Nothelle & Singelnstein

Er gibt sich keine Mühe, seine Geringschätzung zu verbergen. Es ist ja schon Zumutung genug, dass er sich als Regierender, ach was: Natürlicher Bürgermeister von Berlin zwei Fernsehduellen mit irgendwelchen Herausforderern stellen muss. Dann könnte er die Sache wenigstens selber moderieren.

Das Schlimme ist, dass man Klaus Wowereit tatsächlich sofort die Leitung der Sendung übergeben möchte oder, alternativ, irgendjemandem. Stattdessen wird das »Berlin-Duell« moderiert von der Programmdirektorin und dem Chefredakteur des RBB, Claudia Nothelle und Christoph Singelnstein. Als gutes Argument für die Regel, Fernsehsendungen von Moderatoren moderieren zu lassen und nicht vom Führungspersonal, hat die ARD eigentlich schon HR-Chefredakteur Alois Theisen, aber diese beiden stellen sogar ihn in den Schatten. Sie wirken, als hätte man sie gerade in einem vergessenen …

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Shitstorm

In der vergangenen Woche sind mehrere erstaunliche Dinge passiert. RTL hat sich für einen Bericht in seinem Knallmagazin »Explosiv« entschuldigt. »Die Verallgemeinerung und Überzeichnung des Beitrags war ein Fehler«, sagte ein Moderator. »Wenn wir damit Gefühle verletzt haben sollten, entschuldigen wir uns ausdrücklich dafür.« Die Sätze könnte der Sender natürlich in jeder seiner Magazinsendungen ausstrahlen, ohne dass es unpassend wäre, tut es aber sonst nicht.

Dann schaffte es die für RTL zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt, innerhalb von nur einem Tag festzustellen, dass der Beitrag zwar »ärgerlich, aber keinesfalls rechtswidrig« war. Normalerweise sind nach diesem Zeitraum bei den deutschen Medienaufsichtsbehörden noch nicht einmal die Leute geweckt, die die Leute wecken sollen, die sich darum kümmern, Leute zu finden, die wissen, wie man an diese …

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Christoph Lütgert

Das Jahresende 1999 verbrachte Stefan Raab damit, Heiner Bremer aufzulauern. Er wollte sich über dessen Moderationsversuche im RTL-»Nachtjournal« lustig machen. Bremer sagte, er habe »aus guten Gründen was gegen Überfall-Kommandos«. Für Raab war das perfekt. Wochenlang füllte er seine Show mit dem vergeblichen Versuch, Bremer zu erreichen und ihm ein »Raabigramm« zu singen.

Der NDR-Reporter Christoph Lütgert betreibt eine Art Stefan-Raab-Journalismus. Er macht aus Filmen über brisante Themen Filme über sich selbst, wie er versucht, Verantwortliche dazu zu bringen, mit ihm zu reden. Das ist — trotz klassischer Einstellungen wie dem Hinterherlaufen mit der Kamera und spektakulär plumper Ausweichversuche der Betroffenen — , nicht ganz so unterhaltsam wie bei Raab. Vor allem aber geht es in einem Film wie »Rot-Grün …

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Ernie & Bert

Die dümmste Antwort kommt ausgerechnet von Steve Whitmire, der nach dem Tod von Jim Henson Kermit den Frosch und Ernie spielte. Auf die Frage, ob Ernie und Bert schwul seien, sagte er: »Es sind Puppen. Sie existieren nicht unterhalb der Hüfte.« Als ob sexuelle Identität eine Frage des Unterleibs wäre.

Früher war es die fundamentalistische Rechte, wie der amerikanische Pfarer Joseph Chambers, der in den beiden »Sesamstraßen«-Figuren subversive Propaganda für homosexuelle Lebensgemeinschaften sah. Aktuell ist es die Linke, die fordert, dass Ernie und Bert endlich ihr Coming Out haben und heiraten müssten. Die Antwort der Macher ist seit Jahren dieselbe: Ernie und Bert existierten bloß, um Vorschülern zu verdeutlichen, dass auch sehr unterschiedliche Charaktere Freunde sein könnten. Muppets hätten …

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Thomas Gottschalk

Das Gute für ihn ist: Er kann immer wieder zurückgehen. Wäre ja nicht das erste Mal, dass er sich groß verabschiedet von »Wetten, dass«, um dann nach kurzer Zeit einfach wieder zurückzukommen, fragen Sie mal Wolfgang Lippert. Ab einer bestimmten Liga wirkt das nicht unentschlossen oder unsouverän, sondern als Beweis echter Größe. Hans-Joachim Kulenkampff hat sich schon 1966 zum ersten Mal von »Einer wird gewinnen« verabschiedet. Vielleicht könnte man sogar eine jährliche Gottschalk-Verabschiedungs– und Rückkehr-Routine daraus machen, quasi eine Meta-Show, mit den Berichterstattern als Kandidaten, die erraten müssen, zu welchem Sender er das nächste Mal geht, wohin er dafür seinen Wohnsitz verlegt und ob Michelle Hunziker ihn begleiten wird.

Vorerst aber zerbrechen sich die Medienprofis und –laien im Land rührend den …

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