Wollt ihr den totalen Widerspruch?

04 Sep 07
4. September 2007

Auf den Seiten der FAZ findet gerade eine heftige Debatte statt über die sogenannten „Klima-Skeptiker“, die die vorherrschende Meinung zum Klimawandel und seine Ursachen anzweifeln. Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf hat ihnen und den Medien „Desinformation“ vorgeworfen, und jetzt antworten die von ihm angegriffenen Christian Bartsch, Günter Ederer, Matthias Horx, Wolf Lotter, Dirk Maxeiner, Josef Reichholf und Wolfram Weimer. In einem gemeinsamen Beitrag.

Wolf Lotter schreibt für die Zeitschrift „Brand Eins“, die ich schätze, auch wenn ich ihre Meinung nicht immer teile. Ich hätte mir gewünscht, dass ein „Brand Eins“-Autor sich nicht einfach so vereinnahmen ließe. Und vor allem, dass er seinen Namen schon aus sprachlichen Gründen nicht unter einen solchen Text setzte.

Ich bin kein Klimaexperte. Aber ich glaube, dass die Sprache eines Textes viel verrät. Und dass es kein gutes Zeichen ist, wenn ein Text überquillt vor Absolutheiten und Beschwörungs– und Beteuerungsformeln. Der erste Absatz der Erwiderung von Bartsch-Ederer-Horx-Lotter-Maxeiner-Reichholf-Weimer beginnt so:

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf ist ein sehr erfolgreicher Mann. Sein Sieg auf allen Kanälen der öffentlichen Meinungsbildung ist total. In allen Talkshows trat er schon auf, in Radio, Funk und Fernsehen ist er omnipräsent.

(Hervorhebungen von mir.)

Ich bin kein Klimaexperte. Aber ich misstraue jedem, der so formuliert.

Wie grobschlächtig muss man mit Sprache hantieren, um zu behaupten, der Sieg Rahmstorfs „auf allen Kanälen der öffentlichen Meinungsbildung“ sei „total“? Das kann er schon deshalb nicht sein, weil dieser Satz Teil eines langen Textes ist, der in einer der wichtigsten deutschen Zeitungen veröffentlicht wird. Und weil mehrere Absender für Medien arbeiten, in denen sie die Thesen publizieren konnten, an denen sich Rahmstorf stört.

Die Autoren nehmen es offenbar nicht so genau, und versuchen das durch das Aufdrehen des Lautstärkereglers zu überdecken.

Jedes Wort hat sicherheitshalber, als traue man den eigenen Argumenten nicht, eine Verstärkung bekommen; es wimmelt vor Pleonasmen. Es geht nicht nur um eine „Mission“, sondern um eine „heilige Mission“; die „Verschwörung“ ist eine „finstere Verschwörung“; Andersdenkende werden nicht nur verfolgt, sondern „fanatisch“ verfolgt, und die Autoren sind keine Publizisten, keine Bürger, nicht einmal „normale Bürger“, sondern „ganz normale Bürger“.

Und sie verzichten nicht darauf, in die große Nazi-Kiste zu greifen, und werfen Rahmstorf vor, den „Endsieg“ in der Klimadebatte zu wollen.

Ich bin kein Klimaexperte. Aber ein paar Behauptungen im ersten Absatz kann ich überprüfen, und sie sind falsch. Warum soll ich den Behauptungen glauben, die ich nicht nicht überprüfen kann, noch dazu, wenn sie so übersteuert klingen?

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Niedrige Lebens– und Denkerwartungen

04 Sep 07
4. September 2007

Die Studie der beiden britischen Wissenschaftler Mark Bellis und John Ashton ist genau der Stoff, nach dem unsere Boulevardmedien (vulgo: unsere Medien) süchtig sind. Sie haben herausgefunden, dass Rockstars ein erheblich erhöhtes Risiko haben, jung zu sterben.

Es gibt dazu mehrere Agenturmeldungen. Eine seriöse ist von AFP und liest sich so:

Studie: Rockstars leben in ersten fünf Jahren des Ruhms gefährlich / Wilde 70er waren für Popmusiker besonders riskant

Rockstars sterben früher als Otto Normalverbraucher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der John-Moores-Universität in Liverpool, die die Lebenserwartung von globalen Größen der Rockmusik mit der der gewöhnlichen Bevölkerung vergleicht. Der Lebensweg von mehr als tausend Musikern, die aus einer Liste der 1000 meistverkauften Platten aus dem Jahr 2000 ausgewählt wurden, wurde von den Wissenschaftlern ausgewertet. (…)

Insgesamt 100 Weltstars starben in der Zeit von 1956 bis 2005. Über eine Zeitspanne von 25 Jahren war ihre Sterblichkeit 70 Prozent höher als die der Durchschnittsmenschen. Als besonders gefährlich erwiesen sich die ersten fünf Jahre des Ruhmes, während derer die Wahrscheinlichkeit 240 Prozent höher ist, das Zeitliche zu segnen, als bei Normalsterblichen.(…)

Die Version von AP ist, vorsichtig gesagt, nicht ganz so seriös:

Popstars sterben früher

(…) Eine britische Studie zeigt, dass nordamerikanische prominente Musiker durchschnittlich nur 42 Jahre alt werden. Europäische Stars sterben demnach noch deutlich früher, nämlich schon mit 35 Jahren. (…)

Von wegen. Das ist nicht das Alter, das Rockstars durchschnittlich erreichen. Sondern das Alter, das diejenigen 100 der insgesamt 1000 untersuchten Rockstars durchschnittlich erreicht haben, die bereits gestorben sind. Dadurch, dass all die, die früh gestorben sind, in die Berechnung eingegangen sind, aber noch lebende Opas wie Paul McCartney, Mick Jagger und Elton John nicht, wird die Rechnung natürlich verzerrt.

Und eigentlich könnte man als Journalist auch ahnen, dass die Aussage nicht stimmen kann, europäische Rockstars würden im Schnitt nur 35 Jahre alt. Aber natürlich nur, wenn das Gehirn nicht völlig damit beschäftigt ist, sich die dazu passende geile Überschrift oder die Klickzahlen, die sich mit ihre generieren lassen, auszumalen.

Entsprechend findet die Falschmeldung von AP guten Absatz. Sie steht heute zum Beispiel in der gedruckten „Berliner Zeitung“, bei „Welt Online“, auf FTD.de (mit Bildergalerie „Die erfolgreichsten toten Musiker“). Auf der Titelseite von „Bild“ ist die AP-Meldung zu dieser erstaunlichen Überschrift geronnen:

Rockstars sterben mit 35

Aber den Vogel schießt Spiegel Online beim Versuch ab, das vermeintliche Ergebnis zu personalisieren:

Nordamerikanische prominente Musiker, die die Studie berücksichtigte, wurden durchschnittlich 42 Jahre alt, europäische Stars starben im Schnitt sogar noch früher, nämlich schon mit 35 Jahren. Babyshambles-Sänger Pete Doherty, 28, hätte er [sic] demnach noch sieben Jahre zu leben.

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Bildergalerien-Bingo

04 Sep 07
4. September 2007

Heute spielen wir Bildergalerienbingo mit der „Süddeutschen Zeitung“. Die hat ein Interview mit Sandra Maischberger geführt, und auf ihren Internetseiten präsentiert sie es in der schönsten journalistischen Form, die sie kennt: als zehnteilige Bildergalerie.

Das kann man an sich schon, nun ja: unfreundlich finden. Aber die Leute von sueddeutsche.de haben sich noch etwas besonderes ausgedacht: Es stehen nicht Frage und Antwort zusammen, sondern jede Seite endet mit einer Frage. Die Antwort folgt, wie bei einem Cliffhanger, erst nach dem Klick.

Bestückt ist die Bildergalerie, logisch: mit Bildern von Sandra Maischberger. Und als kleine Übung in Qualitätsonlinejournalismus versuchen Sie jetzt mal, die Fotos denjenigen Themenblöcken im Interview zuzuordnen, die sie bebildern:
 

Abbildung: Maischberger mit… Interview-Thema
(A) Anke Engelke, Michel Friedman, Peter Scholl-Latour, Dt. Fernsehpreis (1) Nicht-Experten in Talkshows, Christiansen und Plasberg
(B) Georg Kofler (2) Helmut Schmidt
© Goldenem Panther, Bayerischer Fernsehpreis (3) Gästeakquise bei 4 ARD-Talkshows
(D) Stefan Aust (4) Maybrit Illner
(E) Dirk Bach, Moderation Dt. Fernsehpreis (5) Talk als Genre, Formatierung durch Plasberg

So, Konzentration: Welcher Buchstabe gehört zu welcher Zahl?

.….….

Na, wenn es leicht wäre, könnte es ja jeder.

.….….

Nicht spicken!

.….….

Hm? Sie sagen, da muss was schiefgelaufen sein? Da passt gar kein Foto zu keinem Thema? Aber von wegen!

Die Lösung lautet:

A5, B3, C4, D2, E1.

Und bestimmt ist das für die Verantwortlichen von sueddeutsche.de irgendwie zwingend.

Im Ernst: Was wir da sehen, sind nicht mehr die unsicher umherirrenden Versuche einer großen seriösen Tageszeitung, ihren Platz im Internet zu finden, das sie mehr als jede andere Zeitung, die ich kenne, fast ausschließlich als einen verkommenen, unwirtlichen und gefährlichen Ort beschreibt. Dieses Angebot scheint nur noch ein Ziel zu haben: Möglichst viele Leute anzulocken, die dumm genug sind, auf alles zu klicken, was sich anklicken lässt, und mit allem zufrieden zu sein, was sie dahinter finden, und sei es nichts.

Unter jedem einzelnen Interviewfragment mit Sandra Maischberger steht bei sueddeutsche.de dies:

Und das Ressort Kultur macht aktuell, von oben nach unten, mit folgenden Geschichten auf:

Darunter folgt dann tatsächlich, unfassbarerweise, ein aktueller Artikel über das Filmfestival von Venedig. Es muss sich um ein Versehen handeln.

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Schöne Blogs (1): sakana

02 Sep 07
2. September 2007

Ich bin das, was Malte „Bauschist“ nennt. Mein Gehirn produziert keine Widerstandsstoffe gegen Angriffe von Niedlichkeit. Ich habe das hier als Bildschirmhintergrund auf meinem Computer, falle auf die simpelsten Zeitschriftenkonzepte herein und bin wehrlos im Angesicht solcher Flauschzotteligkeit.

Ganz sicher lief mein erster Kontakt mit dem sakana-Blog über diesen Reflex und über ein Foto wie dieses:

Aber man würde sakana und den Tieren unrecht tun, wenn man sagte, dass er in seinem Blog niedliche Schafe zeigt. Seine Schafe sind nicht niedlich. Sie haben Charakter. Persönlichkeit. Auf seinen Fotos wirken sie mal stürmisch, mal anschmiegsam, neugierig und ausgelassen, genügsam oder fordernd, fast immer: treu. Er vermenschlicht sie nicht, es sind Tiere. Aber es sind Tiere, keine Woll– und Fleischproduktionsmaschinen. Lebendige Wesen, die Kontakt aufnehmen zu dem anderen, fremden, vertrauten Wesen, das sie auf ihrem Elbdeich besucht, ihnen alte Disteln aus dem Fell pult, interessant riecht und an dem man sich gut schubbern kann.

Manche Fotos sehen aus, als hätte ein Künstler das Bild sorgfältig komponiert. Andere leben von der Unmittelbarkeit und Lebendigkeit der Lomographie.

Glück ist ein Abend am Deich mit Wollfett an den Händen, ein Schaf, das einen wiedererkennt, ein junges Tier, das sich an einen geschmiegt hat, nicht schnurrend, aber zufrieden geräuschvoll kauend.

In das Glück — das pure, beiderseitige Glück — über die Verbindung zwischen Mensch und Tier mischt sich eine Traurigkeit. Weil die Ausflüge zu den Tieren und in die Natur eine Flucht vor den Zumutungen der Menschen und der Zivilisation zu sein scheinen. Und weil das Idyll immer bedroht ist. Es ist nicht gut, sich mit Wesen anzufreunden, die gehalten werden, um gegessen zu werden.

Vielleicht ist es diese Zerbrechlichkeit, die die Begegnungen so kostbar macht. Einmal bittet der Bauer den Fotografen, sich von seinen Tieren fernzuhalten, „sie würden zu vertrauensselig“. Ein andermal bittet er ihn in den Stall, um ihm die in der Nacht geborenen Lämmchen zu zeigen:

das freudige gurren in der schafherde, als ich den stall betrat. die glasigen, stolzen augen, die mir entgegenblickten. das neue leben auf wackelnden beinen.

Ich bin nicht nur „Bauschist“, sondern auch sentimental, und bei manchen der Geschichten, die sakana aufschreibt oder auch nur zwischen den Zeilen durchschimmern lässt, könnte ich heulen. Das Blog, in dem es außer Schafen noch Schrecken gibt und aus einem Grund, den ich nicht kenne, eigentlich „Fischlog“ heißt, schafft etwas, wozu Blogs wunderbar geeignet sind: Es gibt mir die Illusion, jemandem nahe zu sein, den ich nicht kenne und von dem ich (scheinbar) fast nichts weiß. Es lässt mich Anteil nehmen an seinem Leben und davon berührt werden.

Ich würde da gerne mal sitzen, einen Nachmittag, schweigend, an dem Deich, mit ihm und den Schafen. Aber vielleicht geht das auch nur allein.

(Fotos mit freundlicher Genehmigung von sakana.)

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Nervt’s?

31 Aug 07
31. August 2007

Schwerer Selbstreferenz-Überschuss im Moment in diesem Blog, aber was soll’s.

Stefan Winter hat auf jetzt.de einen Text darüber geschrieben, wie ihn BILDblog nervt. Und wie ich ihn nerve. Er beginnt so:

Es passiert selten, dass Stefan Niggemeier das in Frage stellt, was er den ganzen Tag so tut. Der Mann, der für Bildblog und sein Privatblog bereits zwei Grimme-Online-Awards bekommen hat, inszeniert sich lieber so, als habe er allein den doofen Deutschen den Segen des Internets gebracht. Heute jedoch scheint Internet-Gott Niggemeier eine menschliche Regung in sich gespürt zu haben.

Okay, das ist nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Es passiert oft, dass ich das in Frage stelle, was ich den ganzen Tag so tue. Eigentlich ununterbrochen. Manchmal frage ich mich sogar, ob ich mir nicht zuviele Fragen stelle, aber das fügt den Zweifeln nur noch Metazweifel hinzu. Und Kopfschmerzen.

Jetzt sitze ich hier und frage mich zusätzlich noch, womit ich bei Leuten den Eindruck erweckt haben könnte, ich hielte mich für einen „Internet-Gott“ (und ich hatte gedacht, das absurde Etikett „Blog-Papst“, das mir mal jemand anbappen wollte, ließe sich nicht mehr toppen). Na bravo. Andererseits: Als Journalist, vor allem als Fernsehkritiker, urteile ich dauernd über Leute, die ich nicht kenne, und packe sie in Schubladen, in denen sie vermutlich gelegentlich ähnlich entgeistert sitzen wie ich jetzt in dieser.

Im Kern scheint Stefan Winter mir und BILDblog zwei Dinge vorzuwerfen. Das eine ist, unmoralisch zu sein.

Wenn Stefan Niggemeier das Bildblog als seine Arbeit bezeichnet und davon leben will, heißt das: Er lebt (zumindest indirekt) von dem Dreck, den die Bildzeitung täglich verbreitet. Für jemanden mit seinem moralischen Standard, finde ich das zumindest fragwürdig.

Das finde ich eine erstaunliche These. Sie bedeutet, dass es legitim ist, davon zu leben, die Leute zu desinformieren. Aber nicht, davon zu leben, die Leute über diese Desinformation aufzuklären. Das ist eine ähnliche Argumentation wie die der „Bild“-Zeitung, die meint, BILDblog dürfte sich beim Presserat nicht über „Bild“ beschweren, weil wir die Institution dadurch für unsere kommerziellen Zwecke missbrauchten.

Trifft das Urteil der moralischen Fragwürdigkeit jeden, der zum Beispiel Journalist geworden ist, um Missstände aufzudecken? Müssen sich Journalisten wie Thomas Kistner oder Jens Weinreich, die sich darauf spezialisiert haben, Korruption und Doping im Sport aufzudecken, auch vorwerfen lassen, dass sie (zumindest indirekt) von dem Fehlverhalten anderer leben? Ist Hans Leyendecker letztlich auch nur ein Schmarotzer, der das Aufdecken von Skandalen als lukrative Marktlücke entdeckt hat und einpacken kann, sobald sich alle anständig verhalten? (Nicht ganz unberechtigt ist auch die Frage von Kommentatoren auf jetzt.de, wie unmoralisch eigentlich Müllmänner sind, die sich ja letztlich auch nur ihr kommerzielles Süppchen aus unserem Dreck kochen.)

Das zweite, das Stefan Winter an uns nervt, sind eigentlich nicht wir und unsere Arbeit, sondern deren Rezeption. Wir würden von Blogosphäre und klassischen Medien „in (ungewohnter) Eintracht hofiert“, schreibt er und beklagt sich über „Kamerateams“, die in unser Büro „einfielen“, um „(meist völlig unkritisch)“ über unsere Arbeit zu berichten.

Ich glaube, das täuscht. Abgesehen vom NDR-Medienmagazin „Zapp“, das mehrmals und freundlich über uns berichtete, wird es Winter schwerfallen, Spuren von eingefallenen Horden von Fernsehleuten in unserem Büro zu finden. Ja, wir sind so etwas wie ein „Vorzeigeblog“, auf das klassische Medien kommen, wenn sie über Blogs überhaupt berichten, was zum einen an ihrer Einfallslosigkeit liegt, zum anderen an unseren Leserzahlen. Aber wer „hofiert“ uns wirklich? Die „Süddeutsche Zeitung“ sicher nicht, die vergangene Woche Donnerstag erstmals einen eigenen kleinen Artikel über uns geschrieben hat. Hofiert wird von den Medien Tag für Tag die „Bild“-Zeitung, durch Aufmerksamkeit, ungeprüfte Übernahme ihrer Meldungen, Ausblenden von Kritik. Bei der Nachrichtenagentur dpa zum Beispiel sind kritische Berichte über „Bild“ — und damit jeder Bericht über uns — Tabu heikel. Eine PR-Geschichte für Katja Kesslers neues Buch ist erlaubt.

Aber es stimmt schon: Wir haben viele Fans und Freunde. Ich tue mich ein bisschen schwer damit, das negativ zu sehen, weil es ein so sensationelles, ungekanntes Gefühl ist: das Wohlwollen, die Unterstützung, die Bereitschaft mitzuhelfen. Und wenn Stefan Winter behauptet, „alle“ würden uns „unreflektiert“ gut finden, möchte ich ihm doppelt widersprechen. Erstens hoffe ich, dass es Leute gibt, die uns reflektiert gut finden. Und zweitens stimmt es einfach nicht. Ein einziges Blog hat Winter gefunden, das am BILDblog-Werbespot Kritik übt (und Winter gibt ihm in seiner Verzweiflung recht, obwohl es den Film vor allem deshalb ablehnt, weil die Produktionsfirma Brainpool „eigentlich alle schlechten Formate auf privaten Sendern“ zu verantworten habe).

Herr Winter, schau’n Sie mal: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier.

Ein letzter Gedanke noch. Stefan Winter schreibt: „Bildblog arbeitet nicht ehrenamtlich oder für den guten Zweck, sondern aus einem kommerziellen Interesse.“ Ich streite mich gerne über die Macken und Fehlentwicklungen, das Gefährliche, Blöde und Falsche an BILDblog (und stelle mich und meine Arbeit dabei auch gern in Frage). Aber ich lasse mir ungern den Glauben nehmen, dass „für den guten Zweck“ und „aus einem kommerziellen Interesse“ sich nicht ausschließen müssen. Wär doch furchtbar, wenn man seinen Lebensunterhalt nur mit Dingen verdienen könnte, die eigentlich Scheiße sind.

Und ich sage das nicht als Internet-Gott.

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