Uwe Wesp

30 Sep 07
30. September 2007

Nun ist er weg und hat uns mit Ben Wettervogel allein gelassen.

Ben Wettervogel mag ein fähiger Meteorologe sein, man kann das ja als Laie schlecht beurteilen. In diesem Fall kommt erschwerend hinzu, dass immer, wenn er im ZDF-Morgenmagazin auftaucht, ich vollauf damit beschäftigt bin, zu denken, wie albern das ist, dass da jemand das Wetter vorhersagt, der sich „Ben Wettervogel“ nennt. Und es ist nicht so, dass er aus einer Dynastie der Wettervogels käme und wegen seines Namens Meteorologe geworden wäre. Er hieß Benjamin Vogel, und hat sich seinen Künstlernamen in seinen Pass eintragen lassen.

Das ist ein bisschen beunruhigend, aber irgendwie typisch — glücklicherweise anscheinend nur für Wetterleute, solange sich Barbara Salesch noch nicht in Babs Justiztante umbenannt hat und Ulrich Klose in Bericht R. Statter. „Man muss sehen, dass man auf keinen Fall zum Kasper wird“, hat Wettervogel einmal gesagt. Genau.

Das Nervige an den den Wetter-„Berichten“ heute sind nicht die Kachelmänner, die versuchen, die Wetterphänomene mit Begriffen, Grafiken und Gimmicks anschaulich und attraktiv zu machen. Sondern die Quatschmacher, die irgendwo in der Welt herum stehen, Passanten auf der Straße befragten, Spiele mit Kindern machen, sich am Strand räkeln und nebenbei kurz noch, wenn es sich nicht ganz vermeiden lässt, die Höchsttemperaturen von morgen nennen.

Uwe Wesp, Dr. Uwe Wesp, war immer ein Mann fürs Studio. Ganz der Typ Freundlicher Beamter, korrekt, verlässlich, ein bisschen skurill, ein bisschen provinziell, und auf eine sympathisch hölzerne Art locker. Er soll zwar einmal eine Platte aufgenommen haben „Azorenhoch! Das kommt schon noch“, aber wenn das überhaupt stimmt, war es so lange vor den Zeiten YouTubes, dass sich keine Spuren davon mehr finden lassen, was vermutlich für alle Beteiligten am besten ist.

32 Jahre lang hat Dr. Uwe Wesp das Wetter im ZDF vorhergesagt, und wenn es nach ihm (und mir) gegangen wäre, hätte er noch nicht aufgehört, nur weil er jetzt 65 ist. Vielleicht hat er mehr mit seinem Dauergegner Kachelmann gemein, als es scheint. Denn anders als der Wetterbericht in der „Tagesschau“ früher, in dem sich allabendlich unverständliche Substantivmassen auftürmten, mit Nordflanken, auf denen der Zustrom milder Meeresluft nach Mitteleuropa anhielt, und Ausläufern von Azorenhochs, die in den nächsten Tagen wetterbestimmend wirkten, kam der ZDF-Wetterbericht hyper-didaktisch daher, als Mini-Vorlesung mit Zeigestöckchen und selbstgemalten Symbolen, die schon nach Blumenkohlwolken aussahen, als Kachelmann das Wort noch gar nicht kannte. Dass die ZDF-Meteorologen (mit der großen Dr. Carla Wege) die Bilder nicht erst in der Sendung aufmalten, lag nur daran, dass die Kreide zu sehr gequietscht hätte.

Eine ernste Sache sei das Wetter, hat Wesp immer gesagt. Dabei schien er sie, wie er mit nüchterner Stimme und den weichen Konsonanten seines Darmstädter Dialekts sprach, nicht halb so wichtig zu nehmen wie all die Kollegen heute, die aus jedem Regengebiet, das ausgerechnet am Wochenende über uns hinwegzieht, ein Drama machen.

© Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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Programmhinweis

29 Sep 07
29. September 2007

Heute abend wird zum 9. Mal der Deutsche Fernsehpreis verliehen. Und ich blogge das ab kurz vor acht live vom Sofa — drüben beim Fernsehlexikon.

2005 war ich übrigens selbst mal in der Jury. Ich war da nicht sehr glücklich, wie man meinem FAZ-Artikel von damals entnehmen kann, und habe sie danach verlassen.

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Nachhilfe von ddp (3)

28 Sep 07
28. September 2007

Joachim Widmann, Chefredakteur der Nachrichtenagentur ddp, schreibt zu dieser Debatte:

Lieber Herr Niggemeier,

ich hoffe, dass wir uns bei all dem Furor, der in dieser Sache mittlerweile glüht, auf eines einigen können: Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Wir sind bei ddp sorgfältig darauf bedacht, Fehler zu vermeiden. Jeder ist gehalten, an seinem Platz perfekt zu arbeiten. Wir stellen das mit einer mehrstufigen Produktion sicher – so sicher, wie das eben geht. Dennoch kommt es, wie in jedem Handwerk, trotz aller Sorgfalt gelegentlich zu Fehlern, die ja niemand absichtlich verursacht oder übersieht.

Entscheidend ist der professionelle Umgang mit einer Fehlleistung. Daher habe auch ich mich über die zweite Meldung zu dem fehlerhaften „Bild“-Vorab geärgert. Da hätte sinngemäß klar stehen müssen, dass die Bafin sich gegen eine falsche Darstellung der „Bild“-Zeitung stellt. Sie dürfen mir glauben, dass diese Meldung intern bei uns ausgewertet wurde. Sie hat gegen unsere eiserne Regel verstoßen, dass erkannte Fehler umgehend transparent korrigiert werden müssen. Hier wurde zwar der Fehler irgendwie korrigiert, jedoch unklar und nicht transparent. Da das auch ohne Ihr Zutun leider jeder gesehen hat, muss das nicht weiter öffentlich debattiert werden. Was sollen wir noch dazu sagen?

Ich schreibe in etwas ungelenkem Deutsch „erkannte Fehler“, weil es in der Natur unerkannter Fehler liegt, nicht korrigiert zu werden. Das kommt bei täglich Hunderten ddp-Meldungen aber sehr, sehr selten vor. Die allermeisten Fehler erkennen wir selbst, bevor eine Meldung gesendet wird. Im anderen Fall sind wir sehr dankbar für einen Hinweis. Dieser wird dann geprüft, und bei Bestätigung des Fehlers machen wir die Korrektur. Unter Profis ist das eine selbstverständliche Dienstleistung, die unseren Kunden unsere Verlässlichkeit beweist.

Herr Höhling hat versucht, das gegenüber dem Leserbriefschreiber deutlich zu machen Angesichts eines Leserbriefs, der ohne große Umschweife unterstellt, hier sei schlampige Arbeit die Regel, war er nicht einmal besonders scharf. Der inquisitorische Ton des Briefes war der Sache nicht angemessen.

Sie wissen als erfahrener Journalist sehr gut, dass mit fehlerhaften oder überdrehten Vorabmeldungen das ungeschriebene Gesetz unseres Handwerks gebrochen wird, dass man Nachrichtenagenturen nicht für die eigene PR missbraucht, weil dies das gegenseitige Vertrauensverhältnis zwischen Medien und Agenturen in für alle Seiten sehr unangenehmer Weise belastet. Mit der Verifikation (oder Falsifikation) solcher Meldungen gelangt man nachts oder am Wochenende, wenn besonders viele Vorabmeldungen eingehen, beim Versuch, bei den Akteuren nachzufragen, an natürliche Grenzen. Daher teile ich Ihr Unbehagen – unser Dilemma liegt darin, dass die große Mehrzahl der Vorabs stimmt, was aber ebenfalls selten gleich geklärt werden kann. Bei einer Meldung zu einem relevanten Thema, die nicht schon auf den ersten Blick unplausibel wirkt, bleibt uns nichts als der handwerklich korrekte Hinweis darauf, dass eine Verifikation zunächst nicht möglich gewesen ist, was nichts anderes heißt als: Diese Meldung muss nicht, aber kann ganz oder in Teilen falsch sein, sie ist jedenfalls vorerst unbestätigt. So haben wir das bei der ersten Meldung zu dem „Bild“-Vorab auch gemacht.

Verdrehte oder falsche Vorabmeldungen sind für uns ein Thema, das auf bestimmte Medien nicht eingegrenzt werden kann, und auch bei den gelegentlich Betroffenen ist derlei unserer Erfahrung nach nicht die Regel und nicht erklärte Absicht. Ich bitte daher um Verständnis dafür, dass wir an einer öffentlichen Debatte nicht teilnehmen können und wollen, in deren Rahmen einzelnen Medien unterstellt wird, vorsätzlich zu lügen. Am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und gegenüber dem richtigen Gesprächspartner wird ein solcher Lapsus ohne Scheu von uns angesprochen. Aber zu einer Stellungnahme im „Bildblog“ sind wir nun wirklich nicht verpflichtet. Wir bleiben auch da unserer publizistischen Rolle gemäß neutral – was bitte nicht mit Indifferenz oder Verschlafenheit verwechselt werden möge.

Ihr Ansinnen abzulehnen, Herrn Höhlings persönliche Mails in dem Blog zu publizieren, die als öffentliche Stellungnahme nicht gedacht waren, ist daher statthaft und kein Zeichen von Arroganz. Er übt damit genau das Recht aus, über die eigene Publizität zu bestimmen, dessen Verletzung Sie der „Bild“-Zeitung immer wieder vorwerfen. Interessant ist, dass Sie darauf, dass wir unser Schweigen brechen sollten, in dieser Schärfe und Empörung insistieren und Herrn Höhling, gegen dessen ausdrücklichen Wunsch, gewissermaßen „über Bande“ dennoch zitieren. Das erinnert mich doch sehr an das Gedicht über die Elche und deren schärfste Kritiker…

Herzliche Grüße

Joachim Widmann
Chefredakteur
ddp Deutscher Depeschendienst

Lieber Herr Widmann,

vielen Dank für die ausführliche Stellungnahme!

Ich möchte diese Debatte nicht zu hoch hängen, und die Diskussion über Tonfall und Inhalt der Mails von Herrn Höhling, die ich unfassbar finde, ist schon deshalb schwierig, weil die Leser keine Möglichkeit haben, sich ein eigenes Bild zu machen.

In einigen Punkten muss ich dennoch widersprechen: Es geht nicht um „persönliche“ Mails von Herrn Höhling. Es geht um Mails, die Herr Höhling in seiner Funktion als Stellvertreter des Chefredakteurs von ddp an Leser geschrieben hat, die Anfragen an die E-Mail-Adresse info@ddp.de geschickt haben. Es handelt sich insofern um offizielle Antworten von ddp, und ich glaube, Sie müssten auch damit leben, wenn jemand diese Antworten im Wortlaut veröffentlicht. Aus Gründen der Fairness habe ich es nicht getan.

Ich habe auch Herrn Höhlings Bitte entsprochen, seine Antwort auf meine journalistische Anfrage nicht zu veröffentlichen. Und ich habe seiner Bitte entsprochen, nicht einmal in meinen eigenen Worten wiederzugeben, ob ddp nun der Meinung ist, einen Fehler gemacht zu haben oder nicht, was ich schon eine erstaunliche Bitte fand.

Sie sagen nun, bei ddp seien Fehler passiert. Ja, darauf können wir uns sofort einigen: Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler (und diese waren sicher nicht die schlimmsten). Interessant ist, dass dieser Gedanke in den E-Mails, die ich kenne und mit denen ddp auf die (berechtigten!) Leserbeschwerden reagierte, fehlt. Der Stellvertreter des ddp-Chefredakteurs hat den Schreibern gesagt, dass ddp sich nichts, aber auch gar nichts vorwerfen lassen muss, und teilweise mit dem Anwalt gedroht.

Natürlich haben Sie das Recht, an einer Debatte über mögliche Fehlleistungen von ddp oder das Problem der Vorabmeldungen nicht teilzunehmen. Aber wenn der ddp Lesern gegenüber unbestreitbare Fehlleistungen bestreitet und ihnen unverhohlen droht, muss er damit leben, dass das öffentlich gemacht und darüber diskutiert wird.

Finde ich.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Niggemeier

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Super-Symbolfotos (29)

27 Sep 07
27. September 2007

[entdeckt vom Don]

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Noch mehr Nachhilfe von ddp

27 Sep 07
27. September 2007

Vielleicht ist es keine gute Idee, dass bei der Nachrichtenagentur ddp der Stellvertreter des Chefredakteurs, Rainer Höhling, für die Beantwortung von Leseranfragen zuständig ist. Vielleicht ließe sich jemand im Haus finden, der es schafft, diplomatisch, freundlich und gelassen auch auf harte Kritik zu reagieren, und nicht gleich zurückpöbelt und eklig herablassend wird oder sogar mit dem Anwalt droht. Vielleicht ist das aber auch so gewollt, um die Leute abzuschrecken und einzuschüchtern. Schließlich sind die Kunden der Nachrichtenagenturen ja die Medien und nicht die Leser, die sich neuerdings einbilden, überall mitreden zu können.

Herr Höhling hat also noch mehr Nachhilfestunden gegeben. Da beschwerte sich ein Leser, weil ddp berichtete habe, dass an der Demonstration „Freiheit statt Angst: Stoppt den Überwachungswahn“ in Berlin nur 2000 Menschen teilgenommen hätten, obwohl selbst die Polizei von 8000 gesprochen habe. Und, ja, der Leser hat ein paar Dinge durcheinander gebracht, und Herr Höhling musste sehr, sehr pädagogisch werden und gleich mehrmals mit dem Anwalt drohen, denn der Vorwurf, eine Agentur berichte falsch, sei rufschädigend, und das könne sich ddp nicht gefallen lassen, denn dort arbeitet man meistens korrekt, und wenn nicht, gibt man es offen zu. (Bitte lachen Sie hier.)

Richtig ist: Fast alle Nachrichtenagenturen berichten am Samstagnachmittag zunächst von 2000 Demonstranten. Aber laut abendschaublog spricht die Polizei „gegen 17 Uhr von rund 8000 Demo-Teilnehmern“. Um 17.20 Uhr ist man bei ddp noch bei 2000.

Um 18.01 Uhr meldet AP: „8.000 demonstrierten gegen Vorratsspeicherung von Daten“. Um 18.12 zitiert tagesschau.de einen Polizeisprecher mit der Angabe „mehr als 8000 Teilnehmer“. Um 18.29 Uhr berichtet „heise online“, die Polizei habe die Zahl der Demonstranten anfangs auf 8000 geschätzt und dann nach oben korrigiert. In der „Abendschau“ um 19.30 Uhr wird die Zahl 8000 genannt. Danach habe ich keine Agenturmeldung mehr gefunden, die von 2000 Demonstranten spricht.

Außer der Morgenzusammenfassung von ddp um 4.15 Uhr am Sonntag, in der es unbeirrt heißt: „Rund 2000 Menschen haben nach Polizeiangaben gestern in Berlin unter dem Motto «Freiheit statt Angst» gegen die Verschärfung der Sicherheitsgesetze demonstriert.“ Erst um 12.18 Uhr korrigiert ddp unauffällig im hinteren Teil einer Meldung seine früheren Angaben und ist nun endlich auf dem Wissensstand, den u.a. die Konkurrenz von AP über 18 Stunden vorher schon verbreitete.

Aber Herr Höhling (bei dem ich diesmal aus naheliegenden Gründen nicht mehr nachgefragt habe) meint, ddp sei nichts vorzuwerfen, und warnt davor, den Ruf der Agentur zu beschädigen.

Als bräuchte ddp dabei Hilfe von außen.

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