Programmhinweis

29 Sep 07
29. September 2007

Heute abend wird zum 9. Mal der Deutsche Fernsehpreis verliehen. Und ich blogge das ab kurz vor acht live vom Sofa — drüben beim Fernsehlexikon.

2005 war ich übrigens selbst mal in der Jury. Ich war da nicht sehr glücklich, wie man meinem FAZ-Artikel von damals entnehmen kann, und habe sie danach verlassen.

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Nachhilfe von ddp (3)

28 Sep 07
28. September 2007

Joachim Widmann, Chefredakteur der Nachrichtenagentur ddp, schreibt zu dieser Debatte:

Lieber Herr Niggemeier,

ich hoffe, dass wir uns bei all dem Furor, der in dieser Sache mittlerweile glüht, auf eines einigen können: Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Wir sind bei ddp sorgfältig darauf bedacht, Fehler zu vermeiden. Jeder ist gehalten, an seinem Platz perfekt zu arbeiten. Wir stellen das mit einer mehrstufigen Produktion sicher – so sicher, wie das eben geht. Dennoch kommt es, wie in jedem Handwerk, trotz aller Sorgfalt gelegentlich zu Fehlern, die ja niemand absichtlich verursacht oder übersieht.

Entscheidend ist der professionelle Umgang mit einer Fehlleistung. Daher habe auch ich mich über die zweite Meldung zu dem fehlerhaften „Bild“-Vorab geärgert. Da hätte sinngemäß klar stehen müssen, dass die Bafin sich gegen eine falsche Darstellung der „Bild“-Zeitung stellt. Sie dürfen mir glauben, dass diese Meldung intern bei uns ausgewertet wurde. Sie hat gegen unsere eiserne Regel verstoßen, dass erkannte Fehler umgehend transparent korrigiert werden müssen. Hier wurde zwar der Fehler irgendwie korrigiert, jedoch unklar und nicht transparent. Da das auch ohne Ihr Zutun leider jeder gesehen hat, muss das nicht weiter öffentlich debattiert werden. Was sollen wir noch dazu sagen?

Ich schreibe in etwas ungelenkem Deutsch „erkannte Fehler“, weil es in der Natur unerkannter Fehler liegt, nicht korrigiert zu werden. Das kommt bei täglich Hunderten ddp-Meldungen aber sehr, sehr selten vor. Die allermeisten Fehler erkennen wir selbst, bevor eine Meldung gesendet wird. Im anderen Fall sind wir sehr dankbar für einen Hinweis. Dieser wird dann geprüft, und bei Bestätigung des Fehlers machen wir die Korrektur. Unter Profis ist das eine selbstverständliche Dienstleistung, die unseren Kunden unsere Verlässlichkeit beweist.

Herr Höhling hat versucht, das gegenüber dem Leserbriefschreiber deutlich zu machen Angesichts eines Leserbriefs, der ohne große Umschweife unterstellt, hier sei schlampige Arbeit die Regel, war er nicht einmal besonders scharf. Der inquisitorische Ton des Briefes war der Sache nicht angemessen.

Sie wissen als erfahrener Journalist sehr gut, dass mit fehlerhaften oder überdrehten Vorabmeldungen das ungeschriebene Gesetz unseres Handwerks gebrochen wird, dass man Nachrichtenagenturen nicht für die eigene PR missbraucht, weil dies das gegenseitige Vertrauensverhältnis zwischen Medien und Agenturen in für alle Seiten sehr unangenehmer Weise belastet. Mit der Verifikation (oder Falsifikation) solcher Meldungen gelangt man nachts oder am Wochenende, wenn besonders viele Vorabmeldungen eingehen, beim Versuch, bei den Akteuren nachzufragen, an natürliche Grenzen. Daher teile ich Ihr Unbehagen – unser Dilemma liegt darin, dass die große Mehrzahl der Vorabs stimmt, was aber ebenfalls selten gleich geklärt werden kann. Bei einer Meldung zu einem relevanten Thema, die nicht schon auf den ersten Blick unplausibel wirkt, bleibt uns nichts als der handwerklich korrekte Hinweis darauf, dass eine Verifikation zunächst nicht möglich gewesen ist, was nichts anderes heißt als: Diese Meldung muss nicht, aber kann ganz oder in Teilen falsch sein, sie ist jedenfalls vorerst unbestätigt. So haben wir das bei der ersten Meldung zu dem „Bild“-Vorab auch gemacht.

Verdrehte oder falsche Vorabmeldungen sind für uns ein Thema, das auf bestimmte Medien nicht eingegrenzt werden kann, und auch bei den gelegentlich Betroffenen ist derlei unserer Erfahrung nach nicht die Regel und nicht erklärte Absicht. Ich bitte daher um Verständnis dafür, dass wir an einer öffentlichen Debatte nicht teilnehmen können und wollen, in deren Rahmen einzelnen Medien unterstellt wird, vorsätzlich zu lügen. Am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und gegenüber dem richtigen Gesprächspartner wird ein solcher Lapsus ohne Scheu von uns angesprochen. Aber zu einer Stellungnahme im „Bildblog“ sind wir nun wirklich nicht verpflichtet. Wir bleiben auch da unserer publizistischen Rolle gemäß neutral – was bitte nicht mit Indifferenz oder Verschlafenheit verwechselt werden möge.

Ihr Ansinnen abzulehnen, Herrn Höhlings persönliche Mails in dem Blog zu publizieren, die als öffentliche Stellungnahme nicht gedacht waren, ist daher statthaft und kein Zeichen von Arroganz. Er übt damit genau das Recht aus, über die eigene Publizität zu bestimmen, dessen Verletzung Sie der „Bild“-Zeitung immer wieder vorwerfen. Interessant ist, dass Sie darauf, dass wir unser Schweigen brechen sollten, in dieser Schärfe und Empörung insistieren und Herrn Höhling, gegen dessen ausdrücklichen Wunsch, gewissermaßen „über Bande“ dennoch zitieren. Das erinnert mich doch sehr an das Gedicht über die Elche und deren schärfste Kritiker…

Herzliche Grüße

Joachim Widmann
Chefredakteur
ddp Deutscher Depeschendienst

Lieber Herr Widmann,

vielen Dank für die ausführliche Stellungnahme!

Ich möchte diese Debatte nicht zu hoch hängen, und die Diskussion über Tonfall und Inhalt der Mails von Herrn Höhling, die ich unfassbar finde, ist schon deshalb schwierig, weil die Leser keine Möglichkeit haben, sich ein eigenes Bild zu machen.

In einigen Punkten muss ich dennoch widersprechen: Es geht nicht um „persönliche“ Mails von Herrn Höhling. Es geht um Mails, die Herr Höhling in seiner Funktion als Stellvertreter des Chefredakteurs von ddp an Leser geschrieben hat, die Anfragen an die E-Mail-Adresse info@ddp.de geschickt haben. Es handelt sich insofern um offizielle Antworten von ddp, und ich glaube, Sie müssten auch damit leben, wenn jemand diese Antworten im Wortlaut veröffentlicht. Aus Gründen der Fairness habe ich es nicht getan.

Ich habe auch Herrn Höhlings Bitte entsprochen, seine Antwort auf meine journalistische Anfrage nicht zu veröffentlichen. Und ich habe seiner Bitte entsprochen, nicht einmal in meinen eigenen Worten wiederzugeben, ob ddp nun der Meinung ist, einen Fehler gemacht zu haben oder nicht, was ich schon eine erstaunliche Bitte fand.

Sie sagen nun, bei ddp seien Fehler passiert. Ja, darauf können wir uns sofort einigen: Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler (und diese waren sicher nicht die schlimmsten). Interessant ist, dass dieser Gedanke in den E-Mails, die ich kenne und mit denen ddp auf die (berechtigten!) Leserbeschwerden reagierte, fehlt. Der Stellvertreter des ddp-Chefredakteurs hat den Schreibern gesagt, dass ddp sich nichts, aber auch gar nichts vorwerfen lassen muss, und teilweise mit dem Anwalt gedroht.

Natürlich haben Sie das Recht, an einer Debatte über mögliche Fehlleistungen von ddp oder das Problem der Vorabmeldungen nicht teilzunehmen. Aber wenn der ddp Lesern gegenüber unbestreitbare Fehlleistungen bestreitet und ihnen unverhohlen droht, muss er damit leben, dass das öffentlich gemacht und darüber diskutiert wird.

Finde ich.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Niggemeier

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Super-Symbolfotos (29)

27 Sep 07
27. September 2007

[entdeckt vom Don]

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Noch mehr Nachhilfe von ddp

27 Sep 07
27. September 2007

Vielleicht ist es keine gute Idee, dass bei der Nachrichtenagentur ddp der Stellvertreter des Chefredakteurs, Rainer Höhling, für die Beantwortung von Leseranfragen zuständig ist. Vielleicht ließe sich jemand im Haus finden, der es schafft, diplomatisch, freundlich und gelassen auch auf harte Kritik zu reagieren, und nicht gleich zurückpöbelt und eklig herablassend wird oder sogar mit dem Anwalt droht. Vielleicht ist das aber auch so gewollt, um die Leute abzuschrecken und einzuschüchtern. Schließlich sind die Kunden der Nachrichtenagenturen ja die Medien und nicht die Leser, die sich neuerdings einbilden, überall mitreden zu können.

Herr Höhling hat also noch mehr Nachhilfestunden gegeben. Da beschwerte sich ein Leser, weil ddp berichtete habe, dass an der Demonstration „Freiheit statt Angst: Stoppt den Überwachungswahn“ in Berlin nur 2000 Menschen teilgenommen hätten, obwohl selbst die Polizei von 8000 gesprochen habe. Und, ja, der Leser hat ein paar Dinge durcheinander gebracht, und Herr Höhling musste sehr, sehr pädagogisch werden und gleich mehrmals mit dem Anwalt drohen, denn der Vorwurf, eine Agentur berichte falsch, sei rufschädigend, und das könne sich ddp nicht gefallen lassen, denn dort arbeitet man meistens korrekt, und wenn nicht, gibt man es offen zu. (Bitte lachen Sie hier.)

Richtig ist: Fast alle Nachrichtenagenturen berichten am Samstagnachmittag zunächst von 2000 Demonstranten. Aber laut abendschaublog spricht die Polizei „gegen 17 Uhr von rund 8000 Demo-Teilnehmern“. Um 17.20 Uhr ist man bei ddp noch bei 2000.

Um 18.01 Uhr meldet AP: „8.000 demonstrierten gegen Vorratsspeicherung von Daten“. Um 18.12 zitiert tagesschau.de einen Polizeisprecher mit der Angabe „mehr als 8000 Teilnehmer“. Um 18.29 Uhr berichtet „heise online“, die Polizei habe die Zahl der Demonstranten anfangs auf 8000 geschätzt und dann nach oben korrigiert. In der „Abendschau“ um 19.30 Uhr wird die Zahl 8000 genannt. Danach habe ich keine Agenturmeldung mehr gefunden, die von 2000 Demonstranten spricht.

Außer der Morgenzusammenfassung von ddp um 4.15 Uhr am Sonntag, in der es unbeirrt heißt: „Rund 2000 Menschen haben nach Polizeiangaben gestern in Berlin unter dem Motto «Freiheit statt Angst» gegen die Verschärfung der Sicherheitsgesetze demonstriert.“ Erst um 12.18 Uhr korrigiert ddp unauffällig im hinteren Teil einer Meldung seine früheren Angaben und ist nun endlich auf dem Wissensstand, den u.a. die Konkurrenz von AP über 18 Stunden vorher schon verbreitete.

Aber Herr Höhling (bei dem ich diesmal aus naheliegenden Gründen nicht mehr nachgefragt habe) meint, ddp sei nichts vorzuwerfen, und warnt davor, den Ruf der Agentur zu beschädigen.

Als bräuchte ddp dabei Hilfe von außen.

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ddp hat sich öffentlich nichts vorzuwerfen

26 Sep 07
26. September 2007

Da war ja diese Geschichte mit der „Bild“-Vorabmeldung über „faule Kredite“, die am vergangenen Sonntag von den Nachrichtenagenturen AP und ddp verbreitet wurde und sich als Falschmeldung entpuppte. Ein BILDblog-Leser beschwerte sich daraufhin per E-Mail bei ddp, dass die Agentur, wie andere auch, ohne Prüfung Meldungen aus der „Bild“-Zeitung übernehme. Er fragte, ob die ddp-Redakteure „zu blauäugig, zu träge oder zu unfähig“ seien.

Der Leser bekam von Rainer Höhling, dem Stellvertreter des ddp-Chefredakteurs, eine ausführliche Antwort, in der Höhling die Kritik als unsachlich, unhaltbar und beleidigend zurückwies.

Nachdem der Leser uns den Briefwechsel weitergeleitet hat, habe ich bei Höhling nachgefragt — und (nicht wundern!) viele Formulierungen aus seiner erstaunlich schroffen, herablassenden und anmaßenden Antwort aufgegriffen:

Sehr geehrter Herr Höhling,

ich wende mich an Sie, weil ich gehört habe, dass Sie stets darum bemüht sind, auch Menschen, die nicht die geringste Ahnung von der Arbeit von Nachrichtenagenturen haben, eine kleine Nachhilfe zu geben, und hoffe, meine Fragen in einem Ton zu formulieren, den Sie nicht als beleidigend empfinden.

Ein Leser von BILDblog hat uns Ihren Mailwechsel weitergeleitet, in dem es um die auch von ddp verbreitete Falschmeldung der „Bild“-Zeitung über die „faulen Kredite“ ging. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir ein paar Nachfragen gestatten.

Wenn Sie schreiben, dass es unmöglich war, den Wahrheitsgehalt der „Bild“-Vorabmeldung am Sonntagnachmittag zu überprüfen, bedeutet das, dass ddp im Zweifel lieber eine falsche Meldung verbreitet als zu warten bis eine Überprüfung möglich ist? Gilt diese Regel für alle ddp-Meldungen oder nur für Vorabmeldungen von anderen Medien? Und ist das Vorgehen von ddp unabhängig vom Medium, von dem die Vorabmeldung stammt, mit anderen Worten: Ist „Bild“ nach Ihrer Erfahrung eine Quelle, der man unbesehen trauen kann, dass ihre Angaben stimmen?

Wenn Sie fragen, wie lange es gedauert hätte, den gesamten BaFin-Geschäftsbericht von 2006 durchzusehen, um festzustellen, dass die „Bild“-Information falsch war, bedeutet das, dass die Mitarbeiter von ddp keine Suchfunktionen in Dokumenten nutzen, um zum Beispiel mit der Suche nach „188“ die entsprechende Stelle in Sekunden zu finden?

Wenn Sie Kritik an der ddp-Meldung zurückweisen, weil sie mit dem Satz geendet habe: „Bei der BaFin war am Sonntag zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen“, bedeutet das, dass ein solcher Satz ungefähr bedeutet: „Alles, was in dieser Meldung steht, könnte falsch sein“?

Wenn Sie schreiben, ddp hätte am Montag die Meldung vom Vortag „präzisiert“, meinen Sie dann „präzisieren“ im Sinne von „eine Falschmeldung korrigieren“? Und gibt es einen Grund, warum in dieser „präzisierten“ ddp-Meldung am Montag jeder Hinweis darauf fehlt, dass sie einer früheren ddp-Meldung in entscheidenden Punkten widerspricht? Wäre es nicht möglich gewesen, ein Wort wie „Korrektur“ in dieser Meldung unterzubringen?

Ist Ihnen bekannt, dass nach gängiger Spruchpraxis des Deutschen Presserates Zeitungen davon ausgehen dürfen, dass Agenturmeldungen sachlich korrekt sind, sie diese also nicht nachprüfen müssen? Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer Vorgehensweise, wie sie im Fall der „Bild“-Vorabmeldung über die „faulen Kredite“ offenkundig geworden ist und an der Sie selbst offenbar nichts kritikwürdig finden, dieser Verantwortung gerecht werden?

Oder, kurz gefragt: Wird ddp die nächste falsche Vorabmeldung von „Bild“ auch ungeprüft verbreiten?

Über Antworten würde ich mich sehr freuen. Ich würde sie, wenn Sie einverstanden sind, gerne auf BILDblog.de oder in meinem Blog stefan-niggemeier.de veröffentlichen.

Vielen Dank,
mit freundlichem Gruß
Stefan Niggemeier
BILDblog.de

Rainer Höhling hat sich mir gegenüber erklärt, ist aber nicht damit einverstanden, dass ich seine Antworten in irgendeiner Form veröffentliche. Offenbar möchte die Agentur ddp, dass weder bekannt wird, wie sie mit Leserkritik umgeht, noch, wie sie den Fall intern bewertet. Und schon gar nicht möchte sie an einer Debatte über die Grenzen des Agentur– und Vorabmeldungsjournalismus mitwirken.

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