Gordon Browns Moment der Wahrheit

28 Apr 10
28. April 2010

Ein Politiker auf Wahlkampftour trifft auf der Straße eine potentielle Wählerin, die ihm kritische Fragen stellt, und weil die Presse dabei ist, setzt er sein entspanntestes Lächeln auf, bedankt sich vielmals für ihre Anmerkungen, verabschiedet sich jovial und herzlich, als würde er am liebsten noch einen Tee mit ihr trinken wollen, wenn nur die Zeit nicht so drängen würde, und setzt sich dann in seine Limousine, beschwert sich über die blöde Kuh und will wissen, welcher Idiot von seinen Mitarbeitern schuld ist, dass er mit ihr reden musste.

Ich wette, das passiert ununterbrochen. Und ich wette, die meisten anderen Menschen machen sich da ähnlich wenig Illusionen wie ich. Insofern ist es völlig banal, dass der britische Premierminister Gordon Brown heute genau dabei ertappt wurde, weil er vergessen hatte, dass er noch ein Mikrofon trug. (Mal abgesehen davon, dass es womöglich wichtigere Kriterien für die eigene Wahlentscheidung geben sollte als so ein Versehen, aber so sind die Medien, die sich jetzt auf die Sache stürzen wie ein ausgehungerter Tiger auf ein filetiertes Kaninchen — und ich fürchte: die Menschen sind auch so.)

Ich bin mir auch sicher, genau die Gordon-Brown-Szene schon einmal gesehen zu haben: In der BBC-Comedy-Serie „The Thick of It“, die im Stil einer (fiktiven) Dokumentation genau diesen Aspekt von Politik zeigt: Den krassen Kontrast zwischen der Fassade und der Wahrheit dahinter; die mühsamen Versuche, gerade dann, wenn sich gerade alles zerbröselt, der Öffentlichkeit heile Kulissen vorzuführen. (Die erste Staffel von „The Thick of It“ finde ich grandios und kann sie sehr empfehlen — obwohl ich wenig Leute gefunden habe, die die Aneinanderreihung unfassbar peinlicher Situationen aushalten können oder wollen. Die weiteren Staffeln waren mir dann aber auch zu krass.)

Doch obwohl es mir so bekannt vorkommt und so sehr der Vorstellung entspricht, die man eh hat vom Alltag von Politikern (und anderen Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen), ist es tatsächlich aufregend, das nun einmal erleben zu können — nicht lebensecht nachempfunden, sondern in echt zu hören und zu sehen. Vielleicht macht gerade das die Sache noch schockierender: Dass die Realität so exakt mit der Fiktion und der Vorstellung übereinstimmt.

Wort für Wort kann man hören oder nachlesen, was Gordon Brown über die Frau gesagt hat, die ihm erzählte, dass sie ihr ganzes Leben lang Labour gewählt habe und sich heute schäme, Labour-Anhängerin zu sein, und ihn im Zusammenhang mit Leuten, die sie auf deutsch womöglich „Sozialschmarotzer“ nennen würde, fragte, woher eigentlich diese ganzen Ausländer aus Osteuropa kämen, die plötzlich ins Land strömten. Nachdem Gordon Brown, freundlich lächelnd und sich bedankend, ins Auto gestiegen war, sagte er also:

That was a disaster. Should never have put me with that woman. Whose idea was that? (…) She’s just this sort of bigoted woman who said she used to be a Labour voter… Ridiculous.

Eine „Katastrophe“ sei das gewesen, sagte Brown, und nannte die Frau — ja, was?

  • „bigott“, schreibt dpa.
  • „eine Fanatikerin“, schreibt DAPD.
  • „kleinkariert“, schreibt AFP.
  • „borniert“, schreibt Reuters
  • „verbohrt“, schreibt dpa später.

Je nachdem, auf welcher Agenturmeldung die Nachricht beruht, werden die deutschen Leser sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Art der „Beleidigung“ haben, die Gordon Brown aussprach (und für die er sich inzwischen vielfach entschuldigt hat).

Es gibt offenbar größere Meinungsunterschiede, wie das Wort „bigoted“ zu übersetzen ist — wobei ich die AFP-Version „kleinkariert“ am abwegigsten finde, weil es nicht nur „engstirnig“, sondern auch „übergenau“ bedeutet, was hier überhaupt keinen Sinn ergibt. „Kleingeistig“ würde es eher treffen. Aber auch die Wahl des deutschen Dienstes der britischen Agentur Reuters, die es wissen müsste, finde ich merkwürdig: Mit „borniert“ verbinde ich eher jemanden, der stur, überheblich, eingebildet ist.

Am treffendsten erscheint mir die einfachste Übersetzung: bigott. Das Wort bedeutet (im Deutschen wie im Englischen) ursprünglich „scheinheilig“ im Sinne eines religiösen Eiferers, ist aber zum Synonym für „heuchlerisch“, „verlogen“ geworden — was treffend erscheint, wenn Brown den Kontrast zwischen der Beteuerung lebenslanger Labour-Treue mit ihrer Ablehnung der konkreten Politik und insbesondere von Einwanderern bezeichnen will.

In der politischen Diskussion in den letzten Wahlkampftagen in Großbritannien wird die genaue Exegese aber kaum eine Rolle spielen. Da reicht der bloße Eindruck, dass der Premierminister irgendetwas gesagt hat, das er nicht hätte sagen dürfen.

Nachtrag, 29. April.

78 Gedanken
  1. 1
    PWi says:

    zur Klarstellung, das Gespraech, indem er die Frau bigott bezeichnet hat fand in seinem Auto statt.

    ausserdem kommt im Englischen haengt bei „bigot“ natuerlich auch der nordirische Konflikt noch mittendrin.

  2. 2
    rauskucker says:

    Ich finde, schlimm ist nicht, was er im Auto gesagt hat. Sondern, daß es (ihm) nicht möglich ist, der Frau deutlich ins Gesicht zu sagen, was er von ihrem dummen Gerede hält.

  3. 3
    Ludwig Mann says:

    Ich glaube den Engländern ist egal wie das Wort in Deutschland übersetzt wurde, die werden schon verstanden haben um was es geht.

  4. 4
    Armin says:

    Wo ist da jetzt die Klarstellung, genau das steht doch im ersten Absatz? Eine Limousine ist heutzutage normalerweise ein Auto gehobener Klasse.

    Und nein, die „troubles“ spielen da kaum eine Rolle. Es geht nur untergeordnet um das genau Wort das er gesagt hat. Es geht darum dass er sein „wahres Gesicht“ gezeigt hat. Darum dass sein oeffentliches Gesicht nicht mit dem uebereinstimmt was er wirklich denkt. Dass er gezeigt hat was er ueber seine Waehler (oder zumindest Teile davon) denkt.

    Das ganze wird jetzt natuerlich von der Presse ausgeschlachtet, insbesondere von Murdoch und Konsorten.

    Wieviel das wirklich Einfluss auf die Wahl haben wird bin ich mir unsicher. Wenn ich mir so teilweise die Kommentare und auch die Tweets ansehe sehen sehr viele das nicht so wild, sie stimmen ihm vielfach sogar zu. Ihre Kommentare waren „bigotted“ (what are all these Eastern Europeans doing here?). Where’s the problem?

    PS: Es gehen schon die ersten Videos rum die zeigen dass sehr vieles bei Cameron auch nur Fassade und Show fuer die Kameras ist und er in Wirklichkeit anders denkt.

  5. 5
    Linus says:

    Hach, die Briten.

    Schön war auch vor Jahren Vize-Premier John Prescott, der einem Eierwerfer etwas deutlicher klarmachte, was er von ihm hielt.

  6. 6
    Thomas L says:

    Ich kaufe ein i für den ersten Absatz und möchte lösen: dass er mit „ihr“ reden musste.

  7. 7
    tacke says:

    Ich war eher überrascht wie wenig jovial Brown eigentlich ist. Ich dachte, small talk läge den Inselaf… Engländern im Blut. Aber das war ja genauso hölzern wie deutsche Politiker, die im Dorf umherwandern und dem Volk voller geheucheltem Interesse „auf´s Maul schauen“.

  8. 8
    Thomas L says:

    Aber jetzt mal ehrlich, Gordon Brown hat sich wunderbar geschlagen gegen den Überraschungsangriff der Frau und danach hat er sich ganz menschlich über ihre arschigkeit beschwert. Das zum Skandal zu stilisieren ist hingegen auch nur menschlich. Schließlich muss ja Auflage erzeugt werden, etc.
    * kombiniere Handfläche rasch mit Stirn *

  9. 9
    Fabian says:

    „Und ich bin wette, die meisten anderen Menschen machen sich da ähnlich wenig Illusionen wie ich.“ <— Da ist das "bin" zuviel.

  10. 10
    Armin says:

    @ tacke

    Dass Du auch nur gerade Deine Ignoranz und Unwissen demonstrierst ist Dir hoffentlich bewusst?

    Gordon Brown ist allgemein dafuer bekannt dass er eher steif und hoelzern ist. Seine PR Heinis haben da versucht dran zu arbeiten, ist aber nicht so richtig ruebergekommen. Mal ganz davon abgesehen dass er Schotte ist, nicht Englaender.

  11. 11
    Kim says:

    Dass man im Privaten oder, wie in diesem Fall, im Pseudo-Privaten, also im Kreise der Vertrauten, anders redet als im Öffentlichen, sollte doch jedem klar sein. Das macht jeder. Nach dem ersten Absatz des Artikels habe ich wunders erwartet, mit was für Vulgärausdrücken Brown die Frau bedacht hat, aber „bigott“ ist m.E. noch vertretbar – wenn man bedenkt, dass das nicht an die Öffentlichkeit kommen sollte. War ja auch ein ziemliches Geschwafel der Frau.

  12. 12
    Ariane says:

    Ich hätte es ehrlich gesagt schlimmer gefunden, wenn er sich im Auto ebenfalls über die ganzen osteuropäischen Sozialschmarotzer geärgert hätte.^^

    Ansonsten zeigt es eigentlich nur die Scheinheiligkeit unserer Welt, ich denke nämlich auch, dass damit nur die Vorstellungen von 90% der Menschen bestätigt worden sind, aber alle tun furchtbar entsetzt.

  13. 13
    Augusten says:

    Ich finde das eigentlich viel schlimmer:
    http://www.metacafe.com/watch/2855455/gordon_brown_fail/
    :)

  14. 15
    Manuel says:

    Hachje, Übersetzungsfail. Bis jetzt war noch keine einzig richtige Übersetzung dabei, noch nicht mal „bigott“.

    Nicht immer nur Synonyme finden, sondern vielleicht ml wieder den „Oxford Advanced Learner’s Dictionary“ rauskramen: bigoted: intolerant and narrow-minded.

    Und genau so hat Brown es auch gemeint und er hat Recht. Und ja, schlimm, dass er das der Frau nicht direkt sagen konnte, aber was soll er machen, er ist Engländer, da macht man sowas nicht.

  15. 16
    Nick Name says:

    … einmal abgesehen von seinen kommentaren, aber könnt ihr euch solche dokumentierte „volksnähe“ mit angela merkel vorstellen …

  16. 17
    rauskucker says:

    Browns spontane Reaktion, als ihm der O-Ton erstmals vorgespielt wurde:
    „The problem was, that I was dealing with a question that she raised about immigration and I wasn’t given a chance to answer it because we had a whole mallee (?) of press around us …“
    zu hören hier:

    http://www.youtube.com/watch?v=AwzTMZ88JCs

    und genau das meinte ich bei meinem Kommentar (#2). So schön es ist, daß alle immer und überall dabei sind: die freie Rede leidet drunter. Man kann / darf engstirnigen und verbohrten Leuten nicht mehr deutlich antworten, weil dies dann gegen einen selber ausgelegt wird.

  17. 18
    rauskucker says:

    ach so: „melee“, das Gewühl.

  18. 19
    Peter says:

    Wenn ich mir den ganzen Dialog anschaue, weiß ich, warum ich niemals in die Politik gehen könnte. Wahrscheinlich hätte ich die Frau noch mit ganz anderen Flüchen bedacht und ich würde meine Hand sicher nicht dafür ins Feuer legen, dass ich es ihr ins Gesicht gesagt hätte. Es gehört meiner Meinung nach schon eine ganze Portion Selbstgerechtigkeit dazu, Brown dafür in die Pfanne zu hauen.

  19. 20
    Otto says:

    Bewundernswert, dass Gordon Brown auf Vorurteile so gelassen und sachlich reagiert. – Da muss man und darf man sich im Auto auch gut abreagieren.

  20. 21
    Tim says:

    Es ist das erste Mal, daß ich mit Gordon Brown Mitleid habe.

  21. 22
    jokahl says:

    Mir tut Gordon Brown auch eher leid. Trotzdem fände ich es großartig, wenn so etwas, so ein absolut glaubwürdiger Einblick in den Unterschied zwischen menschlicher und gesellschaftlicher Realität und politischer Show, viel öfter passieren würde. Jeder Wähler lernt so doch unglaublich viel mehr über Politik als sonst – und auch über seine eigene Rolle in dem Spiel.

  22. 23
    Nimuan says:

    Es mag ja durchaus sein, dass eine derartige Heuchelei häufig vorkommt, nur macht es das nicht besser. Wer seinen Partner beim Fremdgehen erwischt, wird von dem Konter „Aber das tun doch viele!“ schließlich auch nicht gerade beeindruckt sein, geschweige denn sich davon besänftigen lassen.

    Eine Kritik zielt in beiden Fällen übrigens mitnichten darauf, dass man seine Spuren nicht gründlich genug verwischt habe. Wenn hier aber von einem „Versehen“ die Rede ist, dann klingt das genau danach: dass nicht die Handlung oder Äußerung das Problem sei, sondern dass er sich hat ertappen lassen. Das elfte Gebot wird hier über das achte gestellt. Symptomatisch.

  23. 24
    Kai says:

    Finde die Beiträge 15/20/21 sehr treffend. Es ist schwierig, wasserfallartig Blödsinn labernden älteren Damen gegenüberzustehen und sich so lange so souverän nicht einmal etwas anmerken zu lassen, geschweige denn irgendetwas zu tun oder zu sagen, was die Medien am Ende ausschlachten und die Öffentlichkeit wahnsinnig aufregen würde. Schade, dass Wahlkampf ist. Sonst hätte Brown vielleicht auf die (überflüssige) Entschuldigungsarie verzichtet und sich noch mal etwas deutlicher geäußert.

  24. 25
    Johannes says:

    @rauskucker
    „So schön es ist, daß alle immer und überall dabei sind: die freie Rede leidet drunter. Man kann / darf engstirnigen und verbohrten Leuten nicht mehr deutlich antworten, weil dies dann gegen einen selber ausgelegt wird.“

    Ich verstehe nicht, wieso Höflichkeit in Diskussionen (Form) der Meinungsfreiheit (Inhalt) im Wege stehe sollte. Abgesehen von Umgangsformen: Dass auch ein Premier nicht sich auf die Brust schlagend blaffen kann „Wissen Sie, was sie da sagen ist doch Scheiße“, dass auch abseitigen Meinungen mit Respekt begegnet wird ist doch gerade, worin sich Meinungsfreiheit (hier: die der bigotten Dame) ausdrückt.

  25. 26
    Joachim Albrecht says:

    Das Fernseh-Team (-Sender) sollte sich was schämen, diesen Clip überhaupt zu veröffentlichen. Ich halte es für eine ungebührliche Respektlosigkeit der Person Gordon Brown gegenüber. Der Tonmann sollte sein Mikrofon einfach abschalten. Feierabend. Wir übertragen ja auch nicht das zotige Kantinengeschwätz der Fernsehmacher. Dies zum Thema Scheinheiligkeit.

  26. 27
    Augusten says:

    Was hat das noch mit Meinungsfreiheit zu tun wenn man nicht sagen kann, dass man eine Meinung scheisse findet?

  27. 28
    Mumu says:

    Der „Thick of it“ Plot thickens, wenn man sich die Entschuldigungsorgie anguckt:
    http://link.brightcove.com/services/player/bcpid62612474001?bctid=81752008001

  28. 29
    SvenR says:

    Mann, Mann, Mann, bin ich mittlerweile misstrauisch geworden. Ich bin mir nicht sicher, dass das wirklich aus Versehen öffentlich wurde. Auf mich wirkt es eher inszeniert. Bei den Briten, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, kam Gordon Brown mit seiner wahrhaftigen, aber gewählten Ausdrucksweise extrem gut an.

  29. 30
    Nurse Jackie says:

    Apropos „Thick Of It“ … ich empfehle hier einfach mal das Kino-Spin-off „In The Loop“. Großartig. Und ja … armer Gordon Brown. Erst ist einfach nur der erste Politiker, der bei solch einem Ding ertappt wurde.

    Wie häufig sich wohl Westerwelle, Merkel und Steinmeier über ihre dummen Wähler aufregen?

  30. 31
    B.Schuss says:

    schon dumm, das die Politik so verlogen geworden ist, dass man als Politiker schon dafür Ärger kriegen kann, dass man seinen potentiellen Wählern mal seine wahre Meinung sagt.
    Aber wie SvenR schon sagt, es ist genau so möglich, dass es eine Art von PR-Aktion ist. Gibt sicher genug Wähler, die Browns Aussage unterstützen. Und man wünscht sich doch eigentlich auch immer, dass Politiker einem ihre echte Meinung sagen, oder ?

    Es sei in diesem Zusammenhang an den Abgeordneten Barney Frank erinnert und seinen „on which Planet do you spent most of your time“ – Kommentar:
    http://dailyradar.com/beltwayblips/video/youtube_barney_frank_confronts_woman_at_townhall/

    Ehrlich, in meinen Augen steigen solche Politiker noch eher in meinem Ansehen, weil sie keine Angst haben, genau das zu sagen, was einem selbst bei solchen Fragen durch den Kopf schiesst.
    Klar, man muss nicht beleidigend werden, aber man muss sich auch nicht alles bieten lassen. Manche Fragen/Aussagen sind einfach so abgrundtief dumm, da sollte man als Politiker auch das Recht haben, dass so zu sagen.

  31. 32
    Patrick Kennedy says:

    (off topic)

    Empfehlenswert als kostenloses Online Dict:
    http://www.merriam-webster.com/dictionary/bigoted

    Main Entry: big·ot
    Pronunciation: \ˈbi-gət\
    Function: noun
    Etymology: French, hypocrite, bigot
    Date: 1660

    a person obstinately or intolerantly devoted to his or her own opinions and prejudices; especially : one who regards or treats the members of a group (as a racial or ethnic group) with hatred and intolerance

    — big·ot·ed \-gə-təd\ adjective
    — big·ot·ed·ly adverb

  32. 33
    Linus says:

    Och, gab auch früher schon Leute, die dachten, Ihre Mikros seien abgeschaltet.

  33. 34
    Linus says:

    @B.Schuss

    Manche Fragen/Aussagen sind einfach so abgrundtief dumm, da sollte man als Politiker auch das Recht haben, dass so zu sagen.

    Er…, genau. Nur hätte er ihr das auch direkt sagen können, anstatt sich danach grummelnd bei seinen Beratern zu beschweren. Als sie Schmonzens erzählt, wechselt er einfach das Thema und setzt sich mitnichten mit ihrem Unfug auseinander.

  34. 35
    gnaddrig says:

    @ B.Schuss: Er hat doch aber nicht „keine Angst, genau das zu sagen“ was ihm durch den Kopf schießt. Er hat es sich verkniffen, bis er im Auto war und dachte, keiner hört es.

    Ich finde seine Reaktion verständlich, und sicher könnte mir das so ähnlich auch passieren, wenn ich in einer ähnlichen Lage wäre. Aber was er da gezeigt hat ist eben nicht die große furchtlose Offenheit und Ehrlichkeit, sondern eher Scheinheiligkeit und Verlogenheit. Ich würde ihm das nicht ankreiden, aber in meiner Achtung steigen tut er deshalb ganz sicher auch nicht.

  35. 36
    max.m says:

    Da hat Labour halt die Wähler, die sie verdienen. Ich hab noch nichts davon gehört, dass sie bisher solchen Einstellungen entgegengetreten wären.

    So was würde ich Merkel, Steinmeier, Gabriel und Co. auch mal wünschen: einen BILD-Leser, der seinen Vorurteilen freien Lauf lässt, und den späteren, internen Kommentar dazu.

  36. 37
    Torsten says:

    Du hast vergessen die Partner-ID im Amazon-Link einzubinden, so klappt das nie mit der Blog-Monetarisierung :-)

  37. 38
    Augusten says:

    @26 / Joachim Albrecht: Word. In der Privatsphäre meines Autos mache ich noch ganz andere Dinge als jemand „bigoted“ nennen und würde mich bedanken, wenn das im Fernsehen übertragen würde.

  38. 39
    vib says:

    Ganz ehrlich: Die Frau möchte ich nicht als Nachbarin haben.

  39. 40
    Thomas L says:

    @Nimuan: Du würdest sicher auch am Beispiel eines Mordes erklären warum du einen Kaugummidiebstahl schlimm findest.

    @Mumu: Nach diesem Video tut mir der Brown nur noch mehr Leid.

    Andererseits hätte er die Gelegenheit nutzen sollen, die Medienvertreter ordentlich ab zu rüffeln. Das was er schlechtes über die Frau gesagt hat war ja so schlimm nicht und wurde künstlich ausgeschlachtet. Man vergleiche diesen „Vorfall“ mit dem Fall Rod Blagojevich (USA).

  40. 41
    rauskucker says:

    @Linus (#34)
    Er ist doch direkt drauf eingegangen, mit einem aus dem Ärmel geschüttelten Argument (von wegen, daß ja auch Briten nach Europa gehen, nicht nur Ausländer herkommen.) Sowas überzeugt aber jemanden nicht, der erstmal diese Fremdenangst entwickelt hat. Da darf man ruhig etwas heftiger reagieren. Gerade bei Leuten, die der eigenen Partei nahestehen.
    Sehr schade, daß er meinte, sich entschuldigen zu müssen.

  41. 42
    André says:

    Als Parteimitglied und Wahlkämpfer kann ich das nur zu gut nachvollziehen und muss sagen, dass man sich nicht nur als Premierminister im Wahlkampf leider häufig in solchen Situationen findet. Einerseits hat man den Drang, zu widersprechen. Andererseits weiß man aber genau, dass sein Gegenüber gar nicht die Absicht hat, seine Meinung zu reflektieren, sondern sie einfach nur loswerden möchte. Man kann bei solchen Leuten im Grunde erzählen was man will, es ändert nichts.
    Zu vergessen, dass man ein Mikrofon trägt, ist dann aber doch eher ein Fehler, der einem fähigen Politiker nicht unterlaufen wäre :-).

  42. 43
    Alberto Green says:

    Diese Frau ist offensichtlich fürchterlich, und Gordon Brown war sowohl im Gespräch mit ihr als auch dann im Auto sehr höflich. Mir fallen da andere englische Vokabeln ein.

  43. 44
    Genelon says:

    1. Die Dame wirkt auf mich in der Tat gruselig überkandidelt.
    2. Brown war souverän – darin, weder die Dame vor den Kopf zu stoßen noch der umstehenden Presse einen Brocken hinzuwerfen, der man ihm ihm Mund umdrehen könnte.
    3. und am wichtigsten: er nannte sie „bigot“ – lassen wir es „bigott“ oder „kleinkariert“ sein, was auch immer, es ist weit entfernt von einem Kraftausdruck, es ist nur ein wenig schmeichelhaftes Attribut. Und jetzt? Das ist beinahe spießig. Ich erinnere mich an ganz andere Ausdrucksweisen.

  44. 45
    Gregor Keuschnig says:

    @34/Linus
    Engländer (Briten?) sind so. Sie sagen nie direkt „yes“ oder „no“, wenigstens die distinguierten Briten nicht. Browns Verhalten ist typische englische Höflichkeit. Die nachträglichen Äusserungen sind definitiv nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Ich finde es seltsam, dass so etwas hier breitgetreten wird.

  45. 46
    Stefan Niggemeier says:

    @Gregor Keuschnig: Alle überregionalen Zeitungen in Großbritannien machen heute mit der Geschichte auf, einige Kommentatoren halten sie für wahlentscheidend. Warum sollte das kein Thema für ein Medienblog sein?

    http://www.guardian.co.uk/media/gallery/2010/apr/29/gordon-brown-bigot-row-media-coverage

    Dass die Äußerungen im Auto privat und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, steht außer Frage – das macht auch Gordon Brown deutlich, als er die Aufnahmen zum ersten Mal hört (ein erschütterndes Video, finde ich):

    http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/politics/election_2010/8649200.stm

    Ich halte es auch für unzulässig, dass die privaten Bemerkungen öffentlich gemacht wurden. Aber nun sind sie öffentlich und damit sind sie ein Thema.

  46. 47
    groschupf says:

    gordon brown hätte die frau gleich zu boden rammen sollen, dann wäre ihm noch mehr aufmerksamkeit zuteil geworden. aber die heutigen politiker sind schwach und furchtsam.

  47. 48
    Gregor Keuschnig says:

    @47/Stefan Niggemeier
    Natürlich ist das in UK Thema No. 1, wie eigentlich alle Schlüssellochgeschichten immer Thema No. 1 sind zumal, wenn in einem Wahlkampf rein gar nichts los ist und die Kandidaten austauschbar sind.

    Die Reaktionen zeigen, wie öffentliche Wahrnehmungen funktionieren und auch gesteuert werden: Nicht, dass das Land fast vor der Pleite stand – vielleicht sogar noch steht – ist interessant, sondern ob der Premierminister eine Nervensäge eine Nervensäge nennt. Daher geht mir Ihr Beitrag dann – für einen Medienblog – nicht weit genug (sorry), weil er das Phänomen rein beschreibend würdigt.

  48. 49
    nona says:

    Ist ja nicht nur das „bigoted“ – bei der Deutschen Welle begegnete mir die Story gestern als erstes, und deren sinnfreies Übersetzungsgeschwurbel war mir erst verständlich, als ich mich auf die Suche nach englischem Originaltext machte:

    „Sie ist eine dieser verbohrten Frauen, die sagt, sie sei für Labour.“

    Von „used to be a Labour voter“ auf „für Labour sein“ kommt man wahrscheinlich nur, wenn man seit der siebten Klasse kein Englisch mehr gelernt hat.

    P.S.: Kleine Bitte am Rande: wenn weiterführende Links zu Videos führen, das dann bitte dazuschreiben („link (Video)“). Besonders wenn es selbststartende Videos sind (was ja an sich auch eine Todsünde ist, aber egal). Es gibt Leute, die klicken auf eine Reihung von Links en gros als „open in background tab“ um sie später sequentiell zu konsumieren. Wenn dann eines oder mehrere davon selbststartende Videos sind, dann quasseln einem auf einmal diverseste Stimmen aus dem Off entgegen und man kann lustiges Tab-Raten spielen (such such), um die richtigen zu finden (such such such), in denen man hoffentlich irgendwo auf Pause klicken kann (such such such such), um den Wirrsing endlich abzustellen (puh…). Das ist ebenso störend wie es unfreiwillig komisch ist.

    Danke.

  49. 50
    claus says:

    Direkt aus dem Maul des Pferdes, wie man in England sagt:

    YES RT @JuanGriffiths:I’m convinced this General Election is just an elaborate viral marketing campaign for Series 3 DVD of The Thick of it.
    http://twitter.com/AIannucci/status/13068286982

  50. 51
    Thomas L says:

    Die Headlines sind ja toll. Das relativiert ja beinahe schon die Bild.. aber nur fast.

  51. 52
    Cornelius says:

    Mein Verständnis für Gordon Browns Doppelzüngigkeit geht gegen Null. Verwunderlich, dass sich hier einige auf seine Seite stellen. Vor den Medien und Wähler/innen schön freundlich und dankbar, aber hinterher im Auto abkotzen. Auf Politiker solcher Güte kann man gern verzichten.

  52. 53
    Thomas L says:

    Cornelius, Politiker müssen sich für gewöhnlich diplomatisch verhalten. Mein Verständnis für deine Auffassung geht gegen Null.

  53. 54
    jokahl says:

    @46./49. Es kommentierte Gregor Keuschnig vom Weblog stefan-niggemeier.de
    @all: Ich bin dafür, dass wir alle uns künftig für mehr Meinungsfreiheit von Politikern einsetzen sollten. Die Brown-Anekdote zeigt doch eigentlich nur, dass Politiker schon gar nicht mehr davon ausgehen, dass irgendjemand hören will, was sie wirklich denken, sondern von vornherein davon ausgehen, dass man das nicht darf.

  54. 55
    max.m says:

    @Cornelius (#54)
    Diplomaten müssen diplomatisch sein. Politiker eine politische Position vertreten. Aber klar, wenn „New Labour“ auch meinte, sich an dieses Klientel anpassen zu müssen, dann darf man sich nicht wundern. Die Geister die man rief…

  55. 56
    Cornelius says:

    @ Thomas L. (54)
    Aus diesem Grund, lieber Thomas, ist unsere politische Klasse so verrufen. Politiker haben einen klaren Standpunkt zu vertreten, vor den Wähler/innen und vor den Medien. Nicht rumeiern, sondern klare Kante, wie Münte (die Lusche) so schön gesagt hat. In der Außenpolitik ist Diplomatie gefragt, ja, aber Brown war in seinem Wahlkreis unterwegs. Da wird Klartext gesprochen …
    .
    @ max.m (55)
    Brown hat sich im Auto schlicht die Maske vom Gesicht genommen.

  56. 57
    Stefan W. says:

    @nona: Wirrsing! ymmd! :)

    Ich mag Wirrsing auch nicht – so nicht, und anders auch nicht. :)

    On Topic:
    Je nach dem, ob man den Politiker abkann oder nicht wird sowas eine kl. Episode, oder fügt ernsthaften Schaden zu.

    Man weiß auch schon, dass man oft belogen wird, aber man weiss damit noch nicht, wie genau sich das äußert, und man möchte es mal sehen und hören, auch um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie ein Politiker kuckt wenn er lügt, um ihn dann später beim ähnlich-kucken zu ertappen. „Kuck mal, jetzt kuckt er wieder so, wie damals, als er dann im Auto ausrastete“.

    Wobei ‚ausrasten‘ ja übertrieben ist.

  57. 58
    Stefan W. says:

    Warnender Nachtrag: Wir Blogkommentatoren deponieren ja jetzt auch immer öfter Micros in der Nähe des Blogbetreibers, um dessen Kommementare im Off zu unseren Kommentaren aufzufangen, und bei Gelegenheit zu diskutieren – natürlich nur, wenn sie eh schon öffentlich sind, weil’s jmd. getwittert hat. ;)

  58. 59
    Jens says:

    Um nochmal auf Barney Frank zurückzukommen … Jon Stewart hat’s auch ziemlich treffend kommentiert.

    http://www.thedailyshow.com/watch/wed-august-19-2009/barney-frank-s-town-hall-snaps

    Mir gefallen solche Politiker auch besser, die den Leuten direkt sagen, was für einen BS sie da von sich geben, als immer nur auf die political correctness zu achten und ja nichts öffentlich von sich geben, was später in den Boulevard-Medien als negativ dargestellt wird.

  59. 60
    twex says:

    „Am treffendsten erscheint mir die einfachste Übersetzung: bigott. Das Wort bedeutet (im Deutschen wie im Englischen) ursprünglich „scheinheilig” im Sinne eines religiösen Eiferers, ist aber zum Synonym für „heuchlerisch”, „verlogen” geworden — was treffend erscheint, wenn Brown den Kontrast zwischen der Beteuerung lebenslanger Labour-Treue mit ihrer Ablehnung der konkreten Politik und insbesondere von Einwanderern bezeichnen will. “

    Will er nicht, und deshalb ist die von Ihnen favorisierte Übersetzung mittlerweile ein „falscher Freund“ geworden. Im Englischen ist das Wort eine einfache politische Kampfvokabel der Linken gegen die Rechten. Da braucht es keine Heuchelei; auch wer sich offen und aufrichtig gegen linksliberale Thesen äußert, wird so genannt.

    Als Übersetzung eignet sich folglich jede abwertende Bezeichnung, die jemand wie Claudia Roth oder Volker Beck in den Mund nehmen würde, um die politische Haltung von jemandem wie Jörg Haider zu charakterisieren: Intolerant, menschenverachtend, rückwärtsgewandt. Würden die „bigott“ sagen? Nein, würden sie nicht.

  60. 61
    luminanzmuster says:

    @54 / 57 cornelius: politiker haben schlichtweg nur standpunkte aus dem programm für das sie gewählt wurden zu vertreten. alles andere wäre profilierung oder lobbyismus… und ein ganz gutes beispiel für klartext ist das hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=d3f-UHneD8o

  61. 62
    oasenhoheit says:

    erinnert mich an den fall, als prince charles mit seinen söhnen im urlaub war, sie sich auf größere entfernung von mehreren presseleuten fotografieren ließen und man seine den jungs leise gegenüber geäußerten abwertenden bemerkungen über die journalisten auch nur hat hören können, weil ein richtmikro auf sie gerichtet war.

    http://www.kleinezeitung.at/allgemein/video/multimedia.do?action=showEntry_VideoDetail&project=462&id=89803

    hier noch ne aufstellung mit weiteren mikropannen:
    http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2343994/besten-mikrofonpannen-politik-sport.story

    peinlich, wenn sowas passiert. noch unschöner, wenns veröffentlicht und darauf rumgeritten wird, obwohl sie in einem vermeintlich unbeobachteten moment geäußert haben, was andere im selben moment wohl auch gedacht und leise gesagt hätten.

  62. 63
    oasenhoheit says:

    nett ist ja auch, wenn im hintergrund dinge mitgeschnitten werden, die eigentlich nicht für die hörer bestimmt sind. *lol*

    http://www.radiopannen.de/mp3/pl021.mp3

  63. 64
    Nimuan says:

    # 40 Thomas L
    Nein, sowas überlasse ich Leuten, die Untreue mit Mord vergleichen, um politische Falschheit zu Kaugummidiebstahl in Beziehung zu setzen.

    Ich bin aber zugegebenermaßen erstaunt, dass hier sogar noch die Seniorin beschimpft und den Journalisten vorgeworfen wird, dass sie diese Äußerung nicht unterschlagen hätten. Woher kommt diese Empörung? Gilt sie speziell der Labour Party oder steckt dahinter eine generelle Solidarität mit Heuchlern?

  64. 65
    Thomas Wiegand says:

    OMG..was kann die Welt glücklich sein dass er das Mikro nich noch mit aufs WC genommen hat..da hätte man dann um Farbe, Konsistenz und die Geräuschanalyse diskutiert…in diesem Sinne

  65. 66
    Cornelius says:

    @ luminanzmuster (62)
    Immer wieder gern gesehen, die Streiche des Martin Sonneborn. Jawoll! „Die Partei“ würde bei mir zwar keinen Parteienstatus erhalten, aber unterhaltsam ist die Sache doch. Für sein Präsentkorb-Glanzstück zur Fußball-WM 2006 hege ich größte Sympathien.

  66. 67
    tacke says:

    @10:

    Nein, ich demonstriere nicht Ignoranz und Unwissen, sondern Du demonstrierst, was für´n weltgewandter Bursche Du bist!

  67. 68
    Armin says:

    Noe, ich habe nur Heimvorteil.

    Allerdings gehe ich davon aus dass die beiden Punkte auch in der Deutschen Presse schon oefter mal erwaehnt wurden.

  68. 69
    Johannes says:

    @27 „Was hat das noch mit Meinungsfreiheit zu tun wenn man nicht sagen kann, dass man eine Meinung scheisse findet?“

    Bitte? Wieso sollte man das denn nicht können? Von Politikern werden allerdings diplomatische Umgangsformen erwartet. Zu recht: Brüllos wie Guido machen sich nicht gut.

    Das Ding ist aber: Hier geht es doch nun wirklich nicht um Meinungsfreiheit sondern um Persönlichkeitsrechte.
    Das Thema ist eben nicht: ‚Wenn die Medien immer und überall dabei sind kann man nicht mehr sagen was man will‘ (Wie rauskucker es formulierte in #17 „So schön es ist, daß alle immer und überall dabei sind: die freie Rede leidet drunter“)
    Sondern, das Thema ist genau genommen: ‚Wenn die Medien immer und überall dabei sind hat man keine Intimsphäre mehr‘ in diesem Fall darf für „man“ „Politiker“ eingesetzt werden.
    So herum wird ein Schuh draus.

    Politiker sollten das Recht haben sich außerhalb der Öffentlichkeit über ihre Wähler und sonstwen in (zu recht) abschätziger Art oder sonstwie zu äußern. Dieses Recht wurde hier nicht respektiert. Es geht nicht darum, dass mehr Presse weniger Meinungsfreiheit bedeutet: mehr Presse bedeutet für Politiker weniger Privatsphäre und dieses 24/7-Theater wie in dieser Aufführung mit Brown scheint mir den Zweck der Pressefreiheit zu pervertieren.*
    Irgendwie ist der Coup ganz klassischer Boulevard.

    *(Klar, die Meinunsgfreiheit leidet insofern indirekt darunter, dass Politiker somit de facto nur noch ihre diplomatische Rolle spielen, die als Politiker von ihnen erwartet wird, und eben nicht mehr Person sein können und sagen „She’s just this sort of bigoted woman who…“)

  69. 70
    Gregor Keuschnig says:

    Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Persönlichkeitsrechte – Donnerwetter! Einige Kommentatoren machen aus einem Fliegenschiss eine Katastrophe biblischen Ausmaßes. Schlimm genug, dass die Journalisten schon hysterisch werden und dies zur Wahlentscheidung hochstilisieren wollen (hat UK keine anderen Sorgen?). Gibt es auch noch andere Themen in diesem Wahlkampf? Vielleicht die Krawattenfarbe?

  70. 71
    Dr. Schwede says:

    Der arme Mr. Brown, Mitleid von meiner Seite. Ich hätte auch im Auto abgekotzt.

    Dagegen kann man nun einwenden, was hier schon gesagt wurde:

    1) Auch Politiker sind „bigott“, Heuchler, Schauspieler. Nur wenigen (wie z.B. Helmut Schmidt) gelingt es, authentisch zu bleiben und dies rhetorisch so zu verpacken, dass niemand (!) vor dem Kopf gestoßen wird. Sind noch die Kameras dabei, will ich ja rund 80 Mio. Menschen überzeugen. Und: Auch Politiker, die so tun, als würden sie kein Blatt vor den Mund nehmen, spielen in Wirklichkeit. – So wie wir alle im sozialen Leben.

    Alternative: Kurt Beck und der ungewaschene Arbeitslose…

    2) Keiner hat sie gezwungen, diesen Job zu machen. Selber schuld.

    Aber: Wenn ich diesen Job mache, weil ich die politischen Ziele umsetzen möchte, an die ich glaube, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als ein Waschmittelverkäufer zu sein. Und da steigen viele aus der Politik aus. Oder sie können das nicht und scheitern. Auch hier ein Beispiel: Kurt Beck.

  71. 72
    Thomas L says:

    @Nimuan: Ähem, nochmal ohne Ironie: Sie haben den Brown-Vorfall mit Fremdgehen verglichen. Ich nehme an das hat Methode.

  72. 73
    mats says:

    Oh mann, der arme Kerl. Sowas kann passieren, aber dass man als Journalist diesen Mitschnitt noch veröffentlicht hätte zumindest in Deutschland noch ein juristisches Nachspiel gehabt.

  73. 74
    jokahl says:

    @Gregor Keuschnig/71.: Warum diese Aufregung über die Aufregung? Hätten Sie denn den Mitschnitt veröffentlicht?

  74. 75
    polyphem says:

    #Dr. Schwede:
    Helmut Schmidt wäre sicher beleidigt, wenn man ihm unterstellt, er habe niemand (warum mit Rufzeichen?) vor den Kopf gestoßen.

  75. 76
    polyphem says:

    @72: Millennium – bambi bumm : Bambi Maischberger hielt heute die Laudatio für Helmut Schmidt. Er hat es sich gewünscht. Ich habe sehr gelacht. (s. #76)

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