Sarah Palin und der Down-Syndrom-Witz

Für eine Serie wie „Family Guy“, die so viel Spaß daran hat, jedermanns Gefühle zu verletzen, klingt die Handlung der Folge, die am vergangenen Sonntag in den USA Premiere hatte, geradezu aufklärerisch. Chris, der Sohn, geht mit Ellen aus, einem Mädchen aus seiner Klasse mit Down-Syndrom. Beim Date stellt sich heraus, dass Ellen eher anstrengend und anspruchsvoll ist und nicht so anhänglich, wie es dem Stereotyp entspräche, und Chris trennt sich von ihr mit den Worten: „Ich hab immer gehört, dass Leute mit Down-Syndrom anders sind als wir, aber das seid ihr nicht. Ihr seid überhaupt nicht anders. Ihr seid nur ein Haufen blöder Arschlöcher wie jeder andere.“

Ich kann oft wenig mit dem speziellen Humor von „Family Guy“ anfangen, aber das klingt nach einer schönen Comedy-Idee, eine positive Botschaft gegen Diskriminierung von Behinderten als Beschimpfung einer Behinderten zu verpacken.

Es wäre interessant zu wissen, ob Sarah Palin, deren jüngster Sohn (oder wahrscheinlicher: Enkelsohn) Down-Syndrom hat, an dieser Episode auch dann Anstoß genommen hätte, wenn die „Family Guy“-Leute nicht noch einen merkwürdigen Sarah-Palin-Witz eingebaut hätten. Auf die Frage von Chris, was ihre Eltern beruflich machen, antwortet Ellen nämlich: „Mein Vater ist Buchhalter, und meine Mutter ist die frühere Gouverneurin von Alaska.“

Palin reagierte prompt und beklagte sich erst auf Facebook (wo sie die Empörung ihrer Tochter Bristol zitierte, die ironischerweise glaubte, klarstellen zu müssen, dass Menschen mit Down-Syndrom die nettesten und liebevollsten Menschen sind, die man sich vorstellen kann) und dann im Programm ihres Fernsehsenders „Fox News“:

Nun würde es mir schwer fallen zu erklären, worin genau der Witz in dem Satz „meine Mutter ist die frühere Gouverneurin von Alaska“ besteht. Aber umgekehrt wüsste ich auch nicht, inwiefern dieser Satz ein Witz auf Kosten von Behinderten sein soll. Wenn er überhaupt auf irgendwen zielt, dann auf Palin.

Genau das meint auch Andrea Fay Friedman, die Schauspielerin, die in der „Family Guy“-Episode Ellen spricht und selbst Down-Syndrom hat. Vermittelt wurde sie an die Produzenten über Gail Williamson von der Down-Syndrom-Vereinigung von Los Angeles, die die „New York Times“ mit den Worten zitiert, dass es egal sei, ob die Folge ihrem Humor entspreche. Entscheidend sei, dass die Figur der Ellen „völlig integriert, vielseitig, dynamisch, ohne stereotype Down-Syndrom-Thematiken“ gewesen sei.

Und Andrea Fay Friedman sagt:

In meiner Familie glauben wir, dass Lachen etwas Gutes ist. Meine Eltern haben mich so dazu erzogen, einen Sinn für Humor zu haben und ein normales Leben zu leben. Meine Mutter hat mich nicht dauernd unter dem Arm mit sich herumgetragen wie ein Baguette, wie es die frühere Gouverneurin Palin mit ihrem Sohn Trig tut und nach Mitleid und Stimmen heischt.

Sarah Palin hat darauf nicht geantwortet.

57 Replies to “Sarah Palin und der Down-Syndrom-Witz”

  1. Sarah Palin nutzt halt jede Gelegenheit, sich öffentlich darzustellen. Frau Friedmans hat vernünftige Ansichten, allerdings ist ihr schottischer Akzent sehr schwer zu verstehen.

  2. Family Guy ist großartig und hat genau wie viele andere Cartoon Serien (Southpark, Simpsons) eine gewisse katharsische Funktion für die Kultur der USA die doch stark von allerlei Zwängen geprägt ist.

    Ich möchte diese „böse“ und gehässige Seite Amerikas jedenfalls nicht mehr missen, zeigt es doch, dass es neben den aalglatten und vor political correctness triefenden Kultur noch frei denkende Menschen gibt die sich dieser angepassten und inhaltsleeren Kultur nicht unterwerfen.

    Zur Sache an sich:
    Der Witz war, gemessen am Serienniveau, eher harmlos. Die nun ablaufende Debatte ist genau das, was die Serie so gerne durch den Kakao zieht und weshalb sie so erfolgreich ist.

  3. Ein paar Bemerkungen:

    Sie sagt „loaf of bread“ nicht Baguette. Darüber hinaus kommt in Family Guy nicht das spezifische Wort „Gouverneurin“ vor, sondern „govenor“, das an sich ungeschlechtlich ist bzw. eher männlich. Gerade weil der Charakter in der Folge sagt, dass ihr Vater „accountaint“ ist, passt es irgendwie nicht auf Palin, deren Mann laut WP eben nicht Steuerberate ist, sondern im Ölbusiness tätig.

    Ich denke gerade deshalb ist es an Subtilität nicht zu überbieten, bzw. war es eine mehr als offensichtliche Falle von Seth McFarlane, die er Palin gestellt hat. Sie ist voll hinein gerannt. Wieder einmal ist es Seth zu danken, dass er sich dieser Kontroversen so aussetzt,

    Apropos: Stewie ist seiner Aussage nach schwul. Ich bin ehrlich gesagt sehr darauf gespannt, wie Amerika in den nächsten Staffeln darauf reagiert, wenn es mit einem homosexuellen Baby konfrontiert wird.

  4. Sebastians Verwirrung kommt wohl daher weil es im Englischen keine weibliche Form für die Berufsbezeichnung „Gouveneur“ gibt. Genauso wie es bei SWR3 heißt „Comedian Anke Engelke als Frau Dr. 013.“

  5. Ach Stefan, Du glaubst doch nicht wirklich daran, dass Trig Palin nicht Sarahs Sohn ist? Die „Beweise“ für die „Verschwörung“ sind ungefähr auf dem Niveau von 9/11-Truthern, nur noch gehirnamputierter.

  6. Oh my. Nun sitzt der Herr Niggemeier ja von Berufs wegen ein wenig auf dem hohen Ross – durchaus zurecht – und ist sich dann nicht zu schade, ein unbestaetigtes, mittlerweile auch uraltes und ehrlich gesagt ziemlich aus Unterhosenregionen stammendes Geruecht zu verbreiten, nur weil es gegen Sarah Palin geht? Ueber diese Frau koennte man hundert Blogs mit ausschliesslich gut belegten Peinlichkeiten schreiben aber nein, lieber schreibt man das, was der eigenen Weltanschauung am besten in den Kram passt. Ist ja auch so wahrscheinlich, dass die junge Bristol (verlegen wir hypothetisch mal Trig Palins Geburtstag fuenf Monate nach hinten, das koennte man wohl faelschen ohne dass es jemand merkt) einen Monat nach der Geburt ihres am Down-Syndrom erkannten Kindes sofort wieder schwanger ist.
    Wie man mit einem Einschub ein interessantes Posting ad absurdum fuehrt….

  7. gut, Palin’s Reaktions ist im Rahmen ihrer Möglichkeiten (und in Anbetracht ihrer potentiellen Wähler) vorhersagbar und daher langweilig. Am meisten schockiert mich an dem Blogeintrag, dass unser aller Gastgeber „oft wenig mit dem speziellen Humor von „Family Guy” anfangen“ kann.

    WTF?

  8. Oft beneide ich die amerikanischen Medien um diesen ganzen Wahnsinn. Wir haben zwar Internet und das best of schwappt auch zu uns rüber, aber ich hätte gerne einmal so etwas auf lokaler Ebene. Nicht unbedingt jede Woche, aber diese dröge Hegemania, die man uns hier stattdessen liefert, hat einfach nicht genug Pfeffer. Was macht denn Gabriele Paul jetzt? Da war doch Potential!

  9. Nee, Herr Niggemeier,
    das mit der Nicht-Mutterschaft von Sarah Palin sollten Sie lieber vergessen. Eher ist Barrack Obama nicht in den USA geboren und der Mensch nie auf dem Mond gelandet.

    Eine fünfköpfige Familie mit mehreren minderjährigen Töchtern, die in dieser Zeit sehr im Rampenlicht stand, kann so ein Geheimnis nicht für sich behalten.

    Und dann die Idee, dass Bristol Palin die wahre Mutter von Trig sei:
    Die junge Dame hat nicht einmal 9 Monate später selbst ein Kind bekommen. Darüber hinaus ist ihr Ex-Freund Levi Johnston, der – unbestritten – Vater ihres Kindes Tripp Johnston ist, ja derzeit auf der Mission, Familie Palin so bösartig wie möglich Schaden zuzufügen.

    Sollen wir glauben, dass der junge Mann nichts davon mitbekommen hat, dass seine Freundin zwischendurch ein Kind bekommen hat? Oder lieber, dass er gerade dieses explosivste Detail verschweigt?

    Außerdem setzen die Verschwörungstheoretiker voraus, dass Bristol Palin im April 2008, mitten im High-Schooljahr, ein Kind bekommen hat und das so geschickt verborgen habe, dass keiner etwas mitbekam.

    Grober Unfug. Wirklich.

  10. Wer seine Kinder im Rahmen von Wahlkampfveranstaltungen ins Rampenlicht zerrt um sich selbst ein gutes Familienimage zu geben muss damit rechnen, dass diese Kinder eben ins Visier genommen werden wenn es darum geht Scherze zu machen oder auch bei negativer Berichterstattung. Das ist jedem Politiker klar und trotzdem tun sie es immer wieder. Egal ob sie Palin oder Clinton heißen (etwas was in Europa übrigens eher unüblich ist. Mir ist jetzt zumindest kein relevantes Beispiel eingefallen – Zapatero, aber da ist das von den Journalisten ausgegangen).

  11. Ich dachte es geht um die Frage, ob man Kinder mit Downsyndrom wie ein französisches Baguette für Wahlkampfzwecke mit sich rumschleppen darf (machen Politiker ja dauernd, Baguettes rumschleppen), ob man eine Schauspielerin mit Downsyndrom Witze über diese Politikerin machen lassen darf, ob man beides darf, oder ob beides unverantwortlich ist.

    Die Rolle eines Alten wird oft von alten Schauspielern gespielt, junge meist von jungen, Männer meist von Männern, und Frauen meist von Frauen – letzteres war zu Shakespeares Zeiten noch anders.

    Andererseits gibt es im phantastischen Milieu Brote die rumlaufen, Affen die sprechen können, und die meisten Mörder werden von unbescholtenen Leuten gespielt.

    Frau Palin versteht den Witz nicht, und will nicht drüber lachen, und dann Diskriminierung anzuprangern, und sich zur Humorkritikerin aufzuschwingen – das macht kein gutes Bild für mich. Hätte sie souverän drüber gelacht, so wie unsere Politiker sich zu Mainz-bleibt-Mainz setzen, und gute Miene zum bösen Spiel machen… – Humorbolzen sind das auch nicht alle.

    Am wenigsten interessieren mich die Verwandschaftsverhältnisse der Familie Palin, und ‚Family Guy‘ kenne ich auch nicht. Wenn es mit Southpark und Simpsons in einer Reihe genannt werden kann, dann will ich es auch nicht kennen lernen. Es ist müde und affirmativ. Wenn man das niveaumäßig unterbieten will, dann muß man sich ja einer zurückgebliebenen Figur wie Palin bedienen.

    Zum Karneval gab es hierzulande Tuntenwitze über Westerwelle, der sich aber gar nicht als Tunte inszeniert. Die Witze gingen also am Ziel vorbei, und zwar deswegen, weil sie sich mit dem Ziel des Spottes gar nicht nahe genug auseinandergesetzt haben.

    Sie haben nur erste Impulse bei einigen Zuhörern bedient, denen die Diskrepanz von Witz und Realität auch nicht aufgefallen ist. Homosexualität = Tunte, ein Reim auf warm, oh wie arm, Narhallamarsch!

    Das Vergehen dieser Büttenredner lag darin schlechte Witze gemacht zu haben. Es war nicht lustig, weil es hat nicht gepaßt. Ein Witz muß passen um zu zünden.
    Klischees bedienen, sich lustig machen über jemanden oder etwas, seine Schwächen – so ist Humor, das ist keine erbaulische, moralische Form der Wellness.

    Was Minderheiten oder Benachteiligte betrifft ist es heikel. Ich meine auch, daß sich Normalität zeigte, wenn man unbefangen über diese Witze machen könnte, ohne sich Sorgen machen zu müssen, daß ein Teil des Publikums das als Halali begreift, um auf eine schwache Gruppe loszugehen.

    Witze über Politiker, Ärzte, Säufer, Ehemänner, Beamte usw. sind gang und gäbe.

    Den Witz, daß die Mutter Frau Palin ist, kann ich, glaube ich erklären: Die Frage ist ja, wieso fragt das Date nicht, wie es ihr so geht, nach was persönlichem von ihr, dem Mädchen mit dem Downsyndrom. Der Junge ist sichtlich verlegen – man hat Angst, er könne in ein Fettnäpfchen tappen, und sich ungeschickt zur Frage Downsyndrom verhalten.

    Er druckst also die Frage raus, und sie antwortet damit, daß ihre Mutter Gouverneur war, sprich Frau Palin, und als man schon dachte, das Fettnäpfchen sei überwunden ist man patsch – in ein größeres getreten.

    Hier darf man aber politisch korrekt lachen (da paßt das Bild mal), weil es gegen die Polittante aus Alaska geht. Die Spannung löst sich, und die Ehre des Mädchens ist besudelt: eine Palin!

    Die echte Frau Palin (ist die eigentlich echt?) hat den Witz auch nur mit dem Bauch verstanden, und sich instinktiv gewehrt, aber der Kopf ist nicht mitgekommen. Da hat sie dann instinktiv zur Mitleidsnummer und Rächerder-Enterbten-Rolle gegriffen.

  12. Um Funny von Dannen zu zitieren:

    „Natürlich bin ich kein Rassist, ich hab vorm Kopf kein Brett,
    die meisten lesbischen schwarzen Behinderten sind alle furchtbar nett.
    Man sieht sie viel zu selten, in keiner Fernsehshow,
    nicht mal in der Lindenstraße, ich weiß nicht wieso.
    Geht dieses Lied noch weiter – die Antwort lautet Nein,
    doch auch lesbische schwarze Behinderte können ätzend sein.“

  13. Stefan W.: Ganz ehrlich, Family Guy sollte man auch nicht mit den Simpsons oder South Park in einem Atemzug nennen. Es ist fast immer um Längen schlechter.
    Ja, war schon klar dass sie uns mitteilen wollten, dass sie alle drei Serien nicht mögen. Dazu kann man höchstens „selber schuld“ sagen, zumindest was Simpsons und South Park angeht.

    Ansonsten: Der Witz war ein völlig beiläufiger kleiner Seitenhieb, auf den Palin viel zu heftig reagiert hat, auch wenn er eindeutig auf sie gerichtet war. Sie hat ihren (ja, ihren) Sohn mit unendlicher Ausdauer auf Veranstaltungen herumgeschleppt um zu demonstrieren, was für eine großartige Mutter sie ist. Die Verbindung Downsyndrom + Palin ist zwar auf den ersten Blick unsinnig, mit Erinnerung an die Wahlen dann nicht mehr so ganz.

    Ganz besonders hübsch ist diese kleine Episode, wenn man folgenden Zusammenhang kennt: Vor kurzem hat Palin den Rücktritt von Rahm Emanuel gefordert, weil er das Wort „retarded“ als Schimpfwort benutzt hat. Als Rush Limbaugh dann wenig späte Liberale als „fu**ing retards“ bezeichnete, war das plötzlich gar nicht so schlimm. Man erwartet also praktisch, dass Palin auf jede Erwähung geistiger Behinderung anspringt — solange sie damit niemandem in die Quere kommt, der konservativ ist. Das hat FG also benutzt/in Erinnerung gerufen.

  14. @Stefan W. #15: Das ist soooo 80er, sich durch das Behaupten der Nichtkenntniss versuchen positiv abzugrenzen. Sie haben doch offencihtlich Internet. Verschaffen Sie sich Kenntnis, urteilen dann und kommen noch mal wieder. Danke.

    Für mich ist nach wie vor der größte Witz der Geschichte, dass es Palin mit Ihren Kenntnissen und Fähigkeiten überhaupt geschafft hat govenor zu werden!

    Behinderte sind m.E. nach erst dann vollständig in der Gesellschaft integriert, wenn man die gleichen geschmacklosen, belanglosen, sinnfreien, niveauarmen Witze wie über Ostfriesen, Bayern, Schweizer, Bundeswehrsoldaten, Politiker, Schlagersternchen […] machen kann, ohne dass jemand überhaupt bemerkt, dass es um Behinderte gegangen ist. Das wird wohl noch eine Weile dauern. Ich bin aber aufgrund vielvälltiger positiver Eindrücke ob des Humors von Behinderten sehr optimistisch, dass es ihnen wesentlich früher geling, als besipielswsie Juden oder Muslimen.

  15. Rush Limbaugh wurde ja schon weiter oben erwähnt, die ganze Geschichte sieht nämlich vor dem „R-Word“-Skandal noch viel absurder aus. Ich habe jetzt eine Weile gesucht um die Geschichte mit Videos aus „The Daily Show“ und „Colbert Report“ zu untermauern, es kann sein dass es noch mehr gibt, aber die hier sind schon repräsentativ:

    Kommentar von Lewis Black in der Daily Show (*)

    Video vom Colbert Report (relevantes ab ca. 3:15)

    Fazit: Wenn Rush Limbaugh das r-word benutzt, dann ist das Satire und in Ordnung, wenn eine Comedyzeichentrickserie Satire benutzt, dann ist das grausam. „I’m a Republican girl in a Repulican world…“ *kopfschüttel*

    (* Wenn jemand die „heute show“ gesehen hat, speziell die Figur „Gernot Hassknecht vom irgendwas-Rundfunk“ (ab 3:40), dem sollte Lewis Black bekannt vorkommen. Tip, letzteren gibts schon länger zu sehen.)

  16. Nicht nur Fanny von Dannen, nein auch Robert Gernhardt und Joseph von Westphalen haben’s bereits vor Jahrzehnten gemacht:
    „…eine positive Botschaft gegen Diskriminierung von Behinderten als Beschimpfung einer Behinderten zu verpacken.“
    …und sind damals prompt von den „üblichen Verdächtigen“ angepinkelt worden, weils sie den Witz/die Aufklärung nicht verstanden hatten. Die „Betroffenen“ dagegen, die haben’s allerdings verstanden und sich bedankt.

  17. @Jeeves 25:

    Können Sie die genannten Beispiele mit Textstellen äh links untermaueren? Das interessierte mich sehr.

    Zu Palin fällt mir eigentlich immer nur ein Zitat aus der El-Hengst-Synchro „Herzblatt“ ein: „Boah, ist die alte doof…“

    Erst ihr behindertes Kind die ganze Zeit wie ein Baguette (!LOL) in der Gegend herumtragen und dann bei der bloßen Erwähnung der Tatsache, dass sie ein behindertes Kind hat, mit dieser entsetzlichen Entrüstung reagieren. Der ‚Witz‘ war doch harmlos. Dass sie bei Bill O’Reilly eine offene Kamera findet, ist klar. Aber es ist immer wieder schockierend. Am schlimmsten ist wirklich, dass eine solche Person tatsächlich mal als Vizepräsidentin gehandelt wurde…

  18. > Nun würde es mir schwer fallen zu erklären, worin genau der
    > Witz in dem Satz „meine Mutter ist die frühere Gouverneurin von
    > Alaska” besteht. Aber umgekehrt wüsste ich auch nicht, inwiefern
    > dieser Satz ein Witz auf Kosten von Behinderten sein soll. Wenn
    > er überhaupt auf irgendwen zielt, dann auf Palin.

    Frau Palin scheint zu wissen, inwieweit Witze über die ehemalige Gouverneurin von Alaska ein Witz auf Kosten von Behinderten ist. Sie hat aber auch andere interessante Ansichten, z.B. zum Wort „retarded“. Wenn ein Rush Limbaugh über „f*ing retarded democrats“ wettert, ist das Satire und daher kein Problem. Wenn aber ein Rahm Emanuel über „f*ing retarded liberals“ wettert, ist das ein Skandal und er müsse gefeuert werden.

  19. @20 Oder um es mit den Worten von Eric Cartman zu sagen:
    „Ich bin überhaupt nicht wie Family Guy! Meine Witze sind Teil einer Geschichte, tiefsinnige, situationsbedingte und emotionale Witze, die auf relevanten Dingen basieren und dabei einen Zweck erfüllen und keine blöde Situationskomik ohne Inhalt!“
    Aber in dem Fall muss ich sagen, haben die Seekühe mal die richtigen Bälle erwischt.

  20. Eine 44-jährige, die bereits zwei Fehlgeburten hatte, und 5 Wochen vor der Geburt eines behinderten Kindes steht, fliegt 3000 Meilen nach Texas, um eine Rede zu halten. In der Nacht vor ihrem Auftritt hat sie, die schon viermal geboren hat, ein ihr unbekanntes Gefühl im Bauch. Sie hält ihre Rede, während ihre Fruchtblase platzt und sie Wehen bekommt. Dann fliegt sie mit Umsteigen in Seattle 12 Stunden nach Anchorage. Dort angekommen läßt sie sich von ihrem Mann 50 Meilen im Auto durch die Nacht in eine Kleinstadt fahren, um im dortigen Krankenhaus eine Frühgeburt zur Welt zu bringen.

    Eine Verschwörungstheorie? Das ist ihre eigene Version der Geschichte. Sie ist ungefähr so wahrscheinlich wie jungfräuliche Empfängnis.

    (A propos Empfängnis: Niemals ist sie einfacher als direkt nach einer Geburt. Aber unter den weniger Aufgeklärten, und dazu darf man Bristol Palin wohl zählen, kursiert immer noch das Ammenmärchen, man könne nicht schwanger werden, während man stillt.)

  21. stimme @20 zu.
    sarah palin hat sich das thema down-syndrom als dauerabo reserviert. und dann auch die alleinige hoheit über die „retarded“-verwendung beansprucht.
    völlig glasklar, dass sie auf die fg-folge anspringen würde. selbst tochter bristol als teil der öffentlichen inszenierung teilte ihre ansicht über die “heartless jerks” mit.
    das thema ist jetzt im nachhinein so außerordentlich witzig, weil die kalkulierbare reaktion der frau palin mit auftauchen der schauspielerin ad absurdum geführt wurde. jip.

    @Twipsy
    habe mich bei eric cartman’s statement weggeschmissen.
    dem typ, der es gerichtlich bestätigen ließ, dass seine sehr trockenen eier gelutscht werden müssen (wetteinsatz).
    die unzähligen darmaktivitäten von eric mal ganz außen vor gelassen.

  22. Frau P. muss echt sehr unentspannt sein. Und irgendwie erinnert sie mich immer mehr an Frau Broflovski im immer noch sehr treffsicheren Southpark-Kinofilm.

  23. @ Vetter Itt (#11): Ja mein Gott, es muss ja zum Glück nicht jedem gefallen. Ich finde Family Guy auch einen weitestgehend unlustigen und überschätzten Möchtegern-Simpsons/South Park/Beavis & Butt-Head-etc.-Verschnitt, aber wem’s gefällt, bittesehr.

    @ zoey (#31): Der diverse Fäkalhumor bei South Park ändert überhaupt nichts daran, dass 5 Minuten South Park witziger, bissiger und besser getimt sind als 10 Folgen Familiy Guy! Außerdem ist es doch längst out, South Park auf Schimpfwörter und Fäkalhumor zu reduzieren. Genau das haben am Anfang alle gemacht – diverse Emmy-, Oscar- und sonstige Nominierungen und gewonnene Preise später sollte mittlerweile auch der Letzte gemerkt haben, dass die Sendung doch etwas mehr zu bieten hat.

  24. Was vielleicht nicht ganz so witzig an der Sache ist:
    Wenn Sarah Palin einen BLONDEN Sohn hätte, den sie im Wahlkamp mitgeschleppt hätte und jetzt in Family Guy eine BLONDE Frau gesagt hätte, sie sei die Tochter der früheren Gouverneurin von Alaska, hätte es nicht funktioniert. Das heißt: Behinderten wird ggf. ein Teil Individualität genommen, da sie immer auch (mehr als gewöhnlich) als Teil einer Gruppe gesehen werden, mit der sie identifiziert werden und umgekehrt. Da sieht man meiner Ansicht nach zum Beispiel auch daran, dass hier die Aussage der Schauspielerin (und deren Positionierung gegen Ende dieses Blog-Eintrags) so verstanden werden könnte: Wenn sogar die Leute, die ein (ähnliches) Syndrom haben wie Sarah Palins Sohn, kein Problem mit dem Witz haben, warum regt sie sich dann auf?!
    Dabei ist es ja nur eine Einzelmeinung von einer popeligen Synchronsprecherin. Ich finde, auch wenn Sarah Palin selbst dafür verantwortlich ist, dass den Menschen zu ihrem Sohn hauptsächlich in Erinnerung ist, dass er ggf. zur „special needs community“ zählt, ist der angesproche Witz aus Family Guy eher billig.

  25. @Torsten ohne H
    da liegt ein mißverständnis vor.
    ich finde south park wirklich sehr witzig. ich finde es im besonderen außerordentlich zum brüllen, dass eric in der serie seinen kumpel per gerichtsentscheid zur erfüllung des wetteinsatzes zwingen will.
    beim kommentar habe ich ein emoticon als überflüssig angesehen – irrigerweise. =:O

  26. Stefan, ich hätte wetten können, dass das mit der Trig-Verschwörungstheorie von Andrew Sullivan stammt, den lese ich nämlich auch jeden Tag :)

    Doch so relevant, intellektuell redlich und erstaunlich geistig flexibel Sullivan ist, selten verrennt er sich in für mich unerklärlicher Weise. Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, wieso er in einer Kirche bleibt, die wohltätige Einrichtungen in Washington, DC schließt, um nur ja nicht homosexuelle Paare als Pflegeeltern betrauen zu müssen, und die sein grundlegendes Sein als sündhaft ablehnt.

    Auch bei der Trig-Story hat er sich meines Erachtens verrannt und findet es nun schwer, aus dieser Ecke wieder herauszukommen. Es gibt keine Beweise dafür, dass irgend ein anderes weibliches Mitglied der Palin-Familie als Sarah zu der Zeit schwanger war, als Trig ein Embryo war. Schon gar nicht Bristol, die bereits mit Tripp schwanger ging (geboren Ende Dezember 2008), als Trig auf die Welt kam (geboren Mitte April 2008).

    Die einzigen „Beweise“, die die Verschwörungstheoretiker aufbringen können, sind Sarahs angeblich zu flacher Bauch und ihr Flug über mehrere tausend Meilen nach Hause, als sie bereits in den Wehen lag. Aber wer sagt, dass selbst ein und dieselbe Person immer einen gleich großen Schwangerschaftsbauch haben muß? Hängt das nicht von vielen Faktoren ab? Und die Information, dass Sarah beim Heimflug in den Wehen lag, ist von Sarah Palin selbst, der Königin der seltsamen Lügen. Selbst wenn es die Wahrheit wäre, würde es mich nicht wundern, da sie und vor allem ihr Mann Verbindungen zu Sezessionisten in Alaska haben und vielleicht deswegen unbedingt wollten, dass ihr Sohn auf heimatlichem Boden geboren wird.

  27. Müssen sich hier eigentlich wieder die üblichen Verdächtigen zum Deppen machen, weil sie einfach nicht anerkennen wollen, dass Sachen wie Family Guy, Simpsons, South Park und prinzipiell jede Serie Geschmackssache sind?

    Meine Fresse….

  28. Ach so, wenn die Story von Andrew Sullivan stammt, dann darf man sie natuerlich ungeprueft als wahrscheinlichste Alternative verbreiten (In den Texten, die ich bislang von ihm gelesen habe, hat er das Kind uebrigens nie explizit Bristol angedichtet). Wie eines der anderen lesenswerten Blogs dieser Tage erlaeuterte – Do as I say, don’t do as I do. Ein Anglizismus, dieser Eintrag, sozusagend….

  29. @Farun
    Ja, sie müssen wohl. Du hast dich aber zu früh aufgeregt, erst werden noch die berüchtigten Kommentatoren aufschlagen, die ihr Nichtwissen über die Fernsehserie und oder Sarah Palin groß thematisieren („Palin? Wer ist das“; „Family Guy? Muss man das kennen?“). Nicht zu vergessen, Kommentarschreiber, die schon seit der ersten bemannten Mondfahrt keinen Fernseher mehr besitzen und uns stattdessen empfehlen, doch mal wieder ein Buch zu lesen.

    Und natürlich Senfabgeber wie ich, die sich unglaublich meta vorkommen indem sie Kommentarrituale vorhersagen und ansonsten wirklich gar nix zur eigentlichen Diskussion beitragen.
    Na vielleicht doch; zumindest muss ich gelegentlich in meinen Bart kichern, wenn ich die Namen der verschiedenen Palin Sprößlinge höre: Trig und Tripp, gnihihi, noch jemand, der dabei an Comicfiguren denken muss, anyone?

  30. @ 39,41:
    Ich warte auch noch auf die Diskussion, dass man die Folgen in der Originalsprache sehen sollte, da die deutsche Übersetzung totaaaal schlecht ist ;)

    @Mr X (Nr 38) Danke für den Link :)

  31. „Genau das meint auch Andrea Fay Friedman, die Schauspielerin, die in der ‚Family Guy‘-Episode Ellen spricht und selbst Down-Syndrom hat. “
    Ohne die Serie zu kennen (Leider, denn Ihre Beschreibung, sie habe sich zum Ziel gesetzt, jedermanns Gefühle zu verletzen klingt sehr vielversprechend) vermute ich doch, dass die Schauspielerin die Rolle nicht nur spricht, sondern spielt. Ich als Schauspieler möchte doch darauf bestehen.

  32. Nein Oliver, es nicht Andrew Sullivans Story, sondern Sarah Palins. Und die stinkt. Andrew Sullivan ist nur der einzige, der immer wieder nachfragt, und nicht fassen kann, daß es sonst niemand tut. Ich auch nicht.

    (Aber ich nehme an, wenn sie kandidiert, wird es doch rauskommen, und sie wird die Heldin der Republikaner sein, weil sie sich schützend vor ihre Familie gestellt hat. Man kann das aber auch ganz anders sehen.)

  33. Da sich die Kritik auch an mich gewendet hat – außer Family Guy kenne ich die Serien sehr wohl, und habe auch brav die Links konsumiert, d.h. einen Ausschnitt Family Guy habe ich auch gesehen, und die retard-Kommentare gehört, wenn mir auch die Einordnung durch shuttlecock (#20) geholfen hat.

    Der kleine Ausschnitt Family Guy reicht aber meines Erachtens sehr wohl um zu beurteilen, was der Zeichen- und Storystil der Serie ist, ob mir das zusagt, oder ob es mir nicht zusagt. Es sagt mir nicht so zu, als daß ich mir jetzt mehr Folgen ergoogeln würde, um der Serie eine zweite oder dritte Chance zu geben.


    @Chris, #43, Palin und die dummen Amis? ich glaube nicht, daß wir es besser haben, mit unseren Politikern. Wir haben eine andere Kultur, und unsere Politiker sind auf ähnliche Weise besonders doof, wie wir Europäer überhaupt besonders doof sind, und die Amerikaner sind auf amerikanische Weise doof, was uns besonders doof vorkommt.

    Aus der Fremde wirkt das Fremde teils besonders klug und pfiffig, teils besonders doof und dumm. Die Fremde verstärkt diese Effekte. Gut – die Amis finden ja selbst Palin unterirdisch, das kann man nicht bestreiten, aber zu sagen, wir könnten uns angesichts dessen bedanken hätte ja nur Sinn, wenn Frau Palin typisch für amerikanische Politiker wäre. Aber außer Palin fällt einem da ja nur Bush jr. und Ronald Reagen, und … :) — aber schaut doch mal Brüderle, Schavan, v.d. Leyen und Frl. Dr. Köhler und Westerwelle an. Da beruhigt mich wenig.

  34. „Familiy guy“ – Macher stellen Fettnapf-falle für Politikerin … Politikerin tappt rein und outet sich als noch dümmer als alle sowieso schon annehmen und alle haben was zu lachen. :)

  35. Ich halte es da ja auch mit Herbert Feuerstein, der mal sinngemäß sagte: Witze über Behinderte zu unterlassen, bedeutet, sie auf subtile Weise zu diskriminieren.

  36. @Sannie – es ist immer die Story des Autors, der sie veroeffentlicht. Andrew Sullivans Story ist es, dass SP bislang trotz anders lautender Behauptungen keine Geburtsurkunde vorgelegt hat. Als Story ueber SP oder die amerikanischen Medien – ok. Es ist Stefan Niggemeier, der daraus ein „wahrscheinlich ist es ihr eigenes Enkelkind“ gezaubert hat. Was sich dann, im Kontext gesehen, wohl auf Bristol bezieht (Geruechte, wonach der aelteste Sohn vielleicht jemand geschwaengert hat kenne ich jedenfalls noch nicht). Und damit auf eine Person, die noch ein Teenager ist und sich nicht auf ein oeffentliches Amt beworben hat. Bin ich der einzige, der eine beissende Kritik von SN zu so einem Satz, waere er bei SPON erschienen, nicht sofort vor Augen hat? Zumal er fuer diesen Blogeintrag absolut ueberfluessig ist. Nichts sonst in diesem Eintrag benoetigt die Information, dass obskure Quellen davon ausgehen, dass Bristol Trigs Mutter ist.

    Mir ist es wurscht wessen Kind er ist. Vielleicht ist ja auch der Gouverneurinnengatte fremdgegangen. Ich kann Andrew Sullivans Interesse an den Luegen von SP gut nachvollziehen (auch wenn ich nicht weiss, was es in diesem Blogeintrag zu suchen hat). SNs „hehe vielleicht war die Tochter ja so bloed im siebten Monat nochmal schwanger zu werden“ finde ich dagegen sehr schwach. Und es braeuchte ja nicht viel: aendere „deren jüngster Sohn (oder wahrscheinlicher: Enkelsohn) Down-Syndrom hat“ in „deren juenster Sohn (von dem sie entgegen Ihren eigenen Behauptungen immer noch keine Geburtsurkunde vorgelegt hat) Down-Syndrom hat“. Ans Ende einen Satz, der auf die Korrektur hinweist und eventuell die gegenueber einem Teenie gemachten Unterstellungen bedauert. Fertig. Genau so, wie SN das von anderen Medien erwartet. Wuerde imho auch Rueckgrat zeigen. Wie es z.B. Bristol gezeigt hat, als sie im Fernsehen die absurden Vorstellungen ihrer Mutter unrealistisch genannt hat.

  37. Mir gefällt, dass die Geschichte kein schwarz-weiß Urteil zulässt, keinen gut-böse Vergleich.
    Aber danach hungert unsere Gesellschaft.
    Wir wollen Klarheit: böse Politiker, nette Behinderte, böse TV Sender.
    Aber das bietet das Leben nicht immer….

  38. Natürlich ist Trig nicht das Kind von Sarah Palin, jeder weiß doch , dass das Kind von den Weisen von Zion zusammen mit den Illuminaten in einem unterirdischen Geheimlabor in der Area 51 gezeugt wurde.
    Herr Niggemeier, ich hätte da schon mal eine Überschrift für ihren nächstzen Artikel, wie wär’s mit: „Ufo-Sekte will jetzt Hitler klonen!“?
    Ach ne, das gab’s ja schon mal.

  39. Entgegen der Standpunkte einiger Vorredner bin ich nicht der Meinung dass man über die moralische Vertretbarkeit dieser Art von Humor besonders lange disuktieren muss.
    Unpassend oder gar billig wäre der Gag wenn es sich um eine beliebige Person des öffentlichen Lebens handeln würde die „einfach nur“ ein behindertes Kind hat.

    Der große Unterschied liegt in diesem Fall aber doch in der Tatsache dass eine Mutter in unverantwortlicher Weise ihr Kind zur Schau stellt offenbar dessen Behinderung instrumentalisiert.

    In Deutschland hätte man, um eine ähnliche Verhaltensweise einer Politikerin satirisch aufzuarbeiten vermutlich zu einem anderen Mittel gegriffen. Man errinere sich nur an die Verweise auf Frau Goebbels im Zuge der Diskussion rund um „Leyen-Rhetorik“.

    Danke für den Blogeintrag!!

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