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Medienexperten unter sich

Eigentlich habe ich mir die „TV Movie” nur gekauft, um mich ein bisschen über meinen Freund, den „Medienexperten” Jo Groebel lustig zu machen. Groebel berät nämlich nicht nur „Regierungen, die UNO und die UNESCO” (sowie, vermutlich, Gott), sondern auch die Fernsehzeitschrift aus dem Bauer-Verlag, damit sie den Filmen die richtigen „Movie-Stars” gibt.

Als Mitglied des „TV-Movie-Filmrates” begleitet er „gezielt die Arbeit der Redaktion” und hat sie jetzt mit einer „Hintergrundinformation” versorgt, die die Zeitschrift naturgemäß gleich per Pressemitteilung verbreitet hat: Anscheinend gucken die jungen Leute heute weniger Fernsehnachrichten als früher! Wegen Internet!

Begierig nach weiteren atemberaubenden Erkenntnissen habe ich mir also die „TV Movie” gekauft. Und wenn man das „TV Movie”-Blog wäre, könnte man viel über den Unsinn schreiben, der da unter der Überschrift „Nachrichten in der Krise” zusammengerührt wird und sich als PR-Geschichte für RTL entpuppt. (Der beste Satz, stellt sich heraus, ist gar nicht von Groebel, sondern von Peter Kloeppel, der sagt: „Professioneller Nachrichtenjournalismus hat einen deutlichen Qualitätsvorsprung gegenüber Web-Diensten wie z.B. ‚Twitter’.”)

Aber es reicht, den Anfang zu lesen:

Und wenn Sie sich jetzt fragen, warum sich die „TV Movie” ausgerechnet den 16. Dezember 1992 als Beispieltag ausgesucht hat, gebe ich Ihnen gerne die Antwort: Am 16. Dezember 1992 lief die „Tagesschau” zufällig in der Halbzeitpause des Fußball-Länderspiels Brasilien – Deutschland.

Und wenn Sie sich (oder mich) jetzt noch fragen, ob es nichts Wichtigeres gäbe, über das man bloggen sollte, als den Nonsens einer des seriösen Journalismus unverdächtigen Zeitschrift wie „TV Movie”, gebe ich Ihnen Recht, die Schuld aber Jo Groebel.

— 25. März 2009, 19:13 — 45 Kommentare

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Kommentare:

  1. ich wurde gezwungen, diesen Kommentar zu schreiben

    — Versuchsobjekt — 25. März 2009, 19:23  #
  2. „Professioneller Nachrichtenjournalismus hat einen deutlichen Qualitätsvorsprung gegen Web-Diensten wie z.B. ‘Twitter’.”
    Epic.

    Lyf — 25. März 2009, 19:30  #
  3. @Lyf: Das fehlende „-über” nach „gegen” war allerdings mein Fehler beim Abtippen.

    Stefan Niggemeier — 25. März 2009, 19:34  #
  4. …gebe ich Ihnen Recht, die Schuld aber Jo Groebel.

    Köstlich ;)

    — Ben — 25. März 2009, 20:04  #
  5. „Professioneller Nachrichtenjournalismus hat einen deutlichen Qualitätsvorsprung gegenüber Web-Diensten wie z.B. ‘Twitter’.”

    Richtig so, Herr Kloeppel, die korrekte Hierarchie ist nämlich:

    professioneller Nachrichtenjournalismus > Micro-Blogging-Dienste wie Twitter > der Klatsch meiner Oma > mein Knochenorakel > das was RTL macht

    — JZ — 25. März 2009, 20:09  #
  6. Es mag Wichtigeres geben, aber allein der Inhalt der ersten Klammer hat mich zwei Minuten Tränen lachen lassen. Danke! (Und ein bisschen Dank auch an Jo Groebel.)

    — Tobias — 25. März 2009, 20:14  #
  7. na, aber wen finden wir denn da alles im „TV-Movie-Filmrat”?:

    den ballhaus, den petersen, den ferch, die „für geld mach ich alles (sogar den maschmeyer)” ferres…soviel geballte kompetenz, da ist herr groebel doch perfekt eingebettet, ach ja der schweiger redet da auch und herr vogel, puh!

    na, herr niggemeier schweigen sie fein still!

    — a. englisch — 25. März 2009, 20:39  #
  8. Ich finde das nicht gut, wie hier über Europas härteste Filmredaktion hergezogen wird.

    @2
    zuerst musste ich auch schmunzeln, aber es gibt da draußen wirklich Menschen (explizit zwei Pressesprecher mit denen ich gerade zu tun habe) die ernsthaft glauben Twitter wäre mehr als die persönlichen Ergüsse der „Twitterer” und behandeln den Dienst als ernstzunehmendes Business tool.

    JMK — 25. März 2009, 21:08  #
  9. @5 Danke für das herzliche Lachen meinerseits – in genau diese Richtung (sprich: RTL kann doch nur vom Hörensagen von professionellem Nachrichtenjournalismus wissen ^^) gingen auch meine ersten Gedanken. Wundervoll :)

    — Bernadette — 25. März 2009, 21:23  #
  10. > den Nonsens einer des seriösen Journalismus unverdächtigen Zeitschrift wie „TV Movie”

    Ganz großes Tennis, danke für den Schmunzler!

    René — 25. März 2009, 21:50  #
  11. Das Konzept TV Movie-Rat erinnert ein wenig an den Leserrat der BILD (gibt es den eigentlich noch?): Eher etwas, dass man dem Leser zeigen kann als ein wirklich exekutives Element. Insofern ist der Worthülsenlieferant Groebel eine konsequente Wahl.

    Sebastian S. — 25. März 2009, 22:57  #
  12. Ich lieg am Boden!! Einfach zu geil :D

    Raoul1UP — 25. März 2009, 23:06  #
  13. Herr Niggemeier, schämen Sie sich, ich hatte die Existenz dieser Zeitschrift schon längst verdrängt… :)

    K.P. — 25. März 2009, 23:16  #
  14. Bei ‚Knochenorakel’ lag ich bereits unterm Tisch.

    — Harald Eisenmann — 26. März 2009, 0:00  #
  15. Ob Groebel oder Kloeppel – vielleicht liegt’s am „oe” im Namen.

    Der Poestillon — 26. März 2009, 0:00  #
  16. Ihr Blog ist witzig wie nie. Gut so.

    — Alex — 26. März 2009, 0:52  #
  17. Die TV Movie gibts also tatsächlich noch? Der Kriese lässt sich aber auch nichts gutes abgewinnen :-(

    — Donnerhorst — 26. März 2009, 1:57  #
  18. War Groebel nicht auch derjenige, der in den 90ern herausfand, daß Filme genau dann spannend sind, wenn sie spannend sind?

    Tim — 26. März 2009, 7:31  #
  19. Is ja klar, dass die Tagesschau keiner mehr guckt. Ich zumindest guck mittlerweile die WIRKLICH WICHTIGEN Nachrichten… auf RTL2 XD

    — Miica — 26. März 2009, 9:13  #
  20. @8
    Das sind bestimmt die Leute, die vor zwei Jahren auch Second Life für „the big thing” gehalten haben…

    — Mathias — 26. März 2009, 9:25  #
  21. … nun muss man aber auch sagen, dass bei den Zitaten, die letztlich gedruckt werden, meist der schreibende Journalist seine Finger im Spiel hat. Ich werde häufig zu Berufsthemen interviewt und könnte mir so manches mal meinen vor Schamesröte angelaufenen Kopf gegen die Schreibtischplatte knallen: Wenn ich wieder mit einer völlig Banalität zitiert werde, weil etwas „mal eben verdichtet” wurde oder das Interessante der Aussage schlichtweg weggelassen wurde. Da steht dann ja auch dabei EXPERTE XY SAGT (obwohl derjenige sich selbst weder als Experte bezeichnet, noch das auch wirklich – oder: wirklich so – gesagt hat).

    — Gitte — 26. März 2009, 11:32  #
  22. Aber ich kauf mir ja die TV Movie auch nicht, wenn ich „seriösen Journalismus” will oder ne ernsthafte Analyse zum Medienverhalten junger Leute. Sondern wegen der Moviestars!:-)

    Claudia — 26. März 2009, 11:51  #
  23. Natürlich geht RTL als Gewinner hervor. Das ist Teil der „Charmoffensive,” ein Sammelsurium aus Pressemitteilungen, Studien und Umfragen, bei denen die Frage nach dem Ergebnis formuliert wird.
    Mein persönliches Highlight ist die Umfrage nach der Nachrichtenkompetenz. Dort ging – welche Wunder – RTL als privater Strahlemann auf. Das war jedoch vermutlich nur möglich, weil man die 14-29jährigen befragte. Diese Gruppe zeichnet sich dadurch aus, dass sie Fernsehen vergleichsweise wenig und wenn, dann unterhaltungsorientiert konsumiert.
    Soso. Die unterhaltungssüchtigen Wenigseher richten über ensthafte Informationsprogramme.
    Wissenschaftlich hat das natürlich keinen Wert, aber die unreflektierten Ergebnisse tingeln durch sämtliche Tagesblätter.
    (Zufall!)

    — Schreiberling — 26. März 2009, 11:57  #
  24. Das ist Meta-Meta-Nonsens. Sich als Qualitätsjournaille mit Nachrichtenkompetenz zu profilieren, indem man genau diesen vermissen lässt, aber eben unauffällig genug, damit die avisierte Zielgruppe es nicht merkt, ist schon extrem gewitzt. Und das dann in einem TV-Meta-Medium wie der TV Movie.

    RTL ist geil.

    Fred — 26. März 2009, 12:13  #
  25. apropos tv-zeitschriften: wisst ihr eigentlich, wofür das „tv” im titel steht?

    .~.

    — dot tilde dot — 26. März 2009, 12:14  #
  26. Tillmann-Volker?

    - Oliver

    Oliver — 26. März 2009, 13:06  #
  27. @25 – das muss ne fangfrage sein…

    — hobelmann — 26. März 2009, 13:08  #
  28. Tierisch vegan?

    — Olly — 26. März 2009, 13:32  #
  29. @8 und 20:
    Tatsächlich wird Twitter momentan gehypt wie vorn zwei Jahren Second Life. Damals war eine gut arbeitende PR-Agentur dahinter, und nahezu alle Redakteure haben das dann als DIE Notwendigkeit für Firmen und Menschen gehalten. Nachgedacht haben sie nicht.
    Bei Twitter scheint allerdings niemand dahinter zu stecken. Ein paar technikaffine junge Redakteure (wie der kleine Messias beim Handelsblatt) und neuerdings selbst ältere der FAZ machen die PR-Arbeit aus eigenem Antrieb und glauben allen Ernstes, dass Twitter ein Marketing- und Publikationskanal ist. Auch die Journalistenzeitschriften verbreiten diesen selbstgebastelten Schein-Trend. Twitter als Recherche-Medium! Naja, wenn man sonst kein Netzwerk von echten, interessanten Menschen hat, freut man sich eben auf Geplapper aus Twitter und 140 Zeichen lange Leserbriefe.
    Nächstes Jahr redet kein Mensch mehr über Twitter. Dann wird die nächste Technologie-Sau durchs Dorf getrieben. Hauptsache, man hat was zum Hypen. Dann muss man nicht weiter nachdenken, recherchieren oder gar eigene Themen finden.

    — Fressko — 26. März 2009, 13:55  #
  30. @ 15: Richtig das „oe” macht es ! Kein Fernsehmanöver ohne Prof.Dr Jo Groeoebel! Der weiß alles präzise zu analysieren………

    nichtexpertin — 26. März 2009, 14:00  #
  31. also ich kann das ganze rtl-bashing nicht ganz nachvollziehen. immerhin schafft es doch peter klöppel als ausgebildeter agrar-ingenieur das weltgeschehen – allen krisen zum trotz – blumig zu erklären. vielleicht wieder ein trend, den die ör-anstalten verpasst haben: ein forstwirtschaftler für die tagesschau, dann wird auch rtl wieder gezeigt, wo der hase langläuft…

    — jamesBlast — 26. März 2009, 15:31  #
  32. @ james

    und vllt. nimmt oliver pocher S i e dann gleich noch als kongenialen sparringspartner – selten so gelacht!

    zum glück, tut nämlich weh!

    — a. englisch — 26. März 2009, 15:41  #
  33. nein, das steht seit anbeginn für:

    ɟnɐɹpǝuɹoʌ uǝʇʇÄʇ

    .~.

    — dot tilde dot — 26. März 2009, 16:01  #
  34. oh, pardon. ein „i” muss der zweite buchstabe natürlich sein.

    .~.

    — dot tilde dot — 26. März 2009, 16:01  #
  35. @dot tilde dot:
    Tit for tät.

    — nona — 26. März 2009, 16:20  #
  36. Ich wüsste aber doch zu gerne, woher der Herr Niggemeier weiss, das die Tagesschau an diesem Abend ausgerechnet in der Halbzeitpause von Brasilien-Deutschland lief?
    Dass das Spiel an dem Tag stattfand kann man ja recherchieren, aber dass die ARD das übertragen hat und die Tagesschau in der Halbzeitpause kam, ist Wissen über das wir Normalsterblichen und Jo Groebel nicht verfügen können, das kann nur Herr Niggemeier . Oder stand das auch in dem Artikel?

    — Stefan (nicht Niggemeier) — 26. März 2009, 16:27  #
  37. Nein, das kann nur Herr Niggemeier. :-)

    Stefan Niggemeier — 26. März 2009, 16:35  #
  38. @15

    Noe.

    — Jörg Kachelmann — 26. März 2009, 16:37  #
  39. Ich hab’ Herrn Groebel gerade gesehen – diesmal als Ersatz für die alte Weischenberg. Er wusste genau, wie die Karriere von Frau Poth weiter gehen wird.

    Man kann als angerufener Experte antworten, man muss aber nicht.

    — Dierk — 26. März 2009, 18:00  #
  40. Es gibt sicher Wichtigeres … aber es ist so grandios amüsant … merci

    — Christian — 27. März 2009, 0:33  #
  41. Ohhh….- ho – ho, ho:
    Ro – ma – rio!

    Samba! Sommerzeit naht. Es wird warm.

    Ohhh….- ho – ho, ho:
    Ro – ma – rio!

    Ja – ich beruhig mich gleich wieder – oh, ho, ho, ho …

    Stefan W. — 27. März 2009, 2:24  #
  42. Die Medien zaubern für alles einen Experten aus dem Hut:

    - Herrn Benecke bei Kriminalistik
    - Herrn Thiele in Talkshows
    - Frau Weyschendingens bei Prominenten

    Es muss halt die wissende Instanz geben, die uns armseligen Volksböbel mit offenem Mund vor dem TV sitzend aufklärt und der Dummheit entreißt…

    — Darian van Dark — 27. März 2009, 9:03  #
  43. „Die Medien zaubern für alles einen Experten aus dem Hut:”
    Und wenn ZAPP was über BILD macht…. ja dann klingelt bei Herrn Niggemeier das Telefon.

    — Schreiberling — 27. März 2009, 11:49  #
  44. [...] Kloeppel, RTL-Anchorman im Interview mit TV Movie // via stefan-niggemeier.de If nothing else, the hullabaloo over Michelle Obama’s occasionally sleeveless attire, which [...]

    Worte zum Wochenende « Real Virtuality — 27. März 2009, 13:03  #
  45. Das war wieder mal ein Highlight. „Ins Gröbeln kommen” find ich grandios.

    Der Kommentatorenrat der härtesten Blogseite vergibt da glatt fünf Sterne. :-)

    tok — 27. März 2009, 16:38  #

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