Das Elend der Debatte um ARD und ZDF

Es ist wie ein schlimmer Tinnitus. Ein nerviges Klingeln, das nie wieder aufhört. Seit Monaten läuten Verleger und Privatsender ununterbrochen irgendwelche Alarmglocken. Jeden Tag beschwert sich irgendein Lobbyist wieder lautstark über irgendeine Ungerechtigkeit, beklagt irgendeine Ungeheuerlichkeit, kündigt Eingaben, Klagen, Proteste an. Und jedesmal steht damit alles auf dem Spiel: Die Existenz von tausenden Arbeitsplätzen. Die Zukunft des Journalismus. Die Grundlage unserer Medienordnung. Das Funktionieren der Demokratie.

Wenn morgen die Meldung käme, dass die Verlegerverbände jetzt mit Selbstmordanschlägen drohen, wenn nicht sofort alle tun, was sie sagen — ich wäre nicht überrascht.

Sprachlich sind die Eskalationsmöglichkeiten längst erschöpft. WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus hat eine Beschlussvorlage des NDR-Rundfunkrates, die dem Angebot tagesschau.de großen Bestands- und Entwicklungsschutz gewähren will, den „größtmöglichen Super-GAU in der deutschen Medienpolitik der vergangenen 20 Jahre“ genannt (und niemand verrät ihm, wofür das „G“ in „GAU“ steht).

Die Logik hat bereits vor einer Weile einen Ausreiseantrag aus der Diskussion gestellt, der offenbar jetzt genehmigt wurde. Der Verlag Gruner+Jahr fordert, den Rundfunkstaatsvertrag zu ändern, weil der NDR die darin nach Ansicht des Verlages enthaltene Beschränkungen nicht versteht. Das ist der eingesprungene Rittberger der Lobbyarbeit: Man behauptet einerseits, dass die gesetzlichen Vorgaben jetzt schon eindeutig sind und der NDR dagegen zweifelsohne verstoßen habe, und andererseits, dass die gesetzlichen Vorgaben verschärft werden müssen, weil sie nicht eindeutig sind, und tut so, als sei das gar kein Widerspruch.

Wenn man aus Verlogenheit Energie machen könnte, ließe sich dank dieser Debatte ein Atomkraftwerk abschalten. Die Verlegerverbände fordern, dass endlich die Politik etwas tun muss. Der oberste Zeitschriftenlobbyist Wolfgang Fürstner hat den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff gebeten, gegen die „Pläne des NDR“ einzuschreiten. Als aber Wulffs Hamburger Kollege Ole von Beust vorübergehend im Verdacht stand, das Vorgehen des Rundfunkrates gutzuheißen, maßregelte das „Hamburger Abendblatt“ sofort den Politiker, er dürfe sich nicht in ein „laufendes Verfahren“ einmischen.

Nun bin ich kein Experte dafür, was die richtige Strategie ist, um auf Politiker Eindruck zu machen. Immerhin hatten die Verleger mit ihrer Kampagne für ein Leistungsschutzrecht bei der schwarz-gelben Koalition Erfolg, obwohl auch die fast ausschließlich auf die Strategie setzte, möglichst laut und langanhaltend zu brüllen, und bis heute niemand erklären kann, wie genau ein entsprechendes Gesetz aussehen soll und auf welche wundersame Weise es die Verlage retten würde.

Ich frage mich aber, welche Wirkung das ununterbrochene Geheule auf die interessierte Öffentlichkeit hat. Die Verleger schlagen wild um sich wie ein Ertrinkender. Die Botschaft, die sie damit aussenden, lautet: Wir sind nur dann noch in der Lage, genügend Geld zu verdienen, um die Menschen vernünftig zu informieren, wenn alle Rahmenbedingungen zu unseren Gunsten verändert und jeder störende Konkurrent ausgeschaltet wird. Die Geschäftsgrundlage ist offenbar so fragil, dass es schon tödlich sein kann, wenn es einem öffentlich-rechtlichen Anbieter erlaubt wäre, seine Inhalte auf einem beliebten Smartphone in etwas attraktiverer Form als bisher anzubieten. Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, hat (mutmaßlich) allen Ernstes die geplante „Tagesschau“-App für das iPhone mit dem Verlust von „Tausenden Arbeitsplätzen in der Verlagsbranche“ in Verbindung gebracht und ist trotzdem nicht aus dem Land gelacht worden. WAZ-Co-Geschäftsführer Bodo Hombach will in diesem Zusammenhang nun sogar anderen Verlagen das Geschäftsmodell vorschreiben und geißelt eine App der „Financial Times Deutschland“ als Sünde, weil sie nichts kostet. (Vielleicht hat ihm niemand gesagt, dass es sich beim konkreten Angebot nur um die Aufbereitung auch sonst frei verfügbarer Inhalte handelt und nicht etwa um eine Art E-Paper wie bei den kostenpflichtigen Apps von „Bild“, „Welt“ und „Spiegel“.)

Es spricht nicht für den Glauben an die Einzigartigkeit und Hochwertigkeit der eigenen Produkte, wenn Verlagsleute den Eindruck erwecken, die Leser würden im Internet oder auf ihrem Telefon die erstbeste Gelegenheit nutzen, die kostenpflichtige Zeitung nicht mehr zu lesen, weil sie die „Tagesschau“ umsonst kriegen. (Was ja bisher auch schon so war, sich aber in zwei verschiedenen Medien abspielte.) Rührend ist auch, wenn im Kampf gegen den Konzern Google, dem die Verleger die Einnahmen neiden, anklagend Studien zitiert werden, wonach sich ein größerer Teil der „Google News“-Leser damit zufrieden gibt, dort die Schlagzeilen zu lesen, und gar nicht mehr die eigentlichen Artikel der verlinkten Online-Medien anklickt. Mit derart anspruchslosen Lesern werden Qualitätsmedien ohnehin kein Geld verdienen können — im Zweifel sind die auch jetzt schon zufrieden damit, einen flüchtigen Blick auf die Titelseite der Zeitung am Kiosk zu werfen.

Wenn ich das Getöse richtig verstehe, verhält es sich also ungefähr so: Die Verlage müssen von der (ohnehin schon reduzierten) Mehrwertsteuer befreit werden, Google muss verboten oder zur Zahlung von Lizenzgebühren verpflichtet werden, ARD und ZDF müssen das Internet verlassen, das Zitatrecht muss drastisch eingeschränkt, das kostenlose Anbieten von Informationen untersagt und die Gratis-Kultur im Internet insgesamt vernichtet werden — dann, ja dann könnten die Verlage vielleicht, möglicherweise, wenn das Wetter stimmt, in der Lage sein, auch in Zukunft Qualitätsjournalismus anzubieten, und womöglich sogar im Netz. Sonst können sie für nichts garantieren.

Vielleicht merken Print- und Privatfernsehlobbyisten gar nicht, dass sie damit den öffentlich-rechtlichen Sendern eine neue Legitimationsgrundlage schaffen.

Denn wenn das Geschäft mit der Information für private Medien wirklich so schwierig ist, gibt es für den Staat zwei Möglichkeiten, um dafür zu sorgen, dass seine Bürger gut informiert werden. Die eine ist die, alles dafür zu tun, um den Verlagen und Privatsendern das Leben zu erleichtern, in der Hoffnung, aber ohne Gewähr, dass es reicht. Die andere ist die, die öffentlich-rechtlichen Sender zu stärken und ihnen ein Leben in der digitalen Welt zu erlauben.

Man kann nicht oft genug referieren, wie das Bundesverfassungsgericht, das die deutsche Medienlandschaft mit seinen Rundfunkurteilen maßgeblich geprägt hat, den Begriff der „Grundversorgung“ verstand, die ARD und ZDF zu leisten hätten. Er geht davon aus, dass man sich u.a. aufgrund ihrer Werbefinanzierung nicht darauf verlassen könne, dass die Programme der privaten Sender immer hohen Ansprüchen zum Beispiel an Meinungsvielfalt genügen. Man dürfe die öffentlich-rechtlichen Sender deshalb nicht darauf beschränken, die jeweiligen Lücken zu füllen, die private Anbieter aus wirtschaftlichen Gründen hinterlassen, sondern ARD und ZDF müssten all das bieten, was eine Gesellschaft an Information, Bildung, Unterhaltung brauche — und wenn Private es schaffen, das zu ergänzen, ist es schön und wenn nicht, ist es nicht schlimm. (Gegner von ARD und ZDF missverstehen den Begriff gerne als Minimalversorgung, das Schwarzbrot: Dokumentationen, Nachrichten, hochwertige Filme, die keiner guckt. So ist er nicht gemeint.)

Ähnlicher Schindluder wird mit dem Begriff des „Dualen Systems“ getrieben, insbesondere wenn angesichts wegbrechender Werbeerlöse der Privaten und konstanter oder gar steigender Einnahmen der Öffentlich-Rechtlichen beklagt wird, es sei aus dem „Gleichgewicht“ geraten. Aber die Idee dieses Dualen Systems war nicht, dass Öffentlich-Rechtliche und Private gleich stark sein sollen. Die Idee war, die Öffentlich-Rechtlichen so auszustatten, dass sie uns auch dann gutes Fernsehen liefern, wenn die Bedingungen bei den Privaten einmal dafür nicht ausreichen. Zu argumentieren, dass wenn die Privaten leiden, auch ARD und ZDF weniger kriegen sollen, ist bizarr — zeigt aber, wie sehr die Debatte nicht die Interessen der Zuschauer, sondern die der Privatsender im Blick hat.

Nun sind all diese Grundlagen maßgeschneidert für das Medium Fernsehen, dem ein außerordentlicher Einfluss auf die Zuschauer zugeschrieben wurde und dessen Verbreitung exorbitant teuer war, so dass große Macht zwangsläufig in den Händen weniger liegen würde. Man kann mit gutem Grund fragen, ob dieses System angesichts der digitalen Revolution noch zeitgemäß ist. Man könnte zum Beispiel fragen, ob ARD und ZDF im Internet noch benötigt werden, wenn Verlage, Privatsender und andere dort doch täglich beweisen, dass sie hochwertigen, vielfältigen Qualitätsjournalismus anbieten, der trotz seiner Abhängigkeit von Werbung keine Wünsche offen lässt.

Bis zur aktuellen Wirtschafts- und Werbekrise haben Verlage und Privatsender genau diesen Eindruck erweckt, um den Spielraum von ARD und ZDF im Internet gesetzlich so weit wie möglich einzuschränken. Doch nun zeigt sich plötzlich, dass keineswegs klar ist, ob und wie sich guter Journalismus im Internet finanzieren lässt. Damit bekommen die Öffentlich-Rechtlichen eine neue mögliche Legitimation auch für dieses Medium, genau genommen die alte: durch verlässlich und von allen gemeinsam finanzierte Medien eine umfassende Grundversorgung sicherzustellen, die eine rundum gut informierte Gesellschaft ermöglicht, selbst wenn die privaten Anbieter in schlechten Zeiten oder aus grundsätzlichen Problemen das nicht in befriedigendem Maße tun können.

Wohlgemerkt: Es sind die Verlags- und Privatsenderleute selbst, die diesen Eindruck gerade erwecken, dass sie unter den herrschenden Bedingungen nicht für Qualität im Internet bürgen können.

Springer-Chef Döpfner erregt sich darüber, dass die ARD ihre Nachrichten kostenlos iPhone-gerecht anbieten will und damit die Versuche seines Hauses erschwert, Inhalte auf verschiedenen Plattformen nur noch gegen Geld anzubieten. Das ist aus seiner Sicht konsequent. Natürlich wäre es für alle Verlage besser, wenn es niemanden gäbe, der journalistische Inhalte umsonst anböte, und alle Leser also gezwungen wären, dafür zu bezahlen. Ich glaube nur nicht, dass das auch im Interesse der Gesellschaft wäre.

Wolf-Dieter Ring, der Präsident der Bayerischen Landesmedienanstalt, ist natürlich niemand, der im Verdacht steht, das Interesse der Gesellschaft im Blick zu haben. Er spielt schon lange eine lustige Doppelrolle als Aufseher über die Privatsender und ihr Lobbyist. Im vergangenen Herbst rief er die Verlage dazu auf, geschlossen auf Paid-Content-Konzepte zu setzen, und forderte von der Politik, die Öffentlich-Rechtlichen in Zaum zu halten: Kostenlose Angebote wie tagesschau.de unterliefen die möglichen neuen Erlösmodelle der Verlage im Netz.

Warum soll es gesellschaftlich erstrebenswert sein, journalistische Inhalte nur denen zugänglich zu machen, die dafür zahlen können? Inwiefern ist es gut, wenn Menschen ohne Geld schlecht informiert werden? Wäre es nicht gerade dann, wenn die Verlage ihre Online-Angebote kostenpflichtig machen (müssen), erstrebenswert, ein kostenloses, aber dennoch zuverlässiges Angebot zu haben? „Kostenlos“ ist natürlich der falsche Ausdruck, denn ARD und ZDF werden ja von uns bezahlt, aber Leute ohne Einkommen sind von der Gebühr befreit — eine solidarische, soziale Konstruktion, diese Rundfunkgebühr, die zudem dafür sorgt, dass nicht nur das produziert und finanziert wird, was eine Mehrheit sehen will.

Die Konkurrenten der öffentlich-rechtlichen Sender haben durchgesetzt, dass ARD und ZDF viele Inhalte aus dem Netz löschen müssen — und keineswegs nur zweifelhafte Angebote wie Kochrezepte oder Kontaktbörsen. Seitdem sind diverse Leute in den Anstalten mit etwas beschäftigt, das den schönen Namen „Depublizieren“ trägt. Inwiefern dient es dem Gemeinwohl, wenn ARD und ZDF teuer produzierte Inhalte nur für eine begrenzte Zeit (in der Regel sieben Tage) zugänglich machen dürfen? Inwiefern ist es in meinem Interesse, dass Inhalte, die ich mit meinen Gebühren bezahlt habe, mir nur vorübergehend und nicht auf allen Plattformen angeboten werden?

Eine der lächerlichsten Äußerungen im Zusammenhang mit der geplanten iPhone-Anwendung der „Tagesschau“ war die der Springer-Pressesprecherin Edda Fels, die im vergangenen Advent pikiert formulierte: „Wir gingen davon aus, dass die vorhandenen Gebühren schon nicht mehr zur Finanzierung des bestehenden Angebots ausreichen. Deshalb wundern wir uns, dass im Vorfeld der geplanten Gebührenumstellung das Angebot sogar erweitert werden soll.“ Was wäre es für ein Quark, wenn die ARD erst teure Inhalte produzierte und dann an den im Vergleich lächerlich winzigen Kosten sparen würde, um diese Inhalte möglichst vielen Leuten möglichst bequem zugänglich zu machen? Wie sehr muss man die Welt durch eine eigene PR-Brille sehen, um nicht zu merken, dass ein zickiges „Ach dafür ist also noch Geld da?“ völlig an der Realität vorbeigeht?

Neben der iPhone-Anwendung ist ein Interview von tagesschau.de mit Kathrin Passig zum unwahrscheinlichen Symbol für den ungehemmten Expansionsdrang der Öffentlich-Rechtlichen geworden, der uns alle unter sich begraben wird. Das nette Gespräch (als bekennender Passig-Fan bin ich natürlich nicht objektiv) lief nämlich nicht im Fernsehen und bezog sich auch auf kein bestimmtes Programm, sondern war einfach nur informativ, verstieß damit also gegen die nur in bestimmten Fälllen aufgehobene Pflicht von ARD und ZDF, im Internet ausschließlich sendungsbezogene Inhalte zu veröffentlichen. Bei anderen Web-Formaten wie „Deppendorfs Woche“ (auf das ich persönlich gut verzichten könnte, aber das ist ja nicht die Frage) umgeht die ARD diese Vorgabe dadurch, dass sie sie auch in einem ihrer Digital-Kanäle ausstrahlt. Aber, Verzeihung, was ist das alles für ein Irrsinn?

Was den Tinnitus, der über der Diskussion liegt, noch unerträglicher macht, ist die Parteilichkeit der Medien. In vielen Redaktionen scheinen als Journalisten getarnte PR-Leute in eigener Sache zu arbeiten. Bei „Bild“ als Kampagnenorgan blieben natürlich als erstes die Fakten auf der Strecke. Zur Zeit findet sie fast jeden Tag Platz auf ihrer Seite 2 für einen kleinen Bericht, in dem irgendein üblicher Verdächtiger (im Zweifel auch nur der automatische Anrufbeantworter von Jürgen Doetz) sagt, wie schlimm die iPhone-Anwendung ist. Am vergangenen Montag reichte schon die Tatsache, dass, Zitat: „eine FDP-Kommission für Internet und Medien sich am Wochenende einstimmig gegen die Einführung eines Apps ausgesprochen hat“ für eine größere Meldung. Eine FDP-Kommission, holla!

„Spiegel Online“ kämpft ebenfalls an vorderster Front. Dort werden die öffentlich-rechtlichen Internetangebote schon seit Jahren bösartig als „GEZ-Web“ oder „GEZ-Netz“ bezeichnet. Seit Monaten ergänzt „Spiegel Online“ seine Artikel zum Thema mit einer Tabelle über die meistgenutzten deutschen Medienangebote, in denen ARD.de mit 34,5 Mio Visits auf Platz 3 liegt und tagesschau.de mit 20,2 Mio Visits auf Platz 6 — was höchst irreführend ist, weil die tagesschau.de-Visits in den ARD.de-Visits schon enthalten sind. ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke hat das schon vor über sechs Wochen öffentlich moniert. Irgendwann vergangene Woche muss „Spiegel Online“ die Tabelle endlich korrigiert haben. Klammheimlich, natürlich. Nachtrag/Korrektur: Stimmt gar nicht. Steht immer noch so da.

Leider hat auch die ARD noch nicht verstanden, dass es nicht nur ihre Pflicht ist, in eigener Sache ganz besonders korrekt zu berichten, sondern auch eine Chance darin läge, sich unangreifbar zu machen und von der Pro-Domo-Berichterstattung anderer Medien abzusetzen, wenn sie ihren Kritikern breiten Raum geben würde. Die BBC demonstriert regelmäßig, wie das geht. Über Kritik an der BBC kann man sich zuverlässig im Online-Nachrichtenangebot der BBC informieren. Nicht so in Deutschland. Dass die „Tagesschau“ kürzlich aus Anlass des KEF-Berichtes anstelle eines journalistischen Beitrages einen PR-Bericht in eigener Sache sendete, war ein Skandal und nicht nur frech, sondern dumm.

Denn das muss man von den Öffentlich-Rechtlichen verlangen, wenn sie von uns viele Milliarden Euro jährlich bekommen: Dass sich dieser Vorteil gegenüber der privaten Konkurrenz auch in entsprechender Qualität zeigt — und dazu gehört zu allererst vorbildlicher Journalismus.

Das einzig Gute an der hysterischen Debatte ist, dass sie sich langsam dem Kern der Auseinandersetzung nähert. Früher haben sich die Konkurrenten von ARD und ZDF an irgendwelchen Kochrezept-Seiten und Kontaktbörsen der Öffentlich-Rechtlichen abgearbeitet. Nun lenkt nur noch die scheinheilige Fixierung auf die iPhone-Application davon ab, dass die Verleger auch grundsolide Angebote wie tagesschau.de nicht hinnehmen wollen. „Tagesschau“-Chef Gniffke hat Recht, wenn er schreibt:

Seit 15 Jahren gibt es tagesschau.de, seit vielen Jahren auch mobil. Soll das jetzt zurückgedreht werden? Das wäre der Tod der Tagesschau auf Raten, da muss man kein Medienexperte sein. Dann soll man aber offen sagen: Die Tagesschau soll weg, weil wir sie 60 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik nicht mehr brauchen. Diese Diskussion kann man ehrlich führen. Aber sie hinter einer Diskussion um eine Tagesschau-App zu verstecken, damit habe ich ein Problem.

Kai Biermann hat es bei „Zeit Online“ auf die schlichte, treffende Formel gebracht: Matthias Döpfner will die Öffentlich-Rechtlichen abschaffen.

Ich wünsche mir starke, freie Öffentlich-Rechtliche im Netz. Ich glaube, dass sie der Qualität und der Vielfalt des Online-Journalismus gut tun können. Und ich glaube, anders als offenbar die Verleger selbst, dass gute private journalistische Angebote trotz dieser Konkurrenz bestehen können.

Vor allem aber wünsche ich mir, dass dieser Tinnitus wieder weggeht.

[Offenlegung: Ich arbeite nicht nur für Verlage, sondern gelegentlich auch für ARD und ZDF.]

 

284 Replies to “Das Elend der Debatte um ARD und ZDF”

  1. Wahre Worte, gelassen ausgesprochen. Wenn Döpfner uns im Ernst glauben machen will, dass ihm eine Tagesschau-App auch nur im Entferntesten in sein Geschäft pfuscht, dann verkauft er uns dermaßen sträflich für dumm, dass er allein dafür schon öffentlich abgewatscht gehört.

  2. Lieber Stefan,

    wann darf ich für Deine 2 Cents hier endlich meine 2 Cents bezahlen? Artikelweise und freiwillig? Den Kollegen Weinreich lese ich nicht, aber ich spiele mit dem Gedanken, ihm Geld zu geben. Einfach, weil ich es kann.

    Ich habe immer noch die Hoffnung, dass Menschen wie Herr Döpfner eines Tages einfach Vergangenheit sind. Aber bis es soweit ist, brauchen wir engagierte Streiter. Für Netzneutralität, freie Inhalte und guten Journalismus (in welchem Medium auch immer). Danke für Deinen Beitrag dazu. Ich würde gern was dafür bezahlen.

  3. „Dass sich dieser Vorteil gegenüber der privaten Konkurrenz auch in entsprechender Qualität zeigt — und dazu gehört zu allererst vorbildlicher Journalismus.“

    Wenn dieser Anspruch wieder erfüllt wird, dann werde ich auch diesem Artikel komplett zustimmen können. Momentan machen die ÖR Sender allerdings alles, um sich von den Verlegern angreifbar zu machen. Eine Qualitätsdebatte wie bei der BBC wäre wirklich ein guter Anfang.

  4. Es fällt mir schwer, das zuzugeben, weil ich die GEZ für eine Krankheit halte, und die öffentlich-rechtlichen Sender für überflüssig, aber: Ja, stimmt leider fast alles.
    Zurzeit wähnen sich anscheinend beide Seiten in einem Wettkampf um die Vernichtung der eigenen Glaubwürdigkeit, wobei die Privaten wie so oft deutlich im Vorsprung sind.

  5. Die Frage ist doch, ob wir auch in Zukunft gewissen Anstalten ein Monopol auf öffentlich finanzierte Berichterstattung einräumen möchten. Monopole machen immer faul und behäbig. Warum nicht journalistische Leistungen öffentlich ausschreiben? Es spricht doch nichts dagegen, daß Redaktionsbüro X und Redaktionsbüro Y für die nächsten 2 Jahre den Auftrag erhalten, über die Geschehnisse in Stadt Z zu berichten. Das Vergabeverfahren müßte natürlich transparent, öffentlich und gleichzeitig staatsfern sein.

    Soweit ich sehe, gibt es überhaupt keinen zwingenden Grund, öffentlich-rechtlichen Journalismus in der jetzigen Molochform zu organisieren?

  6. Schöner Beitrag – mal wieder! Das höchste Gut, das die Öffentlich-Rechtlichen haben, ist ihre Unabhängigkeit von finanziellen Interessen von Verlegern und Sponsoren. Umso wichtiger ist es, diese Unabhängigkeit weiter zu stärken (z.B. mit einem konsequenten Werbeverbot auch vor 20 Uhr, einem Verbot von Schleichwerbung aka Sponsoring und einer Selbstverpflichtung der ersten Garde auf Werbung und bezahlte Auftritte zu verzichten).
    Zudem muss das gesamte öffentlich-rechtliche System endlich vollkommen unabhängig von der (Partei-)Politik werden, einen zweiten Fall Brender darf es nicht geben. Dann glaube ich ist die öffentliche Debatte auch gegen den Anschrei der Verleger zu gewinnen.

  7. @Tim: Grundsätzlich sehr sympathische Idee, aber wie funktioniert denn eine Journalismus-Ausschreibung? Die Qualitätskriterien lassen sich da so schwer ausschreibungskompatibel formulieren, und dass am Ende nur eine Preisschlacht draus wird, wollen wir ja eben gerade nicht.

  8. Sehr guter Beitrag. Sollte Pflichtlektüre sein für alle Verleger, PR-Heinis und andere Menschen, die im Medienbereich Einfluss haben.

  9. Etwas off-topic zum Thema politischer Einfluss: eher faltet ein Zitronenfalter Zitronen, als dass der ÖRR unabhängig von der Politik wird. Glücklicherweise hat das System Internet dafür gesorgt, dass wir uns inzwischen an wirklich unabhängigen Stellen informieren können. Dies ist aber kein Verdienst des ÖRR oder der Privaten, sondern trotz dieser Meinungsoligarcjie geschehen. Versuche, diese Pluralität einzuschränken (von BEIDEN Seiten), sind so nachvollziehbar wie verwerflich.

  10. „Die Verleger schlagen wild um sich wie ein Ertrinkender“
    Beim DLRG lernt man den s.g. Rettungsgriff: Arm auf den Rücken drehen und dann die Person abschleppen.
    Der erfahrene Rettungsschwimmer erzählt den Anfängern: Ertrinkende in Panik sind sehr sehr gefährlich für den, der rettet. Manchmal muss es der Faustschlag des Retters sein um durch den daraus folgenden K.O. die Rettung durchführen zu können.

    Wo sind die Paddel um auf die Verleger einzudreschen?! :)

  11. […] etwas Glück, dafür auch bald wieder sehr viel zu erzählen. Für den Moment aber nur das hier: Dieser Text von Stefan Niggemeier über die Diskussion um die Tagesschau-iPhone-App ist so scheißgut, dass ich […]

  12. Du brauchst zwar ganz schön viele Worte, um auf den Punkt zu kommen, aber so wie Du das schreibst, ist es ein Genuss, all‘ diese Worte zu lesen.

  13. Hui, das ist aber ein langer Artikel (der sich im übrigen ja gut in die vorwiegend polemisch geführte Diskussion einfügt).

    Im Kern dreht sich der Streit um den Begriff der „Grundversorgung“. Nun kann man natürlich schulmeisterlich den Finger heben und sagen, daß es da nichts zu streiten gäbe, weil das BVerfG ja schon mehrmals in stetiger Rechtsprechung festgestellt hat, was unter dem Begriff der „Grundversorgung“ zu verstehen sei – nämlich so eine Art Vollversorgung.

    Und in der Tat kann man nicht darüber streiten, was das BVerfG gesagt hat – das ist nämlich weitgehend unmißverständlich und lässt nur wenig Raum zur Interpretation (im Hinblick auf das, was der ÖR im Internet darf, ist allerdings durchaus noch Raum für Interpretation). Die Argumentation der Privaten setzt aber an anderer Stelle an und lautet schlicht: Das Bundesverfassungsgericht irrt. Oder weniger apodiktisch: Die Rechtsprechung des BVerfG ist aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen überholt und der Begriff der „Grundversorgung“ neu zu definieren.

    Diese Argumentation gegen eine stetige Rechtsprechung mag vielen bizarr vorkommen, weil das BVerfG in Deutschland eine Art Unfehlbarkeitsstatus genießt, der den Papst in Neid erblassen lassen würde. Tatsächlich aber wird das BVerfG aus juristischen Kreisen ständig kritisiert. Viele namhafte Staatsrechtler werfen den BVerfG immer wieder bei verschiedenen Themen vor, irrige Rechtsansichten zu vertreten. Das ist völlig legitim und unverzichtbarer Bestandteil unserer Rechtskultur.

    So überrascht es auch nicht, daß es durchaus viele Juristen gibt, die in Bezug auf die Auslegung des Begriffs der „Grundversorgung“ eine vom BVerfG abweichende Meinung vertreten und ihn im Sinne einer Grundversorgung verstehen. Und es wäre ja auch nicht das erste Mal, daß das BVerfG eien stetige Rechtsprechung aufgibt und die Definition eines Rechtsbegriffes verändert.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Der Streit zwischen ÖR und Privaten dreht sich im Kern darum, ob die Auslegung des Begriffs der „Grundversorgung“ durch das BVerfG noch zeitgemäß ist. In diesem Streit haben beide Seiten übrigens gute Argumente. Welcher Auffassung man folgt, ist letztlich mehr eine Bauchentscheidung als rational in irgendeiner Form zwingend. Gerade deshalb wird die Diskussion vermutlich derart polemisch geführt.

  14. „Inwiefern ist es gut, wenn Menschen ohne Geld schlecht informiert werden?“
    Insofern, dass die Verleger erst dann aufwachen, wenn sie wieder gleichgeschaltet werden – sofern sie sich denn dagegen wehren wollten.

    Spinnen wir das doch mal weiter: Die ÖRs dürften nicht mehr, und nur wer Geld bezahlt, bekommt Informationen. Das geht solange gut, bis die Extremisten beider Lager eigene, kostenlose (Des-)Informationsangebote bieten. Eine NPD-Online-Zeitung, die nichts kostet, würde von ausreichend Menschen gelesen, denen die Herkunft und Richtigkeit dieser „Informationen“ herzlich egal ist. Wie viele das sind, kann man an der Auflage der BILD ablesen (und deren Leser bezahlen sogar dafür…).

    Man bloß gut, dass Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG noch nicht abgeschafft wurde. Ganz besonders der letzte Halbsatz,

  15. Huch! Das ist ja mal eine ausführliche und vor allem sachliche Darstellung der Debatte um die öffentlich-rechtlichen Medien. So ein Text war in den letzten Jahren leider noch nie irgendwo zu lesen, weil selbst die vermeintlichen Qualitätsmedien im Bezug auf die Öffentlich-Rechtlichen längst die seriöse Berichterstattung zugunsten einseitiger Darstellungen verlassen haben. Ein schönes Beispiel sind die gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundvon von Hass und abgrundtiefer Verachtung nur so strotzenden Pamphlete, die der FAZ-Medienredakteur täglich absondert. Aber natürlich haben auch die Kampagnen bei Bild und Spiegel mit ausgewogenem Journalismus nichts mehr zu tun. Umso mehr gebührt dem Autor Lob und Respekt, die Dinge einfach mal so benannt zu haben, wie sie sind. Hut ab! Es tut so gut, das mal zu lesen.

  16. Schon ewig nichts mehr gelesen, was die Wahrheit so toll und präzise zusammenfasst.
    Der Wahnsinn den die Privaten mit ihrer Lobby betreiben greift nunmal ein Standbein unserer Republik an und das ist in diesem Fall der Anteil der ÖRs an TV, Internet u.s.w.
    Natürlich gehört es zur Grundversorgung im Zeitalter des Internets das Internet mitzuversorgen. Diese 7-Tage Regelung halte ich für den größtmöglichen Schwachsinn, den die Lobby jemals hat durchsetzen können.
    Kontaktbörsen? Ok, wirklich nicht nötig. Aber Kochrezepte? Ich seh schon Mälzer und Co auf der Straße, weil die ÖRs Kochrezepte im Internet stehen haben und dadurch Zuschauer klauen.
    Was ein himmelschreiender Unfung.

  17. Sehr gute Zusammenfassung der Situation. Ein Punkt fehlt mir jedoch im Hinblick auf die vielgepriesene scheinbar Unabhängigkeit der ÖR: Die Politik erpresst seit Jahren die Anstalten, da sämtliche Länderparlamente den Gebührenerhöhungen zustimmen müssen. Diverse Staatskanzleien haben mittlerweile kein Skrupel, direkt in den ÖR-Redaktionen anzurufen, um auf die Berichterstattung Einfluss zu nehmen.
    Stichwort Einflussnahme: Ich möchte nur auf die unsägliche Geschichte um ZDF-Chefredakteur Brender oder andere proporzgesteuerte Personalien erinnern. Blicken wir in die Rundfunkräte, die zur Spielwiese der eigentlich durch die Journalisten zu kontrollierenden Politik geworden ist.
    Nur wenn die ÖR von der direkten Einflussnahme der Politik befreit werden, hat das duale System wieder eine Existenzberechtigung.

  18. Kann ich leider nicht zustimmen. Öffentlich-rechtliches Fernsehen ist gebührenfinanziert, hat einen historisch bedingten, großen Marktanteil und nutzt offensichtliche und versteckte Wege zur Werbefinanzierung. Das ist wettbewerbsverzerrend und benachteiligt jene am Markt, die nicht in den Genuss von Gebühren kommen. Eigentlich sollte der Staat, in diesem Fall sein Vetreter in Form des öffentlichen Runfunks, nur dort agieren, wo der Markt versagt. Weder im Web noch bei Mobile Apps versagt jedoch der Markt.

  19. Zitat: „Inwiefern ist es gut, wenn Menschen ohne Geld schlecht informiert werden?“ – Die Antwort auf diese Frage dürfte auf der Hand liegen, oder? Zumindest aus der politischen Pespektive.

  20. Ich hoffe mal, dass möglichst viele der hier angesprochenenen Amts- und Würdenträger sich diesen Artikel durchlesen und dann einfach mal 5 Minuten reine Zeit finden, darüber nachzudenken.

    Vielleicht hilft es ja etwas. Der Artikel ist nämlich hervorragend geschrieben, die Argumentation ist stringent und überzeugend.

  21. Tagesschau”-Chef Gniffke hat Recht, wenn er schreibt:

    Seit 15 Jahren gibt es tagesschau.de, seit vielen Jahren auch mobil. Soll das jetzt zurückgedreht werden? Das wäre der Tod der Tagesschau auf Raten, da muss man kein Medienexperte sein.

    Hat er da wirklich Recht? Ich halte diese Einschätzung für mindestens so hysterisch wie die Einstellung, tagesschau.de sei der Tod der „anderen“ auf Raten. Daraus dann die (trotzige) Schlussfolgerung zu ziehen, die Diskussion drehe sich in Wahrheit darum, die Tagesschau abzuschaffen, ist doch albern.

    Der Auftrag der ÖR ist die Grundversorgung in Rundfunk und Fernsehen. Mit welcher Rechtfertigung wird daraus ein Auftrag abgeleitet, die Grundversorgung in anderen Medien wie z. B. WWW, via UMTS oder für iPhone-Besitzer sichern zu müssen?

    Hätte der Gesetzgeber gewollt, dass die ÖR-Rundfunkanstalten die Grundversorgung auch in anderen Medien übernehmen, hätten wir schon seit Jahrzehnten gebührenfinanzierte Printprodukte.

  22. Ich wollte nur kurz sagen dass ich den Text toll finde und keinen einzigen Kritikpunkt habe, aber höchstwahrscheinlich macht mich das jetzt zum Fanboy.

    Man kann nicht gewinnen in diesem Spiel ;-)

  23. @Alexander: Ich zitiere jetzt einfach mal aus dem verlinkten epd-Medien-Text:

    Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Rundfunkurteil von 1991 sehr weitsichtig ausgeführt, dass sich „die Bestands- und Entwicklungsgarantie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ auch „auf neue Dienste mittels neuer Techniken“ erstreckt, „die künftig Funktionen des herkömmlichen Rundfunks übernehmen können“

    Natürlich ist dieses Urteil kein unumstößliches Gesetz. Natürlich kann man der Meinung sein, dass ARD und ZDF im Internet nichts zu suchen haben, und das auch begründen. Aber ich glaube schon, dass ein Medium, dem man neue technische Verbreitungswege verschließt, auf absehbare Zeit verschwinden wird.

    Und warum ich glaube, dass ARD und ZDF auch im Internet gut zu gebrauchen wären (unabhängig davon, ob das ursprünglich so beabsichtigt war), habe ich ja versucht zu erklären.

  24. @35: Weil es nicht darum geht, [i]Informationen[/i] zur Verfuegung zu stellen, sondern darum, Informationen [i]der Allgemeinheit[/i] zur Verfuegung zu stellen. Der Zugang zum Medium ist also der entscheidende Aspekt. Als das Gesetz verabschiedet wurde, hatte Rundfunk die groesste Verbreitung (Durchdringung), und ganz bestimmt war sie damals groesser als diejenige von Printmedien (und ist sie wohl auch immer noch). Natuerlich hat der Staat damals auf den Rundfunk gesetzt.

    Sollte sich das Internet als das Medium mit der groessten Durchdringung erweisen, [i]muss[/i] der Gesetztgeber natuerlich nachziehen, denn, wie Stefan so schoen schreibt, die Qualitaet der Argumentation, wieso Oeffentlich-Rechtliche wichtig sind, hat sich seit 1949 nicht geaendert. Ganz im Gegenteil: Sie ist in wirtschaftlich schweren Zeiten brandaktueller denn je, denn Qualitaet der und allgemeiner Zugang zu Information darf nicht vom momentanen Zustand privater(!) Unternehmungen abhaengen.

    (Eine Folgefrage waere: Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem das INet die Radiowellen trumpft, und wer stellt diesen Zeitpunkt wie fest?)

    @ Stefan Niggemeier: Ich finde den Artikel zwar auch sehr gut auf den Punkt gebracht, aber wieso gab’s dann damals so eine bloede Tirade gegen den Willeke-Text ueber (war’s das ZDF?), in der noch von der boesen „Zwangsabgabe“ (aka GEZ-Gebuehr) schwadroniert wurde? Passt irgendwie nicht zusammen… Ist das echte Einsicht, oder geht’s hier um opinion for opinion’s sake?

  25. Danke, Stefan. Alles so traurig und so wahr.

    Leider gehen die „großen Medien“ immer mehr Weg von Journalismus und noch mehr hin zu Wirtschaft und Egoismus. Hoffen wir, dass so wertvolle Schätze wie dieser Beitrag hier irgendwann einmal eine große Bühne bekommen, damit die Menschheit endlich aufhört die $Verlag-Lügen zu glauben.

  26. Was soll ich anderes machen als zuzustimmen. Viel zu eloquent ist der Text. Viel zu absurd das Verhalten der Verleger.

    Ich frage mich nur noch, ob die Hufschmiede bei Ankunft des Automobils auch so einen Lärm gemacht haben und ob denen auch soviele Leute zuhören mussten.

  27. In der Debatte muss man aber auch mal fragen, wie sinnvoll es ist, daß die Grundversorgung offenbar auch noch diverse Dritte Programme mit noch mehr Landesfunkhäusern, arte, 3sat, Phönix, eins festival, eins extra, BR alpha, KiKa, zdf_neo, Deutsche Welle, Deutschlandfunk, zig Hörfunperogramme usw. usw. abdeckt. Wollen wir uns das alles leisten? Oder anders: Wenn wir uns KiKa, 3sat und arte leisten wollen – können wir dann nicht vielleicht auf Wetten, daß verzichten, das vermutlich in etwas genausoviel Geld kostet wie einer der drei genannten Sender?

  28. @29/Judith: „Das ist wettbewerbsverzerrend und benachteiligt jene am Markt, die nicht in den Genuss von Gebühren kommen.“

    Ein Blick in das GG genügt um festzustellen, daß die Informationsfreiheit (und alles was drumherum gehört) ein höheres Gut ist als die Ertragslage von Wirtschaftsunternehmen. Die Argumentation mit der Wettbewerbsverzerrung wird dem nicht gerecht.
    .
    @Stefan: „Gegner von ARD und ZDF missverstehen den Begriff gerne als Minimalversorgung, das Schwarzbrot: Dokumentationen, Nachrichten, hochwertige Filme, die keiner guckt. So ist er nicht gemeint.“
    Ich votiere für Schwarzbrot, also dafür, daß die ARD+ZDF sehr wohl die Lücken der Privatsender ausgleichen sollten, anstatt auf 3 Kanälen gleichzeitig die Blechbläser tuten zu lassen und die Magazinsendungen zu kürzen und nach hinten zu verschieben und tendenziell sich dem Kommerzfunk anzunähern.

  29. Noch viel viel elender aber ist, wie die deutschen Medien insgesamt das mit dem Internet innerhalb von 15 Jahren einfach total in den Sand gesetzt haben:

    So was veröffentlich der Spiegel:
    Online-Nutzungszahlen: Wie sich das GEZ-Web breit macht
    Rang Angebot Visits (Mio)
    1 Bild.de 103,1
    2 SPIEGEL ONLINE 102,6
    3 ARD Online* 34,5
    4 FOCUS ONLINE 22,2
    5 sueddeutsche.de 21,7
    6 Tagesschau.de 20,2
    7 WELT ONLINE 18,6
    8 FAZ.NET 17
    9 stern.de 14,6
    10 ZEIT online 10,3
    11 rp-online 9
    12 DerWesten.de 6,8
    13 Hamb. Abendbl. 5,1
    * inklusive Tagesschau.de, Sportschau.de, boerse.de, ard.de und daserste.de, news.orf.at hatte da alleine 27 Mio Visits. August 09

    Ist das eine traurige Scheiße ….

    So ungefähr schaut die Realität in D aus, in Tagesreichweiten
    Google.de 15.000
    YouTube 5.000
    Ebay.de 4.500
    t-online.de 4.000
    Web.de 3.900
    Facebook 3.500
    Wikipedia 3.500
    MSN / Live 3.000
    Amazon.de 3.000
    GMX 2.500
    Yahoo! 2.200
    wer-kennt-wen 2.100
    StudiVZ* 2.000
    Bild.de 1.500
    Spiegel Online 1.400
    Chip.de 990
    RTL.de 535
    Kicker-online 480
    Welt.de 420
    Focus.de 415
    Sport1.de 413
    Tagesschau.de 390
    Heise.de 390
    Sueddeutsche.de 390

    während in Dänemark gleich vier Medien in den Top Ten platziert sind, darunter der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Dort erlösen dann die Medien auch tatsächlich Geld im Internet …

  30. @Stefan

    Aber ich glaube schon, dass ein Medium, dem man neue technische Verbreitungswege verschließt, auf absehbare Zeit verschwinden wird.

    Da stimme ich dir zu. Dennoch will ich als Gebührenzahler nicht gleich die Publikation über jeden „neuen technische Verbreitungsweg“ finanzieren – gleich, wie (un)sinnig er auch sei.

    Den Untergang der Tagesschau zu postulieren, nur weil ich als Gebührenzahler nicht bereit bin, eine Verbreitung für eine winzige Minderheit (AKA iPhone-User, die die Tagesschau-App benutzen) zu bezahlen, ist doch arg übertrieben.

    Ich finde es gut und notwendig, dass der ÖR (auch) über das Internet informiert. Aber worüber weint Gniffke als nächstes? Die Tagesschau geht kaputt, wenn sie nicht twittern darf, wenn sie keine Facebook-Gruppe eröffnen darf, wenn sie nicht bei Studi-VZ mitspielt?

    Ein Blick zurück auf die damaligen neuen technischen Verbreitungswege: die Tagesschau hat es auch überlebt, dass ich sie nicht via Modem über meine Mailbox empfangen konnte, sie nicht per WAP auf meinem Nokia 7110 empfangen konnte, dass sie nicht im Second life vertreten war/ist, das sie noch nie im Usenet vertreten war usw.

    Wo ist der Unterschied, zwischen dem Geheule der Privaten „wir sterben, wenn es die Tagesschau als App gibt“ und Gniffkes „die Tagesschau stirbt, wenn es sie nicht als App gibt“?

  31. Verlage gehen nur an ideenlosen Verlegern zugrunde, nicht am Tagesschau-App.

    Übrigens habe ich seit Anfang Dezember 09 testweise BILD-App auf meinem iPhone, für 79 Cent sollte eine vierwöchige Probezeit bezahlt sein. Seither hat es sich immer wieder automatisch verlängert, ohne, dass diese zusätzlich Geld gekostet hätte. Offenbar wollen viel zu wenig Menschen BILD-App wirklich abonnieren und bekommen es gratis, damit der Springer-Verlag die Nutzerzahlen künstlich hochhalten kann.

    Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt…

    Gruß, Thomas

  32. @ 43 / Stefan Niggemeier: Ja, nee, nehme ich zurueck. Kann sein, dass da etwas aus dem zeitnahen Umfeld des Artikel „Warum ist ‚Die Zeit‘ nicht besser? (1&2)“ falsch haengengeblieben ist. Ist ja schon ein paar Jahre her. *g*

  33. Paywalls, mehr Paywalls! Nur mit Paywalls kann Qualität garantiert werden!
    ich fordere eine UnterschriftenAktion für Paywalls, insb. bei Springer, Spiegel und Focus. Unbedingt mehr Paywalls!

    Man, hätten wir nur 1968 gewusst wie leicht sich diese Deppen kaputtmachen lassen!

    #k.

  34. Respekt und Hut ab vor diesem Artikel, wunderbar auf den Punkt gebracht.

    Allerdings teile ich die in einigen Kommentaren geäußerte Kritik an den ÖR:

    Es wird *allerhöchste* Zeit, daß diese wieder „auf den Boden“ zurückkehren (können?) und das tun, was ihre originäre Aufgabe ist, nämlich

    – umfassend(!), unabhängig(!) und qualitativ hochwertig(!) zu informieren(!)
    – selbstverständlich auch im iNet!

    und den Wettlauf nach Seichtheit, Pupulismen, Verzerrung, Blödheit, billigster Unterhaltung und möglichst viel Werbung/Sponsoring der Privat-TV aufhören, das ist nicht Aufgabe der ÖR!

    Momentan kann ich die meisten ÖR tagsüber vor purer Seichtheit nicht mehr ansehen, und häufig genug ist auch abends noch nicht Schluß damit.
    Einzig Phoenix, 3sat, Arte und evtl. BRalpha machen einigermaßen Ausnahmen. ZDF-Doku war mal und geht als „ZDF-neo“ jetzt auch im üblichen unsäglich seichten Brei unter.

  35. Das Problem ist, dass die Argumentation verlogen ist. Eigentlich sogar von beiden Seiten.

    Die Presse sagt, dass sie die Leser informieren will, um die Demokratie zu retten. Defakto will sie aber Geld verdienen, wie jedes andere Unternehmen auch.

    Der Öffentlich-Rechtliche-Rundfunk behauptet das Gleiche und sendet Sportschau, Alisa-Wege zum Glück und Wetten Dass. Das hat mit essentieller Information und Meinungsbildung zur Rettung der Demokratie auch herzlich wenig zu tun.

    Daher hat jede Seite immer ausreichend Munition, um zu schießen. Mal mehr, mal weniger wild. Weiter bringt uns das leider kein bisschen …

    IMHO sollte man eines machen: Die GEZ-Gebühr per Volksbescheid bestimmen lassen. Werbung raus, Erhöhung nur per Volksbescheid. Und ab das muss die freie Presse damit klarkommen. Wirklich demokratisch legitimierter ÖR. Und nicht dieser Parteiensumpf, den gestern Brender ungewöhnlich deutlich angeprangert hat. Denn zum ÖR könnte man wohl einen genauso bösen Rant schreiben wie dieser Artikel einer ist. (Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Artikel ist hervorragend, nur beleuchtet er nur eine Seite der Medaille …)

  36. @Ulrich Voß:
    Sie haben den Artikel nicht richtig gelesen, sonst hätten Sie sich das Argument Sportschau und Wetten Dass gespart. Das Argument vernachlässigt nämlich die korrekte Auslegung des Grundversorgungsauftrags

    Ein Volksentscheid führt vermutlich dazu dass GEZ ganz abgeschafft wird. Und ÖR ohne Werbung wäre wünschenswert, doch ist Ihnen klar wie viel höher die Gebühren dafür sein müssten?

    Ich glaube dass
    a) Man gegen den ÖR keinen(!) genauso legitimen Rant schreiben kann
    b) dieser Artikel hier kein(!) Rant (Englisch für Schimpftirade) ist.
    c) Sie nicht so richtig über Ihren Kommentar nachgedacht haben..

  37. Danke für den guten Bericht. Es gibt doch noch 2 Punkte, die ich hinzufügen möchte. Die Privaten denken auch heute noch in der Kategorie 14-49 Jahre. Alles andere ist der Werbeindustrie herzlich egal.
    Gerade ARD und ZDF senden aber auch für die ältere Zielgruppe – Auftrag ist damit doch auch erfüllt, denn die Privaten wollen die Alten doch überhaupt nicht!
    Seit einem halben Jahr gibt es ein App des DLF bzw. der DRadios mit Nachrichten. Das juckt aber Bild und Co. seltsamerweise überhaupt nicht – vielleicht weil man diese Nutzer mit Privatradio eh nie erreichen würde.
    Die selbstkritische Medienberichterstattung der ÖR läßt in der Tat zu wünschen übrig. Eine Medienseite beim WDR und ZAPP beim NDR sind nicht genug. Über Brender regte sich öffentlich-rechtlich nur Schramm in 3sat und Priol im ZDF auf; weil es Satire ist oder sie sich einfach Live das Recht genommen haben – Sie hatten den Mut wenigestens.

    Wünsche mir, das dieser Beitrag irgendwo auf Seite 3 der SZ / FAZ oder wenigstens taz erscheint und damit auch finanziell honoriert wird – aber auch die haben wohl nicht den Mut. Schade, bleibt nur die neue Macht Internet.

  38. @Alexander
    Die Sache hängt sich doch eben gerade nicht am dem Tagesschau-App auf. Es geht darum dass die Tagesschau und der ganze ÖR nach Meinung der Privatsender und Verleger aus dem Internet raus sollte. Angesichts der Tatsache dass das Internet deutlich an Bedeutung gegenüber Fernsehen und Zeitung gewonnen hat, heißt dem ÖR das Internet zu verbieten ihn in seiner Bedeutung zu beschneiden und ultimativ kann es zu einer Vernichtung des ÖR führen. Insbesondere wenn der ÖR die Jugend nicht dort bedienen kann, wo sie sich „aufhält“, bleibt allein der freiwirtschaftliche Einfluss auf die Jugend. In der FDP mag man sowas toll finden (nicht dass Sie ein Mitglied sein müssen), aber ich find die Vorstellung grauenhaft.

  39. @59/Ulrich Voß
    Gute Idee. Nebenbei könnte man auch noch über die Verschiebung der Sendezeit für „Wetten, dass“ auf Sonntag ab 21.45 Uhr, die Gästelisten von Anne Will der nächsten zwei Monate und die Reihenfolge der Spielberichte der Fußball-Bundesliga in der „Sportschau“ am Samstag per Volksentscheid abstimmen lassen.

  40. Lieber Herr Niggemeier, es stimmt so, so, so sehr. Alles. Und Ihr Text hat so gefehlt. Aber nur bisher. Danke. Danke, danke. danke.

  41. Ich bin auch der Meinung, dass solche diskussionen gesamtheitlicher geführt werden müssen. Die „freie Presse “ nutzt ihre volle macht, da
    es um eigene wirtschaftliche Interessen geht (wenn sie dass doch auch nur bei den netzzensurplänen auch mal tun würden…).
    Ich zahle GEZ Gebühren mit Bauchschmerzen. iPhone app fänd ich super,
    kika und arte auch, aber es wird auch viel Schrott gesendet, den man eher zur diskussion stellen müsste. iPhone Tagesschau app ist aus meiner sicht der falsche Aufhänger für eine nachhaltige diskussion über sinn&zweck bzw. Finanzbedarf des ör

  42. Sehr gut geschrieben. Danke.

    Was mich ja immer wieder verwundert ist, dass manche Verleger eine wichtige Tatsache vergessen, die jedem, der schon einmal versucht hat eine „1:30“ für die Tagesschau zu schreiben, weiß: Diese Form von Nachrichten ist so komprimiert und lückenhaft, dass sie einfach Lust auf mehr macht. Auf die Zeitung am nächsten Tag, eine weitere Sendung im Fernsehen oder eine Internetrecherche. Denn, wer von den hier Lesenden bezieht seine täglichen Informationen ausschließlich nur über tagsschau.de? Mir reicht das auf jeden Fall nicht aus. Daher sehe ich gerade die tagesschau als ein Informationsminimum und die dazugehörige kostenlose Datenbank im Internet als minimale Nachrichten-Dokumentation an, die sich ein modernes und zivilisiertes Land einfach leisten muss.

  43. Holla, ein langer Artikel, den ich trotzdem gerne und in Gänze gelesen habe.
    @judith/29: Ob man in diesem Kontext mit einem „Markt“ argumentieren kann, wage ich einmal anzuzweifeln. Die hier zur Diskussion stehende „Ware“ (Verfügbarkeit von Information) ist schließlich fundamental für eine demokratische Willensbildung (Vorsicht: Pathos), mit der ja auch die Verleger ständig argumentieren.
    An den Hausherrn: Erste Empfehlung bei Tinnitus: Konzentrieren Sie sich bloß nicht auf das Geräusch, dann wird’s nur schlimmer. Akzeptieren, entspannen und ablenken, dann geht der Tinnitus zwar nicht unbedingt weg, aber er fällt nicht mehr so störend auf.

  44. Kann mir noch mal jemand erklären, warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seiner heutigen Form erhaltenswert sein soll? Informationen und Analysen mit internationalem Anstrich bekomme ich bei Economist, Guardian und NYT auf weitaus höherem Niveau. Wichtige bundespolitische Themen werden inzwischen in spezialisierten Blogs erheblich gründlicher behandelt. Sport & Unterhaltung kriegen auch Privatsender hin. Lokale Information findet im öffentlich-rechtlichen Rundfunk praktisch nicht statt. Also, wofür das Ganze?

    Es mag bei den Öffis vereinzelt gute Sendungen geben, aber rechtfertigt das mehr als (sagen wir mal) 100 Mio. Euro Gebühreneinnahmen pro Jahr?

  45. @63/Thomas L
    Die Sache hängt sich doch eben gerade nicht am dem Tagesschau-App auf.

    doch – ganz genau dran hängt sich die Sache auf, genau das äußert Gniffke: Seit 15 Jahren gibt es tagesschau.de, seit vielen Jahren auch mobil. Soll das jetzt zurückgedreht werden? Das wäre der Tod der Tagesschau auf Raten, da muss man kein Medienexperte sein.

    Und das ist doch Quatsch. Gniffke kann doch nicht einfach der Gebührenzahler Bedenken mit den Worten „dann stirbt die Tagesschau“ beiseite wischen, nur weil die nicht bereit sind, für jeden noch so exotischen „neuen technischen Vertriebsweg“ zu bezahlen. Mit solchen Äußerungen verlässt er den Pfad der sachlichen Argumentation ebenso wie die Verlegerlobby.

  46. @ Muriel / 72

    Ja, eben. Und was kriegen wir dafür? Einen Haufen Verlautbarungsjournalismus.

    Ich bin ziemlich entsetzt, daß angesicht der gigantischen Gebühreneinnahmen viele Kommenatoren hier den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verteidigen. Liebe Leute, MEHRERE MILLIARDEN Euro fließen jedes Jahr reichlich ungeprüft an Leute, die oft noch nicht einmal wissen, welche spannenden medialen Entwicklungen es in der Welt gibt! Und dann müssen sich die Verlage noch rechtfertigen, wenn sie diese unfaßbare Verschwendung anprangern.

    Das ist wohl nur in Deutschland möglich.

  47. Kleiner Hinweis zu dem vermeintlichen Fehler bei „größtmöglicher Super-GAU“:

    Der GAU, der größte anzunehmende Unfall, ist der Unfall, für den eine Einrichtung (ob nun AKW oder etwas anderes) noch ausgelegt ist. Bei einem GAU sollte also gerade noch KEINE Katastrophe eintreten.

    Der Super-GAU (super = lat. für über) ist dann alles, was über den GAU hinaus geht und wo es dann voraussichtlich auch zu einer Katastrophe kommt. Und verschiedene Formen eines Super-GAUs können natürlich auch unterschiedlich schwerwiegend sein, sodass „größtmöglicher Super-GAU“ nicht unbedingt ein Fehler ist. :)

  48. Alexander, es geht vorrangig um tagesschau.de, das sich weiter und nicht zurück entwickeln soll. Die Präsentation im mobilen Bereich ist momentan ein zentraler Bestandteil digitalen Fortschritts. Das zu verhindern, heißt die Weiterentwicklung von tagesschau.de zu verhindern. Das wiederum heißt, die Reichweite der Tagesschau wieder auf das Medium Fernsehen zu beschränken. Die Metapher „Sterben“ ist da gar nicht sooo unrealistisch.

  49. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist entstanden in einer der Frequenzknappheit. Es ist ein Pay-TV-Sender, für den es einen staatlichen Abonnement-Zwang gibt. An diesem historisch überholten Konstrukt halten die Parteien und ihre Funktionäre fest, damit sie in den Gremien die Berichterstattung über sich selber kontrollieren können. Und der Bürger bekommt für 50 Euro monatlich Fussball, Volksmusik und eine parteipolitik-tragende Tagesschau, das zusammen genommen unter der Überschrift „Qualitätsjournalismus“ als Argument herhalten.
    Das sinnvollste, was man mit dem ganzen öffentlich-rechtlichen System machen könnte: Baut es um zu einem abofinanzierten WebTV-System und subventioniert die Abogebühr über Steuermittel für Bedürftige. Dann kann jeder Sportschau abonnieren, der das will. Oder Volksmusik. Oder die Tagesschau-App. Die anderen Konzepte sind nur eins: historisch überholt und politisch verlogen.

  50. @ zuppi: Sie müssen aber zugeben, dass „größtmöglicher größter anzunehmender Unfall“ zumindest bescheuert klingt.

  51. Da die Politik bedingungslos hinter den gebührenfinanzierten Sendern steht, und sich Doetz und Kofler jahrzehntelang erfolglos an diesen Zuständen abgearbeitet haben ist es jetzt durchaus angemessen, die Sache mal ein wenig schriller zu versuchen, angesichts der geringen Akzeptanz vor allem der jüngeren Zuschauer ist eine Einschränkung der Aktivitäten dieser Anstalten nicht nur geboten, sondern auch überfällig.
    Es kann nicht sein, dass die Politik im Gegenzug zu unbegrenzter Sendezeit in eigener Sache den Öffentlich-Rechtlichen unbegrenzte Gebührenerhöhungen und Expansion ins Internet erlaubt.
    Zu den skandalösen Zuständen in den von undurchsichtigen Gremien nicht kontrollierten Sendern spricht die Causa Brender Bände.
    Und die Privaten müssen immer noch für viel Geld von Herrn Kluge völlig unattraktive Programme kaufen und senden.
    Wo leben wir den eigentlich?

  52. Die einzige Frage, die ich mir stelle, ist, warum ich diese Verteidigungsrede nicht aus den Chefetagen der Sendeanstalten höre. Danke für die Analyse. Bitte auch gleich den Kollegen in der FAZ-Medienredaktion weitergeben, die schreiben ja auch vehement gegen die Tagesschau-App.

    PS: nur nebenbei – es gibt keine eingesprungenen Rittberger…

  53. @Alberto:
    es geht vorrangig um tagesschau.de, das sich weiter und nicht zurück entwickeln soll.

    Einverstanden; aber glaubst du wirklich, tagesschau.de stirbt, nur weil die Minderheit einiger Handybesitzer nicht auf des Gebührenzahlers Kosten eine kostenlose Tagesschau-App benutzen kann? Oder was meint Gniffke damit, wenn er äußert, dass es „der Tod der Tagesschau auf Raten [wäre]“, wenn es die Tagesschau nicht mehr mobil gäbe?

    Ich bin durchaus dafür, den Gebührenzahler dafür zahlen zu lassen, dass tagesschau.de jetzt und in Zukunft existiert. Ich bin aber dagegen, den Gebührenzahler dafür zahlen zu lassen, dass tagesschau.de über jeden noch so exotischen „neuen technischen Vertriebsweg“ verbreitet wird.

  54. In dieser Diskussion bekleckert sich nun wahrlich niemand mit Ruhm. Gerade der Unfug rund um die Brender-Nichtverlängerung läßt mich daran zweifeln, ob ich die Resultate, die aus einem solchen System kommen, unbedingt auch noch als App brauche.

    Senderverantwortliche, die sich von Politikern in die Arbeit reinlabern lassen, und ein Chefredakteur, der das erst in dem Moment doof findet, wo’s ihm selbst an den Kragen geht. Das ist schon ein Ausmaß an system-immanenter Verlogenheit, die nur von den Dampfplauderern aus den Verlagshäusern übertroffen wird.

    @zuppi

    Größer als größtmöglich? Wie soll das bitte gehen? Abseits aller semantischen Spielchen?

  55. Sicherlich ist das Wehklagen aus den Verlagshäusern zu einem großen Teil Unfug. Alleine diese dumm-dreisten Forderungen und Aussagen in Bezug auf Google. Google würde Content klauen, ja: Google wäre so dreist und würde Werbeeinnahmen generieren, während die armen produzierenden Verlage ihre Kosten nicht mehr decken könnten. Wie würde es doch gleich aussehen, wenn die entsprechenden Seiten nicht mehr bei Google gelistet wären?
    Auch der Rest lässt die Verlage eher als dreiste Abzocker und knallharte Lobbyisten erscheinen, die mit Konkurrenz am Markt einfach nicht zurecht kommen. Und das, wo einige es offenbar nicht einmal schaffen, ihre Fotografen und andere Kreative angemessen zu entlohnen.

    Womit die Verlage und Sender aber in Grundzügen recht haben: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein Ungeheuer, welches möglicherweise seine Existenzberechtigung aus der Verfassung zieht; den Umfang und das Wachstum scheint er aber aus sich selber heraus zu generieren. Die Zielgruppe der 5 bis 13-jährigen in Hintertupfingen am Arsch der Welt? Haben wir noch nicht angesprochen, gründen wir doch eine neue Jugendwelle. Die 6. Verfilmung eines literarischen Werkes für die Zielgruppe der 60-65-jährigen? Liegt im Schrank, leider haben ARD und ZDF ihre Sendezeiten voll ausgebucht. Gründen wir doch den zehnten Unterkanal der ARD und nennen ihn „ARD 60+“.
    Was ich damit sagen will: Es ist dringend notwendig, dass der Rundfunkauftrag genauer beschrieben und konkretisiert wird. Es darf nicht sein, dass die Tätigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender zu stark ausufert. Sicher ist nicht die Minimalversorgung mit einem deutschlandweiten Rundfunksender ohne Internetaktivität das richtige Ziel. Aber das Rundum-Sorglos Paket mit zehn Kanälen für jede Zielgruppe und die deutsche Erstausstrahlung sämtlicher Blockbuster bei einer Finanzierung über Rundfunkgebühren ist auch nicht der richtige Weg.

    Der Gesetzgeber würde sich also einen großen Gefallen tun, wenn er endlich einmal reagieren und klarstellen würde, wofür die öffentlich-rechtlichen Sender genau da sind. Eine Reform der öffentlich-rechtlichen Sender – auch was die Finanzierung angeht – würde möglicherweise auch die Akzeptanz erhöhen.

  56. Ich kann nur zustimmen, dass die Debatte um die Tagesschau-App eine Scheindebatte ist. Vermutlich ist es der Tatsache geschuldet, dass viele Verlage in den Apps ihr Seelenheil suchen, sprich: neue Finanzierungswege, weshalb sie es den Öffentlich-Rechtlichen so übel nehmen, dass diese in ihrem Sandkasten mitspielen möchten. Es ist natürlich töricht, den Öffentlich-Rechtlichen das Internet zu verbieten, wenn die Verlage selbst so tun, als könne man ohne eine große Präsenz in dem Medium nicht überleben. Und ja, auch ich glaube, dass die Qualität der Printmedien nicht dadurch besser wird, dass man die Öffentlich-Rechtlichen mundtot macht.

    Trotzdem sollte die Debatte nicht dahingehend verallgemeinert werden, jegliche Kritik am finanziellen Vorgehen der Öffentlich-Rechtlichen in Abrede zu stellen. Ich finde es sehr wohl kritikwürdig, auf wie vielen Fernsehkanälen mittlerweile mit den Gebühren der GEZ-Zahler ein immer schlechter werdendes Programm gesendet wird, anstatt lieber auf der Hälfte der Kanäle ein hochwertigeres Programm zu senden. Oder wie viel Geld für manche Sportübertragung hingeblättert wird, für die Interessierte auch extra zahlen könnten, ohne dass das Allgemeinwohl deshalb auf der Strecke bleibt. Oder überhaupt Kritik an den Methoden zu üben, mit denen die GEZ ihre Gelder eintreibt. Es mag ja eine sozial gerechte Abgabe sein, wenn Einkommenslose nicht zahlen müssen. Man sollte dazu aber auch mal einige Einkommenslose fragen, welche Torturen und Unterstellungen sie über sich ergehen lassen müssen, um von der GEZ als solche anerkannt zu werden.

  57. Linus: Der „größte anzunehmende Unfall“ ist der größte Unfall, den die Planer der Einrichtung (des AKW) angenommen haben, nicht der größtmögliche Unfall.

  58. @stefan: Danke für diesen schönen Artikel.
    .

    @brummkreisel (nr. 39): „(Eine Folgefrage waere: Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem das INet die Radiowellen trumpft, und wer stellt diesen Zeitpunkt wie fest?)“.
    Das Büro für Technikfolgenabschätzung des Bundestags hat gerade ein Gutachten zum Thema „Leitmedium Internet?“ ausgeschrieben, das (in etwa) in diese Richtung gehen wird.

    @MrBrook (Nr. 85): „Der Gesetzgeber würde sich also einen großen Gefallen tun, wenn er endlich einmal reagieren und klarstellen würde, wofür die öffentlich-rechtlichen Sender genau da sind.“

    Ich bin mir nicht so sicher, ob der Gesetzgeber das tatsächlich über den bisherigen Auftrag (Grundversorgung etc.) hinaus tun sollte; immerhin ist es aus gutem Grund ja „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“, nicht „staatlich vorgeschriebener Rundfunk“. Seit kurzer Zeit müssen die Ö-R neue Angebote mit Hilfe des „3-Stufen-Tests“ auf ihre marktlichen und publizistischen Auswirkungen hin prüfen lassen (und ggfs. gegenüber Wettbewerbern rechtfertigen), das empfinde ich gelungener als eine staatliche Vorgaben.

    [Hinweis: Mein Arbeitgeber, das Hans-Bredow-Institut, war an Konzeption und Einführung des 3-Stufen-Tests beratend beteiligt, ist aber nicht an den konkreten Gutachten im Rahmen der jeweiligen Verfahren beteiligt.]

  59. es passiert ja selten bei dickköpfen wie mir mit sorgsam über die jahre zurechtgelegter meinung, aber ich muss gestehen: dieser artikel hat eine bei mir eigentlich schon ziemlich fest in stein gemeisselte meinung grundlegend geändert.

    das erlebe ich nicht alle tage, also dafür hut ab, herr niggemeier :)

    und: fühlt sich voll lustig an :-)

  60. Die App an sich ist doch nicht entscheidend. Entscheidend ist doch die grundsätzliche Technik. Angenommen, wir brauchen irgendwann keine TV-Geräte mehr, weil wir alles über den PC empfangen, die Leinwand längst in der Tapete eingekleistert. Was machen die Verlage dann?

    Oder auch: Kann ich nicht als GEZ-Zahler selbst entscheiden, auf welchem Medium mir das ÖR-Angebot überreicht wird? Bitte kreuzen sie hier an. Diese Diskussion ist nach meiner Meinung wieder mal nur ein einziges Machtgeschiebe. Und leider kostet allein schon diese Diskussion so viel Geld, dass man damit unglaublich viel Qualität produzieren könnte. *kommwiederruntermodus: an*

  61. Ich wünsche mir starke, freie Öffentlich-Rechtliche im Netz. Ich glaube, dass sie der Qualität und der Vielfalt des Online-Journalismus gut tun können. Und ich glaube, anders als offenbar die Verleger selbst, dass gute private journalistische Angebote trotz dieser Konkurrenz bestehen können.

    Sehr gut gesagt. Dem stimme ich absolut zu.

  62. Die Verlage haben das Internet größtenteils immer noch nicht kapiert. Sie verstehen es nicht, sie nutzen es nicht vernünftig, und konsequenterweise steht ihnen das Wasser immer mehr bis zum Hals. Also suchen sie Sündenböcke, anstatt sich an die eigene Nase zu Fassen und endlich zu begreifen dass nur weil man tagtäglich die Öffentlichkeit informiert man noch lange nicht soweit ist, dass man nichts mehr dazulernen muss.

    Es ist ein Treppenwitz, dass dieser Streit gerade an einer App festgemacht wird. Schaut man sich mal den „Market“ für Applikationen auf Google-Handys an, so gibt es zu jeder offiziellen Applikation eines Inhalte-Anbieter eine ganze Reihe inoffizieller Applikationen. Und so ist das Geseiere „Die Tagesschau macht eine App“ schlicht hanebüchen: Wenn die Tagesschau sie nicht selbst macht, macht sie früher oder später ein anderer. Auf welcher Plattform ist doch letztendlich egal. Die Inhalte sind schließlich da. Jede App ist nur ein weg, darauf zuzugreifen.

  63. Thx, für den guten, ausführlichen und Informativen Artikel.

    Tinitus! So klingt`s nun mal, wenn Branchen einen langsamen und schmerzvollen Tod erliegen, das kennen wir doch schon von der Musik und Film Industrie. Mal sehen wen das I-Net als nächstes erwischt.

    Wen wundert es schon, bei dem Content den die meisten Privaten produzieren, wir hatten eine Welle des Trash nach der anderen (Talk rund um die Uhr, dann Gerichtsshows, Big Brohter und Casting Shows), wenn ich da heute beim Zappen sowas wie Familien im Brenn Punkt erlebe, zweifel ich nicht nur am Komsumenten, Produzenten sondern auch an den die dort Werbung Buchen.
    Mit Freude verfolge die gestiegenen Verkaufszahlen von der Zeit.

    Von mir mal ein Tip an die Privaten, die sich in der Vergangenheit immer mehr Tochter-Sender/Zeitungen schufen – mal den ein oder anderen Sender/Zeitung schließen, denn das Inflationäre Angebot von Werbe-Plätzen senkt nicht nur die Einschalt-/Leserqoute sondern auch die Preise.

  64. Es ist mir egal, wie der Streit ausgeht, solange ich mich der ÖR-Mafia entziehen und das Internet benutzen kann. Da ARD/ZDF sich da querstellen, muss ich klammheimlich hoffen, dass die Verleger möglichst erfolgreich sind.

  65. Disclaimer: Als riesiger Apple-Hasser kann ich nicht versprechen, Apple in meinen Beiträgen nicht zu schmähen.

    80.000.000 Deutsche : 800.000 iPhones (iphonemeter.com) = 100

    Warum wird mit der Relevanz einer iPhone-App überhaupt argumentiert? Warum wird Apple wieder einmal als so bedeutend dargestellt und überhöht? Warum wird die Zuständigkeit der Öffentlich-Rechtlichen nicht endlich auf Print und Online ausgeweitet?

    Die Privaten und ehemaligen Qualitätsmarken des Print beweisen doch jeden Tag aufs Neue, sei es durch unzulängliche Inhalte und nicht mehr vorhandene Nachwuchsförderung, dass der Spuk in absehbarer Zeit ein böses Ende nimmt.

    Lasst uns eine Welt ohne Apple, Private und ehemalige Print-Qualitätsmarken jetzt erschaffen. Zukunft ist jetzt.

  66. Als „gelernter“ Ossi möchte man diesen ganzen Knallchargen ständig zurufen: Wer nicht konkurrenzfähig ist, geht und muß untergehen, das nennt sich Kapitalismus, aufwachen!

  67. alles schön und gut, stefan. aber wenn du (sinngemäß) schreibst, es sei quatsch, dass die ÖRs ihre teuren produktionen gerade auf dem billigen verbreitungsweg internet nicht verbreiten dürfen sollen, dann fehlt mir ein wichtiger beleg. und zwar: ist das web-angebot der ÖRs wirklich billig? wieviele leute sitzen bei br-online, bei wdr-online etc. und verursachen kosten?

    das wäre in der ganzen diskussion mal eine wichtige zahl. sagen wir: wieviele millionen verschlingt wdr-online pro jahr? und für was?

  68. @100 steckschuss

    Stellen Sie sich doch nicht absichtlich doof: Niggemeier spricht lediglich davon, dass es doch im Interesse der Zuschauer (und im Sinne einer Kosteneffektivität) sein müsste, teure Eigenproduktionen so breit wie möglich zugänglich zu machen, um möglichst viele Zuschauer zu erreichen.

    @ zuppi

    Ich sprach von „abseits aller semantischen Spielchen“. Ein größter anzunehmender Unfall ist ein größter anzunehmender Unfall ist ein größter anzunehmender Unfall. Egal, ob da Atomlobbyisten irgendeine Silbe davorklatschen, um vom Risiko abzulenken. Oder glauben Sie auch, dass, wenn es heißt: die Chance, dat son Ding hochgeht liegt bei eins zu irgendwas, dass dat dingen frühestens in irgendwas Jahren hochgeht?

  69. Also erst mal: Tinnitus klingt nicht wie Klingeln, sondern wie Fiepen. Ähnlich wie alte oder kaputte Fernseher.

    Dann hast du etwas gesagt, was ich in einer anderen Diskussion viel zu sehr vermisse: [k]Warum soll es gesellschaftlich erstrebenswert sein, journalistische Inhalte nur denen zugänglich zu machen, die dafür zahlen können?[/k] Das selbe könnte man für Kulturgüter geltend machen, auch wenn Kultur noch kein Staatsziel ist (oder inzwischen doch?). Verbilligte Eintrittskarten für öffentliche Einrichtungen für Hartz4empfänger sind lächerlich, man wird es sich wohl trotzdem nicht leisten können. Genauso Musik: ~15,- für eine CD. Also gut 4% der Regelleistung, mehr als ein Tageseinkommen. Mit Büchern ist es dank Buchpreisbindung ähnlich, aber hier gibt es immerhin öffentliche Bibliotheken. (hoffentlich hat das jetzt noch keiner gesagt, hab nicht alle 88 Kommentarre gelesen)

  70. @Till/#80: *hüstel* Nicht alle ,)

    @Tim:

    [Milliarden] fließen jedes Jahr reichlich ungeprüft an Leute, die oft noch nicht einmal wissen, welche spannenden medialen Entwicklungen es in der Welt gibt!

    Ähm, also mal abgesehen davon, dass von „ungeprüft“ ja nun wirklich keine Rede sein kann: An der seit 1997 jährlich erscheinende Online-Studie von ARD und ZDF kommt nur schwer vorbei, wenn man sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt. Sie gehört zum Besten, was es an deutschsprachiger Literatur zum Thema „mediale Entwicklungen“ gibt: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/

    @Falk D.: Welchen Teil von „solidarische, soziale Konstruktion, diese Rundfunkgebühr“ hast du nicht verstanden? Oder bist du gerne asozial, weil du es dir leisten kannst?

    Offenlegung: Siehe Stefan.

  71. Vielen Dank an Stefan Niggemeier für diesen sinnvollen und umfassenden Beitrag in der Diskussion, der sehr schön zusammenfasst, was man denkt.
    Moment. Wieso denkt dann nicht jeder so? Allein hier im Blog ist er erschreckend, wie viele Kapitalismus-Verblendete es gibt. Dass gerade der Kapitalismus einen starken Staat braucht, sollte man doch an historischen Ereignissen zu genüge sehen können.

    Diese eingeimpfte Ellbogenmentalität und völlig fehlende Solidarität (oder soll ich sagen sozialer Gerechtigkeitssinn), und es ist nichts anderes, sind Grundfesten der Gesellschaft geworden. Ob man will oder nicht. Ekelhaft.

  72. Ist jetzt zwar bereits zigmal geschrieben worden in den Kommentaren, aber m.E. immer noch nicht oft genug: Danke für diesen Artikel, Herr Niggemeier!

  73. Die Logik hat bereits vor einer Weile einen Ausreiseantrag aus der Diskussion gestellt, der offenbar jetzt genehmigt wurde.

    You made may day!

  74. Lieber Herr Niggemeier,
    ich dachte ja, „Die Methode Diekmann“ wäre nicht mehr zu toppen, aber – Chapeau – Sie schaffen es immer wieder, journalistische Glanzpunkte zu setzen. Danke, danke, danke!

  75. @ jo / 104

    Zum Begriff „ungeprüft“: Die öffentlich-rechtlichen Sender können mit den Gebühreneinnahmen ja anstellen, was sie wollen. Es gibt keine wirksame Prüfinstanz. Und das Ganze System ist auch noch so angelegt, daß es im politischen Alltag praktisch nicht mehr abgeschafft werden kann. Das ist schon reichlich legibus solutus und völlig unzeitgemäß.

  76. Chapeau und danke Herr Niggemeier,

    eine gute differenzierte Betrachtung der fadenscheinigen und verlogenen Argumentation des derzeitigen Verlegerhandelns in Deutschland.

    Hausmeisterlichen Gruß
    Karl Keule

  77. Wenn ich das lese bin ich froh, dass wir in der Schweiz keine ernstzunehmenden Privatsender haben.
    Es würde niemanden in den Sinn kommen, dem Staatsfernsehen zu verbieten seine Inhalte ins Netz zu stellen.

  78. Mir fehlt in dieser Debatte noch ein Hinweis: Wir zahlen GEZ-Beiträge für Handys!!! Sobald das Handy internetfähig ist oder ein Radio hat, ist es ein Rundfunkempfangsgerät – und bereits deshalb sollte es selbstverständlich sein, dass ich die Tagessschau auch mit dem Handy „empfangen“ kann, in welcher Form auch immer. Ich verstehe gar nicht, warum dieses Argument nicht viel stärker ins Feld geführt wird. Ich kann doch nicht auf Grundlage des Rundfunkgebührenstaatsvertrags Beiträge für „neuartige Rundfunkgeräte“ einziehen (damit ist alles gemeint, was internetfähig ist) mit der Begründung, man würde über Internet auf Content der öffentlich-rechtlichen zugreifen und dann den Nutzern eben dieser Geräte keinen Content anbieten. Wie schizophren ist das denn?

    Darüber hinaus zeigt mir die Berichterstattung der Verlage fast jeden Tag, wie gut es ist, dass es mit den öffentlich-rechtlichen Medien gibt, die ganz unaufgeregt und sachlich über Katastrophen und Skandale berichten und nicht Auflage oder Klickzahlen um jeden Preis erzielen müssen. Ob Käßmann, Amoklauf oder Haiti – die Tagesschau berichtet nüchtern und unhysterisch, was man selbst von den angeseheneren privaten Medien nicht immer sagen kann. Bei ARD und ZDF ist alles immer nur halb so schlimm, und das finde ich heutzutage, wo alles gleich immer ganz schlimm ist, sobald nur ein Deutscher (vielleicht) an Schweinegrippe erkrankt, gar nicht so verkehrt…

  79. @Thomas L #61:

    Sie haben meinen Beitrag wahrscheinlich nicht richtig gelesen… Ich habe von der Abstimmung über eine „Erhöhung“ gesprochen, nicht von einer Abstimmung über die Abschaffung.
    Dass die Bevölkerung die GEZ-Gebühr abschaffen würde, glaube ich nicht. Die GEZ Gegner sind laut, aber IMHO nicht die Mehrheit. Obwohl es könnte schon sein, dass nach solchen Aktionen wie beim Brender die Bevölkerung der Politikerkaste mal eine Backpfeiffe verpasst. Verdient hätte es der „staatsferne“ Rundfunk-Politikersumpf allemal.

    Übrigens dachte ich, es wäre durchaus erlaubt, eine andere Meinung zu vertreten als Niggemeier. Wenn er Wetten Dass für Grundversorgung hält, muss ich das, auch wenn ich hier lese und sehr viel davon für sehr richtig und wichtig halte, nicht Alles für richtig halten. „Wetten Dass“, „Sportschau“ und „Alina- Fackeln im Herzen“ sind NICHT sicher Grundversorgung. Im Gegensatz zur Tagesschau und ihrem Internetangebot zum Beispiel.

    Eine Qualitätsdebatte über das ÖR will ich eigentlich nicht führen, aber wenn ich z.B. auf die Finanzkrise zurückschaue, war von den warscheinlich 100 Stunden gesendetem Material, von denen ich vielleicht 15 gesehen, vielleicht 1 Stunde brauchbar. Gut, das ist genau 1 Stunde mehr als bei den privaten. Aber so doll ist das auch nicht (vor allem weil die eine Sendung von der BBC eingekauft war und die andere auf Arte lief und vor allem aus französischem Material bestand …)

    @Gregor Keuschnig #64:

    ?!?

    Der Versuch, ein Argument 10 Kilometer weiterzuspannen, damit lächerlich zu machen, ohne zu berücksichtigen, dass man 10 Kilometer weiter steht und man da nix mehr mit dem ursprünglichen Argument zu tun hat, klappt nur selten. Das ist so lächerlich wie mit einem Steuersatz von 100% gegen Steuererhöhungen zu argumentieren oder mit einerm Steuersatz von 0% gegen Senkungen …

  80. Wem würde es eigentlich wehtun, wenn ARD/ZDF auf dem nächsten Gebührenbescheid Zugangsdaten für ihre Angebote zustellen würden und ihre Auftritte hinter einer Paywall verschwinden lassen?
    Bislang benehmen sich die ÖRR wie die Einsiedlerkrebse: Andere haben das Netz aufgebaut und sie machen sich breit. Zum anderen Teil sind sie auch wie Efeu: Wurzeln, die die Kraft im Netz ausmachen, sind auch andere.
    Mit einer Paywall wären alle zufrieden und alle Gerechtigkeitsprobleme gelöst. Haben ARD/ZDF kein Vertrauen in die eigenen Inhalte? Wenn die obigen Kommentare so lese, reicht es doch, wenn Herr Niggemeier für ARD&ZDF arbeitet um eine kritische Kundenmenge zu binden.

  81. @Falk D. (116)
    Ahahahaha, der war Super. Ich mein das war doch ein Witz, oder? Köstlich, wirklich köstlich.

  82. die diskussion um die tagesschau-app wurde von döpfner gestartet. da konnte irgendwas nicht stimmen. danke für die konkretisierung.

    klar übertreibt gnäffke, wenn er vor dem drohenden tod der tagesschau warnt. da hier der zugang zum informationsportal der zukunft in frage steht, ist diese form der argumentation verzeihbar. man muss ja berücksichtigen, dass es bei den gegnern auch sofort um sein oder nichtsein ging.

  83. Diese 7-Tage-Frist ist mir schon einmal negativ aufgefallen. Im Internetangebot des Ratgebers Recht der ARD gab es eine umfangreiche Rechtsprechungsdatenbank zu allen möglichen Themen (lärmende Nachbarn, Kündigungen etc.). Die ist jetzt weg. Ein ungemein praktisches Angebot ist einfach aus dem Netz verschwunden. Alternative? Keine! Denn der Aufbau einer solchen Datenbank ist zeitintensiv und dementsprechend teuer. Mich würde mal interessieren, für welchen privaten Verleger diese Datenbank eine Konkurrenz war, denn ein solches Angebot gibt es dort nicht.

  84. @114/Lukas:
    wie gut es ist, dass es mit den öffentlich-rechtlichen Medien gibt, die ganz unaufgeregt und sachlich über Katastrophen und Skandale berichten

    [ ] du hast schon mal „hallo deutschland“ im ZDF oder „brisant“ in der ARD gesehen…

  85. @Falk D.
    Warum sollte man die ÖRR hinter einer Paywall verstecken wenn gerade die ÖRR die Grundversorung sichern sollen?
    Mal ganz abgesehen davon das ich schon für die ÖRR bezahle verstehe ich nicht was dagegen spricht das die ÖRR Qualitätsjournalismus im Netz anbieten
    „Andere haben das Netz aufgebaut“
    Hier beziehen Sie sich sicherlich auf das ARPANET vom US Verteidigungsministerium. Sicherlich sind alle anderen Webinhalte Einsiedlerkrebse die sich breitmachen aber dies lasse ich gerade noch gelten. Immerhin will ich ja auch irgendeinen Inhalt im „Internet“ :-)
    @Topic
    Meines Erachtens nach sollten sich die Verlage die gleiche Intensität die sie aktuell Benutzen um Grabenkämpfe zu führen dafür einsetzen wieder hochwertige Nachrichten zu produzieren. Dann sind die Menschen evtl. auch gewillt mal wieder eine Zeitung zu kaufen oder in einem euphorischen Anfall sogar zu abonnieren.

  86. es ist ja nicht nur so, dass die privaten den begriff grundversorgung missverstehen, in der diskussion wird auch zunehmd deutlich, dass sie überhaupt keinen durchblick haben, was die rundfunkfreiheit in art. 5 gg gewährleisten und schützen soll.

    darf man das den privaten übel nehmen? ja und nein. die wollen auch nur ihre kohle machen und da ist das fernhalten der öffentlich-rechtlichen im internet und anderswo eine möglichkeit. andererseits wird es kritisch, wenn sie die leute auf kosten ihrerer eigenen wirtschaftlichen interessen für dumm verkaufen.

  87. Ich war schon immer ein Verfechter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ich habe GEZ Gebühren auch als Student bezahlt, obwohl ich es hätte umgehen können. Nur gehen mir in letzter Zeit immer mehr die Argumente aus.
    Ja, es gibt die Tagesschau, ja, es gibt ARTE und Phönix, es gibt gut gemachte Unterhaltung, aber es gibt eben auch 80 Stunden Übertragung von Karnevalssitzungen zur besten Sendezeit, es gibt Soaps, die keinen Deut hochwertiger sind als die der Privaten, und vor allem: es gibt Werbung!

    Nicht erst, als ich einige Zeit für die „ARD Werbung“ gejobbt habe, wurde mir bewusst, wie problematisch das sein kann. (Das ist die Institution, deren Aufgabe es ist, die Werbezeiten ihrer Sender zu verkaufen, und sie ist nicht klein.)

    Mit Kollegen zusammen habe ich über mehrere Jahre Radio-Comedy für einige Sender produziert, und da gab es mehrere Begebenheiten, die mich sehr nachdenklich gemacht haben, als Beispiel nur diese kleine Anekdote:

    In der Comedyfolge (wohlgemerkt, ein Mini-Hörspiel von standardisierter 1:30 Länge) wurde der bekannte Chef eines bekannten Müsli-Herstellers durch den Kakao gezogen, der schon seit Jahren durch die unerträgliche Werbung, die von ihm selbst gesprochen wird, nervt. In der Comedy schlagen ihm die Protagonisten schließlich entnervt den Kopf ab, woraufhin mehrere neue sofort nachwachsen und weiter die Werbetexte rausrufen.

    Die Episode wurde ausgestrahlt (hatte wohl niemand vorher reingehört), aber direkt im Anschluss explodierte der zuständige Programmchef förmlich, jede weitere Ausstrahlung dieser Folge wurde untersagt und dass sowas ja nie wieder vorkommen darf.
    Ich stimme sofort zu, dass man gerne darüber diskutieren kann, ob das lustig oder geschmackvoll war, aber darum ging es gar nicht. Das einzige, was die ganze Redaktion in Panik versetzt hatte war dies: „Die Söhne von Herrn XY hören doch das Programm!“

    Es war also nicht die Frage, ob man den Hörern sowas zumuten kann, die Angst war schlicht und ergreifend, dass man eventuell einen Werbekunden verärgert haben könnte.

    Das kann und darf von mir aus bei einem Privatsender ein Problem sein, aber von einem öffentlich-rechtlichen Gebührenfinanzierten bitte nicht.

    Und das ist nur ein sehr kleines und unwichtiges Beispiel… ich möchte gar nicht wissen, was bei gewichtigeren Themen alles im Hintergrund abläuft.

    Von daher: Der Artikel ist großartig und richtig, Herr Niggemeier, aber Diskussionen über die Ö.-R., ihre Aufgaben und ihre Unabhängigkeit müssen weiterhin stattfinden.

  88. Kann mir mal jemand erklären, warum die Multimedia-Beiträge der Öffentlich-rechtlichen nur einige Monate verfügbar sein dürfen? Mich stört es z.B. dass bei Dradio.de die Beiträge nur ein halbes Jahr als Audio abrufbar sind, und danach nur noch als Skript. Inwiefern würden die Privaten denn geschädigt, wenn diese Inhalte über mehrere Jahre (oder „ewig“) abrufbar wären?

  89. @KatrinW: … und es gibt „Neues aus der Anstalt.“
    Gab es auch am 23. Februar.

    …auch wenn der „Altherren-Humor“ von Georg Schramm nicht jedermanns Sache ist. :-)

  90. @126/Katrin:

    aber es gibt eben auch 80 Stunden Übertragung von Karnevalssitzungen zur besten Sendezeit, es gibt Soaps, die keinen Deut hochwertiger sind als die der Privaten,

    … und es gibt schwachsinnige Quizshows, nervige Musikantenstadel, lästige Übertragungen von Fußballspielen, dämliche Krankenhausserien usw.

    Und das ist gut so. Denn genau das ist es, was man unter „Grundversorgung“ versteht. Auch wenn du und ich selbstverständlich nur Aspekte, ttt und „das kleine Fernsehspiel“ anschauen…

    P.S. Herrn Pfannenschwarz hat die 1:30 Comedyfolge wohl leider nicht gestört – er nervt noch immer ;-)

  91. Bin gespannt, wie sprunghaft sich demnächst die Auflagenzahlen der Zeitungen erhöhen. Das müssten sie ja wohl, da nun die öffentlich-rechtliche Internetkonkurrenz in Fesseln liegt. Oder, liebe Verleger?

  92. @alexander: nein, mitichten sehe ich nur Aspekte und ttt. Ich sehe mir auch äußerst gern „Wer wird Millionär“ und „Rach, der Restauranttester“ sowie diverse amerikanische Serien an. Aber darum gehts doch nicht. Ja, Karneval und Quizshows dürfen gern auch im ö.-r. TV stattfinden, aber es geht um die Menge! Wenn vor lauter Pappnasen und Jodlern in den Hauptsendezeiten die weniger quotenträchtigen Sendungen immer mehr ins Nachtprogramm oder in die ausgelagerten Spezialsender verschoben werden, dann stimmt meiner Meinung nach das Verhältnis nicht mehr.

    Und zu dem PS: ich bin mir sehr sicher, dass Herr Pf. sich an der Folge selbst überhaupt nicht gestört hätte, da war nur zuviel vorauseilender Gehorsam im Spiel, den ich wirklich ekelhaft finde.

  93. Vielen Dank für diesen schönen Artikel Herr Niggemeier, den ich keineswegs als zu lang empfinde.

    at topic: In der großen Linie und in manchem Detail haben Sie meine Zustimmung: Die Zeit der Verbreitungsherrschaft über Inhalte ist vorbei und nun sucht man mit den widersprüchlichsten Argumenten den status quo zu zementieren.

    Soweit und sobald sich der Netzzugang als Leitmedium etabliert, ist es nach meinem Dafürhalten sogar Pflicht der ÖR, im Rahmen der Grundversorgung Internetangebote in ausreichender Form anzubieten – nicht der Auftrag ändert sich, sondern nur das Medium. Perfide also, dem ÖR gerade das verbieten zu wollen. Hier wird in der Tat der Boden für die nächste Schlacht vorbereitet.

    off topic GEZ:
    Wie so oft, kam in punkto „Versorgungsleistungen“ auch hier die Frage nach der Berechtigung von Gebühren für den ÖR auf. Mir stellt sich die Frage nicht. Ich höre Radio (ÖR) und zwar nicht nur einen ÖR-Dudelsender, sondern auch Klassik oder einfach nur gesprochene Beiträge.

    Was da z. B. bei dradio, SWR2 oder cont.ra usw. an (journalistischer) Qualität geboten wird, ist in der Regel beachtlich bis gut bis hervorragend – und deckt sehr viele Themenbereiche ab. Man kann nicht erwarten nur das geboten zu bekommen was einen selbst interessiert und nur auf den Medien, die man selbst bevorzugt – und man muss sich auch ein wenig kümmern. Die Wahrnehmung nur auf das Fernsehen (nur ein Medium und wohl nicht mehr lange ein Leitmedium) zu verengen, wäre falsch.

    Grundversorgung, ob minimal oder in Vollausstattung bleibt somit ein Thema. Nicht zu Unrecht und aus historischen Erfahrungen heraus ist ein halbwegs freier Rundfunk etc. für die Meinungsvielfalt und Informationsqualität notwendig, oder will jemand hier italienische Verhältnisse?

    Man sollte auch nicht vergessen, dass die Mehrzahl der Kritiker der „Zwangsabgabe GEZ“ eher individualistisch argumentieren: Ich brauche die GEZ nicht, ich habe doch das Netz, meine Freunde usw. Ausserdem mag ich keine Volksmusiksendungen. Nunja, ich auch nicht, aber viele andere mögen sie und ich werde ihnen nicht vorschreiben was sie zu mögen haben oder nicht.
    Zum Glück gibt es ja genug andere Angebote, auch und gerade durch den ÖR.

  94. @polyphem: in der Tat, meine Sache ist es nicht. Aber es gibt ja auch noch Harald Schmidt… das waren ja auch nur kleine Beispiele. Ich will nicht in Abrede stellen, dass das ö.-r. Fernsehen auch viel Gutes oder, sagen wir mal, meinem Geschmack entsprechendes sendet…

  95. @Katrin:
    Ja, Karneval und Quizshows dürfen gern auch im ö.-r. TV stattfinden, aber es geht um die Menge!

    … die zwischen Altweiberfasnet und Faschingsdienstag „etwas größer“ ist als im restlichen Jahr. 4 Wochen Fußball während der WM und 2 Wochen Leichtathletik oder Skifoan während der Olympischen Spiele sind mindestens so nervig wie fünf oder sechs Abende Karneval im ÖR.

    Mit dem Rest deines Postings hast du Recht: ein ÖR Rundfunk sollte weder Berichterstattung noch Satiresendungen aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen zensieren dürfen.

  96. @127 : Die Vorhaltung der Inhalte ist an den Sendungszeitpunkt gekoppelt und irgendwann mal so bestimmt worden. Muss ja auch nicht alles und ewig verfügbar sein, war früher auch nicht so. Ich weiß leider nicht, ob eine Wiederholung eines Beitrags die erneute Onlinestellung rechtfertigt, dann wäre es einfach: Einfach einen Wiederholsender einrichten, der nur wiederkäut und schon sind die Beträge wieder oder länger verfügbar.

  97. Der ÖR kommt im Artikel sehr gut weg. Viel zu gut. Mir geht die penetrante Eigenwerbung des ÖR für den eigenen Internet-Auftritt gründlich auf die Nerven. Man bleibt mittlerweilen nirgendwo mehr davon verschont. Selbst morgens im DLF muß man sich diese Internet-Eigenwerbung anhören.

    Am schlimmsten sind dann die Nachrichtensendungen („Mehr zu diesem Thema erfahren sie auf tagesschau.de, heute.de etc.“)

  98. Das Elend ist leider wichtig.
    Es ist mir zwar völlig egal ob es eine Tagesschau-App gibt oder nicht, auch die Lobbyarbeit der Privaten ist nicht Toll, aber: ich bin Froh, dass es noch jemanden gibt der sich gegen den öffentlich rechtlichen Moloch zur Wehr setzt. Leider kann es derzeit nur aus dieser Richtung kommen und das ist schade. Zu viele Andere haben eine zu starke Abhängigkeit von den Medien, dass Sie ein solches Schwergewicht nicht angreifen können.
    Dass es eine unabhängige Berichterstattung im Fernsehen gibt ist eine gute Sache aber die immensen Kosten die derzeit abverlangt werden sind viel zu hoch. Gerne zahle ich nen 5er im Monat und bekomme dafür einen Sender der mir nicht gesponserte Information serviert. Aber wozu das Ganze im Internet? Das ist nun Wirklich ein Medium das ganz gut auf sich selber aufpassen kann. Es gibt kein freieres Medium. Unendlich Viele Blogs, Foren und Nachrichtenseiten aus aller Welt. Der Benutzer kann frei entscheiden. Wozu muss jetzt nochmal auf dem Rücken aller noch weiter Zwangsseiten (die auch noch beworben werden) ins Netzt gestellt werden. Ich habe Sorge das wenn sich sowas wie die Tagesschau-App Schule macht, in naher Zukunft die Gebühren um 5 euro steigen. Die Begründung: ja internet kann teuer sein, die ganzen Apps für jede Plattform, das ganze HD umgestelle, etc.
    Und die achso hochgelobte Qualität ist auch nicht mehr was sie war. Klar gibt es einige Gute Sendungen die Richtig und Wichtig sind. Aber das sind halt nur hochgeschätzt 10% Sendezeit und teuer sind solche Produktionen nicht. Und alles was das ZDF in die Welt setzt hat nach den Letzten Eskapaden auch arg an Glaubwürdigkeit verloren. Ich verfüge derzeit nicht über das Budget mir ÖR in dieser Form zu Leisten und halte es auch für unnötig. Die Großen kostenposten sind Unterhaltungssendungen sowohl im Radio als auch im TV. Wer das sehen will wird jehmanden finden der es ihm zeigt und dafür eine angemessene Gebühr verlangen. Wer Lieber ein Buch ließt soll das nicht mittragen. Im Internet gibt es kein Meinungsmonopol und daher gehört der Kram nicht her.
    Gruß

  99. @Alexander
    danke für den Hinweis, aber mir ist schon bewusst, dass zur Karnevalszeit eben Karneval und Berichte über Karneval stattfinden. Es geht mir in dem Beispiel aber um die unfassbare Menge, in den Hauptsendezeiten. Es sind eben nicht die von Ihnen erwähnten „fünf oder sechs Abende“, das wurde hier http://www.blogmedien.de/?p=1512 bereits von jemand anderem sehr gut dargestellt.

  100. Sehr guter Artikel. Ich bin darüber hinaus für GEZ-Gebühren für Zeitungen, die dann werbefrei sein sollen. Die GEZ-Gebühren könnte man auch abschaffen und dafür eine neue Steuer einführen. Wie wäre es mit einer „Demokratiesteuer“, so eine Art erweiterter Mehrwertsteuer, klänge auch gut.

    Oder das Kapital zahlt die Steuer alleine, denn die sind ja auch für die Gefährdung der Demokratie verantwortlich, weswegen man guten Journalismus so dringend braucht.

  101. Danke Stefan…
    @Tim (#8) Du hast scheinbar keinen Schimmer wieviel externe Produktionsfirmen inzwischen Berichterstattung für den ÖR machen. Genau die gleichen die ihr Material auch den Privaten anbieten… leider gewinnt immer öfter dabei das Budget statt der gewohnten Qualität.
    @Reiner/SB(#136) Ist dein Problem jetzt, das man online bei den ÖR tatsächlich mehr zu einem Thema erfährt… oder hörst Du den gleichen Spruch bei bspw. RTL-Aktuell nicht mehr & weisst auch schon das du dort maximal mehr Werbung zu einem Thema findest??

  102. @luminanzmuster

    Mein Problem ist es höchstens, dass ich mich nicht gerne für dumm verkaufen lasse und nichts mehr hasse als mir andauernd irgendwelche hohlen, gebetsmühlenartige Werbefloskeln anhören zu müssen.

    Es nervt kolossal andauernd diesen Gebetsmühlenspruch „Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Internetangebot unter heute.de oder sonstwo“ sich anhören zu müssen.

    Als wüssten „wir“ nicht, dass es das Internet gäbe.

  103. Ich finde, ein Player wird hier etwas außer acht gelassen, nämlich die Europäische Kommission. Ich würde gern mal wissen, ob dieser Brief der EU-Kommission noch eine Rolle spielt bei der aktuellen Überlegung zur Zukunft der ÖR Sender. Stichwort Dreistufentest, Trennung von Grundauftrag und kommerziellen Angeboten etc.

  104. @Sebastian M.
    Ich bezog mich ganz sicher nicht auf das Militär/Forschungsnetz, sondern die Kunden, die der Noch-Behörde Telekom, das Netz aus der Nase ziehen mussten; in Zeiten, wo jeder Geschwindigkeitssteigernde (achtung jetzt kommts:) ISDN-Anschluss hart erkämpft werden musste. ARD/ZDF haben da sehr lange, sehr gut geschlafen. Erst als das Netz selbst Massenmedium wurde, kamen die „Netzoffensiven“ und mit ihnen die NEG und die Gebührenpflicht. Für Sie als Rundfunkteilnehmer würden ja keine Kosten entstehen, außer dass Sie einmalig Zugangsdaten abtippen müssten, die Sie beispielsweise mit ihrem Gebührenbescheid erhalten.
    Das derzeitige Modell entspricht einem Anschluss- und Benutzungszwang, den ich schon in seinem originärem Zusammenhang (Wasser) für eine fragwürdige Auslegung von Artikel 20 GG halte.
    Sie mögen da eine andere Auffassung haben und es als Individualismus oder Minarchismus abtun, aber in der Pre-NEG-Zeit hatte man durch Verzicht die Wahl. Die Medien Rundfunk und Fernsehen waren lange dedizierte ÖR-Empfänger, beim Internet wurde etwas gebührenpflichtig gemacht, das auch ohne ARD&ZDF prächtig funktioniert hat und funktionieren würde. Ich sehe die Grundlage für den Kontrahierungszwang nicht ein: Es muss auch möglich sein, sich der ARD und dem ZDF zu entziehen und in meinen Augen heißt die Lösung eher Verschlüsselung und Paywall.

  105. […] Das Elend der Debatte um ARD und ZDF « Stefan Niggemeier Es ist wie ein schlimmer Tinnitus. Ein nerviges Klingeln, das nie wieder aufhört. Seit Monaten läuten Verleger und Privatsender ununterbrochen irgendwelche Alarmglocken. Jeden Tag beschwert sich irgendein Lobbyist wieder lautstark über irgendeine Ungerechtigkeit, beklagt irgendeine Ungeheuerlichkeit, kündigt Eingaben, Klagen, Proteste an. Und jedesmal steht damit alles auf dem Spiel: Die Existenz von tausenden Arbeitsplätzen. Die Zukunft des Journalismus. Die Grundlage unserer Medienordnung. Das Funktionieren der Demokratie. […]

  106. Toller Text! Solche differenzierten Beiträge finden sich in der Debatte nur selten.

    Eine Anmerkung nur, auch wenn das eher eine Lappalie ist: „„Kostenlos” ist natürlich der falsche Ausdruck, denn ARD und ZDF werden ja von uns bezahlt, aber Leute ohne Einkommen sind von der Gebühr befreit — eine solidarische, soziale Konstruktion, diese Rundfunkgebühr (…)“ – das stimmt so nicht ganz.
    Die GEZ befreit nicht einfach jeden, der kein Einkommen hat. Studenten, die von ihren Eltern unterhalten werden (und da meistens exakt den BaföG-Regelsatz ausgezahlt bekommen) sind da nämlich explizit ausgenommen. Relativ einfach ist die Befreiung nur für die, die staatliche Leistungen wie Hartz IV, Bafög usw. erhalten.

  107. Diese egozentrierte Kommentardebatte ist etwas anstrengend.

    @137: „Dass es eine unabhängige Berichterstattung im Fernsehen gibt ist eine gute Sache aber die immensen Kosten die derzeit abverlangt werden sind viel zu hoch. Gerne zahle ich nen 5er im Monat und bekomme dafür einen Sender der mir nicht gesponserte Information serviert. Aber wozu das Ganze im Internet? Das ist nun Wirklich ein Medium das ganz gut auf sich selber aufpassen kann.“

    Weil das Internet in Zukunft nicht nur technisch, auch zugangsmäßig, alle Inhalte vermitteln wird? Für dein Einzelnen immer wichtiger wird? Wie wollen Sie beurteilen wie hoch die Kosten der ÖR sind? Dass Gelder nicht immer in Ihren oder meinen Augen sinnvoll eingesetzt werden, ist eine andere Sache.

    @KatrinW

    „danke für den Hinweis, aber mir ist schon bewusst, dass zur Karnevalszeit eben Karneval und Berichte über Karneval stattfinden. Es geht mir in dem Beispiel aber um die unfassbare Menge, in den Hauptsendezeiten. Es sind eben nicht die von Ihnen erwähnten „fünf oder sechs Abende”, das wurde hier http://www.blogmedien.de/?p=1512 bereits von jemand anderem sehr gut dargestellt.“

    Schon richtig, aber die Privaten wollen den Kram nicht dauernd übertragen… würd ich auch nicht wollen. Aber bestimmt Ihr Geschmack das Programm? Es gibt ja noch viele andere Inhaltsangebote…, auch öff.rechtl. Natur.
    ———
    allgemein:
    Einerseits wird über die Fixierung der Privaten auf die 14-49jährigen Zielgruppen gelästert wo doch die Mehrheit der Bevölkerung über 50 ist, andererseits dieses Angebot des ÖR, welches sich mehrheitlich an Ältere richten mag, als „unwichtig“ abgetan.

    Es mag für den jeweiligen Kommentator unwichtig sein weil er andere Präferenzen hat, aber eben nicht für alle. Aufgabe des ÖR ist es, alle zu bedienen. Mir wären 33 Sendungen zwar auch zu viel… aber ich muß sie mir ja nicht anschauen.

    @Reiner/SB

    „Es nervt kolossal andauernd diesen Gebetsmühlenspruch „Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Internetangebot unter heute.de oder sonstwo” sich anhören zu müssen.

    Als wüssten „wir” nicht, dass es das Internet gäbe.“

    Sie wissen das vielleicht. MICH nervt viel mehr jegliche Werbung im Radio, Fernsehen etc. die ich gezwungen werde, wahrzunehmen. Den Verweis auf ein vertieftes Inhalteangebot nehme ich nicht als lästige Werbung war.

    @Falk D.
    „Mit einer Paywall wären alle zufrieden und alle Gerechtigkeitsprobleme gelöst. “

    Genau. Sollen die privaten Verleger und Medienunternehmen doch eine Paywall bauen. Gerne. Ich gebe denen Geld dazu, wenn sie sich dazu verpflichten. Dann wäre das Netz um eine Menge nutzloser Dinge bereinigt.

  108. @ Ulrich Voß (115):

    > Verdient hätte es der „staatsferne” Rundfunk-Politikersumpf allemal.

    Mir ist es viel wichtiger, dass die ÖRs „wirtschaftsfern“ sind. Alle reden nur vom Einfluss des Staates auf die ÖRs. Keiner redet davon, dass 99 Prozent der Privatmedien der Wirtschaft nach der Nase tanzen. Anzeigenkunden und PR-Brigaden sind sicher keine besseren Einflussnehmer als Politiker. Im Gegenteil.

  109. @ar

    ok, ein letztes Mal, ich will hier schließlich nicht den Karneval zum Thema machen. Lesen sie meinen Beitrag doch nochmal… es geht mir keinesfalls darum, dass mein Geschmack das Programm bestimmen soll. Nein, es soll und kann geschunkelt werden im ö.-r. Programm, es ging mir lediglich um die unverhältnismäßige MENGE. Dazu ruhig nochmal einen Blick auf den von mir verlinkten Artikel werfen. Mehr wollte ich doch gar nicht sagen.

  110. @ Falk D. (116):

    > Andere haben das Netz aufgebaut und sie machen sich breit.

    *LOL*

    Andere? Wer denn? Die Großzahl der Verlage, die das Internet bis heute verpennen und meinen, mit Web 0.5 wahnsinnig modern unterwegs zu sein?

    Andere sind höchstens die heutigen echten Netzgrößen, die Social Networks, Suchmaschinen und andere Portale. Aber ganz sicher nicht die klassischen Medien, wenn man von ganz wenigen mal absieht. Die ÖRs waren da sogar ziemlich früh mit von der Partie.

    Bis heute tauchen „die Medien“ in den Klick-Rankings der großen Webseiten erst ganz, ganz weit hinten auf. Das wird sich sicher auch nicht mehr ändern.

  111. Aber fette Krokodils-Tränen fließen lassen:

    „Bild fürchtet die neuerwachte Prüderie von Apple – das „Bild“-Girl auf der iPhone-App könnte schon bald der Zensur zum Opfer fallen. Donata Hopfen, Geschäftsführerin von Bild Digital, will gemeinsam mit Verlegerverbänden gegen die „Einschränkung der redaktionellen Freiheit“ vorgehen. Denn: „Heute sind es nackte Brüste, morgen womöglich redaktionelle Artikel“, so Hopfen.“

    von spiegel.de

  112. @151: „Bis heute tauchen „die Medien” in den Klick-Rankings der großen Webseiten erst ganz, ganz weit hinten auf. Das wird sich sicher auch nicht mehr ändern.“

    Warum sollte sich das auch ändern?! Ich habe auch schon vor dem Internet wesentlich mehr Zeit damit verbracht, mich mit Freunden zu treffen als Zeitungen oder Magazine zu lesen. Da überrascht es mich jedenfalls nicht, wenn heute junge Leute mehr Zeit auf Facebook und StudiVZ verbringen als auf spiegel.de, faz.net oder cnn.com.

  113. @147: Ich kann mich nur wundern, wie der weitgehend einseitige und streckenweise polemische Text von Niggemeier hier von vielen als „differenzierter Beitrag“ zur Debatte wahrgenommen wird.

    Es ist fraglos ein guter Text, der viele bekannte Argumente noch einmal eingängig zusammen trägt und an manchen Stellen ja auch durchaus amüsant ist. Aber es ist doch nun wirklich (bis auf ein oder zwei Alibi-Kritikpunke an ARD/ZDF) kein „differenzierter Beitrag“ sondern eine weitestgehend einseitige Parteiergreifung pro öffentlich-rechtlichem Rundfunk – was natürlich völlig legitim ist.

  114. @154: vielleicht kommt jetzt ja wieder Schwung in die Debatte. Seien Sie doch so gut und nennen Sie drei – ach, komm, war ein langer Artikel sagen wir lieber vier – Argumente, die bei Niggemeier derart undifferenziert sind, dass sie im Sinne einer fairen Diskussion ergänzt werden müssten. Danke.

  115. @ Peter Wolf (#154)

    Das wundert mich auch immer. Wieso schafft es fast niemand mehr, einen ausgewogenen Pro-und-Kontra-Artikel zu schreiben? Fast alle schießen sich auf eine Seite und man muss dann immer in den Kommentaren darauf hinweisen, dass zwar schön, aber doch nur einseitig beleuchtet wird. Binärjournalismus.

  116. @140/Jeeves:
    Es waren 33 (dreiunddreissig)
    33 Sendungen, nicht 33 Abende. Insgesamt waren es innerhalb von 14 Tagen gerade mal 80 Stunden – das schafft der ÖR während der Fußball-WM oder den Olympischen Spielen lässig in 5 Tagen.

    1 Stunde Karnevalssitzung zu übertragen kostet einen winzigen Bruchteil dessen, was 1 Stunde Fußballspiele zu übertragen kostet – und ist mindestens so langweilig.

    Das hat jetzt aber mit dem Thema dieses Artikels nicht mal mehr am Rande etwas zu tun :-)

  117. Wir haben möglicherweise eine unterschiedliche Auffassung von differenzierter Berichterstattung. Aber ein Artikel in der die Argumentation einer Seite durchgehnd als Tinnitus, nerviges Klingeln, lautstarkes Beschweren, verlogen, unlogisch, lautes und langanhaltendes Brüllen etc. bzeichnet oder damit gleichgesetzt wird, kann man nur schwerlich als „differenziert“ bezeichnen.

    Der Artikel ist ja fast schon ein Musterbeispiel für eine Polemik – was, wie gesagt, völlig legitim ist, und ja auch nichts über die Qualität aussagt. Nur sollte man halt nicht den Fahler machen, das als sachlichen oder gar differenzierten Debattenbeitrag zu bezeichnen.

  118. Sollen die Verlage doch einfach ihre Inhalte für die Suchmaschinen ausschließen. Spätestens wenn dann die Besucherzahlen = Werbeeinkommen weiter sinken, werden die Verlage das Internet verbieten wollen. Evtl. verstehen sie ja dann das Internet…

  119. @ linus:
    Versuchen Sie doch mal zweierlei:

    Erstens, den Kern meines Einwandes zu verstehen (falls Sie ihn nicht absichtlich missverstanden haben).

    Und zweitens, auch als anonymer Poster so zu diskutieren, wie es in Mitteleuropa üblich ist. Vielen Dank!

  120. Lieber Stefan,

    was hältst Du denn von der Idee, tagesschau.de künftig jeden Abend auszudrucken und kostenlos in den S-Bahnen und Bussen zu verteilen? Das ließe sich mit ein paar „Neubauer vor exotischer Kulisse“-Vehikeln weniger im Abendprogramm sicher leicht finanzieren. Und das schließt dann auch keine armen Leute mehr aus, die sich keine Smartphones leisten können.

  121. @Christian Stöcker: Gibt es irgendjemanden, der das will? Oder ist das doch nur so ein Gedankenspiel, um von der irreführenden und parteilichen Berichterstattung von „Spiegel Online“ in dieser Sache abzulenken?

  122. Mit Blogkommentaren von irgendetwas „abzulenken“ wäre ja nun kaum zielführend, oder? Ich finde unsere Berichterstattung nicht irreführend, das tagesschau.de zu ARD aktuell gehört, ist unter der Tabelle klar aufgeschlüsselt (und übrigens auch, dass das gesamte Onlineangebot der ARD noch weit mehr Traffic generiert, für den aber keine Visits ausgewiesen werden). Worauf ich damit hinauswill ist: Eine öffentlich-rechtliche Presse war nie vorgesehen, und es hat sie augenscheinlich auch nie jemand vermisst. Nun aber ist eine im Entstehen, wenn auch in Pixel- statt Papierform. Ich stimme Dir übrigens völlig zu: Gern soll alles, was für Rundfunk und Fernsehen produziert wird, auf ewig online abrufbar, re-mixbar, einfach frei im Sinne von free software sein. Darum geht es aber ja gar nicht. Sondern um Text-zentrierte, gebührenfinanzierte (insofern ist mir unklar was an „GEZ-Netz“ bösartig sein soll) Zusatzangebote. Dafür schaffen Rundfunk und Fernsehen eben keinen Präzedenzfall.

  123. Die ganze Angriffsstrategie der privaten Anbieter gegen die öffentlich Rechtlichen erweckt ein bisschen den Eindruck als wolle man sich mit der Suche nach einem Schuldigen von der Suche nach einer Lösung für die eigenen Probleme ablenken. Also greift man nach einem Strohhalm der sich auf Spitzfindigkeit und Paragraphenreiterei zusammensetzt, versucht den Begriff „Grundversorgung“ umzudefineren um ARD, ZDF & Co. zu verbieten mit der Zeit zu gehen.

    Geniale Strategie – man muss nur genug Leute finden die jeden Mist bejubeln und überall mitmachen :)

  124. @Christian Stöcker: Die ist GEZ ist, naturgemäß, aber nicht unverschuldet, der am meisten gehasste Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems. Wer öffentlich-rechtliche Internetangebote nicht als „öffentlich-rechtlich“, „gebührenfinanziert“ oder, wenn die Zeile zu knapp ist, von mir aus auch „Gebühren-Netz“ zu bezeichnen, sondern mit dem Namen der Behörde zu verknüpfen, die diese Gebühren einzieht, aber mit den Angeboten selbst nichts zu tun hat, betreibt Propaganda.

    Und laut Eurer Tabelle, die nun seit Monaten immer wieder unter die Artikel gebappt wird, liegen ARD.de und tagesschau.de also auf „Rang“ 3 und 6 der Online-Nutzerzahlen. Das ist einfach falsch. Warum packt Ihr nicht noch Unterkategorien von „Spiegel Online“ mit in die Liste, dann könnte „Spiegel Online“ vielleicht auf den Plätzen 1, 2, 3, 4 und 18 liegen. (Ach so, das ist ja in diesem Fall gar nicht gewollt, sich groß zu rechnen.) Überhaupt, „Rang 3“ und „Rang 6“– von was? Aller Internetseiten? Aller deutschen Internetseiten? Wohl kaum.

    Ich halte Textangebote von den Öffentlich-Rechtlichen persönlich (nicht rechtlich) für unproblematisch. Und wie ich in diesem Eintrag versucht zu habe zu erklären, arbeiten ja gerade die Verlage daran, ein Gefühl dafür zu schaffen, dass sie in Zukunft notwendig oder wünschenswert sein könnten — weil private Medien anscheinend Journalismus im Netz kaum finanzieren können.

    Ich wünsche mir auch online Medien, die nicht minütlich eine neue Sau durchs Dorf treiben müssen, um sich finanzieren zu können, wie es bei den Plätzen 1 und 2 Eurer Tabelle der Fall ist. Ob das in Text- oder Bewegtbild- oder Audio-Form stattfindet, ist mir persönlich egal. (Ja, der Gesetzgeber sieht das anders. Aber welchen Sinn hat das?)

    Sind die Verlage eigentlich gegen Videotext Sturm gelaufen? (Keine rhetorische Frage, ich weiß es wirklich nicht.)

  125. Ich als GEZ-Feind sehe im Inet zum ersten mal die Möglichkeit, dass wir endlich etwas für unser Geld bekommen (auser der xten Wetterstation im Urlaubsparadis).
    Wer schon einmal eines der Trainer-Spiele auf dem Nintendo DS ausprobiert hat, wird mir zustimmen, dass es keine bessere Methode gibt etwas zu lernen. Solche Trainer brauchen wir als Browsergames. Dazu Zugang zu allen mit Gebühren produzierten Dokumentationen… am besten eingebetettet in ein OnlineLexikon (gern mit Wikipedia-System)
    Dazu kostenlosen Webspace für Blogger, Autoren und freie Journalisten.

  126. @167: VT dürfte schon aufgrund des Verbreitungsweges vom öffentlich-rechtlichen Programmauftrag gedeckt sein.

  127. Ich bin ja flexibel und Du hast recht, der Rang ist völlig überflüssig. So besser?
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,651019,00.html
    Uns wäre ja noch viel lieber gewesen, wenn wir ARD gesamt hätten einfügen können, aber das geht ja, wie eben erklärt, leider nicht.

    Eine abschließende Bemerkung: Ich bin kein Unternehmenssprecher und schon gar keiner der „Verlage“ oder der „Verleger“. Ich halte die Frage aber trotzdem für diskussionswürdig, ob wir eine öffentlich-rechtliche Presse brauchen und wenn ja, wo dann eigentlich genau die Daseinsberechtigung der privaten Presse (die ja nun auch ein bisschen zum Erhalt und der Entwicklung der Demokratie beigetragen hat) noch bleibt.

  128. @170: Ich kann nur vermuten, daß die Aufregung deutlich geringer wäre, wenn sich ARD/ZDF darauf beschränkten, Ihr VT-Angebot ins Netz zu stellen.

    Tatsächlich aber geht Tagesschau.de weit über das hinaus, was für das Fernsehen produziert wird. Insofern ist es ja auch nicht ganz richtig, wenn man es so darstellt, daß das Internet nur ein zusätzlicher Verbreitungsweg für die ohnehin teuer produzierten Inhalte wäre. In diesem Zusammenhang fand ich das Gendankenspiel von Herrn Stöcker zumindest interessant.

    Interessant fand ich auch, daß Sie in #167 zumindest durchklingen lassen, daß man rechtlich auch eine von Ihnen abweichende Ansicht vertreten könnte. Würden Sie denn auch soweit gehen, daß es durchaus auch valide Argumente für eine vom BVerfG abweichende Definition des Begriffs der „Grundversorgung“ gibt?

  129. Alles schön und gut, aber die GEZ gehört abgeschafft und das öffentlich-rechltiche Fernsehen endlich demokratisiert.

    Als Zahler möchte ich die Vertreter in den Gremien direkt wählen, alles andere ist Bevormundung und Überrest eines absolutistischen Gesellschaftsverständnisses.

    Herr Niggemeier, Ihre Analyse geht in die richtige Richtung, aber die Strukturen sind inakzeptabel.

    Die Abschaffung des privaten Rundfunks durch Herrn von Papen haben Sie jedoch nicht ausreichend thematisiert.

  130. @ Stefan Niggemeier

    Wie peter wolf, vermute auch ich, dass die Verleger den Verbreitungsweg, nicht die Form meinen. Videotext ist nur eine weitere Welle, die man unter die anderen Wellen Ton und Bild gemischt hat. Eine Begründung, warum sich Verleger dafür zuständig fühlen sollten und nicht der Rundfunk, fällt mir nicht ein.

    Anders verhält sich das mit dem Internet. Schließlich haben sich die Verleger seit dem 1.1.2009 selbst in Form des Presserates als Hüter der journalistisch-redaktionelle Beiträge des Internets (selbst?) ernannt, den Rundfunk explizit dabei jedoch ausgeschlossen. Das erzeugt natürlich Spannung. Können Sie mir eigentlich sagen, wie das gekommen ist, ich weiß es nämlich nicht.

  131. @171 „Wie sich das GEZ-Web breit macht“ und als einziger Beweis dann ausschließlich Platz 3 von 13 Sites, interessant. Dagegen ist das ÖR Fernsehen ja geradezu übermächtig.

  132. @ Christian Stöcker

    Ich finde ja die Bezeichnung „breit machen“ in der Überschrift mehr als nur irreführend, denn was war eigentlich zu erst: ard.de mit tagesschau.de oder spiegel-online.de?

  133. Wahre Worte, Herr Niggemeier. Wenn es darum geht, über die Öffentlich Rechtlichen herzuziehen, stehen Spiegel und Bild Schulter an Schulter. Die bösen Fernsehgebühren (fälschlich gerne als GEZ-Gebühren bezeichnet) im Widerspruch zum kostenlosen Angebot der Privaten. Da muss man schon ganz schön dumm sein, wenn man diesem Vergleich Glauben schenkt. Die vermeintlich kostenlosen Angebote der Privaten sind unter dem Strich ganz schön teuer. Denn wenn der Privatfernsehkonsument sich eine Packung Weißer Riese oder einen Mars-Riegel kauft, bezahlt er genau dieses Angebot. Das tun übrigens, anders als bei den Öffentlich Rechtlichen, sogar die Menschen, die gar kein Empfangsgerät haben. Auch die kaufen gerne mal Produkte, die im Fernsehen beworben werden.
    Private Anbieter wollen Geld verdienen. Deshalb machen sie ihre Angebote. Da geht es darum, Gewinne zu erzielen. Die Öffentlich Rechtlichen müssen keine Gewinne machen. Sie sind in der Lage, all ihre Gebühren in ihre Produkte zu stecken. Deshalb werden die in diesem System arbeitenden Menschen (ich weiß das, ich bin ARD Fernsehreporter) anständig bezahlt. Mit anständig meine ich, dass sie so gut bezahlt werden, dass sie sich nicht korrumpieren lassen müssen, aber keine unangemessenen Millionenhonorare bekommen. Die Unabhängigkeit der Öffentlich Rechtlichen steht auf sehr festen Beinen. Und wir sollten uns alle wünschen, dass das genau so bleibt. Und ich kenne nicht einen Grund dafür, warum diese Unabhängigkeit im Internet gesellschaftsschädlich sein sollte.

  134. Vielen Dank. Der Artikel spricht für das hohe journalistische Niveau des Autors und hat meine Überzeugungen in besonderer Weise bestätigt.

    Leider können einige unreflektierte, unsachliche oder vor Ahnungslosigkeit triefende Kommentare mit diesem Niveau nicht mithalten. Hier hätte ich mir eine Bewertungsmöglichkeit gewünscht, die Verfasser wenig hilfreicher Kommentare kollektiv auf ihre Fehlleistung hinzuweisen vermag.

  135. …vielen Dank für den Artikel – sehr sehr schön.

    Ich habe mir tatsächlich die Bild-App gekauft und ganz ehrlich: wie furchtbar einfallslos ist es denn eine pdf-Datei als Innovation zu verkaufen – als Highlight und als abo-tauglich? Und hier fehlt kein Geld, was die ÖRs in der Argumentation ja im Überfluß haben, sondern Ideen! So unkreative Menschen könnten selbst mit einer Monopol-Stellung ohne ÖRs, ohne private Konkurrenz und Milliarden-Umsatz kein sinnvolles Konzept vorlegen! Mal ganz abgesehen von dieser „schüttel mich, dann zieh ich mich aus“-Nummer! Da hätte ich auch Angst vor der Tagesschau-App. Und was ist die Spiegel-App – ein eReader??? Sind das die Formate für ein iPhone? Wer will denn seitenlange Artikel auf einem iPhone lesen? Wer seine Welt nicht neu erfinden kann, wer nicht versucht, selber besser zu werden, sondern die anderen zu schädigen, um nicht als Letzter dazustehen, wird nie etwas erreichen.

    Und wer jetzt von privaten medienhäuser dagen aufschreit, dann frag ich mich, warum die Angebote nicht über Werbung zu finanzieren sind, denn Qualität findet immer Abnehmer!

    Es ist tatsächlich lächerlich, wie versucht wird, Argumente gegen die Verbreitung öffentlich rechtlicher Inhalte zu finden.

    Das einzige Argument, was nicht gesagt wird, aber was hinter allem steckt: die Ö-R sind zu gut! Und na klar, wegen der Gebühren – dafür sind sie ja da!

    Und mal ne andere Frage: was wäre denn los, wenn die Tagesschau für ihre iPhone App Geld nehmen wollte???

  136. @Michael: Der Vorschlag ist super, es würde nämlich so einige Kommentare ersparen, die man nur schreibt weil man denkt dass man einen anderen Kommentar nicht stehen lassen kann.

    Zum Thema:
    Wo wir doch alle auf der Volksmusik rumhacken, die ja eine ganz eigene perverse Welt darstellt, wir vergessen etwas wichtiges dabei. Die Heerscharen an Rentnern, die sich durch diesen Schmonz köstlich unterhalten fühlen. Private interessieren sich ja nicht für Rentner, schließlich habe die ja die „werberelevante Zielgruppe 14-49“ im Blick. Rentner zahlen auch GEZ, ist nur gerecht wenn die Omis und Opis „ihr“ Unterhaltungsprogramm bekommen.

  137. @C. Stöcker:

    > Ich halte die Frage aber trotzdem für diskussionswürdig, ob wir eine
    > öffentlich-rechtliche Presse brauchen und wenn ja, wo dann
    > eigentlich genau die Daseinsberechtigung der privaten Presse (die > ja nun auch ein bisschen zum Erhalt und der Entwicklung der
    > Demokratie beigetragen hat) noch bleibt.

    Die momentane Mediendiskussion ist für mich der letzte Beweis, dass die privatwirtschaftlichen Medien den Markt auch und vor allem im WWW nicht allein beschicken dürfen.

    Das Problem ist für mich, dass die Redakteure offensichtlich schon gar nicht mehr merken, wessen Lied sie singen, und in den Fragen, die sie aufwerfen, ganz dubios an der Oberfläche bleiben.

    Mit kommen auch die Leitmedien in diesem Themenkomplex langsam vor wie „Neues Deutschland“ oder „Prawda“. Das fällt mir auf, weil ich mich in diesem Thema sehr gut auskenne. Wie es in den Themen aussieht, von denen ich nicht so die Ahnung habe, möchte ich gar nicht wissen.

    Ich verlasse mich auf überhaupt keine Medien mehr. Übrigens auch nicht mehr auf den Spiegel. Das ist kein Vorwurf an niemanden. Denn ich fürchte, dass die Redaktionen mittlerweile gar nicht mehr merken, auf welchem Gleis sie unterwegs sind.

  138. „Gebühr […] — eine solidarische, soziale Konstruktion“

    Das können wir ja mal im Sinne des Argumentes so stehen lassen, ist aber angesichts der Tatsache, dass es sich dabei um eine „Flat Tax“ handelt, sehr falsch. Man muss schon GEZ bezahlen, wenn man nur genug BAföG bezieht (was ironischerweise eher dann der Fall ist, wenn die Eltern wenig verdienen) und zwar genau so viel, wie Leute mit dickem „richtigem“ Einkommen. Seit diese Regelung auf quasi alles Elektronische ausgeweitet wurde, kommt man da als Student praktisch auch nicht mehr herum.

    Deswegen verfolge ich den Lobbyismus gegen die Tagesschau etc. auch insgeheim mit Freude: Sollten die Privaten gewinnen und GEZ auf TV reduziert werden, könnte man dieser meines Erachtens unfaire Regelung wenigstens entkommen. Dass die Öffis im Internet auch Trash produzieren wird ja auch im Artikel genannt; ich würde sie – für den Preis – nicht vermissen.

  139. Es würde mir schon weiterhelfen, wenn die Verleger/Privatsender versuchen würden zu belegen, dass ihnen die ÖR die Geschäftsgrundlage entziehen („und tausende Arbeitsplätze vernichten“) – und nicht bloß behaupten. Denn ich behaupte: Wenn tagesschau.de und Konsorten vom Markt verschwinden oder marginalisiert würden – Spiegel&Co würden nicht nennenswert mehr Visits/Geld kriegen. Auf gar keinen Fall soviel, dass sich all das Geschrei und Gezeter lohnen würde, geschweige denn, dass das „Geschäftsmodell-Problem“ gelöst wäre. Ist aber nur eine Behauptung. Die man aber zumindest plausibel herleiten könnte.

    @165: Wenn (um im Beispiel zu bleiben) tagesschau.de „Text-zentriert“ wäre, könnten sie es auch gleich sein lassen. tagesschau.de ist (hoffentlich) „Online-zentriert“ – genau wie Spiegel-Online: Ein eigenständiges Medium, in dem Meinungs- und Willensbildung stattfindet.

  140. @C. Stöcker/171: Die Frage ist in der Tat diskussionswürdig. Vielleicht (da bin ich in der Tat ergebnisoffen) läge eine Antwort darin, dass ähnlich wie im TV einer ÖR-Presse – sofern diese in diesem Sinne überhaupt zur Debatte steht – der Auftrag zur Grundversorgung übertragen wird. Die private Presse könnte sich dann außenpluralistisch wie jeher darauf konzentrieren, das anzubieten und die Zielgruppen zu bedienen, was/die die ÖR-Presse nicht anbietet/bedient und sich nebenbei über gute Qualität am Markt positionieren. Ist ja nicht so, dass ÖR-Systeme Privates ausschließen – siehe Rundfunk (wo Privat nach ÖR kam).
    Wenn ich mir allerdings die Stimmung in meinem Bekanntenkreis, die Wahlbeteiligung der vergangenen Jahre und auch die Kommentare in den Medien anschaue bin ich mir allerdings nicht sicher, ob man sich als private Presse aktuell einen Gefallen tut, einen Anteil an der Entwicklung der Demokratie für sich zu beanspruchen…

  141. @Twipsy (#144): „Ich finde, ein Player wird hier etwas außer acht gelassen, nämlich die Europäische Kommission. Ich würde gern mal wissen, ob dieser Brief der EU-Kommission noch eine Rolle spielt bei der aktuellen Überlegung zur Zukunft der ÖR Sender. Stichwort Dreistufentest, Trennung von Grundauftrag und kommerziellen Angeboten etc.“

    Der Dreistufentest ist ja gerade die Antwort auf die Einwände der EU-Kommission. Von der wurde 2007 angemahnt, dass die Finanzierung des ÖR als Beihilfe zu verstehen ist, die europarechtlich nur unter bestimmten Bedingungen zulässig ist; die Bundesrepublik sah das nicht so. Der Streit wurde durch den „Beihilfe-Kompromiss“ gelöst, der den sogenannten Drei-Stufen-Test „für alle neuen digitalen und veränderten digitalen Angebote“ vorsieht; für diese ist zu prüfen, ob sie (1) zum öffentlichen Auftrag gehören, (2) in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beitragen und (3) mit welchen Kosten sie verbunden sind.
    Wer das alles etwas ausführlicher lesen möchte, dem sei die (juristische) Kurzstudie von Wolfgang Schulz [einer meiner Chefs] für die Friedrich-Ebert-Stiftung empfohlen: http://library.fes.de/pdf-files/stabsabteilung/05240.pdf

  142. Ich möchte diesen Artikel in Granit meißeln, in 24er-Schrift, und den Lobbyisten um die Ohren hauen.

  143. @195: Welche Lobbyisten meinst du jetzt? Die der Verlage oder die von ARD und ZDF?

    Man sollte doch nicht vergessen, dass hier beide Seiten Angst haben, ihre Felle würden davon schwimmen.

    Der Printbereich zeigt, dass man auch ohne GEZ-Gebühren (oder vielleicht gerade deswegen?) gut recherchierten und qualitativ hochwertigen Journalismus bekommen kann. Wenn ARD und ZDF nicht mehr in der Lage sind, ihre privilegierten Möglichkeiten zu nutzen, dann muss man ihnen eben deutlich mit der Abschaffung drohen. Im öffentlich-rechtlichen Radio ist guter Journalismus übrigens möglich – warum tut sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen damit so schwer? Ganz einfach: wegen des Quotendrucks! Also: Quotenmessung bei ARD und ZDF abschaffen! Und Werbung natürlich sowieso! Wir brauchen keine Konkurrenz zu den Privaten, wir brauchen eine Alternative zu den Privaten!

  144. Das ÖR tut sich schwer mit Qualitätsjournalismus? Jeder einzelne ör Sender hat mehr ernstzunehmende Politsendungen und wirklich brisante Reportagen als alle privaten zusammen. Wann lief denn das letzte Mal eine Bundestagsdebatte auf RTL? Wie viele Politmagazine vom Schlage eines Panorama oder Monitor haben Pro7, Sat1, N24 vorzuweisen? Hinweis: „Achtung Kontrolle!“ und ähnliche Perlen zählen nicht dazu.

    Die Privaten sehen, dass sie mit ihrem seelenfressenden, sozial verhetzenden Schmuddelprogramm, der hundertsten Schleichwerbung für, pardon, Reportage über Uhrenherstellung und dem tausendsten „Wissensmagazin“-Beitrag á la „Die 10 teuersten Müslischüsseln der Welt“ im Internet nicht punkten können, weil da der Aufmerksamkeitswettkampf viel härter ist als im oligopolistischen Bundes-TV. Deswegen muss alles Andere weggebissen werden, mit Schaum vorm Mund und im Hirn, egal wie wertvoll es für die Gesellschaft ist.

    Dass die ÖR nicht perfekt sind, muss niemand nochmal extra betonen, das ist klar. Ohne die ÖR hätten wir aber ganz schnell ausschließlich BILD-Niveau im TV, weil echte Recherche Geld kostet und nicht gerade der Quotenrenner ist. Mehr wollen die Privaten nicht wissen, um ihr Programm zu bestimmen. Und genau deswegen muss die Konkurrenz gefördert werden.

  145. Die Frage nach dem Warum, wird von den Verlegern tunlichst ausgelassen. Stattdessen werden die Leser weiter mit den Privatmeinungen der Hauptaktionäre der Blätter belästigt. Dieser Aufdringlichkeit kann bequem per Abbestellung begegnet werden. Beim iPhone übrigens auch.

  146. Sehr schöner Artikel. Es geht den Verlegern derzeit nur um die Schürfrechte. Ob im Internet Schätze zu heben sind, das ist aber nur eine Vermutung. Es existiert momentan kein überzeugendes Geschäftsmodell.

    Leider verlagert sich die Debatte jetzt auf die rein wirtschaftspolitischen Aspekte – von der Qualität redet derzeit niemand mehr. Das ist schade, denn Qualität lässt sich durch das Profitdenken der Verleger genauso effektiv vernichten wie durch die Bürokratie der Öffentlich-Rechtlichen.

  147. @197: „Dass die ÖR nicht perfekt sind, muss niemand nochmal extra betonen, das ist klar. Ohne die ÖR hätten wir aber ganz schnell ausschließlich BILD-Niveau im TV, weil echte Recherche Geld kostet und nicht gerade der Quotenrenner ist. Mehr wollen die Privaten nicht wissen, um ihr Programm zu bestimmen. Und genau deswegen muss die Konkurrenz gefördert werden.“

    Warum gibt es dann im Printbereich so viel anspruchsvollen Journalismus? Obwohl es dort quasi nur Private gibt?

    Würden ARD und ZDF abgeschafft (was ich nicht fordere), würden sich doch sofort Sender gründen, die diese Zuschauerschaft abgreifen. Ich halte es für naiv zu behaupten, eine TV-Landschaft ohne ARD und ZDF würde nur noch aus RTL und Co. bestehen… im Moment gibt es für anspruchsvolle Privatsender und Pay-TV-Sender nur keinen Markt, weil die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren Gebühren alles breit sitzen!

  148. Was den Printbereich angeht: Wie ist denn der Trend? Mehr Journalisten zu entlassen oder eher weniger? Mehr Agentur/PR/Fremd-meldungen als Eigenrecherche zu verkaufen oder weniger? Mehr Werbung als Artikel zu tarnen oder weniger? Mehr Hadern mit Marktgesetzen und Ruf nach Proktektionismus, oder weniger?

    Mit viel gutem Willen könnte man N24 als anspruchsvollen Privatsender bezeichnen – ob aus dem Amerikanischen übersetztes Infotainment allerdings das Nachrichtenformat der Zukunft werden soll, wage ich zu bezweifeln.

    Zugegeben, um Pay-TV ist es tatsächlich schade. Premiere war ein großer Förderer der Kreativen, v.a. in der Buchhalterbranche. Und Werbung bringt Sky auch.

  149. @196: „Im öffentlich-rechtlichen Radio ist guter Journalismus übrigens möglich – warum tut sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen damit so schwer? Ganz einfach: wegen des Quotendrucks! Also: Quotenmessung bei ARD und ZDF abschaffen!“

    Im ö.-r. Radio gibts sowas auch..da heißt die Quote „Reichweite“, und der Werbekunde wird auch fleißig umgarnt, siehe meine Anekdote weiter oben.

    Und guter Journalismus ist im TV auch sehr wohl vorhanden, es wurden ja schon einige Beispiele genannt.

    Trotzdem kann ich dem Gedanken, die Quote bei ARD und ZDF abzuschaffen, durchaus zustimmen.

  150. @Matthias #197

    Man kann noch ein Argument umdrehen. Wie kann guter Fersehjournalismus so unglaublich wichtig sein, auch wenn ihn fast niemand sieht? Und warum müssen alle dafür bezahlen, auch wenn es nur eine absolute Minderheit interssiert? Die FAZ dürfen auch nur die lesen, die 2 Euro am Tag dafür bezahlen. Ist daran unsere Demokratie gescheitert? Wäre für 10 Euro im Monat nicht auch ein privat finanzierter *anspruchsvoller* Fernsehkanal finanzierbar?

  151. @Fernsehkritiker: Warum gibt es dann im Printbereich so viel anspruchsvollen Journalismus? Obwohl es dort quasi nur Private gibt?

    Ich glaube nicht, dass sich das vergleichen lässt. Abgesehen von „Bild“ haben die Zeitungen alle nur Auflagen von höchstens ein paar Hunderttausend. Bei Zeitungen hat das (zumindest bis vor kurzem) gereicht, um gut zu leben. Kaum ein privater Fernsehsender ließe sich mit solchen Zuschauerzahlen finanzieren.

  152. @ Stefan: Deswegen bin ich ja auch für die Öffentlich-Rechtlichen – die Frage an sich ist dennoch wohl berechtigt, finde ich. Was kleine Zeitungen mit wenigen Mitteln und viel Leidenschaft schaffen, kriegen ARD und ZDF trotz Milliarden Euro immer weniger hin…

    Im Übrigen wäre es eben diesen Zeitungen wohl auch gegenüber ungerecht, eine öffentlich-rechtliche Tagesschau-Zeitung auf den Markt zu bringen. Da wäre die Aufregung (zu Recht) auch groß…

  153. @Stefan Niggemeier: Glaubst du denn wirklich, dass sich die Auflage einer Tageszeitung so ohne Weiteres auf die Zuschauerzahlen eines Fernsehsenders mit vergleichbaren Inhalten übertragen lässt? Ich meine das nicht polemisch, ich weiß es wirklich nicht und wüsste gerne, ob du Gründe für die Einschätzung hast.
    Und falls es wirklich so wäre – was ich nicht glaube -, kommt man m.E. schwer an Ulrich Voß‘ Argument vorbei: Wenn es wirklich nur – sagen wir mal – 500.000 Leute sehen wollen, ist dann der ÖR-Apparat, wie wir ihn heute haben, gerechtfertigt?

  154. @Muriel: Ich weiß nicht, ob sich das übertragen lässt. Ich weiß nur, dass die beiden großen überregionalen Qualitätszeitungen in Deutschland nur rund 400.000 Auflage haben und vermutlich irgendwas bei 1 Mio Leser. Für anspruchsvolle Inhalte gibt es nur ein relativ kleines Publikum. Ob dieses Publikum groß genug ist, dass ein Privatsender davon leben könnte, ist zweifelhaft.

    Und die Antwort auf die zweite Frage lautet für mich einfach: Ja.

  155. @Stefan Niggemeier: Die Zeitungen muss man ja aber kaufen oder abonnieren. Ich könnte mir vorstellen, dass das schon mal eine Zugangsschwelle ist, die ein Fernsehsender nicht hätte.
    Ich vermute, dass ich hier ein Argument bringe, das bestimmt schon dreistellig irgendwo in diesem Blog vertreten ist, aber: In den USA scheint es doch auch anspruchsvolle Inhalte zu geben, zumindest nicht unter dem Niveau unserer öffentlich-rechtlichen. Na gut, die haben auch Fox News, aber das ist ja eine andere Frage.

  156. Ach, noch was: Wenn 500.000 Leute den anspruchsvollen Kram sehen wollen, dann kommen von den 7 Milliarden GEZ-Einnahmen nach meiner Rechnung auf jeden davon 14.000 Euro pro Jahr. Nur mal so, um zu verdeutlichen, warum die Antwort für mich nicht ganz so eindeutig Ja lautet…

  157. Die Überschrift findet -zigfache Bestätigung in den Kommentaren hier. Ich verstehe nicht, was an dem öffentlich-rechtlichen Prinzip so schwer zu verstehen ist. Aus der Feststellung, dass die Ausführung in der Realität verbesserungswürdig ist, wird per se die Systemfrage gestellt. Ähnliches macht ja inzwischen im politisch-sozialen Raum Herr Westerwelle. Die Wortwahl ist dabei wenigstens teilweise verblüffend ähnlich.

  158. Allerdings, Herr Keuschnig, und das öffentlich-rechtliche Radio wird auch immer vergessen. Das sind immer die Leute, die Qualitätsrundfunk haben wollen und dementsprechend kräftig auf „Wetten dass“ dreschen, aber nicht wissen, was ein „Zeitzeichen“ ist.

  159. @Gregor Keuschnig: Ich weiß nun nicht, ob ich überhaupt gemeint bin, schließlich stelle ich die Systemfrage aus ganz anderen Gründen.
    Trotzdem: Ist es so schwer vorstellbar, dass jemand weder dumm noch böse und trotzdem anderer Meinung ist?

  160. @ Muriel

    Bei Ihrem Vergleich mit den USA sind mir die Preise für das Kabelfernsehen dort eingefallen. Ich habe einen Grundpreis von 60$ im Kopf, der schnell über 90$ hochgehen kann, wenn man HBO oder Showtime mitbestellt – meine ich jedenfalls. Für Filme darf man dann auch noch zusätzlich bezahlen. Im Vergleich zu diesen Preisen finde ich die GEZ-Gebühr recht preiswert – ganz zu schweigen von den ständigen Werbeunterbrechungen, die die Qualität der US-Sender nicht gerade erhöhen. Auch ein Blick auf Europa macht klar, dass der ÖR-Rundfunk doch eigentlich nicht so teuer ist, wie immer behauptet wird: Gebührenvergleich.

    Ebenso sollten Sie sich die Kosten überlegen, die bei den Privaten z.T. jetzt schon verlangt werden: 3,50 € zum Entschlüsseln von RTL Television, VOX, RTL II, Super RTL und n-tv auf Astra; fast 20 € für das Rund-um-Sorglos-Paket in manchen Kabelnetzen und, und, und. Sind da die GEZ-Gebühren wirklich so hoch und die gebotene Qualität wirklich so mies?

  161. @JO: Kurze Antwort: Aus meiner Sicht ja, weil ich die öffentlich-rechtlichen Sender buchstäblich nie nutze.
    Brauchbarere Antwort: Der Unterschied ist aus meiner Sicht, das man HBO bestellen kann, oder eben nicht, während die Rundfunkgebühr, ähem, „einfach Pflicht ist“. Mich würde interessieren, was herauskäme, wenn man die Kosten auf den einzelnen Zuschauer herunterrechnete. Meine 14.000 EUR aus dem Gedankenspiel da oben sind natürlich unrealistisch, das ist mir auch klar.

  162. Hat eigentlich mal jemand versucht rauszufinden, wieviel „Zwangsgebühren“ an den Supermarktkassen für kommerziellen Rundfunk und Fernsehen gelatzt werden? Ich meine, mal so was von über eine Milliarde für Pro7Sat1 und 1,5 Milliarden für RTL/RTL 2 gehört zu haben – aber das sind nur die beiden Großen und kein Radio.
    Die Frage ist doch auch: Wie viel billiger ist das kommerzielle Angebot Radio/TV – dann kann man ja auch fragen, ob dieser Preisunterschied gerechtfertigt ist.
    Für nen 5er bekommt man nämlich keine 2 Spiegel-Ausgaben mehr – und Print ist definitiv günstiger in der Verbreitung als Radio/TV…
    soviel zu: („Dass es eine unabhängige Berichterstattung im Fernsehen gibt ist eine gute Sache aber die immensen Kosten die derzeit abverlangt werden sind viel zu hoch. Gerne zahle ich nen 5er im Monat und bekomme dafür einen Sender der mir nicht gesponserte Information serviert.“)

  163. Auf die Gefahr hin, dass ich das Thema unnötig polemisiere: Mir reicht es, wenn ich beim durchzappen versehentlich drei Sekunden von den „Ordnungshütern“ mitbekomme, um den ÖR eine lebenslange Einzugsermächtigung nach eigenem Gutdünken zu erteilen (by the way: ich bin arm!). So sehr Macho kann man gar nicht sein, um sich seiner Tränen zu schämen, die einem beim Anblick der Privatsender-Eigenproduktionen überkommen.

  164. Ich hab´ jetzt ungefähr 20 Minuten überlegt, warum mir der letzte Satz meines Kommentares komisch vorkommt, und ich glaube, jetzt weiß ich´s: Überkommen verlangt den Akkusativ. EineN, meinte ich natürlich…

  165. @ Muriel

    Ich habe gerade das Bild vor Augen, dass ein Mensch, der nur von der Pommesbude lebt, sich in einer großen Lebensgemeinschaft mit anderen einen großen, gut gefüllten Kühlschrank teilt. Ohne wirklich über den Inhalt Bescheid zu wissen, macht dieser nun das Essen madig und stempelt es als „nicht qualitativ“ ab, nur weil er es nicht mag, es nicht haben will und erst recht kein Geld dafür bezahlen will. Doch so ist es nun mal, wenn man zusammen lebt. Da muss man primär erst einmal sicher stellen, dass sich jeder gut ernähren kann und nicht, dass jeder Geld hat um ungesundes Fastfood zu futtern.

    Ich hoffe, dass war nicht zu böse formuliert.

  166. Zu 221: Meinen Sie mit „gut gefüllt“ die Masse der Lebensmittel im Kühlschrank oder die Qualität?

  167. Ich finde bemerkenswert, daß jene, die meinen, der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seiner jetzigen Ausgestaltung sei unnötig teuer, weil die weite Auslegeung des Begriffes der „Grundversorgung“ durch des Bundesverfassungsgericht mittlerweile überholt ist, gleich als „Gegner von ARD und ZDF“ abgestempelt werden.

    Ich persönlich wünsche mir einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dessen Aufgabe aber nicht die Vollversorgung sein soll, sondern der das leisten soll, was Private nicht leisten können oder wollen. Dazu gehört wahrscheinlich ein großes Korrespondenten-Netzwerk, politische Magazine jedweder Couleur, hochwertige eigenproduzierte Fernsehfilme, aber meinetwegen auch Volksmusik oder eine Karnevalssendung auf dem Dritten. Dazu gehören aber meiner Meinung nach nicht „Wetten, dass…“ oder die Sportschau und Olympia (obwohl ich ein großer Fußball- und Sportfan bin). Dann muss man die Qualität, die der öffentlich rechtliche ERundfunk fraglos bringt, auch nicht auf arte, 3sat oder im Nachtprogramm verstecken.

    Brauchen wir tagesschau.de in der bestehenden Form? Keine Ahnung. Zur Zeit habe ich jedenfalls das Gefühl, daß man auch anderswo hochwertige journalistische Inhalte kostenlos (bzw. werbefinanziert) im Internet erhält. Deswegen würde ich erstmnal abwarten und den Gebührenzahler insoweit schonen.

  168. @ Georg Reichert

    Die 9,962 Millionen Sendeminuten allein des ÖR-Fernsehens im Jahr 2008 finde ich eine große Menge. Um ein Gesamturteil über die inhaltliche Qualität abzugeben, fehlt mir jedoch die Basis.

    @ Muriel

    Neh, ich hätte sonst Ihren Namen und nicht „Mensch“ geschrieben. Es kann ja auch sein, dass Sie gerade eine Diät machen. Warum nehmen Sie denn die vielfältigen Angebote der ÖR nicht in Anspruch?

  169. Ich möchte mal ein anderes Bild bringen. Angenommen, jeden Tag käme jemand vorbei und würde ihnen 20 kg bedrucktes Papier vor die Haustür kippen und sagen „Morgen komme ich wieder, das kostet Sie 18 Euro im Monat, Sie haben keinen Einfluss darauf, was drinsteht und können sich auch nicht dagegen wehren, und ihre Nachbarn bekommen dasselbe.“ Dann stehen Sie da mit den 20 kg und stellen fest, dass Sie ca. 2 Tage bräuchten, um alles durchzulesen oder wenigstens anzusehen. Das meiste interessiert Sie nicht, vor allem die lustigen Tierbilder oder die 200 Seiten Groschenromane, außerdem wenden sich die meisten Anzeigen darin an Menschen jenseits der 60. Aber Sie können sich erinnnern, dass es vor 10 Jahren nur 1 kg war, und von dem fanden Sie die Hälfte wenigstens interessant.
    So sähe sie aus, unsere öffentlich-rechtliche Medienwelt, wenn man sie auf den Print-Bereich übertrüge. Womöglich noch schlimmer.

  170. @JO: Weil sie mich nicht ansprechen.
    Aber das ist auch gar nicht mein Argument, insofern bringt es wohl niemanden weiter, wenn wir es vertiefen. Auch wenn ARD, MDR und DLF genau das Programm hätten, das ich willl, wäre mir ein zwangsgebührenfinanzierter Rundfunk prinzipiell zuwider.
    Ich verweise ansonsten auf Twipsys Beispiel.

  171. zu 225: Heißt das etwa, Sie wissen auch nicht wirklich über den Inhalt des Kühlschranks Bescheid? Davon mal abgesehen, Ihr Gleichnis ist nur dann klug, wenn der Kühlschrank qualitativ gut gefüllt ist und nicht zu viel Strom verbraucht. Abgelaufenen Joghurts, alte Gurken oder offene Bierdosen tragen nicht zur guten Ernährung bei, von Pommes aus dem Kühlschrank ganz zu schweigen….

    DLR, RBB info, HR info, einige Dritte, Phönix, Arte, 3Sat…ja, lecker Törtschen, aber ich hatte die letzten 14 Tage die Gelegenheit, „Morgenmagazin“ zu schauen und konnte mich nur wundern..Schimmeliges Brot.

    Oder anderes Beispiel: In der Berichterstattung über die Finanzmarktkrise und da Stimme ich Ulrich Voß zu, gab es wenig Sendungen mit Inhalt, in denen die Sachverhalte richtig dargestellt wurden und eben nicht die Skandalisierung im Vordergrund stand(in dem Metier kenne ich mich aus und kann die Inhalte beurteilen).

    Es muß was gutes im Kühlschrank sein, damit ich nicht die Pommes um die Ecke kaufe und noch wichtiger, damit sich die Lebensgemeinschaft nicht überlegt, ob sie überhaupt noch einen Kühlschrank braucht.

  172. Gutes Beispiel. Im Morgenmagazin finden die Interviews gerne an einem gut gedeckten Frühstückstisch statt. Ich hab noch nie jemand davon essen sehen, wemutlich ist das alles aus Plastik, und wenns nicht so wäre, machte es auch keinen Unterschied.

  173. (Hören Sie mal kurz weg Herr Niggemeier) Ihr Beispiel erinnert mich irgendwie an mein FAZ-Abo, Twipsy. Natürlich ist die Informationsflut enorm und für mich persönlich kaum mehr zu überblicken, die von den ÖRen produziert wird. Durch die zusätzlichen Infos aus dem Internet, den Zeitungen, dem Radio erfolgt ein solches Überangebot, das kaum mehr zu handhaben ist.

    Interessant finde ich wiederum die Wörter „ansprechen“ und „Zwang“ von Ihnen Muriel. Könnte es sein, dass wir uns so weit entwickelt haben, dass alles, auf das wir keinen Einfluss nehmen können als Zwang empfunden wird? Würde eine direkte Möglichkeit der Einflussnahme und Einbindung der Zuschauer in´s Programm wohl eine andere innere Einstellung bewirken?

  174. @JO: „Könnte es sein, dass wir uns so weit entwickelt haben, dass alles, auf das wir keinen Einfluss nehmen können als Zwang empfunden wird?“
    Ich jedenfalls empfinde es als Zwang, dass ich unter Androhung von Strafe gegen meinen Willen verpflichtet bin, monatlich einen bestimmten Betrag an die GEZ zu zahlen. Und ein Blick ins Wörterbuch gibt mir da wohl auch Recht, oder?
    Ich hoffe, das kommt jetzt nicht unangemessen pampig rüber, aber so allmählich wird’s albern. Wenn das Ihrer Meinung nach kein Zwang ist, was bitteschön dann?

  175. @ Muriel: Solange du eine Alternative hast, ist es kein Zwang. Gut, die Alternative tut weh: Fernseher, Radio, Internet, Handy abschaffen, aber du kannst immer noch Zeitung lesen und Verwandte besuchen und dort der phoenix-runde lauschen.

    Bei einigen Metaphernmaschinen scheinen ein paar Schaltkreise durchgeschmolzen zu sein. Jedenfalls riechts hier nach kokelndem Plastik.

  176. @Alberto Green: Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Solange man eine Alternative hat, ist es kein Zwang? Weil ich die Möglichkeit habe, meinen Fernseher abzuschaffen, keinen Computer mehr zu nutzen und auf das Mobiltelefon zu verzichten, ist es kein Zwang?
    Dann wäre in deinen Augen wahrscheinlich auch das strafbewehrte Verbot von Homosexualität keine Zwangsmaßnahme, denn man hat ja eine Alternative. Sogar mehrere!
    Oder so: Wenn der Gesetzgeber strafbewehrt vorschriebe, dass man entweder der CDU oder der FDP beitreten muss, wäre das dann kein Zwang? Weil es ja Alternativen gibt?

  177. @232: Die Alternative tut doch deshalb weh, weil ich dann gezwungen werde, auf die kanpp 50% Fernsehprogramm zu verzichten, die nicht öffentlich rechtlich sind. Und beim Abschaffen des Computers (zahlen muss ja schließlich auch, wer gar nicht ans Internet angeschlossen ist), werde ich gezwungen auf die 99,99999% der denkbaren Anwendungen zuverzichten, die rein gar nichts mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu tun haben.

    Natürlich ist es Zwang, wenn man GEZ-Gebühren zahlen muss, genauso wie es Zwang ist, Steuern zu zahlen. Mag ja sein, daß es eine gute Begründung für diesen durch den Staat ausgeübten Zwang gibt – das ändert aber nichts daran, daß es sich um Zwang handelt.

    Als es früher tatsächlich so etwas wie eine Alternative gab (nämlich in den frühen 80ern und davor), war es deshalb ja auch sinnvoll, für den ör Rundfunk eine Gebühr zu erheben. Mittlerweile ist natrülich auch das überholt und es wäre gerechter, den ör Rundfunk über eine Steuer zu finanzieren. Dann würde sich auch das Problem mit den Schwarzsehern erübrigen.

  178. Wie populär sind die ÖR-Internetangebote eigentlich? Würde es von heute auf morgen keine ÖR-Internetauftritte mehr geben könnte ich hervorragend weiterleben – ohne jegliche Komforteinbusse.

    Für politische Informationen gibt es etliche deutschsprachige und internationale Portals mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung. Die „Special Interests“ in versch. Disziplinen werden von einer Unmenge Angebote abgedeckt.

    Würde heise.de oder google.news verschwinden dann wäre das allerdings schon ein empfindlicher Schlag. Aber das ÖR im Internet? Ich brauche das wirklich nicht und war noch nie in meinem Leben (oder zumindestens nicht im letzten Jahr) auf der Seite des saarländischen Rundfunks obwohl dass mein ÖR-Heimsender ist.

  179. Boah, Muriel, bevor du mir mit Hitler kommst, nehme ich das zurück.

    Ich frage mich nur, warum dich gar nichts aus dem Programm anspricht. Das kann ich mir nur mit Ignoranz erklären. Und zum Zwang: Das Beispiel mit den Steuern ist ja schon genannt worden. Zahlst du doch, auch wenn du nicht in die Oper gehst, oder?

  180. @ Muriel

    Ich sehe die GEZ-Gebühren eher als soziale Verpflichtung an, genauso wie eine Fahrkarte ziehen in der U-Bahn oder Steuerzahlen. Mach ich nicht super gerne, ich machs aber trotzdem, da ich einen Nutzen darin sehe – für alle.

    Denn, was wäre, wenn der ÖR-Rundfunk abgeschafft würde? Die Privaten müssten auf einmal die kompletten Kosten für die Infrastruktur (Sendemasten, Satelliten usw.) alleine tragen. Die würden sich dafür sicherlich nicht bedanken. Was meinen Sie, wie lange könnten die das wohl machen und wie lange wäre dann wohl die „Technik“ Radio und Fernsehen noch existent in Deutschland? Die Frage nach einem Komplettausstieg und Umzug in die Trägermedien „Internet“, „UMTS“ oder sonst was, halte ich persönlich für nicht geben an, da diese nicht in der Lage sind alle Datenmengen auch wirklich zu übertragen – auch im Notfall. Schon alleine daher begründet sich der ÖR, da sie die Sendefähigkeiten sichern und regeln.

    @ Twipsy

    Das MoMa der ARD findet doch auf einem Sofa statt. Außerdem empfinde ich es als unhöflich, wenn Moderatoren oder Gäste mit vollem Mund reden.

  181. @237: Oh, schönes neues rhetorisches Stilmittel: die präventiv-reziproke Nazikeule. Muss man auch erstmal draufkommen…

  182. @Alberto Green und JO: Es scheint euch irgendwie profund zu beunruhigen, dass ich meine Freizeit gerne anders verbringe als vor dem Fernseher. Wir können das z.B. per Mail gerne weiter diskutieren, aber ich könnte mir vorstellen, dass es die anderen hier nicht besonders interessiert.
    Zum Thema Zwang: Natürlich empfinde ich Steuern auch als Zwang. Sieht das jemand anders? Die U-Bahn hingegen zahle ich (vereinfacht gesagt) nur, wenn ich sie nutze, das leuchtet ein.
    ich sehe ein, dass man ör-Rundfunk gut finden kann, auch wenn ich selbst das anders sehe. Wenn aber jemand behauptet, die Gebührenpflicht wäre kein Zwang, oder ohne ör-Rundunk gäbe es bald kein Radio und kein Fernsehen mehr, dann finde ich das ausgesprochen lächerlich.
    @peter wolf: Danke.

  183. @241: Die Times berichtet, dass die BBC aus Kostengründen die Zahl der Websites halbiert – so weit ist das richtig, aber es werden auch gleich noch zwei Radiosender eingestellt. Damit verbunden sei die Streichung von einem Viertel der Stellen.
    Und dann noch zum politischen Einfluss auf diesen Plan: „It was drawn up by the corporation’s director of policy and strategy, John Tate, a former head of the Conservative policy unit, who co-wrote the party’s 2005 manifesto with David Cameron.“

  184. Ich kann es verstehen, das die Privaten sich fürchten… klar, der Wettbewerbsdruck durch die Öffentlichen nimmt gigantisch zu…. und das mit einem riesigen finanziellen Background, der so manches private „Käseblatt“ in die Pleite treiben wird. Der Kampf wird also zwischen den großen Playern der Branche ausgetragen… Dennis

  185. Der Artikel tat wirklich mal Not. Ich dachte schon, sämtlichen Meinungsführern in der kleinen digitalen deutschen Welt wäre der öffentlich rechtliche Rundfunk entweder egal oder sie werden von Interessen beeinflußt oder sind selbst diejenigen, die den öffentlich rechtlichen Rundfunk abschaffen wollen. Schon vor Wochen bin ich es leid geworden auf dem Blog carta.info mit irgendwelchen Autoren zu diskutieren, die Robin Meyer Lucht immer wieder von irgendwo herholt, damit sie irgendwas an Restargumenten gegen den ÖR in schlecht formulierte Sätze packen können.

    Nun ist es offensichtlich soweit, dass abseits meiner leicht ideologischen Perspektive, die Kampagne gegen den ÖR soviele Lächerlichkeiten und Fehler aufweist, dass man kaum umhin kommt sie nun auchmal beim Namen zu nennen.

    Aber auch die Kritik an der ARD selbst etwa ist mehr als angebracht. Auch unabhängig von diesem Fall hier, nervt es einfach nur, wenn öffentlich-rechtliche Medienmagazine, etwa radio1 Medienmagazin oder so, immer in epischer Breite und Länge über alle aktuellen Hausthemen der ARD berichten (selbst wenn sie dabei Journalismus simulieren).

  186. Ich finde das Wort Zwang hier viel zu negativ konnotiert. Ich sehe die GEZ auch als Zwang, aber als notwendigen.
    So wie auch, dass Steuergelder für Kindergärten ausgegeben werden. Tangiert mich auch nicht, aber ich sehe die Notwendigkeit. So funktioniert Gesellschaft, da müssen wir durch. „So praktisch ist das Leben“ (Westerwelle)

  187. „Mit Worten lässt sich trefflich streiten,
    mit Worten ein System bereiten.“ (JWvG)

    „Pflicht“ ist das Zauberwort.. „Gebührenpflicht“, „Steuerpflicht“, „Steuerpflichtlinge“.. äääh – ja. (Verzeihung, liebe Schlesier)

    Eine Gebühr kann bei Bedarf mit Zwang eingetrieben werden.
    (Erheblich und relevant)

  188. […] Das Elend der Debatte um ARD und ZDF « Stefan Niggemeier “Die Verlage müssen von der (ohnehin schon reduzierten) Mehrwertsteuer befreit werden, Google muss verboten oder zur Zahlung von Lizenzgebühren verpflichtet werden, ARD und ZDF müssen das Internet verlassen, das Zitatrecht muss drastisch eingeschränkt, das kostenlose Anbieten von Informationen untersagt und die Gratis-Kultur im Internet insgesamt vernichtet werden — dann, ja dann könnten die Verlage vielleicht, möglicherweise, wenn das Wetter stimmt, in der Lage sein, auch in Zukunft Qualitätsjournalismus anzubieten, und womöglich sogar im Netz. Sonst können sie für nichts garantieren.” […]

  189. Die öffentlich-rechtlichen müssen besser werden. Was heisst das? Über Geschmack lässt sich schwer streiten, aber ein paar Eckpunkte sind m.E. essentiell:

    journalistische Unabhängigkeit (keine Schleichwerbung, Sponsoring, politische Einflussnahme möglichst reduzieren durch entsprechende Strukturen, Geld in Recherche stecken und nicht in die Verwaltung, mehr Mobilität der Redakteure, also die Redakteure stärker fordern, damit sie nicht in Routine erstarren.)

    Handwerkliche Qualität: flexiblere interne Strukturen, mehr echter Wettbewerb mit Anbietern des freien Marksts (freie Journalisten, freie Prod-Firmen). Das motiviert letztendlich auch die festangestellten Mitarbeiter, weil sie gefordert werden. Zur Zeit wird in den ö-re Anstalten versucht, durch interne Kostenermittlung und -Abrechnung die Allokation der Ressourcen zu verbessern. Dabei wird aber nur halbherzig vorgegangen, da die Redaktionen verpflichtet sind (vereinfacht gesagt) ein festes Kontingent interner Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, egal wie gut oder schlecht ihre Qualität ist. Diese Versuche der Kostenermittlung (das heisst dann z.B. interne Leistungsverrechnung etc.) binden aber zur Zeit viel Personalstellen in der Verwaltung. Diese Stellen wären aber für die Herstellung der journalistischen Inhalte viel wichtiger (s. 1. Punkt)

  190. Bei aller Sympathie für die Tagesschau: das mit dem zwangsweise eingetriebenem Betrag von ca. 8 Mrd. Euro jählich automatisch ein Qualitätsjounaismus garantiert wird, kann ich bei Betrachten von diversen Magazinen z. B. in den Dritten Programmen wirklich nicht feststellen. Darüberhinaus besteht die sogennante Grundversorgung z.B. bei der ARD darin, dass zur Primetime, 20.15 Uhr, jeden Abend seichte Unterhaltung gesendet wird. Dass kann ich auch (wirklich) umsonst haben.
    Axel

  191. Holger Ohmstedts Kommentar gerade in den Tagesthemen zu Google war so ziemlich das Dämlichste und Populistischste, was ich seit langem gehört habe!

  192. Ein – in der Praxis bedeutsames – Problem der Öffentlich-Rechtlichen ist die dilettantische Aufsicht. Verwaltungsräte, Fernsehräte sind zumeist entweder parteipolitisch gesteuerte Vasallen und/oder von Ahnungslosigkeit geprägt. Innerhalb der ÖR bilden sich durch leitende Redakteure kleine Fürstentümer, die ein erschreckend hohes Eigenleben an den Tag legen und mitunter kaum noch von außen beeinflussbar sind..

    Der klassische ÖR-Redakteur hat zwar einen ordentlichen Pensionsanspruch, vergißt dies aber gerne und grumm,elt über seinen schlechten Verdienst. Daher verteilt er seine Gelder (ja, die Gebühren sieht er als SEIN Geld an) an jene Autoren und Produzenten, welche ihn am angenehmsten hofieren. Das ist, ob ARD oder ZDF, inzwischen Usus.
    Das System baut sich nach oben auf.

    Die (durchaus gewünschte) Unabhängigkeit der ÖR hat leider zu einem selbstreferentiellen System geführt, das sich auf Dauer selbst ent-legitimiert. Es wird nicht leicht sein, all die Menschen zurück zu gewinnen, die sich inzwischen nahezu gänzlich vom Medium TV abgewendet haben.

    Ich bin ein großer Anhänger der ÖR. Aber nicht selten schaudert es einen, wie da Geld verplempert wird. Und dass es offenbar keinen gibt, der mit Kompetenz die Aufsicht führt.

  193. @253
    Du meinst diesen polemischen und beleidigenden Kommentar in den Tagesthemen über GSV? Da stimme ich dir zu. Aber ebensolches habe ich am gleichen Abend in der WDR-Sendung „Markt“ vernommen. Anscheinend haben sich die Ü61-Sender ebenso auf Google eingeschossen wie die gemeine Holzpresse.

  194. Google, die Datenkrake, die Bücher scannt, ohne sich um Urheberrecht zu scheren. Street view: Pech gehabt, wenn eine Person ins Bild gerät. In Verbindung mit Bilderkennungssoftware kann man böse Sachen machen. Eine Firma, die sich über geltendes Recht hinwegsetzt.

    Korrekt so? Oder doch etwas arg vereinfachend und überspitzt?

  195. Hier der Beitrag des WDR:
    http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2010/0301/00_google.jsp

    Diesen Beitrag sollte man sich mal in aller Ruhe zu Gemüte führen. Zu 99% Google (-Verteufelung). Laut WDR ist Google übrigens auch für alle Trojaner-Angriffen dieser Welt verantwortlich. Genaugenommen ist Google eigentlich an allem Übel schuld.

    Und natürlich kein Sterbenswörtchen über Elena & Co. Wir sind halt beim „staatsfernen“ Ü61-ÖR.

  196. @twipsy: Solange Kommentare keine Unwahrheiten enthalten, dürfen sie vereinfachen und überspitzen. Sie dürfen auch Bilder benutzen, die das Wesen der besprochenen Materie für Laien anschaulich machen.

    @Reiner/SB
    Was hat Elena mit dem internet zu tun? Und wie hätte beim Thema der WDR-Sendung ein Bezug zu Elena hergestellt werden sollen., ohne unlogische Winkelzüge, wie Sie hier einen vornehmen?

    Und diese WDR-Sendung wendet sich vielleicht auch an „Ü61er“, die in Sachen PC und internet nicht so fit sind wie Sie und ich.

    Und noch eine Frage: In welche Kategorie der Stilmittel ordnen Sie den Begriff „Ü61“ ein? Ironie? Polemik? Ich nenne es Sozio-Rassismus.

  197. Keine Ahnung, was es mit dem Begriff „Ü61“ auf sich hat. Dafür weiß ich aber, in welche Kategorie ich den Begriff „Sozio-Rassismus“ einordne:

    Semanto-Klamauk

  198. @260
    „Verfremdungstechnologie und Kontrollmaßnahmen wie das Löschen von Bildern gehören zu den Methoden, mit denen die Privatsphäre von Einzelpersonen gewahrt wird. Google entfernt auf Verlangen Bilder von Nutzern, deren Kindern, Autos oder Häusern vollständig aus Street View, auch wenn die Bilder bereits verfremdet wurden.“
    Pech gehabt, wenn eine Person ins Bild gerät? Überspitzung, oder einfach nur dreist gelogen, um seine Ansichten zu transportieren?

    „Doch die Richter machten in der mündlichen Verhandlung klar, dass sie keine Verletzungen des Urheberrechts durch Googles Buchsuche erkennen können. Sie erklärten sich für nicht zuständig, weil das Einscannen in den USA erfolgt. Der Fachbuchverlag will nun entscheiden, ob er den Weg des Klageverfahrens beschreitet und damit einen Musterprozess notfalls bis zum Bundesgerichtshof anstrebt. Der Rechtsstreit ist aber nur ein Teil der Lawine, die Google mit seinem Projekt einer digitalen Bibliothek losgetreten hat…In Amerika reagierten der Schriftstellerverband Author’s Guild und die Verlegenvereinigung Association of American Publishers im Oktober 2005 mit einer Klage, die das Projekt für zwei Monate stoppte. So lange gab Google den Verlagen Zeit, dem Konzern mitzuteilen, welche Bücher nicht digitalisiert werden dürften. Diese so genannte Opt-Out-Praxis hält Google für die einzig mögliche Praxis, da das Projekt sonst viel zu zeitaufwändig wäre..Google hingegen digitalisiert derweil fleißig weiter. Und ermöglicht so Nutzern den Zugang zu immer mehr Werken – alt wie neu. Die meisten Bibliotheken sind ohnehin daran interessiert, ihre Bestände zu digitalisieren.“

    http://www.tagesschau.de/inland/meldung110508.html
    Wo ist denn da der Rechtverstoß?

  199. Der Begriff Ü61-Sender ist ironisch gemeint. Der Altersdurchschnitt des ÖR-Zuschauers beträgt 61 bis 65 Jahre. Einem etwas älteren, vielleicht weniger Internet-affinen Publikum wird hier regelrecht Angst gemacht.

    Zum Beispiel die Aussage des WDR-Marktes „Google liest alle Emails“. Jeder Email-Provider „liest“ die Emails sonst gäbe es nämlich keinen Spamschutz. Das sollte man wissen. Aber es ist anscheinend bequemer einen Popanz aufzubauen. Und dass Google auch noch am Trojaner-Problem die Hauptschuld trage ist ja wohl völlig absurd.

    Ich frage mich ganz einfach warum sowohl ARD-Tagesthemen, als auch WDR-Markt und WDR-Quarks (dort ist vor einiger Zeit ein ähnlicher Horrorbericht über die „Datenkrake“ gelaufen) dieses Google-Feindbild aufbauen. Ich benutze übrigens gerne die Google-Dienste und leide nicht an Paranoia wie anscheinend die Einpeitscher des ÖR.

  200. @120 Tomchen: Ich finde das zwangsweise Abschalten nach 7 Tagen auch bescheuert. Web ist ein Archivmedium – aber so sollen Beiträge genau dann verschwinden, wenn sie von google gelistet werden und haufenweise 404er produzieren von Leuten, die sie verlinkt haben :-(

    Was die „Konkurrenz“ betrifft, so hat allerdings die ARD die selbst ausgerufen. Ich ahbe mit meiner Partnerin früher eine Website mit einem Bewerbungssservice betrieben (www.bewerbung.net), der war dem westdeutschen Rundfunk alleine schon deshalb ein Dorn im Auge, weil es die „WDR-Jobbörse“ gab (die wir auch noch verlinkt und empfohlen hatten!).

    Inzwischen wurde diese Jobbörse verboten, wir mußten Bewerbung.net allerdings auch aufgeben, weil wir uns weitere Prozesse nicht leisten konnten.

    Es sind nicht immer die Privaten, die was von „geschäftsschädigender Konkurrenz“ plärren. Das mag bei den Verlagen zutreffen, doch ARD & ZDF sehen nicht die verlage als ihre Konkurrenten an, sondern Webdesigner, Fotografen, Autoren…also die Leute, die für Verlage – und ebenso für ARD & ZDF – arbeiten.

    @121 Lukas: „Ab Minute 23.00 sagt Jörg Schönenborn (WDR-Chafredakteur) etwas bemerkenswertes: Miteinander statt gegeneinander.“

    Den Mann kenne ich nicht, der scheint vernünftig zu sein. Seine Chefs sehen das leider anders: „Das Internet erobern“, um jeden Preis, und dabei auch E-Mails und Amazon- und Ebay-Accounts der selbsternannten Gegner beschlagnahmen. Daß man gerade online wunderbar zusammenarbeiten kann in einer Weise, daß beide gewinnen, daß Bewerrbung.net sogar auf den Sender verlinkt hatte, bevor die Juristen losgelassen wurden, daß ich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausdrücklich gelobt hatte, nachdem ich mal in den USA gesehen habe, wie reines Kommerz-TV aussieht, mir aber genau der text verboten wurde und ich heute als „ausgewiesener Gegner des Öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems“ gelte, nur weil ich einem Herrn Pleitgen nicht ermöglichen wollte, in meinem Namen und auf meine Kosten mit meiner Kreditkarte einkaufen zu können…dabei habe ich früher auch für den ÖR-R gearbeitet, wie jeder gute Journalist.

    Ich kann Stefan inhaltlich nur zustimmen. Aber man muß auch sehen, daß sich die Öffentlich-Rechtlichen durch ihre Agressivität im Internet selbst zuzuschreiben haben, daß die meisten Journalisten sie heute als Gegner sehen – denn sie sehen jene als zu bekämpfende Gegner. Und sie kassieren ab, wenn ein Journalist einem Verlag einen Beitrag zuschickt, denn für den dazu notwendigen Internet-Zugang werden Rundfunkgebühren fällig!

  201. @Reiner/SB
    1. „Dass ich nicht paranoid bin, bedeutet nicht, dass Niemand hinter mir her ist.“ (Verfasser mir unbekannt)
    2. Ich finde Tiervergleiche (Datenkrake, Miethai, Salonlöwe u.ä.) immer unpassend. Es gibt keinen Grund, Tiere zu beleidigen.

  202. Der Artikel trifft es inhaltlich auf den Punkt. Einfach chic zu lesen. Was ist „Sozio-Rassismus“? Wir grübeln immer noch.

  203. @ 85, MrBrook:
    Ich weiß leider nicht, obs nicht schon jemand anderes geschrieben hat (hab keine Zeit, alle Kom. durchzulesen), deswegen das hier: Sie haben mit Ihrer Kritik an der jetzigen Situation des ÖRR durchaus Recht. Das Problem für mich ist nur: Wollen Sie wirklich, dass die jetzt in Berlin regierende Koalition darüber befindet, wie der ÖRR in Zukunft aussehen soll? Dieselbe Koalition, die privaten Rundfunk (und ja, ich halte dessen Einführung in den 80ern für den Beginn des Endes des guten Journalismus` in Deutschland) hierzulande erst ermöglicht hat? Die mit ihrer Mehrheit im Aufsichtsrat das größte Problem des ÖRR erst vor kürzester Zeit wieder öffentlichkeitswirksam zelebriert hat?
    @236 Reiner/ SB: Natürlich wird das Inet-Angebot nicht plötzlich zusammenbrechen, wenn die ÖR da rausfliegen würden. Andererseits wäre es auch für heise.de oder andere Info-Portale evntuell ein Problem, wenn man in Zukunft nur noch Nachrichten von privaten Anbietern (auch dpa und ddp sind das) konsumieren kann. Das könnte eine Weile gut gehen (wobei ich es jetzt schon fragwürdig finde, immerhin macht bspw dpa immer mal wieder auch Meinungs-Nachrichten), aber auf Dauer halte ich es für nicht akzeptabel.

  204. Einfach nur genial! Herrlich zu lesen.

    Und leider gleichen sich die Situationen Deutschland / Österreich wie ein Ei dem anderen. Nur ist Österreich mit dem neuen ORF-Gesetz gerade auf der Überholspur, was die Demontage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der freien Meinungsäußerung der User betrifft.

  205. […] Döpfners Katastrophenszenario verschafft ARD und ZDF im Netz eine neue mögliche Legitimation, genau genommen die alte: durch verlässlich und von allen gemeinsam finanzierte Medien eine umfassende Grundversorgung sicherzustellen, selbst wenn die privaten Anbieter in schlechten Zeiten oder aus grundsätzlichen Problemen das nicht in befriedigendem Maße tun können. Aber das habe ich ja alles schon mal geschrieben. […]

  206. […] Döpfners Katastrophenszenario verschafft ARD und ZDF im Netz eine neue mögliche Legitimation, genau genommen die alte: durch verlässlich und von allen gemeinsam finanzierte Medien eine umfassende Grundversorgung sicherzustellen, selbst wenn die privaten Anbieter in schlechten Zeiten oder aus grundsätzlichen Problemen das nicht in befriedigendem Maße tun können. Aber das habe ich ja alles schon mal geschrieben. […]

  207. „Leute ohne Einkommen sind von der Gebühr befreit“

    Das stimmt auch aktuell nicht.
    Oder bekommt jeder ohne Einkommen eine Befreiung?
    Hier wird scheinbar wie selbstverständlich davon ausgegangen, jemand „ohne Einkommen“ MUSS Hartz4 beziehen. Auch Hartz4 ist ein „Einkommen…“

  208. […] Der verfassungsrechtlich garantierte Grundversorgungsauftrag verlangt von den Öffentlich-Rechtlichen, ein umfassendes Angebot an Information, Bildung und Unterhaltung bereitzustellen – unabhängig von den Leistungen und der Leistungsfähigkeit privater Medienanbieter. Gerade weil private Medien krisenanfällig sind, gibt es die verfassungsrechtliche Garantie eines öffentlich-rechtlichen Mediensystems. Darauf hat bereits vor mehreren Jahren Stefan Niggemeier sehr überzeugend aufmerksam gemacht. […]

  209. Es sollte schon mal die Frage erlaubt sein, wo die Grenze der Bindung gesellschaftlicher Ressourcen durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten liegt. Bis jetzt bestimmen sie die selbst. Und werden immer dicker. Man kann es auch einen „Flug kurz unter der Wutgrenze“ nennen, denn die Verträge, die zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (deren Intention folgend) geschlossen wurden, sind recht schwammig. Zitat: „… Wohnung ..zum Wohnen oder Schlafen geeignet oder genutzt … wieso ODER statt UND? Vom Auto in „nicht rein privater Nutzung“ – „Auf die Häufigkeit kommt es nicht an“ und Betriebsstätten mit 0 Arbeitnehmern mal ganz zu schweigen. Das alles begründet Beitragspflicht, falls die 8,5 Milliarden pro Jahr mal nicht reichen, kann man sich noch einen kräftigen Nachschlag holen. Das Leben besteht aber nicht nur aus Medienkonsum. Es gibt noch ein paar andere öffentliche Aufgaben. Und erst wenn nicht Programmentscheidungen über die Finanzierung der ÖR entscheiden (also sie selbst), sondern beispielsweise ein Promillesatz vom Nettoeinkommen der Bevölkerung (ohne Hartz IV und Spitzenverdiener) feststeht und es niemals einen Cent mehr gibt, haben die ÖR wieder ein Interesse, ihre Aufgaben zu erfüllen. Im Moment geht es doch nur um Quote, Wachstum in alle Richtungen, fette Gehälter und bevorzugte Renten. Die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten sind genauso profitorientiert.

Comments are closed.