Danke der Nachfrage

20 Aug 07
20. August 2007

Es geht mir gut.

(Schon toll, was für Mails man bekommt, wenn es hier erst ein bisschen rund geht und man dann ein paar Tage nicht zum Bloggen kommt: Wildfremde Menschen fragen, ob man Geld braucht, andere bitten dringend um ein Lebenszeichen im Blog und noch andere erkunden sich vorsichtig: „Sag mal, wenn du Hilfe brauchst, du würdest doch fragen, oder?“, was sehr rührend ist, aber auch ein bisschen beunruhigend, weil es so klingt, wie wenn man einen offensichtlich Verrückten anspricht, um ihn wohlwollend, aber nachdrücklich, vom Mittelstreifen der sechsspurigen Straße zu ziehen.)

Was ich sagen will: Kein Grund zur Sorge. Ich habe im Moment nur sehr viel zu tun, und zum Glück nicht nur mit unangenehmen Dingen, sondern auch mit Erfreulichem (wovon man in den nächsten Tagen hoffentlich noch einiges hören wird).

Und heute abend ab 22 Uhr bin ich bei Holgi im Blue Moon auf Fritz und wir reden mal wieder über Medien, und wer mag, kann anrufen und mitreden.

Nachtrag: Die Sendung fällt leider aus.

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In eigener Sache (2b)

15 Aug 07
15. August 2007

Jemand, der sich als Vertreter der Firma Callactive ausgibt, hat in den vergangenen Stunden in einer Reihe von Blogs, die über meine Abmahnung durch Callactive berichtet haben, eine Stellungnahme abgegeben. Er zitiert dort einen Satz aus dem von mir gelöschten Leserkommentar in meinem Blog, um den es geht, und fügt hinzu:

Leider erwähnt dies Herr Niggemeier nicht bzw. läßt es bewußt weg.

Auf Nachfrage des Bloggers Valentin Tomaschek soll Geschäftsführer Stephan Mayerbacher bestätigt haben, dass es sich tatsächlich um eine Stellungnahme der Firma Callactive handelt. Das bedeutet: Die Firma wirft mir vor, den Satz nicht wiederholt zu haben, dessen Wiederholung sie mit dem Mittel einer Abmahnung und der Forderung einer Unterlassungserklärung vorgeblich gerade verhindern wollte.

Der Anwalt von Callactive nennt den von mir gelöschten Kommentar unter anderem „ruf– und kreditschädigend“. Offenbar dank Callactive findet er nun weite Verbreitung.

Nachtrag, 23.15 Uhr. Im Blog von Timo Heuer erklärt jemand, der sich ebenfalls „Callactive“ nennt, die vermeintliche Logik des juristischen Vorgehens gegen mich. Wenn ich sie richtig verstehe, hat mich die Firma laut dieser Erklärung abgemahnt, obwohl ich den Kommentar am Sonntagmorgen gelöscht habe, weil ich ihn ja auch erst am Montagmorgen hätte löschen können.

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In eigener Sache (2)

14 Aug 07
14. August 2007

Ich habe eine neue Abmahnung von der Firma Callactive bekommen. (Callactive produziert unter dem Titel „Money Express“ Anrufsendungen, die gegen die Regeln der Landesmedienanstalten verstoßen und auf Viva, Nick und Comedy Central laufen.)

Es geht um einen Kommentar, den ein Nutzer am vergangenen Sonntag um 3.37 Uhr früh unter diesem Eintrag abgegeben hat. Ich habe diesen Kommentar unmittelbar, nachdem ich ihn gesehen habe, gelöscht: Das war am Sonntag um 11.06 Uhr.

Das genügt der Firma Callactive nicht. Ihr Anwalt teilt mir mit, dass trotz der Löschung nicht dauerhaft ausgeschlossen sei, dass dieser Kommentar erneut abgegeben werde. Ich sei „als Störer“ verantwortlich, weil ich dieses Blog eingerichtet und in meinem einleitenden Beitrag ausdrücklich zu Kommentaren aufgefordert habe. Es sei deshalb meine Pflicht, die Kommentare vor der Veröffentlichung auf ihre rechtliche Zulässigkeit zu überprüfen.

Hätte Callactive mit diesem Vorgehen Erfolg, wäre das meiner Meinung nach das Ende der offenen Diskussion in Foren und Blogs, in den Leserkommentaren von Online-Medien und im Internet überhaupt. Selbst Beiträge, die unmittelbar nach ihrem Erscheinen vom Seitenbetreiber gelöscht werden, könnten dann kostenpflichtige Abmahnungen nach sich ziehen; sämtliche Kommentare müssten vor ihrer Veröffentlichung überprüft werden.

Ich persönlich halte die neuerliche Abmahnung für einen weiteren Versuch der Firma Callactive, Kritiker ihres zweifelhaften Geschäftsgebarens mürbe und mundtot zu machen. Ich werde mich mit allen Mitteln gegen diesen Versuch wehren.

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Sie nennen es koreanisch

14 Aug 07
14. August 2007

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…braucht eine Mutige, die sie löscht

13 Aug 07
13. August 2007

„Das Gästebuch von Alice Schwarzer soll eine Plattform zur freien Diskussion in einem offenen und freundlichem Klima sein.“

(Aus den Gästebuchregeln von Alice Schwarzer)

Das Gästebuch von Alice Schwarzer ist implodiert. Vor ein paar Tagen standen dort noch über 385 Einträge. Nun sind es noch 135. Verschwunden sind rund 250 Kommentare von Leserinnen und Lesern aus den vergangenen fünf Wochen. Nicht alle. Bewahrt blieb zum Glück zum Beispiel die Anfrage von Prof. Dr. Konrad Schüttauf, ob Frau Schwarzer nicht an seinem Oberseminar „Geschlechterverhältnis in der Philosophie“ im Herbst in Bonn teilnehmen möchte. Aber von der Diskussion, die um diesen Eintrag herum tobte, der Debatte um Alice Schwarzers Werbung für die „Bild“-Zeitung, davon gibt es keine Spur mehr.

Der freundliche Schulterklopfer…

„als ich ihr plakat für bild sah, habe ich mich gefreut, dass sie bei den ‚ehrlichen bedeutis‘ dabei sind“

…ist ebenso verschwunden wie der anomye Wütende…

„Glauben Sie wirklich, Gandhi hätte sich für soetwas hergegeben, nur, damit beispielsweise ein Inder in dieser Reihe auftaucht? Schmutzig!“

…der Metaphorische…

„Diese Werbeaktion hat mitunter ganz offensichtlich die Aufgabe allen Bild-Kritikern ins Gesicht zu spucken. Sie spucken jetzt mit (und gegen den Wind)“

…ebenso wie der Enttäuschte…

„Frau Schwarzer, ich kann nicht glauben, dass Sie Werbung für die BILD-Zeitung machen. Es ist unbegreiflich und traurig.“

…die Moralische…

„Wenn ich lese ‚Das Honorar geht direkt an drei Projekte, die muslimischen Mädchen in Not helfen‘, dann hoffe ich, dass einige dieser Mädchen den Stolz haben, Ihre Unterstützung zurückzuweisen.“

…und der Begeisterte:

„Gerade bei Bild, gerade bei diesem Publikum, gerade dort, wo man Gegner vermutet, müssen Sie doch Überzeugungsarbeit leisten! Wer nur Freundschaftspiele bestreitet und bei Heimspielen punktet, kommt nicht in die erste Liga.“

Die kritischen, empörten und enttäuschten Stimmen waren deutlich in der Mehrheit, und gelegentlich meldete sich die Redaktion, von der alle Kommentare erst freigegeben werden müssen, und wies darauf hin, dass man auch „sehr harsche Kritik“ veröffentliche, aber eine Grenze ziehe bei „persönlicher Diffamierung oder Verleumdung“.

Aber Frau Schwarzer hatte wohl keine Lust mehr, das zu lesen. Oder kein Interesse mehr, dass andere das lesen können. Sie hat jeden Hinweis auf die „Bild“-Werbe-Debatte in ihrem Gästebuch wortlos gelöscht.

Auf meine Bitte um eine Erklärung antwortete mir Angelika Mallmann, Chefin vom Dienst von „Emma“:

Lieber Stefan Niggemeier,

wie schön, dass Sie die Seite von Alice Schwarzer mit einer solchen Aufmerksamkeit verfolgen! Sie fragen, warum die Kommentare zur Bild-Werbung nicht mehr drin sind. Ganz einfach: weil sie passé sind. Das Ereignis hat vom 10. bis 16. Juli stattgefunden — die Kommentare dazu waren bis zum 10. August auf der Homepage von Alice Schwarzer, also einen Monat lang.

Nun kommen neue Themen. Wir freuen uns schon auf Ihre Anfragen dazu.

Lustig.

Und bevor jetzt jemand „Zensur!“ schreit: Natürlich hat Alice Schwarzer das Recht dazu, mit ihrer Homepage zu machen, was sie will. Sie kann sich sorgsam exakt das Gästebuch zusammenklöppeln, das sie gerne hätte. Und sie kann so tun, als hätte ihre Werbeaktion keine Kritik hervorgerufen, sondern nur zu einem einzigen, positiven Zeitungsbericht geführt, den sie natürlich nach wie vor auf ihrer Homepage dokumentiert.

Männer dürften sowas ja auch, hat sie laut „Süddeutscher Zeitung“ über ihre „Bild“-Werbung gesagt. Nur die Frauen müssten immer moralisch wie „Jeanne d’Arc rumlaufen“.

[via Herr Jeh in den Kommentaren]

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