Ganz simpel

25 Mrz 08
25. März 2008

Die Fachzeitschrift „Werben & Verkaufen“ veröffentlicht in ihrer aktuellen Ausgabe ein ausführliches Interview mit Andreas Wiele, dem für Zeitschriften und die „Bild“-Gruppe zuständigen Vorstand der Axel Springer AG. Chefredakteur Stefan Krüger und Redaktionsleiter Helmut van Rinsum nutzten die Gelegenheit zu harten Nachfragen:

W&V: Wer ist für das Anzeigengeschäft tatsächlich verantwortlich? Der Anzeigenleiter oder die Vertreter aus dem neu geschaffenen Bereich des Vermarktungschefs Philipp Welte?

Wiele: Der Anzeigenleiter ist Teil der Vermarktungsorganisation. Er macht die Vermarktung; das Außenbüro bündelt und organisiert den Kundenkontakt. Das ist eine vielfach erprobte Organisationsform.

W&V: Berichtet der Anzeigenleiter an den Verlagsgeschäftsführer oder an Herrn Welte?

Wiele: Der Anzeigenleiter berichtet fachlich und disziplinarisch an Philipp Welte. Dennoch ist der Verlagsgeschäftsführer in bestimmten Fragen gegenüber dem Anzeigenleiter weisungsbefugt, sofern dies nicht mit übergreifenden Vermarktungszielen in Widerspruch steht. Das ist eine ganz simple Spielregel (…).

W&V: Und da kommt es nicht zu Interessenskonflitken zwischen Verlagsgeschäftsführern und der zentralen Vermarktungseinheit von Herrn Welte?

Wiele: Nein, denn wenn es um übergeordnete Vermarktungsinteressen geht, entscheidet der Vermarkter und in allerletzter Eskalationsinstanz ich selber. (…)

W&V: Trotzdem: Wer ist verantwortlich für die einzelnen Titel?

Wiele: Der Chefredakteur trägt die inhaltliche Verantwortung, der Verlagsgeschäftsführer ist für die Positionierung des Titels im Vertriebs- und Anzeigenmarkt zuständig. Vermarktung und Verkauf werden per Dienstleistung vom zentralen Vertriebsbereich und der zentralen Vermarktung übernommen.

Schön, dass das endlich mal geklärt ist.

58 Gedanken
  1. 1
    Matthias Sch. says:

    aha. War das mit dem „nutzten die Gelegenheit zu harten Nachfragen“ denn nun eigentlich ironisch gemeint oder nicht?

  2. 2
    Torsten says:

    Liegt es an mir oder braucht man tiefergehende Kenntnisse der Springer-Struktur, um daraus schlau zu werden?

  3. 3
    Henning says:

    Die Firmenhirachie erklären, toll.
    Aber erstaunlich 3 von 4 aufgeführten Fragen enden mit: Welte?
    Wie gehts ihnen Herr Niggemeier?
    Gehört ihnen dieses Blog Herr Niggemeier?
    Sind das wirklich sie der dieses Sachen verfasst Herr Niggemeier?
    Und: Sind sie wirklich sicher das ihnen dieses Blog gehört Herr Niggemeier?
    ^^

  4. 4
    Matthias says:

    Ich verstehe es nicht.

  5. 5
    Stefan says:

    @Matthias: Gleich kommt der Eintrag wieder weg, und ich frage euch ab.

  6. 6
    Matthias says:

    Anzeigenleiter, Vermarktungschef, Außenbüro, Verlagsgeschäftsführer, Chefredakteur… Beim Abfragen werde ich durchfallen, aber dann bei der Auflösung erleuchtet? ;)

  7. 7
    Stefan says:

    @Matthias: Dafür kann ich nicht garantieren. Aber um Herrn Wiele aus demselben Interview zu zitieren:

    Wir sind übrigens sehr stolz darauf, wie schnell wir die Reorganisation geschafft haben. Am 30. November hat der Vorstand die Entscheidung getroffen. Am 3. Dezember haben wir sie den Führungskräften verkündet, bis 11. Dezember habe ich 60 Personalgespräche geführt, am 12. Dezember haben wir die komplette neue Reorganisation der Belegschaft und dann der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

  8. 8
    marko says:

    Mich verwirrt der Interviewfetzen und der Blogbeitrag: Soll der Blogbeitrag aussagen, dass die Erklärungen im Interview verwirrend und unklar sind? Oder offenbart der Iterviewfetzen einem etwas — so man sich mehr in Medien, Springer und Co. auskennt — und mir erschließt sich dies nur nicht, weil ich mich da zu wenig auskenne?

  9. 9
    Torsten says:

    Ich mag das Wort „Eskalationsinstanz“.

  10. 10
    Torsten says:

    marko: Ich glaube die Verwirrung war der Sinn des Postings.

  11. 11
    Oktogramm says:

    Ich arbeite auch bei einem großen Verlag und muss sagen: Ich verstehe diese Hierachien weder bei uns noch bei Springer. Auch wenn es offenbar nun geklärt sein soll. Aber Nachfragen kost ja nüscht :-)

  12. 12
    Pipo Palonides says:

    Herr Niggemeier, Sie haben ja schon über DJ Tomekk berichtet. Möchten Sie vielleicht auch mal über den Fall Rebecca (Teilnehmerin der aktuellen Staffel von Big Brother) berichten?

    http://​youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​P​5​3​2​O​P​W​c​pi4

    Ich sende Ihnen bei Interesse gerne noch weitere Informationen und auch gerne postalisch eine CD mit der Aufnahme der BB-Liveshow vom gestrigen Montag, bei der Sie staunen werden, wie Big Brother auf den Vorfall reagiert hat.

  13. 13
    Ockham says:

    Dieser Vorfall ist in der Tat äußerst diskussionswürdig. Ebenfalls möchte ich auf die Versuche der chinesischen Regierung bzgl. dem sexualleben der Pandas hinweisen. Bei Interesse schicke ich auch gerne noch weitere Informationen bzw. Links zu diesem Thema.

  14. 14
    Gregor Keuschnig says:

    Bzgl. Posting #12: Herr Niggemeier, bitte nicht!

  15. 15
    Sebastian says:

    Ich frag mich ja persönlich im Moment, ob Big Brother bei Stefan ankommen würde, wenn’s von Sonja und Dirk moderiert würde.

  16. 16
    Stefan says:

    @Sebastian: Keine Chance. Laaaaaangweilig.

  17. 17
    TVJunkie says:

    Ich denke nicht, dass Hr. Wiele hier irgendwelche Infos über die Verlagsstruktur des Hauses Axel Springer preisgeben wollte. Daher diese sehr konfus wirkenden Antworten.

    Anzeigenleiter? Vermarktungsleiter? Diese Verwirrung sieht sehr gewollt aus.

  18. 18
    rw says:

    Gelegentlich kommt es vor, daß Stefan Beiträge, deren Sinn ich nicht verstehe, im Blog veröffentlicht. Es tröstet, daß es offenbar auch anderen so geht. Mittlerweile habe ich verstanden, daß Stefan es sich zur Regel gemacht hat, Nachfragen nach der Sinnhaftigkeit eines Beitrags grundsätzlich nicht zu beantworten. Dafür gibt es vermutlich Gründe, aber schade find‘ ich es trotzdem.

    Der konkrete Beitrag mit dem Interviewauszug soll wohl nur der Information der interessierten Leserschaft dienen. Springer hat eine zentrale Vermartungseinheit geschaffen. Dies führt jedenfalls in Teilen zu einer Matrixorganisation. Eine solche Matrixorginasation wirft bei den Schnittstellen immer wieder mal Fragen der Zuständigkeit auf. Da viele Leser der Fachzeitschrift w&v daran interessiert sein dürften, wer in dieser neuen Organisation welche Kompetenz hat, hat sie diese Frage in einem Interview mit dem zuständigen Vorstand angesprochen, Da dieser Vorstand selbst ja nun auch ein Interesse daran hat, daß seine Kunden über die Kompetenzverteilung informiert werden, hat er dieses Interview sicher bereitwillig gegeben. Da die erste Antwort von Herrn Wiele nicht vollständig befriedigend war, hat w&v zweimal sinnvolle Nachfragen gestellt, die am Ende geholfen haben, die neue Verteilung der Zuständigkeiten aufzuklären.

    Alles in allem dürfte das für Menschen, die nichts mit dem Anzeigenverkauf bei Springer zu tun haben, recht langweilig sein. Aber das haben fachzeitschriften nunmal so an sich, daß da manchmal ziemlich spezielle und damit für viele sehr uninteressante Sachen drinstehen.

  19. 19
    Stefan says:

    @rw und andere: Sehen Sie nicht, wenn Sie das (laut) lesen, einen Loriot-Sketch vor sich?

  20. 20
    rw says:

    Noe, aber das mag damit zu tun haben, daß ich gelegentlich mit solchen Organisationsfragen zu tun habe. Ich empfinde sowohl die Fragen als auch die Antworten als sinnvoll.

    Aber natürlich kann man bei vielen Fachgesprächen mit längeren Fachtermini (auch wenn es in diesem Fall noch nicht einmal sonderlich fachlich ist), die dann obendrein auch noch ähnlich klingen, gelegentlich mal an Loriot denken.

    Es ist doch völlig klar, daß beispielsweise ein juristischer Laie sich vermutlich köstlich amüsieren würde, wenn er einen jurisischen fachaufsatz liest, ob der verquasten Formulierungen mit endlos langen Fachbegriffen. Die Adressaten solcher Aufsätze verstehen diese aber und finden das entsprechend auch nicht sonderlich lustig.

    In diesem Fall wäre ich überrascht, wenn jene Leute, die sich beruflich mit dem Anzeigenverkauf bei Springer beschäftigen, dieses Interview komisch fänden. Die meisten fanden es vermutlich hilfreich.

  21. 21
    devas says:

    @19 wo sie es jetzt gerade sagen … ja, doch!
    Nun kommt die nötige Fallhöhe für solche Loriotsketche ja auch nur zustande, weil wir das Absurde darin schon kennen. Und zwar zu Hauf. Und zwar seit Jahren. Man gewöhnt sich dran.

  22. 22
    Iago says:

    „Jodeldi-du-dadel-dö.“
    — „Falsch, das ist zweites Futur bei Sonnenaufgang. Und jetzt alle mal zusammen:“

  23. 23
    schläfer says:

    Weitersagen & Verwirren

  24. 24
    Marcus says:

    Vorstandsetagengeschwätz.

  25. 25
    Angelus von ostern says:

    Endlich mal Klartext geschrieben.

    Erfolge sind die Erfolge der Vorstandsetage.
    Misserfolge gibt es nicht und wenn doch, ist es Sache der normalen Mitarbeiter. *lol*

  26. 26
    ?! says:

    mal ein wenig off-topic (weil es ja auch schon um pandas und bb hier ging) und zum thema vorstandsetagengeschwätz:

    hat jmd. das aktuelle manager magazin gelesen und die sensationelle anweisung für den weg zur ersten millionen? falls nein — hier ist der offizielle tipp lt. mc kinsey interner anweisung: no third house, no second wife, no first boat…

    was soll unserem land da noch passieren?
    gute nacht!

  27. 27
    Chris says:

    Das schlimme ist doch eigentlich, dass wenn man schon mal einen Springer-Oberen vor die Flinte (das Mikro, das Diktiergerät) kriegt, man doch auch genauso gut richtige Fragen stellen könnte. Beispielweise:

    „Mir fiel beim Gang durch den Flur, als die Tür zum Klo offen stand, auf dass Sie kein Spiegelbild haben. Ist das schon immer so, oder erst seit Sie für Springer arbeiten, Herr Wiele?“

  28. 28
    Henning says:

    Das ist ja wie: „Mir ist aufgefallen das sie seitdem sie für Springer arbeiten auf der Transplantationsliste stehen da ihnen wohl das Herz zu fehlen scheint.“
    Das ist doch nun wirklich flach.

  29. 29
    polyphem says:

    @Stefan / 19
    „Was ist Trumpf?“

  30. 30
    grey²³ says:

    Das ist doch ein Gespräch zwischen Nuss und Eichhörnchen. Als zuständiges Eichhörnchen… äh, Vorstand würde ich auch nicht mehr und nichts anderes zu erklären haben. Ich möchte gar nicht wissen, wie dieses Gespräch zu Stande kam. Wahrscheinlich wurden erst irgendwelche für W&V direkt erreichbare, also komplett saftlose, unwichtige Personen kontaktet, und die haben dann jeweils soweit nach oben verwiesen, dass dabei eben das rauskommt. In dem Interview-Ausschnitt steht doch letztlich nur: „Die haben zu tun, wofür sie bezahlt werden. Was das genau ist, weiss die Sekretätin. Die hat die Aufgabenbeschreibungen telefoniert.“

  31. 31
    Matti says:

    Herr Niggemeier, ist die W&V jetzt eigentlich ein Fachmagazin oder ein „Fachmagazin“, Herr Niggemeier?

  32. 32
    Sascha Lobo says:

    Was ich nicht verstehe: alles.

  33. 33
    Sonya T. says:

    Bin ich blöd oder wieso verstehe ich es?

    Ich lese Folgendes:
    Wiele sagt, was Wiele sagen muss.
    Die beiden Interviewer nutzen sich auf leicht dämliche Art beim Nachfragen daran ab, dass Wiele sagt, was Wiele sagen muss. Weil Wiele sagt, was Wiele sagen muss.

    Oder?
    Richtig?
    Oder bin ich doppelt blöd, weil ich nicht mal merke, dass ich nix kapiere?

  34. 34
    Matti says:

    Nee, richtig Frau T.

    Wiele gibt Antworten im Politiker-Sprech. Nicht mehr und nicht weniger — sowas kricht man täglich im TV X mal zu hör’n.

    Das is schon loriot-esk ( :) ) … aber im Alltag ist ziemlich viel wie in einem Sketch von Herrn von Bülow.

    Genau das macht ihn ja so genial.

  35. 35
    rw says:

    @34: Wenn Sie nach dem Interview nicht verstehen, wie die Kompetenzverteilung im Anzeigengeschäft von Springer ist, liegt das nicht an Wiele, sondern an Ihnen.

    Es gehört ja mittlerweile zum guten Ton, über Topmanageer zu lästern, sich über deren Abgehobenheit lustig zu machen und auch ansonsten kein gutes Haar an denen zu lassen. Blöd nur, daß sich der Interviewschnipsel überhaupt nicht zum Ausleben ihrer Klischees eignet. Unvoreingenommen und mit einem Mindestmaß an Hintergrundwissen gelesen, sind die Antworten von Wiele nämlich ziemlich klar.

    Und die unterschwellige Annahme, er drücke sich bewusst nebulös aus, weil er ja kein Interesse daran habe, daß Springers Kunden verstehen, wer dort intern welche Zuständigkeit hat, ist doch einfach nur noch kindisch.

  36. 36
    Matti says:

    Bitte?
    Meine Klischees?
    Nicht nebulös?

    Natürlich drückt er sich so aus, dass kein Mensch weiß, welche Abteilung und speziell welche Person nun, obwohl ER sich letztlich als absolute Machtinstanz klarstellt, für mögliche Verfehlungen und Verantwortlichkeiten zur Rechenschaft gezogen werden könnte.

  37. 37
    rw says:

    @36: Nur weil Sie das nicht verstehen, heißt das doch nicht, dass das kein Mensch versteht.

    Die Vermarktungsorganisation ist eine zentral gesteuerte Konzerneinheit, die in die Verlage hineinreicht, weshalb der im Verlag beschäftigte Anzeigenleiter auch Teil dieser orginasaotirischen Einheit ist. Daraus ergibt sich unmittelbar die Verantwortungslinie, die beim Sachbearbeiter beginnt und über den Anzeigenleiter zu Herrn Welte und von diesem dann zu Herrn Wiele führt.

    Der Verlaggeschäftsführer hat aber ein außerhalb der direkten Reportinglinie liegendes Weisungsrecht. Dieses Weisungsrecht kommt lediglich dann nicht zum Tragen, wenn dem übergeordnete Konzernintressen entgegen stehen. In Vermarktungsfragen kann also Herr Welte den Verlagsgeschäftsführer überstimmen (wobei in Streitfragen Herr Wiele entscheidet). Für erteilte und ausgeführte Weisungen geht die Linie der Verantwortung vom Sachbearbeiter über den Anzeigenleiter und zum Verlagsgeschäftsführer.

    Was gibt es denn da nicht zu verstehen?!

  38. 38
    Olly says:

    Hier wird aber nicht gerade wegen eines Zitronencreme-Bällchens gestritten, oder?

  39. 39
    Stefan says:

    Über die Zuständigkeit für Zitronencreme-Bällchen!

  40. 40
    rw says:

    Genau genommen geht es um sich potentiell überschneidende Zuständigkeite für Zitronencreme-Bällchen und die Auflösung etwaiger Zuständigkeitskonflikte.

  41. 41
    Gregor Keuschnig says:

    Über die Zuständigkeit für Kosakenzipfel (wenn schon).

  42. 42
    Stefan says:

    Neinnein, Zitronencreme-Bällchen und Kosakenzipfel werden von der gleichen zentralen Vermarktungsgesellschaft serviert, aber von unterschiedlichen Köchen gefüllt (vgl. http://​www​.literaturkritik​.de/​p​u​b​l​i​c​/​r​e​z​e​n​s​i​o​n​.​p​h​p​?​r​e​z​_​i​d​=​6​5​1​9​&​a​u​s​g​a​b​e​=​2​0​0​311 ).

  43. 43
    Matti says:

    rw ist einfach eine Winselstute!!!

  44. 44
    undertaker says:

    Mit seinem Kosakenzipfel versteht rw keinen Spaß!

  45. 45
    peter owen says:

    @ rw
    ob sie es verstehen oder nicht: es ist schlichtweg ein schlechter sprachstil. die regel sollte lauten: gebrauche einfache worte und sage ungewöhnliches und nicht umgekehrt. (äh, war das jetzt frei nach goethe?)

  46. 46
    Jeeves says:

    @43
    Nee, „rw“ ist:
    ANDrEAS wIELE.

  47. 47
    Sonya T. says:

    Das hat wirklich was von Loriot. Und man kann sich schon fast fragen, warum dieses Gespräch so zustande kam, wie es zustande kam.

    Ich kann übrigens verstehen, dass manche es erstmal nicht begreifen oder sich fragen, ob man Wiele wirklich misstrauen muss. Die Antwort auf die Frage kennen wahrscheinlich nur Leute, die „diese“ anderen Leute beim täglich Brot kennen gelernt haben. Oder die paraniod sind :-)

    Selbstverständlich unterliegen die Themen den Anzeigen…

  48. 48
    Gregor Keuschnig says:

    @42/Stefan + @44/undertaker
    Auch ich verstehe hinsichtlich meines Kosakenzipfels keinen Spass! (Fragen wir doch den Ober.)

  49. 49
    Hunzi says:

    @ 37 bzw. rw
    Es ist vielleicht etwas arm in diesem Kommentar-Kontext auf das ursprünglich intendierte Thema des Interviews einzugehgen — aber ich machs trotzdem. Ich krasser Typ ich.

    Ja, was gibts da eigentlich nicht zu verstehen?

    Zusammgefasst: Es gibt Abteilungen. Es gibt Abteilungs-Chefs. Es gibt einen der allem vorsteht — Herrn Wiele bzw. Vorstandsmitglieder.

    So wie überall also, oder?

    Und weshalb verklausuliert Herr Wiele alles soweit, dass selbst Reporter eines Fachmagazin in schwimmen kommen und jeder Leser dieses Interviews drei Anläufe braucht um die Inhalt zu verstehen?

    Gute Frage, nech?

  50. 50
    Hunzi = Matti says:

    Oh… ich mit Matti. Matti = Hunzi.

    Schuldigung.

  51. 51
    Stefan B. says:

    @49: Und jetzt definiere mal bitte die Rolle des Verlagsgeschäftsführers in diesem einfachen System, dass Du beschreibst. Wem der sonst genannten Personen steht dieser wann vor? Wen Du den rausnimmst, da hast Du recht, ist alles ganz einfach.

  52. 52
    Stefan B. says:

    …und tausche ein n fuer ein s!

  53. 53
    rw says:

    @51: Exakt. Der Verlagsgeschäftsführer ist eben nicht in der Linie vom Sachbearbeiter über Anzeigenleiter, über Vermarktungschef zum Vorstand. Deshalb spricht man von einer Matrixorganisation, die es mittlerweile in fast jedem größeren Unternehmen in irgendeiner Form gibt. Eine solche Matrixorganisation abstrakt zu erklären ist nunmal nicht ganz einfach. Besonders schwierig ist es, die Auflösung von Kompetenzkonflikten zu erklären — insbesondere dann, wenn der Kompetenzkonflikt gerade gewollt ist.

    Alles in allem hat der Wiele das hier aber ganz gut erklärt.

  54. 54
    Stefan B. says:

    @53: Er hat vor allem gut erklaert, dass er nur wenn er will fuer irgendetwas Verantwortung traegt (und zwar bei „uebergreifenden Vermarktungszielen“), und dass selbiges auch fuer alle Leute seiner Organisation gilt. Im uebrigen ist es interessant dass er sich dabei noch immer als Dienstleister sieht, der aber das Recht hat seinen Kunden zu ueberstimmen. Ich stimme zu, dass es dies sehr haeufig heutzutage gibt, ich kann mich aber nicht erinnern, dass ich jemals etwas positives fuer die Firma dabei herausgespringen haette sehen. Es werden keine besseren Entscheidungen getroffen, sondern es dauert nur laenger durch den Abstimmungsprozess. Aber es haben mehr Leute das Gefuehl, dass sie was zu sagen haben. Und wenn was schief laeuft, kann jeder alles auf nen anderen schieben.

  55. 55
    Ferdi says:

    Tut mir leid, etwas unpassend, aber vielleicht trotzdem interessant.

    Wir sind auch Menschen – Gespräche über Mobiltelefon geben einen dramatischen Einblick in die Realität vor Ort in Tibet

    Sehr geehrter Herausgeber,

    Ich bin eine Radiojournalistin, die sich gegenwärtig in Dharamsala aufhält. Ich füge einen Artikel bei, den ich im Anschluss an ein Treffen mit jungen tibetischen Mönchen schrieb, die täglich mit ihren Verwandten in Tibet über Mobiltelefon in Kontakt stehen und die Berichte so festhalten. Sie wollten sie mir vorspielen und dies ist ihre Geschichte.

    Mit freundlichen Grüßen

    Rebecca

    „Gewaltlosigkeit ist in den Tibetern tief verwurzelt, sie gehört zu unserer Lebensweise. Aber wir sind auch Menschen.“

    In der letzten Zeit war Dharamsala, eine Stadt in Nordindien, die Tausende von Exiltibetern beherbergt, ein Ort hektischer Aktivität, mit ständigen Sympathiekundgebungen für die in ihrem Heimatland zurückgebliebenen Tibeter. Ich habe eine Reihe dieser Ereignisse gefilmt und für verschiedene Nachrichtenmedien darüber berichtet. Am Abend des 16. März wurde ich von einer kleinen Gruppe junger tibetischer Mönche im Haupthof der Residenz des Dalai Lama angesprochen. Ihre Gesichter waren angespannt und ernst. Sie wollten eindeutig reden.

    Meine Übersetzerin Kyizom sagte mir, dass sie vom Kloster Kirti in Amdo im Nordosten Tibets kämen. Am Morgen war eine Pressemitteilung herumgegangen, dass 2500 Mönche aus dem Kloster Kirti und 8000 Laien in Ngaba, Amdo, einem Bezirk in Nordsichuan, spontan demonstriert hatten. Das chinesische Militär hatte Tränengas eingesetzt, um die Demonstranten zu zerstreuen und Truppen waren lastenwagenweise in die Gegend entsandt worden.

    Die Mönche in Dharamsala, alle in den Zwanzigern, erhielten Anrufe von Leuten aus Amdo, die Augenzeugenberichte über dieses und andere dramatische Ereignisse abgaben, und diese hatten die Mönche auf ihren Telefonen gespeichert. Wir saßen auf den steinernen Stufen, während einer von ihnen, Lobsang (Name geändert), mir vorspielte, was ihm ein Mann aus Amdo eine Stunde vorher am Telefon erzählt hatte. Der Mann auf der anderen Seite der Leitung hörte sich verzweifelt an und obwohl ich die einzelnen Wörter nicht verstehen konnte, nahm ich den Ton deutlich wahr. Danach erklärte mir meine Übersetzerin, was er gesagt hatte.

    „Wieviel Leute wurden heute getötet?“, fragte Lobsang. Der Mann antwortete: „Acht Menschen, zwei Mönche, ein Mädchen und fünf Laien. Sie haben gerade eben zwei mehr erschossen. Drei von ihnen waren Schülen der Amdo Ngaba Mittelschule.“

    Der Bericht hörte plötzlich auf und Lobsang steckte sein Handy wieder zurück in seine rotbraune Robe. „Ich bin wirklich bestürzt, über das, was in Tibet geschieht“, sagte er, „jetzt nachdem Mönche und Laien gemeinsam demonstrieren, werden die Chinesen noch mehr Menschen töten.“ Seine Familie lebt in Amdo und ich fragte ihn, ob er wegen der Sicherheit seiner Familie besorgt sei. „Ich mache mir nicht nur Sorgen um meine Familie, alle Tibeter sind wie meine Familie.“

    Ein anderer Mönch, nennen wir ihn Tashi, war besorgt, dass die Demonstrationen in Amdo in Gewalt enden könnten. „Die Chinesen erschießen Leute, die friedlich demonstrieren und die Tibeter könnten meinen, dass sie keine andere Wahl haben, als zur Gewalt zu greifen, um sich selbst zu schützen. Gewaltlosigkeit ist tief in uns verwurzelt, sie ein Teil unserer Lebensweise. Aber wir sind auch Menschen.“

    Während wir redeten, klingelte Lobsangs Telefon erneut. Der Anruf kam aus Tibet. Er beugte seinen Kopf tief herunter, um die Stimme trotz der Störungen besser verstehen zu können. Kyizom sagte mir, dass der Mann am Telefon gerade mitgeteilt hätte, dass er soeben gehört habe, dass 20 Leute auf einer Brücke erschossen worden seien. Die Leitung war tot. Lobsang versuchte zurückzurufen, doch es klappte nicht. „Es ist sehr schwierig, den Kontakt mit Leuten in Tibet aufzunehmen. Viele Anrufe kommen nicht durch, aber wir tun unser Bestes“, meinte er.

    Das Telfon klingelte wieder und Kyizom übersetzte, während der Mann am anderen Ende schnell sprach, offensichtlich im Bewusstsein, dass die Verbindung jeden Moment abbrechen könne. „Ungefähr 1000 Menschen schlossen sich heute dem Protest am Kloster Kirti an. Einige von ihnen wurden verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Die Leute forderten, dass die Polizei sie freiließe. Die Polizei weigerte sich und einige Tibeter zündeten einen Polizeiwagen an und legten Feuer an einem Gefängnis. Ich sah fünfzehn Tote in Klostert Kirti liegen. Eine Menge Schüler der Purkyi Laptan Schule nahmen an der Demonstration teil. Ein Mädchen und ein Junge wurden erschossen.

    „Hat er nicht Angst, darüber am Telefon zu sprechen?“, fragte ich, weil ich weiß, dass viele Tibeter berichteten, dass ihre Telefone überwacht werden. Lobsang übersetze meine Frage. „Nein, ich habe keine Angst“, antwortete der Mann.

    Lobsang sagte etwas, was Kyizom nicht übersetzte. Tränen traten ihr in die Augen. Dann fuhr sie mit belegter Stimme fort: „Machen Sie sich um mich keine Sorgen, sagte der Mann. Bitte rufen Sie mich weiter an und ich will ihnen mitteilen, was immer ich kann.“

    „Ich werde für Ihre Sicherheit beten“, sagte Lobsang und legte auf.

    Für einen Augenblick waren alle still, bis Tashi wieder anfing zureden. Er wollte noch einmal etwas zur der Zerstörung von Eigentum sagen.

    Was ich hörte, war, dass etwa 7000 chinesische Soldaten das Kloster Kirti abriegelten und mit militärischen Übungen begannen. Die Menschen waren wirklich eingeschüchtert, sie standen nur da mit ihrem Foto vom Dalai Lama und einer auf die Brust gehefteten tibetischen Fahne. Die Soldaten stürzten sich auf sie und fingen an, unterschiedslos auf sie einzuschlagen und schossen mit scharfer Munition in die Menge. So geschah es nur aus dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung heraus, dass die Tibeter dann chinesisches Eigentum angriffen. Es war nicht vorsätzlich.“

    weiter unter:
    http://​www​.igfm​-muenchen​.de/

  56. 56
    rw says:

    @54: Witzbold. Wiele ist doch sowieso im Vorstand für die Zeitschriften zuständig. Meinst Du, da kann er sich durch irgendeine Organisationsform der Verantwortung entziehen?!

    Ansonsten ist Dein Einwand gegen eine Matrixorganisation natürlich etwas dürftig, wenn Du nicht eine Alternative aufzeigst. Schaffst Du den Verlagsgeschäftsführer ab, fehlt Dir die funktionale Klammer auf Verlagsebene, verzichtest Du auf zentral gesteuerte verlagsübergreifende Funktionen, hast Du redundante und dadurch teure Organisationseinheiten und Dir entgehen Skalenvorteile.

  57. 57
    Matti says:

    Und derjenige Vorteil besteht weiterhin, eventuelle Fehlverhalten beliebig zuordnen zu können.

    Letztentlich ist derjenige der zu verurteilende, den der allmächtige Vorstand dafür finden möchte.

    Natürlich kann sich Wiele auf diese Weise fast jedweder Verantwortung entziehen — es sei denn er würde bei noch mächtigeren (Döpfner, vielleicht Diekmann oder Springer) persönlich in Ungnade fallen.

    Aber speziell die nebulöse Vermischung von redaktionellen und werblichen Inhalten wird bei den Springer-Blättern selbst bei den allerhöchsten Obrigkeiten wohl eher auf Zustimmung (wohlmöglich auch nur Duldung) begründet sein.

    Thats the reason why.

    Die machen graue Geschäfte — und schafft es tatsächlich jemand, denen an den Karren zu fahren, rollt sich kein kopf Namens Wiele, sondern ein deutlich funzeligeres Licht.

    Wer ein reines Gewissen hat, kann sich auch klar zu Kompetenzen und vor allem Pflichten äußern.

    rw, wer sind sie eigentlich? Sicher kein normales Leser hier, nehm ich an.

  58. 58
    rw says:

    Ich bin der, der BWL studiert hat und Organisationsstrukturen versteht, weil er in ihnen arbeitet anstatt Konspirationstheorien über Vorstandsetagen in Blogs zu verfassen

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