Panorama

18 Mai 08
18. Mai 2008

Wenn sie schlau sind, die Lobbyisten der Verlage und Privatsender, stellen sie ihre eigene PR-Arbeit im Kampf für Beschränkungen öffentlich-rechtlicher Aktivitäten im Internet ein und überlassen sie vollständig den Fernsehmachern der ARD.

Nachdem Thomas Leif, der Chefreporter des Südwestrundfunks, vor zwei Wochen eine große, nein: lange Dokumentation zum Thema gemacht hat, die man wohlwollend als kontraproduktiv bezeichnen kann, übernahmen jetzt die Kollegen vom NDR-Magazin „Panorama“. Es ging eigentlich um die Frage, wie lange und unter welchen Bedingungen ARD und ZDF in Zukunft ihre Filme im Internet zeigen dürfen. Aber man kann es den Zuschauern nicht übel nehmen, die im Forum zur Sendung hinterher davon sprachen, das, was Verleger und Politik vorhätten, sei ja eine Art „Bücherverbrennung“. Tatsächlich taten die Autoren Britta von der Heide und Dietmar Schiffermüller immer wieder so, als gehe es nicht um Ausstrahlungsrechte, sondern die Vernichtung von Material: „Käme das neue Rundfunkgesetz, müssten diese Szenen im Extremfall gelöscht werden.“ Oder: „Dieser ‚Panorama‘-Klassiker müsste nach dem neuen Gesetz, wenn es in aller Schärfe umgesetzt würde, wohl gelöscht werden.“

Ungefähr jeder Satz war irreführend. Moderatorin Anja Reschke prahlte von den „echten Schätzen“, den „Zeitdokumenten“ und „Klassikern“, die sich im „Panorama“-Online-Archiv finden ließen: „wir senden seit 47 Jahren!“ – dabei ist das älteste Online-Dokument von 1996.

Ähnlich erschreckend wie die Bereitschaft zur Manipulation war die Wahl der Mittel: Grobschlächtig wie eine „Aktuelle Kamera“ pries „Panorama“ sich endlos selbst für seine wunderbare, unvergleichliche, unersetzliche Panoramahaftigkeit im selbstlosen Einsatz für das Lebensglück der Zuschauer. In einem von drei Ausschnitten aus älteren Sendungen war Helmut Kohl zu sehen, wie er zu einem Reporter sagt: „‚Panorama‘? Das hat doch mit Journalismus nichts zu tun.“ Es ist an dieser Stelle nicht ganz leicht, ihm zu widersprechen.

ARD und ZDF haben gute Argumente gegen viele Forderungen ihrer privaten Konkurrenz; Forderungen, die nur kommerziellen Interesse dienen und nicht der Allgemeinheit. Vielleicht ist die beschämendste Erkenntnis aus der ARD-Propaganda die: Dass die Verantwortlichen offenkundig nicht an die Kraft der Argumente und den Wert des seriösen Journalismus glauben, deren Garant sie sein sollen und als deren Aushängeschilder sich gerade Thomas Leif und die Leute von „Panorama“ gerne profilieren. Es ist – gerade für diejenigen, die sich starke Öffentlich-Rechtliche auch im Internet wünschen – zum Heulen.

Wenn sie schlau sind, die Lobbyisten der Verlage und Privatsender, sorgen sie dafür, dass zumindest dieser „Panorama“-Beitrag für alle Zeiten im Internet zu finden sein wird.

(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

33 Gedanken
  1. 1
    Twipsy says:

    Im Gegensatz zum „Quotenklicks“-Forum geht es im „Panorama“-Forum etwas grobschlächtiger zu. Man kann es wohl so zusammenfassen: Es gibt 1. die Verschwörungstheoretiker, die Panorama alles glauben und hinter den bösen Verlegern die bösen Politiker sehen, die dem Volk das Denken abgewöhnen wollen, 2. diejenigen die auf die ÖR schimpfen und Gebührenverschwendung wittern, 3. die versuchen, das ganze etwas runterzukochen und 4. (=1.) die 2.-3. vorwerfen, von den Verlegern gekauft worden zu sein.
    Wie sollte man eigentlich diesen Abschnitt des RSV-Entwurfes verstehen: „[Der Auftrag…umfasst…das Angebot von…] Archiven mit zeit- und kulturgeschichtlichen Inhalten unentgeltlich (gegen angemessenen Kostenbeitrag) nach Maßgabe der …Telemedienkonzepte; im übrigen als kommerzielle Tätigkeit.“? Ist das nicht der Ausweg für den Erhalt des Panorama-Archivs? Wichtige Panorama-Sendungen weiterhin im Netz, „Sturm der Liebe“ etc. dagegen nur 7 Tage??

  2. 2
    Gregor Keuschnig says:

    Es ist ja nicht so, dass die anderen Beiträge dieses einstmals so grossen Magazins „Panorama“ wesentlich anders gemacht wären. Aber ich schweife ab.

    Bedauerlich ist nicht nur, dass man Argumente durch plumpe Agitation ersetzt, sondern das mangelnde Vertrauen der öffentlich-rechtlichen Programmacher in die Souveränität und Meinungsbildungskraft der Zuschauer.

    (Schöner Artikel!)

  3. 3
    theo says:

    Die finsteren Großverleger wollen in ihrere teuflischen Profitgier diesen süßen Hund verhungern lassen!
    Wollen Sie diesen süßen Hund verhungern lassen?

  4. 4
    Jeeves says:

    Ja, auch ich war mal Panorama-Bewunderer. Die waren ja auch mal richtig gut.
    Vielleicht sollte man zur Erinnerung was möglich & notwendig ist, den Herrschaften dort Stephen Frys wunderbare BBC-Rede zukommen lassen.

  5. 5
    Nobilitatis says:

    Hm. Immerhin geht es um eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung.
    Schon traurig, dass man seine legitimen Anliegen in dieser Art und Weise vertreten will. Ist ein bißchen die Golf-Kriegs-Strategie der Amerikaner – entweder für uns oder gegen uns. Und zwar egal wie.

  6. 6
    Torsten says:

    IMHO hat Panorama schon vor Jahren den Weg vom Polit- zum Boulevardmagazin beschritten. Selbst die engagierte NPD-Berichterstattung besteht meist aus bekannten Tatsachen und einem NDR-Mikrofon, dass einem rechtsradikalen abgeordneten hinterhergetragen wird.

  7. 7
    knehcS rehtnuG says:

    Hallo Stefan,

    ausnahmsweise muss ich Dir mal widersprechen. Der Film von Thomas Leif war zwar an Einseitigkeit kaum zu überbieten (ich würde sogar von Faktenverdrehung sprechen); aber dieser Panorama-Beitrag ist doch ziemlich sachlich, wie ich finde. Natürlich wird die eigene Arbeit positiv hervorgehoben – Panorama hat natürlich schon so manchen Bock gebaut; aber es wird die Sachlage klar benannt, der Gegner darf seine Ansicht vorbringen (ohne, wie bei Leif, lediglich zum Stichwortgeber des Filmemachers geschnitten zu werden), und auch der Umstand, dass es möglicherweise eine Sonderregelung für journalistische Formate geben wird, kommt zur Sprache.

    An diesem Beitrag habe ich, anders als an so manchem anderen ARD-Beitrag dieser Tage zu diesem Thema, absolut nichts auszusetzen.

    Schreibe doch lieber mal eine Analyse über die „Unsauberkeiten“ im Thomas-Leif-Film; auf Anfrage gebe ich Dir gerne ein Dutzend Aspekte, die mir dort aufgefallen sind. Allerdings bräuchte der fertige Artikel dann wahrscheinlich eine eigenes Buch in der FAS.

  8. 8
    Gregor Keuschnig says:

    @7/knehcS rehtnuG
    An diesem Beitrag habe ich, anders als an so manchem anderen ARD-Beitrag dieser Tage zu diesem Thema, absolut nichts auszusetzen.
    Niggemeier erwähnt es bereits: In der Anmoderation wird auf die 47jährige Tradition von „Panorama“ verwiesen und suggeriert, alle Beiträge von 47 Jahren, diese „Schätze“ seien online abrufbar. Das stimmt aber mindestens im Moment (und auf meinem Rechner und mit meinen Möglichkeiten) nicht. Das Archiv geht nur bis 1996.

    Nichts auszusetzen? Naja.

  9. 9
    Twipsy says:

    @7/8 Und wenn die Beiträge abrufbar wären, dann in der ARD-Mediathek, d.h. sie wären es faktisch nicht….
    @7 letzter Absatz: Ich hab läuten hören, in der neuen Folge Fernsehkritik.tv wird genau das geschehen…

  10. 10
    Stefan says:

    @Gunther S: Nichts auszusetzen? Auch nicht, wie „Panorama“ den Eindruck erweckt, es müssten Beiträge „gelöscht“, vernichtet werden? Auch nicht, wie „Panorama“ den Eindruck erweckt, die ganze Seite panorama.de könnte bald verschwinden? Auch nicht, wie „Panorama“ den Eindruck erweckt, der Drei-Stufen-Test sei eine quasi unüberwindliche Hürde? Und wo genau kommt in dem Beitrag „auch der Umstand, dass es möglicherweise eine Sonderregelung für journalistische Formate geben wird“, zur Sprache?

    @Twipsy: Die Beiträge sind nicht nur in der ARD-Mediathek, sondern auch bei panorama.de

  11. 11
    Bastian Dietz says:

    ich kann ard/zdf/BR eigentlich ganz gut leiden, hab aber leider den Panorama-Beitrag nicht gesehen… So wie ich den angedachten Gesetzesentwurf verstanden habe, geht es aber doch tatsächlich darum, dass im Internet von ö-r TV/Radio nur noch eine Woche rückwirkend Infos online stehen sollen und der Rest der Inhalte sehr streng (u.a. auf Notwendigkeit) überprüft werden soll. Oder sehe ich das falsch???

  12. 12
    Stefan says:

    Den Panorama-Beitrag kann man sich hier ansehen: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2008/panoramaonline2.html

    (Link auch oben im Artikel)

  13. 14
    Alexander says:

    @Stefan/10: Was die Kritik am Wort „löschen“ geht, bin ich bin offenbar begriffsstutzig. Wenn Du Deine FAS-Texte hier nur jeweils sieben Tage anbieten dürfest, dann würde ich sagen: Du musst die Texte nach sieben Tagen löschen. Und dass es bei Panorama um Videos im Internet und nicht um die physische Vernichtung von Bändern geht, ist doch wohl sonnenklar, so oft wie das schon am Anfang erklärt wird („mit unserem Online-Filmarchiv“, „es ist Ihr Online-Filmarchiv“, „es geht darin vor allem um die Zukunft des Internets„, „die öffentlich-rechtlichen Filme im Internet sollen weitgehend gelöscht werden“ und so weiter).

  14. 15
    Stefan says:

    @Alexander: Du würdest wirklich sagen, ich muss die Texte „löschen“? Du würdest nicht sagen, ich muss sie „entfernen“? Das finde ich nicht nur das treffendere Wort, sondern auch das viel naheliegendere.

    „Panorama“ spricht konkret von einer „Löschtrommel“! Ist das irgendwie eine angemessene Metapher? Insbesondere, da „Panorama“ noch nicht annähernd so viele Filme ins Internet gestellt hat, wie sie suggerieren? Für die meisten Filme gilt doch wohl: Die Verleger wollen verhindern, dass „Panorama“ sie überhaupt erst ins Internet stellt. Wie kommt man da aufs „löschen“?

    Lies Dir die Diskussion im Forum zur Sendung durch. Keine Frage: Nicht jedes Missverständnis kann man den Machern anlasten. Aber dass sich da jemand an eine Bücherverbrennung erinnert fühlt, ist meiner Meinung nach unmittelbare Folge der „Panorama“-Rhetorik.

    Die Überschrift des Artikels bei panorama.de lautet übrigens: „Online-Filmarchive der ARD sollen gelöscht werden“. Das ist doppelt irreführend, weil es auch noch den Eindruck erweckt, es gehe um die Archive als ganzes.

    Warum kann die ARD nicht journalistisch sauber, rhetorisch angemessen, faktisch korrekt in eigener Sache berichten? Warum nicht? Warum fallen sie Leuten wie mir, die bereit sind, jederzeit eine Lanze zu brechen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in diesem Maß in den Rücken? Warum können Sie nicht beweisen, warum man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk braucht, indem sie gerade in eigener Sache, wenn sie wissen, dass alle kritisch daruaf schauen, vorbildlich berichten? Das wird ihre Gegner nicht davon abbringen, sie trotzdem zu attackieren. Aber es wird ihren Freunden und Verteidigern helfen.

    Und wir reden hier nicht von „Brisant“ oder dem Morgenmagazin, sondern von einem (nach eigenem Selbstverständnis) journalistischen Aushängeschild der ARD. Die Beteiligten sitzen alle nächsten Monat auf Podien und verfassen Resolutionen, in denen sie den kritischen Journalismus, die fundierte Recherche, die Unabhängigkeit von ARD und ZDF wortreich und wohlfeil verteidigen.

    Entschuldigung, das empört mich wirklich.

  15. 16
    Twipsy says:

    Was mal Not tut ist ein „Hart aber fair“ mit Vertretern der ÖR, der Verleger und noch dem Stefan oder anderen neutralen Experten, damit mal alle Seiten zu Wort kommen. Irgendwie glaube ich aber nicht dass das zustande kommt.

  16. 17
    knehcS rehtnuG says:

    So, dann will ich (noch)mal. Obwohl ich mich in der Rolle der Verteidiger der Sendergewaltigen nicht wirklich wohlfühle. Ich habe mir den Beitrag nochmal mit der Lupe angesehen; einen halben Kritikpunkt kann ich jetzt einräumen, mehr nicht.

    Panorama gibt es seit 1961, die Beiträge sind aber erst ab 1996 online. Diesen Umstand hätte man klar zwar ausformulieren können; die Behauptung, alle Filme seit 1961 wären online wird aber nicht aufgestellt. (Die Aussage „dabei kann man da echte Schätze finden, Panorama ist schließlich das älteste Politmagazin“ ist schon kritisch, aber nur deswegen, weil auch die jüngeren ARD-Politmagaine schon 1996 bestanden, und daher der kausale Zusammenhang nicht gegeben ist, auch beide Satzteile für sich genommen korrekt sind. Der Satz „Da sind einige Beiträge zusammengekommen.“ bezieht sich m.E. auf „Wir senden seit 47 Jahren.“)

    Der Beitrag befasst sich mit dem Panorama-Internetangebot. Die Aussage, die Beiträge bzw. das Archiv müssten i.F.d.F. gelöscht werden, bezieht sich daher m.E. klar auf die Kopien dieser Beiträge im Internet, also auf den NDR-Servern. Niemand verlangt von der ARD, mit einem Riesenmagneten durch die Sendearchive zu ziehen, aber diese Behauptung stellt der inkriminierte Beitrag gar nicht auf.

    Dass ausnahmslos alle Beiträge nach sieben Tagen online verschwinden sollen, wird nur für den „Extremfall“, „wenn das Gesetz in aller Schärfe umgesetzt“ werden sollte, angekündigt. Deine Behauptung, dass Panorama die Möglichkeit, journalistische Beiträge online zu lassen, hinter einer „quasi unüberwindbare Hürde“ in Form des
    Drei-Stufen-Test sieht, wird durch den Beitrag m.E. nicht gedeckt.

    Die Schlussbemerkung ist pointiert, aber das sind sie bei diesem Genre doch ziemlich oft – nicht nur bei Panorama und nicht nur bei der ARD. Und als solche sollte man sie verstehen. Und falls Hintergrundtexte und Videos im großen Stil aus dem Angebot genommen werden müssten, würde panorama.de nur noch ein Rumpfangebot sein. Genau dies ist die Aussage des Films. Wenn man daher „panorama.de“ als Bezeichnung für das inhaltliche Angebot, nicht bloß als Domain auffasst, so ist die Aussage von Frau Reschke durchaus zulässig. Abgehobene Polemik ist etwas anderes.

    Ich bin auch enttäuscht, dass die ARD in ihrer Gesamtheit es nicht schafft, in eigener Sache neutral zu berichten; sucht man aber nach den Schuldigen dafür, so gibt es weit bessere Ziele der Kritik als die Macher dieses Beitrags – vorzugsweise beim SWR, und dort längst nicht nur in Form des Chefreporters.

    Soweit meine Meinung, die vielleicht aber auch dadurch geprägt ist, dass ich SWR-abgehärtet bin und nicht rbb-verwöhnt.

  17. 18
    critter says:

    Kann man den Entwurf zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag eigentlich irgendwo ansehen? Und wenn mir jemand nen Link zum EU-Urteil und Bundesverfassungsgerichtsurteil von 2007, quasi in der Sache, geben kann, wäre ich auch dankbar.
    Schreibe meine Diplomarbeit über das Thema (bin von „Blogs und so“ umgeschwenkt) und dachte, ich beginne mal mit Recherche 2.0. Hab ich hier gelernt. ^^

    Wäre es eigentlich SEHR verwerflich, Zitate aus „Quoten, Klicks und Kohle“ zu übernehmen??

  18. 19
    Peter Viehrig says:

    @19/critter

    Das sollte der entsprechende Link sein. Oder war ein anderes Urteil gemeint?

    http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20070911_1bvr227005.html

    Wieso sollte die Übernahme von Zitaten verwerflich sein??? Bei Quellenangabe gibt es da kein Problem. Oder war das moralisch gemeint? Bei einer Diplomarbeit sollte man natürlich die Quelle und das Zitat einordnen. Aber das ist doch ohnehin klar, oder?

  19. 20
    arahf says:

    „Die Verleger wollen verhindern, dass „Panorama” sie überhaupt erst ins Internet stellt“

    ich finde darum sollte sich die Diskussion viel mehr drehen anstatt darum ob löschen jetzt entfernen oder vernichten bedeutet. Wen interessiert solche korinthenkackerei? viel schlimmer wäre doch wenn die Verleger es wirklich durchbringen würden dass solche durch Gebühren bezahlten Beiträge nicht lange im Netz stehen dürften.

  20. 21
    Bastian Dietz says:

    Ich sitze hier in München und bin ein großer Fan des Staats- äh… Bayerischen Rundfunks. Die machen zur Zeit im Fernsehen, aber auch im Radio erstklassige Arbeit.

    Die zwei Dinge muss man bei der Diskussion auch getrennt betrachten: Fernsehen bietet gerade mit V-Podcasts einen richtigen Mehrwert z.B. bei Verbraucherfragen (WISO) und auch Sendungen machen im Netz immer mehr Sinn (da meine Frau im Ausland arbeitet, für sie wirklich wichtig). Das alles ist guter Service.

    So richtig wichtig wird es aber beim Radio. Das entwickelt sich immer mehr zu einer Cross-Media-Geschichte mit Internet-Angeboten, (V-)Podcasts uvm. Die Frage was online steht und wie lange ist für das Medium von existentieller Bedeutung. Gerade junge Hörer interessieren sich doch für Inhalte und nicht für eine abstrakte Einstufung eines Senders als öffentlich-rechtlich oder privat.

    Öffentlich-rechtliches Radio – zumindest weiß ich das vom BR – hat keine 10.000-Euro-Gewinnspiele um Hörer zu fangen. Das macht die private Konkurrenz. Wenn jetzt auch noch an der Qualität der Inhalte geschraubt wird – und dazu gehört Online-Service – ist dem Kleiner-Nils-Spaßanrufer-Gewinnspiel-Düdeldüdel-Kommerz Tür und Tor geöffnet.

  21. 23
    Twipsy says:

    Und hier der Brief der EU-Kommission, der der eigentliche Grund für das ganze Theater ist: http://ec.europa.eu/community_law/state_aids/comp-2005/e003-05.pdf
    Natürlich hab ich das erfahren über diese Seite hier http://www.stefan-niggemeier.de/blog/bowling-for-tagesschau/
    wobei das Video aus heutiger Sicht geradezu prophetisch war. Den Entwurf zum RSV findet man ausgerechnet auf http://www.quotenklicks.de unter Hintergrund. Ob die 3 Seiten alles sind, kann ich nicht behaupten, aber es ist der wohl entscheidende Passus.

  22. 24
    critter says:

    @20: Den meinte ich, danke.

    @24: Ebenso. Die Materialien kann ich gut gebrauchen. Auf welche Punkte es genau ankommt, weiß ich aus der DJV-Stellungnahme, aber man hat sie ja gerne auch mal vor sich liegen, die Punkte. Scheinen mir die wichtigsten zu sein.

  23. 25
    Gregor Keuschnig says:

    @18/knehcS rehtnuG
    Die Schlussbemerkung ist pointiert, aber das sind sie bei diesem Genre doch ziemlich oft – nicht nur bei Panorama und nicht nur bei der ARD.
    Schon klar. Aber könnte nicht gerade eine Differenz ö-r Nachrichtenmagazine darin bestehen, nicht jedes billige Pointenaufblasen anderer nur nachzuäffen?

    Ich kann Stefan Niggemeiers Empörung ob dieses hohlen Beitrages sehr gut verstehen. Der Verfall der journalistischen Kultur (leider) auch in den öffentlich-rechtlichen Medien ist an diesem Beitrag exemplarisch zu beobachten. Obwohl man vielleicht ein bisschen Befangenheit in der Sache konzidieren kann. Aber auch und gerade hier sollten bestimmte Mindeststandards nicht unterschritten werden.

  24. 26
    Alexander says:

    @Stefan: „Löschtrommel“ ist eine schlechte Metapher, weil sie a) kaum jemand versteht, b) aus der TV-Welt stammt und c) Unumkehrbarkeit signalisiert. Aber gelöscht wird eben auch am Computer — in diesem Fall werden Video-Dateien und CMS-Verweise auf diese Video-Dateien gelöscht. Dass die Original-Kassetten einer TV-Sendung weiterhin sicher im Senderarchiv liegen, ist zwar beruhigend, aber da dort kein Internetnutzer Zugriff darauf hat, auch ziemlich irrelevant.

    Grundsätzlicher: Ich kann in dieser Frage gut die Empörung verstehen, die sich in dem TV-Beitrag Bahn bricht. Es geht immerhin darum, wer in der zunehmend nicht-linearen Medienwelt Inhalte nur anbieten darf, wenn sie sich nach Zeitablauf von selbst zerstören. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass wir heute ernsthaft darüber diskutieren müssen, ob es frei zugängliche Archive von Fernsehbeiträgen geben darf! Und ein Sieben-Tage-Angebot ist doch kein Archiv mehr. Das ist ein Zwischenspeicher, ein Puffer, der sich allein am linearen Programm ausrichtet. (Hier könnte noch ein längerer Exkurs über die Bedeutung von permanent verlinkbaren Inhalten für die Entstehung der Blogosphäre stehen.)

  25. 27
    Stefan says:

    @Alexander: Über die Absurdität der Sieben-Tage-Regel sind wir uns einig. Und fassungslos über den Diskussionsverlauf bin ich auch.

    Warum vertraut die ARD nicht darauf, die Argumente auf ihrer Seite zu haben?

  26. 28
    Twipsy says:

    „Warum vertraut die ARD nicht darauf, die Argumente auf ihrer Seite zu haben?“

    Wohl weil sie sie nicht hat? Würde die ARD neutral argumentieren, müsste sie eingestehen, dass bei ihr (und dem ZDF) nicht alles so läuft wie es sollte. In all diesen Sendungen ist an keiner Stelle der Brief an die EU-Kommission erwähnt oder die Auflagen erläutert worden. Dann würde klar, dass die Änderung des RSV wettbewerbsrechtlich notwendig ist und die ÖR ja nicht die armen Kämpfer für hochqualitatives Fernsehen sind, sondern ein wettbewerbswidrig subventionierter Moloch, und das würde das System an sich in Frage stellen. Und auf die EU zu schimpfen kommt sehr billig rüber; da versucht man doch lieber alles rauszuholen was noch geht und setzt die Ministerpräsidenten unter Druck. Sehr offensichtlich, durch die Kontaktadressen auf der Panorama-Seite.

  27. 29
    Twipsy says:

    Ich meinte natürlich den Brief DER EU-Kommission. Das Panorama-Forum ist übrigens seit 17.5. tot, 2 Tage nach der Sendung. Tolle Leistung!

  28. 30
    Alexander says:

    Die Kraft der Argumente hat ja leider schon nicht gereicht, um so einen RStV-Arbeitsentwurf zu verhindern. Dazu kommt das, was in der Auseinandersetzung als die Gegenseite wahrgenommen wird: Wenn etwa ein Verleger in einem langen Interviews die Gelegenheit bekommt, die Abschaffung von tagesschau.de zu fordern und zu fantasieren, ARD und ZDF stünden vor der Übernahme privater Community-Betreiber. Gespickt mit Sätzen wie „ARD und ZDF sind relativ spät auf das Internet gekommen.“ (Zur Erinnerung: tagesschau.de ist seit 1996 im Netz, Focus Online aus dem Hause Burda seit 1996.) Ergo der Tonfall, der kratziger ist als wünschenswert.

  29. 31
    Wurznsepp says:

    Bei Panorama hat man leider schon lange kritischen, unbequemen Journalismus durch billige Polemik ersetzt. Wer’s nicht glaubt, soll sich mal eine Panoramasendung anschauen, sich aber vorher ausgiebig über das Sendethema informieren. Warum sollte es gerade bei einem Bericht in eigener Sache anders sein?

    Vielleicht bin ich ja schon im zarten Alter von 24 Jahren dabei, in den „früher war alles besser!“-Geisteszustand überzutreten, aber ich habe tatsächlich den Eindruck, in der ARD lief damals, als ich noch jung war, ab und zu mal etwas, dass mich nicht entweder gelangweilt oder geärgert hat.

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