„GQ“ und Adrien Brody wissen, wie wichtig es ist, integer zu sein

25 Nov 14
25. November 2014

„Stil“, sagt Adrien Brody, „wird für mich nicht dadurch definiert, dass man gepflegt ist oder einen guten Anzug trägt. Es geht vor allem darum, Respekt zu haben.“

Der Schauspieler Adrien Brody ist für die Männer-mit-Anspruch-Zeitschrift „GQ“ einer der „Männer des Jahres 2014″. Er schmückt ihren aktuellen Titel und hat sich sechs Stunden lang für das Magazin in Brooklyn fotografieren lassen — in Louis Vuitton, in Dolce & Gabbana, in Hermès und in einem Golf GTI:

New York ist laut, hektisch, wild. Doch im Inneren eines GTI auch ruhig, sicher und sehr entspannt.

Innere Sicherheit
New York ist laut, hektisch, wild. Doch im Inneren eines GTI auch ruhig, sicher und sehr entspannt.

Brody ist nicht allein zum Shooting gekommen. Er hat, wie schon der Vorspann verrät, einen Kaffee mitgebracht. Und ein Auto.

So unkonventionell wie die Stadt, ist auch Adrien Brody. Mit Golf GTI und Kaffee kommt der Oscarpreisträger zum Shooting. Eine ungewohnte Rolle, aber eine, die passt.

Es muss jetzt aber nicht unbedingt immer ein GTI sein. Ein anderer VW tut es auch. Brooklyn steht ja auch voll davon.

Keine Limousine, bitte. Brody ist in New York am liebsten mit einem GTI oder einem Beetle unterwegs.

City Rider
Keine Limousine, bitte. Brody ist in New York am liebsten mit einem GTI oder einem Beetle unterwegs.

Geprägt wurde Brody übrigens von niemandem so sehr wie von seinem Vater. Der ist ein „Gentleman“, „steht gerade für das, was er sagt und tut“. Von ihm hat er gelernt, sich so zu benehmen, wie er es von anderen erwartet, sagt Brody. Und anscheinend nicht nur das:

Elliot Brody, ein Erz-New-Yorker und überzeugter Golf-GTI-Fahrer, besuchte seinen Filius am GQ-Set.

Daddy & Cool
Elliot Brody, ein Erz-New-Yorker und überzeugter Golf-GTI-Fahrer, besuchte seinen Filius am GQ-Set.

„Manche der Attribute, die dem Gentleman zugeschrieben werden, gelten als altmodisch, was großer Quatsch ist“, sagt Adrien Brody im Interview mit „Gentlemen’s Quarterly“. „Wichtig ist, dass man als Mann aufrichtig ist in dem, was man tut. Integer zu sein, sich ehrenhaft zu verhalten, zu seinem Wort zu stehen: Das sind Dinge, die uns nicht nur als Männer, sondern überhaupt als Menschen definieren. Das ist doch nicht altmodisch.“

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Super-Symbolbilder: „Putin, einsam und verlassen“

16 Nov 14
16. November 2014

Gestern, 20 Uhr, die „Tagesschau“ berichtet vom G20-Gipfel in Brisbane. Der Korrespondent sagt:

„Beim Barbecue am Mittag, wie symbolisch, Putin, einsam und verlassen.“

Und zeigt, Tatsache:

Ein Blick ins Ausgangs-Material von Reuters verrät allerdings, dass Putin gar nicht alleine am Tisch sitzt. Links am Tisch, na sowas: Dilma Rousseff, die Präsidentin Brasiliens.

Dafür sieht es bei Reuters so aus, als ob Shinzō Abe, der japanische Regierungschef, ganz schön einsam und verlassen da vor sich hinsitzen muss.

Und… oh, Obama?

Merke: Man sieht, was man will.

Und: Sie lernen nichts.

[via Moritz Gathmann]

Nachtrag, 17. November. ARD-Chefredakteur Kai Gniffke hat sich zu einer Art Antwort herabgelassen.

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Steinmeier beklagt „erstaunliche Homogenität“ und „Konformitätsdruck“ in Medien

15 Nov 14
15. November 2014

Frank-Walter Steinmeier hat auf den Lead-Awards gestern in Hamburg eine Rede über den Zustand des Journalismus in Deutschland und die Glaubwürdigkeitskrise deutscher Medien gehalten, die ich für außerordentlich hellsichtig halte. Der deutsche Außenminister sagte:

(…) Medienbashing ist in diesen Tagen zu einer Art Trendsportart geworden. Wer über verlogene, korrupte oder gemeine Journalisten schimpft, verkauft viele Bücher. Wenn dagegen ein Korrespondent in Krisengebieten falsch recherchiert oder ein Kommentator eine unpopuläre These zuspitzt, kann er sich auf Beschimpfungen und Verschwörungstheorien in den sozialen Medien gefasst machen. (…)

Was sind die Ursachen der Glaubwürdigkeitskrise? Die einfachste Erklärung wäre: Der Leser ist schuld, der ist halt dumm und frech. Der kapiert nicht, wie gut die Zeitungen sind. Aber mit dem Leser ist es wie mit dem Wähler. Man kann sich über ihn ärgern, aber man sollte ihn nicht ignorieren und am besten sehr ernst nehmen.

Die zweite Möglichkeit: Die Umstände sind schuld. Das wäre in diesem Fall mal wieder das Internet. Es hat der Individualisierung unserer Gesellschaft einen zusätzlichen Schub gegeben. Engagierte Leser finden im Netz persönliche Informationskanäle, und sie können selbst Informationen und Meinungen produzieren, ohne Redaktion und Druckerpresse, einfach zu Hause per Computer und W-Lan. Damit hätte das Internet das Entstehen einer „fünften Gewalt“ begünstigt: des Publikums. (…) Die Leser schauen der vierten Gewalt der Medien bei der Arbeit über die Schulter und klopfen ihr manchmal feste auf die Finger.

Es gibt aber auch eine dritte mögliche Ursache für das Misstrauen: Vielleicht waren sich die Journalisten einfach ihres Deutungsmonopols zu sicher. Vielleicht haben sie ihr Herrschaftswissen zu lange vor sich her getragen und nicht gemerkt, welche neue Form von Öffentlichkeit das Internet entstehen ließ. Vielleicht aber auch haben die täglichen Abrechnungen mit dummen, ignoranten Politikern in den Zeitungen das Interesse der Leser an Politik beeinflusst — und am politischen Journalismus. (…)

Vielfalt ist einer der Schlüssel für die Akzeptanz von Medien. Die Leser müssen das Gefühl haben, dass sie nicht einer einzelnen Meinung ausgesetzt sind. Reicht die Vielfalt in Deutschland aus? Wenn ich morgens manchmal durch den Pressespiegel meines Hauses blättere, habe ich das Gefühl: Der Meinungskorridor war schon mal breiter. Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen. Der Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten scheint mir ziemlich hoch.

Das Meinungsspektrum draußen im Lande ist oft erheblich breiter. Wie viele Redakteure wollen Steuersenkungen, Auslandseinsätze, Sanktionen? Und wie viele Leser? Journalisten müssen nicht dem Leser nach dem Munde schreiben, genauso wenig, wie wir Politiker nur auf Umfragen starren sollten. Aber Politiker und Journalisten gleichermaßen sollten die Bedürfnisse ihrer Leser und Wähler nicht dauerhaft außer Acht lassen. (…)

Die „FAZ“ dokumentiert die Rede heute in ihrer gedruckten Ausgabe und im E-Paper.

Nachtrag, 15:30 Uhr. Die vollständige Rede kann man jetzt auch auf der Seite des Auswärtigen Amts nachlesen.

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Programmhinweis (46)

14 Nov 14
14. November 2014

Morgen Vormittag bin ich zu Gast bei der Hörer-Diskussionssendung „Funkhaus Wallrafplatz“ auf WDR 5. „Eine Frage des Vertrauens: Warum stehen die Medien unter Generalverdacht?“, hat die Redaktion das Thema genannt. Als Vertreterin des WDR ist die Hörfunk-Chefredakteurin Angelica Netz dabei.

Ich traue mich angesichts der knapp 400 Kommentare hier kaum zu fragen, aber: Was ist Ihre Antwort? Und was wären Punkte, die speziell den WDR betreffen?

Nachtrag, 15. November. Hier kann man die Sendung nachhören.

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Experten erwarten mehr Ebola-Panikfälle in Deutschland (2)

von Boris Rosenkranz
12 Nov 14
12. November 2014

Froben Homburger, der Nachrichtenchef der Deutschen Presse-Agentur (dpa), hat sich gemeldet, weil ich hier kürzlich über dpa geschrieben habe, was Homburger, nun ja: nicht so richtig gut fand. Er findet sogar, dass es sich um eine „mutwillig selektive Darstellung“ handelt, ferner diagnostizierte er eine „fährlässige selektive Wahrnehmung“, was natürlich nicht schön ist, aber auch nicht schlimm. Ich will die Gelegenheit jedenfalls nutzen, ihm hier zu antworten.

In Homburgers Wahrnehmung hat dpa „völlig korrekt“ und „weit von jeder Panikmache entfernt“ berichtet. Als Beleg dienen Homburger dafür Passagen des Nachrichtentextes, aus dem ich ja auch schon zitiert hatte. Dort steht, dass die Ebola-Gefahr hierzulande gering sei, weshalb man Homburger also zustimmen muss: Das ist keine Panikmache. Allerdings ging es darum auch nicht. Es ging um die Überschrift und die Frage, wieso dpa dort nicht reinpackt, dass es „sehr unwahrscheinlich“ ist, dass sich Ebola hierzulande ausbreitet, sondern das hier:

Focus.de Screenshot dpa-Meldung 10.11.20144

Homburger sagt dazu, dass es eben nicht die „Hauptneuigkeit“ gewesen sei, dass „die Experten ‚nach wie vor‘ eine Ausbreitung von Ebola in Deutschland ausschließen“, das täten sie schon seit Monaten, „und das hat dpa auch schon dutzendfach berichtet.“ Das Neue sei gewesen, dass mehr Verdachtsfälle erwartet würden, deshalb habe dpa das gemeldet, und das kann man natürlich so sehen. Doch neu war allenfalls, dass nun auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sagt, dass einzelne Verdachtsfälle möglich sind, was aber ein „sehr seltenes Ereignis“ sein werde, wenn überhaupt. Ganz schön dünn, finde ich. Außerdem war diese Prognose bei der Pressekonferenz eher eine Randnotiz. Und neu ist sie auch nicht. Zwei Tage zuvor hatte dpa schon gemeldet:

Tropen-Mediziner: Ebola-Verdachtsfälle kommen im Dezember

Da stand quasi schon alles drin, sogar konkreter. Nach der vermeintlichen Tatsache in der Überschrift heißt es im Text, nun im Konjunktiv: „Schon in wenigen Wochen“ könnten „mehr Ebola-Verdachtsfälle in Deutschland gemeldet werden als bisher.“ Das hatte der Würzburger Professor August Stich so behauptet und auch gleich, ohne Konjunktiv, angekündigt, wie sich diese Verdachtsfälle auswirken werden:

„Im Dezember wird es losgehen, dass sich die Zahl von Ebola-Verdachtsfällen in der Republik häufen wird. Und damit wird unser ganzes Gesundheitssystem ziemlich angespannt werden.“

Die Meldung lief beachtlich gut, was aber auch kein Wunder ist bei dem Szenario, das sich nicht nach Einzelfällen anhörte, sondern nach einem Haufen, der unser Gesundheitssytem angreift: „Hunderte deutsche Helfer“ würden aus Westafrika heimkehren, sagte Stich. Und er beschrieb via dpa, welche Gefahren das mit sich bringe, und dass jeder Heimkehrer mit erhöhter Temperatur „oder anderen Symptomen“ überprüft werden müsse, was bisher ja schon nicht gut laufe:

„Was ich jetzt erlebt habe, ist wirklich Panik, wenn jemand mit Durchfall aus Afrika zurückkommt.“

In der Tat. Von dieser Panik berichten Helfer oder auch Journalisten, etwa die „Zeit“-Reporterin Amrai Coen. Die Rückkehrer werden gemieden wie Aussätzige, seit sie wieder da sind aus Afrika. Sie sollen den Aufzug meiden, die Toilette desinfizieren, und nicht nur Kollegen, auch Freunde machen aus Angst einen Bogen um sie. Dabei ist die Sorge unbegründet. Ebola ist ansteckend, wenn die Krankheit ausgebrochen ist, vorher nicht. Doch selbst in intellektuellen Kreisen macht man sich hierzulande ins Hemd, wenn es um Ebola geht, und ich fürchte, dass diese Panik durch immer neue konjunktivische Meldungen eher noch schlimmer wird.

Zumal man über den Nachrichtenwert bisweilen streiten kann: Ist es wichtig, dass alle wissen, dass bald möglicherweise einzelne Personen mit Verdacht auf Ebola zum Arzt gehen werden, sie aber lediglich eine Grippe haben? Oder ist das nicht vor allem für Ärzte, Polizisten oder Rettungssanitäter wichtig, die von behördlicher Seite ohnehin vorbereitet werden? Auf der Pressekonferenz der BBK ging es hauptsächlich darum, dass alles gut ist und alles gut vorbereitet. Keine Sorge. Das war die Kernbotschaft. Aber nun bleibt, denke ich, eher hängen, dass da welche nach Deutschland kommen, die möglicherweise dieses Ebola haben.

Es geht nicht darum, dpa in die Nähe der dumpf grölenden Deppen-Panik eines Blattes wie „Bild“ zu rücken. So schlimm ist es nun wirklich nicht. Es geht darum, zu überlegen, was Schlagzeilen bewirken können. Man muss nur mal schauen, was aus der ersten dpa-Meldung zu den vermuteten Verdachtsfällen so geworden ist:

Screenshot T-Online 9.11.2014

Screenshot NWZ Online 10.11.2014

Screenshot Main Post 9.11.2014

Screenshot Foto Stern 8.11.2014

Screenshot N24 8.11.2014

Beim letzten Beispiel aus dem Stefanaustereigniskanal N24 stimmt dann gar nichts mehr: „Neue Ebola-Fälle“ – als hätte es hier je welche gegeben! In Kombination mit der Überschrift und dem Foto muss das zwangsläufig so ankommen, als sollte man sich vielleicht schon mal schutzkleiden. Die Rückkehrer aus Westafrika können sich also auf einen herzlichen Empfang einstellen.

Natürlich ist das abermals selektiv ausgewählt und gemein, weil dpa ja nichts dafür kann, was aus einer Meldung in den Redaktionen gemacht wird. Aber vielleicht ist der Blick darauf trotzdem ganz hilfreich. August Stich jedenfalls, der Professor, ist nicht so begeistert von dem, was aus seinen dpa-Aussagen in anderen Medien wurde. Er sei „nicht korrekt wiedergegeben worden“, sagt er nun. Die verkürzten Überschriften sorgten für „Unruhe und Panik“, wobei man vielleicht richtiger sagen sollte, dass verkürzte Überschriften für noch mehr Panik und noch mehr Unruhe sorgen, denn das Szenario, das Stich via dpa entwirft, ist ja an sich schon ganz knackig. Aber eben unwahrscheinlich.

Und deshalb habe ich das Gefühl, dass von all den „Hauptneuigkeiten“ bloß ein Haufen unbegründeter Angst übrig bleibt.

Nachtrag 13.11.2014. dpa-Nachrichtenchef Homburger widerspricht nochmal.

Nachtrag, 13.11.2014, 20:16 Uhr. Auch hier eine Korrektur: Ich schrieb, das BBK halte „einzelne Verdachtsfälle“ für möglich. Korrekt ist: Das BBK hält es für möglich, dass man es in Deutschland „allenfalls mit Einzelfällen“ von Ebola–Erkrankungen zu tun haben wird. Und dass man sich in den nächsten Monaten auf eine Zunahme von Verdachtsfällen einstellen müsse. Aber nicht schlimm, weil: Alles gut vorbereitet. Eine Ausbreitung hierzulande halten die Behörden für nahezu ausgeschlossen. Über diese Szenarien hat das BBK auf der Pressekonferenz gesprochen, auch gleich zu Beginn. Falsch ist sie also nicht, die Überschrift der dpa-Meldung. Eine andere halte ich trotzdem noch für möglich.

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