Dr. Frank Huber, Internetunternehmer

Weiß eigent­lich irgend­je­mand, was Dr. Frank Huber, der berühmte »Internet-Pionier der ers­ten Stunde«, der quasi eBay und Craigs­list erfun­den hat, heute tat­säch­lich macht?

Okay, im Juli 2006 hat er das Inter­net­por­tal first.info »erfolg­reich gelauncht«, jenes »deutsch­spra­chige Por­tal für inno­va­tive, hoch­wer­tige Gebrauchs­gü­ter und Dienst­leis­tun­gen«, in dem »anspruchs­vol­ler und qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger Con­tent in acht Chan­nels für die Ziel­gruppe spe­zi­fisch auf­be­rei­tet und tages­ak­tu­ell in einem anspre­chen­den Design prä­sen­tiert« wird.

Tages­ak­tu­ell, soso. Die Songs, Filme und Bücher »der Woche«, die auf der Start­seite von first.info ange­prie­sen wer­den, sind seit nun­mehr 21 Wochen unver­än­dert:

Und in den zen­tra­len Rubri­ken »Liebe zum Detail«, »Krea­ti­vi­tät« und »Know-How« ist in den ver­gan­ge­nen fast fünf Mona­ten kein ein­zi­ger Bei­trag hin­zu­ge­kom­men. Sie sind unver­än­dert gegen­über dem Screen­shot, der Teil einer Pres­se­mit­tei­lung war, mit der der »erfolg­rei­che Launch« von first.info bekannt­ge­ge­ben wurde:

In der Sei­ten­na­vi­ga­tion lässt sich seit damals immer­hin eine Aktua­li­sie­rung­rate von 20 Pro­zent aus­ma­chen:

Und der Auf­ma­cher sieht tat­säch­lich völ­lig anders aus. Beim genauen Hin­se­hen stellt sich aber her­aus, dass die »Design-Gartenmöbel« nur mit den »bes­ten Bild­bän­den« den Platz getauscht haben:

Die Gartenmöbel-Geschichte ist auch das neu­este »Top-Thema« auf first.info. Sie stammt vom 16. März 2006, war also schon beim »erfolg­rei­chen Launch« des Inter­net­por­tals vier Monate alt. Nun muss sie aber nur noch wenige Wochen durch­hal­ten, bis immer­hin der Artikel-Einstieg wie­der aktu­ell klingt:

»Wenn sich im Früh­jahr so lang­sam die ers­ten Son­nen­strah­len bli­cken las­sen beginnt auch die Sai­son für Gar­ten­mö­bel und Co. …«

Eine ein­zige andere Seite ver­weist aktu­ell laut Google auf das Erfolgs-Portal von Dr. Frank Huber: diese hier. first.info hat einen Google-PageRank von 0.

first.info ist nur die Simu­la­tion eines Inter­net­por­tals und war schon zum Zeit­punkt des »erfolg­rei­chen Laun­ches« eine Attrappe. Was also macht, was kann Dr. Frank Huber?

PS: Er nennt sich »Blog Shoo­ting Star« und belegt das mit der Formulierung:

»wahr­schein­lich höchs­ter Neu­ein­stei­ger in die deut­schen Blogcharts«

»Wahr­schein­lich« ist gut. Sein »Media Blog« ist nicht in die »deut­schen Blog­charts« gekom­men. Nein, nie.

Wiederholungstäter II

Jede Wette: Noch in zehn Jah­ren wer­den sich Jour­na­lis­ten in ver­meint­lich wich­ti­gen Tages­zei­tun­gen über die Bedeu­tungs­lo­sig­keit der deut­schen Blo­go­sphäre mokie­ren und dar­auf hin­wei­sen, dass man es »schon mit 450 Zugrif­fen im Monat« in die Top100 schaffe.

Nach der »Frank­fur­ter Rund­schau« ver­brei­tet nun auch die »Süd­deut­sche Zei­tung« bzw. jetzt.de diese Mär, und auf Nach­frage ant­wor­tet der Autor süffisant:

Zum bes­se­ren Verständnis:

Die Infor­ma­tion, dass man mit »450 Zugrif­fen schon in die Top100 kommt« ist dem Buch »Web­logs« von Jan Schmidt ent­nom­men (2006), einer der ers­ten wis­sen­schaft­li­chen Stu­dien (kein Marketing-Pamphlet oder Selbst­aus­kunft von Blog-Betreibern) in Deutsch­land über die von uns allen doch so sehr geschätzte Blogosphäre.

Erfah­rungs­ge­mäß kann es sich jetzt nur noch um Wochen han­deln, bis der Autor merkt, dass zwar die Zahl stimmt, aber die Zeit­ein­heit nicht: Er hat Monate mit Tagen verwechselt.

Aber dann hat bestimmt längst der nächste Kol­lege die fal­sche Zahl abgeschrieben.

(via Sherpa)

Wie nun auch Welt.de erfahren hat…

Die »Online-Offensive« der »Welt« rollt wei­ter. Ohne die Zau­ber­worte »nach WELT.de-Informationen« geht dem­nächst gerade noch der Wet­ter­be­richt raus, wenn überhaupt.

Die heu­tige Exklu­siv­mel­dung betrifft das Deba­kel um Stu­diVZ und geht so:

»Und nach WELT.de-Informationen ist Ehs­san Dariani inzwi­schen von der exter­nen Kom­mu­ni­ka­tion entbunden.«

Toll. Fünf Tage haben diese Infor­ma­tio­nen nur gebraucht, um von Falk-Lüke-Informationen zu Welt.de-Informationen zu wer­den. Bei Falk konnte man näm­lich schon am ver­gan­ge­nen Sonn­tag lesen:

»…der Jung­un­ter­neh­mer Dariani ist von sei­nen Geschäfts­part­nern kalt­ge­stellt wor­den, ›von der Außen­kom­mu­ni­ka­tion ent­bun­den‹ heißt es in Firmenkreisen.«

Und jetzt alle zusam­men: »ON-LINE-FIRST! ON-LINE-FIRST!«

Wie »V.i.S.d.P.« Journalismus definiert

Anfang des Jah­res gab es eine sehr frucht­lose Dis­kus­sion um die For­de­rung des »Netz­werks Recher­che«, Jour­na­lis­ten soll­ten keine PR machen. Vor allem das Medi­en­ma­ga­zin »V.i.S.d.P.« warf dem Netz­werk vor, ein eli­tä­res, rea­li­täts­fer­nes, über­kom­me­nes Berufs­bild vom Jour­na­lis­ten zu haben.

Was »V.i.S.d.P.« dage­gen unter Jour­na­lis­mus ver­steht, kann man ganz gut daran erken­nen, wen die Zeit­schrift (inzwi­schen zum PDF-Magazin geschrumpft) für ihren »Journalisten«-Preis »Der Gol­dene Pro­me­theus« vor­ge­schla­gen hat. Zum Beispiel:

»TV-Journalist des Jah­res«: u.a. Sönke Wort­mann (für »Deutsch­land. Ein Som­mer­mär­chen«) und Bar­bara Elig­mann (für die Mode­ra­tion der Sen­dung »Zuhause sind die Teu­fel los«, in der sie »humor­voll und ein­fühl­sam mit Kin­dern Gaga-Wohnideen umsetzte«.)

»Online-Journalist des Jah­res«: u.a. Angela Mer­kel (für ihren Video-Podcast).

»Jour­na­list des Jah­res / New­co­mer«: u.a. Nata­scha Kam­pusch.

And mostly what I need from you

BBC-Chef Michael Grade ver­lässt den Sen­der, um Chef der kom­mer­zi­el­len Kon­kur­renz ITV zu wer­den. Die Exklusiv-Meldung des »Daily Tele­graph« ist eine Sen­sa­tion und ein Schlag für die BBC. Oder in den Wor­ten des »Telegraph«:

Grade’s defec­tion will stun col­lea­gues and cause may­hem inside the BBC …

Ich wette: Jedes deut­sche Medi­en­un­ter­neh­men, das ähn­lich mit so ungüns­ti­gen Neu­ig­kei­ten in die Schlag­zei­len geriete, würde die Mel­dung in sei­ner eige­nen Bericht­er­stat­tung ver­ste­cken, her­un­ter­spie­len, schönfärben.

Und die BBC?

Macht mit der Mel­dung aktu­ell die UK-Ausgabe ihrer Nach­rich­ten­seite auf. Schreibt gleich im zwei­ten Absatz des län­ge­ren Arti­kels:

The move will be a blow to the BBC, …

Und zitiert dann den Res­sort­lei­ter Wirt­schaft des Sen­ders mit den Worten:

»The timing of Michael Grade’s depar­ture to ITV could hardly be worse for the BBC. … As one mem­ber of the BBC board of gover­nors put it to me, it’s a mess.«

Noch ein­mal: Das sagt ein lei­ten­der BBC-Mann. In einem gro­ßen BBC-Artikel. Auf der BBC-Seite. Über die BBC.

Dafür liebe ich diese Anstalt.

Nach­trag. Und einen Tag spä­ter gibt’s auch noch einen klei­nen Blick hin­ter die Kulis­sen. Wie cool ist das.

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