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der spuk ist vorbei

ich könnte jetzt viel schreiben darüber, wie erstaunt ich war, dass das letzte tabu in diesem land offenbar nichts mit sex, gewalt oder drogen zu tun hat, sondern mit kleinschreibung. mach ich aber nicht.

 
— 9. Mai 2007, 12:16 — Kommentare deaktiviert

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Ex-9Live-Mitarbeiter packen aus

Das ARD-Wirtschaftsmagazin »Plusminus« hat zwei ehemalige 9Live-Mitarbeiter aufgetan, die über ihre Arbeit beim »Vorreiter für transparentes, chancengleiches und faires Call TV« gesprochen haben.

Beide sprachen über die offensichtliche Praktik der Call-TV-Sender, nicht den Zufall entscheiden zu lassen, wann ein Kandidat durchgestellt wird, sondern das willkürlich selbst zu bestimen:

Plusminus: Wenn ich bei Neun Live anrufe während eines Hot Button-Spiels. Wovon hängt es denn ab, wann der Hot Button zuschlägt?

Ehemaliger Moderator: Vom Redakteur selber. Der Redakteur selber entscheidet, wann der Hot Button zuschlägt. Wenn der Redakteur der Meinung ist auf Grund der gegebenen Umstände, das passt jetzt, das ist okay jetzt, jetzt kann ich einen reinlassen, dann entscheidet der Redakteur und lässt einen Anrufer durchstellen.

Ehemalige Redakteurin: Wenn man als Anfängerredakteur da oben sitzt und man möchte spontan, weil gerade so viele Leute anrufen jemanden vom Call Center durchstellen lassen, dann steht immer ein erfahrener Redakteur hinter einem und sagt: »Bist du blöd. Mach das nicht. Lass die kommen. So lange wie das steigt, jeden mitnehmen.« Das heißt: Alle, die gerade anrufen, betrügt man um ihr Glück, und erst wenn sie das Interesse verlieren, schaltet man einen rein.

Die ehemalige 9Live-Frau behauptet, es gebe auch andere Formen von Betrug:

Ehemalige Redakteurin: Fingierte Anrufe wurden schon mal eingesetzt, wenn so gar keiner angerufen hat und man wirklich ein paar Minuten mit einem leeren Peak da saß, dann wurde der Hot Button einfach per Sound eingespielt und der Moderator hat dann gesagt: Ups, da hat wohl wieder jemand aufgelegt. In Wirklichkeit hat aber niemand angerufen.

Plusminus: Und das haben Sie auch so gemacht?

Ehemalige Redakteurin: Ja, das habe ich auch gemacht.


Link: sevenload.com

Dank an Marc Doehler!

 
— 8. Mai 2007, 22:07 — 49 Kommentare

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Video des Grauens

»Grausige Bluttat in Sülz — ein Vater brachte wohl seinen Sohn um, sägte ihm den Kopf ab! Hier das erste Video vom Tatort!«

Für exklusive, unkommentierte Aufnahmen von ein– und ausparkenden Fahrzeugen in der Nähe des Tatorts schalten wir nun live zu Express-TV-aktuell.

[via Torsten Kleinz]

 
— 8. Mai 2007, 10:35 — 34 Kommentare

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Netzeitungs-Reklamationen

Ich finde, die beiden Chefredakteure der »Netzeitung« (NZ) sollten viel häufiger Interviews geben. Schon das von Michael Angele vor sechs Wochen bei onlinejournalismus.de hatte legendäre Momente. Zum Beispiel diesen:

»›Vor Ort recherchiert‹ heißt bei uns [neben der Recherche am PC] primär: Telefonieren, telefonieren, telefonieren — wir machen ja sehr viele Interviews –, heißt, schauen, schauen, schauen (TV) und lesen, lesen, lesen (alles, was uns in die Finger kommt).

Oder die Stelle, als Angele gefragt wird, warum die »Netzeitung« ihre Besucherzahlen nicht von der IVW messen lässt, wie es Standard ist in Deutschland:

»Das ist eine Entscheidung der Geschäftsführung. Es steht mir nicht an, sie hier zu kommentieren.«

Jetzt sprach die »taz« mit der NZ-Chefredaktion und brachte folgende Geschichte mit:

Matthias Ehlert atmet tief durch. Die Frage war, wozu es seine »Netzeitung« eigentlich braucht. Ein Standardanfang für ein Interview, einer, bei dem Chefredakteure erst einmal frei über ihre Wünsche und Visionen reden können. Doch Ehlert muss überlegen. Er sitzt im blauen Couchsessel seines Büros nahe der Berliner Friedrichstraße. Vor dem Fenster im zweiten Stock ruckelt alle paar Minuten die S-Bahn vorbei. Währenddessen überlegt Ehlert weiter. Auf dem Tonband sammelt sich eine halbe Minute Stille an, dann hat der 40-Jährige eine Antwort gefunden: »Nachrichten schlägt jeder um. Für mich gilt daher das Kioskprinzip. Es ist eine emotionale Entscheidung, welche Internetseite ich ansurfe.«

Hach. Die beiden scheinen ja noch euphorisierter und euphorisierender zu sein als ihre beiden Porträt-Fotos vermuten lassen.

Die »taz« hat auch nach der Rubrik »Marktplatz« gefragt, die hier kürzlich ein Thema war, weil sie so schön auch direkt neben dem »redaktionellen Kodex« steht, gegen den sie verstößt. Während NZ-Chef Michael Angele hier sagte, der redaktionelle Kodex sollte »rasch überarbeitet werden«, zäumt NZ-Chef Matthias Ehlert in der »taz« das Pferd von der anderen Seite auf und nennt den Marktplatz »eine Unsauberkeit, die wir demnächst lösen wollen«. (Man sieht, wie clever die Entscheidung ist, sich auch als finanziell schwachbrüstiges Unternehmen zwei Chefredakteure zu leisten.)

Inzwischen hat die »Netzeitung« eine neue Form nicht gekennzeichneter Werbung akquiriert. Zwischen dem Kopf und den Artikeln liegt eine Art Menuleisten-Imitation von Microsoft Office:

Wenn man mit der Maus darüberfährt, klappt sie sich aus und zeigt anhand der redaktionellen Artikel darunter, wie leicht sich mit dem aktuellen MS Word Texte formatieren lassen:

Toll, oder?

Nachzutragen wäre noch, dass die NZ den zusammengestümperten Artikel über Second Life unauffällig nachbearbeitet hat: Fehler wurden korrigiert, schwierige Stellen gestrichen. Dagegen scheinen N24.de und sat1.de nun dauerhaft mit der grottigen Originalversion leben zu müssen, die ihnen die »Netzeitung« geliefert hat. Vielleicht sind NZ-Artikel vom Umtausch ausgeschlossen.

 
— 8. Mai 2007, 0:34 — 23 Kommentare

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hier wird kleinschreibung noch klein geschrieben

nach der großen resonanz während des blogsittings habe ich mich entschlossen, an der lesbarkeit dieses blogs zu arbeiten.

 
— 7. Mai 2007, 19:57 — 92 Kommentare

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