„Welt Online“: Intel inside

15 Mai 08
15. Mai 2008

Was für eine schöne Idee: Die „Welt“ schickt einen Journalisten und einen Kameramann durch die Bundesrepublik und lässt sie innovationsfreudige, kleine Unternehmen besuchen. In einem liebevoll produzierten Videoblog auf „Welt Online“ porträtieren sie die „heimlichen Champions“, die zum Beispiel wegweisende Medizintechnik entwickeln (Teil 1, Teil 2).

Nur ist es gar nicht so, wie „Welt Online“ ausdrücklich behauptet, dass die beiden Reporter „für WELT ONLINE“ unterwegs waren. Sie waren im Auftrag eines Unternehmens unterwegs. Und mit ein bisschen Geschick könnten Sie sogar dessen Namen erraten.

Genau.

Das „Projekt Deutschlandreise“ ist eine eigenständige, ganz unabhängig von „Welt Online“ gestartete PR-Aktion des Prozessorherstellers Intel. Die Firma macht daraus eigentlich auch kein Geheimnis: Auf jeder Seite von projekt​-deutschlandreise​.de steht unten rechts ihr Logo; im Impressum ist sie als Absender genannt, und zum Auftakt gab es eine Pressemitteilung.

Bei „Welt Online“ hingegen hat man die werblichen Inhalte von Intel zu eigenen journalistischen Leistungen umdeklariert, das „WELT ONLINE TV“-Logo auf die Filme gepappt, den eigenen „WELT ONLINE TV“-Vorspann davor geschnitten (und, warum auch immer, über dem Artikel als Autorennamen Melanie Müller angegeben, die nach eigenen Angaben „Nachrichtensprecherin bei WELT-ONLINE-TV“ ist).

Die Firma Intel wird nichts dagegen haben.

Zur Erinnerung: Zum Trennungskonzept von Redaktion und Werbung bei „Welt Online“ gehört es auch, eine Strecke mit Lidl-Eigen-PR unter der Adresse dialog​.welt​.de und dem Namen „Welt Dialog“ (und dem kleinen Wort „Anzeigen-Sonderveröffentlichung“) anzubieten. Die entsprechenden Werbetexte tauchten zunächst sogar über die normale Suchfunktion von „Welt Online“ auf und und waren dort von redaktionellen Texten nicht zu unterscheiden. Teil der „Welt Dialog“-Seiten ist die Möglichkeit, Fragen zu Lidl an dialog@welt.de zu schicken. Die Antworten kommen allerdings nicht von der „Welt“, sondern von Lidl selbst. Dass Redaktion und Werbung „strikt getrennt“ seien, sagte Verlagssprecher Christian Garrels gegenüber der „FAS“, erkenne man schon daran, dass die Mails an die welt.de-Adresse automatisch an Lidl weitergeleitet würden.

Zum aktuellen Fall mit den Intel-Filmen bemüht man sich bei Axel Springer derzeit noch um eine Stellungnahme.

Nachtrag, 17.45 Uhr. Ein Sprecher der Axel-Springer-AG teilt mir soeben mit:

Wir sehen das von Ihnen beschriebene Video als Grenzfall. Um auch nur den Anschein zu vermeiden, dass bei uns Werbung und Redaktionelles vermischt werden könnten, haben wir das Video von der Website genommen. Denn wie Sie wissen: Die Einhaltung unserer journalistischen Leitlinien sind unser oberstes Gebot.

Die Videos sind unverändert online.

Nachtrag, 18:20 Uhr. Anstelle der Artikel und Videos steht auf „Welt Online“ jetzt auf den beiden Seiten:

In eigener Sache
Wir haben das hier ehemals veröffentlichte Video von der Website genommen, weil es einen Grenzfall zwischen Werbung und Redaktionellem darstellte und wir den Anschein vermeiden wollen, dass es gegen unsere journalistischen Leitlinien verstoßen könnte. Wir bitten um Verständnis.

56 Gedanken
  1. 1
    Manu says:

    Die Lidl-Sache war der letzte Grund, der mir noch fehlte, die FAZ zu abonnieren…

  2. 2
    Nordtroll says:

    Man könnte annehmen Zeitungsverlage und Fernsehsender arbeiten daran die Trennung von redaktionellem Inhalt / Programm und Werbung als überkommenes Relikt beenden zu wollen. Das Verhalten der Welt bei der Präsentation von Partnern oder einiger privater Fernsehsender (zunehmende Overlays und Interstitials, „nach nur einem Spot geht es weiter“, Supermodels bei C&A, Wok WM in der Burger King Kurve, etc.) deutet zumindest stark darauf hin.

    Bald haben wir dann Verhältnisse wie in den USA schon heute. Da sponsern Firmen völlig selbstverständlich Uniprogramme. Zeitschriftenspecials über Innovationen oder Design in TIME werden von Toyota & Co. präsentiert, in deren redaktionellem Teil sie dann natürlich auch für ihre Leistungen gelobt werden. Der übertragende Fernsehsender bestimmt wann beim Football oder Basketball „Commercial Timeout“ genommen wird und erstmal zwei Minuten lang nichts mehr auf dem Feld passiert. Und die Marines schalten nicht nur verzweifelt Werbespots um neue Rekruten zu gewinnen, sie dürfen dann gegen Ende des Spiels auch das „Teamplay of the Day“ präsentieren. Und eine Fluglinie oder ein Sodahersteller den „Dunk of the Day“ oder „Pass of the Day“. Wenn der Moderator in den kritischen Schluss-Sekunden den sinnvollsten Spielzug vorhersagt steht daneben „Ask Chuck“ (ein Werbeslogan des Finanzberaters Charles Schwab). Vom „T-Mobile Halftime Report“ oder allgegenwärtigen Hinweiseinblendungen auf eigene TV-Serien im laufenden Programm gar nicht zu sprechen. Super. Willkommen in der schönen neuen Markenwelt.

  3. 3
    Sebastian says:

    Immerhin, ich habe vorher noch überhaupt keinen Grund gekannt, die FAZ zu abonnieren ;-)

  4. 4
    Sebastian says:

    @Nordtroll: Thema total verfehlt.

    Da ist _überall_ zu erkennen, dass es Werbung ist. Und jeder weiss es.

    Dieser Blog-Eintrag hier handelt davon, dass eine von einer Firma produzierte Sendung als Eigenleistung ausgegeben wird, während bei allen Deinen Beispielen die Uni, der Fernsehsender inklusive Reporter etc. pp. alle selbst arbeiten und gut erkennbar in einem Singsangton die Werbung dazu vorlesen.

  5. 5
    SvenR says:

    @ Sebastin #4:

    Ich finde beides schlimm unschön und frage mich immer, wie lange die Zuschauer das noch gefallen lassen. Ich schaue Sportübertragungen in Privaten schon jetzt gar nicht mehr und Filme/Serien/Dokusoaps nur noch zeitversetzt mit Festplattenrekorder. Und Produkte, deren Werbung mir total auf die Nerven geht, kaufe ich einfach gar nicht (mehr).

    Wobei man Intel hier jetzt nicht vorwerfen sollte, dass Welt-Online das so macht — ob abgesprochen oder nicht.

  6. 6
    Martin says:

    Wow. Mir bleibt die Spucke weg. Absolut grenzwertig.

  7. 7
    ruhrpottjunge says:

    @Nordtroll

    Das Lamento über Werbung ist so alt wie die Werbung selbst — und vieles aus der von Ihnen prophezeiten „neuen Markenwelt“ (welch ungenau Begriffsbildung, im übrigen) ist so weder nur in Amerika noch nur in den Medien zu finden. Beim Handball in Kiel wird der Mann, der den Schweiß der Spieler vom Parkett wischt, von einer Reinigungsfirma „präsentiert“ — und das finde ich eher gelungen als nervig.

    Stefan Niggemeier schreibt aber über etwas ganz anderes — über das Auflösen der Grenze zwischen redaktionellen Inhalten und Inhalten der Werbepartner. Und das in einem besonders merkwürdigen Fall: Gibt es einen Vertrag zwischen INTEL und WELT​.DE über eine „innovative“ und darüber hinaus verbotene Werbeform? Oder ist INTEL ein (weiteres) Opfer der miserablen journalistischen Qualität von WELT​.DE? Das sind die entscheidenden Fragen, nicht irgendeine unzeitgemäßes Werbeschelte.

  8. 8
    .carsten says:

    Klar ist das, journalistisch gesehen, ein schwieriges Ding. Aber kommt es nicht letztendlich auf die inhaltliche Basis an, die in dem Filmstreifen geboten wird? Wenn es im Kern darum geht, daß der Erfolg der Kleinunternehmen angeblich auf Intelprozessoren besteht, dann ist das klare Werbung und gehört nicht ins Redaktionelle. Aber wenn es nur darum geht, das Logo zu plazieren und darüber hinaus eine Reportage zu machen (die natürlich inhaltliche Bezüge zwischen Innovation und Produkt herstellt) ist das ein nicht so tragischer Fall. Das „Schlimme“ in diesem Falle ist in meinen Augen, daß die Welt dreist ihr Logo drauf pappt und es ihr eigen nennt. Das ist nicht nur redaktionell schlecht, sondern auch noch urheberrechtlich bedenklich — wer weiß ob die das auch bei freien (journalistischen) Reportagen so machen…

  9. 9
    Sebastian says:

    @SvenR: ich habe ja nicht gesagt, dass ich die Werbeschelte nicht verstehe.

    Aber das ist hier nicht Thema, und ich wollte gleich zu Beginn nen Deckel drauf machen, damit hier nicht über den Sinn oder Unsinn von Werbung im Privatfernsehen gesprochen werden muss (in den USA gibt es nur PBS als von Spenden produzierten Sender und die blenden dann nervige Spendenaufrufe ein). Das Thema Schleichwerbung ist hier nicht das Problem sondern (wie auch auf bildblog der Hinweis auf den taz-Artikel zur bild/Lidl-Kuschelei) die Frage, wie dreist man offensichtliche Werbeinhalte noch als Eigenleistung präsentieren darf?

    Es handelt sich doch hier offensichtlich um Betrug am Leser. Auf einigen Zeitungen steht oben noch drüber „unabhängig — überparteilich“.

    Was müsste dann auf der Welt von heute stehen? „parteilich — geldgeil — seilschaft(lich)“?

  10. 10
    Nordtroll says:

    1. Ja, mich stört allgemein die Zunahme von Werbung, insbesondere dann wenn sie sich mit dem inhaltlichen Teil vermengt. Das geht vielen so, und da angelerntes Verhalten und Technik den Konsumenten die Ignorierung von Werbeblöcken ermöglicht (online, im TV, etc.) werden solche Störmanöver zunehmen. Ich sehe ziemlich regelmäßig US-TV, und was wir erleben ist im Vergleich dazu erst der Anfang.

    2. Wie viele Fernsehzuschauer bei amerikanischen Sportübertragungen nehmen wirklich bewusst wahr dass ihnen vertraute Inhalte wie eine normale Zeitlupe oder Spielanalyse auf einmal mit Firmen assoziiert werden? Da wird dann eben nicht ausdrücklich gesagt oder eingeblendet „das folgende Segment wird ihnen von Organisation/Firma X präsentiert“ wie bei deutschen Biersponsoren vor einem Fußballspiel oder der Formel 1, sondern es fließen neue Eigennamen in den Bericht ein wie eben das „Marines Teamplay“ oder das Air Force „Above All“ (ein paar Deckenkameraaufnahmen, die Kampagne hat lt. NY Times ein 240 Millonen Dollar Werbebudget für 2008). Oder der Reporter lobt lange nachdem der Werbeblock vorbei ist nochmal die zuvor als Teaser gezeigte Show als verstärkende Werbemaßnahme für das eigene Programm von TNT/TBS.

    3. Bei Stefans Beispiel steht sogar noch ziemlich deutlich unter jedem einzelnen Themenbeitrag des „Projekt Deutschlandreise“, wem dieser jeweils zu verdanken ist (z.B. Partner: BrainLab) und wer als Hauptsponsor der ganzen Aktion auftritt.
    Bei den von mir genannten Beispielen ist das mindestens ebensowenig erkennbar geschweige denn gekennzeichet, dass es sich um eine Marketingmaßnahme handelt. Welcher Student weiß schon, dass Teile der Skripte im Medizin- oder Informatik-Studium von einer Firma kommen die den Studiengang fördert?
    Genausowenig bemerken viele Leser, dass ihnen in einem bereits mit auch als solcher gekennzeichneten Werbung versehenen Segment (Mode, Reisen, Umwelt, Innovation, etc.) eines seriösen Nachrichtenmagazins zusätzlich noch Firmen-PR im Inhalt untergeschoben wird, die entweder die entsprechende Abteilung der Firma komplett selbst geschrieben hat oder die zumindest aus Gefälligkeit von den Autoren eingebaut wurde.

  11. 11
    Stefan says:

    @Nordtroll: Unter jedem Themenbeitrag steht bei Welt Online der Hauptsponsor? Nein, er steht da gar nicht. Und Intel „sponsert“ diese Filme nicht, sondern hat sie selbst in Auftrag gegeben.

  12. 12
    Jochen Hoff says:

    Ich versteh die ganze Aufregung nicht. Intel hat doch eindeutig bessere Journalisten als Springer. Intel bezahlt seine Journalisten auch anständig und Springer hat Content ohne etwas dafür tun zu müssen. Das ist doch die Idealform. Qualitätsmedien und Qualitätsjournalisten.

    Wie es gibt noch andere Zeitungsmacher und die werden benachteiligt? Stimmt doch nicht. Die können Intels Werbefilmchen doch auch bringen. Springer wird sie schon nicht verklagen.

    Wie es gibt noch andere Prozessorhersteller wie AMD die benachteiligt werden. Stimmt doch nicht. Würden die auch solche Werbefilmchen machen könnte Springer auswählen und nur die Besten nehmen.

    Ja noch besser. AMD und Intel könnten Springer Geld dafür anbieten, das sie nur die eigenen Werbefilme bringen. Das ist Marktwirtschaft.

    Wie die armen Journalisten. Das ist Markt. Wenn Sie veröffentlicht werden wollen, müssen sie eben Geld dafür bezahlen. Die Journalisten waren doch auch bei den Arbeitnehmern immer dafür, das die mehr Einsatz zeigen und billiger werden. Marktwirtschaft ist nun Neoliberalismus ist doch was Gutes. Haben die Journalisten immer gesagt.

    Aber lange beschweren die sich ja nicht mehr:

    http://​www​.duckhome​.de/​t​b​/​a​r​c​h​i​v​e​s​/​2​5​1​1​-​D​i​e​-​g​r​o​s​s​e​-​A​n​g​s​t​-​d​e​s​-​M​i​c​h​a​e​l​-​K​o​n​k​e​n​.​h​tml

    Journalisten gibt es doch bald nur noch als ehemalige Journalisten vor den Hartz IV Ämtern und auf den Spargefeldern oder beim Reichsarbeitsdienst des Michael Glos.

    Da denk ich doch an das berühmte Hobellied von
    Ferdinand Raimund in seinem Zaubermärchen »Der Verschwender«, 1834

    „Da streiten sich die Leut herum
    Oft um den Wert des Glücks,
    Der eine heißt den andern dumm,
    Am End‘ weiß keiner nix.
    Da ist der allerarmste Mann
    Dem andern viel zu reich:
    Das Schicksal setzt den Hobel an
    Und hobelt alles Gleich! “

    Nur das es eben nicht das Schicksal ist das Journalisten und Arbeiter gleich macht sondern der neoliberale Klassenfeind aus dem Großkapital. Der von dem viele viele Journalisten glaubten er wäre ihr Freund, nur weil er sie gerade mal nicht schlug und nicht in Ketten legte, weil sie sein Loblied sangen.

    Aber dieses hemmungslose neoliberale Tier kennt keinen Freund, nur Feinde und in seiner hemmungslosen Gier frisst es alles. Nur Maul und Arsch.

    Willkommen in der Wirklichkeit.

  13. 13
    Irmgard says:

    Ich finde, das Niveau des Journalismus ist an manchen Stellen stark gesunken. Dass Journalisten einfach fertige Artikel oder Daten aus dem Internet übernehmen, ist eigentlich eine Schande. Letztens habe ich erst in einem privaten Handarbeitsblog gelesen, dass eine regionale Zeitung einfach einen Beitrag von ihr unter deren Namen gebracht hatte. Nach Anschreiben der Zeitung wurde es ohne Kommentar gelöscht. Entschuldigung durch die Zeitung? — Fehlanzeige!
    Warum auch? — Es sind ja nur „einfache“ Blogger.
    Dieser Artikel zeigt zwar eine ganz andere Dimension, ist aber im Prinzip das selbe. Guter Journalismus mit gründlicher Recherche wird aufgegeben zu Gunsten schnell zusammengeschusterter Artikel und Beiträge.

  14. 14
    Nobilitatis says:

    #12:
    Hier geht es nicht um Neoliberalismus, sondern dass nicht das draufsteht was drin ist.

  15. 15
    Nordtroll says:

    Ich hatte mich bei der Aussage auf die „Projekt​-Deutschlandreise​.de“ Seite bezogen. Da steht im Impressum wie Du selbst angemerkt hast „Intel GmbH“, auf jeder Seite stehen unten die Logos aller Sponsoren/Partner mit Link und unter (Hauptseite) bzw. über dem jeweiligen Thema (Themenseiten) steht deutlich „Partner: BrainLAB“ oder „Partner: Leibniz-Rechenzentrum“. Das würde ich daher nicht als versteckte PR werten.

    Wie sich Welt Online diese Inhalte „einverleibt“ hat und außer auf dem deutlich auf dem Bully platzierten Intel Logo kein Hinweis auf den Auftraggeber auftaucht ist natürlich kein korrektes Verhalten. Ähnliches hatte ja kürzlich auch n-tv mit Inhalten von EnBW (oder war es E.On) zum Thema Umwelt und Energie gemacht.

  16. 16
    ruhrpottjunge says:

    @Nordtroll

    Die Aufbereitung der Inhalte auf „Projekt​-Deutschlandreise​.de“ ist aber nicht das Thema.

    Das Thema ist einzig und allein die Weiterver„wert„ung durch WELT​.DE. Ein im Beitrag auf einem Fahrzeug platziertes Logo nicht als Schleichwerbung, sondern als Hinweis auf den Auftraggeber zu werten: So weit bin ich selbst in der heutigen Medienlandschaft noch nicht herabgestiegen.

  17. 17
    Jochen Hoff says:

    #14 Nobilitatis

    Nein es geht nicht um Neoliberalismus, es geht nur darum das nicht drin ist was drauf steht.

    Draußen drauf steht politische Berichterstattung und innen drin war und ist neoliberale Propaganda.

    Werbung für Intel schadet dem Land sicher weniger als die Werbung für das neoliberale Arschlochdochdenken.

    Aber das Problem löst sich ja gerade. In Zukunft kommt der Content direkt aus China. Und das mit dem Journalismus hier hat sich erledigt.

  18. 18
    CIO-Blogger says:

    TRACKBACK: Vor etwas mehr als zwei Monaten habe ich über das „Projekt Deutschlandreise“ berichtet, ein rollendes Event-Blog des Chipherstellers Intel. …
    Das ist eigentlich durchaus ein gelungenes Beispiel für Corporate Blogging — mit offenem Visier und recht kurzweilig. Da man den Absender kennt, wundert einen die Auswahl der besuchten Firmen und die immer mal wieder auftauchende Werbung für Intel nicht. Doch nun erscheint das Projekt plötzlich auf der Website WELT ONLINE des gleichnamigen Springer-Blattes auf. .…Der Medienjournalist Stefan Niggemeier, dem die Undercover-Aktion aufgefallen ist, wartet auf jeden Fall noch auf eine Antwort aus dem Hause Springer.

  19. 19
    Stefan says:

    @Nordtroll: Die eigene Projektseite von Intel finde ich völlig in Ordnung. Das ist nicht nur eine legitime, sondern gelungene Form von PR.

  20. 20
    Thomas says:

    Das ist wirklich ein kurioser Fall. Insbesondere auch die Tatsache, dass man einfach einen Autorennamen dazu schreibt. Da stellen sich mir Fragen wie „Wissen die Leute nicht, dass sie etwas falsch machen?“ und falls sie es wissen „Schämen die sich nicht?“. Völlig unverständlich.

  21. 21
    SvenR says:

    @ Sebastian #9:

    D’accord. Ich meinte bloß, dass man nun einen weiteren Grund hat, nicht die Welt zu lesen. Warum ich das nicht gleich geschrieben habe, weiß ich allerdings auch nicht :-)

  22. 22
    Stefan says:

    Ich habe jetzt eine Stellungnahme von Axel Springer bekommen (siehe Nachtrag oben).

  23. 23
    Thomas says:

    Heißt der stellungnehmende Sprecher zufällig „Rainer Hohn“ ;)

  24. 24
    angeber.in says:

    nein, ich sehe das beim aufrufen der beiden links oben.

    Wir haben das hier ehemals veröffentlichte Video von der Website genommen, weil es einen Grenzfall zwischen Werbung und Redaktionellem darstellte und wir den Anschein vermeiden wollen, dass es gegen unsere journalistischen Leitlinien verstoßen könnte. Wir bitten um Verständnis.

  25. 25
    Stephan says:

    Große journalistische Leistungen vollbringt heute auch web​.de. Da wird eine Bild Meldung ungeprüft übernommen (über angebliche Drogengeschichten einer „Germanys Next Topmodel“ Kandiatin) und um heile aus der Nummer raus zu kommen, falls sich die Nummer als Ente erweist schreibt man einfach:

    „Bleibt abzuwarten, ob hinter der Geschichte die Wahrheit steckt oder der Ruf eines jungen Mädchens Auflage und Quoten geopfert wurde.“

    als letzten Satz… Das man mit der Übernahme der Meldung selbst zu dieser möglichen „Opferung“ des Rufs beiträgt scheint entweder gewollt zu sein oder wird schlichtweg übersehen…

  26. 26
    Dr. Dirk Meyer-Bosse says:

    Lieber Herr Niggemeier,

    wir sehen das Intel-Video als Grenzfall. Um auch nur den Anschein zu vermeiden, dass bei uns Werbung und Redaktionelles vermischt werden könnten, haben wir das Video von der Website genommen. Denn wie Sie wissen: Die Einhaltung unserer journalistischen Leitlinien sind unser oberstes Gebot.

    Viele Grüße

    Dr. Dirk Meyer-Bosse
    Axel Springer AG
    Information und Öffentlichkeitsarbeit

  27. 27
    Gregor Keuschnig says:

    Mensch, Herr Niggemeier, wenn Sie schon gewusst haben, dass die Einhaltung der eigenen journalistischen Leitlinien oberstes Gebot im Hause Springer sind (#26), warum haben Sie uns das nicht vorher gesagt?

    Gibt’s diese Leitlinien eigentlich als PDF-Download?

  28. 28
    Thomas says:

    „Gibt’s diese Leitlinien eigentlich als PDF-Download?“

    Falls sie wesentlich von den Leitlinien etwa des Presserates oder dem Netzwerk-Recherche abweichen, wäre das praktisch, ja.

  29. 30
    Gregor Keuschnig says:

    @30/Stefan
    Donnerwetter — das nenne ich Service! Danke.

  30. 31
    Clarissa says:

    @Gregor Keuschnig

    Und hier noch mal auszugsweise im Welt.de-Layout.

  31. 32
    Gregor Keuschnig says:

    @32/Clarissa
    Danke. Nach einigem Suchen habe ich den Text zwischen der ganzen Werbung dann gefunden.

  32. 33
    moschus says:

    Das verrät einiges, dass selbst in einer so erfrischend direkten, schnellen, mutigen Art von Herrn Dr. Dirk Meyer-Bosse, noch von einem Grenzfall die Rede ist.

    Das kann ja intern so gehandhabt werden, aber jeder potentielle Kunde, muss doch enttäucht sein von der Aussage? Oder bin ich zu idealistisch?

  33. 34
    Sonya T. says:

    Tja, so sind sie, die Welt’ler.…

  34. 35
    Sonya T. says:

    Im Übrigen frage ich mich gerade, was ich davon halte, dass sich „alle“, die Stefan erwischt, in den Kommentaren so bilderbuchreif äußern.

  35. 36
    Peter Viehrig says:

    @36/Sonya T.

    Vorschlag: Etwas positives. Zum Beispiel den Willen zur Besserung. Mit anderen Worten: Wirkung. Das wäre doch was! Wobei, zumindest im Kontext zu Springer fällt das sicher äußerst schwer, ich geb ‚s ja zu.

  36. 37
    holstenbewohner says:

    Hut ab Stefan! Gut recherchiert. Grundsätzlich sehe ich aber bei der Sache kein Problem, wenn die Redaktion eine kalre Kennzeichnung von Werbung macht. Warum zieren Sie sich nur so? Es wird höchste Zeit, dass der Codex der Blogger auch bei den Unternehmen und Medienunternehmen ankommen und eingehalten werden. Die aktuelle Diskussion in UK zur Kennzeichnungspflicht wird so wohl auch bald zu uns rüberschwappen.

  37. 38
    Nobilitatis says:

    #38:
    Äh, Pressekodex?

  38. 39
    Beobachter says:

    @26:
    „Die Einhaltung […] sind unser oberstes Gebot.“

    … waere halt schoen gewesen, wenn man in der Abteilung Information und Oeffentlichkeitsarbeit der Axel Springer AG zumindest die deutsche Sprache beherrscht.

  39. 40
    Daniel says:

    Dieser Beitrag fehlte mir noch für meine Entscheidung, ob ich die Welt weiterhin in meine News-Suche einbeziehe. Danke!

  40. 41
    Zaeppelin says:

    Nur als kleine Ergänzung, wie man Leser hübsch darüber täuscht, ob es sich um redaktionelle Inhalte handelt oder Werbung: Auf der Homepage des Kölner Stadtanzeigers (http://​www​.ksta​.de) findet sich in der Marginalspalte rechts unten ein Block namens „Ksta-Extra“.

    Zweispaltig werden dort nach gleichem Schema jemeils mit einem Icon diverse „Themengebiete“ angeteasert, z.B.„Schulen in Köln“, „Ausbildung und Beruf“ oder die „Rätsel- und Spiele-Ecke“. Alle verlinken zu Seiten, welche im Header als „Sonderveröffentlichung“ gekennzeichnet sind und tatsächlich redaktionellen inhalt bieten.

    Neben diesen „Themengebieten“ findet sich jedoch auch „Rechtsanwälte und Kanzleien“ oder „Holland — Urlaub in Sicht“ — dahinter verbergen sich Seiten im gleichen Layout wie oben. Seiten, die dann als „Anzeigen-Sonderveröffentlichung“ gekennzeichnet sind und Werbung bzw. Texte mit mehr oder minder starkem „PR-Charakter“ aufweisen.

    Das heißt, gleich aussehende Links führen in gleichem Kontext zu gleichaussehenden Seiten, leider nur nicht absehbar ob zu Sponsor-Seite oder „echten redaktionellen beiträgen“ — PR und Redaktion verschmelzen nahtlos, die Trennung wird unsichtbar gemacht.

    Im übrigen hätte ich nichts dagegen, wenn der gesamte Block „Ksta-Extras“ nur zu PR-Seiten führen würde — nur die Tarnung von Werbeinhalten durch Beigesellung redaktioneller Inhalte halte ich für zumindest anrüchig.

  41. 42
    Frank says:

    Das Fatale an der Sache ist, daß heutzutage die PR bereits so journalistisch daherkommt und zugleich die redaktionellen Beiträge derart häufig einen deutlichen PR-Geschmack haben, daß die Unterscheidung ohnehin nicht mehr zeitgemäß erscheint.
    Ich könnte mich vielleicht über diese fehlende Trennung von Redaktion und Werbung aufregen, wenn in den Zeitungen ansonsten noch vernünftige Berichterstattung betrieben würde. Da das aber kaum mehr der Fall ist bei gar zu vielen Medien, schenke ich mir die Aufregung, da sie eh bedeutungslos wäre.

  42. 43
    Dr. Dean says:

    Der „Grenzfall“ ist es, wenn man ertappt wurde. Aha.

  43. 44
    senfkugel says:

    Bei Niggemeier ist das anders: Da gibts keine Inhalte, die auch nur einen Pfifferling wert sind und folglich auch keine Werbung und deshalb auch keine Probleme mit der Trennung von redaktionellen Inhalt und bezahlten Anzeigen. Eher gibts Probleme mit der Mülltrennung: Was von dem Beschreibe eines grössenwahnsinnigen Vorstadtneurotikers ist organischer Abfall und was davon ist Giftmüll?
    Stefan, richte dafür doch mal eigene Kategorien ein. Bist doch sonst so umweltbewusst.

  44. 45
    Dr. Dean says:

    Plonk!

    Ist es möglich, dass „senfkugel“ ein klassischer Troll ist, dümmlich, von Hass zerfressen und mit seinen „Kommentaren“ so weit fernab jeglichen sinnvollen Gedankens, dass man ihm ihm eher das endgültige Abfaulen seiner Hände wünschen mag als einen erneuten Kommentar?

  45. 46
    Olly says:

    Scheiße am Kommentatorenrand,
    wird als Senfkugel anerkannt…

    (ja, ja, wenn auf einem Schild steht: „Nicht die Trolle füttern“, dann füttert man die Trolle besser nicht…)

  46. 47
    Micha says:

    Wenn Senf sich kugelt und hässlich stinkt,
    man ihn besser zur Entsorgung bringt…

  47. 48
    Die WELT ist nicht genug says:

    Hallo, der gleiche Beitrag findet sich auch bei der FTD online, nach demselben Muster.
    http://www.ftd.de/technik/medien_internet/:Mit%20Bulli%20Mittelstandslabor/355968.html

  48. 49
    Nobilitatis says:

    Sollte man Beleidigungen im Sinne des Presserechts nicht einfach löschen?

  49. 50
    Peter Viehrig says:

    @50/Nobilitatis

    In diesem speziellen Fall hat es der Betroffene doch selbst in der Hand, zu entscheiden, ob das beleidigend ist oder nicht, und wie er sich dazu verhält. Wir anderen nehmen es als das, was es augenscheinlich ist, ein verzweifelter Hilfeschrei aus der Leere.

    Stehenlassen dokumentiert hier Gelassenheit, das gefällt mir.

  50. 51
    Nobilitatis says:

    Nun, hier gingen die Beleidigungen aber in beide Richtungen.

  51. 52
    Simme says:

    Naja, da Senfkugel aber offensichtlich kein realer Name ist und hier nur der Name verspöttelt wurde ist das ok. Jetzt mal kein Trollverteidigung hier ;-)

  52. 53
    Olly says:

    @50/52: Man muss aber auch aufpassen hier… Na ja, ich denke, er konnt´s verschmerzen… War aber zugegeben suboptimal

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