Thomas Hornauer

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

„Wir sind kein Fernsehsender“, sagt der Mann auf dem Bildschirm, „wir sind ein Telekolleg für das Wassermannzeitalter. Und jeder, der zuschaut, muss zugucken, kann nicht wegschalten.“

Schwer zu sagen, ob das schon ein Beweis für die tiefe spirituelle Kraft dieses Mannes ist, aber: Er hat Recht. Fassungslos sitzt man da und wartet, dass etwas passiert. Dass der Mann endlich diese lächerliche Fisselhaarperücke abnimmt, diese abwegige Brille, das ungelenk-gefährliche Grinsen, und sich als Oliver Kalkofe zu erkennen gibt. Dass die Betreuer hereinkommen, schimpfen, die Tabletten verteilen und die Patienten sachte aus dem Studio schieben. Meistens ist aber alles, was passiert, dass wieder jemand durchgestellt wird, der sich für zwei Euro die Minute die Zukunft vorhersagen oder in ein langes, sinnloses Gespräch verwickeln lässt.

Der Mann mit den Fisselhaaren ist Thomas Hornauer, und am ehesten ist er wohl vergleichbar mit den traurigen wirren Monologisierern, die entweder in der Mitte der Fußgängerzone zur Welt predigen oder am Rand der Fußgängerzone zu ihrem Bier. Nur dass Hornauer seine Thesen per Satellit millionenfach verbreitet. „Kanal Telemedial ist bewusstseinserweiternd“, sagt er und klärt in breitem schwäbischen Dialekt auf über die Gefahren der Homosexualität: „Wenn du das Ding an der falschen Stelle reinsteckt, dann isses um.“ Lesen ist nicht seine Stärke, aber Reden, Gucken, Charisma ausstrahlen auch nicht. Richtig gut ist er nur im peinliche Momente entstehen lassen und Geld verdienen. Einem Hartz-IV-Empfänger, der verzweifelt klingt, nicht zuletzt darüber, dass er das wenige Geld nun für den Anruf bei diesem Scharlatan ausgibt, sagt er kalt, man habe halt kein Helfersyndrom und wirft ihn schließlich aus der Leitung.

„Energieausgleich? Zeigen Sie uns ihre Wertschätzung“, steht auf dem Bildschirm; Energie kann man offenbar nicht zurückschicken, aber Geld, auch ganz leicht per Telefon: Ein Anruf zehn Euro oder mehr. Seit Jahren macht Hornauer ähnliche Geschäfte, fällt durch Verbindungen zu sektenähnlichen Gruppen auf oder dadurch, dass er die Mitarbeiter des baden-württembergischen Senders B.TV, der ihm eine Weile gehörte, rufen lässt: „Du bist unser Herrscher. Du bist unser Retter.“

Und nun ist möglicherweise seine Lizenz bedroht, die aus Österreich kommt, aber auch das wird er wieder überstehen. Was einem bleibt ist nur die Hoffnung, dass das Karma irgendwann mal nachschaut, wie weit dieser Mann sein Konto bei ihm überzogen hat, und mit aller Macht zurückschlägt.

(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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