Sonntagssprechstunde bei sueddeutsche.de

Ist das nicht toll? Die Ergebnisse der Landtagswahlen können Sie heute abend nicht nur überall, sondern auch auf sueddeutsche.de kommentieren!

Das Online-Angebot der „Süddeutschen Zeitung“ greift die Idee des verkaufsoffenen Sonntags auf und taut ausnahmsweise die Kommentarfunktion auf, die sonst an Samstagen, Sonn- und Feiertagen „eingefroren“ ist, um die „Qualität der Nutzerdiskussionen“ stärker zu „moderieren“. Sprechzeit auf sueddeutsche.de für Idiotae ist sonst seit einigen Wochen ausschließlich werktags zwischen 8 und 19 Uhr.

Im SZ-Protestforum szenso.de sieht man in der Aktion auch eine Reaktion auf das eigene Angebot, dort rund um die Uhr über die Wahlen zu diskutieren.

22 Replies to “Sonntagssprechstunde bei sueddeutsche.de”

  1. Toll so ganz ohne Ladenöffnungszeiten. Und bei Dir is ja auch alles offen :)

    Ich kann mich doch noch an den Vorschlag eines Richters erinnern, dass ein gewissen bloggender Journalist doch seine Kommentare einmal die Woche für zwei Stunden moderieren könnte. Damit ist die SZ doch der Rechtssprechung nur konsequent voraus ;)

  2. Ach Mensch,

    hast du denn wirklich nichts anderes über das du schreiben kannst? Das ist doch nun echt ein alter Hut und dadurch, dass du einmal pro Woche ein weniig rummeckerst wird es auch nicht besser.

    Nirgendwo steht geschrieben, dass man rund um die Uhr kommentieren kann, also lass es doch die SZ machen wie sie es will und kümmer dich lieber mal um wichtigere Dinge, Ross ;-)

  3. Sehr interessant ist ja der SZ-Artikel von Bernd Graff, auf den Herr Niggemeier via „für Idiotae“ verlinkt (vorletzte Zeile vor dem Screenshot).

    Bei einem von Herrn Graff zum Besten gegebenen Satz musste ich dann doch lauthals auflachen:
    „Die etablierten Medien verfügen über rigide Aufnahmeverfahren“.

    Zählt deshalb – bei vielen Tageszeitungen – für den Erwerb des Rechts, einen Gastkommentar zu verfassen, eher der bekannte Name als Sachverstand und publizistisches Können?

    Werden deshalb schlecht geschriebene, aber verkaufsträchtige Bekenntnisse von B-Prominenten eher gedruckt als packende, intelligente Romanmanuskripte, deren Verfasser indessen niemand kennt? (Das Buch ist nach Herrn Graffs Definition ja wohl auch ein etabliertes Medium.)

    Knebeln unsere Qualitätsdrucksorten deshalb (also im Sinne eines rigiden Aufnahmeverfahrens) ihre „festen freien Mitarbeiter“ mit ausbeuterischen Verträgen?

    Werden deshalb Worthülsen-Produzenten zu Chefredakteuren großer Nachrichtenmagazine bzw. werden deshalb Grimme-Preise an Leute verliehen, die das TV-Format Talkshow durch ihren Moderationsstil zu einem Floskel-Duell herabgewirtschaftet haben, dessen Redebeiträge in Länge und Niveau den Vergleich mit einer BILD-Überschrift nicht zu scheuen brauchen?

    Aber wahrscheinlich bin ich als Idiota schlicht und einfach zu dumm für die Herrn Graffs Pamphlet beflügelnde Dialektik.

  4. @Modran: Weil Joachim möglicherweise – so wie ich – der Meinung ist, dass S. Niggemeier grundsätzlich ein „wichtiger“ (?) Blog ist. Aber der Eintrag hier gehört nicht unbedingt dazu. Aber das kann man ja vor dem Lesen nicht wissen, gell Modran? Oder wie machst Du das immer? Aber keine Sorge; So schwachsinnig wie Dein Kommentar kann ein Blogeintrag nie werden.

  5. @Lothar: würde Stefan alle seine Beiträge entfernen, unter denen irgendein Kommentator gefordert hat, er solle sich lieber um wichtigere Dinge kümmern, bliebe von dem Blog nicht viel übrig.
    Zum Glück aber entscheidet er selbst, worüber er schreiben möchte.

  6. Wichtig bei diesem Wahlkampf ist nur: Koch muss nach dieser Aktion endgültig weg vom politischen Fenster in Hessen. Mehr gibt es bei diesem Wahlabend nicht für mich zu diskutieren, und ob es klappt kann ich mir im TV anschauen.

    Ich befürchte nur er taucht nach seiner verdienten Niederlage dann verstärkt in der Bundespolitik auf, z.B. als Nachfolger von Herrn Schäuble nach der nächsten Bundestagswahl :-(

  7. Schön auch, dass auf der SZ-Seite mögliche Konstellationen dargestellt werden. So hab‘ ich noch gar nicht drüber nachgedacht, dass jetzt auch die CDU mit der Linkspartei koalieren könnte :D

  8. Ich gebe ja nichts auf die Ableitung von Kompetenzen aufgrund von Äußerlichkeiten bei Politkern, aber vielen Dank auch an sueddeutsche.de dass sie diesen Instinkt anscheinend noch immer bedienen wollen. Der Preis „Häßlichste Photoauswahl für Portraits der Spitzenkandidaten“ geht an die akutelle SZ Homepage: So gesehen müsste Herr Koch am Montag zum Dermatologen und Frau Y. mindestens zum Zahnbleaching. Und daneben die unnachahmlichen Herribert Prantl und Ross. Gratulation liebe SZ, ich geh jetzt brechen.

  9. Die Sueddeutsche hat tatsächlich anscheinend trotz des offenen Wahlausgangs um 23h die Bürgersteige hochgeklappt (letzter Kommentar den ich entdecken konnte: 23h02). Auch der Liveticker war ab 21h30 plötzlich verhindert.

  10. Glücklicherweise gibts eine derartige Sperre bei der FAZ nicht!
    Und dort, also bei der FAZ, gibts glücklicherweise auch keinen Zensor, der besonders kritische Anmerkungen durch (…) ersetzt
    und den Kommentar damit schlicht zensiert.

    Man beachte den Beitrag zur „Aktuellen Kamera“. Und wie sich
    der Blogbetreiber zukünftig der Dschungel-Sendung gewidmet hat.
    Das ist die typisch westdeutsche Art: Osten = böse, Westen = wir haben wenigstens kritsche Journalisten.

    Also wenn ich da arbeite, dann kann ich wohl keine Kritik üben.
    Wenn es woanders genauso läuft, dann fülle ich meinen Blog
    damit.

    Bei Wessis hat man Erfolg damit. :D

  11. Das ist ja ein bisschen wie Nachtwanderung im Landschulheim! Oder wie bei der Christiansensabine, die manchmal nach ihrer Sendung studienrätisch über die Brille schaute und den Zuschauern zuraunte, sie dürften noch eine Stunde mit den Experten im Internet diskutieren. Subtext: „Aber nur, wenn ihr schon Zähne geputzt habt und danach gleich das Licht aus“!

  12. Die Zeitung von morgen

    Zwar scheinen gewisse Mitarbeiter der SZ das Internet für ein Medium zu halten, das geradewegs in den Untergang des Abendlandes führt. Gleichwohl hat man als Bildschirm-Idiota auch bei der Münchner Tageszeitung einen strategischen Vorteil gegenüber dem blätternden Kulturbewahrer:

    http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/deutschland/artikel/523/155119/

    Der Artikel wurde heute (29.01.) um 17.54 Uhr ins Netz gestellt. Gedruckt erscheint er aber erst in der morgigen Ausgabe. Das heißt: Ich kann schon heute Abend vor dem Einschlafen über Herrn Brauns Worte sinnieren und wenn ich den Beitrag eher entdeckt hätte, hätte ich ihn sogar schon kommentieren können, noch bevor der auf traditionelle Weise Rezipierende überhaupt von dessen Existenz erfahren hätte.

  13. ist vielleicht etwas offtopic, aber wie ist das nun, wenn ich bild.de lese, aber nie ne bild kaufe .. verhelfe ich da der BLÖD irgendwie zu einem Profit? (ich klicke nie auf Werbebanner). Sollte ich das dann bleiben lassen? Ich finde es witzig, dass man die Inhalte der morgigen Printausgabe um ca. 0.10 schon im Netz lesen kann. Wozu kaufen? Als U-Bahnsitzunterlage?

    Zum Thema: die SZ fürchtet das Interweb irgendwie zu sehr. Es scheint fast, als hätten sie erst seit überhaupt nem Monat ein Modem? Seltsames Gebahren. Ich bin mir nicht sicher, wie das andere große Zeitschriften in ihrem Webauftritt in anderen Ländern handhaben, aber diese Angst vor Kommentaren „anonymer“ Surfer – paranoisch geradezu. Was ich gerade so in US-amerikanischen Blogs/Foren lese, der Umgangston, die Themen .. da würden ja die armen SZler tot umfallen. Alles etepetete irgendwie.

  14. Aus der Perspektive des Außenstehenden ist eine solche Beurteilung natürlich einfach. Man sollte allerdings im Hinterkopf behalten welch enormer personeller Arbeitsaufwand eine solche Funktion beinhaltet. Denn die SZ – und ich spreche hier aus der Erfahrung mehrerer großer Projekte mit Kommentarfunktion – hat mit der Begründung schlicht und ergreifend Recht. Jeder dritte Kommentar ist beleidigend, rassistisch oder anderweitig inakzeptabel und die Nicht-Veröffentlichung von Beiträgen wie:

    „Hätte man euch Ossis doch lieber in Dunkeldeutschland gelassen und die Mauer nicht abgerissen, sondern 20 Meter höher gebaut“ (und das sind die harmlosen Beispiele)

    Führen bei den Kommentatoren regelmäßig zu Protestaktionen und E-Mails mit dem Verweis auf Stasi-Methoden und die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Also was ist Alternative? Dem Online-Pöbel Tür und Tor öffnen, oder einen mittelgroßen Stab an Mitarbeiter einstellen, die nur noch Kommentare bearbeiten? Das Problem ist nicht die SZ, sondern der ganz offensichtlich nicht für nonverbale Diskussionen geeignete Teil der Bevölkerung, der bedauerlicherweise über einen Internetanschluss verfügt ;)

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