Die lustige Welt der Mediennichtkontrolle

Vor drei Jahren habe ich zusammen mit Peer Schader für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ einen Artikel geschrieben: „Schafft die Landesmedienanstalten ab!“ Die Überschrift war nicht nur eine rhetorische Zuspitzung. Ich bin überzeugt, dass das besser wäre, denn dann käme niemand auf den falschen Gedanken, es gebe in diesen Land so etwas wie eine funktionierende Medienaufsicht.

Peer hat für die FAS jetzt eine Art Update geschrieben, das sich mit dem Satz zusammenfassen lässt: Es ist alles noch schlimmer.

Wussten Sie zum Beispiel, dass ProSieben und Sat.1 sich an die „Gemeinsamen Richtlinien der Landesmedienanstalten für die Werbung, zur Durchführung der Trennung von Werbung und Programm und für das Sponsoring im Fernsehen“ (pdf) nicht nur nicht halten (was offenkundig ist), sondern überzeugt sind, sich auch nicht daran halten zu müssen, weil diese Richtlinien nicht verbindlich seien?

Oder können Sie erraten, was ProSieben gemacht hat, nachdem der Sender dazu gezwungen wurde, seine Dauerwerbesendung „Mein Styling, meine Quelle“ bis zu einer gerichtlichen Entscheidung nicht mehr auszustrahlen? Der Sender reichte die Show einfach an Schwestersender Sat.1 weiter.

Weitere Beispiele aus der lustigen Welt der Mediennichtkontrolle direkt beim Peer.

59 Replies to “Die lustige Welt der Mediennichtkontrolle”

  1. Warum abschaffen? Müßte man die Landesmedienanstalten dann nicht eher stärken? Sie haben ja auch noch andere Aufgaben außer der, Verstöße gegen Werberichtlinien zu verfolgen.

    Kann mir eigentlich mal jemand plausibel und penibel den Unterschied zwischen erlaubtem Product Placement und unerlaubter Schleichwerbung erklären?

  2. Es scheint wirklich nicht gut um die Landesmedienanstalten zu stehen – die Kritik ist absolut berechtigt. Trotzdem sollte man, wenn man die „Abschaffung“ der Landesmedienanstalten fordert, nicht vergessen, dass diesen nicht nur (!) die Aufgabe der Überwachung der TV- und Radiosender obliegt: Sie sind außerdem für Medienkompentenz (u.a. für Jugendliche) zuständig und betreiben die vielen Bürgerradios und Offenen Kanäle, an denen sich jeder frei beteiligen kann. Ich halte das in einer demokratische Kultur für unverzichtbar und notwendig.

    Natürlich ist die „Abschaffung“ eine Überspitzung, aber eine Reduktion der Landesmedienanstalten auf ihre reine „Aufpasser-“ Funktion wird ihnen nicht gerecht.

  3. 3. Nee, stimmt, was würden wir in Deutschland ohne unseren Offenen Kanäle machen. Da wär die Medienlandschaft echt trostlos.

    DAS genau wollte ich doch gerade schreiben! Dieb !!

  4. Lustig ist ja auch die 100%ige Prosieben-Tochter, die für die Vermarktung der Raab-Event-Werbung zuständig ist und was natürlich keinerlei Schleichwerbung darstellt.

  5. @Stefan: Ich finde deinen Kommentar ehrlich gesagt sehr zynisch gegenüber denjenigen, die sich dort engagieren, um ihre Vorstellung von Fernsehen und Radio umzusetzen (und das ohne einen einzigen Cent dafür zu bekommen). Dass die Offenen Kanäle nur eine geringe Reichweite haben, liegt eben in der Natur der Sache, da sie auch lokale Themen abdecken sollen.

    Sind die großen Sender „wichtiger“ für die Medienlandschaft, nur weil sie Millionen Zuschauer und riesige Budgets haben, die sie dann für die Bewerbung von Big Brother und Germanys next Topmodel ausgeben können?

    Was ist besser: „Kleines“ Fernsehen was von Leuten gemacht wird, die sich für ihre Sendung und den Zuschauer einsetzen oder „großes“, welches vor allem auf die Quote schaut und seine Zuschauer wie absolute Idioten behandelt („Rufen Sie jetzt an!“)?

    Aber ja, schaffen wir die „kleinen“ Radios und Offenen Kanäle ab! Und dann bitte auch noch alle „kleinen“ Zeitungen, Verlage, Labels usw., bis wir nur noch Bertelsmann haben. Dann sähe die Medienlandschaft fantastisch aus.

  6. > Ich bin überzeugt, dass das besser wäre, denn dann käme niemand auf den falschen Gedanken, es gebe in diesen Land so etwas wie eine funktionierende Medienaufsicht.

    Gibts doch. Hier ;-)

    > @Stefan: Ich finde deinen Kommentar ehrlich gesagt sehr zynisch gegenüber denjenigen, die sich dort engagieren, um ihre Vorstellung von Fernsehen und Radio umzusetzen

    @8/Jack: Volle Zustimmung. Überhaupt ist der Ton hier z.Zt. ziemlich gespannt. Macht nicht so viel Spaß zum Lesen, klingt alles so verbittert (fand ich auch bei der Heuchel-Geschichte). Deshalb wünsche ich mir auf diesem Wege nachträglich zu Ostern witzig-pointierten und dennoch geistreichen Lesestoff von Stefan Niggemeier :-)

  7. Ich habe heute morgen im SAT1-Frühstücksfernsehen zufällig eine Sitauation erlebt, die ich schon ziemlich dreist fand.
    Die beiden Moderatorinnen haben in drei, vier Sätzen die Meldung gebracht, dass Helmut Kohl seine Lebensgefährtin heiraten will. Abgeschlossen haben sie das ganze dann mit dem Satz: „Und woher wissen wir das? Aus der BILD-Zeitung. Vielen Dank, liebe Kollegen.“

    Aber es scheint wirklich keinen zu kümmern…

  8. @jack: Kennen Sie z.B. den Offenen Kanal Berlin? Man würde dem Fernsehen, das dort gemacht wird, nicht gerecht, wenn man sagt, es wird ohne Rücksicht auf die Quote gemacht (wogegen ich nichts hätte, im Gegenteil). Es scheint eher aus einem Gefühl der Zuschauerverachtung gemacht zu werden. Merkwürdige Spinner onanieren vor der Kamera. (Nicht wirklich.) Manchmal bleibt das Bild stundenlang hängen oder der Ton fällt aus. Ich habe nie das Gefühl, dass das der Qualität der Sendung einen Abbruch tut.

  9. @12: Das nennt sich Quellenangabe, und ich wünschte, dass mehr Medienmacher offenlegen würden, dass sie einfach nur Kram aus der Bild-Zeitung übernehmen. Dann weiß man als Medienkonsument wenigstens, woran man ist.

  10. Wie bei dem Einzelbeispiel wird man dabei schwer verallgemeinern können. Ich habe andere Erfahrungen gemacht. Klar ist vieles, was die Offenen Kanäle/Freien Radios senden, dilletantisch (kleines Budget, fehlende Ausbildung) – einiges aber auch durchaus gelungen (beispielsweise viele Musiksendungen in den Freien Radios, die auch mal Songs abseits des Mainstreams spielen).

    Wenn ich gezwungen würde zu wählen, den ganzen Tag SkyRadio oder lieber ein einen Sender der Freien Radios hören würde, wäre meine Wahl klar.

    Zusammenfassend sind Vermittlung von Medienkompetenz und die Garantie einer vielfältigen Medienlandschaft wichtige Aufgaben. Dass die Landesmedienanstalt bei der Kontrolle ihrer Sender versagt, will ich deshalb gar nicht abstreiten.

  11. Noch ein Einwurf:

    § 7 Abs. 6 Satz 1 Rundfunkstaatsvertrag: Schleichwerbung und entsprechende Praktiken sind unzulässig.

    “entsprechende Praktiken”, ein auslegungsbedüftiges Tatbestandsmerkmal. Wenn Juristen (der Sender) auslegen können, dann kommen auch die Landesmedienanstalten schlecht dagegen an…

  12. Ach, Stefan, so sehr ich dir auch sonst gerne zustimme, Bürgermedien im gesamten auf die Machart des Offenen Kanal Berlins zu reduzieren, wird weder dem Sinn noch der tatsächlichen Lage gerecht. Ja, Bürgerfunk war lange Zeit qualitativ unterirdisch, aber eben so häufig auch Motor größerer Entwicklungen. Ich werfe da nur mal das Stichwort „Campusradios in NRW“ in den Raum. Nirgends wird in Deutschland kreativer Radio gemacht – und das im übrigen ohne jegliche Zuschüsse, wie sie der klassische Bürgerfunk für sich in Anspruch nahm. Ich könnte mich jetzt ewig über Chefs von privaten Radioanstalten und deren Kontrahaltung zu demokratisch legitimierten Sendeformaten auslassen, aber das ist ja alles nichts neues. Neu hingegen ist, dass die Landesmedienanstalten nach 18 Jahren antiautoritärem Kuschelkurs Anfang des Jahres eine Qualitätsoffensive für den Bürgerfunk gestartet haben, um Bürgerfunk-Macher und die Radiowerkstätten in NRW (verpflichtend!) journalistisch und technisch schulen zu lassen. Ich muss zugeben, ich bin ein wenig enttäuscht, gerade von dir solch einen Rundumschlag zu lesen. Bei der Analyse der lachhaften Medienaufsicht stimme ich dir aber unumwunden zu.

  13. Die Landesmedienanstalten erhalten jährlich ca. 150 Millionen Euro Gebühren, die sie offensichtlich vor allem dafür brauchen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Ich bin sehr dafür, dass wir das Geld nehmen, um damit Bürgermedien, Radiowerkstätten und Medienpädagogik zu fördern. Landesmedienanstalten brauchen wir dafür nicht.

  14. Fernsehen ist eben eine andere Welt, da gelten andere Gesetze. Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Oder würden die Ordnungsämter atenlos zusehen, wenn einer in der Fußgängerzone eine Quizsenderähnliche Show aufziehen würde. Nein. Im Fernsehen geht das. Eine wunderbare Welt, nur wir Ignoranten wissen das nicht zu schätzen.

  15. Wenn 150 Mio. Euro Gebühren an die Landesmedienanstalten verteilt werden, sollte der Etat doch überprüft werden. Das hört sich alles nach einzelnen Verwaltungsapparaten an, die mehr mit sich selbst als mit ihren Aufgaben beschäftigt sind. Beispiel: Der obige Link zur Schleichwerbung. Diese Pressemitteilung zur Schleichwerbung besagt ja gar nichts. Wischiwaschi. Wenn die Landesmedienanstalten in einer Bundesanstalt aufgehen würden, wäre alles doch wahrscheinlich preiswerter. Die regionalen Sender können in speziellen Programmen gefördert werden.

    Darüber hinaus wären klare gesetzliche Definitionen zur Werbung inkl. Schleichwerbung weniger auslegungsbedürftig und könnten effektiver zu Sanktionen führen.

    Da ich kaum Fernsehen und demzufolge Werbung konsumiere, halte ich mich jetzt aber zurück… Bis auf wenige Sendungen finde ich das Niveau der Darbietungen grauenvoll. Eine bloggende Oma sitzt jetzt aber nicht vor dem PC.

  16. Das im Artikel erwähnte Beispiel der Wok-WM ist wirklich eine sehr sehr auffällige nicht als solche gekennzeichnete Dauerwerbesendung (obwohl die Raab Events auch eine der wenigen Innovationen der letzten 10 Jahre im Deutschen Fernsehen sind — neben den wie leidlich bekannt noch weniger kontrollierten Gewinnspiel-Call-TV-Sendungen).

    Wenn der „Hier könnte Ihr Markennamen stehen“-Wok durch die „Hier könnte Ihr Markenname stehen“-Kurve fährt, gefolgt vom Jubel der „Hier könnte Ihr Markenname stehen“-Boxencrew und einem plötzlich noch das halbe Bild verdeckenden „Hier könnte Ihre Werbung eingeblendet sein“-Interstitial zieht sich einem schon etwas der Magen zusammen. „Und nach nur einem Spot gehts weiter“…

  17. @17 (Alex): Sind die von Dir angebrachten „Campusradios in NRW … ohne jegliche Zuschüsse, wie sie der klassische Bürgerfunk für sich in Anspruch nahm“ gerade ein gutes Beispiel dafür, dass es eben auch für guten Bürgerfunk die Landesmedienanstalten nicht braucht?

    Als hier in Hamburg der Offene Kanal durch eine Änderung des Landesmediengesetzes abgeschafft wurde, gab es auch lautes Wehklagen. Allerdings haben wir heute als Bürgerfunk im Radio das Freien Senderkombinat und Tide 96,0, sowie im Fernsehen Tide TV. Alle brauchen keine LMA (FSK finanziert sich durch Fördermitglieder, Tide wird durch die Hamburg Media School gestragen) und liefern IMHO ein wesentlich besseres Programm als früher der Offene Kanal.

  18. Alex: Gewagter Vergleich. Die Struktur der mir bekannten Campusradios und offenen (TV-)Kanäle unterscheidet sich doch erheblich.

    Bei Campusradios hast du es – neben den irgendwie irgendwo politisch aktiven Leuten, die es an jeder Uni gibt – in der Regel mit Leuten zu tun, die die Möglichkeit, Radio zu machen, als Teil ihrer Ausbildung für „irgendwas mit Medien“ (und sei’s Marketing …) sehen. Das ist ok, oft auch das Ergebnis.

    Natürlich gibt es auch bei Campusradios immer wieder mal ein paar schwer erträgliche Selbstdarsteller (eine gewisse Neigung brauchts für den Job eh), in der Regel hat man es aber mit vernünftigen Leuten zu tun, die ein ansprechendes Programm machen wollen.

    Bei Offenen (TV-)Kanälen ist es eigentlich genau andersrum. Da hast du zwar immer ein auch paar engagierte Leute, die auch gutes (as in: nutzwertig, interessant, qualitativ erträgliches …) Programm machen wollen, aber einen ungleich höheren Anteil an meinungsstarken Spinnern, Extremisten von A bis Z und zurück, Selbstdarstellern und mindertalentieren Schleichwerbern. Von den Zeitgenossen, die „in den Medien“ gescheitert sind, im OK aber als vermeintliche Profis auf dicken Max machen wollen, nicht zu reden.

    Der Grund ist imo einfach: Der technische und konzeptionelle Aufwand, eine halbwegs erträgliche TV-Sendung zu produzieren (und nein, bitte keine CallIn-/Lebensberatungs- oder „Ich grüße meine süsse Maus und freue mich auf einen schönen Abend in der Disco XY“-Shows …) ist nunmal recht hoch. Weit höher als beim Verfassen von Blogbeiträgen oder auch bei der Produktion von Radiobeiträgen (Radiomacher, bitte hier empören: ………..).

    Klar, mit DV und schnellen Rechnern ist vieles einfacher geworden (Wir haben damals noch mit Analogschnitt über 3 gekoppelte S-VHS-Maschinen angefangen). Da hat die Technik den Zugang tatsächlich erheblich vereinfacht. Trotzdem, ein Camcorder im Vollautomatikmodus ersetzt halt immer noch kein Konzept und/oder Talent (und auch kein Licht, und keinen Ton, und …).

    Als angehender TV-Star (OK) fragt man sich nach der anfänglichen Begeisterung also irgendwann, wofür man die ganze Zeit investiert. Nur um anschließend ein paar Minuten auf einem Kanal zu versenden, den ausser Oma und den besten Freunden (die das auch nur sagen, damit man nicht beleidigt ist) niemand schaut?

    Politische Missionare, schmerzfreie Selbstdarsteller oder schleichwerbende Sportfans der örtlichen Volkssportart finden da schnell eine Antwort, mit halbwegs klarem Kopf hingegen muss man den Hobbybegriff schon reichlich dehnen.

    PS: Ich habe vor über 10 Jahren den ersten Offenen (TV-)Kanal in NRW mit aufgebaut, der sich nicht allein aus Mitteln der Landesmedienanstalt, sondern auch durch externes Sponsoring finanzieren sollte. Kurz: Ich kenne sie alle. Die netten Nutzer, leider aber auch die zahllosen Trittbrettfahrer, die die Idee vom demokratisch-partizipativen Bürgermedium pervertieren.

  19. Ein Beispiel von Mediennichtkontrolle: wer auf die Homepage der „Welt“ geht, schaue in die rechte Spalte. So weit ich erkenne ist dass das erste Mal, dass „Bild“ und „Welt“ die gleiche Plattform bespielen, in den guten alten Print.Zeiten; bisher war man sehr darauf erpicht zwei Öffentichkeiten zu bedienen. Im Internet, in dem selbst die SZ halbe Pornofotos publizieren darf, um Klicks zu generieren, wächst zusammen, was zusammengehört, in diesem FAll „Welt“ und „Bild“. Das ist eine Infektion. In zwei Jahren wird Bild-Spirit überall Klicks bilden.

  20. Nun ist es aber so, dass kein Geringerer als Stefan Niggemeier bei Stefan Raab Werbung für sein eigenes Fernseh-Buch gemacht hat. Und zwar ausführlichst.

  21. Des Weiteren waren zwei Tage später die Herren Stefan Niggemeier & Michael Reufsteck in Raabs Show TV total zu Gast und sprachen (ausschließlich) über ihr neues TV-Lexikon, welches sie zusammen geschrieben haben.

  22. ach, diese „was wollen sie damit sagen“ rhetorik. das war eine zitat.eine fernsehkritik, die man googlen kann. soviel zu werbung und medienjournalisten.

  23. @vonwegen: Man kann etwas kritisieren, ohne es dewegen komplett abzulehnen. Wenn ich mich recht entsinne, dann hat Stefan Niggemeier schon bei vielen Dingen einen Aspekt gelobt und einen anderen kritisiert. Sowas nennt man wohl „differenzieren“.

  24. Tja leider hat vonwegen da recht. Ich habe die Sendung gesehen. Aber naja, will man Stefan N. da einen Vorwurf draus stricken? Er spielt halt mit in der Werbemaschinerie. Da kann man mal sehen wie sehr wir alle von der Industrie durchdrungen sind. Das kann man bedauern, nur ist es nicht weniger als die Realität. Der Mensch ist eben Mensch. Und solange wir den Götzen des monetären Mammons anbeten müssen wir auch einen werbetreibenden Niggemeier ertragen. Und es funktioniert ja auch denn wir spielen alle mit, sicherlich sind hinterher die Abverkäufe gestiegen. Also hat er recht gehabt. Leider. Die Utopie einer werbefreien Gesellschaft wird wohl eine bleiben. Eine Utopie.

  25. Sind sie nicht, die Abverkäufe. Leider.

    (Sollte es wirklich so schwer zu sein, zu unterscheiden — z.B. bei „Wetten dass“ zwischen der Form von Werbung, dass Gäste dahin kommen, die gerade einen Film herausgebracht haben und darüber reden und Ausschnitte gezeigt werden, und der Form von Werbung, dass da plötzlich aufgrund eines Vertrages zwischen dem ZDF und dem Autohersteller ein Audi im Studio steht und angepriesen wird?)

  26. @30: Gibt es einen intellektuellen deutschen/deutschsprachigen (polit/medien) Blogger, der nicht immer auf der sicheren, ästhetischen Seite bleibt, sondern mal richtig auf die Kacke haut? Daß sie dem „linksliberalen“ Tocotronic-Elaborat-Konsens ins Gesicht spritzt?

    Ich bitte um einen link! Gerne auch „undifferenziert“, dafür aber witzig, bzw. gewitzt.

  27. Hm. Gott Mammon. Wollen diese Leute eigentlich das Geld abschaffen und auf Naturalwirtschaft umstellen, oder nur dass alle anderen nicht mehr arbeiten? Und dann natürlich auch nichts zu Essen haben …

  28. @ vonwegen #29:

    Wenn ich nach

    „Stefan Niggemeier & Michael Reufsteck in Raabs Show“

    google, bekomme ich genau eine Treffer, der auf diese Blog verweist.

    Soviel zu

    „das war eine zitat.eine fernsehkritik, die man googlen kann.“

    Und warum sollen Medienjournalisten nicht Werbung machen dürfen? Auch bei Stefan Raab? Gibt es da etwa einen geheimen Ehrenkodex, den ich nicht kenne?

    @ Stefan #32:

    Stell‘ nicht so viele rhetorische Fragen, das versteht doch auch wieder keiner. Leider.

  29. @37: Hochverehrter Conclaqueur SvenR! Sollte man, wenn man die Beschränkung rhetorischer Fragen fordert, nicht selbst darauf achten, daß man derer nicht allzu viele stellt?

  30. @32/Stefan
    Da will ich mich mal in die Nesseln setzen und eine (ggf.) rhetorische Frage beantworten. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen den diversen Formen des „Product placement“ und der plumpen Gewinnspiel-Werbung à la „Sie können einen Audi gewinnen“. Letzteres ist „nur“ ärgerlich und in seiner Offensichtlichkeit meist plump. (Es gibt noch die dritte Variante – die sogenannte Schleichwerbung, aber lassen wir das mal weg.)

    Es ist natürlich subtiler (wenn es denn ein bisschen klug gemacht wird), wenn à la „NDR-Talkshow“ für ein Buch, einen Film, ein Fernsehprojekt geworben wird und das als „Information“ in ein Gespräch einfliesst. Entscheidend wäre noch, ob dezidiert das Buch (oder der Film) besprochen (und auch kritisch besprochen) wird, oder ob es nur Präsentation mit Smalltalk ist. Ich habe inzwischen immer häufiger das Gefühl, der jeweilige Prominente ist in diesen Sendungen nur wegen seines jeweiligen Werbegegenstandes da.

  31. Werbung abzuschaffen kann nicht funktionieren. Wo soll denn die Grenze gezogen werden? Darf ich Freunden (oder an dieser Stelle) nach Abschaffung von Werbung noch davon erzählen, dass ich Comics zeichne? Ich bezweifle, dass die erwähnte Utopie eine solche ist, eher eine Dystopie.

    Ansonsten: LMA – die Abkürzung steht doch längst für anderes…

  32. Settembrini: Leute, die aus Prinzip auf die Kacke hauen, sind in den aller-aller-eisten Fällen auf Dauer das Gegenteil von gewitzt.

  33. Ironiedetektoren? Die Dinger wurden doch nur in kleinster Stückzahl in einem moldawischen Dorf in den 60ern gebaut. Hat heute praktisch niemand mehr.

  34. @ Marko (22): Nein. Die Campusradios in NRW bekommen ja nicht nur die Lizenzen von der LfM. Aus- und Weiterbildungsangebote gibt es dort auch. Und die sind in der Tat nicht zu unterschätzen. Die wissen auch schon, welche Leute die sich da als Seminarleiter ranholen. Aber darum ging es mir auch weniger. Ich wollte nur betonen, dass man falsch liegt, wenn man die Landesmedienanstalten auf ihre (peinlichst vernachlässigte) Aufsichtsfunktion beschränkt.. Ich weiß auch, dass man jenseits der LMAs gutes, kreatives Programm machen kann. Allerdings wird das zunehmend schwieriger, will man nicht piratensendern oder allein ins Internet streamen. (Ja, für die meisten hier wird ein Radio-Stream normal sein, für geschätzte 80% der Restbevölkerung aber nun mal leider immer noch nicht… egal, anderes Thema.)

    @ Jörg-Olaf (23): Ich vergleiche doch gar nichts. Ich betone nur, dass die LMAs mehr machen, als hier zu Wort kommt. Ich kann die Lage der Offenen Kanäle nicht wirklich beurteilen, weil mich Fernsehen langweilt, ich Filme im Kino schaue und meine Serien von, hüstel, anderswo beziehe. Aber deine Argumentation scheint mir nicht schlüssig. Eine gehörige Portion Ego ist vermutlich sowohl bei Radio-, als auch bei Fernsehmachern vorhanden. Das finde ich aber auch nicht weiter schlimm. Der Unterschied ist aber der, dass man im Radio viel schneller, viel häufiger und viel zahlreicher „an die Front“ kommt. Wie auch immer, wir entfernen uns immer weiter vom Thema ;)

  35. Warum soll der Rundfunk stärker kontrolliert werden als die Presse? Das kann doch niemand stichhaltig begründen. Landespressegesetze und das Kartellrecht reichen vollkommen aus. Bitte endlich weg mit der elenden Erbsenzählerei, wann wie lange welche Frage in vollkommen irrelevanten Quizsendungen gestellt wurde.

  36. Ich weiss ja nicht, was ich nun schlimmer finden soll: Das wir so etwas wie Landesmedienanstalten haben, oder das wir keine Landesbuchanstalten, keine Landesinternetanstalten, keine Landeskinoanstalten und auch keine Landeszeitungsanstalten haben….

    Warum duldet eine Demokratie eigentlich eine staatliche Kontrolle (zusätzlich zu den ohnehin für alle geltenden Gesetze) für Radio und TV (wie ineffektiv diese Kontrolle auch immer sein mag), die sie bei anderen Medien (siehe oben) niemals akzeptieren würde. Sind diese anderen Medien wirklich so unwichtig, dass sich nicht mal eine Kontrolle lohnt?

  37. Tim, schreibvieh: Historisch gesehen: wegen der Erfahrungen mit dem Propaganda-Effekt des Rundfunks im Nazi-Regime und marktsystematisch wegen der knappen Frequenzen und des hohen Konzentrationseffekts bei teuren Fernsehproduktionen.

  38. Lustig ist das die freche Prosieben Subway Dauerwerbung in Galileo unbemerkt bleibt … kommt doch jeden Tag ein Bericht in der ein neuer Subway Laden gebaut wird, das dickste Sandwich gesucht wird oder der Reporter den „Harten Alltag“ eines „Sandwichmachers“ erleben muss/darf xd

  39. @Torsten: Die Argumente kenne ich, aber relevant sind sie aus meiner Sicht nicht. Es fehlt einfach der Beweis, daß der Rundfunk die politische (oder meinetwegen auch: kulturelle) Diskussion stärker beeinflußt als andere Medien. Das war ja in der Anfangszeit des Rundfunks die große Annahme und ist es bei einigen offenbar noch heute.

    Wenn sich dieser Beweis nicht führen läßt (was mehr als wahrscheinlich ist), gehört die unsinnige Rundfunkkontrolle abgeschafft. Wirksam war sie ohnehin noch nie.

  40. Der Beweis ist vorhanden. Politiker sorgen sich am meisten um Wahlentscheidungen. Es steht empirisch fest, dass die Präsentation von Politik im Rundfunk – hier natürlich das Fernsehen – sich deutlich mehr auf die Wahlentscheidungen auswirkt (und zwar kumulativ), als die Berichterstattung in der Presse. Das läßt sich vielfältig messen.

  41. @Nobilitatis: Und weil die Präsentation von Politik im Fernsehen so entscheidend ist, müssen Gewinnspiele im Privatfernsehen überwacht werden? Nein, nein, das paßt alles nicht zusammen.

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