Das ist natür­lich für Bingo–Ken­ner eine zu leichte Auf­gabe, zu erra­ten, was hin­ter die­sem Lie­bes­drama im Leben der Kanz­le­rin steckt:

»Ver­las­sen« wurde Angela Mer­kel natür­lich — auch wenn sich »die aktu­elle« alle Mühe gibt, das zu ver­schlei­ern — bloß von Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin Annette Schavan.

Das Titel­foto ist zwar am 29. Januar 2013 auf einer Gala des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen Indus­trie ent­stan­den und kann schon des­halb nicht Mer­kels Reak­tion auf Scha­vans Rück­tritt zei­gen, weil die damals noch nicht zurück­ge­tre­ten war und sogar noch ihren Dok­tor­ti­tel hatte. Aber das sind für den Jour­na­lis­mus, wie ihn die aktu­elle Illus­trierte aus dem Haus der WAZ pflegt, bloß läp­pi­sche Details.

Im Inne­ren stöhnt »die aktu­elle« dann: »So ein­sam war unsere Kanz­le­rin noch nie!« und fabuliert:

Es geschah vor einer Woche. Da musste Angela Mer­kel erken­nen, dass sie nie­man­den mehr hat, dem sie wirk­lich ver­trauen kann. Sie ver­lor den letz­ten Men­schen, der bedin­gungs­los hin­ter ihr stand und abso­lut auf­rich­tig zu ihr war.

Annette Scha­van.

Es ist wie ein Fluch:

»die aktu­elle« belässt es aber nicht bei die­ser lus­ti­gen Erzäh­lung von Poli­tik als Schick­sals­ro­man, son­dern zielt dann noch auf das Pri­vat­le­ben der Kanz­le­rin. Es werde »schon län­ger über die Ehe der Kanz­le­rin gemun­kelt«, behaup­tet die Volon­tä­rin der Zeit­schrift, die den Text ver­fasst hat. Selbst im Urlaub wirke Mer­kel an der Seite ihres Man­nes »nicht glück­lich«, wie neu­lich im St. Moritz. Und so schließt sich der Kreis:

Wahr­schein­lich hat Angela Mer­kel auch ihre pri­va­ten Sor­gen da noch mit ihrer Freun­din Annette Scha­van geteilt.

Wie skru­pel­los »die aktu­elle« bei ihren Lügen­ge­schich­ten ist, demons­trierte sie beson­ders ein­drucks­voll vor vier Wochen. Gezeigt wur­den Karl-Theodor zu Gut­ten­berg und seine Frau. Die Frage: »Was hat er damit zu tun?« bezieht sich auf einen tra­gi­schen Unfall, bei dem der Rek­tor der Bay­reu­ther Hoch­schule ums Leben kam, als er beim Jog­gen von einer Stra­ßen­bahn erfasst wurde. Es ist die Hoch­schule, die Gut­ten­berg den Dok­tor­ti­tel aber­kannte. Was »die aktu­elle« dar­aus machte, fasste Jörg Tho­mann in sei­nen »Herzblatt-Geschichten« in der FAS so zusam­men:

»Der rät­sel­hafte Tod sei­nes größ­ten Fein­des« sei »span­nen­der als jeder Krimi« und ein »Unfall, der die Phan­ta­sie anheizt, der Raum für viele Spe­ku­la­tio­nen lässt«. Und wenn auch Gut­ten­berg dem Ver­un­glück­ten nicht den Tod gewünscht habe, »klingt diese Tra­gö­die nach Rache, nach Ver­gel­tung«. Nein, Aktu­elle, es klingt alles nur nach ganz mie­sem Jour­na­lis­mus, und wir sind froh, dass wir deine ange­heizte, dre­ckige Phan­ta­sie nicht tei­len müs­sen. Keine Pointe.