43 Replies to “Kurz verlinkt (21)”

  1. Dasselbe gedacht wie thea und mich zuerst gefragt, ob die Verlinkung als Bloßstellung gedacht sei. In diesem Blog wird ja kein Sprachfehler ohne „[sic]“ oder Hintergedanken wiedergegeben. Was ja fast zur geschwollenen Betulichkeit des verlinkten Textes passen würde.

  2. Besser Hintergedanken als gar nicht nachdenken. Ich halte dies nur für einen weiteren Beitrag zur Blog-herkömmlicher Journalismus-Diskussion. Stefans Standbunkt dazu hat er, denke ich, hinlänglich publiziert: Sie sollen Sterben gehen … oder sind längst am Sterben und wollen es nicht bemerken.
    Für mehr als unwahrscheinlich halte ich, dass Stefan sich an kleinen Orthographie-Lapalien hochziehen würde. Diese wären nur als Argument zulässig, wenn es tatsächlich um Rechtschreibung oder deutsche Sprache ginge.

  3. Stefan, ja, geht schon noch. Die kurze Verwirrung: Man weiß ja nie. Den Textduktus beurteilen wir offenbar unterschiedlich.

  4. Dieses Blog von Herrn Keuschnig verdient meiner bescheidenen Meinung nach schon lange eine viel größere Aufmerksamkeit. Dafür will ich kurz einige Gründe nennen:

    1. Es ist nicht aktualitätssüchtig, nimmt sich stattdessen viel Zeit und Worte, Gedanken nachhaltig zu vertiefen. Damit ist Herr Keuschnig wunderbar zeitlos, obwohl er immer wieder auf „unsere Zeit“ bezug nimmt. Herr Keuschnig gelingt es ganz allgemein, den Leser seines Blogs aus diesem Hamsterrad der vermeintlichen Schnellebigkeit herauszuholen. Schon allein das ist „in unserer Zeit“eine Wohltat.

    2. Es kommt als nächstes hinzu, daß er die Gedanken nicht nur vertieft, sondern eben auch schärft. Dazu bedient er sich eines bewundernswert umfangreichen Wortschatzes, was bereits an sich ein Genuß ist. Mit „ziseliert“ beschreibt man es für mich am besten. „Betulich“ wirkt es vielleicht manchmal, weil man es nicht mehr gewohnt ist, daß jemand seine Worte so bedachtsam setzt, Luft holt. Es fehlt ihm völlig das sonst häufig vorzufindende „Geschnatter“.

    3. Obwohl er (für mich steht das außer Frage) eine intellektuelle Kapazität ist, kommt er wohltuend entspannt „daher“. Es mangelt ihm einer intellektuellen Arroganz, er pflegt eine Streit- und Diskussionskultur, die den „Gesprächspartner“ einbezieht, ein „Wegbeißen“ ist ihm vollkommen fremd. Durchgehend herrscht ein gepflegter, respektvoller Tonfall.

    Das alles genieße ich sehr bei ihm.

    Was juckt mich da ein Rechtschreibfehler? Man wird sie ohnehin bei ihm sehr viel seltener finden als andernorts.

    Das einzige, was mich tatsächlich bei ihm etwas stört: Die „neue Rechtschreibung“. Sie will mir so gar nicht zu ihm zu passen scheinen.

  5. Ohne jetzt den verlinkten Blogartikel gelesen zu haben, beim Lesen haben sich mir zwei Fragen gestellt:
    Wenn der Profi (immer) merkt, dass ein Amateur die Haare geschnitten hat, wird es wohl einen Unterschied geben.
    Hat uns denn die Do-It-Yourself-Bewegung letztendlich bessere Qualitaet geliefert oder doch nur fuer wenig oder umsonst ueberall Mittelmass? Dass Ausnahmen die Regel bestaetigen, hueben wie drueben, bezweifelt ja gar keiner.
    Ikea-Qualitaet ist nicht unbedingt, das was ich im Blogwald lesen moechte.

  6. @Matidio

    „Ohne jetzt den verlinkten Blogartikel gelesen zu haben…“

    Das sollten Sie nachholen, dann erschließt sich nämlich manches.

    Außerdem stoßen Sie dann auf eine jener Ausnahmen, die „die Regel bestaetigen“.

    Das ist doch auch schon etwas.

  7. So, bin jetzt etwas angefressen.
    Bei Gregor muss ich das ‚Anzeigen von Bildern in meinem Browser zulassen‘, um einen Kommentar zu veröffentlichen – bin ich überfordert, was ist damit gemeint?

    Dann eben hier:

    @Gregor keuschnig/ #begleitschreiben

    Darf ich mit Broder beginnen? Ich finde nicht, dass er Attribute wie bräsig und bequem verdient hat. Wenn er sich auf Terrain bewegt, in dem er Kompetenz und Weitblick besitzt, ist er alles andere als das – Stichworte: Israel, Juden, Antisemitismus, speziell Deutschland und Antisemitismus – ich habe meine Meinung über ihn, gerade weil er bei Stefan so im Gespräch war, etwas geändert. Der Rest von ihm, naja, zuweilen ekelhaft. Aber deswegen nicht bräsig, schon gar nicht bequem.

    Ansonsten: Sehr guter Artikel von Dir. Interessante These, macht Lust auf Diskussion (genug gelobt… das hat Peter Viehrig schon gemacht).

    Eine Sache. Diese Souveränität des Journalismus, von der Du schreibst, wann gab es die denn? Die muss irgendwann im deutschen Journalismus nach ’68 verloren gegangen sein oder ist ersatzlos durchgereicht worden an das Feuilleton und die Lottozahlen.
    Man möge sich ausrechnen, wie viele Millionen Briefe, Telefonate, persönliche Besuche von Menschen es in den Jahrzehnten vor dem WWW in den Redaktionen Deutschlands gegeben hat – um Artikel klarzustellen, zu relativieren, zu balancieren. Alles entsorgt, oder in obskuren Spalten unter hämischen Bezeichnungen wie ‚Lesermeinung‘ (verknüpft mit dem absurden Recht zur Kürzung) der Lächerlichkeit preisgegeben.

    Und dann plötzlich Internet. Keine Briefe mehr, kein aufgeregter Anruf beim Redakteur, sondern Wortschwall online, ungekürzt in realtime. Für jeden lesbar. Selten gekonnt, meist ohne Sinn und langweilig, weil privater Kram, den keiner kapiert. Manchmal aber auch genial und lesenswert, nützlich, geistreich.

    Das nenne ich souverän – einen Weg der Äusserung zu finden, der unbrauchbare, unscharfe Mechanismen der klassischen Medien umgeht und sich stattdessen sinnvollerer Methoden bedient, um Aktion und Reaktion öffentlich zu erreichen.

    Der Souverän schlechthin gibt sich endlich und unkontrolliert zu erkennen. Als Massstab jedes Journalisten, ob die das wollen oder nicht. Die wollten diese Entwicklung wohl eher nicht. Die klammern sich immer noch an ihr verlogenes, sinnentstelltes Wort für den Souverän… Leser!

  8. @10/Charon

    Ja, ich habe ein eigenes Blog.

    Und nun? Das Blog von Gregor Keuschnig finde ich großartig. Ob ich nun ein eigenes Blog habe oder nicht, spielt da keine Rolle.

  9. Jo. Da sind die Blogger mal wieder übers Stöckchen gesprungen, das ihm der Spiegel hingehalten hat.
    Wie wäre es denn mal zur Abwechslung mit Artikeln über kritische Themen, die die etablierten Medien schlicht und ergreifend nicht gebacken kriegen? Wäre das nicht die beste Argumentation?
    So wie „No Blood for Sauerkraut“ über Obamas Berlin-Besuch, den der Spiegel in bester Unterwürfigkeit feiert? Vorzüglich. Leider ist der Blog wohl noch zu unbekannt.
    Herr Niggemeyer übt sich lieber darin uns zu erklären, daß es dumm ist sich durch 170 Welt-Einkommensübersichtsseiten zu kämpfen. Danke dafür. Ich wäre nicht selbst darauf gekommen.
    Und dabei ist er eigentlich so talentiert. Was für eine Verschwendung.

  10. @ Sebastian

    Jaja. Das Captcha sehe ich auch – ich tippe es auch fleissig ins Textfeld und kriege trotzdem den Fehler.

  11. Abgesehen davon, dass das Stück im Spiegel diese Woche vom Storrytelling, Duktus und Tiefgang undendlich schlecht war (klang für mich ein wenig nach Journalistenschülern), wage ich mal die These, dass die Existenz des Blog von Gregor Keusching grundsätzlich fast 80% der im Beitrag aufgestellten Thesen stützt….Just my 2 cents.

  12. Hatte ich bereits gelesen, denn Keuschnigs Texte sind immer lesenswert; nur oft sehr lang.
    Leider wird auch hier in der Ankündigung „das schicke Adjektiv für alles“ verwendet: „spannend“. Das hat Gregor K. nicht verdient.

  13. Der Blogs sind halt zu viele! Selbst wenn ich mich auf „Medien“ kaprizieren würde, hätte ich den lieben langen Tag nichts anderes zu tun, als Blog-Einträge zu lesen. Nicht, dass die schlecht wären … aber es raubt Zeit.

    Eine Sache will ich denn aber doch loswerden: Blogs sind nämlich auch Kontaktbörsen. Ich habe mich auf Ihrer Seite mal mit einem Herrn in Diskussion begeben über den Begriff „Gutmensch“. Das Resultat war am Ende, dass wir jetzt gute Freunde sind. Wir haben uns gegenseitig besucht, ausgetauscht, und ohne Ihren Blog hätte ich den Menschen nie kennen gelernt!

    Das war aber nur ein Nebeneffekt.

  14. Warum fühlen sich die Journalisten eigentlich angegriffen? Die meisten Blogger wollen ihnen doch gar nichts streitig machen. Sie haben nicht im Geringsten den Anspruch einer Berichterstattung. Dennoch: Die Blogs mit Anspruch einer Berichterstattung werden diesem Anspruch oft besser gerecht als so manches andere alteingesessene Medium. Und das tut den „Profis“ weh.

  15. Warum eigentlich immer dieser (inzwischen deutlich gewachsene) Kleinkrieg zwischen „richtigen“ Schreibern und Bloggern? Kann es einem Blogger, der gute Texte schreibt und die entsprechend beachtet werden, nicht am A… vorbeigehen, wenn in Zeitungen über Blogger gelästert wird?

    Der Zeitungsschreiber mag das aus Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust schreiben, aber was hat der Blogger zu verlieren? Bei manchen Blogs liest man eher den Neid der Blogger auf den Job in einer richtigen Redaktion heraus.

  16. http://kenlevine.blogspot.com – das Blog von Ken Levine mit einem Eintrag jeden Tag.

    Er hat für MASH, Cheers, Becker, Frasier etc. pp. geschrieben und den Film „The Volunteers“ (mit Tom Hanks).

    Ich versteh den Ansatz „richtige Schreiber“ und „Blogger“ sowieso nicht und hab ja schon mehrfach gesagt, dass die Zeitungen unter Blog im Moment immer noch „Watchblog“ verstehen bzw. „Journalisten ohne Job“. Wenn man immer nur alles aus der eigenen Position betrachtet, dann kann man sich gewisse Dinge logischerweise auch nicht erschließen. Selbst Schuld.

    Ach und @grey²³: das ist mir auch passiert. Ich hab’s nochmal abgeschickt und dann ging es. Ich gehe davon aus, dass es am Captcha lag und ich das erste einfach falsch abgetippt hatte.

  17. Gregor Keuschnigs Texte und sein Blog finde ich toll, vor allem deshalb, weil es ihm gelingt, seine „verrückten“ Gedanken in nachvollziehbare und sehr schöne Texte zu kleiden. Obgleich komplizierter und philosophischer als bei anderen Blogs ist das, was er zu sagen hat, ob man es nun teilt oder nicht, immer klar erkennbar.

    Ich weiß nicht, was Gregor im echten Leben macht, aber er würde einen guten Journalisten abgeben, wenn er nicht, wie so viele andere Blogger ihnen gegenüber eine derart ablehnende Haltung hätte.

    Das setzt allerdings vorraus, dass man Blogger und Journalisten unterscheidet. Blogger sind Journalisten.

    Die Diskrepanz zwischen Blogs und Massenmedien liegt einerseits in ihrer Organisationsform – beim Bloggen (außer vielleicht dem Bildblog, was aber kein echtes Blog ist, sondern eigentlich ein klassisches [Online]-Medium) entscheidet einer was wichtig und richtig ist, in den Massenmedien ist es die Redaktion. Die fortführende Meinungsbildung und Kontrolle des Ursprungstextes über die Kommentare ist verwirrend, oft lächerlich und frustrierend. Nein Danke, da gestehe ich den „Massenmedien“ mehr Orientierungsleistung gegenüber dem „Konsumenten“ zu. Da ist all das Geschwurbel schon aussortiert.
    Zweitens liegt der Unterschied darin, dass anders als beim Handwerken, Journalismus nicht wie das Bauen eines Regals mal eben erlernt werden kann. Journalismus ist im besten Fall eine intellektuelle Leistung, die eben auch ein Studium, Fachwissen und die entsprechende intellektuelle Leistungsfähigkeit voraussetzt.
    Letzteres ist aber auch in Blogs möglich, weshalb früher oder später beides seine Berechtigung haben wird. Das steht allerdings schon länger fest.

  18. Blogger sind tendenziell ich-fixierter als Journalisten. Dieser approach ist hinderlich, wenn es darum geht, investigativ zu arbeiten. Deshalb gibt es so wenige investigative Blogs.

  19. Sebastian, du bist overworked und solltest dich zum power napping committen.

  20. „Es mangelt ihm einer intellektuellen Arroganz, er pflegt eine Streit- und Diskussionskultur, die den „Gesprächspartner” einbezieht, ein „Wegbeißen” ist ihm vollkommen fremd. Durchgehend herrscht ein gepflegter, respektvoller Tonfall.“

    Herr Vierig, erinnern Sie sich noch an unsere eher lebhafte Diskussion über den Islam? Dann möchte ich kurz ein paar Perlen hervorkramen, anhand derer der „gepflegte, respektvolle Tonfall“ des Mannes, der sich da so bescheiden den Namen des Protagonisten aus Handkes „Stunde der wahren Empfindung“ ausgeliehen hat, in besonderem Maße zutage tritt:

    „Ihr ganzes Schwadronieren[..] hat eigentlich nur ein Ziel: Sich über etwas aufzuregen, was man eigentlich nicht versteht. [..] Damit versuchen Sie, sich zu erhöhen – was sich u. a. daran zeigt, dass Sie sich indirekt mit Nietzsche oder Feuerbach vergleichen. Lächerlich. [..] Ihre Ahnungslosigkeit wird durch Ihre Frechheit nur überspielt.“

    Ich gehe jetzt mal ganz zwanglos davon aus, dass Sie Argumentationstheorie gut genug beherrschen, um die Qualität von Aussagen wie „Ihre Ahnungslosigkeit wird durch Ihre Frechheit nur überspielt“ beurteilen zu können.

    Noch ein paar weitere herausragende Beispiele für die „Streit- und Gesprächskultur, die den Gesprächspartner miteinbezieht“ und der ein „Wegbeißen völlig fremd“ ist? Aber sicher, Keuschnig hat mir gegenüber so häufig zu dem von Ihnen so geschätzten „gepflegten, respektvollen Tonfall“ gegriffen, dass ich aus einem unerschöpflichen Repertoire schöpfen kann:

    „Ihr Intellekt ist wohl auf dem Niveau dieses Herren stehengeblieben, anders ist ihr Kreuzzugsgerede nicht zu verstehen. [..] Manchmal bewundere ich fast, mit welcher Chuzpe Sie absolute Urteile über Sachverhalte fällen, die Sie (und nicht nur Sie) nur höchst oberflächlich bzw. gar nicht beurteilen können [..].“

    Ja, pauschale Unterstellungen mangelnden Intellekts sind definitiv essenzieller Bestandteil gepflegter Diskussionskultur. Und Entgegnungen wie „Sie haben doch keine Ahnung“, „Das ist doch lächerlich“, „Ihre Ahnungslosigkeit wird nur von Ihrer Frechheit übertroffen“ oder „Das können Sie doch überhaupt nicht beurteilen“ bereichern jede gesittete Sonntagnachmittagsdebatte. Ich weiß wirklich nicht, wieso mir da Assoziationen zu dem von Ihnen angesprochenen „Wegbeißen“ in den Sinn kommen. Aber wahrscheinlich fehlt mir einfach der intellektuelle Hintergrund, um das zu beurteilen, zumal ich die Dinge ja bevorzugt von der bornierten, beschränkten Warte des Naturwissenschaftlers aus in Augenschein nehme. Ich bin sicher, da würde Herr Keuschnig mir vorbehaltlos zustimmen.

  21. @Petersen:

    Man wird doch wohl noch die bedeutungsschwangeren, hochgeistigen, sachlichen, ausgewogenen, differenzierten, gepflegten, respektvollen und von einem entwickelten Verständnis von Diskussions- und Streitkultur geprägten Texte eines hier so hochgelobten Bloggers zitieren dürfen. Oder wollen Sie jetzt gar behaupten, die zitierten Passagen seien geeignet, ein schlechtes Licht auf Keuschnig zu werfen? Ich denke, in Bezug auf eine solche Kapazität wie Keuschnig wäre dieser Vorwurf überaus anmaßend.

  22. @Kurt
    „Der nicht bloss Nein sagt, Nein will, sondern … Nein tut.“ [Aus Wikipedia kopiert] – ich glaube, Nietzsche liegt Dir.

  23. Moin,

    als der Spiegelartikel erschien, war ich gespannt ob und wie hier im Blog eine Reaktion erfolgt. Schade, dass erst ein externe verteidigender Artikel erscheinen musste , bevor das Thema hier stattfindet. Souveräner hätte ich eine persönliche Stellungnahme der angesprochenen/kritisierten Protagonisten gefunden.

  24. Der Autor hat „vermeindlich“ vermeintlich im Duden nachgeschlagen. Einem richtigen Zitat steht nun nichts mehr im Weg. :)

    Finde den verlinkten Spiegel-Lästerartikel übrigens von mäßigem Gehalt. Manchmal ist weniger mehr: Die beanstandeten Spiegel-Äußerungen richten sich selbst.

  25. @11/grey²³
    Sorry, dass Du irgendwas akzeptieren musst, um bei mir kommentieren zu können – ich habe von solchen Dingen keine Ahnung. Das liegt wohl an „twoday“ und leider ausserhalb meines Einflusses. Werde aber mal nachfragen, was da los ist.

    Interessante These zur Souveränität. Danke.

    @16/D!
    Frage an den Storyteller: Und die anderen 20%? (Und: Wieviel haben Sie denn gelesen?)

    @22/Thomas
    Ich muss Ihnen in einem Punkt widersprechen: Ich habe keine „ablehndene Haltung“ gegenüber Journalisten. Im Gegenteil. Ich habe nur eine Abneigung gegen Leute, die ihre Meinungs- und Deutungshoheit zu Gunsten eines wabernden, sich irgendwann auch ändernden Zeitgeistes (und/oder der Meinung des jeweils amtierenden Chefredakteurs) verschleudern. Damit ist noch nicht einmal die Infiltration in ökonomische Zwänge gemeint (an denen Journalisten wie Horst Stern beispielsweise „gescheitert“ sind). Ich habe eine Abneigung gegenüber Schreibern, die glauben, dass ihr Redaktionsstuhl schon gleichbedeutend mit einer richterlichen Instanz sei. Ich habe eine Abneigung gegenüber Schreibern, die Politik bis zur Unkenntlichkeit personalisieren und trivialisieren, bis sie uns um Hals heraushängt und sich gleichzeitig andienen, um als erster bedeutende Informationen zu erhalten.

    Ich habe etwas gegen die Bildergalerie-Entwerfer, die Stefan Niggemeier hier so ärgerlich machen, weil sie für mich die Banalisierung weiter Teile eines Berufsstands aufzeigen. Und das finde ich schade und schädlich.

    @23/Carsten Harry Petersen
    Auch Ihnen möchte ich widersprechen. Dass Blogger „tendenziell“ Ich-bezogener sind als Journalisten – wovon haben Sie das wohl? Die Personalisierung schreitet doch unaufhörlich voran. Vergleichen Sie doch einmal die Fernsehformate, die nach Journalisten benannt sind. Ausserdem ist der Blogger in der Regel eine Einmann- bzw. Einfraushow.

    Investigative Blogger gibt es meines Erachtens deswegen so wenige, weil sie (wie ich) Amateure sind und ihnen die Zeit fehlt.

    @kurt
    Schön, wie Sie sich meine Repliken gemerkt haben. Sie sind wohl korrekt zitiert, keine Frage. Aber leider haben Sie vergessen hinzuweisen, auf welche Kommentare von Ihnen sich meine Affekte bezogen haben. Einer meiner Kommentare steht hier. Er bezog sich (u.a.) auf diesen und auf diesen Kommentar von Ihnen. Indem Sie pauschal die gesamten Muslime als demokratieunfähig und feindlich darstellten und von der „Islamisierung Europas“ sprechen und dies als Bedrohung darstellen, habe ich mir erlaubt, dies in vielleicht für Sie unschöner Art zu kommentieren. Ich habe da kein Wort zurückzunehmen und halte es mit Helmut Schmidt, der irgendwann einmal meinte, dass auf grobe Keile auch einmal grobe Klötze gehören.

    @33/Jonas
    Vielen Dank für diesen Kommentar. Der war jetzt wirklich wichtig.

  26. @Gregor Keuschnig

    Indem Sie pauschal die gesamten Muslime als demokratieunfähig und feindlich darstellten..

    Das habe ich nicht getan. Vielmehr habe ich die Ideologie Islam kritisiert und die Muslime als die ersten Opfer dieser Ideologie dargestellt. Aber lassen wir es, ich bin sicher, Stefan Niggemeier hat ausgeprägt wenig Lust auf weitere 300 Seiten Islam-Diskussion in seinem Blog.

    Darum ging es mir auch gar nicht. Ich möchte heute keine weitere Islam-Debatte vom Zaun brechen und mein Kommentar zielte auch nicht darauf ab. Es ist nichts falsch daran, dass Sie über das Thema eine andere – diametral entgegengesetzte – Meinung haben. Zum Umgang in Demokratien gehört, dass man es aushält, wenn Menschen andere Ansichten haben als man selbst.

    Es ist etwas anderes falsch an dem, was ich zitiert habe. Und dabei handelt es sich um etwas sehr Grundlegendes, nämlich die Umgangsform in einer Diskussion unter zivilisierten Menschen an sich. Ich habe in der Islam-Diskussion mehrfach darauf hingewiesen, warum die von Ihnen angewandte Form der Auseinandersetzung in jeder sachorientierten Diskussion geächtet werden muss. Ich erwähne es gerne noch einmal, weil Sie das offensichtlich so konsequent ignorieren: Gehen Sie auf Wikipedia, schauen Sie sich an, was ein argumentum ad hominem ist. Lesen Sie besonders im Detail diesen Artikel:

    http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_fallacies

    Sie werden mir zustimmen müssen, dass die von mir zitierten Passagen in die dort genannten Kategorien fallen. In welche im einzelnen, habe ich in meiner Antwort auf Ihre Schimpftirade übrigens dezidiert genannt.

    Und deshalb ist diese Form der „Argumentation“ nicht einfach nur „unschön“. Und erst recht ist sie nicht einfach nur „für mich“ unschön. Sie ist für jeden Menschen, der Interesse an Sachlichkeit und inhaltsorientierten Diskussionen hat, eine absolute No-Go-Area. Wenn Sie das nicht einsehen wollen („Ich habe da kein Wort zurückzunehmen“), dann sind Sie vielleicht einfach noch nicht reif für eine kontroverse, aber eben sachorientierte Auseinandersetzung unter zivilisierten Menschen mit gepflegten Umgangsformen. Es ist eine Sache, wenn einem im Eifer des Gefechts solche Grenzüberschreitungen unterlaufen (Sie schreiben ja selbst von „Affekt“!), aber eine völlig andere, darauf konsequent und noch lange später zu bestehen.

    Wollen Sie mit Ihrer Schmidt-Platitüde vielleicht einfach nur zum Ausdruck bringen, dass Sie es für gerechtfertigt halten, mit Menschen, die anderer Meinung sind als Sie selbst, gar nicht erst sachlich zu diskutieren, weil diese in Ihrem Weltbild a priori nicht recht haben können? Dann hätten Sie in der Diskussion viel Zeit gespart, wenn Sie einfach nur geschrieben hätten: „Ich habe recht und Sie nicht“, oder „Ich bin besser als Sie“. Wie, das sind doch keine Argumente? Bessere als ein dahergefluchtes „Lächerlich!“ auf jeden Fall. Und Sie schreiben ja selbst, dass es legitim sei, in der Diskussion mit Leuten, die man für „grob“ genug hält, auf Argumente zu verzichten und stattdessen zu ad-hominem-Angriffen zu greifen. Wobei diese Kategorisierung natürlich in Ihr Belieben gestellt ist.

    Aber wie auch immer: Ich weiß jetzt immerhin, dass der Blogger Gregor Keuschnig von unflätigen Beschimpfungen, die er selbst (!) als Affekthandlungen bezeichnet, auch noch Wochen später kein einziges Wort zurückzunehmen hat und auch nicht im geringsten einsieht, warum Beschimpfungen in sachorientierten Diskussionen unangebracht sind. Das spricht für sich, und Außenstehende werden wissen, wie sie das zu beurteilen haben. Machen Sie mal so weiter, vielleicht fallen Ihnen noch ein paar weitere Vulgarismen ein. Sie befinden sich damit in bester Gesellschaft, schließlich sind die Netz-Foren voll davon. Und das ist auch viel einfacher als das schwierige Terrain der inhaltlichen Auseinandersetzung.

  27. @ kurt

    Ähm. Dürfte ich kurz folgendes zu bedenken geben. Ad hominem-„Argumente“ sind meistens tatsächlich eine Pest (ich denke da insbesondere an gewisse Nichtraucherschützer aus einer ganz anderen Debatte), nur: Manchmal haben sie tatsächlich ihre, auch sachliche, Berechtigung. Angenommen, ich befinde mich in einer Diskussion, und mein Diskussionspartner kommt auf einmal mit der jüdischen Weltverschwörung an. (Ähnlichkeiten zu lebenden Personen nicht beabsichtigt. Ehrlich.) Muß ich dann im Jahr des Herrn 2008 immer noch im einzelnen Argumente anführen, warum es die nicht gibt und auch nie gegeben hat, oder kann ich für den weiteren Verlauf der Diskussion nicht einfach davon ausgehen, daß die Person (!), die solches äußert, ein ernsthaftes Rad ab hat?

  28. @Fischer:

    Wo ist das Problem? Es ist sehr einfach zu zeigen, warum Verschwörungstheorien nicht falsifizierbar und damit unwissenschaftlich sind.

  29. @ Keuschnig:

    „Ich habe eine Abneigung gegenüber Schreibern, die glauben, dass ihr Redaktionsstuhl schon gleichbedeutend mit einer richterlichen Instanz sei.“

    …add a little ‚cheese‘ to that:

    „Blogger unterwerfen sich keiner Instanz, Journalisten bilden eine Instanz, die Wahres von Unwahrem unterscheiden will.“

    ;)

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