolgen. Endlich habt ihr es diesen primitiven dummen Organisationen mal richtig gezeigt… Die Welt kann sich glücklich schätzen, Menschen zu haben, die wissen wie man sie rettet :).

  17. 18
    Gregor Keuschnig says:

    @12/Tobias
    no comment
    Das genügt.

  18. 19
    Tobias says:

    Sorry, Gregor, konnte nicht anders als meine Freude mit euch zu teilen… Nichts anders machen alle anderen ja auch :-)

  19. 20
    J. says:

    @tobias: keiner checkt, was jetzt eigentlich deine aussage ist.

  20. 21
    knorke says:

    @21 hmm, ich tippe ganz stark auf triefenden Sarkasmus bei Tobias (18/20).
    Falls dem so ist erwartet er vermutlich tiefschürfende, weltumwälzende Erkenntnisse, die der geneigte Blog-Leser über die Kommentarfunktion publizieren soll — oder lieber schweigt. In dem Falle möchte ich an dieser Stelle einen Diskurs über den Sinn des Lebens anregen ;-)
    Andernfalls sind meine Sinne wohl nicht darauf ausgelegt, anderer Leute Absichten zu verstehen und die letzten paar Zeilen gegenstandslos.

  21. 22
    Jan Michael says:

    Schade, dass Staeck keine Plakate mehr für Greenpeace machen will – Greenpeace könnte in seinen Kampagnen zum Beispiel für den Klimaschutz sicher ständig herausragende Motive brauchen (dieses, dieses und dieses, die wir zurzeit nutzen, sind aber auch nicht schlecht, oder? Wer mag, kann einige der Motive als Plakat bestellen, Anruf oder Email bei Greenpeace genügen).

    Bei aller Kritik an der Kooperation der Umweltorganisationen mit „Bild“ sollte man aber doch auch mal die Beweggründe für die Kooperation respektieren, vor allem das Ziel, eine möglichst breite Öffentlichkeit zu informieren, die beim Thema Klimaschutz bisher vor allem an steigende Spritpreise (sicher war daran „Bild“ nicht unschuldig) dachte und in ihrer Freizeit weder FAZ am Sonntag, noch taz, noch RealClimate​.org oder andere Blogs, in denen das Thema Klimaschutz stattfindet, liest. In der Greenpeace-Bilanz zur Bild-Kooperation kann diesen und andere Gründe, die für die Entscheidung zur Kooperation sprachen, jeder nachlesen. Darin macht Greenpeace auch keinen Hehl daraus, dass wir bei Greenpeace kontrovers über die Kooperation diskutiert haben. Inzwischen ist die gemeinsame „Rettet unsere Erde“-Aktion beendet, und selbst im Nachhinein kann man natürlich höchst unterschiedlich zu ihr stehen. Die Gründe dagegen hast du, Stefan, in deinem offenen Brief ja hinlänglich genannt. Also: Nichts gegen Kritik in der Sache. Einige Kommentare kommen mir jedoch sehr nach Häme vor.

    Frederic, von dir würde ich noch gerne wissen, warum „ die seit Jahren nicht mehr das sind, was sie mal waren“. Greenpeace kämpft auch gegenwärtig in aller Welt gegen globale Umweltprobleme, versucht mit zahlreichen, mal mehr, mal weniger spektakulären Aktionen, mit Ausstellungen und Publikationen auf den Klimawandel aufmerksam zu machen, tritt auf Konferenzen wie in Bali für den Klimaschutz ein, kämpft auf allen Kontinenten für den Erhalt der großen (Ur-)Waldgebiete, kritisiert die Elektronikindustrie für den Einsatz unnötiger toxischer Chemikalien in Handys und Computern, und unser Schiff „Esperanza“ ist gegenwärtig auf der Suche nach der japanischen Walfangflotte im Südpolarmeer, unsere deutsche Aktivstin berichtet direkt von der Esperanza in ihrem Blog, andere Crew-Mitglieder bloggen auf englisch oder holländisch (bestimmt gibt’s noch mehr Sprachen auf der Esperanza). Frederic, wenn dir das nicht genug ist, mach’ doch mit, so wie über 3000 Freiwillige in Deutschland, etliche Tausend in aller Welt und 2,8 Millionen Förderer weltweit, die die Greenpeace-Arbeit erst möglich machen. Bei Greenpeace mitzumachen kostet nichts, nur etwas Zeit und Haltung. Auch du, Stefan, bist natürlich als Förderer oder Mitmacher jederzeit wieder willkommen!

  22. 23
    Wolf-Dieter Herrmann says:

    Aus dem Leben einer 3-Köpfigen Potsdamer Familie:
    Zweimal im Jahr fahren sie mit einem 5er BMW mit 180Km/h von Potsdam zum Leipzigiger Flughafen. Mit einem Billigflieger geht es nach Mallorca, dort mit Mietwagen zum Urlaubsziel, um 10 Tage mit dem Hautkrebs zu flirten. Nach 10 Tagen mit Mietwagen wieder zum Flughafen Palma. Mit Billigflieger nach Leipzig, dann mit 5er BMW und 180Km/h über die Autobahn nach Potsdam „brettern“. Am 8. Dezember 2007 5 Minuten Licht aus, Kerze an. VorBILDlich !!!

  23. 24
    Stefan W. says:

    Ich mag ein paar Arbeiten von Staeck sehr, ich kann Bild nicht ausstehen, und Greenpeace konnte auch manchmal meine Sympathie gewinnen — nicht jedoch mit der Licht-aus-Aktion in Zusammenarbeit mit Bild.

    Diese Aktion war falsch.

    Wegen dieser Aktion aber Greenpeace zu boykottieren ist ebenso falsch.
    Auf die Weise grenzt man immer mehr mögliche Koaliationspartner aus — man wird zur Inquisition.

    So wie man aufgrund der Fähigkeit zu differenzieren gegen die Bildaktion ist, so kann man doch differenziert Greenpeaceaktionen boykottieren, die mit Bild arbeiten, und nur diese?

    Er soll lieber ein Plakat gegen diese Koalition machen.

  24. 25
    Michael Finger says:

    Hi Ja,
    Greenpeace ist nicht mehr das was es mal war, weil es seit gut 20 Jahren für den Erhalt der Tropenwälder kämpft und eigentlich nicht einen Schritt weiter gekommen ist. Wobei da sicher nicht ganz richtig ist, man hat schon was geschaft, das von Mahagoni weg zu Bangkirai hin der Kunde gelockt wird. Aber das eigentliche Problem hat man nichts geändert. Die Menschen in den Ländern leben immer noch am Rande ihrer Lebensgrundlage und sind hoffen das sie morgen auch noch was zu essen auf dem Tisch haben und verkaufen oder verbrennen Ihr Holz ohne neues zu pflanzen. Wenn man von 20 Jahren nicht nur Protestiert hätte, sondern so wie jetzt an der Sache selber mitgearbeitet hätte, wäre man nach meiner Ansicht weiter.

    Aber je mehr Zeit verstreicht um so schwerer wird es werden, den wie an dem Beispiel Wismar zu sehen werden die Sägewerke immer größer und der Handel mit Holz ist nicht mehr nur mal so ein paar m³ in die USA, nein jetzt hohlt man das Holz aus anderen Ländern, schneitet es in einem anderen Land und verarbeitet wird es in noch einem anderen Land und das wird immer schwerer werden da gegen zu halten. Da kleine bis mittlere Sägewerke vor Ort, gar nicht gegen solche Giganten gegenhalten könne. Wie den auch sie haben weder die Lobi, noch das Geld um den Kunden zu zeigen, schau wenn du bei mir käufst ist das Holz zwar ein paar € ($) teurer, aber dafür kommt es aus dem Wald in der nähe und ist mit wenig Energie eingeschnitten und verarbeitet.

  25. 26
    Tom says:

    Ich bin übrigens auch wegen der Bildaktion als Förderer ausgestiegen.
    Und das nach 22 Jahren Fördermitgliedschaft, war schon irgendwie komisch…

  26. 27
    Rudy says:

    Es stellt sich die Frage wie sich Greenpeace,ausser so renommierten personen wie Steack, einen so grossen Aderlass von mietgliedsbeiträgen leisten kann;oder sollte dann doch Bild dafür einspringen?
    Ausserdem hätte GP sicherlich auch mit lesern von mehreren ‚normalen’Zeitungen sein CO2 Einsparziel eines „kleinen Kohlekraftwerks“ erreichen können.

  27. 28
    dildo says:

    Ein großes Problem beim Klimaschutz ist das viele Menschen nicht bereit dazu sind auch wirklich ernsthaft etwas dagegen zu tun… Die meisten sind leider immer noch im glauben „was kann ein einzelner schon ausrichten“ meines erachtens wirklich sehr bedauerlich… :(

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] der mit Bild kooperiert! Danke für die Genesungswünsche. Heute jedoch nur ein kurzer Verweis zu Stefan Niggemeier, der in seinem Medienblog mitteilt, dass Greenpeace und World Wide Fund For Nature einen […]

  2. […] — Klaus Staeck, Grafiker und Verleger kehrt der Organisation den Rücken. Mehr und genaueres steht hier. Bei Bookmark-Diensten eintragen: Hide […]

Comments are closed.