Urlaubsvertretung: der Herm

Ein chronisches Problem mit diesem Blog ist ja die schlechte Stimmung, die es verbreitet. Dauernd machen alle alles falsch, Menschen mit gefärbten Haaren bekommen Aufmerksamkeit zugefächert, und in den Kommentaren versuchen die Leute immer wieder, sich Konsonanten zu kaufen!

Aber das ändert sich jetzt, denn in den kommenden zweieinhalb Wochen wird dieser freundliche junge Mann hier unten (also, der rechts) für Stimmung sorgen und versuchen, das hoffnungslos überzogene Karma-Konto dieses Blogs ein bisschen auszugleichen:

Er heißt Markus Herrmann, man nennt ihn Herm, er kommt aus dem Wald, ist vor wenigen Wochen erst von Bielefeld nach Berlin gezogen und verbringt seine Tage gerade damit, seine Bachelorarbeit zum Mediengestalter nicht zu schreiben. Ich muss zugeben, dass ich wenig über ihn weiß, aber irgendwann dem Charme seines Blogs „Herm’s Farm“ erlegen bin, in dem er auf außerordentlich schluffieske Weise über sein Leben schreibt und sich keine unnötigen Gedanken über Zeichensetzung und überschüssige Apostrophe macht und in dem für mich völlig unerklärlich Sätze wie „Das wird so toll alles“ ohne eine wattige Ironiehülle herumstehen.

Das könnte ein ziemlicher Kulturschock werden, wenn er hier übernimmt, und als kleine Demonstration, wie fremd und unangemessen positiv sein Zugang zu mir vertrauten Themen ist, zitiere ich hier mal aus einem aktuellen Eintrag:

Ich weiß nicht so recht wie ich damit umgehen soll. Jeden Morgen, den ich neuerdings mit fürchterlich guten fürchterlichen Reality-Soaps und Süßigkeiten ausgiebig im Bett verbringe, muss ich dran denken, dass sich in der Wohnung drunter ein Zahnarzt befindet. Quasi parallel zu mir liegt da also gerade jemand auf diesem Stuhl, während ich hier mein Schlafshirt mit Hilfe von Knusperflocken in eine Landkarte der Mecklenburgischen Seenplatte verwandele. Furchterregend. Manchmal hört man auch Bohrgeräusche wenn man durch den gewohnten Zahnarztpraxengeruch im Treppenhaus läuft.

Steht man aber erstmal bei Sonnenschein im Hof, ist aber alles wieder gut, denn dann fühlt man sich so, als wäre man in einer lauen ZDF Donnerstag Abend Verfilmung gelandet. Warum das so ist weiß ich auch nicht, fühlt sich halt so an.

Ich mag ja auch Klischees und wenn sie sich bewahrheiten. So gibt es neben den lustig anzusehenden Hipstern in Prenzlberg natürlich auch Unmengen an Kindern und dazu gehörigen Muttis. Ganz ehrlich, ich weiß nicht wie lange ich das noch aushalten werde bevor ich nicht auch sowas haben möchte, also Mutti und Kind. Hier gibt es im näheren Umkreis gleich 5 große Spielplätze und wenn man zu den richtigen Zeiten nach draußen geht gibt es nur kleinwüchsiges Gewusel. Wunderbar! Als beim letzten Einkauf der Supermarkt von besagtem Gewusel durchzogen wurde, habe ich erstmals überlegt, wie lange so ein kleines Kerlchen wohl unbeaufsichtigt sein muss, bevor man dazu berechtigt ist ihn mitzunehmen. Ich sehe schon wie ich hier eine gefürchtete Kinderarmee errichte. Wir werden in ganz Berlin gefürchtet und Schutzgeld wird in Knisterkaugummi bezahlt.

Ich weiß nicht, wie das „Wunderbar!“ in diese Beschreibung rutschen konnte, und in meinen üblichen Fantasien in solchen Situationen kommen zwar auch Armeen vor, aber anders.

Eine gute Einstimmung ins Lebenswerk dieses Herm ist auch sein Live-on-tape-blogging eines Musikantenstadls, mit sauber beobachteten Beschreibungen der Sexfixiertheit dieser Szene und kleinen, wie sagt man, Schmankerln wie diesen:

  • “Die Ursprung Buam” stehen auf der Bühne, die waren sogar mal in meinem wunderbaren Heimatdorf zu Gast. Großartiger, wenn auch leicht bedrängender Text: „Latte Macchiato, du und i ja des passt scho. Trink ma aus du und i [Textteil den ich nicht verstehe, der aber mit großer Wahrscheinlichkeit von körperlicher Interaktion handelt]
  • Ah, Urgesteine der volkstümlichen Schlagerszene: Die Paldauer! Der neue Hit trägt den Titel “Du Du Du”. Womöglich eine Coverversion von The Police. Wo ich es jetzt gerade wieder sehe, ein weiterer Punkt den ich bei derartigen Sendungen immer erstaunlich finde ist, dass gut 2 Drittel der Instrumente auf der Bühne im Lied gar nicht vorkommen.
  • Herr Borg sagt, dass Publikum soll das mit den Fahnen noch mal machen, ich denke an Früher.

(Bitte beachten Sie auch die Bildbeschreibungen, insbesondere zu Florian Fesl sowie dem kleinen Mädchen, das von seiner Mutter zum Klatschen gezwungen wird.)

Ich habe mir von ihm unter anderem schöne Beschreibungen der frisch gestrichenen „Scripted Reality“- und Kindertausch-Hölle gewünscht, in die RTL sein Nachmittagsprogramm verwandelt hat, und sonst steht die nächsten zweieinhalb Wochen so nachrichtentechnisch ja auch nichts größeres an.

Seien Sie nett zu Herm, und ich schau in der Zwischenzeit mal, was die in den USA so an Schafcontent zu bieten haben.

71 Replies to “Urlaubsvertretung: der Herm”

  1. So schlecht kanns den Journalisten ja nicht gehen, wenn die sich erdreisten zum Schafsgucken übern Teich zu schippern. Ehrlich, ein Trip an den Bodensee hätte es auch getan!

  2. Das chronische Problem dieses Blogs ist nicht die Stimmung, sondern die gefühlten 26 Wochen wo eine Urlaubsvertretung übernimmt.
    So viel reisen sonst nur Rentner.

  3. Auch wenn es keinerlei Beweise für die angebliche Herkunfts-Stadt des Herrn gibt: Mit dem Marshmellow-Mann hat er mich überzeugt, das war auch mein erstes Ghosbusters-Spielzeug :-)

  4. […] Es gilt aber noch eine ganz andere, applauswürdige Neuigkeit. Der jüngst – auch hier – verabschiedete Blogger Herm, der die Grenzen der Stadt Bielefeld in Richtung Berlin verlassen hat, war zwar nie richtig weg aus der virtuellen Welt, macht jetzt aber mit Pauken und Trompeten von sich Reden. Er darf nämlich die Urlaubsvertretung von Stefan Niggemeier in dessen Blog für zwei Wochen übernehmen (siehe hier). […]

  5. Immer diese Berliner Seilschaften ;)

    Schönen Urlaub, Herr Niggemeier. Australien ist um diese Jahreszeit auch sehr zu empfehlen; schafsmäßig hat aber Neuseeland klar die Nase vorn.

  6. Schade, dass damit die beste Medienberichterstattung brach liegt. Aber den urlaub hast Du Dir redlich verdient, gute Erholung!

  7. Ich wünsche Herm gute Nerven und genug Selbstbewusstsein, um die Kommentare, die die nächsten zweieinhalb Wochen auf in einprasseln werden, an sich abprallen zu lassen ;).
    Von seinem Foto mit Marshmellowman geleitet, bilde ich mir allerdings das Vorurteil eines sonnigen Gemüts, welches damit keine Schwierigkeiten haben wird.

    Ihnen, Herr Niggemeier, wünsche ich einen schönen Urlaub und wenn Sie vor lauter Jetlag nicht schlafen können, dann hilft bestimmt Schäfchenzählen.

  8. Falls Sie noch nicht gewählt haben sollten, könnten Sie sich die Briefwahlunterlagen auch ohne Probleme in die USA schicken lassen. Einen schönen und erholsamen Urlaub wünsche ich Ihnen.

  9. Ich komme an „ich denke an Früher“ ja partout nicht vorbei, ohne da „ich denke an Führer“ zu lesen. Fahnen und alles. Ich bin ja so schlimm. Das ist bestimmt gewollt.

    @PM: Die Bielefelder haben mit den Bayern eine Fanfreundschaft, einer der vielen Gründe warum Bielefeld ja eigentlich echt garnicht geht.

    Ach ja, hallo herm.

  10. @30 Ich glaube das auch – „Früher“ dürfte nicht umsonst groß geschrieben worden sein. Da muss man erstmal drauf kommen.

  11. D E R Herm?

    Boah ich fass‘ es nicht! Du hast mir mal Sticker zugeschickt. Mit vier wirren Gestalten drauf. Ha! Jetzt holt dich deine Vergangeheit ein – hättste nicht gedacht wa?!?

    Der Herm hat gute Aprilscherze drauf.

  12. Schlecht. Ganz Schlecht!

    „Urlaubsvertretung: der Herm“? Als ob man den kennen würde, und als ob es nur einen gäbe, der logischerweise gemeint sein muß.

    „Urlaubsvertretung: Herr Herm“ muß es heißen, oder „Urlaubsvertretung: Ein Herm“ oder „Urlaubsvertretung: Mein Herm“ – aber dieses normative „der Herm“ – furchtbar, furchtbar!

    Das ist schlecht, ganz schlecht, und ich will auch weder einen Kosmonauten kaufen, noch Schafscontent aus den USA.

    Es geht alles den Bach runter, und ist so eklatant schlecht! Jetzt werden schon Deppenapostrophe vorab entschuldigt, um uns den Wind aus den Segeln zu nehmen.

    Ich kaufe diesen Apostroph! Was kostet er? Wir können ja sammeln!

  13. Dem Herrn Niggemeier einen schönen Urlaub.

    Ich empfehle jedoch Bluewater weiträumig zu umfahren. Wenn ich der deutschen Presse glauben soll geht’s da ziemlich wild zu.

  14. Toll. Niggemeier im Urlaub, Spaßguerilla macht Vertretung.
    Das werden zauberhafte, hochillustre, entspannende Tage.
    Reisen Sie schön, Herr Niggemeier!

  15. So, und D E R Herm, kann jetzt ruhig dazu stehn, eine Boyband-Fansite betrieben zu haben.
    Und Stefan W – wie kann man sich nur so wichtig nehmen und so dermaßen daneben liegen?! Peinlich.

  16. nur wenn man oasis glauben schenken darf war es eine boyband! aber die gibt es ja nun auch nicht mehr. man sollte übrigens nicht alles ernst nehmen glaube ich, aber ich bin ja auch nur die vertretung hier.

  17. Wie jetzt?!? Oasis bezeichnen **** als Boyband? Das haben die bestimmt ironisch gemeint.

    Und das mit der Ironie in Blog und Co. ist ja immer so eine Sache, aber wenn ich die Einträge wiederum betrachte, ist diese zu erk… nunja, Ansichtssache!

    So jetzt wirds persönlich, hab grad nen leichten Flashback:
    Hast du immer noch diese liebevolle Handschrift (ich vergesse NICHTS!) oder gar keine mehr?

    So, genug. Aber was die Leute jetzt wohl denken… Wir haben hier doch bestimmt eine Menge investigative Hobby-Journalisten, die das Geheimnis um den ominösen Sticker-Vertrieb lösen wollen.

  18. normalerweise würde ich durchdrehen bei vielen kindern und wer sich darüber freut ist mir ein rätsel. aber ich hab mir das blog mal durchgelesen und muss mich immer mitfreuen. besonders über die großeltern und das foto im internet.

  19. Tja, die einen freuen sich über Kinder, die anderen treten mit Anlauf in deren kleinen Kinderarsch, zerstören deren Zukunft indem sie zum ‚Schafegucken‘ mal eben nach USA rüberjetten und weiter die Ozonschicht zerstören. Im Bildblog Links auf einen Asse-2 Artikel setzen und selbst nachhaltig leben sind eben zwei paar Schuhe. (Wollte nur etwas zur schlechten Stimmung beitragen.)

  20. So heftig hätte ich’s nicht formuliert, Herr Eisenmann, aber das Kokettieren mit der eigenen Kinderfeindlichkeit (siehe Herrn Niggemeiers Armee-Bemerkung) finde ich hochgradig peinlich.

  21. das Kokettieren mit der eigenen Kinderfeindlichkeit (siehe Herrn Niggemeiers Armee-Bemerkung) finde ich hochgradig peinlich.

    Warum? Es gibt Menschen, die mögen Kinder, und welche die es nicht tun. Was ist bitte daran peinlich, zu einer oder der anderen Gruppe zu gehören?
    Ich kann Herrn Niggemeiers Bemerkung viel leichter nachvollziehen als auch nur einen Anflug von „will haben“ beim Anblick von tobenden Prenzlauerbergsblagen — trotzdem halte ich Herm nicht für peinlich…

  22. Natürlich ist es Herrn Niggemeier unbenommen, Kinder nicht zu mögen. Aber angesichts der Tatsache, dass er selbst mal ein „nervender Bengel“ war, sollte er sich ein wenig zurückhalten. Er sollte froh sein, dass Gewaltphantasien gegenüber Kindern früher nicht annähernd so verbreitet waren. Ich frage mich, wieso jemand auf solch eine Attitüde so stolz ist, dass er damit kokettiert.

  23. @32: Fanfreundschaft mit Bayern? Bielefeld?! Offensichtlich gehörst du einer fußballfremden Schicht an :D Ich gehe seit dreizehn Jahren auf die Alm, aber das mit der Bayern-Fanfreundschaft ist mir wirklich neu…

  24. „Es gibt Menschen, die mögen Kinder, und welche die es nicht tun.“

    Und Alte? Und Ausländer?

    Eine Gruppe von Menschen, für die sich niemand freiwillig und bewusst entscheidet) nicht zu mögen (und – wenn auch kokettierend – einen Gewaltaspekt hineinzubringen) finde ich allgemein problematisch.

    Es gab früher mal einen Spruch: „Jeder ist Ausländer. Fast überall.“ Das war ein guter Spruch. Gut sind auch: „Jeder wird alt. Wenn er Glück hat.“ und „Jeder war mal ein Kind. Erinnert euch daran.“

    Ich find’s interessant, mit welchen „Feindlichkeiten“ man kokettieren darf und mit welchen nicht – sagt einiges, finde ich.

  25. Aua. Das einzige, was das sagt, ist: man kann’s auch übertreiben. Von tatsächlicher Gewalt ist nirgendwo die Rede, und wer behauptet, noch nie von irgendeiner Person oder Gruppe so genervt gewesen zu sein, dass er scherzhaft überzogene Aggression angedeutet hat, lügt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit. Soviel zum „Gewaltaspekt“.

    Klar war ich mal ein Kind; warum das dazu führen sollte, dass ich selber Kinder will oder sie toll finden muss, ist mir aber trotzdem nicht klar. Ich kann nur nachvollziehen, dass ich tolerant sein muss: ich fand als Teenager auch Dinge toll, die ich inzwischen albern finde. Das führt aber nur dazu, dass ich Nachsicht mit Teenagermarotten habe — nicht dazu, dass ich alles fantastisch finden muss, was Teenager gerade mögen. Dasselbe gilt z.B. für einige für mich übertrieben konservative Ansichten älterer Menschen oder für kulturelle Eigenschaften, die mir fremd bleiben werden. „Mag ich nicht“ heißt nur „ist nichts für mich“, nicht „das muss weg“. Menschen, die alles und jeden mögen, gibt es nicht — egal, wie schön das wäre.

  26. …ich glaub es ging um Kinder im Prenzlauer Berg, nicht um Kinder allgemein. Wenn man den ganzen Tag mit gesenktem Blick durch die Gegend läuft, wird man automatisch frustriert. Gesenktem Blick – damit man keine Kinder tottrampelt.

  27. Wow, also das ist nun wirklich seit langem der humorloseste Kommentarthread, den ich seit langem gesehen habe.

    Herr Niggemeister, Sie alter (!), gewaltverherrlichender Kinderhasser. Jetzt hören Sie mal auf, sich hier so aufzuspielen, und seien Sie froh, dass in Ihrer Kindheit keine Anti-Kinder-Armee in ihre Nachbarschaft einmarschiert ist.

  28. Naja, als ob noir.desir etc. Stefan wirklich Kinderfeindlichkeit unterstellen, bzw. man dies überhaupt aus dem Text herauslesen könnte. Das ist bei den üblichen verdächtigen eher so eine Sache des Prinzips, nur das Prinzip selber verstehe ich noch nicht.

  29. @Ommelbommel:
    In die Nachbarschaft von Stefan N. war die kinderfreundliche britische Rheinarmee einmarschiert. Von deren Soldaten bekamen wir (als Kinder) Bonbons und wunderbare Cadbury-Schokolade. (Wir hatten ja nix). Lang ist’s her

    Und der „eingerückte“ Text oben ist ja wohl vom Herm?

    P.S.: Ich habe „kleinwüchsiges Gewusel“ zum Fressen gern.

  30. @Ommelbommel: Die Kommentarthreads hier sind meiner Meinung/Erfahrung nach ein bisschen wie das Leben. Wenn man nur gründlich genug schaut, findet man zu jedem Superlativ doch ein Beispiel, das ihn übertrifft…
    Was natürlich nichts daran ändert, dass dieser Thread hier wirklich außerordentlich… humorlos ist.

  31. Ich finde diesen Thread nicht humorlos, ganz im Gegenteil. Wann hat man je eine derart gelungene Parodie auf das bei Niggemeier typische Kommentargeschehen gelesen?
    Inwieweit der Hausherr durch seine eigene Arbeitsweise dazu beiträgt bzw. ermutigt, dass hier aus jeder Mücke ein Elefant gemacht wird, sei mal dahingestellt.

  32. […] Das darf man nicht verpassen. Ich bin unter die Feedreader gegangen, finally. Zumindest ist es ein neuer und ernstergemeintererer Versuch, nachdem die ersten beiden (Google Reader classic und Netvibes) in zwei “mark all as read”-Massakern gescheitert sind. Das diesmalige Instrument sieht ganz praktisch aus. Könnt Ihr ja auch mal probieren, weil ich neben diesem Blog hier jetzt auch auf sounds-like-me.com/ zu lesen bin. Wäre nett, wenn Ihr da mal vorbeischaut. […]

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