Wer hat’s erfunden? (3)

11 Apr 08
11. April 2008

Und dann war da ja noch Roger Schawinski, der ehemalige Sat.1-Geschäftsführer, der — nachdem er drei Jahre in Berlin gelebt hat, wo es einen Sender namens Radio Eins gibt, der mit dem Slogan „Nur für Erwachsene“ für sich wirbt — in der Schweiz einen Radiosender gründete, ihn Radio 1 nannte und ihm den Slogan „Nur für Erwachsene“ gab.

Ich fand das ja ein bisschen einfallslos. Woraufhin Schawinski erklärte, er habe den Claim von Helmut Lehnert, der ihn erfunden habe, quasi geschenkt bekommen.

Nun ja. Der RBB, der in Berlin und Brandenburg das wirklich sehr schöne Programm von Radio 1 ausstrahlt, ist der Meinung, dass Lehnert da gar nichts verschenken konnte. Er habe selbst keine Rechte an dem Slogan — und war im übrigen zu dieser Zeit nicht mehr Chef von Radio 1, sondern Chef der Fernsehunterhaltung des RBB. Diese Position habe man Schawinksi in zwei Briefen im November und Dezember 2007 auch mitgeteilt.

Nun droht der RBB mit juristischen Schritten und fordert bis Ende kommender Woche eine Unterlassungserklärung: Schawinskis Sender soll weder Radio 1 heißen, noch den Slogan „Nur für Erwachsene“ benutzen, noch Sendungen etwa „Radio 1 am Nachmittag“ nennen. Es gehe um den Schutz der eigenen Marke, sagt RBB-Sprecher Ralph Kotsch: Schawinskis Radio 1 sei über das Internetstreaming auch im Sendegebiet des RBB-Radio-Eins empfangbar.

Schawinski, der sich den Namen „Radio 1“ in der Schweiz hat schützen lassen, gibt sich nun überrascht, nennt das Vorgehen des RBB „grotesk“ und sagt, die Deutschen sollten doch stolz sein, dass sie kopiert werden.

42 Gedanken
  1. 1
    Thomas says:

    Beim letzten Satz fasst man sich wieder an den Kopf.
    Diese Argumentation vertreten auch die Chinesen wenn sie Plagiate von westlichen Produkten anfertigen.

  2. 2
    Hanno Zulla says:

    Aber wo er Recht hat, hat er Recht. Radio1 ist ein Konzept, das kopiert werden sollte.

    Hier in Hamburg ist Radio ein ziemliches Trauerspiel. Ich bin so verzweifelt, dass ich Fritzradio aus Berlin per Internetstream höre.

  3. 3
    Jemand says:

    Ich habe den Verdacht, dass Stefan einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entwicklung beigetragen hat…

  4. 4
    Daniel B. says:

    Den Verdacht habe ich auch. Und ich finde es gut/schlimm/interessant, dass man sich erst Gedanken über „juristische Schritte“ macht, wenn darauf von extern hingewiesen wurde. Von daher freue ich mich über diesen positiven Verdacht!

  5. 5
    Stefan says:

    @Jemand: Zu welcher Entwicklung? Dass der RBB jetzt mit juristischen Schritten droht? Das glaube ich nicht. Der RBB hat, wie gesagt, schon im November protestiert.

  6. 6
    weltherrscher says:

    ich protestiere jeden tag!
    im moment meistens nackt gegen china auf twitter.
    trotzdem würde auch ich erst krieg beginnen, wenn glaube ich stefan endlich mal was gegen china schreiben würde. die haben doch bestimmt auch dreck und so am stecken, oder?
    vielleicht kopieren die chinesen ja die ard oder zdf?
    obwohl ich eher glaube, wenn die was kopieren, dann maximal hr3 oder br3 oder so.

    ich habe übrigens auch eine werbevermartungsfirma fürs nackttwittern gegen china gegründet: nackical.

    stefan wie wäre es? nackt gegen den rest der welt?

  7. 7
    bastian says:

    und wenn schon…

    Stefan hat eine Beobachtung gemacht, eine richtige und seine Meinung dazu kundgetan.
    (Viele, auch ich waren damals schon kritisch und ich erinnere mich an entsprechend kritische Kommentare unter dem ersten Artikel.)

    Dann kam die Antwort und Stefan hat seine Meinung zu dem Thema BEHALTEN, was mich ein bisschen gewundert hat. Eine gute Eigenschaft, wie ich finde.

    Dass er von Anfang an Recht hatte, finden jetzt einige Leser schade, weil wir uns wünschen, dass er auch ab und an mal auf die Schnauze fälltUnrecht hat und sich entschuldigen muss.

    Meinen Glückwunsch, ganz ehrlich.

  8. 8
    weltherrscher says:

    „ganz ehrlich“ sage ich immer, wenn ich lüge.
    manchmal auch einfach nur „wirklich“ oder „echt jetzt“.

    ich mein das echt jetzt total wirklich, ganz ehrlich!

  9. 9
    BV says:

    @ 1: Ach komm, die paar Milliarden Euro sollte uns diese Ehre schon wert sein… ;-)

  10. 10
    Jemand says:

    Ich finde, es hat einen faden Beigeschmack:
    1.) Stefan erfährt, dass ein neues Radio starten wird, welches den Slogan und den Namen eines schon existierenden Radiosender nutzt.

    2.) Stefan veröffentlicht — und das fand ich damals schon bedenklich — ohne große Rechereche oder Nachfrage beim „angeblichen Dieb“ einen Eintrag, in dem er so tut, als wenn hier jemand böse geklaut hat.

    3.) Der „angebliche Dieb“ sieht sich dazu genötigt, auf den Beitrag von Stefan zu reagieren.

    4.) Der „angebliche Dieb“ kriegt juristische Probleme.

  11. 11
    Stefan says:

    @jemand: Der zeitliche Ablauf stimmt nicht. Diese Meldung ist aus dem letzten November: http://​www​.werbewoche​.ch/​n​e​w​s​m​a​i​l​0​7​1​1​2​2​_​r​a​d​i​o​1​.​w​e​r​b​e​w​o​che

    (An welcher Stelle oder mit welcher Formulierung habe ich so getan, als ob jemand „böse geklaut“ hat?)

  12. 12
    bastian says:

    Ich sage „ganz ehrlich“ immer, wenn ich etwas ehrlich meine. Echt jetzt. Außerdem sollte man sich dem Wort „Ehrlich“ mal etwas näher rücken. Da ergeben sich ganz nette Zusammenhänge.

    Vielleicht sollten Menschen, die nackt auf Twitter gegen China protestieren mehr protestieren und weniger schreiben. Vielleicht aber auch nicht.

  13. 13
    weltherrscher says:

    echt?
    ich finde, also wirklich, dass mein einsatz, nackt twittern gegen china, eigentlich einen grimme dings verdient hätte oder sogar noch mehr. ein bundesverdienstkreuz würde mir echt gut stehen, wirklich.

  14. 14
    bastian says:

    also dann, servus!

  15. 15
    kohli2703 says:

    @ #2: Die Argumentation ist auch nicht von Pappe. Hier in Hessen gehts mir ja ähnlich und jedes Mal, wenn ich in Richtung Süden fahre freu ich mich wie ein Schnitzel, wenn endlich FM4 aus Österreich meine Antenne erreicht.

    Man kann aber doch auch gutes Radio machen, ohne sich gleich Radio 1 nennen zu müssen. So prominent ist dieses Marke ja nun auch nicht.

  16. 16
    Sebastian says:

    Ui klasse. Das Argument liefere ich dann auch, wenn ich von der MAFIA für MP3s verklagt werde. „Seid doch froh, dass ihr kopiert werdet“.

  17. 17
    Felix Deutsch says:

    Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die BBC den Namen beanspruchen und dann gleich den RBB, die ganze ARD und das ZDF übernehmen sollte.

  18. 18
    Felix Deutsch says:

    ein bundesverdienstkreuz würde mir echt gut stehen, wirklich.

    Wenn du dann eh‘ schon nackt bist, dann ist die zuständige Körperöffnung für solchen Tinnef ja schon leicht zugänglich. ;)

  19. 19
    Felix says:

    @Namensvetter und BBC: Dafür.

    Wie wär’s aber denn mit „Radio 2 — Nichts für Kinder“?

  20. 20
    Robert says:

    @2. Kopieren gut und schön. Aber den gleichen Namen, den gleichen Spruch und die gleichen Sendungstitel? Das ist armselig. Ich habe mich gewundert, dass der rbb nie reagiert. Nun ja glücklicherweise doch.

  21. 21
    Jeeves says:

    @20 und, wenn ich recht erinnere, auch die (fast?) gleiche Jingle-Musik

  22. 22
    Michael Schmidt says:

    Also ganz ehrlich, ich sehe das Problem nicht.
    Radio1 gibts sicherlich mehrere hundert Male auf der Welt.
    Und der Claim „Nur für Erwachsene“ ist so originell auch wieder nicht. Damit warb auch schon Blue Movie.

    Bin auf den Prozess gespannt. Wenn sich Lokalradionamen und Claims weltweit durchdruecken lassen, wird es sicher lustig.

    Dann kann sich Seven in Australien schonmal warm anziehen, deren Logo sieht dem von ProSieben sehr ähnlich.

  23. 23
    Felix says:

    Ob das rechtlich tatsächlich problematisch ist werden ja dann dafür zuständige Menschen entscheiden, ist sicher fragwürdig — sehr armselig ist das mit dem Hintergrund, dass der zuständige Mensch eben dort für einige Zeit gelebt hat wo das identische Konzept schon gefahren wird, in jedem Fall.

  24. 24
    arahf says:

    Das erste was mir beim letzten Satz einfiel waren wirklich die Chinesen.
    Gedankgut sollten also kopiert werden, weil Stolz ja viel eher in Essbares umzuwandeln ist als Geld ;)

  25. 25
    Henning says:

    Stefan hat im ersten Artikel schlicht und einfach gesagt er finde es ein bisschen seltsam und einfallslos den Namen zu Kopieren, soviel „oh mann das ist ja böse geklaut worden“ war im Artikel garnicht zu finden.
    Und wie angemerkt ist der RBB nicht erst durch Herrn Niggemeier auf dieses Plagiat gestoßen.

  26. 26
    Jemand says:

    @Stefan:
    [quote](An welcher Stelle oder mit welcher Formulierung habe ich so getan, als ob jemand „böse geklaut” hat?)[/quote]

    Dann vielleicht nicht „böse geklaut“ sondern „dumm kopiert“. Und an bestimmten Formulierungen habe ich das nicht fest gemacht, sondern einfach an dem, was bei mir als Leser ankam. Sollte ich da falsch liegen, tut es mir leid.

  27. 27
    Stefan says:

    Dreist kopiert, würd ich sagen.

  28. 28
    BBC²³ says:

    Ist aber vom Marketing her nicht schlecht. Ich kenne keinen Schweizer Sender namentlich, ausser den. Also, dass kann er, der Schawinski.

  29. 29
    Patrick says:

    Wahrscheinlich wird in Schawinskis „Radio 1“, wie bei Schweizer Lokalsendern üblich, ausschliesslich Schweizerdeutsch gesprochen. Das dürfte doch die Berliner Hörer eh abschrecken ;-)

  30. 30
    Sepp says:

    für alle freunde von bbc one: der italienische Sender RAI Radio 1 ging am 6 Oktober 1924 das erste mal on air.

  31. 31
    kdm says:

    Der Italiener heißt doch sicherlich „Radio Uno“, der vom BBC sicherlich „Radio One“… und nicht „Radio Eins“.

  32. 32
    Robert says:

    @31: Genau, ich sehe da auch einen Unterschied. Es ist etwas anderes, wenn ein englischer Sender „Radio one“ heißt und englische Claims nutzt oder wenn sich ein deutschsprachiger Sender „Radio 1“ nennt und auch noch die Claims übernimmt.
    Das argument, dass es in aller Welt Sender gibt, die in ihrer Sprache „Radio 1“ heißen, zählt nicht.

  33. 33
    Sepp says:

    entschuldige, robert, ich wusste nicht, dass du bestimmst, welche argumente zählen. mir scheint es nur so, dass ein name, der in verschiedenen ländern der eu für radiosender genutzt wird, auch in der schweiz verwendet werden darf. schleißlich gibt es auch in österreich ein „radio uno“, ebenso in argentinien. und vergessen wir nicht „radio eins“ in coburg, die sogar die sendung „radio eins am vormittag“ haben. na, wenn sich da mal nicht besser die anwälte einschalten.

    es geht also einzig um den claim — und wenn der nicht markenrechtlich geschützt ist, kann radio eins zwar in richtung schawinski wummern, aber nichts anrichten. rechtsempfinden und recht sind zwei verschiedene dinge.

  34. 34
    Sepp says:

    ja, argentinien liegt nicht in europa.

  35. 35
    Stefan says:

    @Sepp: Es geht nicht „einzig um den Claim“. Es geht dem RBB ausdrücklich auch um den Namen. Ob er sich damit rechtlich durchsetzen kann, weiß ich nicht, aber es geht nicht einzig um den Claim.

  36. 36
    Ommelbommel says:

    Zumal die Kombination von Claim und Name ja auch nochmal ein Fall für sich ist.

  37. 37
    grey²³ says:

    Kann sich mal ein Jurist melden? Der macht einen Sender in der Schweiz, und Brandenburg weint jetzt. Ist das rechtlich gesehen denn wirklich ein Problem? Es scheint ja nichts geschützt zu sein…, wieso klagen die jetzt?

  38. 38
    John Myers says:

    Ich versteh das Problem des RBB nicht: 1. Wie viele Radio 1 gibt es auf der Welt — 2000? 2. Was kratzt den brandenburgischen Rundfunk ein Radiosender in der Schweiz, der in einem durchwegs unverständlichen Idiom sendet?
    Gut, bleibt das Problem mit dem Claim. Da könnte man als RBB doch nun einfach großzügig sein, insbesondere wenn der Gründer des Senders dem Schawinski den Claim offenbar tatsächlich geschenkt hat (auch wenn er dazu nicht berechtigt war)?
    Denn wie gesagt: Was kratzt den RBB ein Sender in der Schweiz, der… aber ich wiederhol mich.

  39. 40
    Jonas says:

    Wow, ja, Dinge mit einer Schöpfungshöhe wie der wirklich extrem kreative Name „Radio Eins“ sollten unbedingt schützbar sein.

    Da wurden jemandem ja die Früchte monatelanger, wenn nicht jahrelanger geistiger Arbeit, gestohlen. :P

  40. 41
    Jeeves says:

    @38, 39, 40:
    Vergessen? Der Herr in der Schweiz hatte offen zugegeben, dass er Name und Slogan vom Berlin-Brandenburger rbb-RadioEins übernommen hat.

  41. 42
    Der Wobbler says:

    Na und? Er hat sogar die Idee übernommen, zwiwschen den Ansagen Musik zu spielen!

    Eine besonders große Kreativität, etwas Exklusives, dessen Benutzung man sich gerechtfertgt verbeten kann, sehe ich hier nicht. Ebensowenig Konkurrenz. Wäre wwas anderes, wenn Schawinski seinen Sender in Berlin hätte.

    Das ist nur albern — von beiden Seiten. Eigentlich mehr vom RBB — aber andererseits sind die ÖRs in D so. Das weiß man ja.

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