Super-Symbolfotos (71)

17 Aug 09
17. August 2009

Heute schauen wir nach Österreich oder genauer: Wie es auf uns schaut. Thomas Schaller hat sich für die Hörfunkwelle Ö1 des ORF mit dem Aufstieg der Piratenpartei beschäftigt und eine klischee- und metaphernreiche Kolumne verfasst:

Nun vermute ich, dass die Beziehung zwischen Bild und Bildtext eher indirekter Natur ist und das Foto gar nicht zeigt, was aus Deutschland geworden ist. Aber was sonst? Ist das der Riss, der durch unsere Gesellschaft geht? Ein Piratenschiff (Detail)? Der Topf, in dem in Deutschland besonders heiß gekocht wird (womöglich mit Brei inside)? Das Fass, dem der Tropfen die Krone aufsetzt?

[eingesandt von Aleks]

59 Gedanken
  1. 1
    V says:

    Leute in Glashäusern versenken Schiffe. (The Boondock Saints.)

  2. 2
    Jan says:

    Von „Good old Germany“ ist nur noch das „G“ übrig.…

  3. 3
    Sebastian says:

    G sterben.

  4. 4
    Bernhard says:

    Also die Ironie in dem Artikel wäre durchaus erkennbar gewesen, finde ich.
    Da müsste man nicht auf die wiederum klischeehaft deutsche sauertöpfische Art zurückschießen.

    Das Foto zeigt selbstverständlich die noch nicht ganz lückenlose ÜberwachunG im Ausschnitt.

  5. 5
    zoey says:

    also wählen die im spätherbst da unten ?

  6. 6
    JMK says:

    Der Artikel strotz ja nur so von falschen Annahmen und Rückschlüssen. Das ist ja furchtbar

  7. 7
    Tim Silber says:

    Also bitte, Herr Niggemeier! Das Foto symbolisiert den abgeplatzten Lack unserer einstmals schillernden Gesellschaft, die Wand dahinter lässt als Berliner Mauer deuten welche durch den gesellschaftlichen Umbruch anfang der 90er methaphorisch gesehen neu gestrichen wurde, praktisch ein gemalter Neuanfang, eine Symbiose aus Altem und Neuem, doch jetzt ist der Lack ab und die alten Graffitis kommen als aktuelle Parolen wieder zum Vorschein.

    Oder so ähnlich.

  8. 8
    Stefan B. says:

    @6 JMK: Wo genau?

  9. 9
    Daniii says:

    Deutschland bröckelt…

  10. 10
    JMK says:

    @Stefan B.
    Die Piratenpartei, die in aller Munde ist, zieht also sicher in den Bundestag ein?
    Die Forenbeteiberhaftung deckt sich m.E. so ziemlich mit dem österreichischen und was wird denn in Deutschland „mittlerweile verboten, überwacht, kontrolliert und belauscht“?

  11. 11
    Sören says:

    Also, wenn man den Cursor über die Grafik bewegt, erscheint ja der Text „Gesellschaft © Schimmer, ORF“, wobei „Gesellschaft“ eine Newskategorie der Internetseite ist. Füttert man die Google-Bildersuche mit „c schimmer orf“, findet auf Seite 3 die Grafik: sie tauchte auch schon in einem anderen Artikel auf … http://​oe1​.orf​.at/​h​i​g​h​l​i​g​h​t​s​/​1​4​0​7​2​6​.​h​tml — was auch immer das zu bedeuten haben könnte …

  12. 12
    readsalot says:

    @Sören

    es bedeutet, dass du
    a) zuviel Zeit hast
    b) akut prokrastinierst

    für mich gilt übrigens b

    ;-)

  13. 13
    Stefan B. says:

    @10 JMK: Ich zweifle ernsthaft, dass ein „stehen die Chancen gut“ mit einem „zieht … sicher … ein“ korrekt wiedergegeben ist. Was eine gute Chance ist halte ich fuer Ansichtssache.
    Wenn in D nicht „verboten ueberwacht, kontrolliert und belauscht“ wird bzw. alles dafuer getan wird, dass dies in Zukunft so sein wird, dann sollte das mal jemand fundiert in anderen Blogs (z.B. Lawblog) zur Sprache bringen. Es scheinen naemlich sehr, sehr viele Leute genau dieser Ueberzeugung zu sein.

  14. 14
    JMK says:

    Die Chancen stehen nicht nur nicht gut, die sind doch eher aussichtslos.
    Wo wird denn wer überwacht, kontrolliert und belauscht? Und was in einer möglichen Zukunft eventuell sein kann, steht ja erstmal nicht zur Debatte. Der Autor bezieht sich auf die Gegenwart.

  15. 15
    Max Krapp says:

    Argh, wenn ich das lese, hört sich das in meinem Kopf an, als ob jemand mit einem wirklich nervigen österreichischen Dialekt den Text vorliest. Aber abgesehen von dem Foto und einigen kleinen Fehlern (siehe GG) ist mir der Text recht genehm.

  16. 16
    Stefan W. says:

    @14: Wir alle werden überwacht. Mit wem wir wann telefonieren, wem wir eine Email schreiben und wer uns eine schreibt. 6 Monate lang wird das für jeden Bürger aufgehoben, ohne daß man sich etwas zu Schulden habe kommen lassen.

    Auch sollen wir jetzt alle wie Kinderschänder behandelt werden.

  17. 17
    Matthias Sch. says:

    Ich finde eigentlich auch, dass der Text wenn überhaupt dann ironisch ggü. den Deutschen allgemein ist (wobei ich das Einsetzen der Klischees als Stilmittel zur Überspitzung durchaus sogar ganz passend finde, für ein Ösi-Medium). Oder ich bin zu ironieresistent, um sie wahrzunehmen ;-)

    Ansonsten die m.E. beste Analyse eines (Massen-)Mediums dazu, warum inzwischen massenhaft *normale* Leute wie ich der Piratenpartei beitreten und sich dafür auch persönlich engagieren. Bezeichnend für die Qualität der deutschen Medien, dass diese Analyse aus dem Ausland kommt.… aber auch absolut logisch, denn die Gründe für den Piraten-Zulauf finden sich ja tausendfach in Blogs, die bekanntlich von unseren „Qualitäts-Medien“ als Brutstätten von Terror, Betrug und Verleumdung betrachtet werden, und selbst im besten Fall (z.B. Bildblog, lawblog, der Hausherr etc.) als doch nur minderwertige Meinungen gelten gelassen werden.

    Wollen wir wetten: In ca. 4–5 Wochen, wenn die Mitgliederzahl der Piraten sich noch einmal verdoppelt hat und die Umfragequoten unerklärlicherweise auf 3% oder mehr stetis ansteigen, kramt man bei SZ, Spiegel oder Stern fieberhaft nach einer Erklärung und wird dann sehr ähnlich aufgebaute kausale Analysen veröffenlichen.

    Ich setze ein Piratenpartei-T-Shirt — wer wettet dagegen? ;-))

  18. 18
    JMK says:

    ich wette ein fettes Meerschwein dagegen.
    Die Mitgleiderzahlen mögen ich erneut verdoppeln, nur wird ein Wahlkampf mit nur einem Thema recht schwierig, da nutzen auch 12000 Mitgleider nichts. Udn ob man sich mit der Aufnahme von Tauss und Thiesen einen Gefallen getan hat ist zweifelhaft

  19. 19
    Haco says:

    auf Ö1 gibt es jede Menge solcher Fotos mit Buchstaben. Ich find die ganz hübsch. Muss ja nicht immer gleich symbolische Bedeutung haben.

  20. 20
    Stefan Niggemeier says:

    @Haco: Oh tatsächlich! Jede Kolumne hat ein Foto mit einem Buchstaben. Meist das G, gelegentlich auch das K. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob das die Sache mehr oder weniger rätselhaft macht.

  21. 21
    polyphem says:

    Es ist in der Highlights-Rubrik „Gesellschaft“ ein Symbolfoto für Deutschland. Und welches Symbol steht für Deutschland? „Autobahn“. Er hat „Autobahn“ gedacht, der Thomas Schaller.…

  22. 22
    Harm says:

    Eine Schatzkarte! Da ist das „G“ versteckt, aus der die findende Partei aus der minimalen Chance den minimalen Change machen könnte.

  23. 23
    Martin says:

    Was hat eigentlich ein Wolkenkratzer-Hüpfer mit einem Mobilfunkdienstleister zu tun? ;-) Vielleicht soll es ja Interesse wecken?

    Ansonsten denke ich auch, dass es die Piraten packen werden.

  24. 24
    schläfer says:

    Es ist ein „EinbahnstrasseG“-Schild

  25. 25
    Roland says:

    Ob das Bild von einer deutschen oder österreichen Bildagentur ist ? Ich schätze mal ersteres ;)

  26. 26
    derwaechter says:

    Lieber Herr Niggemeier,

    Korrekt heißt es „der Tropfen der dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt“.

    So viel Zeit muss sein, finde ich.

  27. 27
    Stefan Niggemeier says:

    @derwaechter: Natürlich. Verzeihung.

  28. 28
    wölkschen says:

    Vielleicht ist auch die „hiesige Schlamperei“ (Österreichs) mit dem Bild gemeint. In Deutschland wäre das ein ordentlicher, kontrollierter Tanker. Aber in Österreich, da laufen die Schiffe mit Leck, oder so?

  29. 29
    dot tilde dot says:

    deutschland ist blau. zerknittert, abgerissen. betrunkenes gestammel erstirbt velar und in palatalem nasal. der lack ist ab.

    .~.

  30. 30
    AlfredE. says:

    @26: Nukular… das Wort heisst Nukular

  31. 31
    voci says:

    guter artikel! besser jemand schaut mal von außen drauf: ich hatte ‚uns deutsche‘ garnicht so in erinnerung, vor allem die letzten gesetzesfluten durch politikerpaniken.… deutschen!
    „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“ war ein Ruf auf den letzten Bildungsstreik-Demos in einigen Städten in D gegen Bildungsabbau und Studiengebühren: http://​www​.spassgesellen​.de​.vu

    gab es diese deutsch-österreichischen schmeicheleien schon vor 1933?

  32. 32
    Lothar Frings says:

    @ JMK (18)
    So ist es. Piraten haben in Deutschland keine
    Chance — am Ende betreten die noch den Rasen!
    Und sollten sie es wider Erwarten tatsächlich in
    den Bundestag schaffen, können die Etablierten
    immer noch den Verfassungsschutz marschieren
    lassen. Klappt bei der NPD ja auch prima.

    Übrigens finde ich es nicht in Ordnung, daß
    die Özis ständig Platitüden über Deutschland
    rezitieren — die sollten doch genug zu tun haben
    mit Schmäh, Küßdiehand, Heurigem und
    AufdieBergerennen. Außerdem sind das alles
    Haidergläubige.

  33. 33
    Stefan Niggemeier says:

    @Lothar Frings: Ach Du großer Gott. Ich finde ja schon die meisten reflexartigen Kommentare der „Piraten“, die sonst so in Blogs und bei Twitter aufschlagen („#Zensursula CDU-!, #Zensursula CDU-! #FAIL“), von erschütternder Dämlichkeit, aber der NPD-Vergleich toppt vieles.

  34. 34
    Aleks says:

    Im Titel „Deutschland und die Kontrollneurose“ liesse sich „Deutschland“ jetzt wohl auch durch „Österreich“ ersetzen…

    http://​tinyurl​.com/​l​k​t​7nv

  35. 35
    Nashwin says:

    @ Lothar Frings
    Und ich dachte die NPD ist eine Teilorganisation des Verfassungsschutzes…

    @ Aleks
    Der Unterschied ist nur, dass ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern „versehentlich“ eine für ihn unangenehme Seite sperrt und nicht gleich fürs ganze Land.

  36. 36
    Aleks says:

    @Nashwin Stimmt. Hab den verlinkten Eintrag gefunden, überflogen, gleich mal hier kommentiert und verlinkt und dann erst gelesen und verstanden. Ob ich mich mal bei Bild​.de bewerben sollte?

  37. 37
    Lothar Frings says:

    @ Stefan Niggemeier (33)

    Ich möchte mich nicht auf das Niveau argumentloser
    Beschimpfungen begeben, denn, faul wie ich bin,
    habe ich keine Lust, hinterher wieder auf meins
    hochzuklettern. Schreiben wir es also einfach meiner
    erschütternden Dämlichkeit zu, daß ich den
    angeblichen Vergleich zwischen NPD und Piratenpartei
    nicht finden kann.

  38. 38
    Lothar Frings says:

    @ Nashwin (35)
    Es ist eine zugelassene Partei wie die anderen
    auch. Seit sie nennenswerte Stimmenzuwächse
    hat, versuchen die Etablierten, sie zu verbieten -
    was immer einfacher ist als sich argumentativ
    mit ihr auseinanderzusetzen. Darum werden ja
    auch ausschließlich NPD-Wahlplakate geklaut -
    wahrscheinlich von Erzdemokraten.

    Ich habe übrigens mit keiner Partei irgendwas
    zu schaffen; ich finde solches Verhalten nur
    heuchlerisch.

  39. 39
    Nashwin says:

    @ Aleks 36.
    Ich will Sie nicht enttäuschen, aber für die Bild reicht’s damit noch lange nicht. ;-) Ist ja nicht weiter tragisch. Tragischer ist allerdings, dass wir beide ein solches Vorgehen des Justizministeriums eines EU-Staates zunächst mal für nicht unbedingt unwahrscheinlich gehalten haben.

    @ Lothar Frings 38.
    Ich weiß nicht auf welchen Kommentar Sie hier antworten. Die Plakate der NPD sind mir herzlich egal.
    In meinem Kommentar (35.) fand sich jedenfalls nur der dezente Hinweis, dass die NPD (zumindest) in der Vergangenheit ziemlich flächendeckend von V-Leuten und Agenten des Verfassungsschutzes durchdrungen war.
    So war dann nicht einmal der Justiz klar, welche mutmaßlich verfassungsfeindlichen Handlungen vom eigentlichen NPD-Personal und welche im Auftrag des Verfassungsschutzes durchgeführt wurden. Deswegen hat’s dann ja auch nicht mit dem Verbot geklappt.

  40. 40
    Chris says:

    Wenn man über sich selber lachen kann ist der Text doch durchaus lesenswert. :)

    Wir Deutschen sind nunmal eine Nation von Kontrollfetischisten und Neidern. Geht es anderen besser als uns selber können wir nicht hinnehmen dass es so ist — und wir beschweren uns (Dienstwagenaffäre). Und wehe eine andere Nation zeigt uns unsere offensichtlichen Fehler (eher die der Politiker) auf; na daraus kann dann ganz schnell eine Staatskrise erwachsen, bei der unser Peer den Österreichern wieder Scheisse an den Kopf wirft! Bin ich eigentlich der einzige, der sowas langsam lästig findet?

    Erschreckend ist jedoch, wie sehr sich der Großteil der Bevölkerung von keinen Querelen (Dienstwagenaffäre z.B.) von den wirklichen Problemem ablenken lässt.

    Bild ist halt interessanter als FAZ und RTL ist interessanter als ARD. Kein wunder, dass in diesem Land nichts mehr wirklich voran geht…

  41. 41
    JMK says:

    Jetzt wusste ich was nach Nazis, Piraten, Zensur noch fehlte: die Neiddebatte.

  42. 42
    kurt says:

    @33, Stefan Niggemeier:

    Wenn Sie Ihre Wahlentscheidung vom Intellekt einzelner Anhänger einer Partei abhängig machen, dürfte es Ihnen sehr schwer fallen, irgendeine der zur Wahl stehenden Parteien zu wählen.

    Ich glaube auch nicht daran, dass die Piratenpartei es im ersten Anlauf in den Bundestag schaffen wird — schon drei Prozent wären ein großer Erfolg, realistisch sind derzeit eher ein Prozent zu erwarten. Als die Grünen aufkamen, war das allerdings ganz ähnlich. Und was der einen Generation die „Anti-AKW-Bewegung“ war, ist der anderen halt ihr Internet.

    Im übrigen scheint es mir arg verflachend, die Piratenpartei auf ein Sammelbecken von Kiddies zu reduzieren, die eigentlich nur weiterhin kostenlos Musik und Filme saugen wollen und sauer sind, dass die Politik sie nicht mehr lassen will. (Nein, das haben Sie nie getan — aber wenn man sich die Medienkritik gegenüber der Piratenpartei ansieht, ist das noch die freundliche Variante. Die weniger freundliche geht in die Richtung, den „Piraten“ Sympathien mit Kinderschändern zu unterstellen. Wobei auch ich einräumen muss, dass Aufnahme von Jörg Tauss vor dem Abschluss seines Gerichtsverfahrens eine verdammt schlechte Idee war.)

    Hier artikuliert sich eine Bewegung junger Erwachsener, die nicht mehr hinnehmen wollen, dass eine Riege alter Herren und Damen in ihre Lebenswirklichkeit hineinregiert. Manchmal tut sie das unbeholfen, radikal und platt, aber das war bei den Anfängen der Grünen nicht anders. Es ist nicht gesagt, dass diese Bewegung langfristig Erfolg haben wird. Aber die 14-jährigen, die sich heute für die Piratenpartei begeistern, werden in vier Jahren wahlberechtigt sein, während den etablierten Volksparteien CDU und SPD dann bereits viele Rentner fehlen werden, die sie aus reiner Tradition heraus gewählt haben.

    Werfen wir doch mal einen Blick in die 60er Jahre: Vermieter achten nicht selten darauf, dass Paare nicht unverheiratet zusammen leben, mehr noch, dass Damenbesuch vorher angemeldet wird. Der Staat hält ein Monopol auf Telekommunikation. Gespräche ins Ausland sind praktisch unbezahlbar. Eine nackte Brust im Kino ist ein handfester Skandal. Informieren können sich die Menschen nur aus den Publikationen, die nicht von der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ auf den Index gesetzt wurden. Im Fernsehen gibt es zwei Sender. Beide zeigen in den Nachrichten das, was den sittlichen und politischen Vorstellungen der älteren Herren in den Rundfunkanstalten genügt.

    Zeitsprung ins Jahr 2009: Jeder kann mit jedem verschlüsselt kommunizieren, im Inland wie im Ausland. Wer Wert darauf legt, kann sich aus erster Hand informieren, was in Ländern wie dem Iran passiert — etwa, indem er Blogs von Betroffenen liest, deren Inhalte nicht den Filter der „offiziellen“ Medien passiert haben. Die halbe Nation saugt sich Pornos aus dem Netz, aber nur noch ein paar ältere Sittenwächter wie Alice Schwarzer regen sich darüber auf. Die Politik kann die Verbreitung von Informationen nicht mehr effektiv kontrollieren. Trotz aller Kontroll- und Regulierungswut leistet das Netz endlich das, was uns bei der Einrichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks versprochen wurde: Unabhängige, unzensierte Informationen aus erster Hand, für jeden, jederzeit. Das allgemeine Bildungsniveau ist dank Wikipedia & Co. enorm angestiegen, so weit, dass Shows wie „Wer wird Millionär“ inzwischen auf die absurdesten Fragen ausweichen müssen.

    Wer in den Sechzigern aufgewachsen ist, dem muss diese Realität des Jahres 2009 Angst machen. Insofern ist das Aufbäumen der mit einem enormen Ausmaß staatlicher Kontrolle groß gewordenen „Internetausdrucker-Generation“, das wir hier erleben, nur natürlich. Unausweichlich ist aber auch die Gegenbewegung jener, die es für selbstverständlich halten, dass der Staat sich aus ihrem Leben so weit wie möglich heraushält.

    Ich brauche keinen „Jugendschutz“. Ich brauche keine Sichtblenden im Internet, die über eine geheime Schwarze Liste irgendeiner dubiosen Behörde definiert sind. Ich brauche keinen Zoll, keinen Protektionismus, keine staatliche Gängelung dabei, welche Spiele ich spielen möchte, welche Informationen ich aus dem Netz abrufen möchte. Ich brauche keinen vom Proporz der etablierten Parteien dominierten Rundfunkrat und keinen über Zwangsgebühren finanzierten Rundfunk. Ich brauche keine Zensoren, die glauben, besser als ich zu wissen, welche Bücher ich lesen darf und welche nicht. Ich brauche keine durchgeknallten Professoren aus der SPD, die kleinen Kindern Suggestivfragen stellen und damit unbewiesene Thesen belegen wollen, um endlich effektiver als bisher schon Computerspiele zensieren zu können.

    Und ich bin nicht der einzige, der so denkt. Entweder die Piratenpartei wird erstarken, oder die etablierten Parteien werden sich endlich unserer annehmen. Doch so oder so kann es nur besser werden.

  43. 43
    Ulrike Langer says:

    Das G steht für Google, das in Deutschland doch bekanntlich an allem schuld ist, egal was.

  44. 44
    Stefan Niggemeier says:

    @kurt: Danke für die Nachhilfe, ich kann den Erfolg der Piratenpartei durchaus nachvollziehen und werde meine Wahlentscheidung auch nicht vom Intellekt einzelner Anhänger abhängig machen.

    Nur ist schon die Formulierung von den „einzelnen Anhängern“ irreführend: Massenhaft treten sie auf und scheinen glücklich, wenn sie in irgendeinen (virtuellen) Raum „Zensursula!“ oder „Klarmachen zum Ändern!“ rufen können, nicht ohne jeden ihrer Tweets mit Minuszeichen für die anderen Parteien zu versehen — womöglich weil sie ernsthaft glauben, dass jemand die daraus resultierende Zählung irgendjemand ernst nähme. Viele Piraten wirken wie eine Horde Idioten oder, freundlicher formuliert, wie ihre eigenen Papageien, vollauf zufrieden, wenn sie die immer gleichen Schlagworte wiederholen können,

    Ich will mal zugunsten der Piratenpartei annehmen, dass sie nicht so dumm ist wie diese Anhänger.

  45. 45
    Chris says:

    @Stefan:

    wenn es um beschränkte Anänger/Fans geht, dann sollten wir doch gleich alles verbieten und verteufeln, oder?

    Sportvereine, Bands, etc. etc.

    Wie oft sehen wir denn durchgeknallte Fussballfans die sich prügeln, pöbeln, in Stadien mal von Brüstungen fallen und und und… aber Fußball deswegen generell für eine schwachsinnige Veranstaltug zu halten ist m.E. ein wenig zu viel des Pauschalisierens.

    Natürlich gibt es auch bei den Piraten wirkliche Vollidioten im Gefolge, Stefan, jedoch bestätigen diese Ausnahmen für mich eher die Regel. Und die Regel ist, dass größtenteils gebildete Leute meiner Altersklasse (geb 82) nicht akzeptieren wollen (wie von kurt bereits ausgeführt), dass die Generation unserer Eltern über Dinge urtelen soll von denen sie selbst keine Ahnung haben (oder zumindest rudimäntere Kentnisse besitzen).

    Mich persönlich stimmt das extrem wütend. Immerhin scheinen es die meisten Deutschen einfach so hinnehmen zu wollen, wie es ist!

  46. 46
    Stefan Niggemeier says:

    @Chris: Ich will überhaupt nichts verbieten. Ich kann gut verstehen, warum man sich für die Piratenpartei begeistert. Und ich habe nicht gesagt, dass ich die Piratenpartei für so schwachsinnig halte wie die Schwachsinnigen ihrer Anhänger. Ich habe nur gesagt, dass mir diese grölenden Fantrupps auf den Keks gehen.

  47. 47
    Matthias Sch. says:

    @46:

    ALso Stefan, ich glaub du solltest einfach mal zu einem „offline-Stammtisch“ oder Crewtreffen der Piraten gehen (finden inzwischen praktisch überall und in Berlin sicher fast täglich statt, siehe Website -> Mitmachen), um einen Eindruck von der Art der Leute zu kriegen. Oder die Aktivisten in der FuZo mit Infoständen.

    Gut, ich kenne erst ganz wenige (vielleicht 30 oder 40) und ausschließlich aus Düsseldorf, dazu habe ich mit etlichen telefonisch Kontakt gehabt. Aber die Sorte „Freaks“, die man sich vorstellt, findet sich da kaum.

    Meines Erachtens gibt es inzwischen zwei Kern-Gruppen (natürlich ohne wirkliche Trennlinie) bei den Piraten: Zum einen die *Nerds*, die *Tekkies*, die *Hardcore-Internetler* — von denen schreibt ja SpOn so gerne hämisch. Diejengen, die vor der Europawahl Mitglied waren, dürften fast alle zu dieser Gruppe zählen. Und auch die ersten 2.000 bis 3.000 weiteren Mitglieder dürften zu größeren Teilen in diese Richtung tendieren. Aus diesem Kreis (und sicherlich etlichen tausend weiteren Nicht-Mitgliedern-aber-nah-dran) kommt sicher sehr viel Getwittere und das in höchster Frequenz. Wenn man dann noch die Studis und Schüler dazu nimmt, die fröhlich Retweeten — voila.

    Und zum anderen gibt es *normale* Leute wie mich. Die eher als *Langweiler* eingeordnet würden, wenn man sie auf der Straße sieht. Voll berufstätig, durchaus auch oftmals älter (ok, ich nicht — aber ein ganz neuer Mit-Pirat hier ist 57 und erfolgreicher Unternehmen). Die Sorte, deren Lebensgefährtin und Freunde einen erst einmal für verrückt erklärt, wenn man sagt, man sei Pirat geworden. Bevor sie nach Lektüre eines einzige Flyers auch ernsthaft ins Grübeln kommen.

    Warum ich hier Mitglied geworden bin? Weil ich eine gue Chance sehe, dass innerhalb kürzester Zeit hier etwas immerhin so großes entsteht, dass man es nicht mehr so lässig beiseite wischen kann we die 134.000 Petitionsunterschriften.

    Und man sollte nicht vergessen: Der jetzt losgetretene Wirbel wird erreicht, obwohl 85% der heutigen Mitglieder vor drei Monaten noch nicht dabei waren, vielfach KANNTEN sie die Piraten damals noch gar nicht — wie das mit de facto nicht existierenden Strukturen einen auch nur ansatzweise effektiven Wahlkampf ergeben soll, kann sich eine *normale* Partei gar nicht vorstellen.

    Warum es trotzdem klappt? — durch unglaubliches persönliches Engagement, selbst vieler Fulltime-Leute. Und durch zahllose kreative Ideen, oftmals lokal in Kleinstgruppen gebrainstormt und dann „einfach mal gemacht“, ohne großes Zaudern. Zum Beispiel das hier (Auszug aus der Düsseldorfer Maling-Liste):

    (Anfang)
    Den heutigen Guttenberg Auftritt [Anm.: in Bonn] kann man ruhigen Gewissens als perfekten Wahlkampftag der Piraten abhaken. Wir waren zwar nur zu dritt (haben gegen Ende aber noch einen RLP-Piraten getroffen), Grüße an Cg909 und Simbel, aber es hat sich immer wieder nur um uns gedreht.

    Was die Anwesenden gesehen haben und worüber gesprochen wurde, war nicht Guttenberg, sondern die über allem wehende Piratenflagge; andere Parteien waren nicht anwesend. Wir haben sehr viele Flyer verteilt und wurden von zahllosen Menschen angesprochen; auch die Presse hat uns ins Visier genommen. Guttenberg hat uns mehrfach in seine Rede eingebaut,
    was blieb ihm auch übrig ;-) und als krönenden Abschluss hat er Simbel ein Autogramm auf seine Piratenflagge gegeben.

    Ein paar negative Äußerungen mussten wir natürlich von den
    CDU-Stammwählern über uns ergehen lassen, aber der Gesamteindruck ist absolut positiv.
    (Ende)

    Ist in ziemlich tyisches Beispiel für die Art des Piraten-Wahlkampfs, ich kenne nach nicht einmal einer Woche (!) Aktivität schon mindestens ein halbes Dutzend ähnlich guter Aktionen.

    Und selbst wenn man aus dem Bericht 50% Selbstüberschätzung“ abzieht (Medienberichte bzw. Vieo-Beweise habe ich noch nicht vorliegen), behaupte ich mal, dass eine solche Aktion mit nur 3 (!) nicht speziell ausgebildeten Mitgliedern wesentlich mehr bewirkt, als es ein ganztägiger Infostand der SPD in der Düsseldorfer Innenstadt mit 10 vor-allem-auf-den-Abend-wartenden Leuten tut.

    So, und jetzt multipliziere diese Wahlkampf-Kapazität mit 2.000 — dann hast du die aktuelle „Streetpower“ der Piraten. Wobei es ja täglich derzeit 100 mehr werden, die meisten davon alles andere als passiv.

    Was jetzt noch fehlt, ist v.a. eine professionelle Medienarbeit. Aber da hab ich z.B. ein *paar* *kleine* Ideen.…

  48. 48
    Matthias Sch. says:

    Korrektur — die Termine für Berlin stehen hier (das mit mitmachen war was anderes):

    http://​wiki​.piratenpartei​.de/​B​-​W​e​b​:​S​t​a​m​m​t​i​s​che

  49. 49
    Matthias Sch. says:

    Nachträge:

    Warum es trotzdem klappt? – durch unglaubliches persönliches Engagement, selbst vieler Fulltime-Leute.
    »>natürlich FulltimeJOB-Leute, kenne noch keinen einziges ausschließlich-als-Pirat-tätigen (ok, einige Studenten o.ä. sind sicherlich nahe dran), selbst die „Köpfe“ machen das meiste eben in der Freizeit abends und am WE.

    Und durch zahllose kreative Ideen, oftmals lokal in Kleinstgruppen gebrainstormt und dann „einfach mal gemacht”, ohne großes Zaudern.
    »>vielleicht ebenfalls wichtig: und wenn’s gut lief, wird’s über die Mailinglisten gejagt, getwittert (ups, also doch ;-)) und in die Wiki-Bereiche gestellt, zwecks Kommentierung/Verfeinerung und als Vorfeld für andere Aktionen. „Schwarmintelligenz“ in Reinkultur.…

    Ist in ziemlich tyisches Beispiel für die Art des Piraten-Wahlkampfs, ich kenne nach nicht einmal einer Woche (!) Aktivität schon mindestens ein halbes Dutzend ähnlich guter Aktionen.
    »>zum klareren Verständnis: ich kenne diese wenigen/vielen Aktionen nur über direkte Erzählungen o.ä., bin eben NICHT in zahllosen Mailinglisten und bei Twitter über jedes Plakat in Pusemuckel informiert,

    Ach ja, ein paar sehr (!) spektakuläe Aktionen (kleine und große) brainstormen wir gerade in Düsseldorf durch, habe vorhin zu einer davon einen Grob-Schlachtplan für den Aufbau im Medien-Profi-Kreis rumgemailt.… sollte mich schwer wundern, wenn von der im Falle einer tatsächlichen Realisierung nicht wirklich ALLE Sender berichten :-)

    Wer jetzt neugierig geworden ist -> Mailingliste Düsseldorf auf der Piratenhomepage: http://wiki.piratenpartei.de/D%C3%BCsseldorf/Kontakt

    Kann aber noch etwas dauern, bis wir’s rauslassen.… oder vielleicht geht es auch ganz schnell. We’ll see.

  50. 50
    Morgenstund says:

    @Matthias Sch.

    Leider auch off-topic.

    a) Thema verfehlt
    b) Beiträge nicht verstanden, oder nicht richtig gelesen? Sie sind wohl eindeutig dieser Spezies zuzuordnen:

    „Ich habe nur gesagt, dass mir diese grölenden Fantrupps auf den Keks gehen.“ (Zitat #46)

    Leider haben Sie nicht nur die Beiträge ganz allgemein sowie das Thema, nein, Sie haben einen ganz einfachen Satz schon nicht verstanden.
    Man darf wohl hoffen, daß dies nicht symptomatisch für die (Mitglieder der) Piratenpartei ist. Oder doch?
    c) Der Kommentarbereich ist meines Wissens nicht als Wahlwerbungsforum gedacht. Andererseits, den Beitrag könnte man fast schon als „Anti-Werbung“ interpretieren. Wobei, auch schlechte Werbung ist letztendlich Werbung.

    Sonst kann man nur sagen: Gratulation, Sie haben viel geschrieben und nichts gesagt. Kommt mir ein klein wenig vor wie direkt aus „Seichtgebiete“ entsprungen.

    Die Piratenpartei ein „Seichtgebiet“?

  51. 51
    Nashwin says:

    @ Morgenstund
    Also, ich fand die Kommentare von Matthias Sch. ziemlich interessant und meine schon, dass die in ein Blog passen, das sich u.a. mit dem Internet und den neuen Medien beschäftigt.

    Natürlich total OT, da sie nicht von Symbolphotos handeln, dafür allerdings mit deutlich mehr Erkenntnisgewinn.

    @ Stefan Niggemeier
    Penetrant beschränkte Anhänger einer Partei gibt’s doch nicht nur bei den Piraten. Die einen schreien halt „Klarmachen zum Ändern!“, andere „Steuern runter!“ und wieder andere faseln bei jeder Gelegenheit was vom bösen Neoliberalismus und von sozialer Wärme.

    Der Unterschied ist nur, dass sich erstere halt hauptsächlich im Internet und den angeschlossenen Diensten tummeln, und letztere überall sonst (insbesondere Fernsehen und Fußgängerzonen).

  52. 52
    Morgenstund says:

    @Nashwin

    Sorry der Nachfrage, aber welche „Erkenntnis“ kann man aus den 3 Beiträgen gewinnen?

    Na ja, zu „erkennen“ wäre allerdings, daß sich die Piratenpartei nicht nur (und auch nicht mehr hauptsächlich) im „Internet und den angeschlossenen Gebieten tummelt“ sondern man diese ebenfalls „überall sonst (insbesondere (im) Fernsehen und Fußgängerzonen“ antrifft und es ja wohl auch im Sinne des Kommentators ist, daß sich hier immer mehr (Möchtegern?)Piraten einfinden und/oder tummeln sollen.

    Ich gebe Ihnen allerdings unumwunden Recht, daß es in allen Parteien, Organisationen, Vereinen und sonstigen Interessensgemeinschaften (sehr) beschränkte Anhänger gibt die auch gerne und laut schreien oder auch nur faseln. Ich würde diese Feststellung jedoch auch noch auf die Protagonisten/Anführer ausweiten, wobei diese natürlich implizit auch Anhänger der jeweiligen Gesinnung/Denkweise/ bzw. des vertretenen Interessengebietes sind.

    @Stefan
    Ich hätte vollstes Verständnis, wenn Sie alle Off-Topic-Beiträge hier einfach im Datennirvana verschwinden lassen würden. Ist wirklich nicht passend zudem es ja auch schon lange entsprechende Piratenpartei-Blogbeiträge gibt. ;)

    Sorry for Spam.

  53. 53
    Nashwin says:

    @ Morgenstund
    Also ich zumindest fand es ganz spannend zu lesen, wie sich die Piraten so mit Hilfe des Internets organisieren. Und welche Leute da mitmachen. Ein kleiner Einblick ins Innenleben dieser Bewegung, den ich vorher nicht hatte — daher für mich ein Erkenntnisgewinn.

    Und ein Hausherr, der regelmäßig Schafcontent bietet, kann doch nicht wirklich etwas gegen ein wenig Off-Topic haben, oder?

    (Disclosure: Ich bin kein Pirat und es ist denkunmöglich, dass ich die Piraten bei der Wahl wählen werde.)

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    Stefan Niggemeier says:

    @Nashwin: So pauschal würd ich das nicht sagen, aber im konkreten Fall find ich die Aufregung über die Kommentare deutlich nerviger als die Kommentare selbst.

    (Außerdem ist das Matthias Sch. Der darf das.)

  55. 56
    Twipsy says:

    Die Fotos, die stern​.de seit gestern zur Illustration von Foltermethoden verwendet, sind an Geschmacklosigkeit kaum zu übertreffen.

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    Poomerang says:

    Heute: das Qualitätsmedium faz​.net mit Olivenpizza zur Bundestagswahl.

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