Unter Nazi-Content-Produzenten

Auf „Welt Online“ ist in der Zwischenzeit ein gutes halbes Dutzend Artikel über die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und ihre Formulierung vom „inneren Reichsparteitag“ produziert worden, routiniert angereichert mit einer 53-sekündigen Videodokumentation „So begann der zweite Weltkrieg“, einer 22-teiligen Bildergalerie über Leni Riefenstahl und einer 52-teiligen Klickstrecke „Etappen des Krieges in Europa“.

An einer anderen Stelle musste „Welt Online“ seine Nazi-Content-Produktionsmaschine allerdings stoppen. Aus dem Artikel „Müller-Hohenstein spricht von ‚Reichsparteitag'“ wurde klammheimlich ein ganzer Absatz entfernt, nämlich dieser:

Die Löschung ist nicht überraschend, denn so, wie das da steht, hat sich Eva Herman nicht geäußert. Die frühere Fernsehmoderatorin hat dem Springer-Verlag bereits früher eine ähnliche Formulierung gerichtlich untersagen lassen und Schmerzensgeld erwirkt.

(Das würde mich an der Stelle von Katrin Müller-Hohenstein am meisten wurmen: Dass sie sich ausgerechnet von solchen Leuten einen gedankenlosen Umgang mit Sprache und dem Dritten Reich vorwerfen lassen muss.)

Das Schwesterangebot morgenpost.de hatte den Artikel von „Welt Online“ wie üblich übernommen — dort erscheint jetzt nur noch eine Fehlermeldung.

Erstaunlicherweise hatte auch das Online-Angebot des „Stern“ den „Welt Online“-Artikel auf seinen Seiten republiziert — und irgendwann noch der außerordentlich dämlichen und irreführenden Formulierung aufgepeppt: „Selbst die BundesRegierung schaltete sich ein.“ (In Wahrheit hatte ein Sprecher auf Nachfrage gesagt, dass man sich nicht einschalten werde.)

Müller-Hohenstein und Kloses "Reichsparteitag" Im Alltag hat sich die unselige Sprachwendung gehalten, nun ist ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein darüber gestolpert. Einen "inneren Reichsparteitag" habe Miroslav Klose nach seinem Tor gegen Austalien gefeiert. Mit dem Spruch brachte sie die Internet-Gemeinde in Rage. Selbst die Regierung schaltete sich ein.

Jedenfalls ließ auch stern.de den Absatz über Eva Herman ohne ein Wort der Erklärung oder Entschuldigung unauffällig verschwinden. Meine Fragen, warum das korrigiert wurde und warum stern.de solche Korrekturen nicht transparent macht, ließ die Redaktionsleitung trotz einer ausführlichen Antwortmail offen — ebenso meine Erkundigungen, was stern.de dazu bewogen hat, diesen „Welt Online“-Artikel wiederzuverwerten und ob es nicht möglich gewesen wäre, ihn vorher zu redigieren oder zumindest die Fehler zu korrigieren. Redaktionsleiter Frank Thomsen teilt mir allerdings mit, stern.de habe „für die Dauer der WM auch mit Welt Online verabredet, gegenseitig einzelne Stücke auszutauschen, wenn es passt und die jeweiligen Leser etwas davon haben.“

stern.de hat die Zahl seiner festen Mitarbeiter kürzlich reduziert. Ein Beispiel für einen Text, den „Welt Online“ im Rahmen dieses „Austausches“ von stern.de übernommen hat, hat mir Thomsen bislang nicht genannt.

Übrigens ist auch im Online-Ableger der „Süddeutschen Zeitung“ ein Absatz über Eva Herman verschwunden. Ursprünglich stand dort in einem Artikel über das bizarre Comeback Hermans als Internet-Nachrichtensprecherin für Verschwörungstheoretiker auf den Seiten des Kopp-Verlages:

Zum anderen, viel schlimmer, werden bei Kopp auch die Bücher von rechtsextrem-esoterischen Verschwörern wie Jan Udo Holey verlegt. Holey gilt dem Verfassungsschutz als Rechtsextremist, er wurde wegen Volksverhetzung vor Gericht gestellt. Bei diesen Autoren hat Herman ihren Platz gefunden…

In Wahrheit bewirbt Kopp die Bücher Holeys zwar und hat sie in sein Vertriebssortiment aufgenommen — sie erscheinen aber nicht bei Kopp, sondern in Holeys eigenem Verlag. In der gedruckten Ausgabe musste die „Süddeutsche Zeitung“ eine Korrektur drucken. Auf sueddeutsche.de wurden einfach, ohne jeden Hinweis auf die falsche Berichterstattung, die entsprechenden Sätze entfernt.

Kommt halt alles nicht so drauf an. Außer, was eine unbeliebte Sportmoderatorin unbedacht im Fernsehen sagt, natürlich.

Nachtrag, 20.25 Uhr. Der Ursprungsartikel von „Welt Online“, „Müller-Hohenstein spricht von ‚Reichsparteitag'“, scheint jetzt ganz gelöscht worden zu sein.

116 Replies to “Unter Nazi-Content-Produzenten”

  1. Man möchte ja meinen ein gut geschriebener, sachlicher und überzeugender Artikel könnte die Menschen davon abhalten die Geschichte weiter zu hyperventilieren. Andererseits fand sich auch unter den Kommentatoren, im ersten Artikel hier dazu, so oft ein reflexhaftes (und unreflektiertes) Geschimpfe, dass ich nicht glaube dass es einen Unterschied macht ob du darüber schreibst, Stefan. Das meine ich nicht als Vorwurf, sondern als traurige Feststellung.

  2. …Ihr habt ja fast alle Recht, und man muss die Sache mit dem Reichsparteitag nicht noch hoeher kochen lassen-
    aber: ich ersuche um Gerechtigkeit: dann setzt euch vehement dafuer ein, dass die arme Kollegin von Frau Mueller-Hohenstein, die sich ebenso unbedacht mit „Schalke 05 „statt Schalke 04“ verplappert hatte und deshalb gefeuert wurde, umgehend rehabilitiert und entschaedigt wird. Denn andernfalls waere „Schalke 05“ schlimmer als „Reichsparteitag“ (sorry – Schalke-Fans)- und dagegen hab ich schon was.
    Kurt Singer

  3. „unbeliebte Sportmoderatorin“
    Hast Du für das „unbeliebt“ einen Beleg oder vermutest Du das angesichts der Diskussion?

  4. „und irgendwann noch der außerordentlich dämlichen und irreführenden Formulierung aufgepeppt“

    Ich glaube, da fehlt ein „mit“.
    Ansonsten natürlich wie immer exzellenter und treffender Artikel, der schön zeigt, wie diese Contentproduzierer den Skandal bis zum Letzten ausschlachten, um Klicks zu generieren (und damit schön zeigen, dass es ihenen auch genau darum geht, und keinefalls darum, ernsthaft Empörung zu zeigen oder eine Debatte anzustoßen).

  5. 52-teilige Klickstrecke? Grausam!
    Aber grundsätzlich (wieder mal) super Artikel und so wahr. Ich glaube in diesem Fall kommen zwei potenzielle deutsche Aufreger zusammen: Frauen und Fussball sowie irgendwas mit Nazideutschland. Da kann man immer irgendwas finden, was den Leser (wahrscheinlich) nicht in den Kram passt… Traurig!

  6. Hätte Frau Müller-Hohenstein nur „Parteitag“ gesagt dann wäre wahrscheinlich nichts passiert. Aber so und das in Verbindung mit einem in Polen geborenen und für Deutschland spielenden Fussballer. Aber in solchen „unbedachten“ Äußerungn kommt meist die wahre politische Haltung zum Ausdruck.

  7. Meine Güte, Holger. Wo bitte ist es ein Problem, dass sie «innerer Reichsparteitag» in Verbindung mit Klose genannt hat? Darf man das nicht, wenn die Bezugsperson polnisch oder gar jüdisch ist? Müssen denn sofort Köpfe rollen, nur weil es da draußen noch genügend Flachzangen gibt, die unreflektiert hyperventilieren, nur weil ein böses (vermeintliches) Naziwort fällt?? Was bitte hat es mit politischer Gesinnung zu tun, wenn man das Wort sagt? Herrje, geh mal an die frische Luft und genieße die Sonne!!!

  8. Ach ja, die gute alte Nazikeule. Ich habe mich als Beinahepubertierender einmal erdreistet, mit dem Wort „Kruzitürken“ zu fluchen – das war mitte der Achtziger, als man automatisch ein „Nazi“ war, falls der beste Freund nicht qua Religion einem Alkoholverbot unterlag.

    Diese ganze „Diskussion“ um die vermeintlich rechtsradikalen Äußerungen dieser dümmlichen Sporttante ist so lächerlich, daß ich mich selbst fragen muß, warum ich in einem Kommentar zu einem Artikel über Kommentare (oder meinungsmachende Artikel) darüber überhaupt ein Wort verliere. Aber: Warum soll man sich verkneifen, darüber zu schreiben, daß man hinter dem tabuisierenden Nazivergleich nunmal grundsätzlich einen Alibi-Aktionismus vermutet, der von den realfaschistischen Tendenzen unserer derzeitigen politischen Meinungsführer tumb ablenken soll? Ich sag mal nur „Hartzler-Vermehrung muß reduziert werden“ (Zitat aus selbsternanntem „liberalem“ Mundwerk) und finde: Ein „Skandal“ für Springer ist automatisch ein wirklicher Skandal ganz anderer Art für refkelktierende Menschen.

  9. @Ernst Haft (16): „Die Welt“ hat auch einen emeritierten* Professor für Sozialpädagogik ausgegraben, der fordert: „Stoppt die Vermehrungsprämie für Sozialhilfemütter“

  10. Zuerst hatte ich nach solch einem Schrei gesucht, aber nicht gefunden. Das passt ja auch ganz gut als Beschreibung unseres deutschen Verhältnisses zur Vergangenheit mit allem Pipapo. :D

  11. Da fällt mir was zum Thema Antisemitismus ein.
    Zitat N. Finkelstein:

    „Its crazy. There is so much hunger, so much starvation in the world. So much people are suffering and you want me to get excited about some idiot, painting a swastika somewhere?“
    Der Film ist großartig wie ich finde und zeigt einen guten Ansatz sich diesem Thema zu nähern – 80 Jahre danach.

    Denn er offenbart die Probleme, wenn man zu viel nach hinten schaut und zu wenig an die Zukunft denkt.

    http://www.youtube.com/watch?v=9qR1h-H7vNU&feature=related

  12. @ SN
    Sie schreiben über das Aufpeppen vom Stern:
    “ Selbst die Bundesregierung…… obwohl im Artikel nur steht:
    “ Selbst die Regierung…… welche auch immer damit gemeint sein mag ?

  13. Die ganze Bande beim Zweiten ist doch braun bis hinter die Ohrläppchen. Wes Geistes Kind, des Brot ich ess‘. Jüngstes Beispiel: Bela Rethy gestern abend, schwadroniert von „Brasiliens Sturmführer … äh … Sturmspitze“. Gehören alle rausgeschmissen — und der nächste, der was von „kämpferischen“ Fußballern erzählt, gleich mit.

    Dafür hab ich doch auf dem Gymnasium nicht LTI gelesen, um mir von diesen fanatischen Phrasendreschern jetzt beim öffentlich-gleichen Schießball die Sturmfront verblitzkriegen zu lassen.

  14. Mich interessiert überhaupt nicht, ob Müller-Hohenstein mit ihrer Aussage „ihre“ oder irgendeine „wahre Einstellung“ verraten hat: Mich interessiert nur, wie viele Menschen in unserem Lande persönlich oder wegen des Leidens ihrer Vorfahren mit solchen Aussagen in ein tiefes Loch zurückgestoßen werden. Gerade dieses Wort steht dick unterstrichen im WÖRTERBUCH DES UNMENSCHEN, weil das damit verbundene Ereignis in Nürnberg zu den Menschen verachtenden, zu den aufputschenden Daten des NS-Staates gehörte, nämlich bei diesen Reichsparteitagen tabula rasa auf der Teilnehmerseite zu fordern und auf der Veranstalterseite zu versprechen – mit den heute bekannten grausigen Folgen. Ich unterstelle Stefan Niggemeier nichts und Müller-Hohenstein gar nichts – aber ich verlange Sensibilität, die in diesem Falle leider beide vermissen ließen. Dass dann ein Chr. Jakubetz in seinem Blog verkündet, Niggemeier habe alles gesagt, was zum Thema gesagt werden müsse, verwundert da natürlich nicht: Das ewige ungeprüfte, unüberlegte Nachplappern verursacht ja die meisten Fehler in den Journalen, die dann per Gegendarstellung oder eigener Berichtigung ausgemerzt wrden (müssen)!Kurz gesagt: Ich verlange nicht, Müller-Hohenstein abzulösen. Aber ich verlange von Niggemeier, mit rasch dahingeworfenen „Erklärungen“, die in Wahrheit keine sind, nicht neue Schmerzen bei jenen zu verursachen, die schon einmal Opfer waren und die selbst, und deren Nachkommen bis heute leiden. Sensibilität, Herzensbildung verlange ich, ganz gleich, woher ein Spieler wie Klose kommt.

  15. Herr Westerholz, wenn wir auf diese Art auf die Befindlichkeit auf Hinterbliebene Rücksicht nehmen würden, dann wäre unsere Gesellschaft nicht mehr funktionsfähig.

    Es ist einfach weltfremd, 65 Jahre nach Kriegsende noch diese Grunde zu beschwören.

    Viel wichtiger als oberflächliche politische Korrektheit ist die _echte_ Korrektheit. Nächstenliebe und Mitgefühl, Zivilcourage etc. pp. in Situationen, wo es wirklich darauf ankommt. Diese ganze Energie, die hier verwendet wird ist der blanke Hohn wenn im Osten lediglich die rechten Gruppierungen Angebote für Jugendfreizeit anbieten.

    Es ist echt um heulen. Ich möchte einen Menschen gezeigt bekommen, der bei dem Leid, dass er erfahren musste, sich von diesem Satz bei einem Fußballspiel getroffen gesehen hat. Wer so dünnhäutig ist, der muss doch quasi zwangsweise als wimmerndes Bündel in der Ecke kauern. Das ist doch weltfremd.

  16. Ich finde den Aspekt, den Michael Westerholz anführt, die Leiden der Überlebenden des Naziterrors zu respektieren, sehr überzeugend. Ich kann darin keinen Gegensatz zu Nächstenliebe, Mitgefühl oder Zivilcourage sehen. Ich finde, es sollte ernsthaft diskutiert werden, wie mit den sprachlichen Überbleibsel aus der NS-Zeit umgegangen werden soll. Ein paar Beispiele: Eine Tante meinte an einem schönen Tag, heute sei aber „Führerwetter“, ein Vorgesetzter meinte beim abendlichen Kartenspielen „Spielen wir hier Judenskat?“, letztes Beispiel: „Da haben wir gelacht bis zur Vergasung“. Dass bei jüngeren Menschen diese Redewendungen nicht mehr gebräuchlich sind, kann ich nur begrüßen. (Alle Menschen, die diese Redewendungen gebrauchten, waren keine Nazis, es war das sprachliche „Familienerbe“.)

  17. Apropos Löschung. Ich finde es garnicht gut, dass in diesem Weblog der Kommentarteil zum ersten Reichsparteitags-Beitrag mit dem 950 Beitrag geschlossen wurde.
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ein-innerer-reichsparteitag/

    Das Thema ist so umfassend, dass man die Diskussion schon offen lassen sollte, wenn man selbst einen ausführlichen Beitrag dazu schreibt und am Thema interessiert ist. Oder gefallen Herrn Niggemeier einzelne Widerworte zu seiner Meinung ebenfalls nicht. Kein schöner Stil. Der Kritiker der Elche ist leider selber einer.

  18. @ Lena Maldeites #33

    Einerseits schade, ja; auch mich hätte interessiert, ob ich noch Zustimmung bekomme oder womöglich Widerspruch.
    Andererseits kann ich mir auch vorstellen, daß es Herrn Niggemeier eventuell so ähnlich ging wie mir. Seit hunderten von Kommentaren mit wachsender Bestürzung darauf zu warten, daß nun endlich mal einer von uns ach so gebildeten und wachen Allescheckern auf diesen wirklich üblen Naziwitz anspringt (oder auch andere sehr grenzwertige Aussagen), um dann von Zeit zu Zeit sowas lesen zu müssen wie „Ich hab jetzt alle Kommentare gelesen und konnte keine das 3te Reich beschönigenden Aussagen finden; aber die, die hier mit bösen Unterstellungen andere gemeinerweise angreifen, sollten endlich mal einsehen, daß…..“, um danach das gleiche scheinheilige Argument zum gefühlten 200ten Mal in leicht veränderter Form mit mal neuem, mal schon bekanntem Namen immer und immer wieder in den Blog gestanzt zu bekommen.
    Während sich die (pseudo)intellektuelle Meute seit geschlagenen 36 Stunden immer wilder um dieses eine Wort und seine Deutungshoheit balgt.
    Da kann man schon vom Glauben abfallen und sich fragen : „Mein Gott, was geht denn hier ab ? Sind die alle bekloppt ? Hab ich das losgetreten ?“
    Letztendlich schließe ich aber aus der vielleicht staunenden Enthaltung und dem Schlußsatz auf eine veränderte Grundhaltung zu der Thematik in Sachen Latenz und Bauchpinselei.
    Insofern : Elch ? Ganz sicher nicht, sonst wäre einiges rausgeflogen und spätestens bei #250 Schluß gewesen.
    Außerdem ist die Diskussion im Moment so offen wie selten. An vielen Baustellen. Und ich möchte zwar auch weiterlernen, aber dabei nicht vergessen, die gewonnenen Einsichten auch in Taten umzusetzen.
    In diesem Sinne.
    Das Leben spielt draußen….

  19. @björn

    Nein, war nicht ironisch gemeint. Ich denke, dass man es sich mit der eindimensionalen nur als persiflierend verstandenen Auffassung dieser Redewendung zu einfach macht und sich was vormacht. In meinen Augen enthält sie als doppeldeutig-ironisches Stück sehr wohl auch einen gehörigen Teil insgeheimer Bejahung von Reichsparteitagen. Mindestens seiner Formen, wenn man die Redewendung zur Unterstreichung von Triumph verwendet.
    Darüber wird man letztlich schwer eine Einigung erzielen. Aber gerade weil das Thema so kontrovers und mehrdeutig ist, hätte man es noch weiter vertiefen können. Das hat Meister Niggemeier leider abgewürgt.

  20. Meinst du mit „abgewürgt“ die Schließung der Kommentarfunktion? Also sorry, vertieft wurde bei dem Beitrag ja nicht sonderlich viel. Und das bei rund 1000 Kommentaren.

  21. Mein lieber Scholli, wie merkbefreit kann man eigentlich sein?
    „Da kann man schon vom Glauben abfallen und sich fragen : “Mein Gott, was geht denn hier ab ? Sind die alle bekloppt ? Hab ich das losgetreten ?”
    Wieso ein Geisterfahrer? Das sind Hunderte!!

  22. @37 Sehr geehrte Frau Maldeites,

    die Diskussion, die Sie noch vertiefen möchten, war am Schluss ungefähr an der gleiche Stelle wie 700 Kommentare vorher:

    Es gibt Personen, welche die Redewendung nicht kannten oder diese kannten.
    Manche verwenden diese mittlerweile einfach gänzlich losgelöst von dessen Entstehung und sehen darin einfach nur ein anschauliches Bild. Andere sehen den ironischen Kontext, andere überlesen-/hören einfach das „innere“ und regen sich über den „Reichsparteitag“ auf. Die Verwendung der Redewendung in der Halbzeitpause haben auch die meisten als unglücklich bezeichnet, egal auf welcher Seite sie sich in der Diskussion befanden.
    Viel anderes oder gar einen Erkenntnisgewinn konnte zumindest ich nicht feststellen. Wie hat da nochmal jemand so schön vorgeschlagen: „Agree to disagree?“.

    Nun muss man für jemanden, der hier nicht öfter vorbei liest, evtl. kurz erwähnen, dass der Hausherr hier jeden einzelnen Kommentar (und auch den Spam, Beleidungen etc., die hier gar nicht veröffentlicht werden) lesen muss. Ich muss das zum Glück nicht, deshalb kann ich nicht sagen, ob dieser Hinweis für Sie, Frau Maldeites, neu ist. Evtl. stellte sich für Herrn Niggemeier – ich äußere mal eine Vermutung – auch eine gewisse Langeweile ein, die auch den Kommentaren einiger Diskutanten zum Ende abzulesen war.

    Wie NIQUI soben schon geschrieben hat, das Leben spielt draußen. Also nutzen Sie doch das – hoffentlich auch bei Ihnen – schöne Wetter, gehen Sie raus, schauen Sie die WM. Aber Sie müssen doch nicht noch den zweiten Kommentarteil zupflastern, oder?!

    Hochachtungsvoll,
    Ihr Theo

  23. Was bleibt ist ein Unbehagen darüber, dass eine Moderatorin für eine (… hier könnte eine Wertung stehen …) Formulierung fertig gemacht werden soll, eine Aufregung geschaffen wird, die nicht ins Verhältnis zur Ursache zu bringen ist.

  24. @lena maledeites: „In meinen Augen enthält sie als doppeldeutig-ironisches Stück sehr wohl auch einen gehörigen Teil insgeheimer Bejahung von Reichsparteitagen. “ Ja. Das wissen ja nun alle. Gegenteilige Meinungen akzeptieren Sie nicht. Ende der Diskussion.

  25. Vor etlichen jahren gab es riesenärger bei Bayern München.Worum es ging:Kann nichts weltbewegendes gewesen sein,denn ich hab´s vergessen.In der geschäftsstelle wurde stunde um stunde getagt und gestritten,und davor warteten massenweise fans und auch fernsehreporter,um zu erfahren,was beschlossen wurde.
    Irgendwann öffnete sich ein fenster im ersten stock,und ein sichtlich erzürnter Sepp Maier rief nach unten:
    Geht´s endlich hoam,Ihr arbeitslosen!
    Soviel zu der quasselei um den „inneren“.
    NIQUI hat absolut recht.Für den turm“witz“ hab´ich mal jemanden vor die tür gesetzt,und wer da nicht aufmerken und unterscheiden kann,der wird es auch nach weiteren 950 kommentaren nicht schaffen.

  26. @Lena Maldeites: sie meinen also, dass ein kommentieren eines Artikels (eine Diskussion fand dort nicht statt) auch irgendwann einmal ein Ende haben kann/sollte? Einfach weil offensichtlich die Mehrzahl aller Beteiligten nicht daran denkt ihre Ansichten zu wiederholen bis alle anderen ihre Meinung angenommen haben und allmählich sauer werden, weil dies nicht passiert?

    Zur Redewendung habe ich eben noch kurz gegoogelt und folgendes gefunden:

    http://www.redensarten-index.de

    ein innerer Reichsparteitag
    1. Gefühl tiefster Befriedigung / Genugtuung
    2. private Zelebration rechtsradikalen Gedankengutes

    Die Redensart kenne ich eigentlich nur als 1., benutze sie so selbst und meine aus dem Zusammenhang der Moderation erkennen zu können dass auch Frau Müller-Hollenstein wohl eher nicht 2. gemeint haben kann. Falls sie mich dafür als rechtsradikal bezeichnen wollen…nun gut wir kennen uns ja nicht. Wäre dies der Fall würde ihnen das eher schwerfallen.

  27. Wenn man sich mit dem Volksmund, den polit. Witz, der politischen Satire, deren Enstehung usw. nicht auskennt, erscheinen für sich betrachtet etliche Witze oder Anspielungen geschmacklos. So gibt es ebenso Witze von jüdischer Seite, die sich über Zustände und Entwicklungen in Deutschland lustig machen. Nichtmal wirklich boshaft, aber schon ziemlich deftig. Speziell der politische Witz soll zum Nachdenken anreden. Ein klassischer Meister dieses Fachs war der Kabarettist Wolfgang Neuss, der nun alles andere als politisch rechts war. Dieser „Wachturmwitz“ hätte ebensogut von ihm stammen können. Um diesem Witz in seiner eigentlichen Bedeutung zu verstehen, muß man den herrschenden Zeitgeist während der Nachkriegsjahre verstehen. Dieser Witz zielte auf die Besonderheit ab, daß ungefähr jeder in der Familie irgendein KZ-Opfer nachweisen mußte, um den diversen Entnazifizierungsrepressalien der Allierten zu entgehen. Weil das nahezu unmöglich war, kam dieser „Witz“ im Umlauf. Er ist im Grunde eine Überspitzung eines Kabaretbeitrages von Neuss Ende der 40er-Jahre „Der letzte Nazi“. Hierbei ging es darum, daß von vorher über 90% Anhängern es keiner mehr gewesen sein will. Schlagartig waren es alles heimliche Widerstandskämpfer. Jeder hatte also in der Familie urplötzlich einen todesmutigen Widerstandskämpfer.

    Ähnlich die Kampagne „Der Ausländer, Dein Freund“ in den 90ern. Jeder, der nicht einen besten Kumpel mit Migrationshintergrund aus dem Hut zaubern konnte, galt schon fast als „fremdenfeindlich“.

    Mit solchen Methoden erreicht man ein gewisses Maß an ironischen Bemerkungen, die irgendwann in einem Witz münden, da die eigentlich gut gemeinte Absicht in dieser Form realitätsfremd ist.

    Man kann nicht von oben etwas verordnen, was sich in der Alltagsrealität nicht in der gewünschten Form umsetzen läßt, und setzt sich irgendwann dem Volkspott aus.

    Den meisten Deutschen fehlt schlicht in ihrer „Betroffenheitsmanie“ die Gabe, schwarzen Humor oder einfach nur politische Satire zu verstehen. Gerade bei diesen Formen des Humors ist es eine Gratwanderung, ob die Grenze des guten Geschmacks überschritten wird, erst recht, wenn bestimmte Themen von vornherein tabuisiert werden.

    Worum es geht: solange ständig mit Betroffenheitsmiene auf der unseligen Vergangenheit herumgeritten wird, macht sich die übrige Welt nicht nur darüber lustig, sondern nutzt diesem Umstand für sich aus.

    Die Deutschen wären gut beraten, unbefangener mit ihrer Geschichte umzugehen und nicht bei einer wie auch immer gearteten Äußerung, solange sie nicht volksverhetzend oder verherrlichend ist, an die Decke zu gehen, und komischerweise auch nur dann, wenn es ums Dritte Reich geht.

    Die aktuelle Politik bietet schon genügend Gelegenheiten, sich auf möglicherweise, wenn man es will, „braunverdächtiges“ Gedankengut zu stürzen. Aber Volksverhetzungen gegen Teile der eigenen Bevölkerung fallen anscheinend nicht so auf.

  28. Ich möchte 5. [Torsten] kurz bestätigen: Da fehlt ein ‚mit‘. Und zwar im 6. Absatz, genau zwischen „irgendwann noch“ und „der außerordentlich“. Ansonsten: Fallen Sie nicht über Eichelketten, die manche hier in den Kommentarspalten auslegen (@S.N.: Ich weiß, ich bin bekloppt ;-)).

  29. Dies ist der Blog von Stefan Niggemeier. Er muss jeden Eintrag lesen, schon aus rechtlichen Gründen, denn er ist verantwortlich für die Inhalte.

    Wir Poster nutzen die Möglichkeiten zum kostenlosen Meinungsaustausch, die uns Niggemeier hier bietet. Wir sind G a s t hier.

    Stefan Niggemeier hat den anderen Thread zum Thema nach vorheriger Ankündigung geschlossen. Das ist sein gutes Recht.

    Somit dürfte eigentlich klar sein, dass eine weitere Debatte dazu nicht erwünscht ist. Wenn man zu Besuch bei jemandem ist, missbraucht man ja auch nicht das Gastrecht.

    Ich hab das alles mal besonders für Frau Maldeites etwas ausführlicher geschrieben, aber nicht nur für sie.

  30. @ Dogbert #45

    „Speziell der politische Witz soll zum Nachdenken anreden.“

    Danke für die ausführliche Erklärung.
    Ich werde mir das zu Herzen nehmen und mal mein Nachdenken ansprechen.

    Mal sehn, was es antwortet.

  31. Na, wenn schon nicht im anderen Thread, dann müssen wir doch wenigstens hier auf 1000 Kommentare kommen. Los, da geht doch noch was!

  32. @ Matthias:
    Ach was, wir rechnen die Kommentare hier einfach zu den 950 dort dazu, dann können wir direkt Feierabend machen… Nach dem Motto „traue keiner Statistik, die du nicht selbst mißverstehen möchtest“ (oder so ähnlich).

  33. @Lena: Also, so wirklich was Neues, Interessantes oder Aufschlussreiches habe ich nach den ersten 100 Beiträgen nicht mehr gelesen. Von dir auch nicht. Und, sorry, aber dass du nun, nach all den Kommentaren, die Stefan deutlich kritisiert haben und die Stefan selbst freigeschaltet hat, behauptest, er, Stefan, könne keine Kritik vertragen und habe deswegen diesen lächerlichen Thread geschlossen, wirkt ein bisschen doof.

    Und das ist die höfliche Formulierung.

  34. @ Dogbert
    Nach längerem Zwiegespräch mit meinem Nachdenken und gemeinsamen Schürfen durch die noch sehr lebendige Vergangenheit hätte ich jetzt mehrere passende Antworten.
    Da hier aber offensichtlich der falsche Ort ist, um diesen faszinierenden Bereich und seine gegenwärtigen Wirkungen deutlicher auszuleuchten, werde ich mich so kurz wie möglich fassen und mir zu diesem Zwecke die bündige Formulierung meines Nachredners polyphem ausleihen, um sie als Zusammenfassung zu benutzen :

    “Nazi-Content-Umverpackung”

    Trotzdem nochmals vielen Dank für Ihr Bemühen.

  35. Sie hat „Autobahn“ gesagt und da fangen natürlich alle an beim ZDF zu träumen und holen den ganzen „verbotenen“ Archivcontent des Dritten Reiches hervor. Es ist eine wunderlich antiliberale Atmosphäre in Deutschland wo es eine Art kollektive Sprachzensur gibt, sogar da wo es eigentlich überhaupt nicht nötig wäre. Das ist eigentlich ziemlich prä- und post-faschistisch. Wer gegen den Konsens verstösst, wird weggemobbt. Und es zählt nicht einmal der Gehalt sondern die Traumwolke des Betrachters drumherum. Die Vorstellung, dass Sprache sich kollektiv zu normieren hat, und sich ihrer Altlasten zu entledigen finde ich fürchterlich. Das ist fast wie bei Orwell, und auch der schrieb in einer Demokratie. Sprachkritisch kann man eigentlich gegen ihre Metapher nur anführen, dass sie nicht beim Zuschauer verstanden wird und hart wie Wackelpeter begleicht die deutsche Nationalmannschaft gegen Serbien diese Schmach… Steht grade 0:1

  36. Beißreflexe gibt es in jeder Kultur. Mit 17 war ich in London. Dort wurde ich auf offener Straße von einem älteren Londoner als Nazischwein beschimpft. Der sah „Deutscher“ und „wusste“ das kann nur ein „Nazischwein“ sein.

  37. Mein Bruder wurde in Deutschland von einem Opa auch schon als Nazi betitelt. Ein anderer hat ihn mit „Na na Kamerad, lass doch mal einen alten Waffenbruder vor“ an der Kasse im Supermarkt angesprochen.

    Alles was ich da lese ist, dass ältere Menschen mit höherer Wahrscheinlichkeit debil werden.

    Das kann doch keine Neuigkeit sein, und hängt noch weniger von der Kultur ab.

    Eher von der Haarlänge und vom Schuhwerk.

  38. Anekdoten…
    In einem sehr bodenständigen Restaurant bat die Bedienung einen älteren Herrn, den Tisch zu wechseln, weil eine größere Gruppe kam. Sein Kommentar: „Da komm ich mir ja vor wie ein Wanderjude!“

  39. @ Andre #56
    „Sprachkritisch kann man eigentlich gegen ihre Metapher nur anführen, dass sie nicht beim Zuschauer verstanden wird und hart wie Wackelpeter begleicht die deutsche Nationalmannschaft gegen Serbien diese Schmach… Steht grade 0:1“

    Und mit diesem Endergebnis wird ihre Metapher auch ins rechte Licht gerückt :
    Erst großmäulig rumprotzen (Die neuen Helden des Weltfußballs) um dann jämmerlich einzugehen.
    Ich fordere öffentliche Entschuldigung bei KMH und Lob für ihre weise Voraussicht.

  40. Lieber Stefan Niggemeier,

    warum eigentlich landet der Ausdruck „Drecksspiel“ bei Ihnen im SPAM-Fach?

    Ist es doch eine wahrhaftige Beschreibung…

  41. Diese Euphorie nach dem Spiel gegen Australien war ohnehin überzogen. Das Spiel gegen Serbien ist trotz guter Leistung unglücklich gelaufen, aber auch solche Spiele gibt es. Interessant ist, daß die beiden „Helden“ gegen Australien heute die Pechvögel waren. Mund abputzen und nach vorn schauen. Fußball ist eine nette Begleiterscheinung, aber doch sollte er nicht die gegenwärtigen Probleme überdecken.

  42. @ Dogbert #64
    „Interessant ist, daß die beiden “Helden” gegen Australien heute die Pechvögel waren.“

    Genau. Und da sah ich den Bezug zum Reichsparteitagsspruch. Das 1000jährige in Glanz und Gloria beschworen und wenige Jährchen danach lag alles in Schutt und Asche.

    Hat Katrin Müller-Hohenstein womöglich gewußt, daß es so kommt ?

    Denn in dem Fall wäre ihre Metapher ja äußerst passend weil Warnung zugleich und wir hätten uns alle geirrt.

  43. Niqui ab wann wird Ihnen eigentlich ihr Geschreibsel irgendwann mal peinlich?

    Es ist inzwischen einfach nur noch hohl, was Sie von sich geben, ganz ehrlich.

    Ich versuch die ganze Zeit zu verstehen, wie man sowas hinbekommt. Rennt man dafür ein paar Tage lang ohne Helm vor eine Mauer oder sind Sie in Wirklicheit 12 Jahre alt oder was ist der Grund dafür, dass Ihnen kein Vergleich zu weit hergeholt, keine Metapher nicht peinlich genug und jeder Nebensatz eines Anderen nicht doch noch in die Naziecke rückbar erscheint?

    Echt ich fass es nicht. Da ist der Begriff „Troll“ noch geschmeichelt. Das ist ungefähr so als ob ein Haufen Trolle ein Forum hätten und es kommt einer rein und sagt was, und alle Trolle gucken sich an und nicken sich zu – redet nicht mehr mit dem, der versucht unsere Diskussion über Trolle mit unwichtigen und hohlen Einwürfen zu zerstören.

  44. Verstehst wohl keinen Spaß, Sebastian? Erst große Vorträge über Ironie halten und dann selber keine verstehen, höhö.
    Was nur zeigt, Ironie ist reine Auffassungs-, d.h. Wirkungssache. Es muß ja noch jedem selbst überlassen bleiben, ob und wie er bestimmte Späße auffasst und versteht, ob als passend oder unpassend usw. Mit Reichsparteitagen verstehe ich jedenfalls keinen großen Spass, schon garnicht vor einer Massenkulisse von 28 Millionen Fernsehzuschauern. Mir will sowieso nicht in den Kopf, wie man sich FÜR einen Begriff wie den des Reichsparteitags, und sei es nur ein innerer so einsetzen kann und sich so erbitterte Auseinandersetzungen FÜR ihn liefern kann.
    Wenn von den Befürwortern dieser Redewendung wenigstens eingeräumt werden würde, dass sie reichlich mißverständlich und bräunlich-brenzlig ist und sich hart an der Grenze des Erträglichen bewegt, wäre diese Befürwortung nur halb so mißverständlich.

  45. So langsam hören Sie sich an wie die Durchsagen in der U-Bahn in London.

    „Mind the Gap“.

    Irgendwann hört man gar nicht mehr hin, weil’s immer der gleiche Satz ist.

  46. @ Sebastian #66

    „Erst große Vorträge über Ironie halten und dann selber keine verstehen, höhö.“

    So siehts aus und das kommt garnicht mal selten vor.
    Angesichts des momentan mal wieder herrschenden kollektiven Fußballwahns und meiner Befürchtung, im Sprachgebrauch aufgefrischte innere Reichsparteitage könnten bei passendem Geschichtsverlauf auch in äußere umschlagen, kam mir das 0:1 gegen Serbien doch sehr gelegen.

    Wahrscheinlich mangelt es mir aber nur an der rechten Menge NAZIonalstolz.

  47. Im durchaus begrüßenswerten Streben nach einem unverkrampfteren, differenzierteren Umgang mit der Geschichte des III. Reichs wird voller neuer Leichtigkeit und Unverkrampftheit leider zuweilen das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und über’s Ziel hinausgeschossen. Die unbekümmert-sorglose Verwendung des Begriffs des „inneren Reichsparteitags“ vor ganz Deutschland – und das Fernsehen ist nunmal eine nationale, hier sogar eine internationale Bühne – sowie die weitverbreitete Unterstützung solch leichtfertigen Sprachgebrauchs durchs Publikum gehören für mich leider mit dazu. Nur weil man das III. Reich differenzierter betrachten will, muß man in einer national ohnehin aufgeheizten Atmosphäre nicht gleich wieder Sprachbilder wie die des inneren Reichsparteitages für die Illustration von Triumph verwenden. Weil die Verbindungen und Beziehungen, zumal im Fernsehen, zum folgenden hier leider zu nahe liegen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Triumph_des_Willens

  48. @Lena Maldeites

    Sie meinen also, die doofen, leicht beinflußbaren Massen in einer national aufgeheizten Stimmung vor dem Fernseher, die auch die Verwendung der Redewendung „innerer Reichsparteitag“ nicht kennen, werden also zwangsläufig an „Triumph des Willens“ denken, wenn sie verwendet wird?

    Bissel schief, finden Sie nicht?

  49. Nein, das meinte ich nicht. Ich meine, dass die Parallelen, Verwechslungsmöglichkeiten, Ähnlichkeiten zwischen beidem – also zwischen solchen Sprüchen zu einem Weltmeisterschaftsspiel und besagter Nazifilmästhetik – zu nahe beinander liegen. Sprache ist eine Sache der Gewöhnung. Ich will mich jedenfalls nicht daran gewöhnen, bei national ohnehin aufgeladenem Torjubel in der nationalen Fernsehgemeinde an Reichsparteitage zu denken. Das ist für solche Anlässe ein ungeeigneter Sprachgebrauch, der m.M. nicht als gewohnt und gewöhnlich einreißen sollte.

  50. Linus ich glaube es ist in über 1000 Beiträgen klar geworden, dass sowohl Niqui als auch Lena kein Vergleich zu hohl und keine Idee zu weit hergeholt ist.

    Ich finde das alles mehr als putzig. Das Problem der Ideologie wird hierbei überhaupt nicht thematisiert. Statt dessen wird an Worten festgemacht, was sowohl bei Niqui als auch bei Lena als geistige Haltung herzuhalten hat. Wer „Negerkuss“ sagt, ist offen für den Hass auf Schwarzafrikaner, wer „innerer Reichsparteitag“ verwendet, der schmiert auch Hakenkreuze auf Synagogen.

    Wär es nicht schön, wenn die Welt so einfach wäre?

    Ich frag mich in dem Zusammenhang, wie wir überhaupt dagegen ankämpfen sollen. Daniel Levi hat doch festgestellt, dass wir den Antisemitismus angeboren haben.

    Wie gesagt: wenn’s alles so schön einfach wäre.

    Dann ja dann könnte man durch zweihundert Kommentare beim Niggemeier im Blog auch dafür sorgen, dass sich der Nationalsozialismus nicht wiederholt.

    *Augenverdreh*

  51. Sebastian, die beiden haben eventuell in ihrer Jugend zuviel „TKKG“ gelesen oder gehört. Dort waren die „Bösen“ auch immer leicht zu erkennen. Schiefe Nase, vernarbte Haut, und dann vielleicht noch Raucher? Aha, der hat was auf dem Kerbholz!

    Manche kommen aus dieser schwarz-weiß-Phase nie heraus…

  52. Was für ein Aufriß um eine Sache, die die meisten anscheinend ohnehin nicht verstanden haben. Darin bestand die journalistische Unbedachtheit der Moderatorin. Jeder, der diese Redewendung und den dahinterstehenden Sinn kannte, hat darüber geschmunzelt.

    Keiner der Diskutanten, die diese Redewendung kannte, hat deren Verwendung für gelungen gehalten, da sie nicht mehr gebräuchlich ist.

    Es wurde bereits bis zum Erbrechen diskutiert, wie die Bemerkung von Frau Müller-Hohenstein im Kontext betrachtet zu verstehen war. Es ging nicht um den Reichsparteitag als solchem, sondern um die heute mißverständliche Metapher, um eine tiefe Genugtuung zu beschreiben.

    Diese Diskussion ist so albern und wirkt schon so grotesk, daß selbst das Wörter wie „Autobahn“ oder „Führerschein“ schon auf dem Index gehören müßte.

    Wie verklemmt oder borniert muß man denn sein, sich an solchen Begriffen dermaßen hochzuziehen?

    Meine inzwischen verblichene Großmutter nannte die Bundeswehr trotzdem noch Wehrmacht. Na und? Da die Bundeswehr offiziell keine Kriege führt, heißt es auf Neudeutsch halt „Beteiligung an kriegsähnlichen Zuständen.“

    Die Kinderorganisation „Jungen Pioniere“ und die FDJ waren samt ihrer Organisationen, Gestaltung und Struktur nichts anderes als die Vorgängerorganisationen im Dritten Reich. Es wurden lediglich die Namen ausgewechselt, was auf viele Begriffe in der DDR zutraf, um jegliche Assoziationen zu vermeiden. Andererseits wurde die DDR von der NATIONALEN VOLKSarmee verteidigt. Die Polizei hieß VOLKSpolizei. Passkontrollen wurden von den „GrenzTRUPPEN der DDR“ durchgeführt. Intern waren es die Passkontrolleinheiten, die dem MfS (Hauptverwaltung VI) unterstanden. Kaum einer wird heute noch die „Aktion UNGEZIEFER“ kennen. Hier wurden als „politisch unzuverlässig“ geltende DDR-Bürger zwangsumgesiedelt. Diese Aktionen erinnerten fatal an die Judentransporte in die Konzentrationslager. Die Staatsfeierlichkeiten der SED erinnerten ebenso fatal an die Reichsparteitage der NSDAP.

    Was ich damit sagen will: mit den Auswechselungen von Begriffen ändert sich nicht zwangsläufig die Intention, so unterschiedlich die ideologische Ausrichtung auch gewesen sein mag. Die Methoden blieben die gleichen.

    Der Reichsparteitag im Dritten Reich ist wie der Parteitag (der SED) nichts anderes als der Bundesparteitages. Der Unterschied besteht lediglich darin, daß dieser wegen des bestehenden Mehrparteiensystems nicht die breite Beachtung innerhalb der Bevölkerung genießt.

    Lange Rede, kurzer Sinn:
    Es geht nicht um die Begriffe, sondern um die Inhalte. Ob ich nun schönes Wetter als Kaiserwetter, Führerwetter oder Bombenwetter bezeichne, ist völlig egal. Es ist und bleibt ein schönes Wetter.

    Der „innere Reichsparteitag“ ist eine damals gebräuchliche Umschreibung einer tiefen Genugtuung eingedenk politischer Verfehlungen des Gegners. Daß diese Verwendung im Zusammenhang eines sportlichen Ereignisses nicht besonders passend war, haben hier doch alle gesagt.

    Für Klose war es sicherlich ein Triumph des Willens. Was denn sonst? Wer denkt denn da an den Film von Leni Riefenstahl? Klose hatte sportlich keine glückliche Saison, aber hat immer an sich geglaubt, hat sich nie aufgegeben. Sein Tor war für ihn persönlich die Bestätigung, daß er es kann und sein ungebrochener Wille trotz aller Demütigungen belohnt wurde. Das kann man sehr wohl als Triumph des Willens bezeichnen.

    Der Vergleich zum „inneren Reichsparteitag“ war inhaltlich unpassend, da Klose keinen unmittelbaren Gegner hatte, sondern sich in erster Linie selbst erlöst und bestätigt hatte.

    Die erklärten „Antifaschisten“ merken in ihrer ideologischen Verblendung nicht, daß sie keinen Deut besser sind als die angeblichen „Neonazis“. Wer sich Vokabeln bedient, die auch nur ansatzweise mit „Reichs…“ zu tun hat, gehört standrechtlich erschossen. Das ist die Kernaussage von Leuten wie NIQUI und Frau Maldeites. Am Beispiel der DDR habe ich das weiter oben aufgezeigt: die Ideologie wird gewechselt, aber die Methoden sind die gleichen.

    Jeder, der .

  53. @72 Lena Maldeitis

    Ich höre immer „national aufgeladen“. Wo bitte sehen Sie das denn? Und was soll denn das Gefasel? Sind die Engländer weniger „national aufgeladen“? Die Japaner? Die Franzosen? Die Ghanaer?

    Hallo? Wir ham ne WM. Da hält man meistens zum eigenen Land. Manche schwenken Fahnen. Andere bemalen sich die Gesichter. So what? Darüber hinaus musste ich mit Erstaunen feststellen, dass nicht nur ich, sondern viele andere Leute sich möglichst viele Spiele antun. Chile gegen Honduras. Wie passt das denn zusammen mit einer „national aufgeladenen“ Stimmung?

    Man sollte echt nicht den Fehler machen, das Deutschland-Bild, was die BILD meint zu beschreiben, und was man täglich auf RTL bewundern darf, auch noch für bare Münze zu nehmen. Die Menschen sind nicht ganz so doof, wie Sie, liebe Lena, tun. Und müssen auch nicht ungefragt vor bösen Worten in Schutz genommen werden.

  54. Ich gehe sogar noch weiter: Was Sie fordern, Frau Maldeitis, wenn man Ihre Gedanken mal zu Ende spinnt, ist Zensur. Ist Meinungsbevormundung. Sprachbevormundung. Ist Erziehung zur Unselbständigkeit. Eigenes Denken ist nicht mehr nötig, weil es ja Leute wie Sie gibt, die das anderen abnehmen. Ich will das aber nicht.

  55. Entschuldigung, aber dieser Ausspruch ist mittlerweile sechs Tage her, der dazugehörige Blogeintrag deren fünf. Wer meint, er müsse jetzt immer noch krampfhaft versuchen, diese Mücke aufzublasen, ist entweder unfassbar starrsinnig und rechthaberisch (und somit Argumenten nicht zugänglich), oder ein ganz ordinärer Forentroll, der einfach nur Freude daran hat, dem Hausherrn (und vielen seiner Leser) durch das künstliche am Leben halten einer völlig irrelevanten Diskussion auf die Nerven zu gehen.

    Wie dem auch sei – bitte nicht mehr füttern, danke!

    Deutlicher als durch das Schließen der Thread-Kommentare kann ein Blogbetreiber kaum kommunizieren, dass er eine Fortsetzung der (im Kreis laufenden Endlos-)Diskussion nicht mehr wünscht, daher ist es eigtl eine Frage der Höflichkeit, diese nicht auch noch unter einem anderen Eintrag fortzusetzen.

  56. Fussball-Länderspiele sind zwangsläufig immer national aufgeladen, weil eine Sache der ganzen Nation, für die fast die ganze Nation bzw. breite Teile der Nation mitfiebern. National ist nichts perse schlechtes und von mir auch keinesfalls so verstanden. Aber gerade deshalb sind historisch belastete NS-Begriffe wie Reichsparteitag zu solchen naturgemäß national aufgeladenen Veranstaltungen von nationaler wie internationaler Beachtung von vornherein unpassend und deplatziert.
    Wenn man außerdem sämtliche Sprachkritik und Sprachdiskussion unter den Generalvorwurf der Zensur stellte, wären sie, im Grunde sogar sämtliche Kritik schlicht nicht mehr möglich. Man wird ja nochmal einzelne Äußerungen kritisieren und diskutieren dürfen, ohne sich gleich dem Zensurvorwurf auszusetzen. Solchen Zensurvorwurf könnte ich, wenn man ihn denn mir macht, den Befürwortern der Redewendung genauso machen, weil sie ja sämtliche Kritik an der Benutzung der Redewendung in Bausch und Bogen verdammen und vom Hausherrn sogar die Diskussion zum Begriff zwangsbeendet wurde. Im übrigen gibt es natürlich auch in deutschen Medien für bestimmte Aussagen quasi ein Verbot, mithin also sowieso eine Zensur. Statt Bevormundung würde ich das Ziel von Diskussionen wie diesen außerdem besser Beeinflussung nennen. Wer diskutiert, will immer Einfluss auf anderer Meinungen nehmen.

  57. Ok versammelte Mannschaft, können wir uns jetzt darauf einigen, die Trolle zu ignorieren und egal was sie sagen nicht nochmal zu kommentieren? Da kommt nichts Neues und jedwede Nachfrage führt nur zu erneutem Hochwürgen der gleichen idiotischen Schlussfolgerungen.

    Ghana spielt gerade gegen Australien, guckt Euch das an und ansonsten schlag ich z.B.

    http://www.allesaussersport.de/

    für die Beschäftigung mit der schönsten Nebensache der Welt vor.

    Also Kommentieren mein ich jetzt. Nona ist schon da, falls ihr das heimelige Gefühl von Miteinander vermisst ;-)

  58. @Lena Maldeites

    Im übrigen gibt es natürlich auch in deutschen Medien für bestimmte Aussagen quasi ein Verbot, mithin also sowieso eine Zensur.

    Wenn Sie damit meinen, dass man in diesem Lande anscheinend nicht alles sagen (und veröffentlichen) darf, was man will, würde ich Ihnen einen Blick ins Gesetzbuch Ihrer Wahl vorschlagen.

    Wenn Sie damit meinen, dass gewisse heikle Aussagen nicht vorkommen, könnte das an Leuten wie Ihnen liegen, die sämtliche Mediennutzer vor pöhsen Dingen in Schutz nehmen wollen.

    Wenn Sie damit meinen, es gäbe sowas wie eine Verschwörung, gewisse Dinge zu unterdrücken, sind Sie recht nahe bei all denen, die was von „Systemmedien“ faseln.

    Suchen Sie sich eins aus.

  59. Selbstverständlich darf man auch in diesem Lande keinesfalls alles sagen (und veröffentlichen), was man will. Insbesondere insoweit es gegen die Gesetze aber auch gegen gewisse Sitten und Gepflogenheiten widerspricht, z.B. Kriminalität und anderes verherrlicht.
    Näheres auch hier http://dejure.org/gesetze/StGB/130.html

  60. @ Moderation

    2 mal wurde mein Comment geblockt; deshalb umgeschrieben.
    Jetzt sind plötzlich alle 3 vorhanden. Bitte 2 davon nach Gusto löschen.
    Danke

  61. @ Sebastian #66
    „Das ist ungefähr so als ob ein Haufen Trolle ein Forum hätten und es kommt einer rein und sagt was, und alle Trolle gucken sich an und nicken sich zu – redet nicht mehr mit dem, der versucht unsere Diskussion über Trolle mit unwichtigen und hohlen Einwürfen zu zerstören“

    Das seh ich langsam genauso. ;-)

  62. @ Dogbert #75
    „Der Reichsparteitag im Dritten Reich ist wie der Parteitag (der SED) nichts anderes als der Bundesparteitages. Der Unterschied besteht lediglich darin, daß dieser wegen des bestehenden Mehrparteiensystems nicht die breite Beachtung innerhalb der Bevölkerung genießt.“

    Wie bitte ?? Das wird ja immer greller.

    „Wer sich Vokabeln bedient, die auch nur ansatzweise mit “Reichs…” zu tun hat, gehört standrechtlich erschossen. Das ist die Kernaussage von Leuten wie NIQUI und Frau Maldeites“

    Wenn Sie diese Aussage nicht noch mal überdenken um sich dann entschuldigend davon zu distanzieren, werde ich Sie ab jetzt ignorieren.
    Erklären kann ich mir diesen Ausfall nur als völlig überzogene aber erhellende Reaktion auf mein „NAZIonalstolz“ in der Antwort an Sebastian.

    P.S: Scumsoft Spel chekar vor sail. Worgs grate…

  63. Wenn man es genau nimmt: Da es hier um Nazi-Content-Produzenten geht, kann das fast als Aufforderung zum Füllen der Kommentarspalte mit weiteren 950 Kommentaren verstanden werden. Völlig überschriftskonform.

    Aber da ich von Frau M. sowieso schon als Nazi beschimpft wurde (natürlich nur im Scherz, haha), könnte ich auch noch was neues bringen: Ja, es war absolut unmöglich, was KMH gemacht hat. Fand ich bis kurz vor ihrem Kommentar noch Nazis und alles was mit Ihnen zu tun hat, scheiße, so bin ich seitdem auf die andere Seite gewechselt. Erst innerlich (wegen KMH), dann, aufgrund der scharfsinnigen Erkenntnisse von Frau M., auch äußerlich.

    Ganz schlimm. Man beende dieses, bevor ich noch Allmachtsphantasien bekomme und versuche, die Weltherrschaft an mich zu reißen.

  64. Ihr nervt.

    Echt.

    Alle wissen jetzt, dass ihr fast ohnmächtig geworden seid, als die Fußballreporterin die Redewendung mit dem Reichsparteitag verwendet hat, alle halten euch jetzt für total antifaschistisch und nun könnt ihr auch mal aufhören, die Threads mit euren persönlichen Befindlichkeiten zu spammen.

    Danke.

  65. @ Linus #81
    „Wenn Sie damit meinen, es gäbe sowas wie eine Verschwörung, gewisse Dinge zu unterdrücken, sind Sie recht nahe bei all denen, die was von “Systemmedien” faseln.

    Suchen Sie sich eins aus.“

    Ich hab mir das ausgesucht.
    Genau diese Verschwörung existiert. Einiges unterdrücken, anderes überbetonen. Alles garniert mit viel Quatsch mit Soße zum Vertuschen.

  66. Ich finds lustig. NIQUI ernenne ich hier offiziell als Nachfolger von Karl-Eduard von Schnitzler, Chef -Volksdenkvorkauer im Auftrag der DDR-Regierung. Frau Maldeites bekommt das VOLKSbildungsministerium (kein Nazi-Begriff) von Margot Honecker.

    Politischer Witz:
    Worin besteht der Unterschied zw. Kommunisten und Nationalsozialisten? Es besteht im Prinzip keiner. Sie unterscheiden sich nur in der Farbe ihrer Unterwäsche. Die Kommunisten haben ihre reingewaschen und sie wurde statt braun, rot, aber das Bräunliche kommt wieder, wenn man das Volk bescheißt.

    Daß Frau Maldeites und NIQUI diese hintergründigen Metaphern in diesem Witz nicht verstehen, setze ich mal vorsorglich voraus.

    Es geht nicht um Begriffe, sondern um die inhaltlichen Aussagen. Ob ich Parteitage als Reichs- oder Bundesparteitage bezeichne, ist schnurzegal. Damal hießen sie Reichsparteitage, weil sie eine länderübergreifende Parteitagung im Deutschen Reich waren. Heute heißen sie Bundesparteitage, weil man sich in Bundesrepublik umbenannt hatte.

    Mit Nationalsozialismus hat das alles nichts zu tun. Reichsparteitage gab es vor dieser Epoche und sogar danach. Es ist ein völlig wertfreier Begriff, der nichts anderes besagt, daß eine Partei ein länderübergreifendes Treffen (Tagung) abhält.

    Wer „Reichsparteitag“ mit dem Nationalsozialismus assoziiert, ist äußerst ungebildet. Diese diskutierte Redewendung nimmt zwar Bezug auf den inneren Widerstand gegenüber dem damals herrschenden Nationalsozialismus, ist aber im richtigen Kontext gesetzt, auf alles übertragbar.

    Eventuelle Umdeutungen beziehen sich nicht nur auf die Neonazis, sondern auf alle, die mit der Politik der Bundesregierung nicht einverstanden sind, und das nicht nur Neonazis, sondern ganz normale Bürger, die sicherlich ihren „inneren Reichsparteitag“ oder „inneren Bundestag“ feiern, wenn die Bundesregierung gestürzt wird.

  67. Ihr nervt.

    Echt.

    Alle wissen jetzt, dass ihr fast ohnmächtig geworden seid, als die Fußballreporterin kritisiert wurde, alle halten euch jetzt für total locker und ironisch und nun könnt ihr auch mal aufhören, die Threads mit euren persönlichen Befindlichkeiten zu spammen.

    Danke.

  68. @Dogbert #92 Wer vorgibt “Reichsparteitag” nicht mit dem Nationalsozialismus zu assoziieren, lügt und macht sich und anderen was vor. Wenn die die Bezeichnung der Parteitage als Reichs- oder Bundesparteitage angeblich so schnurzegal ist, warum nennt man sie dann nicht einfach besser Bundesparteitag? Hmm, warum denn wohl nicht? Weil es keinesfalls schnurzegal ist. Die Redewendung funktioniert für die martialisch-höhnische, schadenfreudige Umschreibung von Triumph nur als Reichsparteitag … Weil es sonst keine solchen martialisch-höhnischen Triumphe in der Parteitagsgeschichte gibt.

  69. Verbohrte Dummköpfe wie Frau Malscheißen oder Herr Nichtswissen nerven. Wir machen uns über Euch die ganze Zeit lustig und ihr merkt es nichtmal.

    Als in Sapporo 1972 im Rennschlittendoppelsitzer Reinhard Bredow/Horst Hörnlein (DDR) zeitgleich mit den Südtirolern Paul Hildgartner/Walter Plaikner (ähhh… auf Neudeutsch natürlich Italiener) Olympiasieger wurden, müssen NIQUI und Frau Maldeites einen dreifachen Orgasmus bekommen haben.

    Südtirols Sportler sind jetzt auch schon Nationalsozialisten, weil sie sich weigern, die italienische Nationalhymne zu singen? Gerhard Plankensteiner (ein besonders typischer italienischer Name):
    Ein breites Medienecho – in Italien und im Ausland – bewirkte die Antwort Plankensteiners auf die Frage eines italienischen Reporters, ob er bei einem Sieg „dann Mamelis Hymne“, die italienische Nationalhymne, gesungen hätte. Der Südtiroler antwortete, er kenne dieses Lied nicht, wodurch medial eine Diskussion über die Beziehung der Südtiroler Sportler zu Italien begonnen wurde.

    Er heiratete später die aus der DDR stammenden Rennrodlerin und mehrfache Weltmeisterin Susi Erdmann.

    Ist Plankensteiner jetzt Nationalsozialist?

  70. Frau Maldeites….

    Reichtsparteitag hat mit Nationalsozialismus so wenig zu tun wie Zahnmedizin mit Sinologie.

  71. @ Lena

    Außerdem hatte er selbst den Bezug explizit hergestellt. Ich zitiere nochmal :

    “Der Reichsparteitag im Dritten Reich ist wie der Parteitag (der SED) nichts anderes als der Bundesparteitages. Der Unterschied besteht lediglich darin, daß dieser wegen des bestehenden Mehrparteiensystems nicht die breite Beachtung innerhalb der Bevölkerung genießt.”

    Das meiste von Dogberts Absonderungen ist verschleierndes Gewäsch.
    Beim „politischen Witz“ vergaß er natürlich zu erwähnen, was mit der Unterwäsche der Nazis geschah. Diese schissen einfach weiter rein und sie wurde schwarz.
    Da wo ich lebe, werden Regierungen gewählt und nicht gestürzt, nebenbei bemerkt. Keine Ahnung, in welcher Zeitschleife er hängengeblieben ist. Aber ironische und sachliche Kritik sind dort offenbar kommunistisch.

  72. @ Lena

    „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran.“

    Ein Outing hatten wir schon (klammerbeutel) und nach Wortwahl (Verbohrte Dummköpfe wie Frau Malscheißen oder Herr Nichtswissen nerven) und Fehlerquote steht Dogbert kurz davor.
    Nicht lockerlassen. ;-)

  73. Sind die Hosen der deutschen Nationalspieler deswegen so schwarz?

    Ihr tickt nicht ganz sauber.

    Ich lache mir hier regelmäßig einen ab, wie sich zwei Leute über ironische Bemerkungen dermaßen aufregen können. Das ist einfach Komödie. Sie sind dermaßen verbohrt, daß sie ironische Bezeichnngen nichtmal vertragen. Ist ein Symptom für Befürworter von Diktaturen.

  74. Quod erat demonstrandum !

    Ich bin Globalist.
    Allerdings eher im Sinne Perry Rhodans als der NWO.

    Aber vielleicht hab ich das Spiel ja auch falsch verstanden. Ich dachte immer, die beste Mannschaft sei jene, die im Finale gewinnt. Oder nicht ?

  75. @ Sebastian: Ich find Niquis Kommentare ganz okay. Habe mich auch gefragt, ob man nach einem „inneren Reichsparteitag“ am Ende gewinnt. Oder das „innere Stalingrad“ dann auch bald folgt. So in der südafrikanischen Kälte.

    „Innerer Reichsparteitag“ kenne ich ebenso wie „innerer Durchmarsch“, „innerer Vorbeimarsch“, „lief ja wie in der Volkskammer“ usf. Warum KMH nun gerade an „Reich“ gedacht hat, hätte ich irgendwie gern erfahren.

  76. Lass mich raten: „Man wird das doch mal fragen dürfen“ ist die Begründung. Oder „Man muss sich das doch fragen“.

    Nein. Muss man nicht. Man muss nicht überall Nazis sehen. Das ist seit Sonntag die Antwort auf den ganzen Quatsch hier und deshalb wirken diese ganzen Assotiationstiraden von Niqui und Lena absolut grenzdebil.

  77. @102

    Kinners, das hatten wir doch schon. KMH hat bestenfalls an gar nichts gedacht. Der „innere Reichsparteitag“ ist ein stehender Begriff. Sie hatte nicht das Kaufhausregal vor sich, um zu sagen, hmmm, nehm ich jetzt den Bundes, Landes oder Kreisparteitag.

    Das Bild funktioniert nur mit dem Reichsparteitag. Aber eben nicht mit der Assoziation zu pöhsen Nazis, wie uns Frau Maldeites das glauben machen möchte, sondern in Verbindung mit gigantischem Pomp.

    Was Apologeten des politisch korrekten gerne vernachlässigen, ist sich die Perspektive des anderen vorzustellen. Das könnte ja ansteckend sein. Nazis sind einfach eindimensional und böse. Und alles, was damit zu tun hat, auch. Für denjenigen, der einen solchen Pomptag feiert, ist das Gefühl ein ausschliesslich positives. Und die Exklusivität des Gefühls nehm ich dem Nazi weg, wenn ich das Bild für so profane Dinge wie…öh…Müll runterbringen verwende. Das war mir nämlich gestern ein ganz besonderer innerer Reichsparteitag.

  78. @ nocheinjurist #102

    „Inneres Stalingrad“ – Thumbs Up !

    Auch für mich beinhaltet das Bild des RPT nebst Gigantomanie ganz deutlich eine Ahnung des bald darauf folgenden Untergangs.
    Glücklicherweise leben wir nicht – und hoffentlich nie wieder – in einer Diktatur, die uns vorschreiben will, was wir fragen und sehen dürfen und wie die Bedeutung von Begriffen zu sein hat.
    Ähnlich lächerlich wie den „Stehenden Begriff“ empfinde ich die Behauptung, KMH hätte „bestenfalls an gar nichts gedacht“. Bestenfalls ?
    Oder ist das womöglich Einstellungsvoraussetzung auch bei Fußballreportern ??
    Weil, manchmal klingt das schon so…

  79. Ein Problem ist auch der sogenannte „Beißreflex“ der Pfleger des politisch korrekten Wortschatzes. Irgendwie haben die das Gefühl, daß hinter jeder Ecke ein Nazi auftauchen könnte. Im Alltag fallen mir ganz andere Tendenzen auf, wo wirklich Aufklärungsbedarf bestünde. Dagegen ist der Gebrauch der Redewendung um den „inneren Reichsparteitag“ viel zu harmlos und bestenfalls mißverständlich. Das gilt auch für andere weniger gebräüchliche Redewendungen, ohne daß sie einen überhaupt einen Bezug zum Nationalsozialismus hätten.

    Wenn sich jemand in besonderer Weise berufen fühlt, rechtsradikale Tendenzen zu bekämpfen, braucht er nur auf die Straße zu gehen. Die Gefahr extremer Entwicklungen (egal ob von rechts oder von links) entsteht nicht durch den Gebrauch eines bestimmten Vokabulars, sondern durch die Untätigkeiten der vom Volk Bevollmächtigten.

    Noch haben wir einen funktionierenden Rechtsstaat mit einem gottseidank noch unabhängigen Bundesverfassungsgericht. Erste Anzeichen in Richtung „Diktatur“ lassen sich schon im Zusammenhang mit der Wahl des künftigen Bundespräsidenten erahnen. Ebenso gibt es keine Volksentscheidungen bei fundamentalen Entscheidungen.

    Das sind die wirklich wichtigen Herausforderungen in der Gegenwart, und nicht sich mit belanglosen Randerscheinungen wie eine „Gedankenlosigkeit“, wie sie Frau Müller-Hohenstein passiert ist, zu beschäftigen.

    Ich frage mich allmählich, was man Frau Müller-Hohenstein eigentlich vorwirft. Das einzige, was man ihr vorwerfen kann, ist, daß sie die Allgemeinbildung des Publikums überschätzt hatte. Zudem war diese Metapher auch ein Stück zu weit hergeholt, daß sicherlich Leute, denen die Metapher geläufig war, auch erstmal kurz überlegen mußten, aber sowas kann einer Moderatorin innerhalb einer Direktübertragung passieren. Es dürfte unstrittig sein, daß diese Redewendung als Umschreibung für eine tiefe Genugtuung im Kontext betrachtet nicht besonders geeignet war.

  80. Hallo Dogbert

    Ich sehe, Sie haben sich beruhigt und auch an Ihrem Rechtschreibprogramm gearbeitet.
    Den Aussagen ihres Textes kann ich in weiten Teilen zustimmen. Aber nicht allen. Zum Beispiel sehe ich nicht erst jetzt „erste Anzeichen in Richtung Diktatur“. Eines der jüngeren europäischen Zeichen : der Lissabon-Vertrag.
    Auch sollten wir nicht die Macht unserer Sprache unterschätzen und damit den Einfluß des gesprochenen Wortes. Was natürlich auch gilt bei völlig unreflektiertem Sprachgebrauch.
    Also hoffe ich, daß Sie Ihre Haltung zu „Standrechtlichen Erschiessungen“ revidiert haben.

  81. KMH wird schon wissen, warum siesich dazu nicht äußern mag. Aber egal. Die schöne Redewendung dürfte wieder in Mode kommen, wenn Wulff zum Bundespräsidenten gewählt wird. So viele Einzelne, die ihm aus FDP oder CDU die Gefolgschaft verweigern wollen da wäre ein Erfolg doch auch sowas wie ein „innerer Reichsparteitag“ für ihn, oder? Keine falschen Berührungsängste, bitte :-)

  82. Wenn die Bundesregierung sich noch halten will, sollte sie schnellsten Christian Wulff zurückziehen. Dieser Mann betreibt eine Doppelstrategie. Entweder kandidiere ich für das Amt des Bundespräsidenten oder bleibe Ministerpräsident. Laut Umfragen gelten die Sympathien Joachim Gauck. Da wäre es mir schon peinlich, mich zum Bundespräsidenten wählen zu lassen, den keiner will und auch nicht akzeptiert, zumal das Kalkül der Regierung zu leicht durchschaubar ist. Ein Politiker, der für die Angelegenheiten des Landes Niedersachsen gewählt wurde, macht sich unglaubwürdig, wenn er inmitten seiner Amtszeit Bundespräsident werden will.

    Die Regierung sucht einen hörigen Bundespräsidenten, der die Verfassungsrechtsbrüche mit Abnicken absegnet. Der Bundespräsident gehört vom Volk gewählt, wie es Horst Köhler schon öfter anregte. Herr Wulff muß es sich jetzt im Falle einer Wahl zu seinem Gunsten gefallen lassen, daß er nichts anderes als eine Marionette der Bundesregierung ist, die damit geschickt eine Prüfung der Verfassungskonformität umgeht.

  83. @nocheinjurist

    Egal wie Du es bezeichnen magst, „inneres Stalingrad“ oder was auch immer, ich würde bei der Wahl eines noch aktiven Politikers zum Bundespräsidenten eher „innere Ohnmacht“ und den letzten Rest an Glauben an die Politik verlieren.

  84. ich empfehle gelegentlich eine kajaktour einzulegen, doppelpaddel. mal links, mal rechts. wer nur links oder nur rechts steuert, fährt im kreis oder kracht ans ufer.auf alle fälle, man kommt nicht von der stelle. bei ausgewogener technik bleibt viel zeit für eine MEDITATION.

  85. @ nocheinjurist
    Keine Einwände gegen einen häufigeren Gebrauch der iRPT Redewendung. Dies wäre die beste Möglichkeit, durch Erinnerung an Zusammenhänge (Stalingrad usw) auf die damit verknüpften Emotionen mäßigend einzuwirken um mittelfristig die Bedeutung und Benutzung zu verändern. Zusätzlich würden sich durch eine offene Haltung dazu auch die „aber diesmal könnten wir es besser machen“-Ewiggestrigen jeglichen Alters schneller outen und wären einfacher -äh- kaltzustellen.
    Zu Horst Köhler fällt mir folgendes ein : semilegalisierte Handelskriege sollten auch viel intensiver diskutiert werden.

  86. @ chinamann
    Kajaktour ist gut. Ausgewogenheit ist wichtig. Ich kite gerne. Und MEDITATION auch gerne im Garten.

  87. @ all
    Tja, Leute; war echt ganz nett mit Euch.
    Einige hübsche Steilvorlagen, viel gelernt und lustig wars auch.
    Hier komm ich bestimmt noch mal vorbei.
    Aber jetzt bin ich erstmal ’ne Woche weg, denn : das Leben spielt draußen !
    Ihr kommt bestimmt auch ohne mich gut klar.
    Am Ball bleiben ! ;-)

  88. […] Meinungsvielfalt Offenbar herrscht Arbeitskräftemangel in der Welt der Online-Publizistik. Wie anders ist es zu erklären, dass Welt.de „mit freundlicher Genehmigung“ einen Beitrag von Stern.de übernimmt? – Es gibt schon seltsame Allianzen dieser Tage … Mehr dazu hier. […]

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