Googlelos

Ich gehöre zu den (offensichtlich zahlreichen) Leuten, bei denen Google seit rund einer Stunde nicht erreichbar ist. Und wenn ich „Google“ sage, meine ich nicht nur die Suchmaschine, bei der ich im Fall ihrer Nicht-Erreichbarkeit nach Ersatz-Suchmaschinen suchen würde. Ich meine auch den Feedreader meiner Wahl. Und, vor allem: das Mailprogramm meiner Wahl.

Gut, ich wusste immer schon, dass ich von Google abhängiger bin, als gut sein kann. Aber ich hatte immer gedacht, das würde sich in einer Form rächen, dass meine Mails oder die systematische Auswertung meiner Suchanfragen der letzten zehn Jahre an den Meistbietenden versteigert würden. Nicht, dass Google mich einfach eines Tages ausschließen würde.

Das Gefühl ist schlimm. So kündigt sich in unseren Zeiten die Apokalypse an: „Google ist down“. Der Anfang vom Ende. Beunruhigende Gedanken: …soeben ist nun auch in den südlichen Server ein Flugzeug gestürzt…

Dazu die Unfähigkeit, die Tatsache zu akzeptieren, den Computer auszumachen und, sagen wir, das Eisfach abzutauen. Nein. F5. Geht es, wenn ich google.fr eingebe? Nix. Google News? Nix. Google Reader? Nix. Hängt YouTube auch? YouTube hängt auch. Sogar die Google-Ads werden nicht angezeigt. Nochmal nach was suchen. F5. Escape. F5. Ins Postfach gucken. Geht nicht. Jetzt? Jetzt? Jetzt? Jetzt? Jetzt?

Jetzt?

Nachtrag, 17.31 Uhr: Jetzt.

106 Replies to “Googlelos”

  1. Haha, und ich dachte schon, ich wär der einzige, dem es so geht. :)
    (Weiß eigentlich jemand, was da los ist?)

  2. Bei mir funktioniert alles noch wunderbar. Aber hier sind auch wirklich viele Leute am verzweifeln. ;)

  3. Tja, _Abhängigkeit_ ist das Stichwort.
    Ich habe es nie begriffen, warum man sich auf so vielen Gebieten von _einem_ Anbieter abhängig machen sollte.
    Websuche, E-Mail, Feeds, … das ist schon eine Menge.

  4. Meine Freundin kam gerade rüber und sagte, dass sie nicht ins Internet kommt. Google=Internet.

    ich habe ihr dann „Yahoo“ buchstabiert – und da war sie happy.

    Also momentan heisst das Internet nicht Google, sondern Yahoo.

  5. don’t panic, das ist nur mal wieder t-offline, einpaar routingtable oder dns-caches sind halt abgeschmiert. nimm halt dein altes modem wieder in betrieb, das mit dem holzvergaser.

  6. In Australien tut’s noch. Alles…
    Das liegt bestimmt daran, dass Deutschland unter einer Schneedecke begraben liegt. Die reflektiert alle Suchanfragen in den Weltraum.

  7. Einfach den Router ein paarmal die Verbindung zu t-online kappen und reconnecten lassen … dann ging’s auch bei mir wieder… Hatte aber auch Panik … KEIN FEEDREADER!!!! ;)

  8. Bei mir kam wie immer jede Menge Kram angegoogelt, auch mit Firfox.

    Hätte den Mangel aber wahrscheinlich sowieso nichtmal bemerkt, weil ich metager-abhängig bin …

  9. Und das ist der Grund, weswegen ich lieber Programme auf der Festplatte habe und nicht auf bestimmte Web-Anwendungen vertraue. Allerdings scheine ich in der Minderheit zu sein, wenn ich mir anschaue, wie solche Online-Pläne als Tod der bisherigen Programme bejubelt werden, weil das ja dem bösen bösen Microsoft schaden könnte.

  10. @Stefan: Du bist zwar abhängig von Google, aber noch viel abhängiger von Deinem Provider, dessen DNS-Server gerade einen Knacks hat.

    Für alle, die nicht per Telekom (und dessen Reseller) ans Internet angebunden sind funktioniert Google wie immer.

  11. Einfach OPENDNS als DNS-Server einstellen, dann hat man nie mehr Probleme damit. Auch halbherzige Zensurversuche von Providern können so umgangen werden.

  12. Ich muß ja ganz ehrlich sagen: Ich bin froh, dass das mal (wieder) passiert ist. Wir verlassen uns viel zu sehr auf diesen Monopolisten, und kennen in der Regel viel zu wenige (oder keine!) der oftmals guten Alternativen. So habe ich mich vorhin dabei ertappt, nach vielen Jahren das erste Mal wieder bei den ganzen anderen, früher so beliebten Suchmaschinen zu goog.. nein, zu suchen.

  13. @29: Angeblich eine 1 mit 100 Nullen – allerdings auch noch falsch geschrieben.

    Ich konnte hier übrigens auch keinen Ausfall bemerken (über x-win.dfn.de).

  14. Auf die Gefahr hin, erneut Werbung zu machen: Vienna und Mail.app (alles Apfel) funktionieren immer, und gmail ist doch ooch nur neumodischer Schnickschnack. Gibts eigentlich noch metager.de? Wie macht man Ironie in Tags?

  15. Bei mir geht es seit einigen Minuten wieder … vielleicht hat Verdi ja heute die neuen Möglichkeiten des digitalen Streiks ausgetestet ;-)

    Wie auch immer … nach dem anfänglichen Ärger fand ich diese Google-losen Stunden durchaus heilsam: So wird einem mal wieder vor Augen geführt wie abhängig wir alle von Big_Google geworden sind. Wie war nochmal das Firmenmotto … „don’t be evil“ … zeugt durchaus von einem gewissen Machtbewusstsein.

  16. @ 10 („jemand“)

    danke dafuer, herrlich!!!:
    „Meine Freundin kam gerade rüber und sagte, dass sie nicht ins Internet kommt. Google=Internet.

    ich habe ihr dann „Yahoo” buchstabiert – und da war sie happy.

    Also momentan heisst das Internet nicht Google, sondern Yahoo.“

  17. …in der Dunkelheit. Mein Zeh schmerzte immer noch vom Kontakt mit dem Tischbein in der Küche da überfiel mich panische Angst. Mein fridge-applet …

  18. Was denn? Google braucht man doch nur als Test um über die Anzeige der simplen Startseite mal schnell das UMTS-Netz im ICE zu testen. Nicht?
    Jetzt weß ich wenigstens wieso heute jemand per metagersuche bei mir im blog landete. Mir wurds ganz nostalgisch bei dem Anblick

  19. es gibt doch momentan einen interessanten bericht über google im pm magazin…die macht von google scheint ja wirklich über die irgendeiner beliebigen nation zu liegen….mit einer lockereren gesetzesgebung und dem willen zu tun könnt google von fast jedem von uns ein vollständiges profil erstellen (technisch is das schon locker möglich)

  20. Ich hab bei uns in der Firma Google.de überall als Startseite eingerichtet.

    Sofort nach der Google-Nicht-Erreichbarkeit geht das Geschrei los: „Internet funktioniert nicht mehr!“. Was mach ich? Kontrolliere den Server, resette das DSL Modem, konrolliere die Hardware-Firewall und starte die neu. (Ich bin bei uns u. a. dafür zuständig.)

    Ich bin einfach nicht gleich drauf gekommen, dass wirklich nur Google nicht mehr gehen könnte, ohne dass der Rest vom Internet nicht auch betroffen sein muss … Völlig unvorstellbar :)

  21. Noch vor fünf Jahren wusste kaum einer was eine Email, geschweige denn eine ‚Suchmaschine‘ ist. Und heute? Sind wir (bist DU, Stefan) abhängig davon. Dein Vergleich zu 9/11 sagt alles. Ein Grund mal etwas tiefer gehend nachzudenken, ob das alles so gut sein kann. 20 Kernkraftwerke weltweit, habe ich kürzlich gelesen, laufen nur um das Internet am laufen zu halten. Irgendwie erschreckend. Die Apocalypse am Horizont zeichnet sich schon ab….

  22. Vor fünf Jahren wusste kaum einer was eine Email oder eine Suchmaschine ist? Gott war ich meiner Zeit voraus, das wusste ich spätestens mit diesem bekannten Cover in Time vor zwölf Jahren: http://www.time.com/time/covers/0,16641,19960219,00.html
    Warum bin ich noch keine Google Milliardär? Ach ja richtig, ich bin nicht ausgewandert um bei Google & Co. anzufangen. Kommt vielleicht noch.

  23. @Marcus: Und wenn wir das jetzt noch runterbrechen: Wieviele Turbinen laufen nur, um die Kommentarfunktion hier anzutreiben? (Vielleicht hätte ich die ökologische Funktion des Kommentar-Ausschalt-Buttons oben rechts noch mehr hervorheben sollen.)

  24. ich hatte keine probleme… ;)

    die telekom hat bestimmt einfach nur wieder schei*e gebaut ;)ok…das war gemein..ich gebs zu…war wohl n technischer fehler bei der telekom ;)

    aber daran kann man mal erkennen wie „abhängig“ wir von einzelnen unternehmen sind ;)

  25. Bei mir war Google nicht down. Bei mir ist überhaupt nichts down. Bei mir werden auch keine Webseiten zweifelhaften Inhalts zensiert. Bei mir funktioniert alles. Warum? Weil ich dem ganzen DSL-Müll den Rücken gekehrt habe und nur noch über Satellit ins Netz gehe. Alles klappt. Endlich.

  26. @63, Jörg Friedrich

    „Seit langem der beste Artikel (m.E.) in diesem Blog“

    Wenn das der beste Artikel seit langem eines Blogs ist, hätte ich schon vor langem aufgehört, diesen (dieses?) Blog zu lesen…

  27. In den Anfängen meiner Internetzeit passierte es mir gleich zwei mal, dass mein Mail-Provider über Nacht seinen Betrieb einstellte und alle meine Mails ohne Vorwarnung für immer gelöscht waren. (Das war bei okay.net und uni.de) – Wie sicher ist eigentlich GMX? :-)

  28. @65 (Olly): Da ich inhaltlich selten mit Stefan ganz übereinstimme, beurteile ich das (für mich und ganz subjektiv) nur sprachlich-stilistisch und da finde ich diesen Text einfach Klasse. Aber es gibt ja noch mehr Gründe, etwas regelmäßig zu lesen, als nur Übereinstimmungen zu finden.

  29. hab ich gar nicht mitgekriegt, zum glück. ich bin ähnlich abhängig wie stefan. warum man sich abhängig macht? weil es so ist, verdammt nochmal. gmail ist das komfortabelste, was ich jemals an mailclients (und als solchen kann deren interface schon zählen) benutzt habe. und ja, ich habe diverse benutzt. aber welche davon benutzt zur filterung tags, hä? oder ordnet mails automatisch nach konversationen? hm? na also.

    ein ähnliches abhängigkeitserlebnis hatte ich übrigens vor zwei tagen, nur totaler. aus unerfindlichen gründen ging meine verbindungs ins netzt gar nicht mehr, obwohl alle geräte und diagnosefunktionen gegenteiliges suggerierten. nach einer stunde ging alles wieder, aber eine schöne war das nicht. man fühlt sich tatsächlich wie ein urmensch auf dem baum. oder meinetwegen in einer lehmhütte. gruselig.

  30. ich habe meinem freund auch mal geklagt: „mann, mir ist so langweilig, was soll ich denn machen, ich hab schon das ganze internet gelesen! :( “

    und die mutter von nem bekannten meint: „schalt mal internet ein“ wenn der pc angeschaltet werden soll.

    ICH habe ja den segen des internet schon erkannt, bevor es dies überhaupt (massenweise) gab – ich war schon als kind fasziniert vom cb-funk und der möglichkeit, mit jemandem, der nicht im raume oder am telefon sitzt in echtzeit zu kommunizeren. 1997 dann der start in die unendlichen weiten des world wide webs ;) (damals noch mit hotbot, excite, magellan und lycos (!) so wie natürlich yahoo als DIE top-suchmaschinen…)

    #70:
    das kann ich toppen: ein nachmittag+abend OHNE STROM da bei bauarbeiten ein dickes stromkabel zerschnitten wurde – das schlimmste war nicht die dunkelheit in der wohnung oder der dunkle kühlschrank – sondern kein internet!! man konnte nicht mal pc-spiele spielen:(

  31. Es ist unglaublich. Als ich merkte das Google nicht geht habe ich gesagt: Au verflixt, unser Server ist kaputt. Als ich feststellte, dass andere Seiten klappten: Die müssen im Cache sein. Mir kam es vor als sei das ganze Internet weg.
    Jetzt sitze ich auf 250 Brieftauben, die ich panisch besorgt habe um weiter Korrespondenz betreiben zu können. :-)
    Also ernsthaft: Ich war wirklich ziemlich durcheinander, zumal ich auch gar nicht wußte, welche der Suchmaschinenalternativen ich vor Schreck nehmen soll. … Google hat uns echt an den oo

  32. Das ist wirklich unglaublich! Mein bekannter aus Nordedeutschland hatte gestern auch größere Probleme! Der kundenservice sagte nur „Gut Ding will Weile haben“
    Aber naj machste nix guckste nur zu!

  33. @67, Jörg Friedrich

    Von mir aus müssen wir da jetzt keine ausgedehnte off-topic Diskussion ´draus machen, aber ich habe (für mich und ganz subjektiv) eher den Eindruck, dass Sie den Text nur deshalb sprachlich-stilistisch Klasse finden, weil der Inhalt so unverfänglich ist.

    Mit dem Satz, dass es „ja noch mehr Gründe, etwas regelmäßig zu lesen, als nur Übereinstimmungen zu finden“ gibt, haben Sie aber natürlich vollkommen recht…

  34. Also google.de geht bei mir auch wieder. google.com und mail allerdings immernoch nicht. Hilfe! :(

  35. Liest der Herr Google hier eigentlich auch mit? Nach fast 24 Stunden geht es ausgerechnet jetzt, 15 Minuten nachdem ich mich hier gemeldet hab, wieder. (OK, ich hab mich oben auch schon 2 mal gemeldet, aber da hatten das Problem noch fast alle.)
    Auf jeden Fall kann ich jetzt endlich was sinnvolles machen und vom PC weg gehen, weil ich nicht mehr drauf warten muss, dass es wieder geht.

  36. Ich bin völlig beeindruckt, wie viele Leute mitteilen müssen, dass sie auch betroffen waren. Ok, ich wars auch und teile mich hier und jetzt mit ;-)

  37. Beim Thema „Wenn einen das Internet im Stich lässt“:

    Kann es sein, dass cnnpolitics.com geklaut wurde? ^^

  38. @84, polyphem

    Endlich merkt das mal jemand…
    (war schon kurz davor, meine Kommentare auch in Reimform abzugeben…)

  39. Google war tatsächlich down, zu
    „Ins Postfach gucken. Geht nicht. Jetzt?…“
    noch was:
    Der Mailserver war erreichbar, allerdings nicht per Gmail-Webinterface.

    Youtube hängt öfter mal.

  40. Wenn ich mich mal wiederholen darf:

    „Such(t)maschine:
    Was Neues lesen törnt mich an, auch lockt des Schreibers Feder.
    Ich trinke Tinte dann und wann, denn eine Sucht hat jedeR
    Mich anzufixen war nicht schwer, ich bin ein alter Spieler.
    Der Nigge-Blog und Andere, ja, die sind meine Dealer.

    Ich bin schon völlig abgemagert, hab nur noch am PC gesessen.
    Zum Essen hat‘ ich keine Zeit, hab nur noch frische Blogs „gefressen.“
    Nun hab ich plötzlich Blogomie, das ist ein arges Leiden.
    Drum brauch‘ ich eine Therapie, sonst lässt mein Weib sich scheiden.“

  41. nee, f(!)ishing (nicht so viel heise lesen) ist, wenn man sich selbst herabsetzt, um komplimente zu bekommen. hatter ja nu nicht gemacht.

  42. Na gut, normalerweise benutzt man „fishing for compliments“ für das (in der Hoffnung auf Widerspruch) eigene Herabsetzen.
    Dass ich es hier trotzdem benutzt habe, liegt zur einen Hälfte an polyphems vorausgegangenem „Wenn ich mich mal wiederholen darf:“, und zur anderen Hälfte an meinem Kommentar #87.
    Und da das Ganze im Netz stattfindet, dachte ich, eine kleine netzjargonnahe Abwandlung wäre witzig…

  43. Oh man, 101 (inklusive meines Kommentares) Einträge für — mhh, genau genommen — nichts! Und ich wusste auch nicht, dass Google ein “Mailprogramm” ist…

  44. @olly/98:
    Komplimente nehme ich in Kauf, aber „phishing for“ ist nicht der eigentliche Sinn meiner Übungen.

  45. […] die Sache mit dem Zentralregister ist furchtbar schön. Wer fürchtet sich schon vor einer Suchmaschine? Um so schlimmer mag es dann treffen, wird Einem durch Unerreichbarkeit die eigene Sehnsucht vor Augen gestellt. Gut, ich wusste immer schon, dass ich von Google abhängiger bin, als gut sein kann. Aber ich hatte immer gedacht, das würde sich in einer Form rächen, dass meine Mails oder die systematische Auswertung meiner Suchanfragen der letzten zehn Jahre an den Meistbietenden versteigert würden. Nicht, dass Google mich einfach eines Tages ausschließen würde. – Stefan Niggemeier, Googlelos […]

  46. Warum denn ausgerechnet Google Mail? Warum nicht gmx, hotmail, …? Google Reader? Warum nicht Thunderbird, Outlook, …? Und warum immer mit Google suchen? Warum nicht mit Wikipedia, Wolframalpha, MetaGer, Bing, …?

    Und wieso sollte Google ausfallen, nur weil ein Flugzeug in desser Server fliegt. Dann werden die Anfragen halt an andere Server umgeleitet. Dafür ist Google zu mächtig.

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