Meh­rere Hun­dert Men­schen haben heute in Dort­mund die »West­fä­li­sche Rund­schau« zu Grabe getra­gen. Die WAZ-Gruppe hat die Redak­tion des tra­di­ti­ons­rei­chen Blat­tes geschlos­sen; 120 Redak­teure und etwas mehr freie Mit­ar­bei­ter sind davon betrof­fen. Die WR soll als Zei­tungs­zom­bie schein­bar wei­ter­le­ben, gefüllt seit heute mit Inhal­ten ande­rer, bis­lang kon­kur­rie­ren­der Blätter.

Weil eine Bericht­er­stat­tung dar­über im Blatt selbst weit­ge­hend unter­sagt war, such­ten Redak­teure der WR und des Schwes­ter­blat­tes WAZ andere Wege, zumin­dest Spu­ren ihres Zorns in der Zei­tung zu hin­ter­las­sen. Sie erwähn­ten in den ver­gan­ge­nen Wochen immer wie­der die Zahl 120 — vor allem in der Rubrik »Zahl des Tages«:












Auch in der täg­li­chen Glosse tauchte die Zahl plötz­lich immer wie­der auf:







Das Ver­fah­ren erin­nert an Dik­ta­tu­ren, in denen Men­schen ver­sucht haben, Bot­schaf­ten am Zen­sor vor­bei­zu­schmug­geln. Ges­tern, an ihrem letz­ten Erschei­nungs­tag, ver­ab­schie­dete sich die Redak­tion von ihren Lesern auf Seite 3 mehr oder weni­ger unauf­fäl­lig mit einer spre­chen­den Liste ihrer »Lieblingsfilme«:

  • Arma­ged­don
  • Was nicht passt, wird pas­send gemacht
  • Tita­nic
  • … denn sie wis­sen nicht, was sie tun
    (»… Zukunfts­angst und die Suche nach Per­spek­ti­ven ste­hen gegen die satte Selbst­zu­frie­den­heit des gut­bür­ger­li­chen Lebens… «)
  • Einer flog übers Kuckucks­nest
    (»Ein gan­zer Laden vol­ler Irrer – und der ein­zige, der noch alle Sinne bei­ein­an­der hat, der sagt nichts. Das erin­nert Sie an Ihren Arbeits­platz? Weit gefehlt. Der junge Jack Nichol­sen probt den Auf­stand in einer Ner­ven­heil­an­stalt mit einer kalt­her­zi­gen Schwes­ter an der Spitze.«)
  • Stirb an einem ande­ren Tag
  • Depar­ted – Unter Feinden
  • Ster­ben für Anfän­ger:
    (»… Eine fan­tas­ti­sche, bis­sige Komö­die aus Eng­land, die zeigt, dass Humor – und wenn es nur Sar­kas­mus ist – selbst die trau­rigs­ten Zei­ten ein biss­chen erträg­li­cher wer­den lässt.«)
  • Der Feind in mei­nem Bett
    (»… Es gibt ein Happy End! Das sollte es auch im wah­ren Leben viel öfter geben. Da aber gewinnt lei­der nicht immer das Gute.«)
  • Der Unter­gang
  • Stirb lang­sam
  • Jede Menge Kohle
    (»… Ich sag’ nur: »Es kommt der Tag, da will die Säge sägen!« Ich schätze, 120 Kol­le­gen wis­sen, was ich meine.«)
  • Dead man walking
  • Wir kön­nen auch anders
  • Das Expe­ri­ment

Und weil offen­bar auch kri­ti­sche Leser­briefe nicht ver­öf­fent­licht wur­den, nutzte der Ruhr­pott­kar­ne­val »Gei­er­abend« den Weg über eine Anzeige in der Rubrik »Grüße und Glück­wün­sche«, um den Abwick­lern von der WAZ noch einen mit­zu­ge­ben:

Mit den Grü­ßen gemeint sind WAZ-Eigentümerin Petra Grot­kamp, deren Schul­den durch die Schlie­ßung der WR schnel­ler abge­baut wer­den sol­len, und Geschäfts­füh­rer Chris­tian Nienhaus.