In der SZ nichts Neues

13 Aug 07
13. August 2007

Betreff: Fragen zu Ihrem SZ-Artikel

Sehr geehrter Herr Boie,

es ermüdet mich ein wenig, die immer gleichen Zeitungstexte über die angeblich fehlende Relevanz von Blogs in Deutschland zu lesen. Ich weiß nicht, ob Zeitungen sich ihrer eigenen Relevanz dadurch versichern können, dass sie immer wieder ausführlich über etwas berichten, das nach ihrer eigenen Aussage so irrelevant ist. Und ganz bestimmt hilft es der Relevanz von Blogs nicht, sich immer wieder mit irrelevanten Zeitungsartikeln über Blogs zu beschäftigen.

Und doch: Ich kann es nicht lassen. Denn ich verstehe es nicht. Ich verstehe grundsätzlich nicht, warum viele Zeitungen sich Blogs einerseits mit einer solchen Hingabe widmen und ihnen andererseits nicht einmal ein Mindestmaß an Interesse entgegen bringen. Und ich verstehe konkret viele Aussagen in Ihrem Artikel nicht.

Sie kommen zu Ihrem ernüchternden Fazit über die deutsche Blog-Landschaft dadurch, dass Sie sie an extrem hohen Ansprüchen messen. Sie geben aber an keiner Stelle einen Hinweis darauf, wer diese Ansprüche aufstellt. Wer schon in der Überschrift „denkt“, deutsche Weblogs würden mehr bewegen. Und wessen „Erwartungen nicht erfüllt“ werden.

Sie schreiben: „Vergrößerung [ist] das erklärte Ziel der deutschen Blog-Szene“. Wer hat dieses Ziel erklärt?

Sie schreiben: „Man will eine Alternative zu den etablierten Medien werden.“ Wer will das?

Sie schreiben: „Großes Vorbild sind dabei die USA (…).“ Wessen Vorbild?

Sie schreiben, man spreche bei dem „Teil der deutschen Bloggerszene, der überhaupt wahrgenommen wird“, „intern stolz von ‚Blogosphäre‘“. Das passt natürlich gut zu dem Eindruck von dem Größenwahn und der Selbstüberschätzung, den Sie erwecken wollen. Ich glaube, dass weder die Worte „intern“ und „stolz“ noch die Behauptung überhaupt zutreffen.

Sie schreiben, Weblogs hätten großes Potential, denn: „Zahlreiche Nischen warten auf hochwertige Inhalte.“ Sagen Sie mir ein paar dieser wartenden Nischen?

Sie nennen als gelungenes Beispiel für ein relevantes Blog „das Promi-Blog Viply“. Sie wissen sicher, dass es sich dabei um das Zweitverwertungs– und Eigenmarketing-Produkt einer Paparazzi-Agentur handelt, deren Fotos auch die etablierten Boulevardmedien füllen. Erklären Sie mir, worin die spezielle „gesellschaftliche Relevanz“ dieses Angebotes besteht — und was die Mehrzahl der Blogger daraus lernen kann?

Sie schreiben: „Deutsche Leser wollen spezialisierte Angebote zu ihren Lieblingsthemen anstatt eines weiteren Versuches, klassische Zeitungen zu imitieren.“ Woher wissen Sie das? Woraus schließen Sie das? Was sind die Lieblingsthemen der Deutschen? Und welche Blogs versuchen Ihrer Meinung nach, klassische Zeitungen zu imitieren?

Am Ende berufen Sie sich auf den Kommunikationswissenschaftler und Blogger Jan Schmidt und schreiben: „Die Öffentlichkeit von Weblogs bestünde in ihrer technischen Zugänglichkeit für jedermann. Keinesfalls aber besteht sie in ihrer gesellschaftlichen Relevanz.“ Was heißt das: Die Öffentlichkeit von Weblogs besteht nicht in ihrer gesellschaftlichen Relevanz? Ich vermute, Sie wollen einfach sagen: Blogs sind da, aber unwichtig, aber das würde womöglich nicht relevant genug klingen für die „Süddeutsche Zeitung“.

Gleich zweimal hat sie Ihren Artikel online gestellt, mit unterschiedlicher Aufmachung und Überschrift. In beiden Fällen hat sie es nicht geschafft, auch nur ein einziges Blog zu verlinken. Dafür hat sueddeutsche.de eine zehnteilige Bildergalerie mit Screenshots (aber auch ohne Links) der „Top Ten“ der „Deutschen Blogcharts“ dazu gestellt. Erklärt wird das Zustandekommen dieser Hitparade von sueddeutsche.de so:

Analog zu den deutschen Musikscharts [sic!] gibt es auch die deutschen Blogcharts. Statt Media Control liefert die Echtzeit-Internet-Suchmaschinen [sic!] Technorati die Platzierungen über die populärsten Blogs des deutschsprachigen Raumes. Neben Auswertungen von Zugriffen auf Blogs ist die Zahl der Verlinkungen (Erwähnungen) eines Blogs innerhalb der Blogosphäre die wichtigste Messgröße.

Nein, die einzige. Die Zugriffszahlen spielen bei den Platzierungen in den Deutschen Blogcharts keine Rolle.

Vermutlich können Sie, Herr Boie, nichts für die Online-Präsentation Ihres Artikels. Aber würden Sie mir Recht geben, dass Kompetenz eine Voraussetzung für Relevanz ist?

Entschuldigen Sie die Polemik, aber es fällt mir schwer, nicht polemisch zu werden angesichts der Diskrepanz zwischen der Überheblichkeit und Selbstwahrnehmung der „Süddeutschen Zeitung“ und der Realität ihrer Berichterstattung im und über das Internet. Ich würde mich freuen, wenn Sie trotzdem einige meiner Fragen beantworten würden.

Mit freundlichen Grüßen
etc.

(Herr Boie hat mir geschrieben, dass er gerade unterwegs ist und es mit einer Antwort deshalb ein paar Tage dauern kann.)

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Super-Symbolfotos (22)

12 Aug 07
12. August 2007

Man könnte es natürlich schon bemerkenswert finden, dass Spiegel Online die Meldung über einen Jugendlichen, der betrunken in einen Hühnerstall gefahren ist, mit dem Bild eines mutmaßlich unbeteiligten Huhns illustriert — wohl damit man mal weiß, wie diese seltenen Tiere aussehen.

Richtig gut wird es aber erst durch den Bildtext:

Huhn: Nach dem Unfall ging der Jugendliche einfach zurück ins Zeltlager

(mit Dank an Julian für den Tipp!)

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Hat alles nichts genützt

12 Aug 07
12. August 2007

Wollte gerade ein paar Bilder aufhängen, konnte den verdammten Hammer nirgends finden und ertappte mich bei dem Gedanken, ihn zu ergoogeln.

(Jedenfalls: Bin wieder da.)

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Andrea Ballschuh

12 Aug 07
12. August 2007

Es fehlen einem dann doch die Kategorien, um Qualitäten in diesem speziellen Beruf bewerten zu können. Natürlich ist es eine Form von Arbeitsverweigerung, eine Sendung „Zauberwelt der Berge“ mit dem Satz zu beginnen: „Den besten Blick hat man einfach immer von oben.“ Und natürlich müsste die Überleitungspolizei einschreiten, wenn die Moderatorin sagt, die „Klostertaler“ würden perfekt ins Salzkammergut passen, weil ihre Karriere nur einen Weg kenne: „steil nach oben – sie sind also richtige Gipfelstürmer“. Aber beim Abspann stellt sich dann heraus, dass die Texte gar nicht von ihr waren, und man weiß nicht, ob das für oder gegen sie spricht.

Das wichtigste für jemanden, der volkstümliche Musik im Fernsehen präsentiert, muss diese Teflonhaftigkeit sein: dieses Lächeln, das immer auf das gleiche Maß an interesseloser Zustimmung eingestellt ist, egal, auf was es sich bezieht, und seien es Nacktschnecken oder gar Brunner & Brunner. Die 35-jährige Andrea Ballschuh macht das schon so glatt wie einst Caroline Reiber, und das Kunststück ist, dass sie dabei jünger, frischer und moderner aussieht, ohne die Zuschauer durch Jugendlichkeit, Frische und Moderne zu verschrecken.

Man muss diese Show übrigens nicht kennen, auch wenn man gerade den Eindruck bekommen konnte, so wie ihre geplante Verlegung plötzlich ein Beleg für die angeblich seniorenfeindliche Entsorgung von Plastikmusikshows aus dem ZDF-Programm wurde. Die „Zauberwelt der Berge“ war in den vergangenen fünf Jahren exakt zweimal zu sehen. Anders als Frau Ballschuh, die sich sonst im ZDF-Vormittagsprogramm einen Wolf moderiert und im MDR ein Quiz hat. Im Osten scheint sie ein „Superstar“ zu sein, jedenfalls nennt die „Super-Illu“ sie so und verfolgt jede berufliche und private Wendung mit größter Anteilnahme und Sympathie.

Zum Konzept der Show gehört, dass Andrea Ballschuh auch Einheimische… nein, „kennenlernt“ wäre falsch. Trifft. Sicherheitshalber gibt man ihr während des, nun ja: Gesprächs aber immer etwas anderes zu tun, lässt sie töpfern mit dem Töpfer, die Krähen füttern mit der Krähen-Aufzieherin, reiten mit dem Wildparkbesitzer. Am schönsten war diese Woche nicht einmal, als eine der Krähen sie nachhaltig, mehrmals und offenkundig leidenschaftlich in den Finger biss. Sondern wie sie und der Wildparkmensch noch mehrere Sekunden noch durchs Bild ritten, aber ihr Gesprächstext schon zuende war: Da sah man allen Beteiligten (die Pferde inklusive) an, dass hier keiner die Landschaft, die Stille oder die Gesellschaft genoß, sondern alle die Sekunden zählten, bis jemand „Schnitt“ rufen würde. Es war eine Szene von frappierender Leere und vielleicht der einzig wahre Moment in der ganzen Show.

© Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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Die Rückkehr des Königs

von Lukas
12 Aug 07
12. August 2007

Bevor meine kleine Schwangerschaftsvertretung hier vorbei ist und der Hausherr wiederkommt (es sei denn, er ist wirklich geflohen), schnell noch ein kleines Rätsel:
Welche prominente Person wird hier gesucht?

Samentier Gingfee

Erwischen Sie einen Kommentar, dessen laufende Nummer durch 3 oder 4 teilbar ist, und nennen Sie die Lösung. Zu gewinnen gibt es drei gelbe Pakete und einen Flachwitz.

Bitte kommentieren Sie maßvoll. Kommentare von Minderjährigen werden nicht berücksichtigt. Wer seinen Namen vergessen hat, sollte besser seine Eltern anrufen. Die freuen sich auch, wenn sie mal wieder was hören. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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