Doof wie RP-Online (8)

„Kein Text wird ohne Gegenlesen und Check von Zahlen und Namen ins Netz gestellt.“

(Chefredakteur Rainer Kurlemann im „Journalist“ 7/2009 über „Qualitätssicherung“ bei „RP-Online“)

Heute stand schon wieder so ein lustiger nebensatzophober Artikel im Online-Angebot der „Rheinischen Post“:

Die neue Staffel von „DSDS“ beginnt am 6. Januar um 20.15 Uhr. Zunächst können die Zuschauer von RTL immer mittwochs und samstags Ausschnitte aus den Vorsingen sehen. Die Castings werden gezeigt. Nach sieben Folgen gibt es dann den so genannten Recall, indem die Kandidaten erneut vorsingen dürfen, die am besten waren. Der Recall wird in der neuen Staffel unter anderem in der Karibik gemacht. In der ersten großen Liveshow „Jetzt oder Nie“ treten dann die besten 15 Sänger gegeneinander an, um in die Mottowshows zu kommen. In den Mottoshows bestimmen die Zuschauer über das Telefon, wer das nächste Mal noch dabei ist. (…)

Diesmal habe ich direkt bei „RP-Online“ nachgefragt, ob es sich möglicherweise wieder um eine Meldung aus dem Kindernachrichtendienst von ddp handelt, woraufhin der Artikel schnell verschwand. Kurlemann bestätigte dann das Versehen.

Ich kann mir nicht helfen: Ich find’s keinen Zufall, dass ausgerechnet die Mitarbeiter von „RP-Online“ Probleme haben, Kindernachrichten von richtigen Meldungen zu unterscheiden.

46 Replies to “Doof wie RP-Online (8)”

  1. Ich finde die Kinderversionen immer noch besser als die üblichen RP Inhalte. Bitte nicht entfernen sondern mehr davon Herr Kurlemann!

  2. Oh mein Gott, ich dachte, das mit dem Kindernachrichtendienst des ddp sei ein Witz gewesen im letzten Artikel über die RP. Aber den gibts ja wirklich. Und die haben ja wirklich 1:1 von dort kopiert. Püh, chapeau, RP-Online, ihr habt mich überrascht. Auch nur auf die Idee zu kommen zeugt immerhin von, nennen wir es Mut…

  3. Jetzt, wo sich es ja mit der Quelle hier endgültig rumgesprochen hat, finde ich, dass die Überschrift(en) absolut unpassend sind.
    Gerade die des ersten Artikels, auch wenn diese als Frage formuliert war.
    Dadurch wird doch impliziert, dass Kinder „doof“ sind, denn für sie wird ja geschrieben:

    *Doofe schreiben für Doofe?*

    Dabei schreibt ja ddp für Kinder, bzw. für Redaktionen, die sich auf kindgerechte Nachrichten spezialisiert haben, was ich wiederum alles andere als „doof“ finde…

    just my two cents ;)

  4. Mann O mann o meter Herr Niggemeier

    Sie verstehen ja auch gar nichts, das ist Zielgruppenorientiertes schreiben!

    Jetzt mal Hand auf’s Herz Herr Niggemeier, Sie sind doch bloß neidisch auf die Jugend von heute.

    MfG
    Duales Super Deutschland System
    (abk.: dSDS)

  5. Ich würde unterstellen, dass ein bedeutender Teil derjenigen, die sich für DSDS interessieren, diese Meldung deutlich besser versteht, als wenn sie mit mehr Nebensätzen dort gestanden hätte.

  6. Wollte mir auch gerade erklären lassen, was es mit dem „Kinderhacrichtendienst“ auf sich hat. Danke für die Verlinkung. Fast jede Zeituhg versucht derzeit, durch Kinderseiten junges Publikum zu binden. Dabei würde verständliches Schreiben im Lokalteil manchmal schon ausreichen..

    Mich interessiert noch ein kluger, unaufgeregter Dienst für „Alte“, also die „traditionellen Zeitungsleser“. Wo?

  7. @nocheinjurist

    „Mich interessiert noch ein kluger, unaufgeregter Dienst für „Alte”, …“

    Gibt es doch: Playboy,Hustler,Praline und und und

    MfG
    das billigste ist des billigen Feind

  8. „Nach sieben Folgen gibt es dann den so genannten Recall, indem die Kandidaten erneut vorsingen dürfen (…)“ Die Verwendung von „indem“ hier hat aber schon fast künstlerischen Wert.

  9. Wie soll man denn aber auch Kinder-Meldungen noch von denen für Erwachsene unterscheiden, wenn man seit Jahren damit beschäftigt ist, die BILD-Meldungen umzuformulieren?
    OK, Niveau und Grammatik vom ddp sind besser, aber der Satzbau hat doch Ähnlichkeiten…

  10. @Alberto Green: Das ist eine Interpretationsfrage. Man kann Kurlemanns Behauptung durchaus so lesen, dass kein Text ins Netz gestellt wird, ohne dass Zahlen und Namen gegengelesen und gescheckt wurden. Ich finde das insgesamt plausibler als deine Interpretation. Wer hat denn schon Zeit, den ganzen Text zu überprüfen?

  11. Gescheckt. Himmel noch mal, sollte ich mich auch bei RPO bewerben? Oder nimmt mir noch jemand ab, dass das meine total durchdachte individuelle Orthografie ist und mit voller Absicht so da steht, weil ich damit was aussagen will?

  12. Was ist jetzt die konkrete Kritik an dem Artikel?
    „lustig“? – eher ein Lob.
    „nebensatzophob“? – eher Selbstkritik an zuvielen Bandwurmsätzen.
    Quellenangabe: (RPO) statt (ddp-kid)? – das scheint auch nicht der Kritikpunkt zu sein.

    Oder doch die Zahl 34.000 (oder 20:15)? Für mich ist wenigstens nicht klar, ob diese Zahl paßt oder nicht.

  13. Da können Inhalt, Zahlen, Namen noch so sehr stimmen: Der Text ist vor dem Veröffentlichen bei RPO nicht gegengelesen (hilfe! was für ein wort.) worden. Sonst wäre er nicht in dieser Kinderversion veröffentlicht worden. Jetzt gescheckt, was ich meine? ;-P

  14. @5zjunge

    Vorbei sind wohl die Zeiten, in denen ein Schriftsteller hierfür gewürdigt wurde:
    „Das lag auch an der hochintellektuellen Ausdrucksweise und Satzbildung seiner Aufsätze. (Damalige und leider auch heutige Durchschnittsleser haben ja Verständnisprobleme, wenn in einem Satz die Floskel »dieser aber … hingegen jener …« auftaucht) Seine kristallklar geschliffenen Sätze türmte er dann zu teilweise gigantischen Absätzen auf, die den Leser oder Zuhörer zu intensivstem Mitdenken zwangen. (Der erste Absatz von »Nachruf« erstreckt sich über mehr als 10 Druckseiten!)“
    (Sie dürfen raten, über wen dies geschrieben wurde – alternativ: Tante Goolge hilft.)

    Die Bildzeitung ist sicherlich leichter zu lesen, anscheinend geht der Trend überhaupt mehr zu einfachst strukturierten Kindersätzen. Die Zeit wird wohl kommen, in der Sätze wie „Das Gras ist grün“ schon als „Bandwurmsatz“ empfunden wird. Oder?

  15. @ Alberto Green (18): Das ist keine Antwort auf meine Frage. Um Ihre beantworten zu können – von wollen soll jetzt nicht die Rede sein -, müsste ich wissen, was genau durch besagtes Gegenlesen bewirkt werden soll, wenn nicht der Check von Namen und Zahlen.

    Aber das ist sowieso alles Korinthenkackerei. Ich halte die Kritik an einem solchen Beitrag, wie er jetzt wieder in die RP gerutscht ist, für absolut irrelevant. Der Text ist in einfacher Sprache gehalten – na und?

  16. @ recipient:

    Die Castings werden gezeigt.

    Der Recall wird in der neuen Staffel unter anderem in der Karibik gemacht.

    Diese Sätze sind nicht einfach. Der erste ist unpräzise, der zweite hilfloser Quatsch.
    Was mich an diesen Kindertexten empört ist nicht, dass RPO die stupide kopiert und diese Kopie ohne Kontrolle (wenn Gegenlesen für Sie nur Spell-und Zahlencheck ist, bitte) direkt aus Zwischenablage ins Netz gepustet wird. Mich ärgert, dass man Kinder für so blöd hält, dass man solche Texte veröffentlicht. Aber das ist ein anderes hier nicht zu diskutierendes Fass.

  17. @Alberto Green: Gescheckt habe ich das von Anfang an. (Verdammt, ich muss das von jetzt an immer so schreiben, oder?) Ich wollte nur eine alternative Deutung aufzeigen.
    Ich finde es übrigens auch äußerst diskutierenswert, dass man bei ddp anscheinend meint, wenn man Nachrichten für Kinder machen will, müsste man die einfach nur ein bisschen schlechter schreiben als die für die Erwachsenen. Als ob diese Generation nicht schon genug Gründe hätte, keine Zeitungen zu lesen.

  18. @ Stefan Niggemeier: Kinder sind von Hause aus infantil, und für die war der Text ursprünglich gedacht. Dass er in dieser Form in das normale Nachrichtenangebot gerutscht ist, war sicher ein Fehler, aber keiner, den ich unter die Überschrift „Qualitätsjournalismus“ stellen würde. Man kann’s auch übertreiben. Da gibt es viel relevantere Themen, die aber glücklicherweise auch und gerade hier sonst zur Sprache kommen.

  19. @recipient: Ich weiß nicht. „RP-Online“ ist das gerade mindestens zum zweiten Mal in zwei Wochen passiert (und auch wenn es manchmal anders wirken mag: Ich lese das Angebot nur sporadisch). Aber wenn Sie sich ansehen, was sonst so bei „RP-Online“ steht, können Sie vielleicht nachvollziehen, warum ich das keineswegs nur für einen bedeutungslosen Zufall halte (insbesondere, wo doch jeder Text angeblich vor der Veröffentlichung gegengelesen wird). Womöglich hängt es natürlich auch damit zusammen, dass „RP-Online“ die Agentur dpa abbestellt hat.

    Aber Sie haben schon recht: Ich würde „RP-Online“ auch nicht unter die Überschrift „Qualitätsjournalismus“ stellen.

  20. Infantil ist nicht gleich doof! Sonst hätte ich – als Raketenphysiker und Zahnarztgattin – so manches Problem.

  21. An wen richten sich diese Kindernachrichten eigentlich? An Zweijährige, die die Meldungen als Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen bekommen? Sprache und Satzbau der hier zitierten Meldungen sind ja für jeden Zweitklässler bereits eine Beleidigung.
    Glaubt ddp wirklich, man könnte Kinder für Nachrichten begeistern, indem man einfach die 08/15-Meldungen aus dem eigenen Angebot in vermeintliche Kindersprache übersetzt?

  22. Ich habe leider keinen Zugriff auf die Agenturticker, aber ist das hier auch aus dem Kindernachrichtendienst?
    http://www.faz.net/s/Rub64992C04CF2F4A2E8399BD4B893B56FE/Doc~EC55B08293C0F47CE91A68AAC5337EEF6~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Das müsste ja sogar von einem Schüler (oder mit Hilfe eines Schülers) geschrieben worden sein, Erwachsene dürfen bei SchülerVZ ja nicht mitmachen.
    Wenn das nach Zeilen bezahlt wurde, war es zumindest leicht verdientes Geld.

  23. @Morgenstund

    Nein bitte keine 10 Seiten über DSDS, auch nicht über Robert Enke. Wobei ein Nachruf über DSDS eine gute Nachricht wäre.

    „Intensivstes Mitdenken“ ist sicher nicht das, was Leser bei der Lektüre DSDS-Artikeln wollen.

    @Stefan Niggemeier „… ist das gerade mindestens zum zweiten Mal in zwei Wochen passiert“ … „das“?

  24. Die rheinische Post wird am linken Niederrhein auch gerne als rheinische Pest bezeichnet. Nachdem ich viele Seiten dieses Blogs gelesen habe, kann ich nunmehr auch genau begründen, warum ich diese Bezeichnung zutreffend finde. Schöner Blog. Ein treuer Leser mehr :-)

  25. Die Aktien der Deutschen Bank AG werden heute ex-Bezugrechte gehandelt.
    Hängt mit der Kapitalerhöhung in Bezug auf die Übernahme der Deutschen Postbank zusammen. Klar, dass die Akten der Deutschen Bank dann fallen. Aber nur rein rechnerisch. Wissen eigentlich alle, die sich ein klein wenig mit der Materie beschäftigen oder zumindest sich die Mühe machen zu recherchieren, warum der Kurs heute so stark fällt.

    Die Wirtschaftsredaktion von RP-Online hat Recherche nicht nötig. Sind ja sicher alles kompetente Wirtschaftsjournalisten, die da arbeiten. Und die produzieren dann solche Schlagzeilen:

    Nach Gewinnwarnung: Deutsche Bank Aktien stürzen acht Prozent ab.

    http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/Deutsche-Bank-Aktien-stuerzen-acht-Prozent-ab_aid_909545.html

  26. Das gibt es doch gar nicht. Oder eben doch. Jetzt beginnt sich das berühmte Nachrichten-Karussell zu drehen, von dem Stefan auch schon mehrmals geschrieben hat. Die Wirtschaftsredaktion des Spiegel übernimmt jetzt den Quatsch mit den – 8 % der Deutschen Bank Aktie aufgrund von schlechten Zahlen bla bla.

    Es kann doch nicht sein, dass die Wirtschaftsredakteure allesamt nicht wissen, was ex-Bezugrechte bedeutet. Das ist wie Ex-Dividende. Ich bin sprachlos.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0%2C1518%2C718857%2C00.html

  27. Ein letztes Mal noch und dann ist auch gut. Stefan, kannst Du mir helfen? Weiß nicht, ob ich so zitieren darf. Ein Lob an die Wirtschaftsredaktion der FAZ, die interessierte Anleger gestern schon auf den veränderten Kurs heute aufmerksam gemacht hat. Nüchtern, sachlich, informativ, kompetent. So muss Wirtschaftsjournalismus sein:

    Zitat aus Faz: Was Anleger beachten müssen

    Der Aktienkurs der Deutschen Bank wird an diesem Mittwoch nur noch mit etwa 42,30 Euro in den Handel gehen. Denn der Titel wird nun ohne Bezugsrecht gehandelt. Die Aktionäre bekommen die Bezugsrechte, die über eine Wertpapierkennnummer verfügen, in ihr Depot gebucht. Die Titel können bis zum 1. Oktober an der Börse gehandelt werden.

    Bei einem Bezugsverhältnis von einer neuen Aktie für zwei gehaltene Titel errechnet sich ein Wert des Bezugsrechts von knapp 4,70 Euro. Das Bezugsrecht ist an den Aktienkurs gekoppelt. Sein Wert errechnet sich aus der Differenz des alten Aktienkurses (47 Euro) und dem Bezugspreis der neuen Titel (33 Euro). Die Differenz von 14 Euro wird durch drei geteilt, weil auf zwei alte Titel in Zukunft eine neue Aktie hinzu kommt.“

    Und dazu der Link:
    http://www.faz.net/s/RubF3F7C1F630AE4F8D8326AC2A80BDBBDE/Doc~E9385548ECE7C48E6BAC5B8F95C7CF932~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  28. Jetzt bin ich es doch noch mal. Mittlerweile hat Spiegel online seinen Drama Artikel „Deutsche Bank Akten stürzen um über 8 % ab“ heimlich, still und leise durch einen anderen Artikel ergänzt bzw. ersetzt. Der hat den wesentlich vernünftigeren Titel „Bezugsrechtehandel drückt Aktienkurs“

    So geht das also. Erst mit Pauken und Trompeten unqualifiziert auf die Kacke hauen und dann, wenn die Leser den Fehler bemerken und die qualifizierten Journalisten auf den Stuss hinweisen, stillschweigend einen neuen Artikel schreiben und hoffen, dass über den alten Artikel schnell Gras wächst.

    Und dafür werden die auch noch bezahlt . . .

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,718857,00.html

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