Betriebsausflug

12 Feb 08
12. Februar 2008

Grimme-Kandidaten gucken

11 Feb 08
11. Februar 2008

Wer sehen will, was wir vergangene Woche in der Grimme-Jury in Marl gesehen haben: Das ZDF zeigt heute abend „Eine Stadt wird erpresst“, einen ungewöhnlichen Polizeithriller von Dominik Graf. Der Film war zwar nicht mein persönlicher Favorit auf einen Grimme-Preis (ob er einen bekommen wird, ist noch geheim), aber spanned, ungewöhnlich und vor allem mit dem gewagten Bruch in der Mitte, wenn Tempo und Genre wechseln, sehenswert. Und Uwe Kockisch ist wunderbar.

Eine Stadt wird erpresst, heute, 20.15 Uhr, ZDF.

Gehirnfasten mit Henryk M. Broder (2)

11 Feb 08
11. Februar 2008

Henryk M. Broder weiß nicht, was ich mit diesem Eintrag sagen wollte, sieht keine Notwendigkeit, dass die Dinge, die er schreibt, auch stimmen, und antwortet unter dem Titel „Schweinchen Schlau ermittelt“:

(…) Niggemeiers Fanclub liegt (…) im Dunstkreis der „Böhsen Onkelz“ oder hinter der Spatenbräu-Festhalle („Ochsen aller Art“) auf der Wiesn. Jetzt hat er sich wieder einen abgequält. Um zu beweisen, dass eine „Islamisierung Westeuropas“ nicht stattfindet, hat er ein paar Sätze aus einem Text von mir in seine Einzelteile zerlegt und dabei herausgefunden, dass es sich um einen Text von mir handelt. Eine erstaunliche Erkenntnis, die er nicht nur mit Suggestionen, Unterstellungen und Erfindungen anreichert, sondern auch in entscheidenden Details korrigiert. (…)

Was also will der Schmock? Keine Ahnung. (…) vielleicht war es nur die Fingerübung eines bedeutenden Medienjournalisten, der für größere Aufgaben trainiert. Wie wir alle wissen, gibt es bis heute keinen Hinweis darauf, dass Hitler die Endlösung der Judenfrage persönlich befohlen hat. Zumindest gibt es kein Dokument darüber, das seine Unterschrift trägt.

Ebenso fehlt es an objektiven Quellen, die zweifelsfrei belegen, dass der Massenmord an den Armeniern wirklich stattgefunden hat und nicht von Franz Werfel imaginiert wurde.

Es könnte sein, dass es sich dabei nicht um Erfindungen handelt, aber das letzte Wort in solchen Mediengeschichten müssen wir Sesselpupsern und Korinthenkackern wie Niggemeier überlassen.

Je ferner, desto lauter

11 Feb 08
11. Februar 2008

Einige deutsche Online-Medien behandeln es gerade als eine Sensation: Der Wahlkampf von Hillary Clinton wird ab sofort von einer anderen Frau geleitet. Bei Bild.de lief die Nachricht sogar in einem „Breaking News“-Laufband über die Seite. Sie scheinen sich einig zu sein: Clinton hat Patti Solis Doyle wegen Erfolglosigkeit entlassen. Bei den beiden führenden Lautsprechern unter den Online-Medien liest es sich natürlich besonders dramatisch:

Komisch nur, dass das auf amerikanischen Nachrichtenseiten anders klingt, unspektakulärer, nicht ganz so überraschend, sogar ohne den Konflikt, den das Wort „Rauswurf“ suggeriert. Bei vielen Medien ist es nicht einmal der Aufmacher, auch in den Fernsehnachrichten von CNN International gerade war es nur eine kurze Meldung.

Das Politik-Blog der „New York Times“ zitiert einen Clinton-Sprecher, dass Frau Solis Doyle weiterhin eine „Schlüsselrolle“ innerhalb des Teams einnehmen werde. Das Politik-Blog der „Washington Post“ berichtet, dass es schon seit Wochen Gerüchte gegeben habe, Maggie Williams werde Patti Solis Doyle ersetzen. „Politico“ schreibt, dass der verstärkte Einfluss von Maggie Williams, ohnehin wie Solis Doyle eine langjährige Beraterin Clintons, sich bereits seit Wochen bemerkbar gemacht habe und keine offensichtliche Verschiebung der Machtstrukturen innerhalb des Wahlkampfteams bedeute. Selbst Fox News, alles andere als ein Freund von Hillary Clinton, spricht nur von einem „Rücktritt“ und berichtet, dass Solis Doyle auch in Zukunft Clinton gelegentlich bei ihren Wahlkampfreisen begleiten werde.

Wie wird auf dem Weg von Amerika zu uns aus einer interessanten Meldung eine Sensation? Wie aus einem Rücktritt, der mit den jüngsten Wahlniederlagen oder mit Fehlern im Zusammenhang mit der Vorwahl in Iowa vor fünf Wochen zu tun haben, aber auch die private Entscheidung einer Mutter von zwei kleinen Kindern sein könnte, die wie fast alle dachte, dass zu diesem Zeitpunkt das Rennen längst entschieden sei, wie wird daraus ein eindeutiger „Rauswurf“ oder gar das „Feuern“ einer Frau, die doch anscheinend weiter eine führende Beraterin bleibt?

Sind die deutschen Online-Medien selbst in der Spätschicht am Sonntagabend besser informiert, weniger naiv als die amerikanischen? Oder ist es eher so, dass sie den Mangel an Hintergrundwissen durch Sensationalismus und Einseitigkeit ausgleichen?

Teletext: Stefan Raab

10 Feb 08
10. Februar 2008
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Man kann Stefan Raab schon dafür mögen, dass er der ungefähr letzte Prominente ist, der sich, wenn er zu „Wetten dass …?“ eingeladen wird, nicht denkt: Okay, flätz‘ ich mich halt drei Stunden auf dem Sofa, sondern: Hui, da denk‘ ich mir was aus! Neulich parodierte er, als Gottschalk seine Begrüßung abgeschlossen und die erste Frage gestellt hatte, den typischen internationalen Star, der sich den Knopf mit dem Übersetzer ins Ohr drückt, zeitverzögert antwortet, die üblichen Floskeln ablässt und ankündigt, leider gleich wieder zum Flieger zu müssen. Raab hatte sogar den Simultandolmetscher eingeweiht, der seine Worte brav übersetzte, und es war eine kleine, lustige, harmlos-bösartige Szene, mehr braucht es ja nicht.

Später spielte er mit und für Udo Jürgens am Klavier, dafür hatte er sich extra einen weißen Bademantel hinterm Sofa bereitgelegt und ein Glas Wasser ins Gesicht gekippt. Aber die Nummer hatte nichts Despektierliches, sondern war eine Hommage, wie man nicht nur an der Verbeugung sehen konnte, mit der Raab Jürgens begrüßte. Dann ließ er die Leute im Rhythmus klatschen, bevor er anfing zu spielen, um sie auf die einfachste Art dazu zu bringen, auf Zwei und Vier zu klatschen, was sonst in Deutschland keiner kann.

Wenn Raab etwas am Herzen liegt, seien es die Nachwuchssänger, die er fast mitten in der Nacht in seinem Talentwettbewerb bei „TV Total“ fördert, oder nur das eigene, von Siegeswillen getriebene Ego, wie in seiner gerade wieder preisgekrönten Show „Schlag den Raab“, ist er ein großer Entertainer. Dann entwickelt er eine Leidenschaft, mit der kaum ein anderer Fernsehmoderator mithalten kann, am wenigsten Raab selbst in seiner alltäglichen, gelangweilten, anspruchslosen, desinteressierten, vor sich hin stolpernden Form, in der er es sogar fertigbringt, den Namen einer Band, die am kommenden Donnerstag bei seinem „Bundesvision Song Contest“ antritt, mehrfach falsch zu sagen.

Aber dann sind da diese Möchtegern-Nächste-Uri-Gellers aus der Pro-Sieben-Show, und wenn Raab sich an ihnen abarbeitet, sind das Sternstunden. Es scheint, als seien diese peinlichen Figuren mit ihrem Anspruch, Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten zu sein, für Raab nicht nur willkommenes Witzmaterial, sondern ein echtes Ärgernis. Als störe ihn nicht nur, dass sie so schlechte Entertainer sind, sondern auch dieser unnötige Flirt mit dem Okkulten. Mit großer Lust und gerechter Häme, aber auch mit einem fast aufklärerischen Ansatz des Skeptikers entlarvt er ihren faulen Zauber, und das auf demselben Sender. Auch dafür kann man ihn schon mögen.