Das ist ja ne schöne Idee. Ich bin gespannt.
Strikt fröhlichkeitsaffin
Es ist traurig, wenn Zeitschriften sterben.
Noch trauriger ist es, wenn sie nicht ganz sterben, sondern als Untote irgendwo zwischen Leben und Tod herumgeistern. Das Medienmagazin »V.i.S.d.P.« ist so ein Zombie. Er spukt seit vier Wochen nur noch als pdf-Magazin im Internet herum, und das Elend beginnt schon damit, dass man das irgendwie noch als Vorteil verkaufen muss:
Liebe Leser,
ab sofort sind wir schneller und aktueller, bleiben aber strikt fröhlichkeitsaffin.
Und wenn Sie sich nun fragen, was das in der Praxis bedeutet, empfehlen wir dieses beispielhafte Interview. Und insbesondere den entspannten, gut gelaunten Kommentar des »V.i.S.d.P.«-Humorbeauftragten.
täglichpress
Ich habe von der Firma »X-Ray Personal Media Digest GmbH« heute zum ersten Mal gehört. Und vermutlich sollte ich mir eigentlich kein Urteil erlauben, wenn ich nicht einmal weiß, was genau ein »vorstandsfähiger Medienspiegel« ist, den sie anbietet. Aber ich bin ein bisschen skeptisch bei Firmen, die einerseits vom Umgang mit Sprache leben und andererseits in ihrer Selbstdarstellung in einem Satz gleich drei Metaphern miteinander verquirlen:
»X-RAY wertet mit Röntgenblick die Informationsfülle aus und verdichtet die relevanten Informationen zu einer Essenz, welche maßgeschneidert für Sie zur Verfügung gestellt wird.«
Neuerdings bietet diese Firma zusammen mit dem Branchendienst »kress report« ihre maßgeschneiderte Röntgen-Essenz auch in Form von »täglichpress« an, einer täglichen »Presseschau der Medienbranche« an, in der »tagesaktuelle Pressemeldungen auf den …
Jungbrunnen B. Kerner
Johannes B. Kerner tut in dem erstaunlichen Gespräch mit der »Zeit«, als sei er eine Art Jungbrunnen für das veralterte ZDF:
Die Rezipienten von Fernsehwerbung sind ja hauptsächlich jüngere Leute, ein Publikum, das sich traditionell beim ZDF nicht gerade zuhauf versammelt. (…) Es gibt die Theorie: Solange unsere Moderatoren für Werbung interessant sind, sind sie das auch für ein jüngeres Fernsehpublikum. Und auf mich kommen Kids zu, die sagen: »Der Bonaqa-Spot, echt cool, ey!« Insofern kann man durch Werbung auch neues Publikum finden.
Kann man vielleicht, Kerner gelingt dies aber kaum. Im September hatte das ZDF bei den 14– bis 49-jährigen Zuschauern einen einigermaßen erschütternden Marktanteil von 6,8 Prozent. Und Kerners tägliche Talkshow? 7,6 Prozent. Und das auch nur, weil am …
Googeln als erste Journalistenpflicht
Weil so oft darüber geschimpft wird, dass Journalisten immer häufiger Googeln mit Recherchieren verwechseln — schön wär’s ja schon, wenn die Journalisten überhaupt googeln würden, bevor sie schreiben.
Die Kollegin, die für »Die Welt« einen Artikel aus der »Frankfurter Rundschau« wiederverwerten musste, hätte dann vielleicht gemerkt, dass die einzigen sinnvollen Treffer für die Suche nach »Rob Mobile« die sind, die offenbar ebenfalls den Artikel aus der »Frankfurter Rundschau« zur Grundlage hatten. Der Klingeltonanbieter, der den geschmacklosen »Natascha im Keller«-Ton anbot, heißt nämlich nicht »Rob Mobile«, wie die »FR« einmal versehentlich schreibt, sondern »Bob Mobile«. (Und er hat keinen »rülpsenden Frosch« im Angebot, wie die »Welt« improvisierte, sondern »rülpsende Kröten«, aber vielleicht ist das auch egal.)
Ich weiß schon: Für solche …
