„… und Web 2.0 ;)“

02 Okt 07
2. Oktober 2007

Also, mal angenommen, ich hieße Cone Tanriverdio und hätte eine Firma Art2Digital Intermedia und würde ein merkwürdiges Portal namens Online-Artikel.de betreiben und würde dort unter dem Pseudonym „Taipan“ Zeitschriften-Artikel anderer Leute ohne deren Einverständnis, ohne Quellenangabe und natürlich ohne Honorar veröffentlichen, und wenn einer der eigentlichen Urheber sich beschwerte, würde ich sagen: Oh sorry, aber der Autor, der das bei uns eingestellt hat, ist gar kein Mitarbeiter von uns, man kann das ja unmöglich alles überprüfen heutzutage, Web 2.0 und so.

Also, angenommen, ich wäre so dreist, all das zu tun, dann wär ich doch nicht so dumm, ein Pseudonym zu wählen, das man öffentlich unmittelbar mit meinem Namen als Seitenbetreiber in Verbindung bringen kann, oder?

Beim Peer steht die ganze Geschichte.

Nachtrag. Herr Tanriverdio scheint seine „Weltklimawandel“-Seite mit seinem Pseudonym, von der der Screenshot stammt, plötzlich gelöscht zu haben. Im Google-Cache ist sie noch.

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Sprengen und ‚ne Wiese hinmachen

02 Okt 07
2. Oktober 2007

Ich mag ja Johann König nicht so. Ich kann dem nicht zuhören. Was ein Fehler war, am vergangenen Samstag, als er (ausgerechnet neben Oliver Pocher, den ich auch nicht so mag) beim Deutschen Fernsehpreis einer von ganz wenigen Leuten war, bei denen sich das Zuhören lohnte.

Auf mehrfachen Wunsch deshalb hier also Johann Königs Beitrag zum Fernsehpreis 2007 im Wortlaut:

Fernsehen ist ja ‚ne tolle Sache. Wenn man damit umgehen kann. Ich selber bin oft überfordert, wenn ich Fernsehen gucke, wenn ich heute Fernsehen gucke, mir geht’s so, ich weiß manchmal, ich weiß manchmal, ich weiß es manchmal selber nicht. Kennt ihr das? Ich weiß manchmal überhaupt nicht, was das ist, was ich da gucke. Und es ist mir aber auch egal. Bevor ich’s verstanden hab, hab ich schon wieder umgeschaltet.

Das war vor ein paar Jahren noch viel einfacher mit dem Fernsehen. Noch vor ein paar Jahren zumindest nachmittags, war es sehr einfach. Nachmittags, überall gab’s Talkshows, die hatten immer ein ganz bestimmtes Thema. Was weiß ich: Du Sau. Du hast mich schwul gemacht. Mach, dass das wieder weggeht. Oder, was weiß ich: Hilfe, mein Tattoo läuft mir den Rücken runter. Ja, aber da wusste man zumindest Bescheid, oder? Wenn man das Thema der Sendung gelesen hat, da wusste man Bescheid, da war ganz klar: Ja, da kommt’n Haufen Asis, und die reden sich da um den Verstand, den sie sich vorher geliehen haben.

Wenn man heute Fernsehen guckt, ist es viel komplizierter. Häufig ist es so: Man macht den Fernseher an, und als erstes sieht man eine Wohnung, und oft denk‘ ich: Ja, ‚ne schöne Wohnung ist das auch nicht, ne? Ist hoffentlich ‚ne Renoviersendung. Und dann geht’s aber weiter. Irgendwann tauchen auch mal Kinder auf, und man denkt: Ou, ou, ouuuuu, da werden doch hoffentlich die Kinder renoviert, also. Das ist doch hoffentlich so ‚ne Erziehungssendung, so ‚ne Erziehungssendung, wo immer die eine kommt, die hier auch sitzt, die immer abends die Kinder repariert. Aber es geht noch weiter, irgendwann tauchen auch die Eltern auf, und man denkt, ouuuuu, was ist das denn? Und dann tun einem fast die Kinder schon wieder leid.

Und mir geht es so, wenn ich das alles zu lange gucke, denk ich irgendwann: Von mir aus können sie das auch ruhig alles mal sprengen. Und dann da ‚ne Wiese hin machen. Erstmal 20 Jahre nur Wiese dahin machen, damit sich das alles mal erholen kann.

Und arte überträgt nur die Wiese.

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Die gute Bildergalerie

30 Sep 07
30. September 2007

Das Furchtbare an den Bildergalerien der Online-Medien ist ja nicht die Bildergalerie an sich, sondern die Tatsache, dass da einfach wahllos sämtliches verfügbares Material ausgekippt wird — bei Extrem-Klickmaschinen wie sueddeutsche.de* gerne auch ohne Zusammenhang zum Text.

Dass es anders geht, zeigt „Focus Online“ mit einer Galerie aus grandiosen Schwarz-Weiß-Fotos, die Fabian Mohr beim CSU-Parteitag gemacht hat.

*) Lesenwert dazu: Thomas Mrazeks Artikel „Qualitätsjournalismus nach sueddeutsche.de-Art“ in der Zeitschrift „Berliner Journalisten“ [pdf]

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So schön war’s beim Fernsehpreis

30 Sep 07
30. September 2007

Und? Wie fand das Saalpublikum die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2007?

Och Gott ja…






…fragen Sie mal den Niki Lauda:

Und falls Sie sich wundern, wie Heiner Lauterbach sich den unfassbaren Unsinn, den er erzählt hat, auswendig merken konnte, dann schauen Sie mal hier ins Publikum:

Einen der vielen sprachlichen Höhepunkte des Abends, Sonja Zietlow über ihren Mann und Autor, hat „Leonard da Quirm“ so illustriert:

Und der Peer macht sich schon wieder über Marco Schreyl lustig.

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Uwe Wesp

30 Sep 07
30. September 2007

Nun ist er weg und hat uns mit Ben Wettervogel allein gelassen.

Ben Wettervogel mag ein fähiger Meteorologe sein, man kann das ja als Laie schlecht beurteilen. In diesem Fall kommt erschwerend hinzu, dass immer, wenn er im ZDF-Morgenmagazin auftaucht, ich vollauf damit beschäftigt bin, zu denken, wie albern das ist, dass da jemand das Wetter vorhersagt, der sich „Ben Wettervogel“ nennt. Und es ist nicht so, dass er aus einer Dynastie der Wettervogels käme und wegen seines Namens Meteorologe geworden wäre. Er hieß Benjamin Vogel, und hat sich seinen Künstlernamen in seinen Pass eintragen lassen.

Das ist ein bisschen beunruhigend, aber irgendwie typisch — glücklicherweise anscheinend nur für Wetterleute, solange sich Barbara Salesch noch nicht in Babs Justiztante umbenannt hat und Ulrich Klose in Bericht R. Statter. „Man muss sehen, dass man auf keinen Fall zum Kasper wird“, hat Wettervogel einmal gesagt. Genau.

Das Nervige an den den Wetter-„Berichten“ heute sind nicht die Kachelmänner, die versuchen, die Wetterphänomene mit Begriffen, Grafiken und Gimmicks anschaulich und attraktiv zu machen. Sondern die Quatschmacher, die irgendwo in der Welt herum stehen, Passanten auf der Straße befragten, Spiele mit Kindern machen, sich am Strand räkeln und nebenbei kurz noch, wenn es sich nicht ganz vermeiden lässt, die Höchsttemperaturen von morgen nennen.

Uwe Wesp, Dr. Uwe Wesp, war immer ein Mann fürs Studio. Ganz der Typ Freundlicher Beamter, korrekt, verlässlich, ein bisschen skurill, ein bisschen provinziell, und auf eine sympathisch hölzerne Art locker. Er soll zwar einmal eine Platte aufgenommen haben „Azorenhoch! Das kommt schon noch“, aber wenn das überhaupt stimmt, war es so lange vor den Zeiten YouTubes, dass sich keine Spuren davon mehr finden lassen, was vermutlich für alle Beteiligten am besten ist.

32 Jahre lang hat Dr. Uwe Wesp das Wetter im ZDF vorhergesagt, und wenn es nach ihm (und mir) gegangen wäre, hätte er noch nicht aufgehört, nur weil er jetzt 65 ist. Vielleicht hat er mehr mit seinem Dauergegner Kachelmann gemein, als es scheint. Denn anders als der Wetterbericht in der „Tagesschau“ früher, in dem sich allabendlich unverständliche Substantivmassen auftürmten, mit Nordflanken, auf denen der Zustrom milder Meeresluft nach Mitteleuropa anhielt, und Ausläufern von Azorenhochs, die in den nächsten Tagen wetterbestimmend wirkten, kam der ZDF-Wetterbericht hyper-didaktisch daher, als Mini-Vorlesung mit Zeigestöckchen und selbstgemalten Symbolen, die schon nach Blumenkohlwolken aussahen, als Kachelmann das Wort noch gar nicht kannte. Dass die ZDF-Meteorologen (mit der großen Dr. Carla Wege) die Bilder nicht erst in der Sendung aufmalten, lag nur daran, dass die Kreide zu sehr gequietscht hätte.

Eine ernste Sache sei das Wetter, hat Wesp immer gesagt. Dabei schien er sie, wie er mit nüchterner Stimme und den weichen Konsonanten seines Darmstädter Dialekts sprach, nicht halb so wichtig zu nehmen wie all die Kollegen heute, die aus jedem Regengebiet, das ausgerechnet am Wochenende über uns hinwegzieht, ein Drama machen.

© Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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