Ein innerer Reichsparteitag

Das ist jetzt nicht wahr, oder? Dass es eine mittelgroße Empörungswelle gibt, weil ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein in der Halbzeitpause eines Fußballspiels, das offenbar gerade stattgefunden hat, gesagt hat, für Miroslav Klose müsse sein Treffer doch „ein innerer Reichsparteitag“ sein?

Für mich ist das eine alltägliche Redewendung, um einen besonderen Triumph zu beschreiben, ein Gefühl von Schadenfreude oder die Genugtuung, es allen gezeigt zu haben. Von mir aus können wir gerne darüber diskutieren, ob das eine besonders passende oder geschmackvolle Redewendung ist — aber doch nicht ernsthaft darüber, dass der öffentliche Gebrauch der Formulierung einen Nazi-Skandal darstellt?

Oh doch. Die immer um billige Aufmerksamkeit heischenden Klickstreckenproduzenten von „Welt Online“ begannen sofort zu hyperventilieren:

Der Artikel wurde offenbar hektisch auf- und umgeschrieben. Anfangs hieß es in sicher irgendwie bedeutungsvoller Ausführlichkeit:

Diese Redewendung bezieht sich auf die Reichsparteitage der NSDAP in den 1930er Jahren, die mit ihren Aufmärschen, Paraden, Appellen, Totengedenken und Wehrmachtsvorführungen in ihrem Repräsentationsgebaren den Charakter einer offiziellen Staatsfeier trugen. Sie dienten der Demonstration des absoluten Machtanspruches der NSDAP und der Ideologie des NS-Staates: Disziplin und Ordnung, die Unterwerfung des Individuums unter einen gemeinsamen Willen.

(Den wesentlichen Teil davon hat der diensthabende Content-Produzent sicherheitshalber von den Seiten des Deutschen Historischen Museums kopiert.)

Später verunglückte ein neuer Formulierungs- und Skandalisierungsversuch so:

Reichsparteitage beziehen sich auf die Veranstaltungen, bei denen Adolf Hitlers NSDAP besonders ab 1933 ihre verhängnisvolle, menschenverachtende Propaganda im großen Stil ausbreitete.

Offenbar ist der Gebrauch der Redewendung für die „Welt“ ein schlimmer Tabubruch, wobei… nö:

„Welch innerer Reichsparteitag muss es jenem englischen Journalisten gewesen sein, dem damals die Bezeichnung „Bum-Bum-Boris“ einfiel (…).“
(„Welt“, 15. Dezember 2000)

„Dort überall kreuzt nämlich die ganze Julian-Clique auf (…) – bis sie dann alle Mann hoch ihren inneren Reichsparteitag in Gorleben, als Gegner der Castor-Transporte natürlich, erleben. “
(„Welt“, 19. Februar 2005)

„Tja, der vergangene Sonntag war den ehemaligen SED-Politikern, die sich heute in der Linken versammeln, ein innerer Reichsparteitag.“
(„Welt“, 30. Januar 2008)

Schlimm scheint es vor allem zu sein, wenn Frauen eine solche Formulierung gebrauchen. Denn Frauen machen beim Fußball, wie „Welt Online“-Autor Jörg Winterfeldt weiß, immer Fehler:

Traditionell haben Frauen es im medialen Fußball-Umfeld schwer. Das haben gerade im ZDF immer wieder leidvoll Frontfrauen erfahren müssen von Carmen Thomas, die bis heute noch gelegentlich auf ihren Fauxpas „Schalke 05“ aus dem Juli 1973 reduziert wird, bis zu Christine Reinhart, die ab 1993 zwei Jahre lang im Sportstudio moderieren durfte.

Doch Müller-Hohenstein hatte sich vor der WM sehr aggressiv zu vermarkten versucht und nun gleich bei ihrem ersten großen Auftritt schwer gepatzt (…)

Die „sehr aggressive“ Vermarktung muss mir irgendwie entgangen sein, was bei meinem Desinteresse an Fußball natürlich nicht ausgeschlossen ist — aber ist es nicht interessant, dass vermeintliche „Patzer“, die Frauen machen, von Quatschmedien wie „Welt Online“ immer mit ihrem Geschlecht in Verbindung gebracht werden? Wo bleibt, wenn Johannes B. Kerner wieder einmal Unsinn verzapft hat, die Bildergalerie zum Thema „peinliche Fehltritte von Männern“?

Besonders niedlich ist der Nazifizierungsversuch von „Welt Online“ aber auch in seiner Ahnungslosigkeit über das Kommunikationsverhalten der Menschen bei „Twitter“:

Der Fehltritt geriet so folgenschwer, dass viele Fans sich in der zweiten Halbzeit schon vor den Computer setzten, statt sich ganz der zweiten Halbzeit von Deutschlands erstem WM-Auftritt in Südafrika zu widmen.

Man sieht sie förmlich, die Massen, die sich vor dem geistigen Auge des Autors mit den Armen in den Hüften vom Platz vor dem Fernseher erhoben oder empört von der Public-Viewing-Party nach Hause stapften, um dort erst einmal vor lauter Ärger den Computer hochzufahren — als hätten die Leute, von denen da „gewettert, getwittert und in sozialen Netzwerken online diskutiert“ wurde, nicht ohnehin vor dem Computer gesessen.

Und dann holt „Welt Online“ auch noch Eva Herman aus der Kiste:

Besonders erstaunlich scheint Müller-Hohensteins Entgleisung vor dem Hintergrund, dass erst unlängst eine Moderatorinnenkollegin mit Vergleichen zu Hitlers Herrschaft für einen Skandal und in der Folge ihre Entlassung gesorgt hatte: Die frühere Nachrichtensprecherin Eva Herman hatte den Umgang der Nationalsozialisten mit Werten wie Kinder, Mütter, Familien und Zusammenhalt, „als das, was gut war“ charakterisiert.

Sehen wir einmal von den falschen Anführungszeichen und dem angestrengten Versuch ab, eine nicht vorhandene Parallele zu konstruieren und dem Wörtchen „unlängst“ auch noch eine mehrjährige Zeitspanne aufzubürden — dass Eva Herman mit ihrem inzwischen berüchtigten Worthaufen den „Umgang der Nationalsozialisten“ mit diesen Werten als positiv einstufte, ist mindestens umstritten, und das Oberlandesgericht Köln hat dem Axel-Springer-Verlag untersagt, Herman so zu zitieren, als habe sie den Nationalsozialismus in Teilen gutgeheißen.

Und die ganze Aufregung, das ganze schlimme „Welt Online“-Gemurkse, weil Katrin Müller-Hohenstein von einem „inneren Reichsparteitag“ gesprochen hat? Weiß jemand, ob die in Südafrika Autobahnen haben?

PS: Leider haben sich auch die Freunde von „11 Freunde“ in für mich unfassbare Rage geschrieben („Katrin Müller-Hohenstein bettelt um ihre Entlassung“), aber mein Empörungsempörungspotential ist nun erschöpft.

959 Replies to “Ein innerer Reichsparteitag”

  1. @Marco: Wenn du das hier meinst, das ist wohl eher Satire, vgl.:

    Was ist da los beim Opa-Sender ZDF? Nazi-Vergleiche am laufenden Band: Erst macht Moderator Bela Rethy (53) den Stürmer („Alles über rechts“, „blitzartige Angriffe“, „Özil keine deutschen Tugenden“)…

  2. Es soll, munkelt man, auch vor 1933 schon Parteitage gegeben haben, sogar Reichsparteitage. Sogar, als das Reich noch einen Kaiser hatte. Und da soll’s diese Formulierung auch schon…

  3. Ach, ach, ach… Als ich gerade auf einen text zum Thema in deinem Blog aufmerksam wurde, hatte ich das Schlimmste befürchtet. Ich nehme mit ehrlicher Erleichterung zur Kenntnis: Ich bin mit meiner Verwunderung nicht alleine!
    Die KPD hat ihren Reichsparteitag 1929 übrigens in Dresden abgehalten.

  4. Na super – fast den gleichen Artikel (gleicher Tenor, beschissener formuliert) wollte ich auch schreiben. Das lasse ich dann jetzt und straf Dich dafür mit eiskaltem Drücken des flattr-Buttons ab – das haste davon ;)

  5. Das Problem bei dem taz-Kommentar ist doch, dass bei der taz in den letzten Monaten immer wieder ernst gemeinte Schriften solcher Art erschienen sind, bei denen ich mich wirklich gefragt habe, wie ernst die das meinen. Humor bzw. Satire bin ich dort nicht gewohnt.

    Da stellt sich mir die Frage: War da ein geifernder Redakteur mit Internetrechten dran oder hat jemand wirklich so schnell eine Satire zusammengeklöppelt? Und wenn man jedem Zweiten erstmal erklären muss, dass es Satire ist, liegt es dann am Leser oder doch eher am Autor?

  6. Richtig, die handwerklich dilettantische taz-„Satire“ macht alles nur noch schlimmer!

    Besonders lustig finde ich das Phänomen, dass manche den Spruch als ganz harmlose Redewendung abtun – obwohl sie damit nur zugeben, dass sie ihren Wortschatz nicht reflektieren!

    Und noch lustiger sind die, die – ganz Klugscheißer – darauf hingewiesen haben wollen, dass der Spruch doch eher spöttisch gegenüber den Nazis verwendet worden wäre – obwohl seine Verwendung in einer Fußball-Halbzeitpause somit erst recht fragwürdig wird, weil dadurch auch jede mögliche Motivation für KMH, den Spruch zu verwenden, wegbricht! LOL

  7. Von einer Journalistin kann ich schon erwarten, auch im Überschwang einer erfolgreichen 1. Halbzeit eines 1. Vorrundenspiels etwas geschickter zu formulieren, vor allem, wenn ich berücksichtige, welche Wurzeln der der angesprochenene Spieler hat…
    Einem Nazi-Vergleich hält sie sicher nicht stand, schon gar nicht einem Vergleich mit Eva Herman.
    Dennoch ist es ein Satz, der historisch belastet ist. Nicht mehr und nicht weniger.

  8. Ich habe das zwar erst durch Twitter mitbekommen, lache mich aber jetzt tot darüber, wie die Leute an die Decke gehen, nur weil eine Tussi eine völlig unverständliche (jedenfalls für mich) Metapher gebracht hat. http://yigg.it/7w71b

    Da wird die Nazikeule geschwungen, wo sie andernorts (Sarrazin) mehr angebracht wäre.

  9. Endlich mal einer, der diesen Ausspruch ins richtige Verhältnis rückt. Diese Empörungswelle ist doch lächerlich.

  10. @Jens Weinreich: Doch, alltägliche Redewendung. Ich könnte jetzt noch ein Dutzend Beispiele aus dem Zeitungsarchiv raussuchen. Die sind natürlich kein Gegenargument zu der Meinung, die Redensart sei eine böse und dürfe nicht benutzt werden. Aber sie wird benutzt. Und mir kommt es so vor, als hätten viele der Leute, die gerade an die Decke gehen, sie einfach noch nie gehört.

    Und, doch, da war wirklich gerade irgendso ein Fußballspiel. Echt! Siehe hier: http://www.wortfeld.de/2010/06/wm-planer-2010-2/

  11. Naja, für manche Leute ist es nun mal besser, die Leute reden über ’ne Sportreporterin anstatt über das Chaos bei Schwarz-Gelb.

  12. Vielen Dank für diesen Beitrag; wird Zeit, dass ich mal mein Flattr-Konto auflade, hier wäre ein Klick mehr als angebracht.
    Ich habe die Redewendung schon selbst benutzt und bin nun wirklich alles andere als rechts – muss allerdings auch gestehen, dass ich mir noch nie darüber gedanken gemacht habe. Aber ob böse oder nicht böse, da definitiv allgemeiner Sprachgebrauch ist die Reaktion geradezu lächerlich, aber auch irgendwie wieder typisch. Schade nur, dass Medien auf das alberne Gezwitscher aufspringen und alles noch verschlimmern.

  13. Aua, das wird echt immer krasser.

    Das ist nun mal eine Redewendung. Manche kennen sie und haben sie verwendet, ohne groß darüber zu reflektieren, was daran politisch inkorrekt sein könnte – andere kennen sie offenbar nicht, fühlen sich aber sofort berufen, Zeter und Mordio und (natürlich) Nazi zu brüllen.

    Darf man als Atheist die Redewendung „um Gottes willen“ jetzt auch nicht mehr verwenden? Glorifiziert man, wenn man von „08/15“ redet, den 1. Weltkrieg?

    Macht Euch mal locker.

    Ach, und für die, die die sich über den taz-Kommentar echauffieren: traurig, wenn man ohne -Tags nicht durchs Leben kommt, oder? Mich freut es jedenfalls, dass die taz es schafft, unaufgeregt zu berichten — und nebenbei auch mal sich selbst auf die Schippe zu nehmen.

  14. „Für mich ist das eine alltägliche Redewendung, um einen besonderen Triumph zu beschreiben, ein Gefühl von Schadenfreude oder die Genugtuung, es allen gezeigt zu haben.“

    Sie sind ja auch nur ein Blogger, Herr Niggemeier, der sich einen Namen damit gemacht hat, in zerknitterten Springerblättchen nach Essbarem zu suchen. Da macht es nichts, sich mit derb-unschönem Dorfkneipen-Jargon selbst in die Pfanne zu hauen. Frau Müller-Hohenstein moderiert jedoch eine Fernsehsendung, die zum Zeitpunkt ihrer Äußerung wohl astronomische Zuschauerzahlen besessen haben dürfte. Da sollte man sich schon etwas mehr zusammenreissen. Mit ein bisschen Nachdenken werden sie als „Medienjournalist“ sicherlich auch zu diesem Schluss kommen.

  15. Nachtrag: „ohne -Tags“ hieß mal „ohne Ironie-Tags“, da hat die Software die Klammern samt Inhalt gefressen…

  16. „Es ist mir ein Volksfest, ironische Verstärkung der Wendung ›Es ist mir ein Vergnügen‹, ›Es ist mir angenehm‹, ›Es freut mich sehr‹; ebenso: ›Es ist mir ein innerer Reichsparteitag‹ oder ›Es ist mir ein innerer Vorbeimarsch‹, mit parodistischer Beziehung auf die bombastischen Reichsparteitage der Nationalsozialisten in den dreißiger Jahren aufgekommen.“
    (Rörich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Bd. 5, S. 1682) – zit. bei http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Auskunft/Archiv/2008/Woche_09#Reichsparteitag.2C_innerer

  17. „Für mich ist das eine alltägliche Redewendung, um einen besonderen Triumph zu beschreiben“.

    Wenn das für Sie eine alltägliche Redewendung sein sollte, bin ich entsetzt. So reden Sie und Ihr soziales Umfeld? Und so denken Sie auch? Täglich? Ich hoffe sehr, das haben Sie ironisch gemeint. Ich kenne niemanden, außer irgendwelchen dämlichen Faschos, die so einen Mist daherreden.

  18. Danke Stefan für diese sehr angemessene Reaktion.

    Hier wird ein Nazi-Skandal aufgebauscht, der keiner ist.

    Müller-Hohenstein ist aber nun in die Liga eines anderen legendären Fußballreporters aufgestiegen.

    Aus einem Interview von Manni Breuckmann mit der taz (http://www.taz.de/?id=archivseite&dig=2005/11/01/a0029):
    ———–
    Haben Sie sich persönlich schon mal in der Sprache vertan?

    Es gab ein Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Nürnberg. Der Spieler Detlef Szymanek, zuvor von Düsseldorf nach Nürnberg gewechselt, erzielte ein Tor und ich benutzte ausgerechnet die Formulierung „das war für ihn ein innerer Reichsparteitag“. In dem Moment als ich den Satz gesprochen hatte war mir klar, dass gibt Ärger. Und so war es auch.
    ———–

  19. @Leo: Von Kreisen war gar keine Rede, sondern nur von mir. Aber die Redewendung hat es auch mal in den Sprichwörter-Duden und andere Nachschlagewerke geschafft, was mich vermuten lässt, dass ich nicht der einzige bin.

    (Noch einmal, um Missverständisse zu vermeiden: Dass Leute die Redewendung benutzen, ist noch kein Argument dafür, dass es gut ist, sie zu benutzen. Aber die Behauptung, es handle sich nicht um eine wenigstens halbwegs gebräuchliche Redewendung, nur weil man sie selbst nicht kennt, lässt sich leicht widerlegen.)

  20. @Leo (28): bei der Welt-Redaktion ist das eine alltäglcihe Redewendung, steht doch oben im Haupttext schon….

  21. Sehr schön übrigens auch bild.de

    „Das ist in gewissen Kreisen umgangssprachlich sicher eine gängige Redewendung (…)“

    Welche Kreise meint bild.de da nur?

  22. Lasst doch den armen Leuten von der Welt Ihren Spass. Die müssen doch auch irgendwie ihr Geld verdienen. Und was käme da besser, als ein kleiner Naziskandal während der WM. Hab das in der Halbzeit net gesehen und glaube, dass ist auch gut so. Sonst fände ich die Aufregung wahrscheinlich noch lächerlicher.

    Das Spiel an sich hat, trotz meiner allgemeinen Abneigung gegen Fußball, durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient. Wobei:
    Wenn die ganzen erregten Leute, die jetzt die Zeitungen und das Netz mit „Nazi“- Geschrei zumüllen, gesehen und gehört hätten, wie die Fans Sprüche wie „Deutschland vor, noch ein Tor“ o.ä. „gehetzt“ haben, dann wäre der Skandal wahrscheinlich noch viel größer….

    Ich werde, trotz meines Mitleids mit der Moderatorin, bei jedem weiteren „Nazi“-Rufer den ich lese oder höre einen kleinen, inneren „Reichsparteitag“ haben.

    @ 8 Steckschuss

    Denke, dass solche historischen Vergleiche unnötig sind.
    1. Ist die Formulierung gebräuchlich und muss nicht aus dem historischen Kontext gerechtfertigt werden. Die allgemeine Aktzeptanz (die Herr Niggemeier dort oben zumindest für die hyperventilierende Welt bewiesen haben dürfte) „legitimiert“ die Formulierung…falls es überhaupt einer Legitimierung von Formulierungen bedürfte. Zumindest aber wird sie dem „rechtsextremen“ Verkehrskreis entzogen, und Allgemeingut.
    2. Egal, wie alt die Formulierung ist, diejenigen, die eine Verbindung zu den Nazis erstellen möchten, werden das auch schaffen. Und danach ist es egal, wer das wie wann und in welchem Kontext gesagt hat. Dann ist es für diese Leute ein „verbrannter Nazibegriff“.

    Zustimmung bei der Sache mit der taz (auch an Daniela). Die taz ist eine ironiebefreite Zone…
    ups, „ironiebefreite Zone“…jetzt sind wir schon wieder mit einem Bein im Dritten Reich.

    Gute Nacht noch allerseits,

    Max

  23. Ist es nicht eigentlich viel schlimmer, dass diese Frau völlig emotionslos und langweilig wirkt? Also weil ich mein ja nur, gegen die ist selbst Netzer ein Tischfeuerwerk.

  24. KMH kommt ja aus Erlangen, da ist man schon geographisch nah am Reichsparteitag(sgelände)… Davon überhaupt mit gutem Gewissen davon sprechen, dass „Deutschland“ Australien mit 4:0 „besiegt“ hat?

  25. Guten Tag Kollege Niggemeier,

    bislang habe ich Ihren Blog ernst genommen und ging davon aus, dass Sie wissen, worüber Sie schreiben.
    Kann es sein, dass mit dem 4:0 Ergebnis irgend etwas abhanden kam?
    Mir haben sich die Haare gesträubt und ich saß erst ein Mal fassungslos vor dem PC, an dem ich mit meinem achtjährigen Sohn das Spiel und diese unsägliche Äußerung verfolgte.
    Leben wir im Südschwarzwald hinter dem Mond, dass mir als (freier) Lokaljournalist bei all den Kontakten mit Menschen bislang solch eine Formulierung unbekannt blieb?
    Wieviel Sensibilität braucht es bei Journalisten, um bestimmte Redewendungen, die möglicherweise an Stammtischen gebräuchlich sind, zu meiden?
    Zumindest im Kontext einer WM war solch eine Formulierung völlig deplatziert. Insofern kann ich Ihren Standpunkt absolut nicht nachvollziehen

    Es grüßt aus dem Südschwarzwald

    Manfred Hüfner

  26. Völlig falsche Sichtweise, dieser Kommentar. Nazislang darg nicht einreißen in den deutschen Medien. Deutschland hat heute eine hohe Niederlage kassiert. moralisch und in den Augen der Welt.

  27. Ich habe diese Redewendung bisher noch nie gehört. Ich verkehre anscheinend nicht in den selben (rechtsradikalen?) Kreisen wie Niggemeier.

  28. Einleitend: Ich halte natürlich die Panik-Reaktionen, die ob dieses Zwischenfalls jetzt die NSDAP auf dem Vormarsch im öffentlich rechtlichen Rundfunk vermuten, für unnötigen Skandalisierungs-Wahn.

    ABER …

    Es ist doch vollkommen unerheblich, ob in irgendwelchen Nachschlagwerken steht, was gemeinhein als Redewendung verwendet wird.

    Wenn jemand in einem öffentlichen Medium sagen würde, es sei ein innerer Reichsparteitag oder man hätte sich bis zur Vergasung verausgabt, etc., dann finden sich für derartige Begriffe immer irgendwelche „wird als XYZ gebraucht“-Einträge oder objektiv unbelastete Analysen, warum das jetzt ganz und gar nicht zur Nazikeule umgedeutet werden dürfe.

    Wenn allerdings ein paar Leute bei der Verwendung wie eben bei „innerer Reichsparteitag“ gedanklich *bremsen* und der Meinung sind: „Moment, das hätte man anders sagen können .. das ist nicht ganz o.k. …“ Dann zeigt das, dass die „allgemeine harmlose Bedeutung“ offensichtlich nicht der Fall ist. Und ich finde das gut so.

    Die richtige Reaktion wäre jene von Gruschwitz gewesen, nur von Müller-Hohenstein on air gebracht.

    Nebenbei, wenn man schon die Presse-Suchmaschinen anwerfen möchte, dann suche man doch mal nach der Verwendung des Wortes „Neger“ in den Medien …

  29. @Niggemeier
    (Das ist besonders anstrengend in solchen Diskussionen. Dieser Kurzschluss: Ich kenne das nicht -> Niemand kennt das.)
    ………………………………………………………………..

    Zeigen Sie mir ein Mitglied der Bundesregierung oder einen renommierten Zeitungsjournalisten, der diese Redewendung gebrauchte. Ich kenne nur Herrn Breuckmann und der hat dafür ordentlich eine auf den Deckel bekommen.

  30. Seit wann obliegt Herrn Niggemeier die Deutungshoheit darueber, was eine ‚alltaegliche Redewendung‘ ist…?
    Wichtigtuer.

  31. Könnten wir uns die Empörung nicht bitte für die wirklich wichtigen Dinge aufheben?

    Was für ne Keule wollen wir denn rausholen, wenn richtige Nazis marschieren und wir schon alle an unschuldigen Redewendungen zerschlagen haben?

    Ganz nebenbei: Der Fehler der Frau Müller-Hohenstein ist nicht, diese Redewendung überhaupt benutzt zu haben, sondern die in der Benutzung implizite Unterstellung, die Zuschauer könnten sowas wie Humor haben. Dass das wohl eine irrige Annahme nicht nur in Bezug auf ZDF-Seher, sondern auch auf einige der Kommentatoren hier ist, macht mich einigermaßen betroffen. Echt.

  32. Es gibt schlichtweg Dinge/Worte/Sprueche, von denen Leute mit ein wenig Grips wissen muessen, wann man sie sagt und vor allem, wann man sie NICHT sagt.

    Der diskutierte Spruch ist ok unter Kumpels mit einem gewissen ‚Common Ground‘. Wenn die Omi von nem Kumpel am Tisch sitzt, deren Mann von der Gestapo abgeholt worden ist, ist er nicht ok. Im zdf ist er noch weniger ok. Nicht nachts, wenn keiner zuschaut und erst recht nicht wenn der Klose endlich wieder ne Bude macht.
    Warum?
    Finde ich.
    Weil in der Halbzeitpause vom ersten deutschen Spiel der WM ein Haufen Leute zuschauen, deren Reflexionbefaehigung nicht allzu stark ausgepraegt ist und die dann denken (nein: meinen – zum denken langt’s bei den meisten nicht) ‚Ach, wenn die das sagt, darf ich ja auch Auslaender raus schreien‘.

  33. Wenn die deutschen Jungs schon nicht verlieren wollen, muss man sich eben jemand anderen suchen, den man der Ketzerei bezichtigen kann.
    Kommt doppelt gut, wenns dann noch eine Frau ist.
    Fehlt nur noch, dass sie eine von und zu ist, dann sind die nächsten Wochen für den Qualitätsjournalismus gerettet.

    Mir ist auch ‚innerer Vorbeimarsch‘ geläufig.
    Jetzt bin ich bestimmt weiter rechts als ein Nationalsozialist…

  34. Hm, da bin ich aber gespannt, warum mein Beitrag noch der Moderation „harrt“ … vielleicht ob der Verwendung eines bestimmten Stopp-Worts *in* diesem Beitrag?

  35. @40, 41, 42

    Argh, seit wann bitte ist das eine Redewendung aus rechtsradikalen Kreisen? Ich hab auch zuhause mal den Gasherd angelassen. Bediene ich mich deswegen nationalsozialistischen Gedankengutes?

    Wer sind wir denn, uns von Nazi-Spacken diktieren lassen zu wollen, wie wir unsere Sprache zu benutzen haben…

  36. @45

    Dann sollte bitte man seine Energie darauf verwenden, diesen Dumpfbacken ein bissel Bildung angedeihen zu lassen, anstatt alle Witze zu verbieten, die Leute vielleicht falsch verstehen könnten.

  37. Eine übliche Redewendung? Nein, so macht man es sich ein bisschen zu einfach. Vielleicht sollten sich einige nochmals Ton- oder Videoaufzeichnungen einiger solcher Reichsparteitage anschauen! Solch eine beiläufige und überflüssige Erwähnung wirkt, in Bezug auf die historischen Ereignisse, verharmlosend und somit auch demütigend für die Opfer und Hinterbliebenen.

    Es wird keine sinnlose Diskussion künstlich geschürt – sie ist angebracht. Weil solche Sprüche kann sich das ZDF sparen. Jeder kann sie sich sparen. Am besten hätte Frau Müller-Hohenstein während Ihres Kommentars noch ein kleines Deutschland-Fähnchen schwingen sollen… das hätte das Bild dann komplettiert.

    Es ist nicht so, dass das eine pseudo-tolerante Diskussion von Menschen mit Hitler-Komplex wäre, weil man ja generell erstmal jeden Satz, der sich auf die 30er/40er bezieht, kritisieren muss. Es ist ganz einfach ein verbaler Totalausfall gewesen. Und wenn diese ‚Redewendung‘ tatsächlich üblich sein soll, wäre diese ‚Redewendung‘ ebenfalls ein Totalausfall und ist deswegen nicht weniger kritikwürdig.

  38. @Linus, 48

    „Gasherd“ ist auch die Bezeichnung eines ganz alltäglichen Gebrauchsgegenstands.
    „Reichsparteitag“ wird nur in einem Zusammenhang verwendet- sieht man mal über Parteitage der Parteien vor der Machtergreifung durch die NSDAP hinweg.

    Es müssig und unzureichend möglich, Gasherd mit anderen Wörter zu umschreiben. Für einen „inneren Reichsparteitag erleben“ gibt es jedoch definitiv besserem, einfach zu verwendende Formulierungen.

  39. einen nazi-vergleich halte ich ebenfalls für überzogen.
    ich kannte die redewendung und genau deswegen habe ich mich aufgeregt. mir ist ziemlich egal, ob sie allgemeiner sprachgebrauch ist. in meinem umfeld ist sie gar nicht geläufig und ich selbst nutze sie auch nicht.
    für mich ist diese redewendung, genauso wie z.b. die immer noch beliebte drohung an kinder „mach so weiter, dann ist holland in not/polen offen“ einfach geschmacklos und keinesfalls beispiel dafür, wie man begriffe von braunem sumpf befreit. glaubt hier wer ernsthaft, wer diese redewendungen benutzt, hat sich vorher bewusst mit der ehemaligen benutzung auseinandergesetzt und dann beschlossen, sie nun in den aktiven sprachschatz aufzunehmen, weil sie aus unerfindlichen gründen eine neutrale redewendung geworden sei? solche redewendungen sind eher beispiel dafür, wie lange und tief manches sitzt und unreflektiert bleibt.
    für mein empfinden ist es eine gedankenlosigkeit von katrin müller-hohenstein gewesen, die millionen erreicht hat. wieso nicht direkt noch live sagen, dass es daneben war und gut ist? so hätte auch einer welt online gleich der wind aus den segeln genommen werden können.

  40. Ein wirklich gelungener kritischer Beitrag zu diesem Thema der in meinen Augen auch sehr gut recherchiert und durchdacht ist. Habe daher in meinem Blog mal auf diesen Beitrag verwiesen

  41. Habe diese Redewendung so auch noch nicht gehört, weswegen ich im ersten Moment verwirrt, ungläubig, ja fast fassungslos in die zweite Halbzeit entlassen wurde. Mit den online zu findenden Definitionen und Einordnungen wird es nun minimal hinnehmbarer. Werde die Redewendung aber wohl eher nicht in meinen Sprachgebrauch übernehmen (im Gegensatz etwa zu „alter Finne“ oder „Karagounis, Karagounis, don’t make signals“). Die Diskussionen hier, in anderen Blogs oder bei den Online-Ablegern der Printmedien unterhalten mich gerade aber ganz gut. Schade, dass ich morgen früh raus muss, um an einer Lokalzeitung (übrigens mehr oder weniger KMH-County) zu basteln … sicher, ohne diese Redewendung ins Blatt zu setzen.

  42. Also für „alltäglich“ halte ich ich die Redewendung nicht. Bei mir ist sie eher im passiven Wortschatz vergraben. Die Aufregung im Netz mal unbeachtet – mich wundert ehrlich gesagt eher der Kontext der Äußerung: Jemand feiere seinen inneren Reichsparteitag, das würde ich nur von Leuten behaupten, die gehässig triumphieren über Dinge, bei denen sie sich unfair und oder unmenschlich verhalten haben.
    Ein Beispiel bringt’s wohl besser auf den Punkt: Der von allen gehasste Biolehrer prophezeite einem Mitschüler schon in der Mittelstufe „bei mir machst Du kein Abi“. Es folgten unfaire Benotung, Drohungen, es hagelte ungerechtfertigte Tadel. Der Kurs stellte sich zwar vor den Mitschüler, war dann aber auch der Ungnade des Lehrers ausgesetzt. Nach einem Jahr Terror strich der Mitschüler die Segel und ging ab.
    Das (und das sage ich noch heute genauso) war für den zu Recht gehassten Lehrer ein innerer Reichsparteitag.
    Aber Klose? Weil er ein Tor geschossen hat obwohl im Vorfeld viel Kritik auf ihn einprasselte? Da passt m.E. so manches nicht bei der Äußerung. KMH sollte sich bei Klose entschuldigen, nicht bei irgendeinem Twitterer.
    Aber auch gut möglich, daß mich hier mein Sprachgefühl völlig im Stich lässt…

  43. [ ] kenne diese Redwendung nicht.
    [x] Diese Redewendung wurde von mir schon mehrere Male benutzt.

    Ich weiss normalerweise was ich sage und für mich ist die SPD unwählbar weit rechts. Und nun?

    „Das wird alles viel zu hochsterilisiert“ (B. Laberdia)

    [x] Bei der Welt werden Leute dafür bezahlt, sich auf Knopfdruck über allen möglichen Scheiss zu empören. Für Nachdenken, Recherche bleibt keine Zeit.

  44. Sehr geeehrter Herr Niggemeier,

    Sie hätten die Sache wohl doch besser überschlafen sollen. Jeder seriöse Zeithistoriker wird Ihnen detailliert erläutern, daß und warum KMH’s Geistesblitz eben keine „alltägliche Redewendung“ ist, die sie oben auch für Ihren eigenen Sprachgebrauch entschuldigend zu reklamieren versuchen. Sondern Nazi-Jargon reinsten Wassers. Zumindest als aktualisierendes Zitat. Derlei gehört jedenfalls nicht ins ZDF – und wohl auch nicht in den Wortschatz eines sich im Lichte der Aufklärung sonnenden kritischen Medienjournalisten.
    Beste Grüße, FF.

  45. […] Ein innerer Reichsparteitag: “…für mich ist das eine alltägliche Redewendung, um einen besonderen Triumph zu beschreiben, ein Gefühl von Schadenfreude oder die Genugtuung, es allen gezeigt zu haben. Von mir aus können wir gerne darüber diskutieren, ob das eine besonders passende oder geschmackvolle Redewendung ist…” (stefan-niggemeier.de) […]

  46. @Luisa:

    Ist Henryk M. Broder unverdächtig genug?

    http://www.henryk-broder.de/html/tb_friedman3.html
    http://www.henryk-broder.de/html/tb_scheibe.html

    Ja, prinzipiell kann man da jetzt auch noch argumentieren, dass er das ganz bewusst so verwendet hat – auch das ist (besonders beim 2. Link) möglich.

    Oder das?
    http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,618070,00.html

    Oder das?
    http://www.vol.at/news/tp:vol:motorrad/artikel/bmw-s-1000-rr-punktlandung/cn/news-20100119-01050140

    Such doch einfach mal in einer Suchmaschine Deiner Wahl (mittlerweile mit dem Zusatz „-wm -zdf“). Das ist sicher kein alltäglicher Ausdruck, aber er existiert, und er wird in den allermeisten Fällen gänzlich ohne Anspielungen aufs 3. Reich verwendet. Aber diese Argumente kamen ja schon mehrfach, werden aber geflissentlich ignoriert.

    Stefan hat eigentlich im Artikel und seinen Kommentaren alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt. Dieser maßlos übertriebene Beißreflex überrascht mich aber jedes Mal aufs Neue.

    @Linus: full ack.

  47. Ich bin auch ganz fassungslos.
    Über diese völlig künstliche Empörung über einen Jahrzehnte alten Spruch, der plötzlich so neu sein soll.
    Ist der bei der Jugend vielleicht nur unbekannt weil ihn Dieter Bohlen noch nicht gebraucht hat?

    Hoffentlich wird sich Frau Müller-Hohenstein nicht dafür entschuldigen. Muß sie nämlich gar nicht. Die Doofheit, Unkenntnis und willentliche Falschinterpretation anderer ist nicht ihr Problem.

  48. @Luisa

    Die viel wichtigere Frage, ob wir uns von den Nazis unseren Umgang mit Sprache vorschreiben lassen wollen, haben Sie aber leider nicht beantwortet.

  49. Überhaupt bin ich der Ansicht, dass diejenigen, die sich hier so dermaßen geballt echauffieren und schon das Abendland untergehen sehen, den Witz, der dem Gebrauch dieser Redewendung zugrunde liegt, schlicht nicht verstanden haben.

    Das Resultat ist dann nur noch Faschismusonanie mit Selbstflagellation im Deckmantel einer ernsthaften Betroffenheit.

  50. Auch wenn das als Beweis nicht ausreicht: Schon die Zahl der hier kommentierenden Leute zeigt doch, dass die Redewendung nicht unbekannt ist.
    Die eleganteste Möglichkeit war es sicher nicht, aber sich jetzt künstlich zu empören ist meiner Meinung nach auch übertrieben.
    Ich finde es schön, auf die Zusammenhänge solcher Äußerungen hinzuweisen, ich finde es sogar sehr löblich, dass sich viele Leute Gedanken machen, ob das ok ist oder nicht.
    Die Frage, ob es nun tragbar war, mag verschiedene Antworten als Option beinhalten. Ich persönlich finde es nicht so dramatisch, wie es jetzt so viele suggerieren.

    Und ich möchte mich jetzt nicht damit rausreden, dass ich ja „gar nicht rechts“ bin, ich bin definitiv weiter links als die meisten der Ankläger!

  51. @51

    Als übliche Redewendung würde ich es auch nicht bezeichnen, ich dachte anfangs an eine verunglückte Wortwahl. Nach meinem persönlichem Urteil würde ich auch weiterhin sagen es ist ungeschickt ausgedrückt, weil sich das „Sprichwort“ anscheinend auf unangebrachte Schadenfreude bezieht. Wenn sich das Sprichwort darauf bezieht, kann man es als grenzwertig empfinden, aber ich finde es würde dann ziemlich gut die Selbstverherlichung der NSDAP Parteitage karikatieren (auch wenn es historisch gesehen andere Reichsparteitage gegeben hat).

    Ob man sich diese Sprichwörter bei einem öffentlich-rechtlichen/privaten Sender aus Deutschland sparen sollte, kann man natürlich bis zum Erbrechen diskutieren, ich glaube aber kaum das der Programmdirektor es zum Motto des Tages erhoben hat, irgendwie das Naziregime zu verharmlosen. Ich persönlich tippe eher darauf das den Moderatoren geraten wurde, so ein bißchen „Kloppo“ zu sein. Und herauskam das normale katastrophale öffentlich-rechtliche Ergebnis, aber man muß es schon fast mit Humor nehmen, dass dieser Staatszuschuss ähnlich katastrophal angelegt ist wie der Rest ;)

  52. War ja klar, dass halb Deutschland gleich wieder hitlerventiliert. Zum Glück sind wir bald ausgestorben.

  53. das ganze gelaber ist sinnlos, die dame ist weg vom fenster, wg. fahrlässiger dummheit im amte :-), das ist der vorgeschriebene weg, wie von höherer macht bestimmt… :-). dummerweise hat das dumme ding das nicht an ihrem sauf-stammtisch abgelassen, sondern in ihrer eigenschaft als worldwide-repräsentantin der nach der WM weltweit erstarkten fussball-nation „D“, die froh und glücklich war (mich einbegriffen), cool und locker durch die inzwischen durch die neuen medien komplett vernetzte welt rüber zu kommen… und da kommt so eine dummbrummse und plappert was von „reichsparteitag“, dümmer geht’s nümmer“ lol :-) – ende der belehrung

  54. Immer wieder schön diese Kommentare der Form: Ich kenne diese Redewendung zwar nicht, aber ich bin mir ganz sicher, dass das böser Nazijargon ist und nur an Stammtischen verwendet wird.

  55. Alltägliche Redewendung? Bei was für Leuten? Ich habe sie noch nie gehört und mir mangelt es an Schulung und Allgemeinwissen nicht. Ich muss mich wirklich fragen wem ein solcher Spruch so locker von den Lippen rollt.

  56. wenn ich kahn wäre, würde ich darauf bestehen, die person abzulösen. am ende behält man im gedächtnis „… kahn war doch der mit der reichstagspräsidentin…“, das hat ein gewisses „geschmäckle“, wie der römer sagt :-)

  57. Danke Stefan, für mich ist es auch eine normale Redewendung und definitiv keine politische Aussage. Vor allem sicherlich nicht in dem Zusammenhang, wie ihn KMH im ZDF benutzt hat.

    Man kann sich echt an jeder Kleinigkeit hochziehen und aufregen…

  58. Der Kommentarprofi ergänzt noch: Ich habe aus Protest gegen die Einführung des niveaulosen Farbfernsehens schon 1967 meinen Apparat unfrei an Telefunken zurückgeschickt und keine Ahnung, wer diese Müller-Dingsstein überhaupt ist, aber …

  59. Nein, eine übliche Redewendung ist es nicht, auch wenn es in der „Welt“ öfters mal vorgekommen sein mag. Wer denkt sich nach dem vierten Tor gegen Australien: Ach, das war jetzt echt mal ein innerer Reichsparteitag! Ich jedenfalls nicht.

  60. @Martin

    Es war das zweite Tor. Und Kloses erstes seit gefühlt 1000 Jahren. Und die Redewendung, die sie als „nicht üblich“ definieren (Danke dafür) lautet auch nicht, das war ein innerer Reichsparteitag, sondern das oder es war mir (oder Klose oder wemauchimmer) ein innerer Reichsparteitag.

  61. Sehen wir es doch mal positiv:

    „Die Welt“ ist nicht mehr auf dem rechten Auge blind, aber noch gnadenlos ungeübt. Da fallen ihr plötzlich Dinge auf, die sie selbst jahrelang praktizierte, ohne sie bei sich selbst als bedenklich zu bemerken. Und ausnahmsweise zu Recht. Sie sind nicht bedenklich.

    Wer in der Formulierung „Es ist mir ein innerer Reichsparteitag“ nicht die Ironie erstens auf sich selbst und zweitens auf den Nazi-Pomp erkennt, denn ein innerer Reichsparteitag ist nunmal ein Widerspruch in sich, dem ist schwerlich mit Humor beizukommen.

    Also drehen wir ein bißchen an der Empörungsorgel.

  62. @notwendig

    Wo oder wer ist denn dieses „uns“, bei dem rechtsradikales Gedankengut, was gar nicht formuliert wurde, von der Wurzel aus errbarrmungslos ausgerrrrrottet werden muss?

  63. Danke! Danke! Danke!
    Diese Diskussion ist so erbärmlich… Tagtäglich machen uns Neonazis auf unseren Straßen das leben schwer und Deutschland hat nichts besseres zu tun, als sich über so eine Lappalie aufzuregen…

  64. Ich schäme mich als Deutscher, dass wir uns selbst zerfleischen wegen Assozationen von Wörtern. Sie macht ihren Job sehr gut und 2 von abertausenden Wörtern waren nen Griff ins Klo (weil D bei jedem möglichen Nazi-Wort sich vorsorglich aufregt, jmd hat es hier so trefflich als „hitlerventilieren“ bezeichnet). Ich bin so gutgläubig, dass ich davon ausgehe, dass sie einen guten Begriff suchte, und nichts anderes im Sinn hatte. So, für mich gehts jetzt wieder um Fußball, wehe ihr verrückten Deutschen schmeisst die nette Moderatorin raus. Hoffentlich ist das echt nur Springerpresse-Empörung und nix Ernstes.

  65. Was Ein ein „innerer Reichsparteitagein “ ist, hatte mir mal ein ehemaliger (NS) Bürgermeister erklährt.
    „Wenn er einen „innerer Reichsparteitag“ vespürt, stelle er sich vor, er selbst würde in Nürnberg dort oben stehen und die Massen würden an ihm vorbeiziehen“.
    Es ist allso immer der Nürnberger Parteitag gemeint (Ursprünglich).

  66. Ich hoffe, diejenigen, die jetzt protestieren, erheben auch ihre Stimme, wenn Zensur- und Überwachungsgesetze beschlossen und Bürgerrechte abgebaut werden. Durch reflexhaftes Identifizieren echter und vermeintlicher Nazi-Begriffe wird die Demokratie ja sicher nicht gerettet werden.

  67. Danke, für diesen Artikel, ich hatte schon begonnen einen Artikel ähnlichen Inhalts bei mir verfassen, aber das lesen dann nur ein paar Leute. Hier hat es wenigstens Reichweite. Ich dachte schon, ich sei mit meiner Meinung alleine. Danke.

    Nebenbei: „hitlerventilieren”!? Tolle Wortschöpfung. :)

  68. Im Nachhinein betrachtet mag es sein dass man im Kontext der von Millionen gesehenen WM zu einer etwas unverfaenglicheren Wortwahl haette greifen koennen. Schlimm finde ich ihre Aeusserung aber nicht.

    Mir persoenlich war der verwendete Begriff auch sehr bekannt. Ich habe ihn von meinem Vater uebernommen, der uebrigens nach Ende des 2. WK geboren wurde.

    Ich wuerde seine Bedeutung z.B. als „mit von Selbstbeweihraeucherung stolz geschwellter Brust“ umschreiben, d.h. mit ironischem Unterton auf ein emotionales Hochgefuehl abzielend. Ich glaube dies ist exakt das, was KMH zu vermitteln versuchte.

    Diesen Begriff habe ich schon vor laengerer Zeit mal meiner Frau erklaert, die ihn jetzt mittlerweile auch selbst benutzt. Sie ist uebrigens Amerikanerin – welche Ironie.

    Als ich ihr den „Ausrutscher“ von KMH beschrieb und wie sich einige Deutsche im Moment darueber aufregen sagte sie nur „Diese Deutschen sollten mal etwas lockerer werden und nicht jedes Wort auf die Goldwage legen, sonst haelt man sie am Ende noch fuer Nazis“.

    ’nuff said.

  69. Demnächst spielen die Gegner auch „bis zur Vergasung“, ne?

    Das sind alles vergleiche, die man im Bezug zu einem polnischen Fussballer und bei der deutschen Vergangenheit nicht bringen kann.
    Die Redewendung „innerer Reichsparteitag“ ist nicht allen, vor allem nicht den jungen ZuschauerInnen bewusst und daher kann und sollte man die Verwendung dieser Redewendung kritisieren.

  70. Ich musste in dem Moment auch gleich an Breuckmann denken und hab‘ ganz schön gegackert vorm Fernseher.

    Jetzt muss sie nur noch am Ball bleiben und bei nächster Gelegenheit nach dem Auflaufen im Studio einen flotten Spruch bringen, der die Abwehrarbeit einer Mannschaft und die Erinnerung an die abgefangene Gazaflotte in einem Satz vereint und die Schreibtisch-Antifa startet eine neue Sonderaktion Sportfernsehen.

    Trööööööt!

  71. Ich kenne die Redewendung hauptsächlich zur Verächtlichmachung dessen, der da den inneren Reichsparteitag hat. – Im Sinne von dem ist einer abgegangen als er im Mittelpunkt stehen konnte: Könnte es sein, daß Frau Müller-Hohenstein meinte Herr Klose hätte nach dem Tor seine Hose wechseln müssen? – Nein das wäre auch nicht gut. Das kann sie gar nicht gemeint haben.

    Zurück zum Parteitag. Naturlich meint man, wenn man von Reichsparteitagen spricht, die Nürnberger Parteitage, im Leni Riefenstahl Director`s Cut. Die Fallhöhe muß ja stimmen. Da konnten DVP und SPD, KPD und Zentrum so viele Rehsparteitage verantstaltet haben, wie sie wollen. Die sind nicht gemeint.

    Vielleicht sollte die FIFA dem ZDF die drei Punkte aberkennen. – Nee, war nur Spaß.

  72. Besonders lustig: Ich habe in einigen Blogs beschwichtigend kommentiert, weil ich diese Redewendung ebenfalls nicht mit der NSDAP in Verbindung gebracht hätte, schließlich hatten alle Parteien in der Weimarer-Republik Reichsparteitage. Meine Kommentare wurden teils nicht freigeschaltet. Passt wohl nicht in die Empörungswelle…

  73. Sehr schöner Artikel. Die Aufregung um die Redewendung verstehe ich auch nicht wirklich da mir selbige schon lange vertraut ist. Wenn ich dies bisher gesagt habe kam bisher auch kein negatives Feedback aus meinem Umfeld. Ich gehe also einfach davon aus, dass die Redewendung nicht so verbreitet ist, wie ich es angenommen habe.

    Die Anfeindungen hier in den Kommentaren und auch gegenüber Frau Müller-Hohenstein wirken irgendwie irreal auf mich denn hier wird wirklich aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Allerdings hätte Frau Müller-Hohenstein wohl wissen müssen, dass das von ihr verwendete Sprichwort nicht in allen Regionen und Schichten Deutschlands vertraut ist.

    Man kann nun noch gerne einen oder zwei Tage auf dieser Redewendung rumreiten (Höhepunkt wäre dann eine öffentliche Entschuldigung von Frau Müller-Hohenstein?) oder auch gerne über diese Redewendung diskutieren allerdings erscheint mir persönlich beides Zeitverschwendung zu sein da es sich nunmal um ein einfaches Sprichwort handelt ohne jegliches rechtes Gedankengut auch wenn sich dieses hier leicht unterstellen lässt.

    (habe nur bis Kommentar 50 gelesen und hoffe mal nichts zu wiederholen)

  74. Interessant, mir als Österreicher ist diese Redewendung völlig unbekannt und für mich klingt das daher wirklich arg. Wenn die Wendung in Deutschland immer noch allgemein bekannt und normal gebräuchlich ist, dann ist das das Fragwürdige und nicht die Verwendung durch einen Sportjournalisten.

  75. Ich habe diese Redewendung ehrlich gesagt noch nie gehört und kann mir vorstellen, dass es den genannten Medien ähnlich geht.
    Insofern sehe ich bei diesen, diesmal, keine richtige Schuld. Ist halt blöd gelaufen.

  76. Tja, „Ich“ (nicht ich) hätte vor seinem Kommentar vielleicht mal Google anwerfen sollen, ob wenigstens „bis zur Vergasung“ Nazi-Jargon ist. Ist es aber nicht.

    BTW, diesen „inneren Reichsparteitag“ hab ich vorher noch nie gehört, weder in Nord- noch in Oberbayern. Ist das eher so ein Berliner Ding?

  77. Ich verstehe schon, dass diese Redewendung oft verwendet wird, und dass sie unreflektiert geäu0ert wurde. In die Richtung gehen all die relativierenden Kritiken bislang. Aber die ZDF-Moderatorin ist nun mal öffentliche Journalistin mit kritischem Anspruch. Das weiss man, wenn man so einen Job antritt und der Anspruch kommt auch von ihrem Arbeitgeber.

    Und da muss man schon kritisch einwenden – egal wer und wie oft sowas anderswo gesagt wird -, dass über jemanden mit polnischen Wurzeln zu sagen, ein freudiges Ereignis löse bei ihm eine Begeisterung aus wie die Euphorie auf Reichsparteitagen im dritten Reich, auf denen eine kritische Reflexion der menschenverachtenden Veranstaltung, der man da beiwohnte, gerade durch grenzenlose Euphorie platt gemacht wurde, ist hirnrissig. Das wird auch nicht besser, wenn man sagt, das sei lustig gemeint worden.

    Als Zuschauer verstehe ich gerade wirklich nicht, weswegen es okay sein soll, dass Juliane Ziegler sich auf 9 live für ihr ebenso lustig gemeintes „Arbeit macht frei“ noch in derselben Sendung entschuldigt und danach suspendiert wird, und beim ZDF für so eine Formulierung in einer Sendung mit mehr und jüngeren Zuschauern Toleranz gefordert wird.

    Ich fordere gar nichts aus dieser Sache heraus, aber was den eigentlichen Gegenstand angeht, scheint mir die Sache vollkommen klar: Die Formulierung in dieser Form ist für eine kritische Journalistin völlig untragbar.

  78. Sorry, dass war definitiv ein dicker Patzer für einen gebührenfinanzierten Journalisten. Wenn jetzt schon Tore „Reichsparteitage“ sind, dann frag ich mich, was bei einem „Sieg“ Deutschlands kommt. Tja, vom Sommermärchen zur „Reichskristallnacht“ kann es ganz schnell gehen.

  79. Ich hab auch erstmal gestockt, als sie das gesagt hat, weil ja in Deutschland alles mit „Reich“ als Vor- oder Nachsilbe schlecht ist. Aber ich wollte erstmal keinen unfundierten Kommentar abgeben oder twittern, weil ich ja gar nicht wusste, in welchem Kontext das gebraucht wird.

    Das „innerer Reichsparteitag“, ein Begriff um Schadenfreude auszudrücken, zum Unwort verklärt wird ist genauso bitter, dass man nicht mehr „Jedem das Seine“ schreiben darf.

    Ich denke, dass man nun langsam mal so weit sein darf und diese Verklemmtheit mit solchen Redewendungen aufhören kann. Schließlich hat ja niemand gesagt, dass die Australier „abgeschossen wurden wie damals 1918“ oder so etwas.

    Es gibt viel zu viele, die sich mal den Stock aus dem Arsch nehmen sollten. Dabei wird nichts relativiert oder verharmlost.

  80. Sich maßlos aufzuregen ist eben a) einfacher und b) einträglicher als etwas Reflektiertes zu schreiben. Danke für diesen Pointierten Artikel!

  81. Also ich sehe das unter folgendem Ansatz:
    (Fernseh)Fussball ist eine Show von Hohlköpfen (gibt es eigentlich auch nur _einen_ Fussballer, der sich „normal“ artikulieren kann?) für Hohlköpfe (vorm Bildschirm anderen beim Ballspielen zusehen, wow!) organisiert von geldgierigen und fetten Vereinsfunktionären.

    Warum sollte man bei der Moderation solcher Fussballereignisse irgendeine höhere Form von Niveau erwarten? „Innerer Reichsparteitag“, „Führerhund“, „Holocaust“ … who cares??

  82. @Carsten
    „Aber die ZDF-Moderatorin ist nun mal öffentliche Journalistin mit kritischem Anspruch. “ – Und genau das glaube ich nicht. Was da oft sinnlos zusammen gebabbelt wird, in der Sportberichterstattung oder den leichten Formaten wie Frühtstücks-, Mittags-, Nachmittags- und Betroffenheitssendungen, ist doch legion. Das ist eben genau kein kritischer Journalismus. Denn wollen bei den Formaten weder Zuschauer noch Redakteure.

    In dem Kontext, in dem ich die Redewendung innerer Reichsparteitag kenne, zur Verächtlichmachung einer Person, die wie ein Bonsaiführer auftritt, ist diese eins sicher nicht, lustig gemeint.

    Wenn gestern das Spiel erlebt haben sollte, nur falls das irgendjemand schreibt, dann ist diese Formulierung LTI. Macht sie darüber auch jemand Gedanken?

  83. Ist das aus dem Zusammenhang gerissen, dass KMH gerade Werbung für Weihenstephaner Milch macht? Die gehören Müller Milch und Theo Müller unterstützt vergangenes Gedankengut…

  84. Ist der Spruch vieleicht eine Regionale Sache? Hier im schönen Westfalen habe ich den noch nie gehört und war gestern auch ein gutes Stück schockiert darüber.

  85. Endlich schreibt’s mal einer! Ich kenne die Redewendung auch und würde sie niemals zu einem Skandal hochstilisieren. Bin allerdings auch eine Generation älter als der typische Twitter-User. Ein flapsiger faux pas, aber kein Grund, in unkontrollierte und künstliche Empörungsstürme auszubrechen.

  86. Ich persönlich finde es schade, das wir eine solche Redewendung überhaupt als normal betrachten. Vielleicht sollten sich alle mal daran erinnern, das auch Reichparteitagen Rassengesetze und Judenverfolgung bejubelt wurden. Da hilft es auch nichts, wenn Journalisten, die gerne mal den Stab über Menschen brechen, die solche Vergleiche bringen, nun den „inneren Reichsparteitag“ zu ihrem üblichen Sprachschatz zählen. Auch wenn viele etwas benutzen, ohne die Hintergründe zu wissen, wir es dadurch nicht weniger verwerflich.

  87. Manche Leute warten wohl regelrecht auf die Gelegenheit, sich über irgendwas zu empören. Jetzt hat ihnen die ZDF-Moderatorin mit einer verunglückten Redewendung eine solche Chance geboten. Manchmal könnte man denken, schon allein das Verwenden von Wörtern wie „Reichsparteitag“ infiziere andere Menschen mit dem Nazi-Virus, und ehe sie sichs versehen, finden sie Hitler gut. So abwegig wirkt diese Diskussion auf mich.
    Wo war denn die Empörung, als die Briten bei einer früheren WM vom „German Blitzkrieg“ sprachen?

  88. mir ist die redewendung auch unbekannt.
    wenn ich die auslegungen hier so lese, bleibt es mir völlig ohne veständnis, wie kmh darauf kommen kann, das tor von klose gedanklich in diesen zusammenhang zu setzen.

    wtf? was für ein innerer gehässiger triumph soll denn da bei klose hochgekommen sein? ein stürmer, der seit monaten die seuche am fuss hat, trifft endlich wieder ein tor. außer schlichter freude und dankbarkeit, vom trainer nicht ignoriert worden zu sein, fällt mir da zu kloses innerer weltlage in dem moment nicht ein. kmh hats nicht anders verdient. jetzt ist auch spon auf den wagen aufgesprungen.

  89. Ich kannte diese Redewendung tatsächlich vorher nicht. Meine erste Reaktion beim ZumerstenMalhören: Ojeoje! Was werden sie wieder daraus machen …
    Und so war es auch.
    Milde amüsiert …

  90. „31.(Das ist besonders anstrengend in solchen Diskussionen. Dieser Kurzschluss: Ich kenne das nicht -> Niemand kennt das.)

    — Stefan Niggemeier — 14. Juni 2010, 1:50 #“

    Das ist besonders schlimm an diesen Thesen: Dieser Kurzschluss, ich benutze das täglich, also kann es so schlimm nicht sein. Denn schließlich bin ich kein Rechter. (Oder vielleicht insgeheim doch?)

  91. Der über KMH hereingebrochene Shitstorm ist fraglos überzogen.

    Aber ebenso fraglos verbietet es sich für eine öffentlich derart exponierte Journalistin, derlei Begrifflichkeiten coram publico zu verwenden. Selbst die nervliche Zerrüttung durch die Vuvuzelas ist da keine Entschuldigung.

    Wenn der „innere Reichsparteitag“ für Dich, Stefan, „eine alltägliche Redewendung“ ist, dann sinkt Dein Ansehen bei mir ein gutes Stück. Ich halte es da eher mit dem ZDF-Sportdirektor. Und verweise auch nicht auf Wiktionary, sondern lieber auf die Wikipedia:

    „Der Begriff Reichsparteitag wird heute allgemein auf die Reichsparteitage der NSDAP bezogen“

    weswegen sich für mich der Gebrauch dieser Redewendung privat wie öffentlich verbietet. Ganz einfach.

  92. 1. Gefühl tiefster Befriedigung / Genugtuung
    2. private Zelebration rechtsradikalen Gedankengutes
    Erklärung zur Bedeutung dieser Redwendung. Und das soll sich einfach mal so als gängige Redewendung in Deutschland etabliert haben? Fehlt es da nicht an geschichtlicher Auseinandersetzung im Hinblick auf einen gezielt verwendeten Wortschatz. Egal ob KMH oder namhafte Zeitschriften – es fehlt an Tiefe und Reife. Es kommt nicht einfach so zu verbalen Entgleisungen, auch nicht in euphorischen Momenten. Das sitzt tiefer oder der Mensch an sich treibt zu sehr an der Oberfläche. Journalistische Dummheit? Mir zu einfach.

  93. @117: Ganz genau. Die Verwendung ist ein Zeugnis vom Dummheit. Die aber ja aber leider im entsprechenden Kontext leider nicht wirklich unerwartet sein kann. Siehe #112.
    Ein Appell an die Vernunft ist an DIESER Stelle also leider völlig aussichtslos. Trööööööööt!

  94. Na, wenn sich jetzt Leute darüber aufregen können, daß sie Leute darüber aufregen können, dann ist die selbstreferentielle Medien0.2alpha-Welt ja in Ordnung.

    Ich fand sowohl den (leider vollkommen humorlos vorgetragenenen) Parteitagsspruch als auch Bela R.s Kommentare ärgerlich. Immerhin hat BR sich keinen Spaß mit dem Namen Cacau erlaubt, aber das mag ja noch kommen – mal sehen, auf welchem Sender. Um’s positiv zu sehen: daß man sich darüber die Finger wundtippt und es auch in den vorsommergelochten Redaktionen ankommt ist ein weiterer Beleg dafür, daß … siehe oben.

  95. OMG! Sie hat „Penis“ gesagt! Nein warte…

    Jetzt mal ehrlich. Was ist mit Müllers Entgleisung nach dem Spiel? „Nur weil’s mein erstes WM-Spiel ist, bin ich ja kein Blinder.“
    Das ist mal diskriminierend! Als ob ein Blinder schlecht Fußball spielt.

    Wenn schon irgendwie Hysterie verbreiten, dann aber auch bitte konsequent.

  96. Herr Niggemeier hat vollkommen recht. Dazu ein passendes Zitat aus http://de.wiktionary.org/wiki/Diskussion:Reichsparteitag

    „Wenn also ein Großmaul mit absolutem Machtanspruch so richtig „auf die Schnauze“ gefallen ist, so war das für die schweigende unterdrückte Hälfte des Volkes „ein innerer Reichsparteitag“, denn nach „außen“ konnte man seine Schadenfreude und Genugtuung über den Niedergang des Großmauls nicht ausdrücken. So jedenfalls benutze ich den Ausdruck: innerer Reichsparteitag. Also: Schadenfreude für nachträglich eingetretene Gerechtigkeit oder Genugtuung.“

    Die Redewendung wird nicht von Nazis gebraucht. Im Gegenteil.

  97. […] Stefan Niggemeier hat sich der Sache angenommen und weist die Welt in ihre Schranken, denn diese “sprachliche Entgleisung” hat es auch schon mehrfach in die Welt geschafft. Aber eine Frau darf sowas natürlich nicht sagen. Niggemeier zeigt wunderbar den wirklichen Grund für die Empörung der “Welt” auf, denn es geht nicht um diesen Einzelfall, es geht um Frauen die die Männerdomaine “Sportreporter” besetzen. Sowas kann und darf nicht sein. […]

  98. Viel zu unpolitisch, Herr Niggemeier. Es handelt sich bei solchen Empörungsinszenierungen um eine gezielte Medienstrategie von Linksextremisten, um Diskurshoheit zu gewinnen. Dem nur ein paar unschuldige Anekdoten entgegenzuhalten wird selbst Ihrem Anspruch als reinem Medienbeobachter nicht gerecht.

  99. Sportreporter sind dazu gezwungen, für gleiche Sachverhalte innerhalb einer Live-Sendung immer wieder neue Formulierungen zu finden, damit dem Zuschauer/Zuhörer nicht langweilig wird. Genau das hat Frau Müller-Hohenstein versucht. Wer halbwegs intellektuell auf der Höhe ist, wusste, was sie mit „innererem Reichsparteitag“ gemeint hat. Wenn nicht, weiß er es jetzt und sollte nachträglich die Erkenntnis haben, dass es sich dabei mitnichten um reinen Nazi-Jargon handelt, sondern um eine antiquierte Metapher, die anscheinend bei vielen Menschen nicht korrekt gedeutet werden kann.

  100. 43.@Niggemeier
    (Das ist besonders anstrengend in solchen Diskussionen. Dieser Kurzschluss: Ich kenne das nicht -> Niemand kennt das.)

    Das ist das besonders Anstrengende bei solchen Thesen: Dieser Kurzschluss, ich benutze das (täglich), also muss es schon in Ordnung sein. Weil ich doch ein Guter bin. (Vielleicht einer mit ziemlich viel braunem Restmüll im Kopf?)

  101. Warum nur regt sich niemand über den „Reichs-tag“ an sich auf? Dort sitzt doch aktuell wirklich ein Personenkreis, der dem Volk eher schadet…

  102. @135, Renee Claude: Das ist doch, mit Verlaub, Humbug. Wer die Reichsparteitag-Formulierung kennt und nicht empörenswert findet, hat braunen Restmüll im Kopf? Wollen Sie jetzt zu einer großen Sprachsäuberungsaktion ansetzen, damit wir alle Begriffe aus der Nazizeit aus unseren Köpfen verbannen und fortan geläutert sind? Herrjemine. In der DDR, in der ich aufgewachsen bin, hat die Staatsführung genau das wirklich versucht, womit sie dem Orwellschen Newspeak bedenklich nah kam.

  103. Stimme mit #134 überein – eine „antiquierte Metapher“. Ich bin 38 und habe die Redewendung ganz tief in meinem passiven Wortschatz vergraben und sie aktiv, soweit ich weiß, noch nie benutzt. Eine andere hier oft diskutierte junge Dame, lovely-L, hat sie vermutlich nicht einmal mehr im passiven Wortschatz. Ich vermute, in spätestens zehn Jahren ist die Redewendung „tot“ im deutschen Sprachgebrauch – also warum aufregen?

  104. Peter Viehrig(#80) Joe Average (#91) haben schön beschrieben was hinter diesem Spruch steckt.

    Der Skandal ist für mich eher, dass es soviele Betroffenheitsfanatiker gibt, die nicht begreifen können, dass man Nazis auch mit Ironie bekämpfen muss.

    Dadurch dass der Begriff bagatellisiert werden, drückt man seine Verachtung aus, gegenüber diesem Personenkult, der damals betrieben wurde.

    Nur für Nazis ist der Begriff Reichsparteitage etwas besonderes!

    Und alle, die argumentieren, dass diese Aussage eine rechte Aussage wäre, argumentieren indirekt FÜR NAZIS – denen diese Bagatellisierung nicht gefallen dürfte. Die lachen sich jetzt vermutlich schlapp, weil ihre Ideologie eine solche Aufwertung erfährt.

    Danke liebe Betroffenheitsfanatiker (Das war Ironie)

  105. Ich schließe mich denen an, die die Alltäglichkeit dieser Redewendung infrage stellen. Ich habe bis gestern noch nie etwas von einem „inneren Reichsparteitag“ gehört und bin unwillkürlich zusammengezuckt, als ich davon erfahren habe.

  106. „I experienced today my very personal NSDAP Rally“

    Ist es vielleicht auf Englisch deutlicher?

    In welchen „gebildenten Kreisen“ wird diese recht merkwürdigende Redewendung verwendet?

    Habe ich da was verpasst?

  107. Vieles ist schon gesagt: Dass diese Redewendung bspw. genau nicht von (Neo-)Nazis gebraucht wird. Auch was in Bezug auf das so politisch-korrekte Verbieten spezieller Redewendungen angeht, die (angeblich) von Nationalsozialisten bis auf ewig verdorben sein sollen (das Gegenteil müsste richtig sein).

    Die Redewendung selber ist m. E. nicht „üblich“; das war sie bei der Generation der Großmütter/Großväter. „Innerer Vorbeimarsch“ wäre neutraler gewesen, aber da ist ja das „deutsche“ ‚Marsch‘ enthalten. Darf man also auch nicht sagen. Am besten wäre es, man/frau schweigt ganz, denn das Alphabet wurde ja damals auch verwendet.

    Wenigstens haben jetzt die sich intellektuell parfümierenden Feingeister ihre Erhebung über den Fussball-„Proll“. In den Massenmedien sind das meist diejenigen, die bei Neo-Nazi-Aufmärschen von den krawallbereiten Linken berichten. Man sollte ihnen dieses südafrikanische Trötrohr in den … Dann wäre es wenigstens zu irgendetwas nützlich.

  108. Der „innere Reichsparteitag“ war einfach unprofessionell und unüberlegt. Jeder Volontärsanwärter wäre vor der zuständigen Auswahlkommisson des ZDF (und der ARD) dafür gekreuzigt worden.

    Der Nazi-Aufschrei ist allerdings extrem peinlich. Müller-Hohenstein wirkte gestern abend die ganze Zeit etwas von der Rolle und ihr Fauxpas, der jetzt die Massen erregt, war nur der traurige Höhepunkt einer mäßigen Moderationsleistung.

  109. Als ich M-Hs Satz hörte wusste ich blitzartig, dass da am Montag ein Fass aufgemacht werden würde. Dass es SO schnell ging, hätte ich dann doch nicht erwartet!
    Schöner Kommentar! Aber das sind eben die Blüten der Blume der politischen Korrektheit, die leider genau gegenüber vom Baum der Erkenntnis steht…

  110. Ist das schön, das Argumentum ad ignorantiam hier in den Kommentaren in seiner Reinform zu erleben.
    Leider ist es für Popcorn noch zu früh, sonst säße hier mit einer großen Tüte davor.

  111. „Ich habe bis gestern noch nie etwas von einem “inneren Reichsparteitag” gehört und bin unwillkürlich zusammengezuckt, als ich davon erfahren habe.“ (glamorama et al.)

    Daß jüngere Leute diese Redewendung nicht kennen, ist normal.

    Nicht normal ist ihr Zusammenzucken. Die anerzogene Angst vor der falschen Wortwahl. Als ob man durch Wortschatzreglementierung das Böse verhindern könnte. Haha. Umgekehrt wird ein Schuh draus.

  112. Die Redewendung entstammt alles andere als von Rechts.
    Die Redewendung beschreibt ein Gefühl, dass politische Gegner (Kommunisten, Juden, Linke, usw.) hatten, wenn die Nazis mal eins „auf die Fresse“ bekamen.
    Da die Gegner eben nicht öffentlich, pompös und nach Außen hin feiern konnten und auch nicht wollten, wie es die Nazis auf ihren Parteitagen total übertrieben taten.
    Sie mussten heimlich, still oder nur in Gedanken = innerlich feiern, wenn sie mal einen Erfolg/Triumph hatten.
    Eine Redewendung die unter Linken verwendet wurde und dabei auch die aufwendige und selbstherrliche Art der Reichsparteitage ironisch/satirisch kritisieren sollte.

  113. @Nurse Jackie: Ich hatte bei ihrer Moderation nach dem Spiel den Eindruck, als hätten ihr irgendwelche ZDF-Verantwortliche während der 2. Halbzeit per Fax ein „inneres Berlin 1945“ bereitet. Sie wirkte sehr abwesend und fahrig, so als würde sie ständig darüber nachdenken was ihr da herausgerutscht ist und was da möglicherweise noch auf sie zukommt.

  114. Als ich sie das sagen hörte, dachte ich: Wenn das mal nicht ein gefundenes Fressen für die Presse wird! und habe mir gewünscht, in Ihrem Ohr zu sitzen und ihr zuzuflüstern: „Häng noch ein „vor 1933″ ran“! Das mache ich nämlich immer um jeglichem Anfall von Empörung gleich den nötigen Sauerstoff zu entziehen.

  115. #52 — Luisa —

    Da Sie tatsächlich einen Gebrauchsgegenstand von einem Reichsparteitag unterscheiden können, habe ich die Hoffnung, dass sich Ihre Verbohrtheit mit etwas Überzeugungsarbeit auch noch legt.

    Selbstverständlich stammt diese Redewendung aus der Zeit des Nationalsozialismus. ABER – glauben Sie, ein strammer Nazi hat diesen Ausdruck verwendet, wenn er etwas als herausragend empfunden hat? Mitnichten, das ist ein typischer Ausdruck aus dem Volk, von der Straße, von der Bevölkerung die eben nicht den ganzen Tag den rechten Arm in der Luft hatte.

    Passen Sie bitte auf, wenn Sie das nächste Mal in den Urlaub fahren. Sie könnten eine AUTOBAHN benutzen.

    @Herr Niggemeier
    Vielen Dank für Ihre notwendigen und passenden Worte zu dieser Farce.

  116. Langsam pendelt sich die Meinung auf „nicht unüblich, aber unklug“ ein. Das heisst, eine Lösung zwischen überhaupt nicht reagieren und sofortigem Rausschmiss wäre vielleicht angebracht.

    Zum Beispiel, dass sie die Äußerung bedauert und dies nicht mehr vorkommt. Oh, moment…

    (Manchmal ist Vergangenheitsbewältigung doch nicht so schwer.)

  117. Ich bin etwas entsetzt, wieviele Kommentatoren, die Redewendung nicht kennen / noch nie gehört haben. Aber sei es drum.

    Es ist eine Redewendung, die vielleicht nicht alltäglich ist, aber für meinen Begriff durchaus unverfänglich genutzt werden kann – eben vor dem Hintergrund der Genugtuung. Selbst gehöre ich auch nicht zu denen, die regelmäßig von inneren Reichsparteitagen sprechen, was aber eher daran liegen mag, dass das Gefühl der Genugtuung – wenn ich schon diesen Kontext sehe – bei mir nicht sonderlich stark ausgeprägt ist. Wenn jemand aber diese Redewendung in meiner Gegenwart benutzt, weiß ich sehr wohl, wie ich sie zu verstehen habe. Wo käme ich denn hin, demjenigen gleich eine rechtsradikale Denke zu unterstellen? KMH hat das mit Sicherheit nicht verdient – für eine Äußerung, die sie vielleicht auch als geläufig und unverfänglich erachtet.

    Sprache ist lebendig. Das gilt gleichermaßen für die Verwendung von Wörtern, Anglizismen und eben auch Redensarten. Das sollten die Leute endlich mal akzeptieren.

  118. Die Fernsehjournalistin Katrin Müller-Hohenstein hat ein WM-Spiel der deutschen Mannschaft moderiert. Bei so einem Ereignis sehen / hören 20-30 Millionen Menschen zu, auch solche, für die Menschen wie Frau Müller-Hohenstein Vorbildcharakter haben. Und vor so einem Publikum haben derartige Stammtisch-Redewendungen, die angeblich „üblich“ seien, nichts verloren.

    Ich bin sehr froh, dass es inzwischen Medien bzw. Kanäle wie Twitter gibt, die die Empörung über solche Entgleisungen abbilden und ich bin auch froh darüber, dass die Entgleisungen dadurch ein stärkeres mediales Echo bekommen als noch vor ein paar Jahren.

    Meine Hoffnung ist, dass der Sender deutlichere Konsequenzen aus diesem Vorfall zieht, als nur eine lauwarme Entschuldigung des ZDF-Sportchefs zu verbreiten.

  119. @145/Nurse Jackie
    Vorsicht mit der Kreuzigung! Nicht, dass sich welt-online wegen Verächtlichmachung christlicher Symbole empört.

    @156/Sebastian S.
    Genau! In die Ecke. Büßerhemd. Und vielleicht zehn Stockhiebe?

  120. Können wir jetzt bitte wieder über Lena reden ;-)

    Danke für den Artikel. Ich komme mit diese „Empörungsökonomie“ auch nicht mehr klar. Die Medien konstruieren sich ihre Skandale, über die sie dann anschließend berichten, doch zur Hälfte schon selber. Mich ödet das einfach nur noch an.

  121. Mir persönlich war diese Redewendung auch nicht bekannt. Vielleicht benutzt man sie ja nur in bestimmten Regionen oder Kreisen, das soll in Deutschland ja öfter mal vorkommen.
    Daher war ich erstmal wenigstens irritiert, als plötzlich vom Reichsparteitag die Rede war, im ZDF, in Südafrika, wurde nicht gerade Fußball gespielt? „Dämlicher Spruch“ war mein erster Gedanke.
    Denn erstens passt eine solcher Vergleich nicht ins ZDF (Es war ein Fauxpas von Frau Müller-Hohenstein, nicht mehr und nicht weniger) und zweitens schon mal gar nicht in die deutsche Umgangssprache.

    Und zu diesem Blogeintrag: Ich finde es nicht sehr clever, einfach mal alle Aufregung zu übergehen, fertig zu machen, als doof hin zu stellen, nur weil man diesen seltsamen Spruch selbst kennt. Viele tun dies ja anscheinend nicht, und für die ist die Sache ein Aufreger!
    Ein sofort vergessenswerter Aufreger.

  122. Ich bin über Ihre Reaktion, Herr Niggemeier, doch sehr überrascht. Natürlich würde niemand ernsthaft behaupten, KMH sei ein Nazi. Aber über journalistische Standards – und deren Wahrung haben Sie sich doch zur Aufgabe gemacht – muss man hier wohl doch zum mindesten reden. Dass Sie da gar kein Problem sehen, kann ich kaum glauben.

    Ich habe diese angeblich „gängige Redensart“ übrigens auch noch nie im Leben gehört. Vielleicht gehe ich einfach in andere Kneipen als ZDF-Redakteure? (Im übrigen finde ich auch die Vorstellung reichlich bizarr. Wie grauenhaft muss sich das denn anfühlen, ein „innerer Reichsparteitag“?)

    Manchmal kann übrigens auch etwas richtig sein, obwohl es in der WELT steht. Sehr selten, aber es kommt vor.

  123. Ich habe bei der Wendung ja auch aufgehorcht und mich über die Wortwahl gewundert. Blöde, unbedachte Äußerung, klar – aber daraus jetzt einen Naziskandal basteln zu wollen und den Kopf dieser Frau zu fordern, halte ich für enorm übertrieben.

    Was man allerdings so auf einigen anderen Seiten liest, hat man den Eindruck, dass allein wegen dieses Spruchs morgen schon wieder die braunen Horden durch die Republik marschieren.

  124. Niggemeier

    Also in englischen Zeitungen wird man in ein paar Tagen vom Blitzkrieg reden. Spätestens wenn die Engländer wieder ein Elfmeterschießen vergeigt haben. Außerdem finde ich diese Diskussion gut: Auch Leute, die sich nicht für Fußball interessieren, können sich jetzt in die nationale Debatte einbringen. Das ist doch gut auf dem Weg ins Endspiel.

  125. Der eigentliche Skandal ist für mich, dass sich das ZDF nicht fürsorglich vor seine Mitarbeiterin stellt und die Äußerung von KMH in den richtigen Kontext stellt, sondern sich für sie für etwas vermeintlich „Skandalöses“ entschuldigt, das m. E. keiner Entschuldigung bedarf (höchstens einer Erklärung).

    Man muss nicht über jedes „Empörungs-Stöckchen“ springen, das einem hingehalten wird.

    @Herr Holle: Sie könnten Recht haben mit Ihrer Beobachtung. Aber wenn es so wäre, dass das ZDF noch während der Sendung KMH intern „zur Sau gemacht“ hat, dann wäre das noch ein Verstoß gegen eine ungeschriebene TV/Radio-Regel („Nie den Moderator während einer Sendung zurechtweisen“).

  126. #41 „Es gibt schlichtweg Dinge/Worte/Sprueche, von denen Leute mit ein wenig Grips wissen muessen, wann man sie sagt und vor allem, wann man sie NICHT sagt.“

    Erst letztens hat eine Freundin von einem „Bombenwetter in Dresden“ gesprochen. Hätte sie nicht unmittelbar darauf gestutzt und selbst gemeint, dass die Formulierung eigentlich ziemlich zynisch sei, es wäre mir überhaupt nicht aufgefallen.

    Davon abgesehen: Warum sollte man sich überhaupt von Menschen mit Nazi-Fetisch seine Sprache diktieren lassen? Gerade als Deutsche hat man doch wohl das Recht, sich geistig darüber hinauszuentwickeln, im Nationalsozialismus seine persönliche, nationale und kulturelle Identität zu finden oder sogar diese Ära kritisch-spöttisch zu betrachten. Natürlich muss man dabei mit Gegenwind von denen rechnen, deren Weltbewusstsein innerhalb deutscher Landesgrenzen mit 1933 anfängt und 1945 aufhört und sich insbesondere die „Entweihung“ dieser Zeit verbieten. Das ist ein unvermeidbarer Preis, den es für diese avantgardistische Kessheit zu zahlen gilt.

    Absurd finde ich auch die Zweifel daran, dass das eine seltene, aber durchaus genutzte Redewendung ist. Stefan Niggemeier hat doch im Ausgangsbeitrag Belege dafür erbracht hat, dass die „Welt“ dieser Wendung höchstselbst schon wiederholt (!) von ihr Gebrauch gemacht hat. Wie kann man dann noch ihre Legitimität bestreiten? Eine stärkeres Verteidigung als die Unterstützung durch seine schärfsten Kritiker ist doch gar nicht denkbar? Dass diese Unterstützung nicht absichtlich geschah, ändert rein gar nichts daran.

  127. Da draußen auf unseren Straßen laufen jede Menge Nazis rum. Echte Nazis. Mit Ideologie, Gewaltbereitschaft – so richtig das volle Programm.

    Es gibt jede Woche Veranstaltungen, „Aufmärsche“ und Treffen von den Braun-Hirnen. Kaum ein Wort in den Medien. Da müssen schon Häuser brennen oder Menschen totgeschlagen werden, bevor sich hier etwas tut.

    Eine Moderatorin verwendet eine (nicht unübliche) aber auch nicht besonders geeignete Redewendung und die hysterische Empörunsmaschine läuft an.

    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Menschen, die bei solchen Sachen so unverältnismäßig hochgehen jedes Maß verloren haben – vermutlich deshalb, weil sie noch nie einem echten Nazi gegenüber gestanden haben. Einfach mal ausprobieren. Geht mal auf eine Anti-Nazi-Demo und schaut euch mal die Jungs und Mädels da an, achtet auf die Sprechchöre, die Banner, das Flackern in deren Augen.

    Zukünftig wird ein sprachlicher Ausrutscher eines Moderatoren (und mehr war es nicht) nicht mal ein Achselzucken bei euch auslösen.
    Weil ihr wisst, dass es wirklich, wirklich, WIRKLICH andere Probleme gibt als Political Correctness. Echt wahr.

  128. Es gibt einen noch viel größeren Skandal: Der ADAC nennt seine Landesverbände zum Beispiel Gaue! Gau geht doch nun gar nicht. Die spinnen, die Römer

  129. Diese ganze Posse demonstriert doch herrlich, dass für viele Menschen „gegen rechts“ zu sein gleichbedeutend damit ist die Medien nach buzzwords zu durchforsten über die man sich dann, ganz pc, empören kann.
    Vielleicht besser als nichts, enttäuschend aber alle Mal.

  130. Ich finde diese Aufregung absolut übertrieben. Es ist einfach nicht in Ordnung das unzählige Worte und Redewendungen sofort dazuführen das man in die Naziecke gestellt wird.

    Unser Land hat ausreichend reale Probleme, aber anstatt sich mit diesen zu beschäftigen hetzt man lieber diverse Menschen durch die Medien, alles unter dem Schutzmantel der Nazijäger.

    Armes Deutschland, zerfressen von Pseudo-Schuldgefühlen und stets bemüht keinen Fehler zu machen…

  131. Die Welt tut, was sie tun muss.

    Peinlicher finde ich die angeblich etwas weiter über den Dingen stehende 11Freunde. Über Folgendes wurde in der Redaktion offenbar nicht ein einziges Mal nachgedacht, sonnst hätte man „Carmen Thomas /Schalke 05 / wusste immerhin grob, worum es geht“ nicht in unmittelbare Nähe von „schenkelklopfenden Stammtisch“ gesetzt:

    „Carmen Thomas frohlockte 1973 »Schalke 05« in die Kameras. Immerhin wusste die Frau grob, worum es ging – nämlich Fußball – und hatte damit Katrin Müller-Hohenstein schonmal ein gewisses Basiswissen voraus. Die jedenfalls scheint sich irgendwo am schenkelklopfenden Stammtisch gewähnt haben, nur nicht bei der Live-Übertragung eines WM-Spiels der deutschen Nationalmannschaft.“

  132. Ich bin 48, ich komme aus Berlin, ich kenne die Redewendung, ich bin sicher sie auch schon mindestens einmal benutzt zu haben und ich zerre jeden vor Gericht der behauptet ich oder meine Eltern wären, rechts, braungefärbt oder Nazis.

  133. Ohne jetzt alles gelesen zu haben – ich halte das auch für eine durchausgebräuchliche Redewendung. Macht die Sache nicht glücklicher, aber die hoch aufgehängte Empörung ist lächerlich übertrieben. Was soll denn die Konsequenz sein? KMH feuern und künftig wie in den USA ein paar Sekunden Zeitversatz bei Live-Sendungen, damit der öffentlich-rechtliche Wortschatz-und-Redewendungs-Beauftragte die Schere ansetzen kann? Blödsinn.

  134. Müller-Hohenstein hält einen Reichsparteitag für eine tolle Sache. Ich halte einen Reichsparteitag für einen satanistischen Gottesdienst.

  135. Pardon, es muss bei #169 natürlich heißen:
    Gerade als Deutsche hat man doch wohl das Recht, sich geistig darüber hinauszuentwickeln, im Nationalsozialismus die persönliche, nationale und kulturelle Identität zu finden; auch so weit, diese Ära kritisch-spöttisch zu betrachten.

  136. Patriotismus und WM, Runde zwei. Der Ausrutscher mag peinlich gewesen sein, aber die Aufregung über sowas finde ich lächerlich.

    Aber gut, dass wir derart wichtige Themen haben, denn dann kann die Politik wie 2006 im Schutze solcher Vuvuzela-Diskussionen ihr antidemokratisches Programm durchdrücken.

  137. Kein Weltuntergang, für die Kommentierung eines Länderspiels aber auch nicht unbedingt glücklich und angemessen. Die Witzigkeit solcher Instinktlosigkeit einer exponierten Fernsehschaffenden verursacht mir eher selbst einen inneren Reichsparteitag. Soll heißen, so was kann man sich im stillen Kämmerlein denken und als Witzchen im kleinen Kreis äußern, für die offiziöse Kommentierung eines Fussball-Länderspiels ist es leider deplatziert. Zumal es tatsächlich sowas wie Schadenfreude ausdrückt, mit nationalsozialistischer Konnotation geht das im Fernsehen leider nicht. Sonst reißt es ein.

  138. Danke für diesen Artikel! Da ich zwar das Spiel gestern sehr wohl gesehen, aber den Kommentar von Frau M.-H. überhaupt nicht mitbekommen habe (bei dem Geschwätz von ihr und Olli Kahn haben wir in der Runde gedanklich etwas abgeschaltet), war ich höchst verblüfft, heute bei Bildblog von diesem Web-Kreuzzug zu lesen. Unglaublich.

    Und bitte, alle, die diese Rendewendung (deren Bedeutung in Kommentar 150 übrigens sehr gut und richtig erklärt wird) gleich in die rechte Ecke und an den Stammtisch drängen wollen, sollen doch bitte erstmal tief durchatmen, einen Kaffee trinken und dann nochmal über ihr Verhältnis zur deutschen Sprache reflektieren. Danke!

  139. Die Aufregung ist vollkommen lächerlich. Ich nutze den Ausdruck auch manchmal und halte das auch für in Ordnung. Diese Pseudo-politische-Korrektheit ist noch nerviger, als die Vuvuzelas – oder wir die Tröten jetzt auch immer heissen mögen.

  140. Man lernt nie aus. Eine gängige Redewendung scheint das für mich nicht zu sein. Anyway. Was wäre denn, wenn sie „innerer Bundesparteitag“ gesagt hätte? Da denke ich sofort an lauter Pfeifen auf dem Podium, eine darf die ganze Zeit mit dem Kiefer wackeln – egal welcher Unsinn raus kommt – und der Pöbel unten darf laut klatschen. Wäre ich Klose, ich hätte meine Gefühle wohl definitiv nicht so umschrieben, hätte man gefragt.

  141. natürlich ist die Nazikeule hier nicht angebracht. Das Problem sind aber Journalisten, die ihre Sprache nicht reflektieren. Und so gesehen ist der Kommentar von Niggemeier hier noch dümmer als der von KMH, weil er mit etwas Abstand geschrieben wurde und er bei KMH in einer Livesituation gefallen ist.

  142. Man lernt nie aus. Eine gängige Redewendung scheint das für mich nicht zu sein. Anyway. Was wäre denn, wenn sie „innerer Bundesparteitag“ gesagt hätte? Da denke ich sofort an lauter Pfeifen auf dem Podium, eine darf die ganze Zeit mit dem Kiefer wackeln – egal welcher Unsinn raus kommt – und der Pöbel unten darf laut klatschen. Wäre ich Klose, ich hätte meine Gefühle wohl definitiv nicht so umschrieben, hätte man gefragt.
    Wie groß wohl die Empörung ist wenn NIGeria gegen GERmany spielen sollte…

  143. Derartige MedienPOGROME müssen einfach mal aufhören. Ansonsten muss ich wohl vor jeder Wortmeldung erst den Anwalt alle möglichen mutwilligen Mißverstehbarkeiten ausschließen lassen, für mein armes SeelenHEIL. Dann geb ich doch lieber meinen FÜHRERSCHEIN zurück, eh mir den auch noch einer krumm nimmt. Wir haben ja sonst keine Probleme… Scheinheilige Naziempörung und „soziale Ungerechtigkeit“ sind die unschlagbaren WUNDERWAFFEN unserer Zeit. Nur kann anscheinend keiner erklären was das eigentlich sein soll…

  144. Bevor man jemanden in Bausch und Bogen verdammt (hoffentlich kein Nazi-Spruch, sonst sorry, war echt keine Absicht), soll man ja zunächst versuchen, die Sache mit seinen Augen zu sehen. Der Dr. Jekyll in mir äußert sich wie folgt:

    „Es erschüttert mich, wie hier versucht wird, ein wichtiges Thema einfach runterzuspielen respektive die Nazi-Scheiße runterzuspülen:

    Allen seriösen Beobachtern war doch klar, dass diese Äußerung kein Zufall war. Die Moderatorin hat die Äußerung ganz bewusst eingesetzt, um die Euphorie um die deutsche Nationalmannschaft für die Zwecke ihrer fragwürdigen politischen Gesinnung auszuschlachten. Vermutlich steckt mal wieder um eine der zahlreichen vergangenheitsbezogenen Verschwörungen dahinter, die das deutsche Staatsfernsehen kapern, um mit ihren subtil verabreichten Ideologie-Pillen das deutsche Publikum auf das kommende Reich einzuschwören.

    Vielen Dank daher den feinsinnigen Beobachtern, die diese perfide Masche durchschaut haben und dem Treiben ein Ende setzen. Die Moderatorin ist heute bestimmt ganz zerknirscht, nachdem sie von diesen Cleverchen ertappt und überführt wurde. Lassen sie uns alle Hoffen, dass dem deutschen Publikum zukünftig solche schauderlichen Erlebnisse erspart bleiben.“

  145. Ich find die Redewendung ja auch eher witzig, zumal sie ja lediglich aussagt, dass man innerlich eskaliert. Die Aufregung darüber kommt aber wohl eher daher, dass viele Menschen von diesem dämlichen „Wir-sind-wieder-wer“-Gefühl genervt ist und ergo dann überreagieren wenn auch noch so eine konnotative Steilvorlage geliefert wird. Plus die dümmliche Einstellung von wegen Frauen hätten im Fußball nichts zu suchen.
    Aber das wird alles verebben. Da muss die gute Frau nun durch, denn: Das Leben ist kein… lieber nicht.

  146. ich gebe zu, dass mir (jahrgang 1982) diese redewendung nicht geläufig war und ich sie, hätte ich die szene im tv mitbekommen, evtl. auch missverstanden hätte.
    mag damit zusammenhängen, dass mir irgendwie das gefühl eingetrichtert wurde, jede redewendung mit dem wort „reich“ im politischen sinne stehe im engen zusammenhang mit der unrühmlichen deutschen vergangenheit und sei damit potentiell unangemessen.

    amüsiert hat mich hingegen, als einst in einem forum ein user sich schwer beleidigt fühlte, als er die auf ihn bezogene aufforderung „ruhig, brauner!“ als ‚abstempeln ins rechtsextreme lager‘ missverstanden hat und nicht wusste, dass dies dem beruhigen eines (braunen) pferdes entspricht.

    redewendungen können einfach enorm unterschiedlich aufgefasst werden und verändern im laufe der zeit ihre bedeutung oder wertigkeit.
    fehlt das entsprechende hintergrundwissen, woher eine wendung ursprünglich stammt, kann dies erst recht zu missverständnissen führen.
    solche aufklärenden artikel wie hier sind daher enorm wichtig.

  147. “Für mich ist das eine alltägliche Redewendung, um einen besonderen Triumph zu beschreiben, ein Gefühl von Schadenfreude oder die Genugtuung, es allen gezeigt zu haben.”

    Sie sind ja auch nur ein Blogger, Herr Niggemeier, der sich einen Namen damit gemacht hat, in zerknitterten Springerblättchen nach Essbarem zu suchen. Da macht es nichts, sich mit derb-unschönem Dorfkneipen-Jargon selbst in die Pfanne zu hauen. Frau Müller-Hohenstein moderiert jedoch eine Fernsehsendung, die zum Zeitpunkt ihrer Äußerung wohl astronomische Zuschauerzahlen besessen haben dürfte. Da sollte man sich schon etwas mehr zusammenreissen. Mit ein bisschen Nachdenken werden sie als “Medienjournalist” sicherlich auch zu diesem Schluss kommen.

    — Christian Weisz — 14. Juni 2010, 1:38 #

    *****

    Lieber Christian Weisz, ich habe nur etwas gegoogelt um meine eigene Meinung bestätigt oder korrigiert zu bekommen und habe diesen Blog gefunden. Nun wider rum frage ich mich, wie ein Mensch zu den o.g. Er-güssen kommen kann und nicht merkt, dass man sich selber lächerlich macht. Wieso muss hier beleidigt werden, es ist Herr Niggemeiers Meinung und Ihre Meinung. Wenn Sie es nicht schaffen ohne Duden und schnöden unangebrachten Beleidigungen eine gegensätzliche Meinung zu formulieren würde ich Ihnen raten einfach – um einen im Internet bekannten Spruch zu zitieren – „einfach die Fresse halten“.

    Ich muss selber gestehen ich habe diese Wort selbst noch nicht tiefgehend reflektiert und habe es eigen-ständig eher in die Kaiserzeit eingeordnet anstatt in die des 3ten Reiches wobei in beiden Epochen dieses Wort benutzt wurde. Ferner habe ich dieses Wort in vielen Artikeln gelesen und somit als „umgangssprach-lich“ aufgefasst und somit meinen Wortschatz auf 201 Wörter erweitert – der Mensch lernt ja fortwährend.

    kurz und knapp: Ihre Meinung, deren Meinung, Bildzeitungs-Meinung.. jeder hat eine Meinung und JEDER darf diese äußern, wenn diese nicht die Person denunziert und verunglimpft. Meine Meinung: Im Nachhinein auf diese ganze Empörung, unglücklich aber nicht sträflich!!!

    Entschuldigung, dass ich mich evtl. auf Ihr Niveau begeben habe :-(

  148. Niggemeier

    Sie sollten den ganzen Artikel entsorgen. Vor allem für diesen Satz:

    „Kurze Geschichtsstunde: Als Reichsparteitage wurden in den zwanziger und dreißiger Jahren die Zusammenkünfte der NSDAP bezeichnet.“

    Nur als Hinweis der erste Parteitag der SPD 1946 in Hannover.

    „Im grossen, einfach und geschmackvoll hergerichteten Speisesaal der Hanomag[2] in Hannover traten in dreitägigen ernsten Beratungen die in den 22 Parteibezirken der drei Westzonen Deutschlands gewählten 258 Delegierten zum Reichsparteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zusammen. “

    http://library.fes.de/fulltext/sozmit/1946-087.htm

    Es ist wirklich hanebüchen. Die sollen sich mit Fußball beschäftigen.

  149. Also ich komme aus dem Süden – und mir ist diese Redewendung absolut geläufig. Nur habe ich noch nie erlebt, daß sich jemand drüber aufregt…

    Vielleicht sollte Harald Schmidt sein Nazometer wieder aktivieren!!! *nerv*

  150. Alter Schwede, man kann aber auch aus jeder Mücke nen rechtsradikalen Elefanten machen! Die Medien schießen mal wieder mit V2-Raketen auf Spatzen.

    Ich finds lächerlich, aber sei’s drum…

  151. @Kritiker: Da ich kein Fußball-Fan bin: Kürzt man Nigeria wirklich so ab? *muahaha* wäre lustig. :D

    Und noch was zu dem Trara hier: Gibt es wirklich einen ernsten Grund, sich so über den Gebrauch aufzuregen? Ich finde es zwar auch sehr wichtig, dass man Begriffe reflektieren muss, aber dieser Skandal, der hier und anderenorts herbeigeschrieben wird, ist doch wohl mal vollkommen überflüssig!

  152. Na super, wieder mal eine völlig unsinnige Debatte über mehr oder minder geläufige Redewendungen. Nur für „die Akten“: Ich kannte die Redewendung auch nicht, dafür kannte ich lange Zeit „jedem das seine“ nur als Synonym für „jeder nach seiner Facon“. Liegt vermutlich mehr an der Region als an den „Kreisen“ in denen man aufgewachsen ist…

    So what?

    Macht es denn jemand wirklich zu einem „Nazi“ (oder auch nur Rassisten, Intoleranten, potentiellen Verbrecher), wenn er nicht jede Redewendung auf ihren Ursprung und Missbräuche untersucht, Mutterschutz und Kindergeld trotz Einführung durch die falschen Leute für gute Ideen hält und nicht jeden Unsinn, den eine Minderheit verzapft, rein aus vermeintlicher „polischer Korrektheit“ für schützenswert hält?

    Da regt man sich über hochgepuschten Mist auf, während aus allen Kanonen Vorurteile geschürt werden – in den Banken arbeiten nur Abzocker, Hartz-IV-Empänger sind faule Schmarotzer, Türken töten ihre 12jährigen Töchter wenn die sich nicht zwangsverheiraten lassen, Israelis oder Palästinenzer sind rücksichtslose Besetzer und Kriegstreiber während die Gegenseite sich ja nur verteidigt (und was ist mit der Zivilbevölkerung, die nur irgendwie irgendwo leben will?), Russen erfüllen weiterhin das „Kalte Killer“-Klischee, Amis sind dumme, fette Egoisten, …

    Also ich finde die ganzen Hetzprediger wesentlich gefährlicher als irgendwelche „historisch belasteten“ Redewendungen und Errungenschaften.

  153. Diesen Beitrag würde ich am liebsten de-flattrn.

    Die werte Frau Hermann ist nicht mehr im – öffentlich-rechtlichen – Fernsehen. Dem Typen der neulich hier um die Ecke behauptet hat, Migranten sorgen für unsere Verdummung kann man nicht ernst nehmen. Und Müller-Hohenstein hat ja „nur“ eine „gängige Redewendung“ benutzt. Was habe ich da schon gelesen, „Jedem das seine.“ ist auch so eine? Ja dann können wir uns ja schon mal auf nächsten Würgreflex vorbereiten, wenn beim nächsten Spiel eine rote Karte gezeigt wird. Wenn ich das schon höre.

  154. Wenn ich diese ganzen Aufregungen über Nazinähe lese, kann ich gar nicht mehr soviel essen wie ich kotzen möchte.

    „Ein innerer Reichsparteitag für jemanden“ bedeutet in meiner Welt, dass man in der Vergangenheit (evtl. zu Unrecht) verkannt wurde und sich nun zeigt, dass diese Verkennung nicht gerechtfertig war. „Innerer“ gerade auch als Abgrenzung zum öffentlichen Zelebrieren der Nazis und somit völlig ohne Beteiligung oder gar Verherrlichung irgendwelcher Nazis.

    Ich würde mir eventuell abhängig von meinem aktuellen Umfeld schon überlegen, ob ich den Ausdruck verwende. Aber wenn ich die ganze Sche..e höre, die im Zusammenhang mit Fußballspielen (als Kommentar vor, während und danach) gebracht wird, dann ist ein „innerer Reichsparteitag“ für mich mit Sicherheit im unteren Bereich der Bedenklichkeitsskala.

    Und für all die verbohrten „Wir dürfen so etwas nicht zulassen“-Äußerer: Lasst uns doch alle Worte mit Vorsilbe „Reich“ ganz verbieten. Und weil sie sich beteiligt haben, auch gleich noch die Buchstaben „R“, „e“, „i“, „c“ und „h“.

    Wä das nt toll? Vbtn w au no „N“, „a“ und „z“, d wd dts Sp gl vl f! [Hätte früher geheißen: Wäre das nicht toll? Verbieten wir auch noch „N“, „a“ und „z“, dann wird die deutsche Sprach gleich viel einfacher.]

    Und meine völlig persönliche (und mit Absicht polemische) Meinung: Wer etwas gegen Nazis hat, soll sich im realen Leben gegen sie stellen und aufmucken, wenn nazionalsozialistisches Gedankengut geäußert und umgesetzt wird. All die, die jetzt hier Betroffenheit äußern, aber fein wegschauen, wenn sie im realen Leben einen Nazi treffen: Ihr seid peinlich. All die, die jetzt hier Betroffenheit äußern, aber auch im realen Leben gegen Nazis handeln: Respekt für zweiteres. Ersteres ist trotzdem peinlich.

  155. #

    Zumindest im Kontext einer WM war solch eine Formulierung völlig deplatziert. Insofern kann ich Ihren Standpunkt absolut nicht nachvollziehen

    Es grüßt aus dem Südschwarzwald

    Manfred Hüfner
    — Derfnam — 14. Juni 2010, 2:12 #
    #

    Völlig falsche Sichtweise, dieser Kommentar. Nazislang darg nicht einreißen in den deutschen Medien. Deutschland hat heute eine hohe Niederlage kassiert. moralisch und in den Augen der Welt.
    — Glamypunk — 14. Juni 2010, 2:17 #
    #

    Ich habe diese Redewendung bisher noch nie gehört. Ich verkehre anscheinend nicht in den selben (rechtsradikalen?) Kreisen wie Niggemeier.
    — Luisa — 14. Juni 2010, 2:17 #

    Jehowa! Jehowa!

  156. @apunkt(#150) und Georg K. (#177)

    Ich fürchte, ich bin hier bald der Blogälteste. Also ich kenne die Redewendung leider auch eher von „rechtskonservativen“ älteren Herren, Typen mit denen ich nie etwas zu tun haben wollte, und die damit eben genau ihr eigenes Hochgefühl bei solchen Ereignissen in den 30ern reanimieren. Unsereins wendet sich peinlich berührt weg.
    Daß dann später junge Leute das auch ironisch verwendet haben, mag aber sein. Daß Nazis sowas sagen, kann ich mir andererseits garnicht vorstellen.
    In jedem Fall finde ich es aber sowieso albern, sich über „falsche“ Wörter aufzuregen. Autobahn=Hitler, Eisenbahn=Auschwitz ?

    Ganz ne andere Frage: wieso war gestern abend eigentlich so ein Lärm draußen, als ich gerade am Einschlafen war?

  157. Autobahn und Führerschein wurden ja schon geschrieben…

    Sinti-und Romaschnitzel oder Reisendevolksgruppenschnitzel, nein Zigeunerschnitzel!

    Afrikaner ist falsch wg. Nordafrikaner, Schwarz-Afrikaner ist falsch bei Negern, die nicht aus Afrika kommen, Afro-Amerikaner ist falsch bei Negern, die nicht aus Amerika kommen, pigmentiell bevorzugt ist einfach peinlich Negerkuss!

  158. Ganz großes Tennis, was hier geboten wird. So wird die Wartezeit bis kommenden Freitag verkürzt, an dem wir hoffentlich wieder so ein tolles Spiel der Deutschen sehen werden.

    Das wäre ein weiterer wichtiger Schritt zum Endsieg…

  159. Darf ich Ihre Aufmerksamkeit kurz auf zwei ausgezeichnete Einträge des Journalisten Michalis Pantelouris lenken?

    # Die Inoffizielle BILD-Kampagne: Pantelouris beschreibt die grundlegende Funktionsweise von Bild am Beispiel DSDS.

    # Das Sparpaket und die Deutungshoheit beleuchtet die selbst für Bild-Verhältnisse überdeutliche Sprache: „[Sozialleistungen] zu streichen, soll nicht gerecht sein? Lachhaft.

    Nun musste ich in meinem Leben auch schon einige Artikel der Welt lesen und finde, die oben genannten Besprechungen der Bild lassen sich in einigen Punkten auch auf die Welt (Print und online) übertragen. Also eigentlich nur gaaanz leicht OT. :)

  160. Ich bin immer wieder erstaunt, was immer noch für Würgereizeffekte entstehen, wenn ein Ausdruck eventuell mit dem 3. Reich in Verbindung gebracht werden könnte.
    Vergessen ist falsch, aber selbst die viele Juden (ja, ich kenne welche) wundern sich über unsere Selbstgeißelung. Deswegen: Unglücklich, aber kein Anlass für diese Hetzjagd.

  161. „Schalke 05“: Verhöhnung von Legasthenie-Erkrankten!

    „Diego Klimowicz eine Name wie Winnetou Koslowski“*: Volkverhetzung!

    * auch Manni Breuckmann

    Als auf Grund dieses Vorfalles …

    „Schock zwei Tage vor Start des Africa Cups: Der Überfall auf die Fußball-Nationalmannschaft Togos im Gastgeberland Angola hat zwei Teammitglieder das Leben gekostet. Wie ein Offizieller der afrikanischen Fußball-Konföderation CAF erklärte, sind bei dem Rebellenangriff auf den togolesischen Mannschaftsbus der Assistenztrainer und Pressesprecher des Teams erschossen worden.“

    … ein Journalist der öffentlich rechtlichen Fraktion im Doppelpass davon sprach, wie schlimm es doch gewesen wäre, wenn ein wirklich wichtiger Spieler (Mensch) (z.B. der Torwart, der in England für viel Geld verpflichtet war) ums Leben gekommen wäre, hat sich kein Mensch darüber aufgeregt, obwohl man diese Äußerung als deutlich naziesker einstufen kann.

    Vielleicht hätte KMH sich besser in der Weise äußern sollen, dass „Klose da tierisch einer abgegangen sein muss“; wäre der Zielgruppe entgegen gekommen.

  162. Ich bin erschüttert, dass Leute, die Kritik an KMHs Formulierung üben, von einigen doch immer wieder geradezu reflexartig in eine unpolitische linke Krawallecke gedrängt werden.
    Vielleicht regt man sich da auch nur über eine Formulierung auf, ohne dabei den Verfasser direkt als Rechtsradikalen zu bezeichnen. Und ja, man stört sich auch an den Entwicklungen im Bundestag und anderen politischen wie gesellschaftlichen Unzulänglichkeiten. Entgegen der Vermutung anderer.

    Aber immer wieder scheint es Menschen zu geben, die Kritik an bestimmten Formulierungen oder Gebahren während national geprägter Ereignisse (auweia, jetzt hab ich ’national‘ gesagt) scheinbar als Angriff auf ihren eher unreflektierten Lebensstil sehen, und sich empört beschweren, wie man sie nur als Nazi bezeichnen könnte. Bellen da etwa getroffene Hunde?

  163. Der Ausdruck war sicher ungeschickt gewählt, denn einer Journalistin sollte vorher klar sein, das dies für Aufregung sorgen würde. Man darf sein Publikum halt nicht mit unbekannten Worten/Redewendungen überfordern (mir war es auch nicht geläufig).

    Geärget habe ich mich aber über Bela Rethy!
    Über Özil und ich glaube Khedira sagte er, daß sie keine „deutschen Tugenden“ besäßen und „Internationalität“ ins Spiel bringen würden. Beide besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft und sind in Deutschland geboren.

    Sind diese Spieler für Bela Rethy keine richtigen Deutsche?

    Wollte der DFB nicht gegen den NPD-Pressesprecher klagen, weil der Mesut Özil einen „Plastedeutschen“ genannt hatte?

  164. Hm. Ich habe den Begriff heute morgen zum ersten Mal wahrgenommen. (In der Halbzeitpause war ich Wäsche zum trocknen aufhängen :)

    Wie gängig diese Formulierung ist kann ic nicht beurteilen. Mir ist sie in 37 Jahren bis lang noch nicht über den Weg gelaufen.

  165. Wehe ich erwische einen dieser Pseudomoralisten wenn er nen Mohrenkopf oder ein Zigeunerschnitzel verputzt… dann is aber Polen offen. Da gibts auch nix dran zu türken, wenn die obendrein bis zur Vergasung schwarzfahren.

    Vor ein paar Wochen kam Pipi Langstrumpf früh morgens im ZDF… Ratet mal welche Berufsbezeichnung Pippis Vater hatte??? Genau – die originale aus den Büchern!
    Armes Deutschland…

  166. Vielen Dank für den Beitrag!!! Dachte schon ich wär‘ die Einzige, die sich über diese Lächerlichkeit aufregt…

  167. FWIW, ich halte es nicht für eine alltägliche Redewendung sondern für eine mit Nazibezug und benutzte sie selbst deshalb auch nicht. Obwohl ich sie mit ihrer ironischen Distanz und Übertriebenheit eigentlich für witzig halte. Aber ich kenne einige Leute, die davon unangenehm berührt sind, und deshalb hab ich die Wendung als höflicher Mensch aus meinem Sprachgebrauch verbannt.

  168. „Er hat Jehova gesagt!“

    Ich kannte die Redewendung nicht und habe mir trotzdem nichts dabei gedacht. Daraus einen Nazi-Skandal zu machen ist schon sehr lächerlich, die Erklärungen die ich inzwischen dazu gelesen habe scheinen mir recht schlüssig zu belegen, dass es sich keineswegs um eine „braune“ Äußerung handelt. Danke für diesen Kommentar an Herrn Niggemeier.

    Erstaunlich auch immer wieder, wie bereitwillig wir dem Nationalsozialismus Raum bieten, indem wir ihm solche Formulierungen überlassen. Ich bin dazu jedenfalls nicht bereit.

  169. Was ich ja bemerkenswert an manchen Kommentaren finde: Herr Klose ist plötzlich ein polnischer Fußballspieler und deswegen darf man das nicht bringen.

    Ah ja. Der polnische Fußballer, der sich immer so schön theatralisch auf den Bundesadler klopft, wenn er ein Tor schießt. Ich glaube ja, er fände die Bezeichnung polnischer Fußballspieler schlimmer als den Reichsparteitag.

    Wäre ja auch gaaaanz was anderes gewesen, hätte KMH das im Zusammenhang mit z.B. Müller gebracht. Aber das ist halt auch die Rieger derer, die sich schütteln und die deutsche Fahne immernoch „problematisch“ finden. Ich befürchte ja, dass unsere im – besten Sinne buntgemischte – Mannschaft da noch viele Steilvorlagen für Bedenkenträger schaffen wird.

  170. @markus nagler: und genau so sollte es doch auch sein. die verwendung an sich fand ich eher unglücklich und in erster linie nur dumm. die danach beginnende diskussion war vielmehr der auslöser für meine empörung, da sich viele nachwievor durch stufenfreies schwarzweißsehen und -urteilen hervortun.

  171. Die Aussage wäre doch ein toller Anlass gewesen Kathrin Müller-Hohenstein endlich loszuwerden! Eine derart schnarchnasige und ausstrahlungslose Moderatorin hat es seit langem nicht mehr gegeben….

  172. … fehlt noch der hinweis auf den „grösporaz“: größer sportreporter aller zeiten bela r. … kriegt euch wieder ein. jungs spielen mit einem ball und mädchen kommentieren – so what?!

  173. Danke für den Artikel. Ich dachte schon, es gibt keine normalen Menschen mehr unter den Schreiberlingen im Web. Auf jeder Seite wird das Thema voller Rechtschreibfehler „dargestellt“…

    In|ter|net das; -s: ‹Kurzw. aus engl. international u. network „internationales Netzwerk“› = elektronische Plattform, die es dem einzelnen erlaubt, seine Dummheit in die ganze Welt hinauszutragen.

    Dass der Begriff „innerer Reichsparteitag“ aus einer Abwertung des selbigen heraus entstanden ist, erkennt man bereits nach kurzem Nachdenken. Aber Denken ist für die meisten schon zu schwer geworden…

  174. Sehr sachlicher Kommentar zu dieser in der Tat etwas zu sehr aufgeregten Diskussion. Danke für diesen Beitrag Stefan!

  175. Mein Gott, schon zwölf Millionen Kommentare hier. Was soll man denn da noch sagen? Dass die Verwendung von „innerer Reichsparteitag“ eigentlich der Satire und der Ironie vorbehalten ist, nicht seriösen Kommentatoren des öffentlich Rundfunks. Oder auch eher bei Bundeswehroffizieren in der Kantine und nicht im alltäglichen Sprachgebrauch vorkommt.

    Wenn man das nicht berücksichtigt, kommt man ganz schnell dahin, dass sich der innere Reichsparteitag eben doch in der Alltagssprache festsetzt: bei den Nazis und ihren Derivaten. Und denn dummen Eventnationalisten dieser Tage. Und schon hätten wir einen neuen Fall von „muss man doch noch sagen dürfen!“ samt vielfältiger, grenzdebiler Rechtfertigungsversuche und Geert Wilders als Reichskanzler.

  176. Besten Dank, lieber Herr Niggemeier, Sie haben in ein Wespennest gestochen – und das war auch dringend nötig; denn die Diskussion offenbart über weite Strecken einen Abgrund von historischer Ahnungslosigkeit. Der Begriff „innerer Reichsparteitag“ ist nur deswegen ungehindert in die bundesrepublikanische Alltagssprache eingedrungen, weil er den ironischen Sprachgebrauch der Nazi-Gegner 33-45 weiterführt (jedenfalls kenne ich das von älteren Verwandten, denen die faschistischen Aufmärsche zutiefst zuwider waren, nicht anders). Kommentator 150 Apunkt hat hier völlig recht. Also, liebe Leute, ehe Ihr die ungeschickte KMH als Krypto-Nazisse oder Leni Müller-HohenRiefenstein weiterhin geißelt – zurück auf „Los“ und noch einmal nachdenken …

  177. Es gibt nun auch einen Artikel ‚Innerer Reichsparteitag‘ auf Wikipedia und der sagt, dass die Redewendung der Sprache des NS entstammt, typischer NS-Jargon ist und eben nicht nur ironisch gedeutet werden kann.

  178. @ Christoph:

    Lustig, dass Ihr jetzt auf einmal alle (der Link findet sich ja auch unzählige male auf twitter und in diversen Blogs) auf Broder verweist. Hast Du Dir die beiden Texte wirklich durchgelesen. Kontext und so? Und verstanden, was Broder damit sagen wollte? Dann würde mich nämlich interessieren, was Broders Intention und Zusammenhang (nämlich die Absicht, darauf hinzuweisen, dass jemand ungebührlich oder in Herrenmenschenart einen Triumph feiert oder allgemein dem „rechten Gedankengut nahesteht“) mit jenen von Müller-Hohenstein zu tun hat??

  179. Geht diese – mit Verlaub – dämliche Diskussion schon wieder los… Ich denke, nach 80 Jahren muss man es langsam mal mit gewissen Begrifflichkeiten beruhen lassen.
    Eva Herrmann hat eine riesige Diskussion verursacht, eine Werbekampagne mit dem Slogan „Jedem das seine“ ebenfalls. Wie soll das denn in 50, bzw. 100 Jahren aussehen? Die nachfolgenden Generationen können nicht wissen, welche Redewendungen man verwenden darf, welche nicht und reden sich um Kopf und Kragen.

    Deswegen mein Tipp: Gebt doch ein Buch raus mit allen Begriffen und Redewendungen, die in den Jahren des 3. Reiches gebraucht wurden. Aber: bitte die Wörter „total“, „Autobahn“, „Gas“ nicht vergessen!

    Es ist schon traurig und zum Teil lächerlich, dass man mit gewissen Vergleichen sofort in eine Schublade gesteckt wird und so stark aufpassen muss, was man hierzulande sagt. Das ist typisch deutsch und in anderen Ländern undenkbar.

    Ich denke, dass wir in diesem Land wirklich größere Probleme haben, als über so einen „Ausrutscher“ diskutieren zu müssen. Das ZDF und andere Medien sollten hier etwas mehr mit der Zeit gehen und über wirklich schwerwiegende Sachen berichten. Aber wie auch immer – jedem das seine…

  180. Ich finde es schon putzig, dass hier Kommentatoren völlig unreflektiert Begriffe wie „Braune[r] Restmüll“ oder „dummes Ding“ verwenden, während sie gleichzeitig andere dafür kritisieren, unreflektiert Begriffe zu verwenden, die andere irgendwie belasten könnten.
    Zeugt das nun von abgebrochenem Zeiger am Ironiedetektor oder einfach nur vom völligen Ruhen im Bewusstsein der eigenen moralischen Überlegenheit?

  181. Hier in Bremen sind übrigens mehrere Finanzämter im „Haus des Reichs“ – erwäge jetzt, keine Steuern mehr zu bezahlen, weil ich damit ja eventuell Nazis finanziere!

    Skurrilerweise hat KMH überhaupt keinen Grund, sich zu entschuldigen. Im Gegensatz zu den sich empörenden reflektiert sie sehr wohl, was sie sagt, es passte haargenau. An den vielen Rechtschreib- und Grammatikfehlern der Empörten merkt man aber, die wissen nicht genau, was sie meinen. Und die Fatzebuk-Gruppen-Gründer sind lächerliche Wichtigtuer. Wenn man das schon liest: „Die nicht gerade bekannte…“ – die Frau moderiert seit bestimmt 10 Jahren im ZDF und kommt auch immer wieder in Einspielern in Shows auf anderen Sendern vor. Wenn man sich weder für Sport noch fürs Fernsehen allgemein interessiert, kann man sagen, man kenne sie gar nicht. Aber einerseits zu sagen, man kenne sie kaum, und andererseits, man wolle sie weghaben vom Bildschirm, aus dem Grunde, dass sie Redewendungen gebraucht, die vielleicht nicht jeder kennt- das geht nicht.

    Wenn man sich über etwas empören möchte, hat man eine Holschuld. Als Journalist sollte man recherchieren, als Zwitscherer vielleicht vorher gugeln, sonst läuft man Gefahr, sich lächerlich zu machen.

  182. @234 wikipedia Dieser hastig gestrickte Artikel bei Wikipedia ist für mich mal wieder der beste Beweis dafür, Wikipedia nur mit der Kneifzange anzufassen.

  183. Aber darüber, daß Balla Rätti in seinem Kommentar der Nation gepetzt hat, daß der Löwyogi in der Vorbereitung den Poldi „richtig rangenommen“ hat – darüber schweigt des Moralisten Mundwerk…

    Tztztz!

  184. Weiß jemand, ob die in Südafrika Autobahnen haben?

    In den letzten Tagen war ich dreimal in Johannesburg für Interviews. Meine Unterkunft ist in Pretoria und das wäre nicht weiter nennenswert… Gerade geht wieder eine Sirene in der Nachbarschaft los. Wahrscheinlich Fehlalarm! Das ist mir auch schon passiert und hab alle Mitbewohner gegen 5 Uhr aus dem Bett geholt. … das wäre nicht weiter nennenswert, wenn man sich von Pretoria nicht schon um 5 Uhr auf den Weg machen müsste, um die 50 km ohne Stau zu bewältigen. Mit Stau dauert es in etwa 3 Stunden. „Guter Spaziergang“, denken sich hier viele und nehmen die Autobahn zu Fuß. Es liegt nicht etwa an zu engen Autobahnen oder schlechten Straßen. Ganz im Gegenteil, hier hat eine Seite teilweise fünf Bahnen und ist neu asphaltiert. Und gerade das lädt förmlich ein, gleich mit gefühlten zwei Autos unterwegs zu sein – falls eins liegen bleibt, versteht sich. Wir kennen das System aus dem Wilden Westen: Es ist immer besser ein Wechselpferd dabeizuhaben. Im wilden Süden liegt es an den derzeit fehlenden Alternativen und eine Inspektion des Fahrzeugs. Damit das Auto rollt, gibt es nur beim Kauf oder Verkauf, aber nicht regelmäßig. Gerade wird an einer Schnellbahn gearbeitet, Busse gibt es kaum oder sehr unregelmäßig (an den Haltestellen steht lediglich Ankunft und Abfahrt der Busse an den Endhaltestellen) und der Metro-Train ist so langsam, dass man dabei Blumen pflücken kann.
    Johannesburg ist eine einzige Baustelle, wobei sich das eher auf den Norden bezieht (Sandton, Rivonia). Da kommt es schon mal vor, dass die Autos kreuz und quer auf der Kreuzung oder Querzung stehen. Bildlich: Es kommen auf jeder Seite 3 manchmal 4 Spuren zusammen, das sind etwa 12 Autos gleichzeitig, denn keiner weiß, wer an der Reihe ist. Das System nennt sich 4-Stop – eine gleichberechtigte Kreuzung. Regen ist in Südafrika so etwas wie Schnee in Deutschland. Die Leute fahren mit schlechten Bremsen und auf schmierigen Straßen eher Schritttempo oder sind nur sehr sporadisch unterwegs; die Bauarbeiten werden komplett eingestellt.

  185. Jehova, Jehova, Jehova!
    Ganz ehrlich? Ich hab mir nur die Kommentare bis #41 durchgelesen. Bereits nach weniger als 2 Stunden wurde Godwin’s law wieder einmal bestätigt und Niggi in die rechte Nazi-Ecke gestellt. Wahrscheinlich ein innerer Reichsparteitag für Mr. Godwin.
    Herr Niggemeier, wie kann ich denn jetzt, nachdem Sie als geistiger Brandstifter der rechten Szene enttarnt wurden, Ihre Artikel noch ohne Schuldgefühle lesen? Schließlich haben auch Sie die Machtübernahme beim europäischen Liederwettbewerb durch die deutscheste aller deutschen Vergeltungswaffen – Lena – gefördert. Jahrelang haben Sie also Ihr treues Publikum getäuscht und hinter’s Licht geführt, nur um jetzt, mit Hilfe des Zweiten Deutschen Fensehens und der angeschlossenen Volksempfänger-Sendeanstalten, Ihre wahren Absichten kundzutun.
    Pöser Pursche!

    P.S.: Humorresistente Zeitgenossen bitte vortreten, fein säuberlich über meinen Kommentar aufregen und dann „ein wenig aus der Sonne gehen“.

  186. Ich weiß nicht, was ich peinlicher finden soll … den unmöglichen Sager von KMH oder die teutsche Gründlichkeit, mit der man sich darüber aufregt.

    Nach langem Überlegen entscheide ich mich für ein Unentschieden

  187. @Thomas/235: Ja, habe ich.

    Dass ich das selbst in meinem Kommentar schon angedeutet habe, hast Du jetzt aber schön unterschlagen, genauso wie beiden anderen Links, in denen man wohl unzweifelhaft keinerlei Nazi-Bezug findet.

    Deine Frage solltest Du Dir mit ein bisschen Nachdenken selbst beantworten können.

    PS: Ich habe die Links durch Suchen gefunden, nicht durch Abschreiben von woanders. Auch das stand in meinem Post.

  188. 228:
    Ich persönlich sehe KMH sehr gerne und finde, dass sie das äußerst gut macht. Aber das ist für diese Diskussion völlig unerheblich.

    Ich versteh die ganze Aufregung nicht. Da hat eine Moderatorin ihre ironischen fünf Minuten gehabt und soll sich jetzt deswegen entschuldigen? Warum denn das? Ich entschuldige mich, wenn ich jemanden bewusst verletzt habe, beispielsweise. Aber immer dieses reflexhafte Fordern einer Entschuldigung geht mir auf den Senkel.
    Ich glaube, man liegt nicht völlig falsch, wenn man behauptet, dass Nazi-Adolf und seine Gang damals nicht rumgerannt sind und gesagt haben „Oh, heute machen wir einen inneren Reichsparteitag“ oder so. Von daher isses mir unverständlich, wie man behaupten kann, dass diese Redewendung irgendwas mit dem rechten Gesocks von damals zu tun haben soll. Da wird ein Begriff verwandt („Reichsparteitag“), der recht gebräuchlich ist und den jeder kennt, genau wie Dusche, Autobahn und was weiß ich. Konsequenterweise dürfte man diese Worte auch nicht mehr benutzen.

    Noch viel schlimmer als die Aufregung über die flapsige Formulierung einer Sportmoderatorin find ich, wie diese Frau nun öffentlich-medial an den Pranger gestellt wird und auch hier in den Kommentaren aufs Übelste beleidigt wird.
    Meine Güte, was müsst ihr alles tolle Menschen sein.

    Ich muss mich grad mal übergeben.

  189. Ist Müller-Hohenstein vielleicht sogar MUTTER?

    DAS WÄRE DANN DER SUPER-GAU!

    GAU bitt als nicht als deutschen Gau verstehen, sondern als „größter anzunehmender Unfall“…

    Man weiß ja nie in diesen verdummten Zeiten…

  190. Ich schlage mal vor, den gesamten Deutschen Duden und sämtliche Redewendungen in der deutschen Sprache danach zu untersuchen, ob sie nicht von irgendeinem politischen Verbrecher der letzten 5.000 Jahre herrühren oder abgeleitet werden können. Warscheinlich bleibt dann nur noch die Sprache Esperanto übrig, um nicht ins Fettnäpfchen zu treten. Ich entschuldige mich schon mal für das Wort „Fettnäpfchen“.

  191. Ich bin der Meinung, dass man über die benutzte Redewendung diskutieren kann. Viele Leute im Netzt sind der Meinung, dass es sich um eine gebräuchliche Redewendung handelt. Aber die entstandene Diskussion zeigt, dass es sich zumindest um eine problematische Redewendung handelt. Wer sie benutzt muss sich darüber bewusst sein, dass sprachliche Handlungen in der Regel mit gedanklichen Haltungen verknüpft sind. Ich gehe davon aus, dass Frau Müller-Hohenstein mit ihrer Äußerung nicht bezweckte, die schwere der Verbrechen im dritten Reich zu relativieren, sondern sich schlichtweg gedankenlos verplappert hat.
    Ich hoffe das ZDF wird ihr 5 Minuten Sendezeit zur Verfügung stellen, damit sie dies öffentlich klarstellen und sich entschuldigen kann. DANN kann man nicht von einem Skandal sprechen.

  192. Also was man hier feststellen kann: Der „innere Parteitag“ scheint nicht sehr verbreitet im reichsweiten deutschen Sprachgebrauch.

    Kann es sein, daß diese (bescheuerte) Redewendung mehr oder weniger nur in Berlin gebraucht wird?

  193. Ich teile voll die Ausführung und Bedeutung, die Herr Niggemeier gegeben hat! Der Rest an möglichen Deutungen ist meines Erachtens lächerlich – oder typisch deutsch! Darüber kann sich jetzt wieder der neugeborene Internet-Journalismus aufregen, jeder seinen Senf dazu geben!

  194. vielleicht sollten wir in D jetzt endlich einmal eine Kulturrevolutioin starten und unsere Sprache von allem säubern, was je an das Dritte Reich erinnern könnte. Mal seh’n, was dann noch übrig bleibt. gmpf!

  195. @ Christoph

    @Thomas/235: Ja, habe ich.
    Dass ich das selbst in meinem Kommentar schon angedeutet habe, hast Du jetzt aber schön unterschlagen

    Äh, das hab ich nicht unterschlagen, denn das stand ja schon da. Oder hab ich Deinen eigenen Eintrag gelöscht ;) Aber Du hast recht, vielleicht hätte ich nochmal darauf hinweisen sollen. Aber Du ziehst halt auch Broder als „besonders unverdächtig“ heran und schreibst dann, es sei „möglich“, dass er das bewusst verwendet hat, obwohl sich halt aus dem Kontext ergibt, dass er das ganz eindeutig bewusst verwendet hat.

    Und die beiden anderen Links: im ersten Beispiel wird es halt wieder nicht „unzweifelhaft“ ohne Nazi- und „Herrenmensch“-Bezug verwendet… Bleibt halt als letzter Nachweis (von ursprünglich deren vier) der Bericht auf „Vorarlberg Online“. Und da geb ich Dir recht: hier wird der Begriff völlig unreflektiert und halt vor allem inhaltlich falsch verwendet. Wie gestern im ZDF. Aber warum soll das ein Nachweis dafür sein soll, dass er in den „allermeisten Fällen“ ohne Bezug aufs 3. Reich verwendet wird und dass das „ignoriert“ werde, erschließt sich mir nicht. Wenn es selbst bei Deinen gewählten Beispielen nur auf 25 % zutrifft… Und ich denke, das darf man schon sagen ;)

    BTW ist das auch nicht der zentrale Punkt in der Diskussion. Such doch mal nach Beispielen, in denen das Wort „schwul“ nicht als bezeichnung für eine sexuelle Präferenz sondern als Synonym für „schwach“, „schlecht“, „langweilig“, u. ä. verwendet wird. Da wirst Du millionenfach fündig. Wäre es deshalb Ok, wenn es bei der nächsten WM-Reportage hieße, Spieler X spiele heute ja mal wieder „voll schwul“??

  196. @Arthur Bodemer(250)
    Nein, bevor viele Leute im Netz Schnappatmung bekommen, während sie die Tüte Empörung aufreißen, sollte sie vorher den Verstand (oder von mir aus auch Google) benutzen. Dann wäre dem pawlowschen Reflex ganz schnell die Erkenntnis gefolgt, dass man jeden Tag etwas Neues lernen kann.

  197. Ich fordere eine Reinigungsaktion der deutschen Sprache. Nur noch unbedenkliche deutsche Begriffe dürfen übrig bleiben.

    Wer sie weiterhin verwendet soll vor einen Sprachgerichtshof gebracht werden.

  198. @249: Nach den Kreuzzügen und Missbrauchsfällen bin ich dafür, auch sämtliche biblischen Redewendungen zu ächten. Insbesondere alttestamentarische, die auch von radikalen und aggresiven Juden und Moslems missbrauch wurden.
    Wäre die Welt nicht gleich viel friedlicher, wenn „Auge um Auge“ verboten wäre? ;-)

  199. Ich kenne die Redewendung, und ich habe sie auch oft gehört: zumeist von Sozis, Grünen, Ex-DKP-Mitgliedern. Ein Neo-Nazi, der diese Formulierung benutzt, wird das entweder in Unkenntnis tun, oder um die Vokabel nach seiner eigenen Diktion zu besetzen. Im Übrigen ist die Redewendung schon sehr viel älter als die NSDAP. Dies pawlowsche Geschnappe geht mir auf den Senkel, aber sowas von!

  200. Ich fand diesen Spruch von KMH allerdings auch sehr peinlich, ob das nun eine gängige Redeweise ist hin oder her. Im Fernsehen kann man eben nicht einfach so daherlabern wie im heimischen Wohnzimmer und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass KMH diesen Ausdruck mit einem Augenzwinkern verwendet hat. Aber er passt ja in eine Berichtserstattung, die sich vor deutschnationalen Erweckungsgefühlen kaum noch retten kann. Dass diverse Medien den Bogen jetzt ihrerseits wieder massiv überspannen, bedeutet ja nicht, dass der verbale Lapsus keiner war.

  201. „Innerer Reichsparteitag“ ist ein alltäglicher Ausdruck? Nur weil er bekannt ist? Für viele Schüler ist „Du Jude“ ein akzeptables Schimpfwort ist und viele Menschen sagen zu Schwarzen das N-Wort – sie „meinen es ja nicht so“. Ach, Herr Niggemeier: Was „alltäglich“ ist (übrigens eine anmaßende Verallgemeinerung), ist weder dadurch gut, wünschens- oder reprodzierenswert. Der Trick gerade bei veröffentlichter, journalistischer Meinung ist ja sogar, dass man diskriminierende, NS-Verherrlichende Ausdrücke bewusst weglassen kann, damit sie nicht mehr alltäglich sind, wenn sie es denn noch wären. So wie Sie hier argumentieren ist Journalismus mal wieder ein Teil des Problems statt ein Teil der Lösung.

  202. # 46 (exemplarisch)
    „Weil in der Halbzeitpause vom ersten deutschen Spiel der WM ein Haufen Leute zuschauen, deren Reflexionbefaehigung nicht allzu stark ausgepraegt ist und die dann denken (nein: meinen – zum denken langt’s bei den meisten nicht) ‘Ach, wenn die das sagt, darf ich ja auch Auslaender raus schreien’.“

    Derartige Einschätzungen sind für gewöhnlich nichts weiter als eine unverfängliche, akzeptierte Form, die eigenen zweifelhaften Gedanken und Empfindungen zu äußern, ohne für sie die Verantwortung zu übernehmen. Besser noch, darüber kann man sogar Handlungsforderungen stellen, ohne sich selbst in Bezug dazu zu setzen: „Auf mich haben solche Computerspiele keinen Einfluss, ich bin da ganz tolerant. Aber andere, die werden dadurch negativ geprägt, und zu deren Schutz finde ich, dass man sie verbieten sollte. Nicht wegen mir, ich hab mit den Spielen wie gesagt kein Problem. Nein, ich denke ganz selbstlos an diejenigen, die damit nicht umgehen können.“ Neu ist diese Denke nicht, Psychologen kennen sie seit dreißig Jahren unter der Bezeichnung „Third-Person-Effect“.

    Meine Meinung dazu: Wer schon den Drang empfindet, als Reaktion auf diese Redewendung „Ausländer raus!“ zu schreien, soll doch bitte dazu stehen und nicht irgendeine postulierte Unterschicht als Sprecher dafür vorschützen. Das würde die Parole zwar nicht intelligenter machen, aber wenigstens von einem Mindestmaß an Rückgrat zeugen.
    Und nebenbei bemerkt, auch Beleidigungen tatsächlicher ‚intellektuell prekärer‘ Bevölkerungsgruppen sind kein Beweis für geistige Distanz zu ihnen, im Gegenteil. Wer das ernsthaft glaubt, zählt schon zu ihnen.

  203. @Simone

    Ich bitte in Zukunft den Begriff „Herrenmensch“ nicht mehr zu verwenden, wenn Kritik geübt wird, denn das relativiert die Opfer der Nazi-Herrenmenschen.

    Insbesondere Linke sollten die Nutzung dieses Wortes unterlassen, da von ihnen bekannt ist, dass sie auch „inneren Reichsparteitag“oftmals verwenden.

  204. Danke an Stefan Niggemeier für dieses Statement.

    Als ich heute morgen im Büro von dem „Reichsparteitag“ berichtet habe und davon, welcher Hype via twitter und Facebook entstanden ist, habe ich nur in ungläubige, ahnungslose und unwissende Gesichter geschaut.

    Kann es nicht sein, dass wieder etwas „hochsterilisiert“ worden ist?

    Arme deutsche Medienwelt.

  205. @chinamann
    @bernd
    @kampfstrampler

    Vorweg: Die planmäßige Auslöschung von Millionen von Menschenleben im quasi industriellen Maßstab ist eine Zäsur in der menschlichen Kulturgeschichte. Wird man sich in 2000 Jahren eher noch an Troja erinnern oder an Auschwitz?

    Wir leben in einer Zeit, die praktisch einen geschichtlichen Augenblick nach dem Ende der Massaker liegt. Und natürlich MUSS es innerhalb unserer Kultur einen Verarbeitungsprozess bzgl. der Unmenschlichkeiten geben. Und diese Verarbeitungsprozesse greifen selbstverständlich auch in den Sprachgebrauch. Ist die Sprache doch ein überaus wichtiger Bestandteil der Kultur.

    Man muss schon ein ziemlicher Dummkopf sein, wenn man das nicht versteht und „das Problem“ evtl. einfach ignorieren will. Ich hoffe, dass die Deutschen die Last, die sie sich mit dem idiotischen Nationalsozialismus aufgebürdet haben auch tatsächlich intelligent bewältigen können. Ignoranten wie ihr seid dabei jedenfalls leider absolut keine Hilfe …

    BTW. Ich finde es keinesfalls negativ, wenn es „typisch deutsch“ sein sollte, dass man sich (besonders) mit der eigenen kulturellen Vergangenheit auseinandersetzt. (Was wiederum nicht bedeuten soll, dass „Die Welt“ und der restliche Springermüll daran irgendeinen Anteil hat…)

  206. Über die wirklich wichtigen Sachen, die einem stinken, dürfen die Journalisten nicht mehr berichten, sie werden von Ihren Chefs oder Verlegern zurückgepfiffen. Mal das Buch von Wisnewski lesen mit dem Titel : „Verheimlicht, vertuscht, vergessen! Was nicht in der Zeitung stand“. Deshalb bleiben ihnen jetzt nur noch solche Themen. Es wird interpretiert, dass sich die Balken biegen, jedes Wort auf die Waagschale gelegt, jede Geste, jedes Minenspiel wird gedeutet. Nach dem Rücktritt von Koch und Köhler werden nun bald auch Sportmoderatoren, Unterhaltungsmoderatoren usw. zurücktreten. Leute, lasst euch nicht von solchen Typen runterziehen. Habt einfach Spaß am Leben und ignoriert diese Idioten.

  207. […] wenn die Volksseele – allzeit bereit
    Richtung Siedepunkt wütet un schreit:
    „Heil – Halali“ un grenzenlos geil
    noh Vergeltung brüllt, zitternd vüür Neid.

  208. @Simone (266): Das Problem ist nur, dass es sich *nicht* um einen NS-verherrlichenden Ausdruck handelt.

  209. Die Engländer dürfen aber schon das Angriffsspiel der Deutschen als „Blitzkrieg“ bezeichnen.

    Warum?

  210. „Reichsparteitag“ ist nicht ausschließlich in Zusammenhang mit der NSDAP geläufig, dies ist mehrfach schon gesagt worden. Wozu also die Aufregung. Soll sich doch jeder seine eigene Vorstellung davon machen, was es damit auf sich hat.
    Wir brauchen keine falschen Vergleiche oder Menschen, die meinen, sie müssten als Sprachwächter auftreten und die Deutungshoheit dem Sprachgebrauch im 3. Reich überlassen.
    Wer entschuldigt sich eigentlich bei KMH für die Unterstellung?

  211. In diesem Fall mischt sich wieder der geschwätzige Teil des webs mit den bekannten journalistischen Flachschwimmern, diese Hysterie ist ja nichts Neues mehr. Man hat zwar sebst keine Ahnung, aber Hauptsache Empörung.

    Morgen ist die Sache eh schon wieder vergessen.

    Mich ärgert es aus zwei Gründen. Ich mag KMH, sie hat eine sehr angenehme Art. Und ich ärgere mich darüber, dass ausgerechnet ein eher nazi-kritischer Ausdruck von ahnungslosen Dumpfbacken ins Gegenteil verkehrt wird. Denn dadurch wird Empörung inflationär: wenn man sich über jeden Furz aufregt (wobei es in diesem Fall ja nicht mal einer war), nimmt man den wirklichen Gestank nicht mehr wahr.
    Ich fände es schöner, wenn sich die Leute, die in Sachen KMH so plötzlich ihr politisches Engagement entdecken, auch sonst zu Wort meldeten, wenn es tatsächlich um Neonazis geht.

    Danke an den Hausherrn für seinen Blogeintrag.

  212. @ Marco

    Darüber regt sich dann aber auch die gesamte deutsche Presselandschaft auf. Also bitte!

    @ Matthias

    Die angestrebte Assoziation ist vollkommen eindeutig. Als wenn jemand mit dem Begriff „Reichsparteitag“ auf irgendeinen Parteitag unter Kaiser Ottokar den Viertelvorzwölften anspielen wollte.

  213. Schade, dass man die Kommentare nicht auch via Flattr belohnen kann. Bei manchen wäre es mir ein innerer [mööööp].

  214. Also dieser Blogeintrag ist mir echt ein innerer Reichsparteitag.

    Ich musste schon Bekannte in meinem Umfeld bremsen. ;)

    Interessant ist jedenfalls, dass die, die sich darüber aufregen, dass aus jeder Mücke ein Elefant gemacht wird die Ersten sind, wenn es darum geht irgendwo einen Skandal zu sehen.

  215. 266, Simone Rafael:

    Von einer gestandenen Journalistin wie Ihnen darf ich aber schon erwarten, dass Sie wissen, von was Sie reden. Wollen Sie nicht lieber etwas recherchieren, wie es wirklich zu diesem Begriff gekommen ist?

    Herr, wirf Hirn vom Himmel.

  216. @Oliver
    Die angestrebte (!) Assoziation war Nazi-verherrlichend(!)? Ganz sicher?

    Danke dem Hausherrn und allen anderen, die offensichtlich ähnlich fassungslos sind wie ich.

  217. Leute, was geht denn hier ab? Der Autor des Kommentars 150 hat es doch klar und deutlich erläutert, woher und in welchem Zusammenhang diese Redewendung stammt. Sie ist in der heutigen Zeit freilich nicht mehr so gebräuchlich und wurde offensichtlich von vielen völlig fehlinterpretiert. Einen „inneren Reichsparteitag“ abzuhalten, ist noch eine vergleichsweise harmlose Formulierung. Ich könnte auch sagen: „Na ihr Kritiker und Zweifler, jetzt habe ich Euchs gezeigt.“ (und Stinkefinger zeige).

    Offensichtlich war Frau Müller-Hohenstein nicht auf die Bildungsdefizite in Deutschland gefaßt, was die allgemeine Empörung eindrucksvoll bestätigt. Wenn dem so ist, sollte man auch mit Begriffen wie Bombenwetter, Bombenstimmung oder Blitzangriff vorsichtig sein. Es handelt sich um Metaphern ohne Bezug auf irgendwelche Bezüge zu anderen Ereignissen.

    Es werden, wenn es gerade passend ist, die absurdesten Zusammenhänge in völlig harmlose Zusammenhänge oder Feststellungen hineininterpretiert.

    Wir befinden uns in Afghanistan ja auch nicht im Krieg, sondern in einem „kriegsähnlichen“ Zustand ….., bloß nicht die Wahrheit sagen, denn man könnte dann mißverstanden werden.

  218. @ FG

    Ich unterstelle KMH nicht, dass sie die Nazis verherrlichen wollte und habe das auch nirgendwo geschrieben. Ich glaube aber nicht, dass diese Redewendung auf die Allegemeinheit aller jemals auf deutschem Boden stattgefundenen Reichsparteitage abzielt, sondern eben auf jene ganz bestimmten.

    Wie gesagt: Man kann es mit der Empörung sicherlich übertreiben, das sehe ich durchaus genauso. Aber deshalb im Umkehrschluss so zu tun, als sei das kein verbaler Fehlgriff oder zumindest eine höchst unglückliche Formulierung, halte ich auch für falsch.

  219. Es ist an dieser Stelle völlig unerheblich, ob die gemachte Aussage für Herrn Niggemeier „eine alltägliche Redewendung, um einen besonderen Triumph zu beschreiben“ ist, wenn man gesehen hat, wie der betrunkene Pöbel auf der Straße auf diese Aussage reagiert hat. Das Skandieren solcher Propanganda muss eben anders bewertet werden, wenn es unter Freunden, mal eben nebenbei, fällt, oder im Zusammenhang mit Fußball geschieht. Wer nicht weiß wovon ich rede, dem empfehle ich hier mal ein Spiel von Hansa Rostock oder Energie Cottbus im Block der jeweiligen Heimmannschaft zu verfolgen.

    Insofern ist es vollkommen richtig, wenn die Verantwortlichen darüber nachdenken, in Zukunft nur noch Menschen vor die Kamera zu stellen, die einen solchen Unsinn nicht mehr von sich geben.

    Außerdem möchte ich anmerken, dass „Scheiße, Ficken und Kacke“ inzwischen auch alltägliche Begriffe sind, die wir sicher auch alle nicht aus den Mündern ausgebildeter Journalisten vor laufender Kamera hören möchten, oder?

  220. Zu sehen wie die ganzen Politisch Überkorrekten vor Empörung fast platzen, ist mir ein innerer Reichsparteitag.

  221. […] PDRTJS_settings_1793051_post_1989 = { "id" : "1793051", "unique_id" : "wp-post-1989", "title" : "Das+Nazometer+schl%C3%A4gt+bei+der+WM+an+-+Reichsparteitag+in+S%C3%BCdafrika", "item_id" : "_post_1989", "permalink" : "http%3A%2F%2Fwww.drossmann.de%2Fwordpress%2F2010%2F06%2F14%2Fdas-nazometer-schlaegt-bei-der-wm-an-reichsparteitag-in-suedafrika%2F" } Und wieder ein medial geschustertes Fettnäpfchen. Eine Moderatorin hat das Tor von Miroslav Klose als “inneren Reichsparteitag” für ihn bezeichnet…und schon schrillen die Alarmglocken des Nazometers und die Eva-Herman-Vergleiche werden ausgepackt. Politplatschquatsch hat es schon entsprechend kommentiert, genauso wie Stefan Niggemeier. […]

  222. Es ist unglaublich mit welcher Chuzpe viele Kommentatoren hier ihre eigene Unwissenheit, Unbildung und Blödheit zum Goldstandard erheben. Aber leider auch der Normalfall hierzulande. Zum Kotzen.

  223. Es sollte schon einen qualitativen Unterschied in den Texten zwischen einer gut bezahlten professionellen Journalistin und Karl-Heinz aus dem „Sportlereck“ geben. Ich möchte das nicht hören müssen. Andere vulgäre Formulierungen benutzen Reporter ja auch nicht.

  224. @276 chinamann: Stichpunkte „geläufig“ und „selbst eine Vorstellung davon machen“:

    Wenn du das nächste mal am Holzkohlegrill stehst um dir leckeres Fleisch zu braten, und Fett tropft in die glühende Kohle und du musst die entstehenden Flammen löschen, dann denke daran, dass dieser scheinbar lästige Effekt im Reichspatentantrag T 58240 Kl. 24 sehr geschickt genutzt wird.
    http://de.wikipedia.org/wiki/J._A._Topf_und_S%C3%B6hne#Patentantrag:_Kontinuierlich_arbeitender_Leichenverbrennungsofen_f.C3.BCr_Massenbetrieb
    „Es sollte ein zusätzlicher Brennstoffverbrauch entfallen, da die Leichen füreinander als Brennstoff dienten.“

    Das nur als Beispiel: Manche Dinge muss man nur kennen und schon werden sie einem bei (un)passender Gelegenheit automatisch wieder bewusst.

  225. @Simone Rafael, 266:

    „innerer Reichsparteitag“ ist keine Nazi-Verherrlichung, ebensowenig wie „Hitler hatte nur ein Ei“. Zeigen sie mir mal einen Neonazi der den Ausdruck „innerer Reichsparteitag“ benutzt (dazu sind die nämlich alle zu doof). Aber „innerer Reichsparteitag“ mit „Du Jude“ zu vergleichen ist auch schon ziemlich..äh…doof.

    Mich ärgern Leute, die sich an solchen Political-Correctness-Mimosenhaftigkeiten hochziehen. Um zu verhindern daß dieser Nazidreck in D oder anderswo nochmal passiert gibt es Wichtigeres zu tun als aus mangelnder Allgemeinbildung gegen Nazis gerichtete Satire mißzuverstehen und hier und anderswo rumzukrakeelen.

    Über die Diskussion hier würden sich Neonazis, wenn sie ihr intellektuell folgen könnten, doch kaputtlachen: ein gegen Nazitum gerichtetes geflügeltes Wort, das jetzt im PC-Sumpf erstickt. Super.

    Aber es war ja auch klar: die meisten die sich hier aufregen kannten den Begriff vorher nicht. Warum überrascht mich das jetzt nicht?

  226. @294:
    Warum fallen mir bei „Holocaust“ und „Tiere“ immer zwangsläufig die Aktivisten von PETA ein?

  227. @266/Simone Rafael
    Ihr Eiferertum macht mich gruseln. Wer hat Sie dazu autorisiert?

    Und ist Ihnen bei dem Gedanken, Regionen „nazifrei“ zu postulieren noch nie die Idee zur Parallelität des NS-Wortes „judenfrei“ gekommen? Wie war das noch mit dem Glashaus?

  228. Gute Alternative für die Damen und Herren Moderatoren: „…es war mir ein inneres Blumenpflücken.“

  229. ich brauche ’ne Flattr Einladung – nur um Dir Geld für diesen Artikel zu geben!
    Ich fürchte, wenn wir ständig „Nazi, Nazi“ schreien, werden wir irgendwann nicht hinhören, wenn es dringend wäre.

  230. Herrjeminee, das gibt es doch nun wirklich nur wieder im Land der Berufsbetroffenen. Die deutsche Sprache wurde nach 1945 nun mal nicht komplett neu aufgesetzt ;). Es ist doch schön, wenn Menschen in diesem Land offensichtlich so wenig andere Probleme haben, als sich darüber bis zu einem 200er Puls zu ereifern. Unsere Gesellschaft ist so verklemmt und dermaßen zur ewigen Schuld verdammt, das jede Lockerheit und die Kunst der Ironieerkennung abgeht. Wenn das der Führer wüsste………..ACHTUNG! IRONIE!

  231. Nein es ist keine Frage, es war eine sprachliche Entgleisung.
    Egal ob es allgemeiner Sprachgebrauch ist oder nicht. Der Ausdruck assoziiert zu einem Wertesystem, das kein Platz ist. Weder im ZDF, noch an Stammtischen.

    Aber es sagt nichts über das Wertesystem der Moderatorin aus, sie hat den Ausdruck sicher „unbefangen“ als allgemein gebräuchlichen Ausdruck verwendet. Das durfte sie nicht, sie hätte wissen müssen, dass dieser Ausdruck belastet ist. Aber sie hat ihre Lektion sicher schon aufgrund der Debatte gelernt, sie gehört im ZDF getadelt und gut ist.

    Die scheinheilige Empörung darüber ist aber in meinen Augen noch schlimmer, denn sie entspringt nicht ehrlicher Verletztheit, sondern dem Skandalvoyeurismus einiger Wortpaparazzi. Die nutzen das Wort zum Sklandal, wissend dass sie es missbrauchen. Sie sind dann schlimmer als die Moderatorin.

  232. Eigentlich sollte es als Unterstreichung Ihres Kommentars dienen. „National befreite Zonen“ ist ein von Neonazis erfundener und verwendeter Begriff, um „ausländerfreie“ Regionen zu beschreiben. Parallelität ausländerfrei nazifreie judenfrei usw.

  233. Und der (durchaus gruselige) Nebeneffekt des Ganzen ist nun, dass man beinahe genötigt ist, den Netzers, Dellings und Co. in den Halbzeiten auch noch zuzuhören… schließlich könnte der Untergang des Abendlandes verpasst werden… crazy world…

  234. Ach, liebe Leute, zuviel Schaum vor dem Mund führt zum blubbernden Rückstau im Hirn und verklebt die dortigen Windungen (sofern vorhanden). Auf die Gefahr hin, in völlig falsche Ecken gestellt zu werden (bin aber 65, Alt-68er, linksliberal, habe beruflich mit Geschichte seit über 40 Jahren zu tun): Allein die Kombination „innerer“ und „Reichsparteitag“ zeigt doch schon, daß es sich um ein ironisches Wort aus dem geistigen Widerstand gegen die Nazis handelt. „Reichsparteitag“ war die totale Öffentlichkeit der NSDAP, an der jeder „Volksgenosse“ zustimmend teilzunehmen hatte; wer in seinem Innern(!) den RP beging, war eben genau dagegen, hat es aber aus bekannten Gründen 33-45 nicht kundgetan (das konnte die Rübe kosten!). KMH stammt aus Erlangen und hat in Nürnberg gearbeitet – wie die allermeisten heutigen Nürnberger voller Ingrimm auf das historische Nazi-Spektakel (Ruinen des Parteitagsgeländes sind noch vorhanden). Wegen etwaiger Mißverständlichkeit (Geschichte ist immer mehrdeutig) wäre der spontane Vergleich „i.RPT“ im Halbzeit-Kommentar besser nicht gefallen, jedenfalls nicht im Kontext mit Fußball, der bekanntlich manche dumpfen Gemüter in nationalistische Wallungen versetzt. Andererseits – bloß weil Ignoranten oder ideologische Blockwarte sich provoziert fühlen könnten, keine klare Meinungsäußerung?!

  235. @308 chinamann:
    Tut mir wirklich ein bisschen leid. Aber die Assoziation Grill-Massenkrematorium ist auch nicht unangemessener als Torschussfreude-Reichsparteitag …

  236. @249, bernd:
    Ich kann hier beruhigen, die Redewendung „ins Fettnäpfchen treten“ ist politisch völlig unbedenklich, hier geht es darum, dass das auslaufende Fett von Räucherfleisch in Näpfen aufgefangen wurde, damit die fleißige deutsche Hausfrau… ach verdammt! Diese politische Korrektheit ist aber auch zu schwer!
    Sieht wohl doch so aus, als müssten wir sämtliche Redensarten modernisieren. Aus „ins Fettnäpfchen treten“ würde dann… „in den politisch korrekten Wischeimer der Hausfrau oder des Hausmanns treten, die/der gerade dabei war, den/die Fußboden/bödin mit biologisch abbaubarer Lauge/Lauger zu wischen“. Und ein paar schöne Ersatzphrasen für den „inneren Reichsparteitag“ haben andere ja schon genannt.

  237. Tja,
    irgendwie hat es die TAZ doch genau getroffen:
    ZDF = Opa-Sender

    Und genau die Omas und Opas sind die, die die Redewendung
    an sich noch verstanden hätten.
    Alle anderen holen da gleich den/die Nazi heraus.

    Mir hatte mein Opa dazu schon mal vor 20 Jahren gesagt:
    Bei’m Adolf hätten sie mich dafür eingesperrt.

    Ob dem da dann wirklich in letzter Konsequenz so war, keine Ahnung, jedoch ist der Spruch einfach viel mehr kontra Nazi als pro Nazi.
    Ev. sollten die angeblich so politsch Überkorrekten einfach mal etwas nachdenken und eben ihren Opa fragen?!

    Auch sonst kann ich ich nur sagen:
    „Von mir aus können…“ s.o. beim Artikel!

    Und wenn sich wirklich mal jemand über die LTI in der heutigen
    Republik aufregen möchte, wie wäre es über:
    – brutalst mögliche …
    – Prekariat
    – Karlsruhe-Touristen
    usw. usw.

  238. Leni Riefenstahl hab` ich zuerst gesagt. Ich wars! Da werden die Anwälte der Welt aber von meinen Anwälten…

    Aber gut das sich das Nazi-Wort im ZDF nur verirrt hat. m(

    Medien. Pa!

  239. Unglaublich wie man sich über so eine Belanglosigkeit aufregen kann.
    Leute die hier mit Schaum vor den Mund ihren geistigen Unrat ablassen dürfen dann aber auch nicht 08/15 oder Autobahn benutzen (Autobahn geht gar nicht!), einfach lächerlich.

  240. danke an Kommentar 150. Ich bin 36, wohne in bayern, habe trotzdem jedes mal rot gewählt und kenne dieses sprichwort ebenfalls und habe es auch selber schon benutzt. Wenn selbst hier die nazikeule raus geholt wird, macht mich das sehr, sehr nachdenklich…

  241. @312 kampfstrampler: Wenn sich das mit dem Begriff SO verhält, dann ist ja alles gut. KMH also eine heimliche Antifaschistin! :P

    Der Witz ist nun aber, dass 99.+% der Fernsehzuschauer diesen Begriff so nicht einordnen würden. Insofern ist es doch aber ganz nett, dass das noch geklärt wurde, oder?

  242. Stimme chinamann(255) vollkommen zu: wir brauchen dringend ein Gesetzt zum Schutze der deutschen Sprache und der politischen Korrektheit…

    und die Ramones dürfen auch nicht mehr ihren Hochspannungsentladungskonflikt-Bop singen… http://www.youtube.com/watch?v=WMGgYRGd1-E

    wieso denkt denn blos keiner an die Kinder….

  243. Da hat doch vor wenigen Tagen ein SPD-Mitglied behauptet, dass Deutschland verdummen würde, weil wir eine hohe Zuwanderungsquote aus arbaischen Ländern haben. Ich bin davon überzeugt, wenn er diese „geistigen Ergüsse“ zum Thema hier lesen würde, dann würde er sofort das Gegenteil behaupten.

    Soviel von mir zum Themenkreis „Wie erschaffe ich mir einen Nazi und beginne mit dem Kampf gegen Rechts.“!

  244. Das einzige Problem von Katrin Müller-Hohenstein ist, dass es ihr an Sprachgefühl mangelt – so wie Millionen erregten Mitbürgern offensichtlich auch.
    Denn der „innere“ Reichsparteitag, den die Nazis selbstverständlich nie durchgeführt haben (die hatten nur einen Reichsparteitag – ohne Adjektiv davor) disqualifiziert normalerweise denjenigen, der ihn feiert. Man schleudert ihn z.B. notorischen Rechthabern entgegen: Na, da haste inneren Reichsparteitag gefeiert, was? Derjenige, über den man dieses sagt, wird damit mit den (bösen) Nazis gleichgesetzt.

    Ebenso wie jemand, der zu beispielsweise zu seinem Vorgesetzten sagt: „Das ist eine Harakiri-Aktion“ natürlich nicht gutheißt, wenn junge Soldaten in Selbstmordkommandos geschickt werden, sondern aufzeigt: das, was Du da planst, ist der totale Wahnsinn!

    Das Katrin Müller-Hohenstein Klose nicht disqualifzieren wollte, hätte sie ein Wort wie „Genugtuung“ wählen sollen. Das und nichts anderes, ist, worum es hier geht.

    LEUTE, BITTE DENKT, BEVOR IHR ANFANGT ZU SCHREIEN1

  245. Wuhaha, ich habe jetzt nicht alle Kommentare gelesen – aber ich lag schon nach der Hälfte lachend auf dem Boden.
    Ja, ich kenne den „Inneren Reichsparteitag“ gut – und wo habe ich ihn zuerst gehört.
    In meiner damaligen „Friedenskampf“gruppe der DFG/VK, die nun jeder Nazipropaganda völlig unverdächtig und gleichzeitig absolut humorbefreit waren.
    Nun hab ich den Salat. Da habe ich doch jahrelang völlig unbewußt einen Begriff benutzt (übrigens ist er bei uns schon lange Zeit wieder aus der Mode), ohne mich jemals in einem etymologischen Redewendebuch zu informieren. Und nun kommt „Die Welt“ und will mir erklären wo rechts und links ist.
    Ich würde sagen – halten wir einfach Ball flach und hoffen das die deutsche Nationalelf nochmal so geilen (ups) Fussball spielt wie gestern.
    Denn das war das wirklich Wichtige: ICh habe lang kein Spiel einer deutschen Mannschaft gesehen, dass so gut war! Und ich dachte darum geht’s bei einer Fussball WM.

  246. Es war sicherlich unüberlegt diese Redewendung zu benutzen. Aber solch eine Reaktion…naja. Da wirbt eine Firma die Zahnbürsten herstellt offiziell im TV mit der `Volkszahnbürste`, ehrlich gesagt kam bei mir bei diesem Begriff eher Unwohlsein auf. Und wieso? ..weil vielen Begriffen usnsere `Vergangenheit`anhaftet.

  247. Kann es kaum glauben, dass hier nicht ein Kommentar zu sein scheint (sufu benutzt), der die schon längst existierende, bewusste Formulierung „ein inneres Laubhüttenfest“ als Alternative ins Spiel bringt – seit ich den „inneren Reichsparteitag“ erstmals hörte, mishagte mir, sowas in mir spüren zu sollen – seit ich das „innere Laubhüttenfest“ adoptiert hab und anführe, ernte ich vielfach kurzes Aufmerken und dann langsam bewusst werdendes Grienen – ohne Diskussion & Betroffenheitswahn. Aber auch ohne „Hinnahme“ von imho keineswegs harmlosen, tradierten Sprachformen, denen ein Hoheitsdenken (mindestens) anhaftet, das unreflektiert weiter verbreitet wird. Ansonsten find ich den 329. Kommentar von Claus ganz hilfreich… für alle…

    Sprache ist ein Werkzeug, sie kann Instrument und Waffe werden.
    Die Entscheidung ist keineswegs trivial.

  248. „Für mich ist das eine alltägliche Redewendung, um einen besonderen Triumph zu beschreiben“

    Wirklich? Ich kenn niemanden, der dieses Wort alltaeglich gebraucht, schon gar nicht aus der Generation der Moderatorin.

    Mal ganz ehrlich und Hand aufs Herz: wie oft in Deinem Leben hast Du das Wort schon gebraucht, Stefan N.?

  249. Kann es kaum glauben, dass hier nicht ein Kommentar zu sein scheint (sufu benutzt), der die schon längst existierende, bewusste Formulierung „ein inneres Laubhüttenfest“ als Alternative ins Spiel bringt?! – Seit ich vom „inneren Reichsparteitag“ erstmals hörte, mishagte mir, sowas in mir spüren zu sollen – seit ich das „innere Laubhüttenfest“ adoptiert hab und anführe, ernte ich vielfach kurzes Aufmerken und dann langsam bewusst werdendes Grienen – ohne Diskussion oder Betroffenheitswahn. Aber auch ohne „Hinnahme“ von imho keineswegs harmlosen, tradierten Sprachformen, denen ein Hoheitsdenken (mindestens) anhaftet, das unreflektiert weiter verbreitet wird. Ansonsten find ich den 329. Kommentar von Claus ganz hilfreich… für alle…

    Sprache ist ein Werkzeug, sie kann Instrument und Waffe werden.
    Die Entscheidung ist keineswegs trivial.

  250. Der Begriff an sich ist harmlos – dennoch hat ihn K. M.-H. in falschem Kontext verwendet.

    Und sie ist als Fußball-Moderatorin eine Katastrophe – und das hat nichts mit ihren primären Geschlechtsteilen zu tun.
    Der Vorwurf von Niggemeier, die Angriffe kämen nur, weil sie eine ‚Frau‘ sei, sind ähnlich dämlich wie die Vorwürfe an Israelkritiker, sie seien alle Antisemiten.

  251. Hups, mit dem 336. Kommentar eben (natürlich aus Technikgründen) den 333. Kommentar wiederholt – aber

    DOPPELT HÄLT JA BEKANNTLICH BESSER!

    (… soviel zu festen Floskeln im Sprachgebrauch #meta)

  252. Die deutsche Journaille ist eine traurige Lachnummer. Im Bundestag dürfen sich die Abgeordneten mehr oder weniger straflos beleidigen, aber nichtmal das tat Frau Müller-Hohenstein. Man müßte das Wort „Reich“ wohl verbieten. Hätte sie doch besser „Bundesparteitag“ gesagt? Aber das hätte erst recht keiner einordnen können. Die besser Gebildeten unter uns hätten auch diese „Umschreibung“ verstanden und darüber geschmunzelt. Was würde mir auf dem Standesamt heute wohl blühen, wenn ich für mein Kind den Vornamen Adolf eintragen lassen würde? Als ich im Zusammenhang mit einer Hausaufgabe im Deutschunterricht in der 6. Klasse Gymnasium (für die Gebildeten: Quinta) als Pseudonym den Namen „Adolf Hittler“ (nicht Hitler) wählte, hat sich kein Mensch darüber aufgeregt (70er-Jahre).

    Die deutschen politisch korrekten Meinungsmacher sind schon sowas von verklemmt, aber dieses „Volk“ toppt das Ganze inzwischen.

  253. @329 Claus: So wie ich den Begriff kenne, bedeutet er keine Herabwürdigung dessen, der den inneren Reichsparteitag feiert. Er wird völlig wertneutral benutzt. Woher nehmen Sie die Behauptung, dass der Begriff „normalerweise denjenigen [disqualifiziert], der ihn feiert“?

  254. Ein Print-Journalist würde den „inneren Reichsparteitag“ wohl in An- und Abführung setzen (müssen). Diese An- und Abführung habe ich bei der Journalistin KMH jedenfalls nicht hören können. Und schuld daran waren nicht die Vuvuzelas.

  255. @ Klammerbeutel

    das soll jetzt wirklich nicht provokant gemeint sein, aber die Antwort darauf, woher ich weiß, dass dieser Begriff so verwendet wird: Es ist einfach so.
    Wissenschaftliche Schützenhilfe (Sicherheitshalber: Nein, ich erschieße keine Menschen und finde das auch nicht gut) scheint mir aber Kommentar 26 mit Verweis auf ein Redensarten-Lexikon zu geben.

  256. Möchte jemand erklären, warum die Benutzung des Wortes Reichsparteitag, Propaganda ist? Und was das mit eventuellen neonazistischen Problemen bei einem Drittligisten zutun hat? Ich hab das nicht verstanden. (Bitte sehen Sie von Beleidigungen ab.)

    Ich hätte mir gewünscht, das ZDF würde seine Moderatoren mehr in Schutz nehmen und offensiver mit dem Sprachdefizit seiner ängstlichen Zuschauerschaft umgehen. Die Frau hätte sich nicht entschuldigen dürfen, und ihre Kollegen sollten nun bei jeder passenden Gelegenheit das „innere Blumenpflücken“ zitieren.

  257. @341 Claus: Dumm nur, dass weder in #26 noch in der zitierten Online-Quelle von Diskreditierung die Rede ist. Oder liegt ihnen das Lexikon vor und Sie wissen mehr als Sie hier schreiben?

  258. Ob die Formulierung, passend, gut oder angemessen ist, darüber lässt sich, wie man hier sieht, vortrefflich streiten. Sie hätte ahnen können, dass es sich um eine heikle Formulierung handelt und sie weglassen können oder sollen.

    Entscheidender finde ich da die Frage, ob KMH einen Nazi_vergleich_ gemacht hat. Hat sie meiner Meinung nach nicht: Sie hat eine unglückliche Formulierung für „da muss er sich diebisch gefreut haben“ verwendet, sie hat aber weder Klose noch sonst wen mit Nazis verglichen oder irgendetwas aus der Zeit verharmlost.
    Also bitte tief durchatmen.

  259. @klammerbeutel 344
    und H.M.Voynich, 348
    Doch, in der Quelle in Kommentar 26 steht alles drin. Das Wort, auf das es ankommt, ist nicht das „mir“, sondern das „ironisch“!!!!

    Natürlich ist auch Selbstironie möglich.. Der sinn von „Es war mir ein innerer Reichsparteitag“ heißt dann etwa soviel wie: „Ich habe mich diebisch gefreut“ (sagen auch Leute, die eigentlich nichts stehlen).

  260. @TimeTraveller
    Der Wikipedia-Unsinn entstand erst nachdem diese Debatte über Frau Sportreporter begann. Er wurde bewusst täuschend eingestellt, um eine „Quelle“ zu haben.

  261. Weil mich diese ganze Betroffenheit ja doch auch weiterhin ärgert, wage ich mal einen Blick in die Zukunft:

    Wenn ich das nächste Mal in der U-Bahn einen martialisch aussehenden Glatzkopf anspreche, der einen Mitfahrer bedrängt, der ihm nicht arisch genug ist und daraufhin selbst Ziel seines Hasses werde, wenn ich das nächste Mal andere in der U-Bahn bitte, mich gegen diesen augenscheinlichen Nazi zu unterstützen und maximal mitleidige Blicke oder eifriges Wegsehen als Antwort bekomme, wenn ich das nächste Mal vergeblich Zivilcourage von meinen Mitbürgern erwarte – dann werde ich mit Ehrfurcht an all die denken, die hier im Internet tapfer mit ihrem virtuellen Finger auf den „inneren Reichsparteitag“ gezeigt haben.

    Wahrscheinlich sitzen dann auch ein paar davon in der U-Bahn und denken sich: „Also ich hab doch damals schon gegen die Frau Müller-Hohenstein geschimpft, da kann ich jetzt hier nicht auch noch helfen“. Und ich werde mir denken: „Was seid ihr doch für ein scheinheiliges Volk. Im geheimen wird gemeckert, aber wenn es zählt, zieht ihr den Schwanz ein. Euer Verhalten ist ein innerer Reichsparteitag für jeden Nazi!“.

    Und die paar, die nicht nur im Internet gefahrlos meckern, sondern auch im realen Leben Position beziehen – hoffentlich sitzt ihr mit in der U-Bahn und seid dann bereit, auch an der richtigen Stelle euren Unmut zu äußern.

  262. @klammerbeutel 344
    und H.M.Voynich, 348
    übrigens sehe ich gerade, dass der Kommentar 312 in der gleichen Richtung argumentiert, nämlich: der „innere Reichsparteitag“ ist eben genau die Abgrenzung vom wirklich stattfindenden Reichsparteitag!
    Manchmal kann ein kleines Wort einen Riesenunterschied machen…

  263. @350 klammerbeutel: Irgendwie ist das schon witzig, wie du immer postulierst, dass (alle) die die hier schreiben im „wahren Leben“ ganz passiv sind. Wie kommst du nur darauf? Kannst du das irgendwie begründen?

  264. @352 Dexter: Ich habe nie davon geschrieben, dass es alle sind. Sie sollten genauer lesen. Und die Passivität im realen Leben habe ich oft genug miterlebt. Das ist mir Grund genug für meine Äußerung – Ihnen nicht?

  265. @351 Claus: Wo bleibt die Begründung für Ihre Behauptung, die Äußerung „disqualifiziert normalerweise denjenigen, der ihn feiert“?

  266. @353 Klammerbeutel: Nun, ihr 3. Absatz lässt den Schluss zu, dass so ziemlich alle gemeint sind. Auch in einem etwas älterem Kommentar schien mir das so rüberzukommen.
    Aber natürlich verstehe ich was sie meinen …

  267. Also, ich kann jetzt leider nicht auf einen Schlag 350 Kommentare durchlesen. Zu dem benutzten Begriff habe ich jetzt keine besondere Meinung; zu meinem aktiven Wortschatz hat er noch nie gehört, fand ich immer irgendwie ein bißchen unästhetisch.

    Aber was ich wirklich toll fand an diesem Eintrag, ist das bekundete Desinteresse an Fußball. Mir kommt es so vor, als ob die Medien mit jedem Mal mehr Gehirnwäsche betreiben wollen, mit dem Ziel, zu suggerieren, alle interessierten sich dafür. Dabei glaube ich, daß es auch in D Millionen Leute gibt, die das nicht tun.

    Ich jedenfalls melde meinen Anspruch an, nahezu jeden an Desinteresse an Fußball zu übertreffen. Ich kenne nichts Öderes, Uninspirierenderes, Langweiligeres als Fußball. Und ich bin naturgemäß von dieser inadäquaten „Berichterstattung“ (z. B. in meiner Tageszeitung) angeekelt, von den dämlichen Deutschlandfahnenschwenkern ebenso. Versuche, alles zu ignorieren.

  268. @355 Klammerbeutel,

    „Wo bleibt die Begründung?“ Habe ich geschrieben, dass ich hier noch irgendetwas nachliefere?
    Ich habe ein Beispiel dafür gegeben, wie der Begriff richtig eingesetzt wird. Aus eigenem Sprachgefühl.
    Es kommt vor, dass man Dinge weiß, ohne gleich eine Doktorarbeit zur Hand zu haben, die das bestätigt.
    Darüber hinaus habe ich gesagt, dass es dafür laut Kommentar 26 wissenschaftliche Belege zu geben SCHEINT.
    Was fehlt jetzt noch?

  269. Ich mag eigentlich das Team Müller-Hohenstein/Kahn – Netzer und sein ARD-Gegenpart gehen mir mehr auf den Senkel (schlicht von Ihrer Art her) … die Redewendung ‚innerer Reichsparteitag‘ ist nach meinem Empfinden trotzdem daneben und jede(r) mit Sprachgespür weiß wo das herkommt (ich kenne die Redewendung zwar, würde aber wirklich niemals -ausser vielleicht betrunken beim Witzereissen- auf die Idee kommen das zu benutzen.
    Da ändert es nichts daran wenn die 2te (sozialistisch gefärbte) Diktatur auf deutschen Boden ebenfalls gerne mit ‚Reichs‘-Begriffen umgegangen ist.

    In Foren wird sowieso um alles herum diskutiert, warum nicht über Bewusstlosigkeiten (in) der deutschen Sprache…?
    Wenn aber SportreporterInnen wegen Versprechern wie ‚Schalke 05‘ gekickt werden DANN weiß man daß die Herrschaften das damals bereits schon auf dem Tapet hatten und nur noch den Vorwand brauchten um der Frau Inkompetenz vorzuwerfen und sie zu feuern.

  270. @anonym

    Endlich mal ein qualifizierter Beitrag. Wenn Sie Fußball nicht interessiert, bitte. Warum Sie dann meinen, dass auch noch begründen zu müssen und mal so nebenbei alle Fussballgucker zu Deppen und Fahnenschwenkern zu deklarieren, bleibt allerdings Ihr Geheimnis.

  271. @355 Dexter: Sie meinen #208 – auch dort ließ ich Raum dafür, dass nicht alle so sind. Aber tatsächlich gehe ich davon aus, dass die Mehrheit so ist.

    Sie können das selbst überprüfen: Bitten Sie in einer Situation ähnlich der von mir oben geschilderten Mitbürger um Hilfe (oder prüfen Sie gar, sofern dem Opfer dadurch kein Schaden entsteht, ob Ihre Mitbürger selbst tätig werden).

    Vergleichen Sie die Anzahl der Personen, die Ihnen helfen oder tätig werden mit der Anzahl der Personen, die z. B. jetzt hier und sonstwo im Netz das Ende des antifaschistischen Abendlandes beklagen. Selbst wenn Sie das dann noch mit der Anzahl der potenziell Beteiligten relativieren, werden Sie in der Realität eine deutlich schlechtere Quote erhalten.

    Falls nicht, lassen Sie mich bitte wissen, wo Sie wohnen, eventuell ziehe ich dann einen Umzug in Betracht.

  272. Lieber Stefan,
    Danke für Deinen ausgewogen Beitrag und mein Mitleid, dass Du auch noch verpflichtet bist alle Kommentare zu lesen. So schlimm wie es hier auch teilweise zugeht, im Link aus Kommentar 144 geht es dagegen wirklich entsetzlich zu. Ich denke, daß dieser Link lieber entfernt werden sollte, damit er Dir nicht noch zur Last gelegt wird.
    zaeppelin

  273. @358 Claus: Es fehlt: Eine Begründung für Ihre bis dato unbegründete Behauptung. Aber belassen Sie es dabei – ich fürchte, Sie werden auf die Schnelle keine liefern können. Auch scheint sich, wenn ich Ihre Argumentation verfolge, Ihr Begriff von Logik deutlich von dem meinen zu unterscheiden.

    Macht nichts – Sie haben sicher recht, der Begriff diskreditiert den Betroffenen. Wenn Sie das sagen, wird das schon stimmen. Ihr Argument „Es ist einfach so.“ ist unschlagbar. Und was verstehe ich schon von Ihrem Planeten.

  274. Ich wundere mich etwas über diejenigen, die hier mit jedem Posting die Invasion der politisch Korrekten beklagen. Wo soll die denn bitte stattfinden/stattgefunden haben? Hier in der Kommentarspalte sind die Meinungen jedenfalls ziemlich eindeutig verteilt und auf den Straßen tobt die schwarzrotgold eingekleidete Fanschar. Mir scheint es doch eher so, dass diejenigen, die immer ganz genau wissen, dass jemand sich NICHT unglücklich ausgedrückt hat bzw. dass jemand etwas NICHT in ebenjenem Kontext verwendet hat, die sich beklagen, dass ihnen immer wieder jemand den Spaß verdirbt, in der eindeutigen Mehrheit sind. Und wer Zweifel anmeldet ist ein Idiot, kennt sich mit der Geschichte nicht aus oder gibt sich mit Problemen ab, die keine sind.

    Dass es den Zeitungen, die wieder mal unglaublich und unnötig reißerisch getitelt, berichtet und kommentiert haben, in erster Linie darum geht, ihr Käseblatt unter die Leute zu bringen, sollte doch wohl gerade Lesern dieses Blogs klar sein.

  275. @ Linus
    Habe nirgends etwas über Fußballfans als Deppen geschrieben, sondern nur meinen Unmut geäußert über die Medien-Darstellung. Wenn Sie Leute, die laut grölend und/oder betrunken Deutschlandfahnen schwenken, gut tolerieren können, dann beglückwünsche ich Sie dazu. Ob das nun ein Zeichen besonders guten Geschmacks ist, können Sie gern selbst entscheiden. Mich ekeln diese Leute schlicht, dafür kann ich nicht, es ist eine automatische Reaktion.

  276. @Klammerbeutel.

    Und noch etwas unterscheidet uns von einander – unsere Umgangsformen.

    Aber Sie glauben, Sie haben es mir jetzt gezeigt – und feiern darum ihren inneren Reichsparteitag.

    Den Satz dürfen Sie jetzt nehmen, wie Sie wollen. Ich weiß, wie er zu verstehen ist.

  277. Umgangssprachlich wird die Aussage noch benutzt, schön ist sie nicht. KMH hat öffentlich ihr Bedauern ausgedrückt, so what? Alles okay. Die nächste öffentlich-rechtliche Sau wartet schon darauf von Springer durch die Medienlandschaft getrieben zu werden. *gähn* Vielleicht mal zur Abwechslung etwas Neues (news)?

  278. Wenn hier welche schreiben, ihnen ist diese Redewendung nicht geläufig, dann ist es doch eine tolle Sache:
    Nur Fussball geguckt und sogar mal etwas gelernt dabei!

    Mir hat übrigens unter 139 von Struppi am Besten „Betroffenheitsfanatiker“ gefallen, die sich über so etwas ereifern können.

    Bitte unbedingt auch auf den Zensur-Index für Sportveranstaltungen setzen:
    – Der Stürmer
    – die deutsche Offensive
    – Spielführer
    – „Die Deutschen müssen jetzt nochmal richtig Gas geben“
    – die Verteidigung knacken
    – der Spieler XY marschiert nach Vorne
    usw.
    Irgendwie entsteht der Nazi-Kontext schon im Kopf des Rezipienten, oder?

  279. @367 Claus: Um zu glauben, ich hätte es Ihnen gezeigt und einen inneren Reichparteitag zu feiern (womit ich mich ja selbst diskreditieren würde, wer will das schon), müsste ich Ihnen eine Einsicht in meine Argumentation unterstellen. Davon bin ich weit entfernt.

    Allerdings glaube ich Ihnen gerne, dass Sie wissen, wie Ihre Aussagen gemeint sind, denn: „Es ist einfach so.“ Deshalb auch Ihnen noch einen schönen Abend (oder „live long and prosper“, falls Ihnen das eher zusagt).

  280. Ich sehe gerade eine neue Wortschöpfung in meinem vorherigen Beitrag und liefere hiermit noch das fehlende „s“ nach.

  281. Für mich ist es ebenso eine alltägliche Redewendung. Wem nichts Besseres einfällt, darf mich gern als Nazi beschimpfen. Meine Wurzeln sind übrigens jüdisch.

    Dieser Shitstorm über diese Frau ist aufgeblähter Unsinn.

  282. @ tabernakel
    Mich würde hier mal interessieren, wo die sog. 2. dtsch. Diktatur den Begriff „Reichs-“ verwendet haben soll. Außer natürlich bei Deutscher Reichsbahn, wo der Begriff aus juristischen Gründen beibehalten wurde (Potsdamer Abkommen, you know?), und nicht, weil man ihn so toll fand.

  283. Danke an Herrn Niggmeier für diesen Kommentar, dem ich 100%ig zustimme.

    Natürlich kennt nicht jeder in D diese Redewendung, deshalb ist sie aber noch lange nicht zwangsläufig eine Verharmlosung des NS oder nur in rechten Zirkeln geläufig. Kommt mal lieber wieder runter und regt Euch über die Unmenge an strukturellem und individuellem Rassismus in diesem Land auf anstatt über eine ironisch gemeinte Formulierung, die eben nicht Eurem Humorverständnis entspricht. Meine Güte.

  284. Es ist eine sehr flapsige Redewendung, die man mit einem gewissen Augenzwinkern verwendet, so man sie denn verwendet. Im benutzten Zusammenhang – Fußball der Nationen, polnischstämmiger Spieler – war sie äußerst unpassend und lud zu allen möglichen Assoziationen ein. Deswegen ist die Aufregung mancher zwar übertrieben, aber dass sie anderen aufstieß ist schon auch zu verstehen. Es ist jedenfalls ein bisschen mehr als die übliche political correctness.

  285. Also mir ist der Spruch neu, kannte ich vorher nicht. Ich habe ihn beim Hören als Nazispruch verstanden. Ist das nun mein Fehler? Das er für manche alltäglich ist, macht ihn auch nicht besser. Im Osten ist bspw. der „Fidschi“ durchaus alltäglich. Reicht das zur Rechtfertigung?

  286. Ob diese Redewendung ideologisch angehaucht ist oder nicht: als Journalistin…hihihi… hätte KMH wissen müssen, daß man so etwas in einer Moderation bei einem Nazional… äähhh… -Verzeihung-…Nationalspiel nicht sagen kann (meiner Meinung hat sie Ihren Ausrutscher auch sofort bemerkt und mit Ihrem Nachsatz: „jetzt mal ganz im Ernst“ zu verharmlosen versucht).
    Aber gesagt ist gesagt; die Empörung war gross; das ZDF hat sich daraufhin entschuldigt; also ab zum Duschen (uups…sorry) denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

    Gruss
    Matze

    PS: Spasseshalber mal unter ZDF.de „Reichsparteitag“ in das Suchfenster eingegeben. Hihihi.

    http://img138.imageshack.us/img138/319/reichsparteitagzdf.jpg

  287. Man möchte dem Hausherrn dieses Blogges eine Art Fortsetzung empfehlen. Nehmen wir doch mal die Twitterer und facebook-Verwirrten (die Kampagne dort gegen KMH ist schon dümmlichstes Cyber-Mobbing) heraus und schauen auf das, was professionelle Journalisten so alles zum Thema verzapfen. Es schüttelt einen.

  288. Was ist eigentlich aus der Sitte geworden, einen Begriff (oder eine Redewendung) den man nicht kennt oder nicht versteht, nachzuschlagen, bevor man sich irgendetwas (falsch) zusammenreimt und damit demonstriert, wie weit es um die eigene Medienkompetenz wirklich steht?

    Wie stehen wir eigentlich (im Ausland) da, wenn Schlagzeilen wie „Tausende feierten beim Public Viewing“ benutzt werden? Oder ist das in Ordnung, weil da selbst mit noch so viel Phantasie kein Nazizusammenhang konstruiert werden kann? Weil ja jeder weiß, was gemeint ist. Jeder?

    Oder glaubt die „Community“, sie hätte Köhler aus dem Amt gekegelt und will jetzt demonstrieren, daß sowas beliebig wiederholbar ist?

    Warum aber ist dann Westerwelle noch da?

  289. @378:
    Wenn Sie den Unterschied zwischen der offen rassistischen Bezeichnung „Fidschi“ und der ironisch gemeinten Redewendung um die es hier geht nicht selbst erkennen können ist wirklich Hopfen und Malz verloren…..

  290. @anonym

    Sie werfen Fussballgucker mit fahnenschwenkenden Deppen in einen Topf. Ich finde das besoffene Getröte auf der Hauptwache nach einem Vorrundensieg auch nervig, das ändert aber nichts an meinem Interesse an Fussball.

    Wer wäre ich denn, wenn ich mir von gröhlenden betrunken Fahnenschwenkern und gehirnwaschenden Medien diktieren lassen soll, was ich gut zu finden habe? Das wäre ja so, als ob ich Nazis und Betroffenheitsonanisten die Deutungshoheit über meine Worte zugestehen würde.

  291. Darf ich nun noch „deutsch“ sein, oder ist das auch gefährlich? Sie haben oben auch von „Anführungszeichen“ geredet, die Zeichen des Anführers? Große Güte, ich bin schon ein wenig länger auf diesem Planeten und es kann durchaus sein, dass mein Vokabular noch von Ausdrücken getränkt ist, die mittlerweile absolut unkorrekt scheinen. Ich vermisse z. B. „Negerküsse“. Nie, auch während meiner Kindheit nicht, hatte das Wort für mich einen wertenden negativen Beigeschmack. Es kommt doch immer darauf an, wie Worte gemeint sind… Nur weil ein paar Leute sie abfällig oder missbräuchlich nutzen, soll ich ihre Gesinnung haben? „Geil“ – das Wort für dass meine Eltern mich schon öfter massregelten, ist ein Fachbegriff bei den Werkzeugmachern für ein scharfes Werkzeug. Dafür gabs einen Satz heiße Ohren… Der müsste ja heute schon beim Wort „heiß“ kommen…

    Egal wie passend oder unpassend der Reichsparteitag nun war… die Aufregung darüber ist lächerlich.

  292. @Simon Simonowitsch

    Sollten wir uns nicht dann eher darum kümmern, warum solche hanebüchenen Assoziationen entstehen, anstatt auf harmlose Worte einzudreschen?

    Wieso das nun ganz besonders unpassend sein soll, wenn sie das über Klose sagt und nicht etwa über Schweinsteiger (aus dem bayrischen Ödland), erschließt sich mir auch nicht. Ich komme da durcheinander: Klose=Pole, deswegen uiuiui? Gerade im Zusammenhang mit Klose, macht die Unterstellung, es handele sich hier um die Verwendung von Nazi-Sprech (mindestens) oder Nazi-Gedankengut (aber hallo!) noch weniger Sinn.

  293. Wir sollten vorsichtshalber die deutsche Sprache ganz abschaffen. Allein das Wort „Deutsch“ ist ja schon sehr zweifelhaft.

    Wenn ich jetzt ganz zynisch werden darf, wir können ja nicht mal mehr aus lauter Scham nach Israel auswandern.

  294. 378, Albert P.:

    („Also mir ist der Spruch neu, kannte ich vorher nicht. Ich habe ihn beim Hören als Nazispruch verstanden. Ist das nun mein Fehler? Das er für manche alltäglich ist, macht ihn auch nicht besser.“)

    Warum der Spruch nun „ungut“ ist, um mal die Orwellsche Sprache einzubeziehen, hat mir noch keiner erklären können. weiß ich immer noch nicht. Wissen Sie es, Albert? Ich finde es nämlich originell, nun hinzugehen und zu sagen: okay, KMH hat kein Nazisprech gemacht, aber dennoch unschön, das Ganze, dann war es halt ein kleinerer Fehler von KMH.

    Der Fehler war welcher? Einen Ausdruck zu wählen, der „irgendwie“ und „irgendetwas“ mit den Nazis zu tun hat? Wie jemand anmerkte: bitte, man möge den ADAC wegen seiner Organisationsstruktur angreifen…

    Hat eigentlich schon jemand von denen, die KMH via Twitter, Blogs oder Facebook gekündigt sehen wollten, sich dafür entschuldigt? Wie unanständig ist das denn, aus Nichtwissen heraus eine in Teilen beinahe hasserfüllte Kampagne zu starten und dann nicht mal „pardon“ zu sagen?

    Und ist die Tatsache, dass ein Teil der Bevölkerung von etwas keine Ahnung hat, Grund genug, die Sprache anzupassen? Wollen wir nun auch sämtliche Rechtschreibregeln aussetzen, nur weil ein größerer Teil damit überfordert ist?

    Wenn ich zeitgleich sehe, wie wenig die Menschen sich aber tatsächlich für das interessieren, was Neonazis treiben, wie sehr in deren Umfeld Sprachverwirrung betrieben wird, dann wirkt die Empörungswelle schon verdammt heuchlerisch.

    cws hat es in Eintrag 307 sehr schön furmuliert:

    „Die scheinheilige Empörung darüber ist aber in meinen Augen noch schlimmer, denn sie entspringt nicht ehrlicher Verletztheit, sondern dem Skandalvoyeurismus einiger Wortpaparazzi. Die nutzen das Wort zum Sklandal, wissend dass sie es missbrauchen. Sie sind dann schlimmer als die Moderatorin.“

  295. @ 56 – Julius

    Genauso empfinde ich das auch.
    Gutes Sprachgefühl !

    Und hier mein Senf :
    Jemand, der das Bild eines Reichsparteitages, egal von wem veranstaltet, mit eigenen Gefühlen verbindet wie „unbändiger Freude“, anstatt „furchtsamer Abscheu“, hat doch sowieso nicht alle Tassen im Schrank.
    Das bringt mich zu „Parteisoldat“…
    Deshalb grundsätzlich : Was wir bräuchten, wäre eine Entmilitarisierung des Fühlens und Denkens, und nicht nur Uniform gegen „Zivilkleidung“ tauschen.

    (hab bisher nur bis 56 gelesen, vielleicht kommt später ja noch ähnliches)

  296. Ein Vorschlag zur Güte.
    Man könnte ja in Zukunft sagen: „Es war mir ein inneres Oktoberfest!“
    ;)
    (grad auf ard in der ersten raportage von blumentopf zur wm gehört)

  297. Ich wehre mich immer dagegen, dass Leute, von denen man weiß, dass sie definitiv keine Nazis sind, dazu gemacht werden, weil sie etwas gesagt oder getan haben, was auch Nazis hätten getan haben können. (Schön, wenn solche Sätze doch noch aufgehen!) Ich würde darum nun wegen des „Reichsparteitags“ niemanden an den Pranger stellen. Schließlich ist es auch nur der größere historische Abstand, der uns „erschossen wie Robert Blum“ als angemessen empfinden lässt, obwohl die Hinrichtung des März-Revolutionärs nun eigentlich auch nicht lustig war.
    ABER: Ich habe mir diesen Reichsparteitag-Spruch nie zu eigen gemacht, weil er diese gespenstische Massenaufmarsch-Propaganda-Show assoziiert, die ich auch aus DDR-Zeiten kenne. Bei diesen Bildern von ausgerichteten Appell-Marionetten, Fackeln, begeisterten Gesichtern steigt eine schwer erträgliche Beklommenheit in mir hoch, weil ich mich noch erinnere, wie bei solchen Aufmärschen Nachbarn, Mitschüler oder Bekannte plötzlich in der Masse aufgingen, nicht mehr zu mir gehörten, sondern zu „denen“. Parteitage sind grundsätzlich nichts, womit ich irgendetwas Gutes oder Angenehmes verbinde.

  298. Stefan, Stefan, Stefan:

    Nicht das Verhalten formt unsere Sprache. So wie wir schwätzen, so verhalten wir uns auch. Die Reichsparteitage der Nazis waren zwischen 1933 und 1945 die Höhepunkte eines Jahres auf dem Kalender der Deutschen. Weit vor den sogenannten hohen kirchlichen Feiertagen.

    Vor den Konsequenzen dessen, was anlässlich dieser Treffen verkündet wurde, mussten sich diejenigen, die es betraf, fürchten. Da wurde nicht irgendetwas irgendwie dahingeplappert. Das waren kein Witze, rein gar nicht für die Menschen, die die Nazis schon mit ihrem Vokabular das Fürchten lehrten.

    Wäre es anders, dann müsste es auch erlaubt sein, beim nächsten Fußballspiel davon zu reden, das deutsche Team jage seine Gegner „bis zur Vergasung” (auch so eine Wendung, die zu verwenden, lange als lässliche Sünde galt) übers Spielfeld.

    Nein, es ist kein Skandal so zu sprechen, wie es die Mitarbeiterin des Fernsehenders getan hat, der seine Angestellten und freien Mitarbeitern offenbar dazu gezwungen hat, zu sagen „Mit dem Zweiten sieht man besser” und sich dabei stets das rechte Auge zuzuhalten. Es ist einfach nur eine lausige Gedankenlosigkeit.

  299. @395:
    Also sorry. Das rrrechte Auge… Ich kann nicht mehr. Ja, ja und bei der Geste ist die Hand ja auch ungefähr auf gleicher Höhe, wie bei so manch anderen Gesten. Gefährlich, gefährlich.
    Wehret den Anfängen!

  300. Die Aufregung ist doch wirklich Kinderkacke, oder?
    Die Redewendung benutze ich auch dann und wann, obschon politisch linksaussen verortet und der deutschen Sprache und der Implikationen diverser Begriffe durchaus mächtig.
    Flapsig bis gedankenloser Gebrauch dieser und jener Formulierung, ja, skandalträchtige böse, böse Entgleisung, nein.
    Wo bleibt die Aufregung der pc- dressierten Masse, wenn ein Reporter dem ghanaischen Torwart permanent ein „T“ in seinen Namen Kingson hineinschwadroniert („unser Ballfreund kingston, haha“)?
    Wo erregt sich der mehr oder minder gemeine Zuschauer, wenn man bei Herrm Réthy immer wieder beobachten darf, dass das Bemühen da ist, auch den letzten Schwarzafrikaner korrekt auszusprechen (no offence meant, nur zur Verdeutlichung), dass dieses Bemühen aber wohl willentlich immer dann unterbleibt, wenn die Spieler Tasci oder Bastürk heissen oder es um den Vornamen des Spielers Özil geht?
    Das sind die Dinge, die mir die Halsadern schwellen lassen, die ich Omma Krause von gegenüber nachsehen kann, aber nicht einem Mann, der von Zuarbeitern mit Info- Zettelchen gepflastert wird.

  301. Das 3:0 war wirklich ein herrlich platzierter Schuss. Sehr schönes Ding. War übrigens mit „Rechts“ erzielt.

    Ja bin ich denn der einzige, dem diese schreckliche Entgleisung nie aufgefallen wäre? Einfach fürchterlich, wie wir von den allgemein herrschenden, extrem rechtsradikalen Strömungen in der Gesellschaft abstumpfen.

  302. Ich kannte und nutze die Redewendung „innerer Reichsparteitag“ auch nicht. Daher habe mich im ersten Moment auch darüber geärgert. Die jetzt zur Schau getragenen Reaktionen finde ich aber auch maßlos übertrieben.
    Vielleicht wollte Frau Müller-Hohenstein ja auch nur zum Ausdruck bringen, dass es bei Klose recht lange her ist, dass er sich freuen konnte…
    Brillant geschrieben, btw.

  303. Für die Statistik:
    Mir war die Redewendung gänzlich unbekannt und ich war sehr irritiert als sie gefallen ist !

    Vielleicht können wir hier mal die regionale Verbreitung der Redewendung erfassen:

    Bundesland: Baden-Württemberg
    Bekannt (ja/nein): nein

  304. Wir sind jetzt bei über 400 Kommentaren angekommen, ist das wirklich nötig, dieses Thema bis zur Vergasung zu diskutieren?

  305. Bevor hier einige weiter ihre moralische Dauererektion in Form des erhobenen Zeigefingers pflegen, lest doch mal bitte hier:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ebert
    http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/pl006953/index.jpg
    Und sogar nach 1945:
    http://library.fes.de/fulltext/sozmit/1946-087.htm

    Sind nun Friedrich Ebert und Kurt Schumacher Nazis, weil sie an Reichsparteitagen teilnahmen?
    War die KPD eine Nazi-Partei??

    Der Begriff „Reichsparteitag“ wurde zwar auch von den Nazis benutzt, hat aber genau so viel mit den Nazis zu tun wie Messer und Gabel (wurden auch von den Nazis benutzt).

    Bloß weil manche hier historisch keine Ahnung haben, müssen sie sich nicht gleich als Retter vor der braunen Barbarei aufspielen. Man sollte Nazis gezielt bekämpfen und nicht wahllos Emo-Bömbchen werfen. Fehlt doch eigentlich nur noch, dass unsere Kreisch-Claudia-Roth aus den Kulissen auftaucht. ;-)

    P.S.: Diesen Kommentar hat die Welt-Online-Redaktion von ihrer Seite http://www.welt.de/fernsehen/article8032421/Mueller-Hohenstein-spricht-von-Reichsparteitag.html genommen – diese „Meister der Recherche“ werden schon wissen, warum …

  306. Hallo „poetin“,

    indem Sie dieses schrieben:

    “mach so weiter, dann ist holland in not/polen offen” einfach geschmacklos und keinesfalls beispiel dafür, wie man begriffe von braunem sumpf befreit.

    …entlarvten Sie das Problem und sich selbst.

    Es ist weniger die Senderebene, denn die Empfängerebene, die hier skandalträchtig ist. So wie Sie etwas, das längst metaphorisch übertragen und nicht mehr den Ursprung dessen ausdrückt, das das platte, nackt Wort bedeutet, so offenbaren Sie hier ein wildes Verrühren von irgendwelchen Sprüchen, die „nazi“ und „böse“ sind.

    Dabei missachten Sie ungalant, dass „Polen ist offen“ rein gar nichts mit Lebensraum im Osten und dem September 1939 zu tun hat, sondern vielmehr mit den Polnischen Teilungen zwischen Russland, Preußen und den Habsburgern Ende des 18. Jahrhunderts.

    Und „Holland in Not“ sollte – soweit ich weiß – durch spanisches Kratzen an deren Deichen gebracht werden, deutlich früher als und nicht durch Annexion durch NS-Horden.

    Ob man derlei Idiome schätzt oder es einem zu marzialisch oder militaristisch wurzelnd ist – es sind historisch gewachsene Redewendungen, die deren Verwender längst nicht in den Verdacht rücken, preußischer Militarist, Nazipompverherrlicher oder hollandflutender Völkermörder zu sein. Dachte ich jedenfalls, aber der Horizont ist scheins schmal, wenn es um „Sprachreichtum“ geht. Ja, das Wortspiel war Absicht ;)

    Ich würde mir weniger erhobene Finger derer wünschen, die sonst gerade die Unterjochung freien Ausdrucks unter staatlich oder propagandistisch vorgekaute Volksmeinungen verabscheuen.
    Denn DAS ist es, was dass Dritte Reich tatsächlich ausmachte.

    Meinungsbildung oder Bild Dir Deine Meinung. Jeder hat die Wahl. Wer sich an der Redewendung in diesem, den Bedeutungsgehalt des Sprichwortes betrachtet sehr treffenden Anwendungsfall stört, mag das gerne sagen, aber ich widerspreche dem, der es als Fauxpas brandmarkt. Brandmarken tut man Tiere, aber nicht Menschen ;) Und doch ist „brandmarken“ eben hier DAS passende Wort. Stempel drauf, dumme Fußballjournalistin, die grobschächtig unreklektierte Nazisprichworte gebracht.

    Ich sage: Sie hat sich genau überlegt, warum sie ganu dieses Sprichwort heranzg, weil man ohne eine längere Umschreibung das nicht trffender mittels der deutschen Sprache ausdrücken konnte, was sie sagen wollte. Das möge man ihr bitte dann auch gestatten.

  307. Wirklich schade dieser sachliche Beitrag, Herr Niggemeier. Vermutlich wegen solch sachlicher Reaktionen wurden ein paar Eskaltionsstufen ausgelassen, dabei habe ich gestern schon Bier und Chips bereit gestellt und mich auf eine tolle Medienwoche gefreut:

    -Dienstag: „Nach Reichsparteitag-Entgleisung: Unionspolitiker fordern Rücktritt“

    Mittwoch: ‚“Schlimme Nazi-Entgleisung – So reagieren die Nürnberger“

    Donnerstag: „ZDF-Nazis – Erste Politiker wollen GEZ abschaffen“

    Freitag: „Heute bitte kein Nazi-Kommentar“

    Samstag: WM Angebot von Bild und Lidl ohne Deutschländer Würstchen

    Sonntag: „Nach Skandal, Betroffene gibt BamS erstes Interview“

  308. Vielen Dank für diesen Artikel. Allerseiten zeigt sich nur der Schuldkomplex der Hobbyinquisitoren und des sensationsgeifernden Pöbel. Einfach nur zum schämen.

  309. ..Herr Niggemeier, ich bewundere Sie fuer diesen unaufgeregten Artikel und die Gelassenheit, mit dem Sie „uns“ Kommentatoren hinnehmen und den Schwachsinn, den wir absondern und sogar die geifernde Beleidigungsaufregung, die hier mal wieder Wellen schlaegt.

    Danke.

  310. Karl

    Ach nee, keineswegs Schlieffen. War klassischer Manstein mit einem typischen Guderian. Wie sagte Herr Löw nach dem Spiel: Die Abwehr stand noch nicht kompakt genug und rückte zu spät auf. Guderian war beim Sichelschnitt der Infanterie auch weg gefahren. Die kamen kaum noch hinterher. Liddel Hart ist ja schon lange tot, aber Edward Luttwak hat das vor wenigen Jahren in seinem Strategiebuch auch gut erklärt.

  311. Angesichts der anhaltenden Diskussion hier spüre ich das dringende Bedürfnis, mein Fenster aufzureißen und in die Welt zu rufen: „Jawoll! Ich feiere hier meinen inneren Reichsparteitag!“ Denn seit dem Morgen kann ich nur noch eines denken: innerer Reichsparteitag, innerer Reichsparteitag, innerer Reichsparteitag. Ganz schön hitleresk.

  312. diese bezeichnung „innerer reichsparteitag“ triffts doch genau. was ist daran zu bemängeln ? diejenigen, die aus welchen gründen auch immer, heute bei solcher wortwahl aufschrecken und losheulen, sollten mal überlegen, ob nicht ihre eigenen grosseltern dabei waren, als zu reichsparteitagzeiten 9 von 10 deutschen in kollektiven jubel ausgebrochen sind. es wird hier ein gefühl beschrieben – nichts weiter. es geht um begeisterung und begeisterungsfähigkeit.

    was hitler & consorten an verbrechen auf sich und deutschland geladen haben, steht auf einem ganz anderen blatt.

  313. Jetzt ist aber echt mal gut. Man muss dieses Thema ja auch nicht „bis zur Vergasung“ diskutieren. Wichtiger ist in den kommenden Wochen, dass wir „Die (Deutschland-)Fahne hoch!“ und die „Die Reihen (der Fans) dicht geschlossen!“ halten.

    Die Jungs unserer Nationalmannschaft haben im Spiel gegen Australien gezeigt, dass sie „Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ sind. Und da wir über die „Gnade der späten Geburt“ verfügen, müssen wir uns um irgendwelche Nazi-Altlasten in der Sprache keine Sorgen machen.

    Und wer keinen Bock auf WM hat, mag von mir aus in die „Innere Emigration“ gehen. „Jedem das seine“, wie ich in dem Zusammenhang immer sage. :)

    So. „Totaler Krieg“‚ ich das jetzt nicht umrissen in so wenigen Worten.

    Gruß
    Sebastian

  314. mir war diese redewendung bisher vollkommen unbekannt. deshalb musste ich auch ganz schön schlucken, als ich davon gelesen habe. kann mir vorstellen, dass es anderen, die sie nicht kannten, genauso ging.

  315. Wie einige hier schon anmerkten: in Deutschland reagiert man auf Metaphern viel zu empfindlich. Ich gehöre auch nicht zu der Generation (Jahrgang 1961), die auf Anhieb etwas mit der hier diskutierten Redewendung etwas anzufangen gewußt hätten, da sie in einer Zeit entstand und verwendet wurde, wo jeder wußte, was damit konkret gemeint war. In der heutigen Zeit halte ich sie auch für nicht mehr zeitgemäß, eben weil die meisten die Bedeutung nicht kennen.

    Wirklich albern finde ich den Umgang mit Begriffen wie Negerkuß, Zigeunerschnitzel etc. . Gerade im Sportjournalismus wimmelt es geradezu von Begriffen, die mit wenig Phantasie „kriegsverherrlichende“ Assoziationen zulassen, ohne daß sich jemand darüber aufregen würde.

    Ich würde mir wünschen, daß man in Deutschland wieder ein wenig unverklemmter im Sprachgebrauch wird. Diese Tabuisierungserscheinungen machen eine Epoche wie die Zeit des Nationalsozialismus nur noch „interessanter“.

    Das wirklich erschreckende ist eigentlich, daß aus einer Redewendung so ein Politikum gemacht wird, und man sich noch entschuldigen muß anstatt erstmal zu erklären, wie diese Redewendung entstanden ist und was sie inhaltlich tatsächlich bedeutet.

    Ich würde diese Redewendung auch nicht mehr verwenden, weil sie die meisten heutzutage nunmal nicht verstehen, aber sie war bezogen auf Klose und seine tiefe Erleichterung, wo ihn viele schon abgeschrieben hatten, nicht unzutreffend.

  316. ich selbst kannte die Redewendung so nicht, halte KMH aber deswegen auch nicht automatisch für rechts.

    Irgendwann ist auch mal gut mit der Betroffenheitshysterie. Wie sollen wir jemals zu einem normalen, unaufgeregten, ja vielleicht sogar ironischen Umgang mit unserer Geschichte kommen, wenn sogar bei solchen Lappalien gleich die Nazi-Keule geschwungen wird ?

    Ansonsten bin ich bei den Kommentatoren in #91, #169, #170, und #208.

    Und jetzt bitte keine Nazi-Witze mehr, mein Opa ist auch im KZ gestorben….

    ..ist besoffen vom Wachturm gefallen.

    ( ich weiss, ist alt, aber trifft’s halt grad gut. ^^ )

  317. Mensch, Leute: Heute Morgen hab ich diesen Artikel gelesen und mir gedacht: „Den kommentiere ich erst nach Feierabend.“ Und jetzt als Nr. Vierhundertnochwas? Also bitte…
    Mir war diese Redewendung ebenfalls unbekannt. Zusammen gezuckt bin ich auch, aber in Erwartung der Medienreaktion.
    Im Sinne einiger meiner Vorkommentatoren (man verzeihe mir, dass ich nicht alle Kommentare gelesen habe): Welche Keulen bleiben zum Schwingen noch übrig, wenn schon in solch einem Fall zum XXL-Hammer gegriffen wird? Dem Hausherrn hier wegen dieses Artikels Rechtsradikalismus vorzuwerfen wie weiter oben geschehen trägt nicht zur Deeskalation bei…
    Obwohl: Vielleicht muss es ja gar nicht immer die Keule sein. Vielleicht sind Einfühlungsvermögen und Ruhe manchmal besser. Aber das geht dann nicht in zwei Sätzen:
    http://www.zeit.de/2010/24/DOS-Antisemitismus-Laucha?page=1

  318. Es ist und bleibt eine banale Redewendung; wenn Frau KMH mit solchen Sprüchen sozialisiert wurde, verwendet sie sie halt auch heute noch. So geht es uns Nachkriegskindern – und wenn Ihr drüber diskutiert ´bis zur Vergasung´!

  319. @384/391: Ich habe die Dame ja gar nicht verurteilt, sondern lediglich mitteilen wollen, dass ich den Spruch nicht kannte und ihn so verstanden habe, wie ich ihn verstanden habe (und zwar nazistisch). Dieses Nichtwissen teilen offensichtlich viele, und dieses Nichtwissen kann man mir auch nicht zum Vorwurf machen (wie ich finde). Es bleibt vielleicht der Vorwurf einer mangelnden Sensibilität oder Ungeschicktheit seitens der Moderatorin, hier den Spieß umzudrehen und von jedem, der den angeblich ironischen Spruch nicht kennt, zu fordern, er solle erst einmal Sprichwortlexika konsultieren und ausführliche Recherchen anstellen, halte ich für daneben.

    Den Vergleich zum „Fidschi“ finde ich im übrigen nicht unangebracht. Was meinen Sie denn, wie viele von denen, die vom „Fidschi“ reden, sich mit „ach, das ist doch bloß ironisch gemeint“ herausreden, wenn man sie drauf anspricht?

  320. Jetzt mal ohne Scheiß: Ich freu mich einfach wahnsinnig darüber, dass wir mittlerweile so weit sind, dass polnischstämmige, türkischstämmige oder sonstwie zugewanderte Menschen in der deutschen Nationalmannschaft einen wundervollen Fußball spielen und niemand außer ein paar Wirrköpfen darin irgend eine Art von Problem sieht.

    Wenn nur der Rest der deutschen Gesellschaft sich auch derart unverkrampft für die belebenden Einflüsse von Migranten öffnen würde, dann wäre wirklich was gewonnen.

    Ob das dann für irgend jemanden ein innerer Reichsparteitag ist oder nicht, wäre mir dann sowas von sch…egal!

  321. @425/Albert P.
    Und ich halte es „für daneben“, hier einfach herum zu schwadronieren, ohne sich auch nur für zwei Minuten Mühe gemacht zu haben, diesen, Ihnen ja unbekannten Begriff, vielleicht in einen Kontext zu setzen.

  322. was bei der diskussion unter den tisch fällt: das eigentlich unangenehme ist doch der versuch, das fernsehstudio zum stammtisch zu machen. und zwar nicht, weil die moderatorin dumm oder rechts wäre, sondern weil sie sich einem antizipierten publikumsgeschmack andient. der einen entspannten und lockeren und, ach ja, frechen moderator fordert.
    insofern wäre das ganze mehr eine vorlage zur diskussion über unterschichtenfernsehen und den bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen. und in diesem zusammenhang kann man das schon unangenehm finden.

  323. Die Achse schwächelt und bricht, Paraguay läuft rund. vielleicht sagt eine italienische Moderatorin in der Halbzeit, dass es an einem Duce gefahlt habe und wird morgen schon, gemeinsam mit Cannavaro, gelyncht.

  324. Bemerkenswert: Zufällig halten einige derjenigen Kommentatoren, die KMH diese Aussage ankreiden auch nichts von ihrer Moderationsleistung (ob es damit zusammenhängt, dass sie eine Frau ist will ich nicht unterstellen).
    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt (Oder ist dieser Satz jetzt auch wieder irgendwie belastet?).

  325. „Weiß jemand, ob die in Südafrika Autobahnen haben?“ :-D rofl

    wie immer kompetent, absolut und direkt… gern gelesen…danke ;-)

  326. @425
    „Wissen ist Macht. Nichtwissen macht nichts“?!

    Wie hier bereits bemerkt wurde, befindet sich das Problem nicht beim Sender (KMH), sondern anscheinend bei Ihnen, dem Empfänger.

    „Kenn ich nicht, gefällt mir nicht, klingt irgendwie wie … huch!“. *kopfschüttel*

  327. @432 „Ein Schelm, der Böses dabei denkt“ – ja, dieser Satz ist historisch belastet, soso. Deutsche Übersetzung von „Honi soit qui mal y pense“; das wiederum ist der Wahlspruch des Hosenbandordens (Order of the Garter) von 1342(?). Grund war angeblich das auf einem offiziellen Ball des Königs „verlorene“ Strumpfband der Gräfin von Salisbury, das Edward III. galanterweise aufgehoben haben soll, damit die Dame nicht diskreditiert werde. Schöne Legende – aber leider total unwahr: Edward III. hatte die verheiratete Gräfin vergewaltigt und ihren Mann damit unmöglich gemacht, so daß die Gräfin dem König das Hosenband als Zeichen der Entehrung vor die Füße warf. Allerdings ist die Reaktion des Königs ausgesprochen geistesgegenwärtig gewesen. Der Rest ist bekannt und Schmusegeschichte. SOOO – jetzt habe ich hoffentlich den „Reichsparteitag“ gekillt?!

  328. und packt die Deutschland Fahnen ein, das ließe sich mit entsprechenden Mühen falsch verstehen.

    Nein, KMH macht einen Super-Job und benutzt Redewendungen, die im allgemeinen deutschen Wortschatz benutzt werden
    – OHNE rassistische Hintergedanken, weil sie einfach passen.

    Vielleicht politisch nicht 100% korrekt aber ein demokratisches Land verträgt sowas ohne gleich in alle Richtungen um Vergebung zu winseln und Buße zu tun.

    P.S.: Wenn noch nicht mal der Zentralrat der Juden ein Fäßchen aufmacht kann es so schlimm nicht sein.

  329. 425,

    „von jedem, der den angeblich ironischen Spruch nicht kennt, zu fordern, er solle erst einmal Sprichwortlexika konsultieren und ausführliche Recherchen anstellen, halte ich für daneben.“

    Nee, will auch keiner. Aber wer meint, sich über einen Spruch ereifern zu müssen – und wer meint, öffentlich bzw. web-öffentlich eine Kampagne zu starten mit dem Ziel, der Moderatorin den Job wegzunehmen:

    von dem kann ich schon erwarten, dass er sich vorher gründlich informiert.

    Strenggenommen erfüllt das, was teilweise zu KMH im web zu lesen ist, den Tatbestand der Beleidigung. Für diejenigen, die auch dieses Wort nicht kennen: man kann es unter wikipedia nachlesen.

  330. @434 und alle, die als Wissende sich herablassen, die Unwissenden zu belehren, dass der Auspruch ausschließlich ironisch verstanden werden darf. Ich sehe nicht ein, dass das hier das „Nicht-Verstehen“ ausschließlich denen angelastet werden soll, die den Spruch nicht kannten. Zum Missverstehen gehören immer zwei, der Sender UND der Empfänger. Und bei einem Profi-Sender (einer professionellen Moderatorin) kann man schon der Meinung sein, dass ein derartiger Spruch schon etwas daneben ist, weil damit zu rechnen ist, dass er eben nicht „richtig“ verstanden wird. Wobei ich nach wie vor der Meinung bin, dass der Spruch eben (auch) nazisitisch zu deuten ist. Nicht in dem Sinne, dass derjenige, der diesen verwendet, automatisch Nazi wäre (sicherlich nicht), aber doch so, dass der Spruch, ob gewollt oder nicht, ganz eindeutig nur vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Parteitagspropaganda zu verstehen ist. Wenn das nicht so wäre oder man diesen Bezug nicht herstellen wollte, dann würde man das eben allgemeiner ausdrücken. Wer „Reichsparteitag“ sagt, der kann sich eben nicht gänzlich mit Ironie herausreden, wenn andere „Reichsparteitag“ konnotieren/assoziieren.

    Noch einmal: Zum Missverständnis gehören immer zwei, und dem „Empfänger“ alle Schuld zuzuschieben und ihm Ignoranz und dergleich zu unterstellen, ist mir ein bisschen zu einfach…

    Hier noch ein Diskussionsbeitrag dazu: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/innere_lti/

  331. Frau Müller-Hohenstein sollte als Kommentatorin ja eigentlich wissen, dass man sowas bessser nicht im Fernsehen sagt, weil es im Zweifelsfall immer jemanden gibt, der aus einer Mücke einen Elefanten macht. Mir persönlich war nicht mal bekannt, dass es eine solche Redewendung überhaupt gibt und diese anscheinend auch gar nicht so unüblich ist. Dämlich finde ich sie aber trotzdem. Ich kenne nur „innerer Vorbeimarsch“.

  332. mir war diese redewendung bisher vollkommen unbekannt. deshalb musste ich auch ganz schön schlucken, als ich davon gelesen habe.

    Statt dann ins Internet zu gehen und mich zu informieren bin ich lieber hier in die Kommentarspalte gekommen um Leute zu finden, die genau so wenig dazu bereit sind, nachzudenken bzw. dazuzulernen, und meiner Uninformiertheit einfach freien Lauf zu lassen.

    Mr. x

  333. «Sie hat Jehova gesagt». Wer das böse Wort gebraucht, in welchem Zusammenhang auch immer, wird auf der Stelle gesteinigt, am Ende trifft es den Hohepriester selbst. Früher konnte ich über das «Leben des Brian» noch herzlich lachen, heute sind solche Reflexe bittere Realsatire. Was soll diese Redewendung vom «inneren Reichsparteitag» denn mit Nazi-Verherrlichung oder -verharmlosung zu tun haben, bitteschön? Ganz im Gegenteil, sie gibt den Größenwahn der brauen Gesellen dem Spott preis, befreit ihn von jeglicher Gigantomanie, reduziert ihn auf den kleinen Hüpfer, den das Herz nun einmal macht, wenn die Kritik, der man ungerechtfertigt ausgesetzt war, sich just in diesem Moment als haltlos erweist und die Kritiker, die soeben noch auf einen eindroschen, beschämt die Köpfe senken. Ja, ich kenne diese «inneren Reichsparteitage» nur zu gut, und es gibt für dieses Gefühl nun einmal kein treffenderes Wort.

  334. @ 416
    Es geht mir eben nicht nur um Begeisterung, sondern um die spontane sprachliche Verbindungsassoziation und was diese meiner Meinung nach verdeutlicht.
    Insofern auch an #402 :
    „Einfach fürchterlich, wie wir von den allgemein herrschenden, extrem rechtsradikalen Strömungen in der Gesellschaft abstumpfen.“
    Kein Ironiesmily ? Gut; dann „full ack“!
    Wahrscheinlich sind auch meine Großeltern bei dem kollektiven Jubel dabeigewesen; verpflichtet mich das, kritiklos die Schnauze zu halten ?
    Eben nicht; ganz im Gegenteil, denn es waren ja nicht nur „Hitler & Konsorten“, sodern eben auch die ach so „Begeisterungsfähigen“, die dadurch in Folge aktiv mitgemordet haben.
    Die Mengen an bekloppten Nationalfahnenschwenkern beobachtend, deren bevorzugte Meinungsäußerung scheinbar das Brüllen ist, komme ich auf den Gedanken, daß der Tip von #403 mit den Betonschuhen angebracht sein könnte.
    #394 + #395 : Danke !

    #407 : Es sind eben nicht nur „historisch gewachsene Redewendungen“, sondern häufig Sympathieverknüpfungen. Auch gerne unbewußt. Wie war das neulich? „Die FDP ist die einzige lose Bordkanone.“ ?? Falls Du dazu einen geschichtlichen Zusammenhang weißt, kannst Du ihn behalten.
    Und „weil man ohne eine längere Umschreibung das nicht treffender mittels der deutschen Sprache ausdrücken konnte“, glaube ich Dir grade wegen Deiner im übrigen Post deutlich vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten ganz sicher nicht. Als „Argument“ an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.
    Hoffentlich kommt die Zeit noch, in der niemand mehr mit Berechtigung sagen kann, daß „der Schoß noch fruchtbar ist, aus dem das kroch“.
    Daran müssen wir arbeiten.

    Ich weiß auch schon aus Erfahrung, was jetzt kommen wird : die, welche mit Schaum vorm Maul „Nestbeschmutzer“ denken, werden tippen : Linksfaschist ! und dann irgendwas mit Nordkorea….gäähhn

    Ach ja, Fußball…
    ..spielen, wie z.B. die Brasilianer es können, ist klasse, aber der normale Kampf voll öde.
    Aber na ja : Panem et circenses….
    Was mir fehlt, sind die Löwen.

  335. Hmm, als das SS das scharfe ß ersetzt hat, ist kein Sturm der Entrüstung durch das Land geweht. Dabei war diese Schreibreform doch offensichtlich rechts!

  336. Da es den Verweis auf Wikipedia gab, zitiere ich mal daraus: „Heinz Schreckenberg verortet die Herkunft des NS-typischen Wortes (…) zu Sprache, Jargon und Slang der Hitlerjugend (…) Die Umgangssprache der Nachkriegszeit verwendete den Begriff in kaum abgewandelter Bedeutung weiter. (…) Noch Anfang der 1970er Jahre wurde festgestellt, er habe sich als Überbleibsel eines gemeinschaftlichen, „rassistisch ausgefüllten ‚Gefühl des Deutschtums‘“, deren Höhepunkte die Reichsparteitage gewesen seien, „bis heute gehalten“.[11] Allerdings sei er als Sponti-Spruch auch spöttisch gegenüber Nationalsozialisten verwendet worden.[12] In diesem Zusammenhang sei die Redewendung auch als ein ironischer Distanzierungsversuch des Verwenders zum Nationalsozialismus verstehbar.“

    Damit wären dann wohl beide Lesarten gültig. Die ironisch/spöttische. Und die, die den Spruch als „NS-typisches Wort“, dass ungebrochen in der Nazitradition steht, versteht.

    Ich bleibe dabei: Wer den Spruch also verwendet, darf sich nicht wundern, wenn statt (a) (b) verstanden wird. Und das ist im Falle der Moderatorin eben nicht geschickt gelaufen (ohne dass ich damit ihren Rücktritt fordern wollte).

  337. Albert, der Artikel existiert seit heute Vormittag. Das wurde oben schon besprochen. Darüber hinaus sind alle Angaben im Text nicht mit klickbaren Links hinterlegt, sondern mit Zitaten von Büchern, die man nicht online überprüfen kann. Bevor ich sowas zitieren würde, würde ich erst einmal ein paar Revisionen abwarten. Da kann im Moment jeder reinschreiben, was er will.

    Ganz davon ab finde ich Ihre Aussage in 434 absolut zum lachen. Sie äußern sich allen Ernstes dahingehend, dass man Ihnen Ihr Unwissen nicht vorwerfen kann. Die Ironie wird Ihnen irgendwie gar nicht bewusst, oder? Sie sagen was, wovon Sie nachher feststellen müssen, dass viele Menschen der Ansicht sind, dass es idiotisch ist. Was war nochmal Ihr Vorwurf an KMH? Dass Sie etwas gesagt hat, wovon Sie nicht wusste, dass es idiotisch ist? (ich hab den letzten Satz dazu geschrieben für den Fall dass Sie nicht selbst drauf kommen)

  338. Holla, das ist ja der reinste „Volkssturm“ hier… (haha!)

    Nun, wenn so viele die Redewendung vorher nicht kannten, ist das offensichtlich ein Zeichen dafür, dass KMH dem Bildungsauftrag der ÖR nachgekommen ist. Von wegen Sprache als Kulturgut und so. Das ist doch auch mal was!

  339. @438/Albert P: Zur Kommunikation gehören mindestens zwei. Zum Nichtverstehen reicht Unvermögen oder Unwillen des Empfängers.
    Wie ein Kommentator bei „11Freunde“ es so schön auf den Punkt gebracht hat: „Meine Güte, die Frau hat nicht den Holocaust geleugnet(…).“

  340. und weil „bis zur vergasung“ in österreich in weiten teilen auch gebräuchlich ist, wenn etwas zu oft getan wird oder passiert und man dessen müde ist – deshalb darf man diesen ausspruch auch im fernsehen bringen, ja? und wenn ein journalist in einem dorf aufgewachsen ist, wo „neger“ gebräuchlich war, darf er das dann auch so weiterverbreiten?

    klar, jedem menschen kann einmal etwas rausrutschen. aber dass das ein fehler ist, muss man sehr wohl sagen. auch wenns flapsig oder umgangssprachlich gemeint war.

    ich glaube, zum ersten mal bin ich ehrlich enttäuscht von ihren ansichten, herr niggemeier. sehr enttäuscht.

  341. @444 Einspruch, Euer Ehren! Schreckenberg hat hier schwer überzogen. bzw. unsauber argumentiert. Zu unterscheiden ist zwischen den fanatisierten Gruppenführern von JH bzw. BdM und dem (wohlgemerkt: auch aus nazifernernen Bevölkerungsschichten!) „zwangsgepreßten“ Fußvolk, das die ewigen Schikanen des praktizierten „Führerprinzips“ recht bald bis oben hin satt hatte und die „Bonzenwirtschaft“ verabscheute. Solchen Leuten gegenüber empfand man den „inneren Reichsparteitag“.

  342. Irgendwie bin ich da wohl in der falschen Generation…. ich habe diesen Ausdruck „innerer Reichsparteitag“ nicht gekannt, kam irgendwie in meinem Kontext noch nie vor…

  343. Bei so einer Geschichte haben die ach so lockeren Deutschen natürlich mal wieder ’nen Stock im Arsch! Unglaublich, sowas!
    Wie kann man nur so verklemmt sein? Diese Äußerung war nicht im geringsten Fremdenfeindlich oder Ähnliches!

  344. wenn ich könnte, würde ich hier nochmal einen link auf beitrag ’80 von peter viehrig setzen (und zwar alle 15 kommentare).

    in kürzerster form das thema auf den punkt gebracht. vielen dank. haben sie auch ein blog? :-)

  345. „um einen besonderen Triumph zu beschreiben“

    Hoffentlich nicht den Trumph des Willens *Duck*

    Man, sind doch nur Worte.

  346. Das einzig problematische an der Redewendung ist, daß hier das Wort „Reichsparteitag“ vorkommt. Wenn man natürlich nicht weiß, daß diese seinerzeit gerade von jenen geprägt und verwendet wurden, die dem System kritisch bis abweisend gegenüberstanden, aber es nie sagen durften/konnten, und somit eine späte Genugtuung im Inneren erfuhren/auslebten, wirkt das auf Unwissende erstmal irritierend.

    Mit etwas mehr Nachdenken wäre man von alleine darauf gekommen, worauf sich diese Redewendung bezieht, auch wenn sie im Kontext mit Sport mißverständlich war. Man hätte die Gefühle, die Klose wohl in dem Moment hatte, auch anders beschreiben können, aber KHM wollte sich kurzfassen und da fiel ihr diese im Kern zutreffende Redewendung ein.

  347. PS: Ich habe eine Bekannte aus Süddeutschland, die diesen Terminus auch ab und an benutzt. Zugegeben, etwas merkwürdig wirkt das schon, wenn einem der nicht geläufig ist. Trotzdem bleibe ich bei meiner letzten Aussage. Schlimmer sind entsprechende Überzeugungen in Floskeln verpackt.

  348. Da geht man einmal früh zu bett und guckt erst 24h später wieder hier vorbei und hat auf einmal die ganze aufregung verpasst.

    wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich mich wirklich fragen, ob es im staate dänemark, äh deutschland nichts wirklich wichtiges gibt, über das es sich aufzuregen lohnt – ich sach nur aktuelle „politik“ oder was uns als solche verkauft wird. aber das gehört nicht hierher.

    @SN: danke für den artikel, der sehr treffend aus dieser im internet aufgeblähten bubble die luft läßt.

  349. Künstliche Aufregung um ein seltenes Sprichwort mit ambiguitären Referenzen.

    Und später redet man dann von „Überfremdung“ und „Islamophobie“ und denkt sich nichts bei. Grandios.

  350. Stefan Niggemeier ist auch nichts rechts zu machen. Da empört sich die „Welt“ im vorauseilenden Gehorsam schon vor ihm und dann ist es auch nicht in Ordnung. :-) ROFL

  351. Da hatten die ganzen Empörten also ihre inneren Reichsparteitage – endlich wieder die Nazikeule schwingen.
    Mir sind „innerer Reichsparteitag“ und „innerer Vorbeimarsch“ auch geläufig. (ich komme aus Mecklenburg)

  352. 466:

    Das kommt dabei heraus, wenn Sportredakteure sich zu Höherem berufen fühlen. Allein schon diese Wortwahl! Wolfgang Hettfleisch täte wohl besser daran, sich um den Regionalsport zu kümmern. Meine Güte, die FR war doch früher mal ein so gutes Blatt…

  353. Der FR Artikel ( Link aus #466 ) sagt’s doch besonders schön: Die Wortwahl erschüttert nur ( oder zumindest insbesondere ) Journalisten. Von einem Nichtausgebildeten könne man hier keine Erschütterung erwarten.

    Für wen schreiben Journalisten nochmal Artikel? Für andere Journalisten?

    Es ist doch nichts anderes als das Eingeständnis, dass es Worte gibt, die man öffentlich nicht einfach so äußern sollte. Wenn man journalistisch gebildet ist zumindest. Denn dann weiß man doch, was die Kollegen draus machen!

    Man könnte natürlich auch überlegen, ob es an den Journalisten liegt und nicht an der Wortwahl…

  354. Viel Arbeit für das Schiedsrichtergespann. Der Mann im olivgrünen Trikot macht wenig Gebrauch von der Pfeife. Ein schnelles, insgesamt faires Spiel über rechts. 466 Kommentare in der ersten Halbzeit. Das ist rekordverdächtig. Nur zwei gelbe Karten, noch keine Platzverweise. Kurzspaßspiel, wenig Torraumszenen. Wir freuen uns auf die zweite Halbzeit. So kann Deutschland Weltmeister werden.

  355. Ganz großer Sport bei der Süddeutschen.
    Zunächst erklärt Jürgen Schmieder den Lesern, was ein Reichsparteitag ist (auf die Idee, dass der Ausdruck „innerer R.“ etwas anderes bedeuten könnte, kam er nicht)

    http://www.sueddeutsche.de/sport/tv-ereignis-wm-zdf-troeten-und-unsaegliche-vergleiche-1.958744

    dann folgt Lars Langenau und kommentiert:

    „Im Netz gab es Proteste – doch die Kirche sollte im Dorf bleiben.“

    Als ob es nur im Netz Fehldeutungen gegeben hätte. Langenau selbst offenbart sein völliges Unwissen:

    „Reichsparteitage der NSDAP waren Propagandaveranstaltungen für Adolf Hitler. Nach 1933 wurden sie mehrtägig in Nürnberg mit jeweils mehr als einer halben Million Teilnehmern abgehalten. Ganz pragmatisch, wie und was soll also soll ein „innerer Reichsparteitag“ sein?

    Hier sind wohl eher die Gäule mit der Moderatorin durchgegangen. Oder hatte sie doch eher eine ironische Distanzierung, die ja im Freundeskreis durchaus geläufig und ohne Widerspruch verwendet wird, einem Millionenpublikum nicht vorenthalten wollen?“

    Das also der Kommentar zu Sache im Internetableger einer deutschen Qualitätszeitung. Der Mann ist dort nicht etwa Praktikant. Der ist dort Chef vom Dienst. Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Der Beruf Journalist geht vor die Hunde.

  356. Ich habe mir heute morgen auch gedacht, daß ich abends vielleicht noch einmal kurz reinschaue und etwas hinzufüge.

    Und nun solch eine Lawine von Kommentaren zu einem Beitrag, der eigentlich nur aufzeigt, wie schnell manche Medien in der BRD (vulgo: Deutschland) bei bestimmten Begriffen hyperventilieren.

    Gerade weil es schon so viele Kommentare (hier & anderswo) dazu gab, nun auch von mir virtuelle 10 Eurocents:

    1. Danke, Stefan! MMn wäre ohne deine Einordnung diese Geschichte auf ewig ein Trauerspiel der „medienkritischen“ Berichterstattung geblieben, wenn Du nicht einen Finger in die wunde Stelle gebohrt hättest.
    Reflexion & Recherche zum Thema wären mal wieder ausgeblieben – ich bin gespannt, wer in den nächsten Tagen noch alles zurückrudert ;-)

    2. Herzlichen Dank an #67 Stefan: „hitlerventilieren“ ist für mich die beste deutsche Umschreibung von Godwin’s Law und sollte mMn „Wort des Jahres“ werden.

    3. Für die Statistik: Mir ist der Ausdruck „innerer Reichsparteitag“ im Sinne der Erklärung von #150 Apunkt seit 1977 geläufig – ein bremischer Widerstandskämpfer gegen den Faschismus hat ihn mir damals erklärt (nebst weiterer Kleinigkeiten aus meiner Familiengeschichte).

    Eins noch:
    Wie wenige andere hier möchte auch ich Euch auch darum bitten, eure Energie nicht an Marginalien zu verschwenden – die grössere Herausforderung wartet wirklich häufig in der nächsten U-Bahn!

  357. Bleibt eigentlich nur noch ein herzlicher Glückwunsch zum Medien-Coup an Mr. Niggemeier, manchmal spült das Netz tatsächlich die Goldnuggets frei.

    Danke für den Artikel!

  358. das problem ist meines erachtens nicht die redewendung „innerer reichsparteitag“ – denn eine redewendung ist der ausdruck absolut -, sondern daß frau m.h. nicht im entferntesten die bedeutung des terminus ermessen kann. ein reichsparteitag war schlicht eine bombastische, propagandistische demonstration von geschlossenem volkswillen, der durch die partei (in diesem fall die nsdap – erstaunlich ähnliches fand aber auch im zeitgenössischen italien statt) repräsentiert und zur vollführung gebracht wurde.

    die sich aufdrängende frage ist: ist ernsthaft anzunehmen, daß DIES oder ähnliches wirklich in klose vorging?

    das problem ist einfach, daß das zdf wirklich kein kompetentes personal hat – in so gut wie keinem bereich!

  359. Es ist dennoch erstaunlich, was eine Redewendung doch alles auslösen kann und wie fleißig ein paar Journalisten sich damit hervortun, eine Redewendung komplett sinnzuentstellen. So geht die gezielte Volksverdummungsmaschinerie weiter.

  360. Und nachdem ich mir das jetzt in weiten Teilen durchgelesen habe: Und selbst wenn sie den Bezug haette herstellen wollen. Na und? Bei was stoert denn die blosse Erwaehnung? Beim erfolgreichen Totschweigen und Verdraengen der Geschichte? Bloss nicht das schlimme Wort erwaehen, es koennte sich einer dran erinnern? Kommt dann der boese Mann wieder aus der Kiste? Dieser heuchlerische, symbolische Antifaschismus der deutschen Intellektuellen ist einfach nur erbaermlich.

    Die Ironie dabei ist, dass das eigentlich genau die Verhaltensweise ist, die man von jemandem mit einem schlechten Gewissen erwarten wuerde, der Leichen im Keller hat die da bitte auch bleiben sollen. Jeder der darueber spricht wird erbarmungslos gehetzt, weil er mit seiner blossen Erwaehnung verhindert, dass endlich das ersehnte Gras ueber die Sache waechst.

    Ihr habt mit Eurer feigen Art, mit Euren ritualisierten Schuldeingestaendnissen, Euren Rede- und Denkverboten eine Mitverantwortung fuer jeden jungen Menschen, der in diesen brauen Sumpf heute noch abgleitet.

  361. Nochmal für alle, die es immer noch nicht begriffen haben:
    Der „INNERE Reichsparteitag“ war eine symbolische Schöpfung all jener, die sich innerlich gegen die NS-Regierung wandten und auf diese Weise ihre persönliche Genugtuung im Stillen auslebten, da eine offene Artikulierung mit persönlichen Risiken verbunden war.

    Bezogen auf Klose:
    Bei Bayern war er praktisch nur noch zweite Wahl und konnte sich somit im Gegensatz zu den anderen Stürmern der Nationalmannschaft kaum empfehlen und stand durch das Vetrauen, welches Löw in ihn setzte, ziemlich unter Druck. Ich hätte ohnehin auf Klose gesetzt, da er sich in der Nationalmannschaft, ebenso wie Podolski, wohler fühlt. Dieses Tor war eine Erlösung oder innere Befreiung. Ob man das nun mit einem „inneren Reichsparteitag“ vergleichen muß, ist eine Frage der Perspektive. Vermutlich wählte Frau Müller-Hohenstein diese Formulierung, weil Klose auch in der Öffentlichkeit bereits abgeschrieben war, wenn man an die Saisonleistungen eines Gomez, Cacau oder Kießling (oder auch Kuranyi) denkt.

  362. Die werden ja niedergemetzelt wie die Juden von Hitler…. Auch nu so ein Vergleich aber wenn das nun weitere 10 Leute nutzen kopieen, kann der 11. sagen, aber die 10 anderen habens ja schon gesagt und die Welt ist ok :)

  363. Mike55, es ist schon spät, Sie hatten einen Tag lang Zeit, sich in das Ganze einzulesen und sich eine Meinung zu bilden. Und mehr ist dabei nicht herausgekommen? Wie sehr ihr Vergleich hinkt, hätten Sie schon an diversen Beiträgen in diesem Thread bemerken können. Aber das hätte Neugier und Lesefreudigkeit vorausgesetzt.

  364. Herrje, ich kenne in meinem Bekanntenkreis unterschiedlichste Leute, die die Redewendung schon verwendet haben. Das erste Mal gehört hab ich das von einem Italiener (jaja, ich weiß, Mussolini lässt grüßen).

    Neues Deutschtum ist wohl, ständig mit erhobenem Zeigefinger herum zu laufen und auf andere zu zeigen. Nur so fühlt sich das Volk wohl.

  365. zu 485:
    Völlig richtig. Der Witz daran ist (obwohl es eigentlich nicht witzig ist) das Totschweigen und damit Verhinderung einer vernünftigen Aufarbeitung. Da muß sich doch jeder in der heutigen Zeit lebende junge Mensch denken: „Komisch, wenn man darüber nichtmal reden darf, muß es ja einen Grund haben. Das deutsche Volk soll 15 Jahre (1918 – 1933) also ausgerechnet auf so einem Despoten gewartet haben, nachdem die Notverordnungsregierungen der Weimarer Republik die Probleme nicht lösen konnten?“ So einfach kann man sich das nicht machen.

    Jetzt haben die Herrschenden wieder eine höllische Angst davor, um vom eigenen Versagen abzulenken. Man kann die zwölf Hitler-Jahre nicht einfach auslöschen wollen, schon gar nicht mit Denkverboten. Das nimmt inzwischen hysterisch-diktarorische Ausmaße an.

  366. Dieses ganze Rabääh resultiert doch einfach aus der unterschiedlichen Wahrnehmung derer, die diese „Redewendung“ kennen und sich allenfalls darüber amüsieren, dass sie ein wenig unfreiwillig den Weg ins Fernsehen gefunden hat, und derer, die sie eben nicht kennen und sich zu Recht wundern, wie einem ausgerechnet mitten in einer Fußballübertragung ein Wort wie Reichsparteitag in den Sinn kommen kann.

  367. @494

    Seit Stunden begebe ich mich des unverdienten Schlafs und lese hier die Kommentare, wobei ich zwischen Hoffnungslosigkeit („Daß ich diese Redewendung nicht kannte, kann man mir nicht vorwerfen, aber obwohl ich sie nicht kannte und somit nicht einordnen und bewerten kann, empöre ich mich darüber und erlaube mir ein Urteil.“) und doch immer mal wieder Hoffnung (#150 u.ä.) schwanke. Und dann klickte ich zum Abschluß noch auf den Link zu Clemens Heni und wunderte mich über das komische Geräusch. Das war keine Vuvuzela. Das war das Wimmern, das sich meiner Kehle entrang.

    Gute Nacht.

  368. Musste schmunzeln, als KMH den „inneren Reichsparteitag“ zitiert hat. Habe einen guten Freund, der diese Formulierung des öfteren ironisch gebraucht (übrigens wie ich Historiker, schreibt gerade an seiner Doktorarbeit), und auch ich habe den IR sicher schon das eine oder andere Mal augenzwinkernd verwendet.

    Mir war allerdings sofort klar, dass diese Formulierung vor einem Millionenpublikum höchst problematisch ist und die Ärmste sich am Montag einiges anhören müssen würde. In ihrer Situation hätte ich ganz gewiss einen anderen Vergleich gewählt.

    Der Sturm der Entrüstung in Netz und Medien ist allerdings tatsächlich peinlich, insofern 100% Zustimmung zu SNs Artikel.

    Verdutzt bin ich, dass so viele Menschen diese Redewendung nicht kennen. Ich sehe sie vielleicht nicht als „alltäglich“, so aber doch als recht geläufig an – etwa vergleichbar mit dem Bekanntheitsgrad einer 300-Euro-Frage bei Jauchs WWM.

  369. Vielleicht bin ich hier ja im falschen Blog oder beim verkehrten Thema (bleibt mal locker, sind doch nur Worte, lasst uns lieber Fußball kucken usw), denn selbstverständlich geht es nicht um das Verbieten von irgendwelchen Worten. Ganz im Gegenteil ist es doch sehr erfreulich, mitanhören zu können, wenn sich dann und wann spontan die Gefühlswelt (vermutete riesige Freude bei Klose) mit den damit verknüpften Sprachbildern (Reichsparteitag) den Weg durch die gepflegte Maske des liberalen Bildungsbürgers bahnt.

    Ein weiterer Hinweis auf den angeblich wesentlichen Unterschied zum „inneren“ ist nicht notwendig, da es mir nicht auf exakte Geschichtsbezogenheit ankommt, sondern auf die Wirkung beim Empfangenden, in diesem Fall Zigtausenden.

    Natürlich geht es auch nicht um Nazis, Nationalsozialismus oder braune Uniformen.
    Sondern um einen sich immer mehr etablierenden militanten Tonfall gegenüber einer immer verunsicherteren Bevölkerung. Ein Zeichen des sich wieder ins Licht wagenden Faschismus.
    Ich will dieses Beispiel auch nicht überdramatisieren, da gibts fast täglich Bedrohlicheres. Aber das massige Interesse gibt eine gute Plattform zur Sensibilisierung.
    Deswegen finde ich den Protest mindestens angemessen und Einwürfe wie ß>ss, Autobahn, Tabellenführer u.ä. aus meiner Perspektive problemverschleiernd und kontraproduktiv. Nebelkerzen.

    Vielleicht kommen die Sturmtruppen ja nächstes Mal in schwarzen Uniformen; die Führer in Designerklamotten; nennen sich Neoliberal und versprechen uns die Rettung aus der Krise, wenn wir ihnen die Macht dazu verleihen.

    Aber wenn ihr der Meinung seid, das sei VT und überhaupt OT und lieber so wichtigen Tätigkeiten frönt wie in der Glotze anderen Leuten beim Ballspielen zuzukucken und womöglich auch den nationalen Charakter als spannendes Element begreift, dann lasst es mich wissen.

    Es gibt nämlich wirklich Wichtigeres zu tun als auf Ignoranten einzureden.

  370. Sehr geehrter Herr Niggemeier,

    eine erstaunliche Resonanz, nicht wahr? 497 Kommentare, bisher…
    einfach nur ein Lapsus ? Medienprofi ??? – meine nicht Sie, sondern sie.
    Natürlich kann man vieles an Dummheit klein oder groß reden bzw. schreiben.
    Denken Sie doch mal an andere dumme Sprüche in unserer modernen Medien- u. Sprach(un)kultur, wie: „Blockbuster“ …oder
    „dann ist Ende – Allende“…usw.
    Für Unprofessionalität und Dummheit – Rechtfertigung?
    Einfach nur peinlich + Zeitgeist.

    Good bye Deutschland
    Guten Einkauf Deutsche Land

  371. sehr hübsch wolfgang höbel auf SPON: „es wäre uns ein innerer kindergeburtstag“. schönes schlusswort.

  372. Meine lieben ehemaligen Mitbuerger, wenn ich aus meiner sicheren Distanz auf der anderen Seite der Welt beobachte wie bescheuert sich das Volk (ups!) selbst demontiert, wie leichtfertig es zugelassen wird dass man mit kuenstlichen Skandaelchen von tatsaechlichen Problemen abgelenkt wird und das diese beschissene, fanatische Besserwissernation nichts, aber auch garnichts gelernt hat … Leute, ich bin so froh dass ich mir nicht mehr mein Leben mit solchen ‚Arschkrampen‘ vorbeten lassen muss.

    Ihr seid alle Nazis ihr armseligen Gutmenschen, und zwar Meinungsnazis. Schlimmer als Hitler.

  373. @mosley/#457

    Vielen Dank für die Blumen!

    Unter jedem Kommentar hier findet man, so man will, den Namen bzw. das Pseudonym, mit dem hier jemand kommentiert, sowie rechts daneben (Welch schändliche sprachliche Entgleisung, nicht wahr?) die Uhrzeit nebst einer Raute, unter der sich wiederum der Link zum jeweiligen Kommentar verbirgt. Zugegeben, arg verborgen.

    Vielleicht sollte man die Raute durch das Wort „Link“ ersetzen, was nun aber ebenfalls politisch unkorrekt wäre, da es zumindest von jenen mißverstanden werden kann, die noch nie das Wort Link gehört haben. Von einem der führenden Blogger Deutschlands muß ich erwarten können, daß ihm eine solche mögliche Mißdeutung bewußt ist und sie durch Wortvermeidung zu verhindern weiß! So bleibt also nur die schleichende Militarisierung der Leserschaft durch militaristische, deutschnationale Symbole. Denn es gilt natürlich genauso eine schleichende Anfütterung der Leser mit dem Gedankengut alter SED-Garden zu verhindern. Hm.

    Wie wir nun wissen, ist es Aufgabe des Senders, ein Mißverständnis des Empfängers dadurch auszuschließen, daß man etwas nicht sagt, schreibt oder, noch besser, denkt. Man darf nicht erwarten, daß jemand, der etwas nicht weiß, seine Bildungslücke durch eigene Initiative schließt. Und erst recht nicht, daß er von anderen, die sie bereits geschlossen haben, schließen läßt! Es ist von der Fehlinterpretation auszugehen. Auch eigene Reflexion ist als Option kategorisch auszuschließen!

    Haben Sie mich jetzt mißverstanden? :-)

    Ihren Kommentar findet man also hier.

    Was Sie nun mit diesem Mißverständnis anfangen, sei Ihnen freigestellt.

    Und noch am Rande Ihre Anspielung aufgreifend: Ja, ich hatte vergleichbare Debatten wegen der Frakturschrift, das Ergebnis dieser haben Sie ja offenbar gesehen. ;-)

  374. Ich hab den Beweis in der Schwatzipedia gefunden:
    „Innerer Reichsparteitag“

    Dieser Begriff wurde von KMH (Name unkenntlich gemacht) im Rahmen der Weltmeisterschaft 2010 geprägt. Schon durch ihre Initialen in der Nähe des braunen Sumpfes (K. _M_ag _H_itler), nutzte sie die Gelegenheit, auf subtile Weise ihre Sympathien deutlich und den Nationalsozialismus wieder hoffähig zu machen.

    Gerade in einer Zeit, in der die Deutschen glaubten, dieses dunkle Kapitel wäre überwunden und das einzig dunkle, das den voranstürmenden Deutschen noch schaden könnte, wären die Bewohner eines kleinen Landes am unteren Ende des ehemaligen Kolonialkontinents, geschah diese Ungeheuerlichkeit.

    Bereits früh trat sie dem ZDF bei, und nur wer alle Augen verschließt und keinerlei Geschichtskenntnis besitzt, erkennt darin nicht die subtilen Verweise und die Verherrlichung des zweiten Weltkriegs und des Deutschtums (beim Fernsehen gehen wir davon aus, dass es sich nur um Ablenkung handelt).

    Exakt nachdem am 13.06.2010 die erste Halbzeit beendet war, schoß KHM zurück und leitete quasi die zweite Halbzeit ein, indem sie den obigen Begriff erfand und ihn brutal gegen einen unschuldigen Jüngling mit polnischen Wurzeln einsetzte, der angeblich zuerst geschossen hatte.

    Hier muss man nun wirklich völlig der Realität entrückt sein, wenn man die Parallelen nicht erkennen will.

    Wir fordern deshalb alle auf: Beteiligen Sie sich an der Aufregung. Schmähen Sie Leute, die solch unverzeihlich Böses tun. Nur so kann der braune Mob zurückgehalten werden. Die Keimzelle eines jeden Nazis liegt genau in solchen subtilen Aufhetzungen begründet.

    Wenn Sie sich an dieser Hetze beteiligen, sind Sie Ihrer Bürgerpflicht nachgekommen. Sollte Ihnen im realen Leben dann doch mal ein Nazi begegnen, können Sie sich ruhigen Gewissens klein machen und ihn gewähren lassen – Sie haben ja bereits Ihren Beitrag gegen den Nationalsozialismus geleistet.

    Armes Deutschland!

    [Randbemerkung des Authors: Sie haben keine Ironie erkannt? Lassen Sie sich untersuchen!]

  375. Antwort auf einen Leserbrief:

    Wir können Ihre Kritik an der Äußerung Katrin Müller-Hohensteins durchaus nachvollziehen und verstehen. Durch die Zusammenarbeit mit unserer Moderatorin möchten wir Ihnen darüber hinaus aber auch versichern, dass sie niemals die Absicht hat, die Gefühle von gleich welchen Bevölkerungsgruppen zu verletzen.
    Auf der anderen Seite basiert die hohe Beliebtheit von Katrin Müller-Hohenstein als Moderatorin beim Fußball gerade eben auf ihrer Spontaneität und ihrer Schlagfertigkeit.

    Deshalb möchten wir Sie bitten, der besonderen Situation in einer Live-Sendung Verständnis entgegenzubringen, die jeden Moderator in ganz außergewöhnlicher Art und Weise fordert. Wir meinen, dass man da nicht jedes einzelne Wort auf die Goldwaage legen sollte. Selbstverständlich haben wir Katrin Müller-Hohenstein und die Sportredaktion über Ihren berechtigten Hinweis aber bereits informiert.

    Wir hoffen, dass Sie uns auch in Zukunft als Zuschauer gewogen bleiben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Hawig
    ZDF-Zuschauerredaktion

  376. @ 505, klammerbeutel: Muhaha, danke, jetzt ist wirklich alles gesagt zum Thema – you made my day…

  377. Das Schlimme an einigen Kommentaroren: Sie suhlen sich noch in ihrer Unwissenheit und werfen den (sogenannten) „Wissenden“ vor, mehr zu wissen, als sie selber. Statt ihre Unkenntnis jedoch abzubauen, beharren sie auf ihrer Lesart, um sich dann über etwas, was sie gar nicht verstanden haben (und dies auch noch zugeben) empören.

    Das ist letztlich das Prinzip der Beweislastumkehr: Weil ich etwas nicht weiss, sind diejenigen „Schuld“, die mehr wissen als ich und einen solchen Begriff in einen Kontext setzen können. Da man sich jedoch vermeintlich auf der „richtigen Seite“ wähnt (Antifa und so), ist eine Belebung des eigenen Horizonts gar nicht nötig.

    Interessant ist der Kommentar #431 von fg: Tatsächlich nimmt das Stammtischvokabular gerade in der Fußballkommentierung zu. In der ARD wird das in „Waldis WM-Club“ ausgelagert; das ZDF hat ein solches Ventil derzeit nicht.

  378. @508 Gregor Keuschnig: Lesen Sie #505 – es ist noch viel schlimmer, als Sie denken. Eine gute Begründung für die Schlimmhaftigkeit des Begriffs lesen Sie übrigens in #341: „Es ist einfach so“. Wer braucht da noch eine Beweislastumkehr?

    @509 Lutz: Und ich hatte so gehofft, dass die Welt mich nicht mehr braucht, nachdem KD seinen Blog beendet hat ;-).

    @504 Peter Viehrig bzw. alle die es wissen: Wie setzt man Links auf andere Kommentare? Wird die Syntax hier irgendwo erklärt?

  379. @klammerbeutel

    Die einfachste Variante ist folgende:

    1. Rechtsklick auf die jeweilige Raute eines Kommentars

    2. Auf „Linkadresse kopieren“ klicken (Firefox, die genaue Formulierung hängt vom jeweiligen Browser ab, sollte sich aber dem Sinne nach erschließen, also ähnlich lauten)

    3. Unten ins Kommentarfeld wieder ein Rechtsklick und „Einfügen“ wählen. Es wird der komplette Kommentarlink eingefügt.

    Wenn Sie es schöner machen wollen, schauen Sie mal hier.

  380. also wenn ich bei twitter angemeldet wäre,würde mich spätestens jetzt dort abmelden.so einem dämlichen mob würde ich nich angehören wollen….

    kann sich noch jemand an den schlag den raab kandidaten hans-martin erinnern?daran musste ich zuerst denken,als ich von dieser dümmlichen empörung über „innerer reichsparteitag“ gelesen habe.

    *facepalm*

  381. Hallo, Ihr Supermoralischen. Wie kriegt Ihr es eigentlich hin, noch fröhlich vor euch hinzuleben, wenn euch eine Redewendung schon so aufregt. Es sterben jedes Jahr Menschen durch Krieg, Hunger, Folter, Verfolgung usw.. Höschstwahrscheinlich seid Ihr alle in psychatrischer Behandlung, um diese schreckliche Realität überhaupt noch verkraften zu können. Nutzt endlich Eure Energie, um gegen so was anzukämpfen. Mein Gott, was sollen bloß andere Länder von uns denken, wenn sie diese Diskussion mitbekommen.

  382. Du liebe Zeit, was ist denn hier los – vor allem diejenigen Kommentare, die Herrn Niggemeier aufgrund seines sehr richtigen (und erstaunlicherweise anscheinend auch dringend nötigen) Blogeintrags allen Ernstes eine unterbewusst braune Gesinnung unterstellen, sind so weit jenseits von gut und böse, dass mir erhebliche Zweifel kommen, ob deren Verfasser in der Lage sind, morgens ohne fremde Hilfe das Hemd zweifelsfrei von der Hose zu unterscheiden.

    Leute, die Frau hat weder irgendetwas verharmlost, noch jemanden beleidigt – von rechter Propaganda oder sonstigen menschenverachtenden Äußerungen fehlte da auch jede Spur. Die ganze Aufregung jetzt wirklich nur, weil sie einen ziemlich veralteten Ausdruck benutzt hat, in dem das Wort „Reichstag“ drin vorkommt?

    Das tut doch schon weh…

  383. Warum das jetzt so ein Aufreger ist?
    Weil es die Tendenz konterkariert die Schwarz-Gold-Geile Euphorie der Dumpfseeligen als von der Geschichte, die diesen Staat prägt, lösen zu wollen. Das „Sommermärchen“, in welchem „man“ der Welt beweisen konnte, endlich eine andere Nation als früher zu sein und nun endlich unverkrampft mit der eigenen Geschichte umgehen zu können wird dank eines sprachlichen (ja nennen wir es doch ruhig so) „Faux-Pas“ untergraben.
    Niemand will der Dame Nazi-tümelei unterstellen, vielleicht viel eher eine dümmliche Gedankenlosigkeit (und das Sprichwort vom „inneren Reichsparteitag“ relativieren zu wollen, ist, pardon, lächerlich!). Aber es ist dann wohl vor allem auch eine Genugtuung für all jene, die sich nicht abfinden können mit dem „Schlussstrich“ unter der Geschichte, die es schrecklich finden, dass am 9. November medial eher dem Mauerfall bedacht wird, all jenen also, die denken, 65 Jahre sind in der weltgeschichtlichen Retrospektive betrachtet ein Wimpernschlag. Sprache konstruiert Wirklichkeit, das sollten sich Medienberichterstatter durchaus gerne mal wieder ins Gewissen rufen ;)

  384. @517 Kim Todzi: Wenn die vermeintliche Unverkrampftheit im Umgang mit der eigenen Geschichte schon durch die Äußerung „innerer Reichsparteitag“ untergraben wird, scheint es mir nicht sehr weiter her zu sein damit.

    Mich würde besonders interessieren, welche Wirklichkeit Sie durch die Aussprache von „innerer Reichsparteitag“ konstruiert sehen: Außer der Tatsache, dass jetzt viele die Gelgenheit nutzen, relativ gefahrlos und gut fürs eigene Gewissen in die ‚Vorsicht Nazi‘-Vuvuzela zu blasen, sehe ich keine Änderung der Realität.

  385. Eigentlich ist es doch ganz einfach: Hätte diesen Begriff ein deutscher Außenminister bei einem Staatsbesuch in Israel verwenden können? Hätte die Kanzlerin einen Vertragsabschluss mit dem polnischen Präsidenten auf diese Weise kommentieren können?
    Ich denke nicht.
    Also sollte sich eine ZDF-Moderatorin so eine Formulierung auch sparen.

  386. @519 Thor: Sie setzen ernsthaft den Staatsbesuch eines deutschen Außenministers in Israel bzw. einen Vertragsabschluss zwischen Kanzlerin und polnischem Präsidenten auf eine Ebene mit dem öffentlich-rechtlichen Halbzeittalk bei einem Fußballspiel?

    Haben Sie jetzt so eine schlechte Meinung von der deutschen Politik oder so eine hohe Meinung vom zweiten deutschen Fernsehen? Egal wie, ich glaube, bei dieser Erwartungshaltung muss irgendwann bei ersterem oder zweiterem ein Fehler passieren.

  387. Fragt sich nur, was eine hier und anderswo eingewandte „Persiflierung des bombastischen Nazi-Jargons“ (WELT Online) in der Kommentierung eines Fussball-Länderspiels zu suchen gehabt hätte, wenn der Begriff „innerer Reichsparteitag“ denn tatsächlich so gemeint gewesen wäre. Wer sollen hier die Nazis gewesen sein, die persifliert wurden? Etwa die Australier? Oder Kloses Kritiker? Das passt leider alles nicht zusammen. Die Verwendung des Begriffs stimmte hinten und vorne nicht. Entscheidend ist nicht, welche Bedeutung eine Redewendung ursprünglich und historisch hatte, sondern wie, mit welcher Aussage, Stimmung, Bedeutung der Benutzer sie aktuell verwendet. Die Redewendung hat zweierlei Bedeutungen und wird auch in diesen verschiedenen Bedeutungen verwendet: Einmal in der historischen persiflierenden Bedeutung, aber auch in der klammheimlichen, witzigen Bejahung von RPT. Da die Persiflierung von Nazijargon in der Kommentierung eines Fussballspiels völlig sinnlos und deplatziert ist, kann der Begriff hier nur affirmativ im Sinne der witzelnden Bejahung von Reichsparteitagen gemeint gewesen sein: Die Reporterin meinte sinngemäß, Kloses Genugtuung über seine Kritiker angesichts seines Tores hätte innerlich Ausmasse eines Reichsparteitages gehabt..Wie hätte es auch sonst gemeint gewesen sein sollen? Ein Lapsus, der keiner großen Rede wert wäre, wenn nicht alle drüber redeten – den man aber auch nicht auf diese Weise schönreden und verbrämen sollte.
    Ich selbst hatte mich während des Kommentars garnicht groß dran gestoßen, sondern mich nur kurz gewundert. Das große Echo zeigt, wie heiß solche Sprachregelungen immer noch gegessen werden. Meiner Meinung nicht ganz zu Unrecht, gerade bei einer leicht ins Nationalistische kippenden nationalen Angelegenheit wie Fussball.

  388. Also, ich halte es schon für problematisch, wenn eine Fernsehjournalistin vor besonders großem Millionenpublikum eine solche NS-Zeit-verniedlichende und -gesellschaftsfähig-machende Redewendung vom stramm rechten Stammtisch benutzt. Tut mir leid.
    Aber wie auch immer: (Fernseh)-ARBEIT MACHT (halt) FREI!

  389. Ich will gar nicht so weit ausholen, wie es vermutlich notwendig wäre und erwähne deshalb nur den naheliegensten Punkt. Der Fußballpatriotismus wurde (insbesondere seit dem so oft zitierten „Sommermärchen“) gerne als Beweis dafür genommen, dass „Deutschland, Deutschland“ gröhlende Massen in keine Weise auch nur annähernd irgendetwas mit den „Deutschland den Deutschen“ gröhlenden Massen gemein hätten. Frau Müller-Hohenstein zeigt nun unfreiwillig auf, dass die Realität sich nun doch etwas anders darstellt; die historische Kontinuität ist sprachlich festgehalten (wohlgemerkt, ich unterstelle hier niemanden wirklich nazi-ideologisches Gedankengut). Das passt vielleicht den Imagekampagnen („Du bist Deutschland“) nicht so richtig in den Kram, aber es ist die Wirklichkeit. Mein letzter Satz bezog sich dementsprechend auch auf den sensiblen Umgang mit Sprache, den ich von Medienvertretern erwarte (und da war Herr Réthy tatsächlich schlimmer). Ich will auch gar nichts skandalisieren. Aber sich darüber wundern oder über die Presse aufregen, die sich auf dieses Spektakelchen stürzen kann, braucht man wirklich nicht.

  390. @519 Jetzt wird aber der Hund in der Pfanne verrückt! Seit wann, werter ThOrwell, vertritt eine Sportkommentatorin in einer Diskussionsrunde einer öffentlich-rechtlichen Anstalt (ZDF) die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des 1945 (mit vollem Recht) untergegangenen Deutschen Reiches?? Das ZDF ist KEIN Staatsfernsehen – das hätten Koch und Konsorten wohl gern: Sprachregelung nach historischer Gutsherrenart, „was das Volk reden darf, bestimmen wir“.

  391. @520
    Sprachlich auf jeden Fall. Entweder ist ein Begriff problemlos überall verwendbar oder eben nicht. Und die „eben-nicht-Begriffe“ sollte eine Fußballfernsehmoderatorin ebensowenig verwenden wie z. B. die Tagesschauredaktion und ihre Nachrichtensprecher.

  392. … und wenn jemand sagt, das sei nicht vom stramm rechten Stammtisch, sondern eine allgemein übliche Redewendung, dann finde ich es um so (nach)fragwürdiger.

  393. Stefan, tu doch was. Schreib was über Lena, oder Flausch oder so. Ich muss den ganzen Unfug doch lesen…

  394. Thor hat in 519 recht! Sie sitzt ja nicht am Fußballer-Stammtisch mit 5 oder 6 Leuten, sondern hat ein Millionen-Publikum mit vielen Kindern sogar, die davon lernen, dass Reichsparteitage offenbar etwas ganz besonders Tolles waren!

  395. Jeder regt sich doch zur Zeit über unsere Regierung auf und kann es gar nicht kapieren, wieso dort so viel Mist verzapft wird, Unsinn geredet wird und die sich sogar gegenseitig beschimpfen. Man sagt ja immer, eine demokratische Regierung spiegelt immer das Volk wieder. Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient, heißt es. Seit ich diese Diskussion hier verfolge, begreife ich diese Weisheiten besser.

  396. 529 (!) = ein Rekord?
    Ist der Fussball oder sind’s die „Nazis“ die hier so unheimlich viel Energie erregen und erzeugen? Oder beides, quasi gebündelt?

  397. @SvenR…was bistn du für einer? Dann schaff‘ doch den ganzen Blog-Scheiß ab, wenn du keinen „Unfug“ lesen willst, oder mach‘ wenigstens nicht mit!

  398. @523. Kim Todzi: Also ich persönlich rege mich weniger über die Presse auf als über die ganzen betroffenen Kommentatoren, die hier versuchen, den Eindruck zu vermitteln, dass KMH (ob absichtlich oder unabsichtlich) den Nationalsozialismus aufleben lässt.

    Wenn ich „innerer Reichsparteitag“ höre, finde ich Nazis weiterhin verachtenswert. Ich weiß nicht, was in den o.g. Kommentatoren vorgeht – finden sie Nazis toll, wenn KMH „innerer Reichsparteitag“ sagt? Oder hängen in deren Nachbarschaft jetzt plötzlich überall Hakenkreuzflaggen aus den Fenstern? Oder vermuten sie ernsthaft, irgendjemand würde zum Nazi wegen dieser Äußerung?

    Es gibt (meines Erachtens) nach dieser Äußerung nicht mehr Nazis und Nationalsozialismus als vorher (bzw. die Äußerung wird meines Erachtens keinen signifikanten Einfluss darauf haben). Allerdings wird hier eine Angst vor angeblich überall verborgenem Nationalsozialismus geschürt, was im Netz zu großem Tamtam führt – und wenn es dann mal gilt, auf der Straße einem Nazi entgegen zu treten, scheißen sich viele in die Hose.

    Und wenn auch Sie in KMHs Äußerung ein sprachliches Festhalten an der Kontinuität der ‚“Deutschland den Deutschen” gröhlenden Massen‘ sehen, schlagen Sie in dieselbe Kerbe. Für mich (und glücklicherweise auch viele andere) hat der „innere Reichsparteitag“ nicht diese Bedeutung. Vielleicht haben wir es ja tatsächlich geschafft, unverkrampft mit unserer Geschichte umzugehen und trotzdem keine Nazis zu sein.

  399. @525 Thor: Die wenigsten Begriffe sind ‚problemlos überall verwendbar‘. Wenn das die Richtschnur ist, sind wir sprachlos. Und genau das sollte im Umgang mit Nazis vermieden werden.

  400. #klammerbeutel 534
    Häh? Die wenigsten Begriffe sind ‘problemlos überall verwendbar’? Würde ich genau umgekehrt sehen. 99,5 % der deutschen Sprache sind begrifflich (d.h. natürlich nicht unbedingt inhaltlich) problemlos überall, auch im ZDF verwendbar. Der Begriff Reichsparteitag gehört zum verschwindend kleinen Rest, wo Probleme entstehen könnten – erst recht in einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt bei einem Fussball-Länderspiel mit Zuschauerzahlen im zweistelligen Millionenbereich.

  401. Wir haben doch mittlerweile (fast) alle gelernt, dass „Innerer Reichstag“ eine ironische Brechung des Nazi-Jargons ist! Müsste das nicht eigentlich so eine Diskussion beenden???

  402. meine güte sind wir nazi-geschädigt… lasst uns alle alten autobahnen abreißen und nicht ein gebäude stehen lassen, dass zu reichs-zeiten gebaut wurde. NUR DANN sind wir sicher! und damit alle eventualitäten abgedeckt sind, gibt es ab sofort nur noch links, und anderslinks.

    angesichts solcher engstirnigkeit kann ich echt nur den kopf schütteln. mahlzeit.

  403. @510/klammerbeutel
    Das ZDF kann ja gar nicht anders, als irgendwie zu reagieren. Darin liegt ja gerade das perfide in diesen hochgezüchteten Entrüstungskampagnen: Man muss sich nachher – wie bei Loriot – für „irgendwas“ entschuldigen.

    Deutlich wird in diesem Fall: Die sogenannte „Internetgemeinde“ ist nicht einen Deut besser als die „gewöhnlichen Sterblichen“. Hier wie dort dominiert zu gegebener Zeit Rudelbildung gegen ein ausgegucktes Opfer. Fast könnte man meinen: Sie sind noch schlimmer, in dem sie zu Gunsten ihrer eigenen Profilierung bereitwillig skandalisieren. Da müssen sie nur von einem X-beliebigen Schreiber inspiriert werden und fast alle Dämme brechen. Unter diesem Blickwinkel ist das alles ziemlich interessant (und auch ziemlich ernüchternd).

  404. @Klammerbeutel
    Nein, diese Analogie („innerer Reichsparteitag“ = Festhalten an der „Deutschland den Deutschen“ Ideologie) ist ein Mißverständnis.
    Es geht auch viel weniger um die konkret nationalsozialistische Idee sondern um Nationalismus als Identitäts- und Abgrenzungsfigur.
    Ich glaube sehr wohl an eine Kontinuität von „Deutschland, Deutschland“ Gröhlern zu „Deutschland den Deutschen“ Gröhlern. Dass der „inneren Reichsparteitag“ jetzt eine Empörungswelle lostritt, ist mE aber eben auch darauf zurückzuführen, dass genau diese Kontinuität das ist, was es so verdammt schwer macht, „unverkrampft“ mit der eigenen (im Falle dieser jetzt skandalisierten Redewendung) verbrecherischen, faschistischen Vergangenheit umzugehen und dann „mit der Fahne voran“ zu marschieren.
    Und wenn Nationalismus das Thema ist (wie es dann während so einer Fußball-WM ist), kommt man an den Auswüchsen des Nationalismus, der sich in Deutschland eben in jener völkisch-nationalen Ideologie in Deutschland entlud, nicht vorbei. Und Frau Müller-Hohenstein dient dafür eben mal als Stichwortgeber.

  405. Kim Todzi

    „Ich glaube sehr wohl an eine Kontinuität von “Deutschland, Deutschland” Gröhlern zu “Deutschland den Deutschen” Gröhlern.“

    Ihr Glauben ist irrelevant. Welche Belege haben Sie? Gibt es dazu empirische Untersuchungen? Etwa eine Korrelation zwischen Fremdenfeindlichkeit und Fußballbegeisterung? Frau Müller-Hohenstein dient offenkundig als Stichwortgeber für ihr Glaubensbekenntnis.

  406. Der ganze Hype, den „Welt online“ da hervorgerufen hat, ist um ein vielfaches schlimmer, als die durchaus gängige Redewendung.
    Das Verhalten von ZDF ist peinlich

  407. @535. Lena Maldeites: Hätte ich bis Sonntagabend auch gedacht. Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass Sie zu fast jedem Begriff jemanden finden werden, der Ihnen (aus welchen Gründen auch immer) einen Nazistrick draus dreht.

    Sie sehen (kennen) zum Beispiel (521) im „inneren Reichsparteitag“ [nur] zwei Bedeutungen und unterstellen KMH die eine davon. Ich kenne den Begriff noch mit einer anderen Bedeutung (siehe oben), weiß also, dass Ihre Behauptung falsch ist.

    Dennoch gilt anscheinend immer der Bedeutungshorizont des Hörenden, nicht der des Sprechenden. Was (speziell beim Fernsehen) im Sinne der Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bedeutet: Nichts ist problemlos. Es gibt immer jemanden, der Sie missversteht.

  408. Bis 1945 ging der deutsche Untertan -zumindest in seiner Nachbetrachtung – in „innere Immigration“ weil er ja eigentlich Demokrat war .Nach 1945 bis 1968 war Verdrängung angesagt, Wirtschaftwunder und höchstens mal „innere Reichsparteitage“.Abgesehen vom Singen der 1.Strophe angesichts des WM-Titels 1954 natürlich.Nach 1968ff könnte man beides überwunden haben.Medialer Revisionismus, reduzierte Geschichtslehrpläne und das Ende des Sport-Journalismus zugunsten von Fußballverkäufern führen eben zu alltäglichen Orgien der Dummheit die auch im Zdf stattfinden .

  409. @526. Es ist nicht vom stramm rechten Stammtisch. Und damit sollten Sie sich sprachlich evtl. erst einmal eingehend beschäftigen. :-)

  410. Also ich kenne und nutze diesen begriff seit bestimmt 20 jahren und habe ihn bisher nur von links alternativen mitbürgern gehört, was wohl daran liegt, daß ich mich nicht mit nazis unterhalte. Mir kam nie in den sinn, daß man diesen spruch als verherrlichung der nazizeit oder der nsdap reichstage mißverstehen könnte. Es ist wirklich unfaßbar, wie hier reagiert wird und wirkt zumindest bei mir eher kontraproduktiv.

  411. An die, die hier immer noch unbedingt und um jeden Preis Nazijargon bei einem „Inneren Rechsparteitag“ sehen wollen: So aufrecht, wie ihr, kann man gar nicht stehen, wie ihr deutsch seid.

  412. in meinem freundeskreis sagt man zum beispiel „du bist schlimmer als adolf hitler“, wenn sich jemand eine totale lappalie geleistet hat. das hat auf parties schon zu wilden diskussionen eben solcher art, wie sie hier gerade abgehen, geführt, weil manche die ironie nicht verstehen wollten/konnten und vielleicht auch einfach einen anderen humor hatten.
    ist natürlich was anderes als „innerer reichsparteitag“. ich persönlich finde die formulierung unsympathisch und benutze sie auch nicht. es sei denn, man kann damit einen nazi-witz verbinden….

  413. Ich weiß, dass ich die Frage bereuen werde, aber kann mir irgendjemand erklären, was „So aufrecht, wie ihr, kann man gar nicht stehen, wie ihr deutsch seid“ (#548) überhaupt bedeuten soll?

  414. @Nele

    „(…) ist natürlich was anderes als “innerer reichsparteitag”. ich persönlich finde die formulierung unsympathisch und benutze sie auch nicht. es sei denn, man kann damit einen nazi-witz verbinden….“

    Sie brauchen da nichts zu verbinden, der ist nämlich schon drin.

  415. @klammerbeutel#543
    Das ist mit Verlaub leider aufgebauschter Unsinn. „Naziskandale“ entstehen nur bei einer ganz kleinen Zahl von verwendeten Begriffen, die wie RPT entweder einen direkten Bezug zum Nationalsozialismus haben bzw. bei denen wie bei Eva Hermann selbst ein Bezug zum Nationalsozialismus hergestellt und thematisiert wird. Ansonsten kann man ganz beruhigt und ohne jede Probleme deutsch sprechen , und deshalb kommen solche Skandälchen auch nur alle paar Jahre auf – wenn mal wieder jemand solchen Bock schießt.
    Sie können mir aber gerne mal paar weitere Gegenbeispiele nennen.

    Im übrigen gilt in der Kommunikation mitnichten nur der Bedeutungshorizont des Hörenden, sondern gerade auch der des Sprechenden. Es wird sich ja Gedanken gemacht über die Sinnhaftigkeit des Bedeutungshorizonts der Sprache von Sprechenden.
    In der Besprechung des Massenmediums Fernsehen kann es ja nun nicht so sein, dass allein Fernsehsprecher den Bedeutungshorizont ihres Redens dekretieren dürfen, wie sie es denn vielleicht gemeint haben und das Publikum quasi den Mund zu halten hat. Medienkommunikation ist (wie sämtliche Kommunikation) keine einseitige, sondern eine zweiseitige Sache von Rednern und Publikum.

  416. Na hoffentlich sichert sich Eva Herman noch rechtzeitig Ihren Artikel und den Cache von Google, denn mittlerweile wurde der Bezug auf sie im Welt-Artikel gelöscht. Wie man auf Wikipedia unter „Eva Herman“ längst nachlesen kann (dort wird ihr damaliger Ausspruch in voller Länge zitiert), hatte sie sich klar gegen das Nazi-Regime ausgesprochen („Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde.“) und nicht dafür. Ich denke, sie kann jetzt mal wieder eine satte Rechnung an Springer schicken.

    Der Fall KMH ist ein weiterer Meilenstein im um sich greifenden Political Correctness-Wahns Ich bin dafür, den Artikel 5, Abs. 1 des Grundgesetzes ersatzlos zu streichen. Er wurde ja ohnehin längst abgeschafft: durch eine durchgeknallte Bevölkerung, die keinen Wert auf solche Grundrechte legt.

  417. Konfuzius sagt: Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen die Worte nicht; stimmen die Worte nicht, so kommen die Werke nicht zustande; kommen die Werke nicht zustande, so gedeiht Moral und Kunst nicht; gedeiht Moral und Kunst nicht, so treffen die Strafen nicht; treffen die Strafen nicht, so weiß das Volk nicht,
    wohin Hand und Fuß setzen. Darum sorgt der Edle, daß er seine Begriffe unter allen Umständen zu Worte bringen kann und seine Worte unter allen Umständen zu Taten machen kann. Der Edle duldet nicht, daß in seinen Worten irgend etwas in Unordnung ist. Das ist es, worauf alles ankommt.

  418. @Klammerbeutel, #543: naja, Sie können den Zuhörern / Zuschauern ja schlecht verbieten, sich ihren eigenen Reim auf das Gehörte zu machen. Jeder Mensch hat aufgrund seines persönlichen Hintergrundes ( in Bezug auf Erziehung, Bildung, etc ) eben seine eigene Interpretation, und die sollte man ihm auch zugestehen.
    Das zeigen doch auch die 545+ Kommentare hier.

    Ich persönlich halte die Betroffenheitshysterie ( oder, wie ein anderer Kommentator weiter oben so treffend bemerkte, das „hitlerventilieren“ ) zwar auch für unangebracht, kann aber gleichzeitig nachvollziehen, wenn andere die Bemerkung KMH’s zumindest für unangebracht halten.

    Wichtig ist, dass die Diskussion darüber offen, und möglichst ohne Vorurteile geführt wird.

    Ich persönlich bin KMH übrigens dankbar. Sie hat uns einen der seltenen wirklich authentischen Momente im deutschen Fernsehen beschert. ^^

  419. @550
    evtl. hatte er das lied von mary roos gerade im ohr: aufrecht gehn, aufrecht stehn. so kurz nach dem esc verständlich.

  420. Niggemeier

    Kann man das erklären? Empirisch betrachtet sind die Deutschen in orthopädischer Hinsicht ein hoffungsloser Fall. Haltungsschäden aller Orten und unsere Kids schlurfen auf die Fanmeile wie ein 85jähriger Großvater in seinen Fernsehsessel. Von Zackigkeit, keine Spur zu finden. Das werden übrigens auch die Prüfungskommissionen in Kreiswehrersatzämtern bestätigen können. Man braucht nicht mehr die Wehrpflicht abzuschaffen, weil die meisten Kids sowieso bestenfalls mit 4 gemustert werden können.

    Vielleicht hilft das ja weiter.

  421. Sollten wir uns nicht langsam wieder den wichtigen Fragen zuwenden? Z.B.:
    heißt das Land, wo sie sich da unten gerade totkloppen, nun Kirgisien, Kirgistan oder Kirgisistan?
    n-tv hat vorgestern alle drei Bezeichnungen in einem einzigen Beitrag verwendet. Das kann doch so nicht weitergehen!

  422. @558 B.Schuss: Gerade weil ich das nicht mache, komme ich ja zu dem Schluss, dass Sie fast immer jemanden finden werden, dessen Reim auf Ihr Gesagtes ‚Nazi‘ lautet.

    @552. Lena Maldeites: Falls ich jemanden finde, liefere ich Ihnen gerne ein Gegenbeispiel. Glücklicherweise ist der Nazizeigefingerreflex tatsächlich meist an Begriffe gekoppelt, die rein von der Reihenfolge der Buchstaben her an Begriffe erinnern, die mit dem Nationalsozialismus verbunden werden können.

    Ändert aber nichts an der Tatsache, das ich lieber in einer Welt leben möchte, in der man einen „inneren Reichsparteitag“ haben darf, ohne dass das Boulevard und in seiner Folge das Internet hitlerventilieren. Und dafür auf der Straße Menschen hinter einem stehen, wenn man offen gegen Leute auftritt, die durch ihr Handeln Nationalsozialismus förden und praktizieren.

  423. @541, 561 Der von mir ansonsten sehr geschätzte Wilhelm Heitmeyer ist mit seiner Aussage „Zusammenhang von Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus“ (zu WM 2006) leider etwas einseitig verfahren. Fußball-Fans ticken in ihrer übergroßen Mehrheit anders, nämlich nach den Kategorien „mein Kiez“ (z.B. Borussia Dortmund) gegen die „bösen Nachbarn“ nebenan (Schalke). Der „Dortmunder“ Barrios wird auch noch in der Mannschaft Paraguays heftig verehrt, der „Schalker“ Deutsche Kuranyi dagegen nach wie vor abgelehnt. Jerome Boateng ist der Gute (ghanaischer Herkunft), Kevin Prince B. dagegen der Böse – aber nicht weil er für Portsmouth (vorher Hertha BSC) gespielt hat, sondern erst, als er Ballack zuschanden trat. Da war auch für Herthaner Fans Schluß mit lustig. Ich fürchte, Herr Heitmeyer hat im Umkreis der Arminia-Alm nicht so recht den Durchblick.

  424. @ 561

    Na, lange gegoogelt … . Heitmeyer wendet sich gegen die These vom Party Patriotismus, die 2006 diskutiert worden ist. Dazu habe ich schon 2006 was geschrieben.

    http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/06/16/a0188.

    Die Masse löst sich nach einer WM genauso schnell wieder auf wie sie zustande gekommen ist. Heitmeyer sieht durch die Fußball WM eine steigende Akzeptanz nationalistischer Denkmuster? Er wird das nur bei denen in seinem Panel nachweisen können, die schon vorher diese Orientierung hatten. Da wirkt das wie eine Bestätigung von Denkmustern. Weil jemand mit Fähnchen auf die Fanmeile latscht, wird aus ihm kein Nationalist. Er definiert ja auch in seiner Studie die Faktoren, die für diese Entwicklung verantowortlich zu machen sind. Die werden übrigens heute vom DIW bestätigt. Heitmeiyer geht es um etwas anderes: Er will verhindern, dass der Nationalismus als Integrationsideologie quasi durch die These vom Party Patriotismus legitimiert wird. Das war sein Thema. Aber von Frau Müller-Hohenstein zu Heitmeyer zu kommen, ist schon ein gewagter Schritt … . Und glauben Sie es mir: Mit dem „inneren reichsparteitag“ hat das nicht wirklich etwas zu tun.

  425. @558

    Naja, verbieten natürlich nicht. Daß 65 Jahre später nicht mehr jeder diese Redewendung kennt, ist irgendwie verzeih-, und daß der Begriff „Reichsparteitag“ immerhin zu unguten Assoziationen führt, ist verständlich. Und dennoch. Wenn man denen, die aufgrund Unkenntnis zu falscher Interpretation kamen, erklärt, wie diese Redewendung zu verstehen ist, darf man erwarten, daß es verstanden, zumindest hingenommen und die eigene, objektiv falsche Interpretation revidiert wird. Aber das geschieht ja nicht. Allerorten wird auf der falschen Interpretation beharrt. Um das Beispiel aus einem Kommentar sehr viel weiter oben zu zitieren: „Ruhig, Brauner!“ – Wer hier darauf beharrt, in die rechte Ecke gestellt worden zu sein, weil er mit „Brauner“ angesprochen wurde, nachdem man ihm erklärte, daß die Redewendung auf ein braunes Pferd anspielt, der… der… Meine Güte, der ist dumm. Aber in der Tat, das Dummsein kann man niemandem verbieten.

    Aber gänzlich schlimm ist eben, wenn Journalisten diese Redewendung nicht kannten, oder wenn sie sie gar kannten, aber bewußt falsch interpretierten und so die allgemeine Unkenntnis unterstützten. Denn von Journalisten erwarte ich zumindest zu wissen, daß eine in Grammatik und Wortwahl feststehende Redewendung („Etw. ist jmdm. ein innerer Reichsparteitag“) nicht deckungsgleich ist mit den Einzelbedeutungen ihrer Bestandteile. Doch genau so wird der Begriff „Reichsparteitag“ in den von SN zu Recht kritisierten Medien behandelt. Und das ist falsch. Falsches muß man berichtigen.

  426. Evtl. habe ich diese Deutung des Begriffes hier in den Kommentaren überlesen, dann bitte ich das mögliche Doppelposting zu entschuldigen:

    „Man kann daran sehen, wie tief solche Redewendungen sitzen“, sagt der Historiker Eckart Dietzfelbinger vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. „Dass diese Phrase sich bis heute hält, zeigt die Wirkungsmächtigkeit der NS-Parteitage.“ (…) Das Dokumentationszentrum interviewte mehr als 100 000 Zeitzeugen. „Die Stimmung in Nürnberg war fröhlich, heiter und gelassen. Die beiden Grundmythen des NS-Regimes, Führer und Volksgemeinschaft, wurden inszeniert, die Leute glaubten an eine bessere Zukunft, sie erlebten Genugtuung, Stolz und Anerkennung“, sagt Dietzfelbinger. Die Parteitage bauten eine Gegenwelt auf zur Realität, die entbehrungsreich war und politisch als schmachvoll empfunden wurde nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg. Viele Zeitzeugen-Aussagen seien geradezu Jubelberichte. Aus dieser bedingungslos positiven Erfahrung entstand schon während der NS-Zeit der Begriff „innerer Reichsparteitag“ für ein tief empfundenes Triumphgefühl. „Das ist wie eine sexuelle Befriedigung, nur im emotionalen Bereich“, sagt Dietzfelbinger. (…)

    Quelle: http://www.focus.de/politik/deutschland/innerer-reichsparteitag-gefaehrlich-entgleist_aid_519337.html

  427. @550/Stefan Niggemeier
    Der Satz spielt vermutlich mit dem Klischee der deutschen „Gründlichkeit“ und soll wohl einen gewissen Übereifer beim Entdecken von NS-Rhetorik thematisieren.

  428. Die Kommentare sind hier mal wieder göttlich..
    Mir ist es wirklich unbegreiflich warum sich Leute über eine Redewendung aufregen und im gleichen Atemzug zugeben diese noch nie gehört zu haben.
    Wenn man also diese offensichtlich auch nicht korrekt einordnen kann sollte man sich mit einer Wertung eventuell ein wenig zurückhalten.
    Jeder der diese Wertung ins rechtsradikale Milleu stellt, stellt damit dann ja auch praktischerweise die Zeitungen dahin die sie ebenfalls benutzen..

    Die Welt ist also rechtsradikal.. nun ja, wir haben es ja immer vermutet..

    Ich kann echt nur mit dem Kopfschütteln wenn ich so einen Käse lese.. Durchhalten, Stefan.

  429. Thor

    „Aus dieser bedingungslos positiven Erfahrung entstand schon während der NS-Zeit der Begriff „innerer Reichsparteitag“ für ein tief empfundenes Triumphgefühl.“

    Exakt. Und genau darum es in der inkriminierten Aussage der Dame vom ZDF: Um das tief empfundene Triumphgefühl, das Klose gegenüber seinen zahllosen Kritikern gehabt haben muss als er endlich einmal wieder gut spielte – und diesen Triumph konnte er ja schlecht öffentlich machen. Er heißt ja nicht Effenberg und zeigt uns allen den Mittelfinger.

  430. @ Sebastian M. #571
    Die Verwendung des Begriffs in Zeitungen ist zwar auch nicht unbedingt glücklich, aber was ziemlich anderes als die Verwendung bei der emotional hoch aufgeladenen Fernseh-Kommentierung eines Torjubels in der Volksangelegenheit Fussball. Das Eine geht im Buchstabenmeer mehr oder weniger ungelesen unter, das Andere hat so emotional aufgeladen vor einem Millionenpublikum eine viel größere Tragweite und Bedeutung. Und die Verwendung es Begriffs Reichsparteitag zu einem Torjubel IST – egal ob gewollt oder ungewollt, bewußt oder unbewußt – zumindest leicht naziös. Torjubel und Nazijubel, verstehn?

  431. Echt lustig hier und habe auch sonst nichts zu tun:

    574

    „Und die Verwendung es Begriffs Reichsparteitag zu einem Torjubel IST – egal ob gewollt oder ungewollt, bewußt oder unbewußt – zumindest leicht naziös. Torjubel und Nazijubel, verstehn?“

    Es hat dummerweise gar keine Verbindung zwischen Torjubel und Reichsparteitag gegeben … , Allerdings könnte Sex beim Torjubel eine Rolle gespielt haben … . Fragen Sie einmal einen Fan.

  432. ich mache mir ja langsam sorgen, ich meine, wenn das so weitergeht, ist am ende noch der historische spitzenplatz des epischen scientology™-diskussion in gefahr. und damals ging es ja wenigstens noch um das große ganze und den ganzen rest. immerhin: die hiesigen kommentare erfreuen im vergleich zumeist durch ihre erfrischende kürze.

  433. Wie problematisch sich das Formulieren von Gedanken äußert, liefert doch gerade der Fall Eva Herman das beste Beispiel. Gerade in gesellschaftspolitischen Diskussionen muß man höllisch darauf achten, wie man was sagt, ohne gebräunt zu werden. Das führte dann indirekt zu so absurden Sprachregelungen wie Schaumkuß, Farbige/r, Sintischnitzel, Tschechien.

    Wenn man die Integrationsunwilligkeit von Zuwanderern speziell in sozialen Brennpunkten feststellt, gerät man auch schon leicht in die Nähe des Verbotenen wie eigentlich jeder, der unbequeme Wahrheiten ausspricht. Irgendein Politiker sprach mal vor Jahren von der Leitkultur. Dieser Begriff wurde dann natürlich aus dem Zusammenhang gerissen, umgedeutet und daraus ein Strick gedreht.

    Kurzum: jeder Gedanke, der auch nur im Entferntesten Assoziationen zum Dritten Reich zuläßt, wird verboten. Man muß nur „böswillig“ genug sein. Ebenso ist es bei so selbstverständlichen Dingen wie der Pflege nationaler Kulturgüter wie z. B. die deutsche Sprache. Dagegen sind Aufregungen über eine für die jüngere Generation irritierende Redewendung schon eine Lapalie. Die ausgelöste Hysterie zeigt eher eindrucksvoll, wie gut die Volksverdummungsmaschinerie schon funktioniert.

  434. Ist schon ein schlimmes Spiel. Da werden Abwehrriegel durchstoßen, da geht es um Raumgewinn, freie Räume, da gibt es Angriff, Zweikampf und „den Stürmer“, die Menschen sind uniformiert (St. Pauli sogar braun) und tragen Nummern, da wird geschossen, gar geköpft, und ab und an wird gar ein Anschlußtreffer oder ein innerer Reichsparteitag gefeiert. Und die Politik schaut zu …Wo ist der Aufstand der Anständigen??

  435. @Nele/#573

    Es freut mich wirklich sehr, wenn all die Mühe der vielen hier und andernorts nicht vollkommen im Empörungsgeheul untergeht, sondern dann doch im Einzelfall auch mal durchdringt. Bisher mußte man das Gefühl haben, gegen Wände zu schrei(b)en.

    Danke für das Feedback.

  436. „Ich könnte jetzt noch ein Dutzend Beispiele aus dem Zeitungsarchiv raussuchen.“

    Lieber Herr Niggemeier, ich habe mir mal die Mühe gemacht und ein umfassendes Pressearchiv bemüht. Es enthält alle relevanten deutschen Tages-, Wochen- und Monatspublikationen. Im Zeitraum der letzten 30 Jahre wird der Begriff 38 Mal gefunden, 17 dieser Treffen stammen aus dieser Woche. Meist fiel die anscheinend so gängige Formulierung in Interviews mit umnächtigten Menschen (Mario Adorf u.a.). Also da müssen sie vom „inneren Reichsparteitag“ schon woanders gehört haben…

  437. @Stefan Niggemeier (#550)

    Ich will mal versuchen, Ihnen das zu erklären.

    Dem Autor der gleichermaßen akrobatischen wie verwirrt klingenden Zeile, „So aufrecht, wie ihr, kann man gar nicht stehen, wie ihr deutsch seid.„, ist zunächst eine Zuspitzung gelungen. Indem Stephan (Der Echte) das Aufrechtstehen überhöht, kippt er es ins Gegenteil: schief, krumm oder schlaff stehen – soweit man in einem solchen Fall überhaupt noch von stehen sprechen kann. Brillant.

    Im weiteren Verlauf des Satzes lässt der Autor keinen Zweifel an seinem Erfindungsreichtum, der sich dem Leser erst beim zweiten oder sechsten Lesen erschließt. Unter Missachtung aller Regeln des alltäglichen Sprachgebrauchs greift der Urheber einen zweiten Satz, schneidet ihn in der Mitte durch und montiert ihn an dem sich schon abgeschlossen geglaubten ersten Satz. Diese Effizienz, diese Übererfüllung des ökonomischen Prinzips ist atemberaubend!

    Das „ihr“ ist gleichsam der Fels in der Brandung der Verwirrtheit des Rezipienten. Ein einfaches „ihr“, wie es uns tagtäglich hundertfach begegnet, ist nicht in der Lage, dermaßen aufrecht zu stehen, wie es dies dennoch tut. Man spürt diesen Widerspruch, diese Verzweiflung. Dann, plötzlich und unerwartet, gesellt sich eine noch sehr viel unmöglichere Unmöglichkeit hinzu – ohne Rücksicht auf Sinn- oder Satzgrenzen: der ihr-Felsen steht nicht nur zu aufrecht, um zu stehen, er steht viel zu wenig aufrecht, um sein deutsches Wesen offenbaren zu können. So sehr sich das „ihr“ anstrengt, sich gegen sein Schicksal stemmt: es ist verloren.

    An diesem Punkt trifft dem Leser unvorbereitet die ganze Wucht der Zerrissenheit, der augenscheinlichen Ausweglosigkeit des Autors. Das Drama des in sich gespaltenen, zu aufrecht stehenden, aber auch zu wenig aufrecht stehenden „ihrs“ gipfelt in der völligen Vernichtung jeder Bedeutung.

    Oder die Kurzform: Nichts, Herr Niggemeier, dieser Satz hat keinerlei Bedeutung.

  438. Lena Maldeites, irgendwie ist es schon erstaunlich, wie Leute mit null Ahnung sich anmaßen, Normen aufzustellen. Wenn Sie festlegen dürften, was alles „naziös“ ist, dürften sich die Vordenker von Pro NRW etc die Hände reiben: Hat man einen Begriff erst einmal inflationär verwendet, schreckt das Wort irgendwann nicht mehr.

  439. @569, 572 Hach, wie liebe ich doch Historiker, wenn sie im Focus schwurbeln, dabei aber aus ihren Untersuchungen die falschen Schlüsse ziehen. Klar doch, die 100.000 Zeitzeugen für Nürnberg 33-38(! schon 39ff. gab es keine RPT mehr, wg. Krieg) schwärmten vom unbedingten Gemeinschaftsgefühl, das dort entstanden sei – ganz wie mein alter Sportlehrer, der 36 in Berlin eine Keulenriege im Olympiastadion dirigieren durfte. Das war aber nichts Innerliches, sondern Demonstration des „Volksganzen“ nach außen – nicht der „innere“ RPT wurde gefeiert, sondern der RPT überhaupt. Wie sagte dann mein alter Sportlehrer: „Wenn wir gewußt hätten, daß diese Wahnsinnigen uns in den Krieg schicken wollten …“. Diese Generation war eine von gebrannten Kindern – die redete nicht mehr vom „inneren“ RPT, sie schämte sich ja für den „äußeren“ Triumphalismus. Also lassen wir mal den Herrn Dietzfelbinger mit seinem „Sex“ bei sich – das ist so ein klassischer Fall einer nachträglich zurecht gelegten Semantik. Merke: Erinnerungen an historische Empfindungen verändern sich mit jedem Male, wie sie heraufbeschworen werden.

  440. @580, redemption:

    Bei der G+J-Datenbank ergibt die Suchanfrage „Reichsparteitag“ und „innerer“ 16 Einträge in den vergangenen zehn Jahren, mit den Suchworten „Reichsparteitag“ und „inneren“ nochmal 18. Hab die Suche extra beschränkt bis zum 10. Juni 2010, somit ohne die KMH-Debatte.

    Ich bin mir sicher, dass eine ausführliche Suche weitaus mehr zu Tage bringen würde. Der Ausdruck ist halt etwas aus der Mode geraten.

    Vielleicht ist es Ihnen entgangen, dass außer Stefan Niggemeier jede Menge andere Personen diesen Ausdruck vorher gekannt haben. Was nun möchten Sie diesen Menschen noch mitteilen?

    Warum Sie am Geisteszustand von Mario Adorf zweifeln, entzieht sich meiner Kenntnis.

  441. Klar, ihr einer Sportlehrer wiegt natürlich die gesamte Arbeit eines international anerkannten Dokumentationszentrums auf, weswegen auch nur Sie in der Lage sind die richtigen Schlüsse zu ziehen.

    Dietzfelbingers Aussagen kann ich nicht kompetent beurteilen, um sie zu widerlegen bedarf es allerdings dann doch fundiertere Erkenntnisse als die Ihren.

  442. Dass die Nazi-Keule nicht passt, sollte ja jedem vernünftigen Menschen klar sein. Dass lenkt nur davon ab, dass die Redewendung durchaus etwas vulgär ist. Das ist natürlich kein Grund zur Aufregung – nur, „Arschlecken, war das ein geiles Tor!“ hätte M.H. auch nicht gesagt.

  443. Schöner Kommentag relativ weit oben: „Deutschland hitlerventiliert.“ Jau, so isses. Macht euch mal locker. Kann ja sein, dass einige den Spruch noch nie gehört hatten, aber ich denke mal, dass hier ALLE mal ne Redewendung benutzt haben, ohne vorher nachzuschlagen, ob der Spruch nicht von irgendnem Nazi geprägt wurde. Klar kann sie das, gerade vor nem Millionenpublikum sicherlich besser anders ausdrücken, aber Herrgott, sie hat sich entschuldigt und gut is. Wenn se jetzt auch noch sportfachliche Kompetenz mitbringen würde…

  444. @587 Mir scheint, Sie haben meinen Text nicht richtig gelesen (582) – keineswegs haben 100.000 Zeitzeugen von einem „iRPT“ gesprochen (wie denn auch, sie waren ja dabei), das insinuiert Dietzfelbinger nur (also eine Befindlichkeitsaussage, und dazu keine logische). Aber wenn wir schon „Kapazitäten“ auffahren – wie wäre es mit meinen lieben Kollegen Schlosser und Gipper (zitiert in der „Abendzeitung“), die darauf beharren, daß die inkriminierte Wendung schon zu Nazi-Zeiten eine ironische Distanzierung von dem Parteitags-Bohei gewesen ist.

  445. Abgesehen davon, daß der Wikipedia-Artikel nichts anderes macht als eine Redewendung sinnentstellend zu ergänzen (sowas nennt man auch Geschichtsfälschung), sollte doch jeden halbwegs intelligenten Menschen ersichtlich gewesen sein, daß die nachgeschobene „Deutung“ der Redewendung im verwendeten Kontext absolut keinen Sinn macht. Es gibt nur eine richtige Auslegung: Ausdruck tiefer Genugtuung, oder wie Kahn sagte, Erleichterung. Diese nachträgliche Umdeutung würde bedeuten, daß Frau Müller-Hohenstein Herrn Klose als Neo-Nazi hinstellen wollte. Das hat sie sicher nicht getan geschweige überhaupt an solche Zusammenhänge gedacht zu haben.

    Was wäre bloß geschehen, wenn sie dieses Erlösungsgefühl, welches wohl jeder Sportler kennt, der einige Zeit eine Formkrise oder Nichtberücksichtigung erfuhr, kennt, als Triumph des Willens beschrieben hätte? Diese Beschreibung wäre auch zutreffend gewesen, aber aus gewissen Gründen wieder falsch. Klose hat diesem Willen gehabt und wurde mit seinem Tor dafür belohnt und ihn herzzerreißend für sich und sein Selbstbewußtsein genossen.

  446. Die Frau Hohenstein-Ernsttal hätte doch auch Kraft durch Freude sagen können.

    Neulich sah ich hinten auf dem Lastwagen eines Fuhrunternehmens „Sigi X.“ den netten Werbespruch: „Räder müssen rollen für den Sigi.“ Ich habe mich beömmelt. Besser Räder als Köpfe.

  447. 564 Kommentare!!! Bisher war es mit nicht klar, warum sich Engländer im Zusammenhang mit Deutschen gegenseitig mit den Worten „Don’t mention the war“ warnen – jetzt ist es mir klar.

  448. Also entweder werde ich alt, oder die WELT hat in den letzten Tagen fleissig an ihren Artikeln rumgestrickt. Vorgestern hieß der Autor des von Herrn Niggemeier kritisierten Artikels noch Michael Stürmer (siehe z.B. im Google-Cache) und heute wurde der Artikel wohl etwas umgestrickt und es prangt der Name des Herrn Jörg Winterfeldt daran. Außerdem wurden viele Kommentare bei der WELT, die auf die Doppelmoral hindeuten, einfach gelöscht (auch meiner).

    Und zu guter Letzt: Der jetzt aktuelle Bericht ist komplett überarbeitet worden und verwendet teilweise sogar Formulierungen aus diesem Blog, um jetzt -nach unauffälligem Wechsel der Seiten- über die restliche Riege der Empörten herzuziehen.

    Ein Schelm der Böses bei all dem denkt…

  449. „IRPT“ ist ein sehr brauchbares Akronym. Wenn Italien ausgescheidet, wird abgeörpt, aber sowas von.

  450. Keine Ahnung, ob das hier schon irgendwo steht, aber die 11 Freunde kann man dann auch wieder in Schutz nehmen. Im „Videobeweis“ (http://www.3min.de/Video/Sport/11FREUNDE-Videobeweis-WM-Spezial/4.-Spieltag/9/132/2646) ist Chefredakteur Köster „derweil Kathrin Müller-Hohenstein zur Seite“ gesprungen.

    Sollte man der Vollständigkeit halber auch anmerken.

    Weiterhin finde ich die Bemerkung von KMH äußerst unglücklich. Kannte den Ausspruch auch nur mit innerem Schützenfest – die eindeutig passendere Formulierung bei einem Torjäger.

  451. @Gregor Keuschnig #577

    Fantum und Konzertgesänge sind nicht perse “naziös”. Sondern nur wenn sie nationalsozialistisches Liedgut zum Vortrage bringen. Naziös wäre es auch, die Freude und Genugtuung über solches Fantum und Konzertgesänge mit dem Begriff „innerer Reichsparteitag“ auszudrücken. Schon deswegen, weil es sich bei beidem um Massenveranstaltungen handelt. Im Massenmedium Fernsehen zur Massenveranstaltung Fussball (der am Bildschirm immerhin mehr als ein Drittel aller Deutschen beigewohnt haben) hat dieser Begriff deshalb ÜBERHAUPT nichts zu suchen.

  452. Keine Ahnung ob das schon irgendwo steht. Finde ja fast, dass der Niggemeier das oben updaten sollten, so auf Fairness gründen. Das in Bausch und Bogen verdammen läuft ja immer ganz geschmeidig, aber so ganz ohne Graustufen dazwischen läuft das ja selbst bei Welt Online nicht:

    Tilman Krause (Welt Online) rückt die Redewendung aus dem rechten Licht: „Ein innerer Reichsparteitag‘ – das ist nicht Nazi-Sprache. Das ist vielmehr gerade die Persiflierung des bombastischen Nazi-Jargons, wie er im Dritten Reich gang und gäbe war. Das ist, wie man damals gesagt hätte, Berliner Mutterwitz, frech, respektlos, nicht ohne Anteile von Zynismus.“ Letztendlich sei der Gebrauch der Redewendung nicht ganz glücklich, aber zu verzeihen: „Hier geht es um sprachhistorische Feinheiten, deren Kenntnis man vielleicht von einer Sportjournalistin, die unter immensem Druck vor einem Millionenpublikum agiert, nicht erwarten kann. Umso mehr sollten diejenigen, die sich jetzt über sie erhaben dünken, vor Scham erröten, dass sie Distanz und Ironie, die im Ausdruck vom „inneren Reichsparteitag“ wohnen, glatt übersehen haben.“

  453. Ich kenne diese Redewendung von meiner Mutter, habe sie (selten) auch schon selbst verwendet und empfinde sie eher als ironisch distanziert denn als nationalsozialismusverherrlichend. Zur Verwendung im (öffentlich-rechtlichen) (bierernsten Sport-) Fernsehen halte ich sie dann aber trotzdem für ungeeignet.

  454. Sagt mal wie oft wollt ihr die Tatsache, dass KMH diesen Satz besser nicht gesagt hätte, noch wiederkäuen? Ich denke niemand hier ist der Ansicht, dass es besonders klug war. Ihr diskutiert hier die ganze Zeit aneinander vorbei. Die eine Seite will nicht zugeben, dass der Satz irgendwo schlecht gewählt war (bzw. sagt die ganze Zeit „Das war gar nicht schlimm“ obwohl es das war, weil man, egal wie kumpelhaft man sein will, so einen Satz in der Halbzeit vor 20 Millionen Zuschauern lieber lässt, genau wie damals Manni Breukmann oder Adi Furler genau wussten, dass es nicht klug war und KHM es sicherlich auch jetzt weiß und es lieber nicht gesagt hätte) und die andere will krampfhaft einen Ausschlag auf dem Nazometer sehen, der da absolut nicht zu finden ist.

    „Wenn man es aber auf diese Art sagt, und es „naziös“ meint, dann bla bla bla bla bla“. Was für ein Schwachsinn, Lena Maldeites. Absolute gequirlte Mäusekacke. Sie hat es nicht rechts gemeint sondern sie hat einen Vergleich gezogen mit Hilfe einer ihr bekannten Redensart, die ihrem Wissen nach GENAU das Gefühl ausgedrückt hat, was sie in Miro Klose erkannt hat. Innere Genugtuung, es den Kritikern gezeigt zu haben.

    Jeder, der da mehr erkennt, ist unverbesserlich und nicht dazu in der Lage, allgemeines Sprachverständnis zu akzeptieren.

    Nur weil ICH der Ansicht bin, dass „Am Ende des Tages“ aus dem Englischen übernommen wurde vor ca. 5 Jahren und absolut bescheuert klingt, und „das macht Sinn“ ebenfalls total daneben ist für MEIN Sprachverständnis, so ist Sprache lebendig und immer als das zu betrachten, was die ALLGEMEINHEIT darunter versteht. ICH habe deshalb diesen kleinen Kampf, den ich jahrelang geführt habe, verloren. und mecker jetzt nicht mehr rum, wenn ich sowas höre. Vor allen Dingen stelle ich die Leute, die es verwenden, nicht als dumm dar, nur weil ich selbst anderer Ansicht bin.

    Diese geballte Ignoranz hier ist einfach nur zum kotzen. Man kommt sich vor wie auf der Autobahn mit Falschfahrer. Der sitzt in seiner Karre, es kommen ihm haufenweise Autos entgegen und wenn’s dann irgendwann kracht steht er da und brabbelt „Ihr fahrt doch alle falsch“. Lächerlich, echt. Ich hab ja eigentlich keine Lust, hier Leuten den Mund zu verbieten, aber könntet ihr jetzt bitte mal still sein. Es nervt. Wenn die Mehrheit eine Meinung hat, wie etwas ist, dann hat man das gefälligst zu akzeptieren.

  455. @596
    Sie meinen diese Aussagen?
    „Für sich genommen ist Müller-Hohensteins Aussage nicht besonders dramatisch. Sie bezieht in keinster Weise eine nationalsozialistische Position“, sagt Dipper, „im Gegenteil: In dieser Redewendung kam nichts anderes zum Ausdruck als eine Distanzierung von der Propaganda von 1945.“ Besonders glücklich fand er den Auftritt der Moderatorin jedoch nicht. „Ihr ist etwas rausgerutscht, dass man im Zeitalter der politischen Korrektheit eben nicht zu sagen pflegt.“ Natürlich dürfe dies einer TV-Moderatorin „nicht passieren“, da eine solche Aussage „viele Leute in den falschen Hals“ bekämen. Dennoch sagt der Historiker: „Man sollte die Sache nicht aufbauschen und den Ball flach halten.“ ( http://www.abendzeitung.de/sport/wm2010/192448 )
    Mal abgesehen davon, dass ich Wissenschaftler, die „in keinster Weise“ sagen, nur bedingt bei Redewendungsdeutungen traue, stimme ich ihm in der Kernaussage ja zu:
    Natürlich darf dies einer TV-Moderatorin nicht passieren. Siehe Beitrag 519 (den Ihr Kollege Dipper sicherlich unterschreiben würde).

    Ansonsten sind die Aussagen von Dipper und Schlosser in der AZ zu kurz um Konkretes bezüglich Herkunft und Verwendung des Begriffs zu erfahren. Da überzeugt mich nach wie vor die Arbeit des Dokumentationszentrums mehr.

  456. @603/Lena Maldeites
    Sie haben immer noch nicht begriffen, dass es (1.) den Begriff „naziös“ gar nicht gibt und was (2.) „innerer Reichsparteitag“ bedeutet. Und Sie erdreisten sich, Sprachkritik zu betreiben. Wie wäre es mit Nachhilfeunterricht?

  457. Es gibt nichts Neues unterm Himmel.
    http://www.taz.de/?id=archivseite&dig=2005/11/01/a0029

    WDR-Reporter Manni Breuckmann: „Es gab ein Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Nürnberg. Der Spieler Detlef Szymanek, zuvor von Düsseldorf nach Nürnberg gewechselt, erzielte ein Tor und ich benutzte ausgerechnet die Formulierung „das war für ihn ein innerer Reichsparteitag“. In dem Moment als ich den Satz gesprochen hatte war mir klar, dass gibt Ärger. Und so war es auch.“

    Das war vor 30 Jahren …

  458. „Die Kommentare sind hier mal wieder göttlich..
    Mir ist es wirklich unbegreiflich warum sich Leute über eine Redewendung aufregen und im gleichen Atemzug zugeben diese noch nie gehört zu haben.“

    Weil es sich mit leerem Kopf besser hetzen und brüllen lässt. Das haben die Twittergemeide, ein paar Kommentatoren hier und die viel zitierten Stammtischnazis doch gemein.
    Es interessiert die doch nicht, dass diese Formulierung seit Jahrzehnten im ganz normalen Sprachgebrauch genutzt wurde und nicht mal im Ansatz etwas mit der Verniedlichung oder gar Verherrlichung eines Regimes zu tun hat. Wie auch? Dafür müsste man sich ja etwas einlesen und das ist soooo uncool. Ohne Plan rumzwitschern und nachplappern, ist doch so 2.0!
    Nichts Neues an dieser Front also.

    Probematischer finde ich es fast schon so, dass mal wieder etablierte Medien diesen Twitterfurz (hohe Tonlage, nur kurz angestimmt, aber es bleibt trocken in der Hose) inhalieren und völlig benebelt zu einer Kakaphonie einstimmen.
    Am prekärsten sind in den vielen überflüssigen Beiträgen immer die kleinen Nebensätze, in denen bewusst nochmal die polnische Herkunft von Miroslav Klose in Erinnerung gerufen wird, als ob man damit zwei Dinge sagen wollen würde:
    1. Der Pole ist noch nicht mal ein richtiger Deutscher und dennoch wird ihm angedichtet, dass er sich wie einer freut
    2. Wenn Klose ein richtiger Deutscher wäre, wäre die Situation weniger schlimm/peinlich

    Es ist schon bezeichnend, dass diese Journalisten einseits aus einer nicht existierenden Mücke einen Elefant im Porzellanladen machen, dann aber nicht merken, dass man sie sich durch solche Nebensätze als genau dass entlarven, dass sie eigentlich anprangern wollten.

    Ein klassischer Eva Hermann Reloaded also – ich hatte schon erwartet, dass der Nazikeulen-Professor Wippermann in einer Sondersendung bei Lanz als wandelnder Duden dem ZDF-Publikum mal wieder erklären würde, dass man Worte von „früher“ heute nicht mehr benutzen darf, ohne sich mit anschließender Selbstgeißelung zu strafen und eine ellenlange Fußnote zu rezitieren, in der steht, dass „damals“ alles von vorne bis hinten auf Rassenzucht, Krieg und Co. angelegt war, ….

    Hier der Klassiker:
    http://www.youtube.com/watch?v=D2A0HVbBhTc&NR=1

    Diese neue peinliche Farce, welche vom tumben Twittermob angezettelt wurde erinnert mich zudem frappierend an eine Situation bei Harald Schmidt:

    http://www.youtube.com/watch?v=tAdyJe13Hmc

  459. Dieser Spruch ist sogar mir geläufig und das obwohl ich mit braunem Gedankengut absolut nichts zu tun haben möchte.

    Völlig legitim diese Redewendung zu benutzen (auch im ZDF). Man hört diesen Spruch nur so selten, weil er eben nur dann eingesetzt wird, wenn einem „echte Genugtuung“ (wie im Fall von Miro Klose) widerfährt. …und auch dann bringt man nicht immer den gleichen Spruch.

    Fazit: typisch deutsch – künstlich gepushter Aufreger.

    Man muss nicht alles auf die Goldwage legen!

  460. ich verwende diesen spruch schon seit jahren und war mir dessen wirkung bei einem teil der leute schon immer bewußt.

    deswegen verwende ich ihn ja, he he …

    aber dass der SOLCHE wellen schlägt, hätt ich nie gedacht.
    jetzt werd ich ihn noch viel öfter gebrauchen!

  461. @611
    Diese Redewendung hat doch gerade NICHTS mit „braunem“ Gedankengut zu tun. Die Reichsparteitage sind auch keine Erfindung der Nationalsozialisten. Den Leuten wurde nur jahrzehntelang eingehämmert, daß alles, was irgendwie mit dem Deutschen Reich zu tun hat, damit das Dritte Reich und nur dieses gemeint sei.

  462. Mich stören diese kaum noch zu ertragenden Bildungsdefizite etlicher Leute in Deutschland. Da erzählt eine Moderatorin was vom „Reichsparteitag“ und schon machen ungebildete Deutschen einen auf Empörung. Ich weiß sicher auch nicht alles, aber bevor ich etwas nicht verstehe, frage ich besser nach und lasse mir etwas erklären, oder mache mich selbst schlau, bevor ich unqualifiziertes Zeug von mir gebe.

    Noch peinlicher ist, daß sich ein öffentlich-rechtlicher Sender lieber gegenüber der ungebildeten Masse entschuldigt als daß man sowas wie dem selbst postulierten Bildungsauftrag nachkäme.

  463. Viel schlimmer ist doch, was Gesprächspartner Oliver Kahn auf den „Reichsparteitag“ entgegnete: „Es war eine Erlösung.“ Erlösung, da ist es doch bis zur „Endlösung” nicht mehr weit!

  464. @Sebastian #607

    Mir ist nur nicht ganz klar, wieso man die „innere Genugtuung, es den Kritikern gezeigt zu haben“, ausgerechnet mit dem Bild eines Reichsparteitages illustrieren muß. Das Motiv der Persiflage des Nazijargons fällt ja hier aus, es geht allein um die Genugtuung. Was hat da das Bild des Reichsparteitages zu suchen? Doch nur im feiernden, d.h. bejahenden Sinne, dass man die Genugtuung des Miroslav Klose mit dem Bild eines Reichsparteitages beschreibt. Das ist glasklar eine affirmative Verwendung des Begriffes Reichsparteitag. Die Genugtuung wird mit dem Bild des Reichsparteitages (seiner Größe, Feierlichkeit, Jubel usw.) umschrieben, das ist im Fernsehen mindestens unglücklich. Wenn nicht die Redewendung für diesen Zweck gar insgesamt fragwürdig.
    Die ironische Verwendung eines solchen Bezuges im kleinen Privatkreis mag ja noch angehen. Solche Witzchen erzählt man im kleinen Kreis hinter vorgehaltener Hand (im Wissen um den Naziwitz), aber doch nicht vor einer nationalen und internationalen Millionenveranstaltung wie einer Fussball-WM im Fernsehen.

  465. @Lena Maldeites: Ich mag mich täuschen, aber kann es sein, dass Sie exakt denselben Gedanken schon mehrfach hier in dieser Kommentarspalte geäußert haben? Ich würde übrigens darauf wetten, dass gleich wieder jemand Neues hier vorbeikommt, darauf hinweist, dass er leider die anderen 600 Kommentare nicht gelesen hat, und dann eben diesen Gedanken noch einmal wiederholt. Insofern: Sie müssen das nicht selbst tun.

    (Gilt auch für die meisten anderen hier.)

  466. Hallo Herr Niggemeier, exakt denselben Gedanken (der Beschreibung von Genugtuung durch die affirmative Verwendung des Begriffes Reichsparteitag) habe ich in dieser Kommentarspalte nicht mehrfach, sondern einmal zuvor geäußert. Manchmal ist es eben nötig, ein zweites Mal auf den Kern eines Problems hinzuweisen, um ihn so pointierter herauszuschälen. Das nämlich ist exakt das Problem und das Problematische an diesem Begriff in diesem Zusammenhang der Genugtuung: Sie im Fernsehen vor einem Millionenpublikum mit dem höchst zweifelhaften Bild eines Reichsparteitages zu unterstreichen.

  467. @ Tharben
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ein-innerer-reichsparteitag/#comment-132144

    Herzlichen Dank für die Erklärung des Nichts mit dem aufrechtstehenden Deutschsein ! Made my day

    Wenn ich jetzt schreiben würde „es war mir ein inneres Schützenfest“, muß ich dann bedenken, daß „inneres“ eine kritische, ja ablehnende Haltung zum Schützenfest impliziert ? Grübel…

    Und zu der „Ruhig, Brauner“- Erklärung :
    Was soll sich denn ein solcherart Aufgeklärter jetzt denken ? Aha, Du meinst mit dieser Bemerkung also nicht, ich sei ein Nazi, sondern ein Pferd ??
    Lächerlich…

  468. @Lena Maldeites: Können Sie schon grob absehen, wie oft Sie denselben Gedanken jetzt noch hier werden wiederholen müssen, bis Sie genügend anderen Leute überzeugt haben? Nur so für meine Lebensplanung…

  469. Damit wir vielleicht ein bisschen ordnung hier rein bekommen:
    Könnten sich jetzt alle die noch einmal melden,denen die „Redensart nicht bekannt“war,und danach dann die anderen.
    Danke.

  470. @617 (Gnopsi):

    In der Tat ist Kahns Entgegnung skandalös. Da wird „Stürmer“ Klose („Die Buden sind unser Unglück!“) plötzlich zum „Erlöser“ und auf diese Weise mit Schicklgruber gleichgesetzt, der ja in großen Teilen der deutschen Bevölkerung durchaus als ein Messias gesehen wurde.

    Zeit zurückzutreten, Herr Kahn! Nach dieser Erwiderung auf Frau Müller-Riefenstahls cleveren „Reichsparteitag“ haben Sie auf den Mattscheiben deutscher Volksempfänger nichts mehr verloren!

  471. @Stefan Niggemeier Hängt davon ab, inwieweit und auf welche Art der Gedanke sachkundig widerlegt oder auch unsachlich behandelt wird und ggf. etwas dazu zu sagen ist. Es handelt sich dann also allenfalls noch um Reaktionen. Endlosen Wiederholungen bin ich auch abgeneigt. Bin ja kein Papagei, höhö.

  472. 617, Gnopsi:

    Wegen „Erlösung“ müßte man eigentlich die Bibel auf den Index setzen.

    621, Frau Maldeites:

    Wenn man sein Argument nur hübsch immerzu wiederholt, wird es überzeugender? Klar doch. (Bitte: auf welcher Schule hat man Ihnen das denn beigebracht?)

  473. Liebe Frau Valaitis,lassen Sie sich bloss nix erzählen,
    va pensiero (ab ins hotel),und weiter geht die wild-gedankliche fahrt,
    traggi un suono di crudo lamento…o t’ispiri il Signore un concento…che ne infonda al patire virtù!

    Sehr schön!

  474. Lieber Herr Niggemeier, wenn Sie jetzt schon die ständigen Zugwiederholungen (Achtung, Schach-Metapher! Die DB-Fans mögen sich jetzt nicht angesprochen fühlen) unterbinden, wie wollen Sie denn auf 1000 Einträge kommen – um danach elegant zum 1000-klickigen Reich überzuleiten?! Liebe Frau Maldeites, Ihre Strategie geht jetzt aber verdächtig Richtung „Steter Tropfen höhlt das Hirn“. Die alten Chinesen kannten das als „Tropfen-Folter“.

  475. @theo @Niggemeier and other – Zur Beschwerde der Wiederholung: Solange mir niemand schlüssig erklären kann, wieso man für das Gefühl der Genugtuung ausgerechnet das Bild des Reichsparteitages bemühen muß, gehe ich mal weiterhin davon aus, dass es sich zumindest im Fernsehen um eine äußerst fragwürdige Verwendung des Begriffes handelt (zum letzten Mal).
    Die Verwendung der Redewendung im III. Reich kennt heute noch kaum jemand und der Begriff wurde von der Reporterin auch nicht im Sinne einer solchen Persiflage verwendet. Hängen bleibt vor allem der Reichsparteitag, im Inneren. Ich halte den Begriff nicht nur bei einer solchen Fernsehkommentierung, sondern in seiner Bedeutung und Verwendung insgesamt für im brisanten Sinne ziemlich ambivalent und zweischneidig. Nazi, Persiflage, Genugtuung, Reichsparteitag – das ist eine so undurchschaubare Gemengelage, dass man es bei einer Fussballübertragung im Fernsehen (die nun wirklich nichts mit Nazi zu tun hat) besser ganz läßt.

  476. @ Lena Maldeites:

    Der Begriff „Reichsparteitag“ – gerade auch bezogen auf solche in Nürnberg – hat im Sinne der Redewendung den Vorteil, dass man schnell ein ziemlich klares und rezipientenübergreifend recht einheitliches Bild vor Augen hat, nämlich das einer Feierlichkeit mit viel Pomp und Aufwand. Auf eine Situation nun mit grösstmöglicher Genugtuung zu reagieren, entspricht diesem Pomp-Gefühl. Optischer Ausdruck eines emotionalen Zustandes. Das ist schon alles. Ja, wirklich. Mit Nazis hat das bestenfalls sekundär etwas zu tun, nämlich auf die hier schon mehrfach berichtete Weise der ironischen Distanzierung.

    Die Entstehung der Redewendung fusst naturgemäss auf einem gemeinsamen Bezugspunkt. Nachdem echte Reichsparteitage allerdings, äh, ziemlich selten geworden sind, schwindet dieser Bezugspunkt halt zunehmend und die Wendung läuft Gefahr, übereifrig missverstanden zu werden. (Was aber keine Entschuldigung ist für diejenigen hier und anderswo, die null Ahnung haben aber vorsichtshalber mal sehr empört sind, weil man kann ja nie wissen und so.) Vielleicht sollte man wieder einmal versuchen, die Redewendung zu modernisieren. „Es war ihm eine innere Fan-Meile“ oder so. Bisher haben die Modernisierungen allerdings nie richtig geklappt (Beispiele wurden ja schon genannt), weil das Original halt einfach so schön griffig ist und noch dazu ein bisschen böse-ironisch prickelt.

  477. Gnhihihi… „Solange ich es nicht begreife, sag ich’s weiter“

    Geil :-)

    Und noch stolz wie Oskar drauf.

    Ich drück’s mal so aus: Ich versteh Newtons Schwerkraftgesetze auch nicht, trotzdem versuch ich nicht, an der Decke zu laufen. Aber das hält Sie, Frau Maldeites, ja nicht davon ab, es weiter zu versuchen… gestehen Sie mir dann aber das Recht zu, mich über Sie kaputt zu lachen…

  478. @ Lena Maldeites: Wären Sie wohl bitte so freundlich, es für mich nochmal zu wiederholen? ich habs immer noch nicht kapiert., ganz ehrlich…
    „Nazi, Persiflage, Genugtuung, Reichsparteitag – das ist eine so undurchschaubare Gemengelage, dass man es bei einer Fussballübertragung im Fernsehen (die nun wirklich nichts mit Nazi zu tun hat) besser ganz läßt.“
    ????
    Hallo McFly? Jemand zu Hause?

  479. @ Frau Maldeites: Ich versuche es auch noch mal: Mehrere Kommentatoren haben im Verlauf dieser – nennen wir es mal – Diskussion eine korrekte Definition für die Redewendung gegeben. Was daran brisant ist oder nicht als Persiflage / Ironie der Reichsparteitage zu erkennen ist, verstehe ich nicht. Da es eine mir durchaus geläufige Metapher für Genugtuung ist, wüßte ich nun wirklich nicht, was gegen eine Benutzung spricht. Und es ist mir tatsächlich schleierhaft, warum KMH dafür kritisiert wird, dass andere lieber in Unkenntnis verharren und alles unbedingt in die Nazi-Ecke rücken wollen.

  480. @631 Gut, liebe Frau Maldeites, Sie haben es nicht anders gewollt. Hiermit bekommen Sie den Ersten Preis für praktizierten Befindlichkeitsabsolutismus. Er besteht aus einem Gutschein für einen langjährigen Aufenthalt in Tom’s Touché-Hölle, wo Sie nichts anderes zu tun haben, als den Registerarien-Oberteufel (sieht allerdings Herrn Niggemeier verdächtig ähnlich) davon zu überzeugen, daß sein Etablissement endlich in semantikfestem Anti-Braun gestrichen werden müßte. Da capo al fine! Währenddessen sattelt Unterteufel Schultz schon mal das fahle Pferd der Unduldsamkeit, das alsbald mit ihnen durchgeht. Von Zeit zu Zeit schaut Frau Leni Müller-Hohenriefenstein herein und appliziert Ihnen gebrauchte Sprachschönheitspflästerchen. Von ferne hört man den Gefangenen-Chor aus Verdis „Nabucco“, allerdings in der Bearbeitung durch Stefan Raab.

  481. @ 638 et al.: Vielleicht sollten wir langsam mal aufhören, die Realität mancher Mit“diskutanten“ hier mit Fakten zu versauen, das verwirrt doch nur…

  482. Also… die letzten 100 Kommentare sind richtig witzig…
    (wollte schon sagen „sind mir eine innere Schleyerentführung“, aber dann hab ichs doch besser gelassen. Weitermachen.)

  483. „Mehrere Kommentatoren haben im Verlauf dieser – nennen wir es mal – Diskussion eine korrekte Definition für die Redewendung gegeben“

    Uiuiui, korrekte Definition? Sagt wer? Der TÜV?
    Jede Seite kann sich doch momentan die passende Definition, gestützt von Historikern und Sprachforschern heraussuchen.
    Was natürlich nichts daran ändert, dass Frau Müller-Hohenstein weder bei der einen noch bei der anderern Betrachtung als Nazi zu gelten hat, bzw. als Botschafterin rechter Parolen.
    Und was aber auch nichts daran ändert, dass es schon gute Gründe hat, warum der Begriff im Fernsehen eher selten verwendet wird und auch von Frau Müller-Hohenstein besser ungenutzt geblieben wäre.

  484. @643 Danke, gern genommen. Darf ich die Bärchen weitergeben?! Zur Hälfte an den Autor der Apokalypse (Off. 6,7), der nach dem Öffnen des 4. Siegels ein „fahles Pferd“ sah, zur anderen Hälfte an den Geist von Johann Heinrich Füssli, der in seinem Bild „Nachtmahr“ das fahle Pferd durch den Vorhang lugen läßt, während der Inkubus „iRPT“ es sich auf KMH (im Nachtgewand) bequem macht. @alle anderen Tut mir leid – wir müssen uns ranhalten, wenn es noch 1000 Einträge werden sollen.

  485. Also, ich musste bei vielen ‚hitlerventilierenden‘ Kommentaren an die ‚Anleitung zum Unglücklichsein‘ von Paul Watzlawick denken, wo ein Teilnehmer an einer Glücksdebatte äußert: „Ich glaube, es ist unerlaubt, von Glück zu reden unter den gegenwärtigen Weltzuständen“.

    Und: „Selbst aber wenn einmal auf der ganzen Welt Glücklichkeit ausgebrochen sein wird, würde ein tugendboldiger Pessimist noch lange nicht verzagen. Er kann sich dann immer noch an Laings Rezept halten, indem er dem unschuldig sich freuenden Partner vorhält: »Wie kann es dir nur Spaß machen, wo Christus für dich am Kreuze starb? Hat es Ihm etwa Spaß gemacht?« Der Rest ist betretenes Schweigen.“

    Ist jetzt vielleicht etwas weit hergeholt, aber das kam mir bei den ganzen ich-will-mich-aber-empören-Beiträgen einfach in den Sinn. Und deshalb: „Ruhig, Brauner!“

    –Swen

  486. @ 648 Swen Ach was, „always look on the bright …“ – Glücksdefätisten, die das Leiden Christi (am Kreuze, zu Fuß, zu Pferde, in der Flasche etc.) einem vorhalten, kontert man am besten mit der einfachen theologischen Weisheit „Gehört alles zum Heilsplan“. Christliche Märtyrer konnten es ja gar nicht grausam genug haben. „Mehr, mehr“, rief schon der kleine Häwelmann.

  487. Sehr gerehrte Frau Maldeites,

    auch wenn es hier schon bestimmt in 100 Beiträgen erklärt wurde, haben Sie die weitergehenden Zusammenhänge dieser Redewendung nicht verstanden. Lösen Sie sich mal bitte gedanklich vom Begriff „Reichsparteitag“. Dieser Reichsparteitag steht lediglich für einem zeitgenössischer Begriff. Während der Reichsparteitage feierten die jeweiligen Parteien ihre Erfolge oder übten sich in übertriebener Selbstbeweihräucherung mit allem Getöse, Parolen und Tamtam. (Machen die heutigen Bundestagsparteien auf ihren Parteitagen nicht wesentlich anders, wenn man von den Aufmärschen und Paraden mal absieht). Die SED und wie die Parteien alle heißen, ließen sich auch beklatschen.

    Jeder, der eine Abneigung gegen die sich feiernden Herrschenden und ihr Gefolge hatte, umschrieb eine tiefe Genugtuung, wenn die Herrschenden in irgendwelchen politischen Entscheidungen auf die „Schnauze“ flogen, in dem er und seinesgleichen (Widerständler, Systemkritische etc.) seine Erfolge (hier besser Schadenfreude) eben mit dieser verdeckten Redewendung.

    Sie, Frau Maldeites, sind vermutlich viel zu jung und politisch noch etwas zu unbedarft, um diese verklausulierte Metapher zu verstehen. Beschäftigen Sie sich mal mit dem politischen Witz in Diktaturen (gilt auch für den polit. Witz in der DDR). Da nichts offen kritisiert werden durfte, „feierte“ man die Mißerfolge des politischen Gegners im Stillen, und umschrieb seinerzeit das mit „innerer Reichsparteitag“.

    Es geht also überhaupt nicht um die Nazis oder diese Veranstaltung selbst, sondern um eine seinerzeit zeitgenössische vornehme Umschreibung eines tiefen Gefühles, was man für sich behalten muß, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten.

    Ich könnte auch sagen: „Ich halte meinen inneren Bundesparteitag ab.“. Da wir noch unter halbwegs demokratischen Verhältnissen regiert werden, würde so eine Umformulierung schlicht ihre Wirkung verfehlen.

    Diskussions- und kritikwürdig ist lediglich die Frage, ob eine ursächlich auf dem politischen Bereich gemünzte Redewendung nun unbedingt auf andere Bereiche übertragbar sei.

  488. @Andi #634
    Sie sagen es ja selbst sehr schön und genauso, wie ich es auch meine:

    „Der Begriff “Reichsparteitag” – gerade auch bezogen auf solche in Nürnberg – hat im Sinne der Redewendung den Vorteil [!], dass man schnell [!] ein ziemlich klares [!] und rezipientenübergreifend recht einheitliches Bild [!] vor Augen hat, nämlich das einer Feierlichkeit [!] mit viel Pomp [!] und Aufwand [!]. Auf eine Situation nun mit grösstmöglicher Genugtuung [!] zu reagieren, entspricht diesem Pomp-Gefühl [!]. Optischer Ausdruck [!] eines emotionalen Zustandes [!].“ Zitat Ende.

    Wie Sie dann zwei, drei Sätze später darauf kommen, dass das mit Nazi bestenfalls sekundär etwas zu tun habe, ist mir leider schleierhaft. Einerseits bestätigen Sie, dass sich mit dem Begriff klar auf den Pomp, Aufwand, emotionale Zustände der Naziparteitage in Nürnberg bezogen wird, und dann ist der Bezug zu den Nazis doch nur sekundär? Klar und sekundär passen in dieser Argumentation leider nicht zusammen.

    Für sekundär halte ich in dieser Illustration von Genugtuung mit dem Bild des Reichsparteitages vielmehr die vermeintliche ironische Distanz zu diesem Bild, wenn eben dieses Bild zur Illustration von Genugtuung dienen soll. Im optischen wie semantischen Vordergrund dieses Bildes zur Illustration von Genugtuung steht der Reichsparteitag – das erschlägt jede noch so große ironische Distanz von diesem Bild und macht es in der öffentlichen Verwendung im Fernsehen deshalb so problematisch. Sprachliche Bilder leben von Verhältnissen, von mentalen, emotionalen Kraftverhältnissen, Stimmungen, Eindrücken u.ä., die einzelne Bilder entwickeln. Dieses Sprachbild wird vom Reichsparteitag dominiert und der Bezug zu den Naziparteitagen ist damit primär – sekundär ist heute nur noch die ironische Distanz dazu. Im Vordergrund steht die Illustration von Genugtuung mit dem Bild des Reichsparteitags.

  489. Niggemeier

    Also so bekommt man Traffic … . Aber ich opfere mich, Frau Maldeitis: Niemand muss diesen Begriff verwenden. Er wird auch selten in Medien verwendet, weil man ihn missverstehen kann. Dafür brauchen Sie auch nur in den Spiegel zu sehen, um das zu verstehen. Er ist aber von Frau Müller-Hohenstein – oder war es Frau Müller-Lüdenscheid? – spontan vewrwendet worden, um ihre Annahme eine triumphale Genugtuung bei Herrn Klose auszudrücken. Sie hätte es aber auch anders ausdrücken können und wird das in Zukunft ganz sicher tun.

    Es sei denn, sie hat mit Herrn Niggemeier eine Form der Beziehung, die es zum Ziel hat, eine Form von Verkehr auf seinen blog zu lenken. Dann wäre das aber ein schlechtes Geschäft, wenigstens für Frau Müller-Lüdenscheid. Inwiefern Herr Niggemeier davon profitiert, lässt sich schlecht sagen. Auf jeden Fall scheint er schon eine veränderte Lebensplanung zu haben. Ich rate aber schon einmal von der Wahl des Namens Niggemeier-Lüdenscheid ab … .

    So wird hier geholfen, Frau Maldeitis.