Lesenachlese

29 Okt 07
29. Oktober 2007

Eine der Fragen, die mir am Donnerstagabend immer wieder gestellt wurde, war die, ob ich glaubte, dass auch jemand von „Bild“ da wäre. Jetzt weiß ich’s: mindestens Hagen Meyer. Der Autor von „Bild“-Artikeln wie „Wer läßt sich von mir verhaften? Ich bin unbewaffnet. Du kannst gerne nachgucken … Polizistin Sabrina (22) sucht einen starken Mann“ berichtet im Blog der Axel-Springer-Akademie über die Veranstaltung. (Den Hinweis, dass er selbst für „Bild“ schreibt, hat er vergessen.)

Wenn ich ihn richtig verstehe, war er enttäuscht, dass die Veranstaltung namens „Charlotte Roche liest BILDblog“ im Wesentlichen daraus bestand, dass Charlotte Roche BILDblog las. Er merkte zudem kritisch an, dass das ohne Charlotte Roche nichts gewesen wäre. Recht hat er.

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Aber das wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Eigentlich wollte ich schon vor Tagen darüber bloggen, wie das war, diese Veranstaltung vorzubereiten. Ich wollte von den vielen, vielen Stunden berichten, in denen ich daran saß, die (meist extra von Heiko in tagelanger Arbeit noch einmal neu eingescannten) Ausrisse in Form zu bringen. Das war nämlich meine erste Powerpoint-Präsentation überhaupt, und die Idee, das Programm dabei quasi so nebenbei zu lernen, könnte man überambitioniert nennen oder auch einfach dumm. Schön jedenfalls, dass ich jetzt weiß, dass Word nicht das einzige Programm mit der intuitiven Microsoft-Benutzerführung ist: Es errät mit erstaunlicher Trefferquote, was ich tun will, um dann etwas anderes zu machen.

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Apropos: Ist eigentlich schon mal juristisch geprüft worden, ob das Programmverhalten von Word bei der Arbeit mit langen Tabellen und Seitenumbrüchen möglicherweise gegen die Genfer Menschenrechtskonvention verstößt?

(Bevor jemand fragt: Word 2007, PowerPoint 2007, Vista. Ja, ich weiß.)

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Knifflig bei der Zusammenstellung des Programms für den Abend waren die Fragen: Wie witzig muss es sein? Wie ernst darf es sein? Es sollte ein unterhaltsamer Abend werden, die Leute sollten etwas zu lachen haben, keine Frage. Aber wir wollten auch die schlimmen Geschichten erzählen, an deren Ende nicht unbedingt eine Pointe steht, und schon gar keine lustige. Andererseits haben wir schon vorher bei der Auswahl gemerkt, dass viele der krassen Geschichten gar nicht zum Vorlesen in diesem Rahmen taugen; dass wir die Menschen, die „Bild“ zu Opfern gemacht hat, in gewisser Weise noch einmal missbrauchen würden.

Klar: Das war eine Gratwanderung, und bei der Lesung trat noch ein anderer, merkwürdiger Effekt ein. Klaus Raab beschrieb das in der „taz“ so:

Frappierend ist jedoch, dass das Publikum nicht nur über die pointierten Kommentare von Bildblog lacht, sondern — selbst im Fall des Hort-Artikels — schon über die Primärquelle: Bild.

Damit hatten wir so nicht gerechnet, und tatsächlich scheint das auch ein Widerspruch zu dem zu sein, was wir schon sehr früh als eine Motivation für BILDblog formuliert hatten:

Uns stört die Tendenz, alles in „Bild“ als amüsante Unterhaltung wahrzunehmen.

Haben wir nun womöglich genau das selbst gemacht? Und ungewollt bewiesen, wie gut das funktioniert, wie lustig das ist: ein Abend mit „Bild“-Artikeln?

Es ist dann aber doch eine andere Art des Lachens. Es hat nichts von dieser postmodernen Haltung, die „Bild“-Zeitung als Fiktion zu lesen und ihre Machart, ihre vermeintliche Kunstfertigkeit zu bewundern, unabhängig vom Inhalt. Deutlich wurde das für mich auf der Bühne bei unserem Eintrag zum Brief von Wagner an die türkischen Schüler. Das Gelächter war nicht nur eines über den armen Wirren Franz Josef Wagner. Es war auch ein Ausdruck der Fassungslosigkeit über die Ideologie, die mit solchen „Bild“-Artikeln transportiert wird. Es hat, kurz gesagt, etwas Kathartisches, das Lachen.

Christoph hat diese These noch am Abend entwickelt, und ich glaube, sie stimmt: Da sitzen Leute, die ihre Ablehnung dieser Zeitung und ihrer Methoden vereint, und lachen „Bild“ gemeinsam und öffentlich aus. Oder wie es eine Kommentatorin bei der „taz“ formuliert:

[Das Lachen] ist keine Verharmlosung der BILD, sondern Ausdruck der Unfassbarkeit, dass dieser Schrott in der meistgelesenen Zeitung Deutschlands stehen soll.

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Klaus Raabs Fazit in der „taz“ gefällt mir gut:

An diesem Abend trifft sich also eine nicht bis ins Nachtprogramm hinein politisierte Generation — aber doch ein Milieu, in dem Bereitschaft zu politischem Denken besteht.

Er zitiert mich allerdings davor mit dem Satz, BILDblog werde von „20-Jährigen“ gelesen — dabei habe ich das nur als einen Teil unserer (vermuteten) Leserschaft angegeben.

Ein erster, unverbindlicher Blick in die (noch nicht abgeschlossene) BILDblog-Leser-Umfrage zeigt übrigens, dass unsere Leser im Schnitt 28,5 Jahre alt sind.

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Und es sind die tollsten Leser der Welt. Am Dienstag vor der Lesung haben wir noch ein paar Karten verlost, und wenn ich mal schlechte Laune habe, werde ich in Zukunft nur in den Ordner mit den E-Mails schauen müssen, die da gekommen sind.

Es ist immer noch eine solche Welle von Sympathie und Zustimmung, die uns da entgegen schwappt. Und es geht nicht darum, dass alle jubeln sollen über das, was wir machen, oder dass es an BILDblog allgemein oder im Einzelfall nicht genug zu kritisieren gäbe. Aber ein solches grundsätzliches Wohlwollen von netten Menschen, habe ich noch bei keiner anderen Arbeit erlebt.

Ich erlebe das immer noch als Glück. Ein bisschen Stolz ist auch mit dabei, vor allem aber ist das ein großes, großes Glück.

Wie unfassbar das ist, hat mir unsere Lesung wieder gezeigt: Ich meine, wo gibt es das denn, dass Charlotte Roche einem sagt: Klar, ich les gerne für euch. Dass man bei Fettes Brot anfragt, ob die nicht auflegen wollen, und keine 24 Stunden später sagen die Ja. Einfach so, weil die uns gut finden (und Charlotte Roche). Ach, und überhaupt: Dass man eine Lesung macht und trotz 600 Sitzplätzen nicht alle reinkommen, die reinwollen, und sich mit selbst gemalten „Suche Karten“-Schildern vor die Tür stellen?

Was ich eigentlich sagen will: Danke!

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Wenn Sie das jetzt schon sentimental und selbstbezüglich fanden, dann seien Sie froh, dass ich all das (und viel mehr) nicht schon vergangene Woche im Glücksrausch aufgeschrieben habe. Das ist auch eine interessante Erfahrung: Wenn schon mal wirklich etwas passiert im Leben, über das man bloggen könnte, kommt man nicht dazu, darüber zu bloggen, weil man voll und ganz damit beschäftigt ist, es zu erleben.

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Ach ja, die meistgestellte Frage nach der Lesung war diese: Ob wir damit dann jetzt auf Tournee gehen.

Keine Ahnung. Wir wissen noch nicht, ob wir das könnten. Wir wissen aber auch noch nicht, ob wir das überhaupt wollten.

Politically Incorrect: Doch kein Hass

29 Okt 07
29. Oktober 2007

Ich habe vergangene Woche für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ einen Text über „Politically Incorrect“ geschrieben. Eine zentrale Aussage lautet:

Vielleicht erklärt das die große Anziehungskraft von „Politically Incorrect“ und einer Vielzahl kleinerer, aber ähnlicher Seiten: Dass die Gefahr des Islams den Menschen eine frische, scheinbar anständige Legitimation für alten Hass liefert. Der Extremismus und die Fremdenfeindlichkeit kommen hier nicht vom Rand, sondern entschieden aus der Mitte der Gesellschaft.

Mir haben seitdem einige Menschen geschrieben und widersprochen, insbesondere was den Hass angeht. Ihre Argumente lauteten u.a. so:

Sehr geehrter Hr. Hofnarr des Gulli-Journalismus…

… dämlicher, geschmaks– und stillloser als wie Sie Ihre Tintenprodukte fabrizieren geht es eigentlich kaum.

Sie tun mir eigentlich Leid, daher finde ich auch Schade dass Sie eher früher als später in den eigens produzierten Exkrementen ersticken werden.

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Der o.g. Schmierfink weiß wirklich nicht, welchen Schaden er mit seinem Pamphlet bereits angerichtet hat.

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Donnerwetter! Die FAS ist mittlerweile auch schon bei den Linksfaschisten angekommen.

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Gratulation. Als Islam-Fascho-Freund und Demokratiegegner tragen Sie erfolgreich zur Einführung der Scharia bei.

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Das Sie in geradezu FASCHISTISCHER Weise zu einer Hexenjagd aufrufen, ist widerlich und erbärmlich!

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…in feinster Stürmer-Manier…

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Unverschämtheit, wie Sie [die FAZ] dem Hetzer Niggemeier ein Forum zur Diffamierung der Betreiber und Leser von PI bieten!!!

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Ich spucke aus vor solchem… „Journalismus“

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Ich an seiner Stelle [der von Stefan Herre, dem Verantwortlichen von „Politically Incorrect“] würde Sie nun juristisch zumüllen, bis Ihnen auch der letzte Cent aussgeht. Ihre Hasstirade zeigt mir einmal mehr, welche faschistoide Fratze sich hinter solchen gutmenschlichen Speichelleckern wie Ihnen verbirgt.

Manche der Texte sind sprachlich rätselhaft, aber kraftvoll:

.….besser du achtest genau auf deine Antwort. Ich bin einer von denen die auch um Flueche beten solchen, die den Weg der Achtsamkeit geringmeinen.

Und mein Favorit ist dieser:

Unter dem Dummi-Pseudonym „Fundamentalislam-Niggemeier“ lässt der unverhohlen diktatorische FAS-FAZ-Leser-Presskopp-Kartell-Mob seinen Methangasdampf ab gegen die geistigen Promoter des erfolgreichsten PI-Weblogs der BRD, gegen alles was schon ein bisschen anders denkt oder überhaupt mal ein bisschen wissenschaftlich zu denken wagt wie z.B. Dawkins, Kant, Einstein und Konsorten oder gar mal etwas selbständiger zu denken wagt wie z.B. die FAZ-Leser, die sich voller Abscheu von dem neokreativen nichtssagenden Buntigkeits-Profil samt dem FAZ-Abonnement verabschieden, weil sie dennoch diesem FAZ-FAS-Produktfehlprofilsucht-MOB nicht mehr in ihren langfristgesehen wirtschaftlich eher chaotischen Erosionskram zur feuilletonistisch-pseudogerman-istischen Selbstbefriedigung passen, um diese als PI-Konsorten-Widerlinge klammheimlich zwischen den Hass-FAS-Zeilen vergiften zu können.

(Das geht noch viele Absätze so weiter.)

Und bei „Politically Incorrect“ selbst vergleicht ein leitender Funktionär von Udo Ulfkottes Verein „Pax Europa“ mich in einem Gastbeitrag mit Abu Hamza al-Masri. Das ist ein Hassprediger, der wegen Volksverhetzung und Aufruf zum Mord in Großbritannien zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

Die Sonntagsruhe von stern.de

22 Okt 07
22. Oktober 2007

Weiß eigentlich jemand, ob die groß angekündigte Online-Offensive des „Stern“ schon begonnen hat? Oder hab ich das Kleingedruckte überlesen, und stern.de will Spiegel Online nur von montags bis freitags zwischen, sagen wir, 10 und 18 Uhr Konkurrenz machen?

Es war ein ziemlich nachrichtenreicher Sonntagabend, und das kam nicht einmal überraschend: In der Schweiz und in Polen wurden Parlamente gewählt, in Brasilien wurde ein Formel-1-Weltmeister gekürt. Und fast alle großen Nachrichtenseiten berichteten am Abend darüber, dass die SVP in der Schweiz gewonnen hat, aber nicht so dramatisch. Dass in Polen anscheinend die Opposition gewonnen hat, und zwar durchaus dramatisch. Und dass Kimi Räikkönen wegen Ermittlungen gegen mehrere Fahrer doch noch um seinen Titel bangen musste. (Spiegel Online informierte mit Abstand am aktuellsten, ausführlichsten und analytischsten.)

Nur bei stern.de hat der Letzte (und, nach der Menge und Qualität des Outputs zu urteilen, womöglich Einzige) offenbar gegen 18 Uhr das Licht ausgemacht. Vorher hat er noch eine notgedrungen vage formulierte dpa-Meldung über die Wahl in der Schweiz auf die Seite geschaufelt, Stand: 17.31 Uhr. Der jüngste Artikel über die Wahlen zum Sejm wartet auch am späten Abend noch mit der spannenden Information darüber auf, dass die Wahlbeteiligung bis 10.30 Uhr bei 8,36 Prozent lag, und fabuliert von einem „Kopf-an-Kopf-Rennen“. Und was am Abend nach dem Ende des Formel-1-Finales noch geschah — mei, der Räikkönen ist ja dann doch noch als Weltmeister bestätigt worden, da ist doch schön, wenn man sich als stern.de-Leser das hektische Nachrichten-Hin und –Her zwischendurch einfach ersparen kann.

Wenn schon falsch, dann richtig

20 Okt 07
20. Oktober 2007

Es gibt Zeitungen, die sind berühmt für ihre lebendigen Reportagen. Andere sind zu Recht stolz auf ihre Kommentatoren. Wieder andere wissen einfach, wie man gute Interviews führt.

Die Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ aus dem Hause Axel Springer fabriziert die besten Gegendarstellungen und Widerrufe weit und breit. Heute findet sich darin dieses bemerkenswerte Exemplar:

„B.Z.“, 20. Oktober 2007
Gegendarstellung

In der B.Z. vom 5. Oktober 2007 bilden Sie mich auf der Seite Fernsehen neben einer Frau ab und schreiben darunter: „Barth und Freundin Céline wollen Kinder“

Hierzu stelle ich fest:

Bei der abgebildeten Person handelt es sich nicht um meine Freundin. Meine Freundin heißt auch nicht Céline. Die abgebildete Person heißt auch nicht Céline, sondern Ulrike K. und ist PR-Beraterin. Ich will mit der abgebildeten Person auch keine Kinder.

Berlin, den 9. Oktober 2007
Rechtsanwalt Dr. Christian Schertz für Mario Barth

Herr Barth hat Recht.
Die Red.

Da fragt man natürlich sich angesichts des Nachsatzes: Woher wissen die bei der „B.Z.“, dass Herr Barth wirklich keine Kinder mit der abgebildeten Person haben will? Die Antwort lautet vermutlich: Aus Gründen der Wahrscheinlichkeit. Sie hatten das behauptet, also wird es schon falsch sein.

Gut, auch in der „B.Z.“ hat nicht jede Gegendarstellung diese Poesie. Diese klingt doch eher schnöde:

„B.Z.“, 26. Mai 2007
Gegendarstellung

„In der B.Z. vom 07. März 2007 berichten Sie auf Seite 17 unter der Überschrift „Gsells Neuer in (Finanz-) Not“ über mich, veröffentlichen das folgend eingeblendete Foto und bezeichnen mich als „Stefan Reiche“.

Weiterhin heißt es: „Der Besitzer vom „Rich Club“ (… ).“

Hierzu stelle ich fest:
Mein Name ist nicht Reiche. Ich auch weder Gesellschafter noch Geschäftsführer noch „Besitzer“ des „Rich Clubs“.

Berlin, den 23.06.07 Rechtsanwalt Dominik Höch für Stefan R.

Mit Fotos allgemein scheinen sie bei der „B.Z.“ aber auch Pech zu haben.

„B.Z.“, 2. September 2007
Berichtigung

Auf Seite 12 der B.Z. vom 1. September zeigten wir ein Foto von Kantor Isaak Sheffer mit einer Thora-Rolle in der Synagoge Rykestraße. Irrtümlicherweise stand unter dem Foto der Name von Rabbiner Ernst Stein. Wir bedauern diesen Fehler.

Na gut, das kann mal passieren.

„B.Z.“, 8. August 2007
Berichtigung

In der Rubrik „Zero“ erschien am 6. August ein Artikel über den tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus. Das Foto zeigte aber irrtümlicher Weise seinen Vorgänger Vaclav Havel.

Es ist aber auch ein Kreuz.

„B.Z.“, 4. April 2007
Berichtigung

Durch einen Fehler in der gestrigen Berichterstattung über die Tsunami-Katastrophe auf den Salomon-Inseln wurde ein Archivfoto aus Banda Aceh aus dem Jahr 2005 (unten) gedruckt. Dafür entschuldigen wir uns.

Und dann war da ja noch (erinnern Sie sich?) dieser spektakuläre Fall:

„B.Z.“, 18. August 2007
Berichtigung

Auf S. 2 der Ausgabe vom 16. August zeigte B.Z. ein Foto, das angeblich eine Landmine zeigte. Dabei handelte es sich um ein täuschend echt wirkendes Gitarren-Effektgerät namens Landmine.

Vielleicht wäre der Verzicht auf Fotos eine Idee? Nein, es hülfe nicht:

„B.Z.“, 3. September 2007
Berichtigung

In „Endlich wieder Diedersdorf“ (1.9./ S.6) wurde Trainer Ulli Wegner versehentlich Rudi Wegner genannt. Michael Lang ist nicht Thunder-Manager, er hat eine Event-Agentur.

Also gut: Keine Fotos, keine Namen, keine Funktionen. Nur Fakten. Oder?

„B.Z.“, 5. September 2007
Berichtigung

In der B.Z.-Ausgabe vom 30. August schrieben wir unter der Überschrift „Polizei ermittelt gegen Beckers Nachtgespenst“: „Die Polizei ermittelt gegen Jessica von R. wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz“. Diese Feststellung entspricht nicht der Wahrheit und stammt auch nicht von der Berliner Polizei. Sorry.

Ja, sorry, und da bleiben ein paar Fragen offen. Aber nicht so viele wie bei dieser Geschichte:

„B.Z.“, 24. August 2007
Berichtigung

Am 18. August berichteten wir auf S. 6 über ein geheimes Treffen zwischen Wowereit und Tom Cruise in Potsdam. Das Treffen in der „Löwenvilla“ hat nicht stattgefunden.

Dabei hatte die „B.Z.“ eine knappe Woche vorher so gut informiert geklungen. Sie wusste sogar Straße und Hausnummer!

Nach B.Z.-Information traf der Politiker den Suri-Papa in Potsdam. Und zwar in der „Löwenvilla“, Gregor-Mendel-Straße 26. Der Drehort ist historisch echt: Dort hatte Oberstleutnant Fritz von der Lancken den Sprengstoff für das gescheiterte Attentat vom 20. Juli 1944 aufbewahrt, bis Stauffenbergs Fahrer ihn abholte.

Und da also redeten die beiden Männer so über dieses und jenes. Was genau, bleibt natürlich streng geheim, streng vertraulich! Vielleicht bekommt Wowi ja eine Statistenrolle? Aber: Pssst…

„Dieses und jenes“ wäre sicher auch eine bessere Inhaltsangabe für eine Halle gewesen, über die die „B.Z.“ berichtete. Dann hätte die Zeitung nicht hinterher schreiben müssen:

„B.Z.“, 3. Februar 2007
Berichtigung

Berlin — Am Donnerstag berichtete die B.Z. über eine Halle der Justiz, in der Beweismittel aus Ermittlungsverfahren gelagert werden. Dazu möchten wir korrigieren: Es handelt sich nicht um unbearbeitete Akten, sondern um Beweismittel aus aktuellen Wirtschaftsverfahren. Die Beweismittel lagern dort nicht Jahrzehnte, sondern über einen kürzeren Zeitraum. Ob künftig hier Unterlagen aus dem Landowsky-Prozess gelagert werden, hängt auch davon ab, ob Staatsanwaltschaft oder Verteidigung in Revision gehen.

Wie kommt es überhaupt zu solchen Fehlern? Schlampt da irgendwer? Vielleicht müsste die „B.Z.“ doch darüber nachdenken, Herrn oder Frau Übermittlung in einen weniger sensiblen Bereich in der Redaktion zu versetzen:

„B.Z.“, 18. Juni 2007
Berichtigung

Berlin — In der Berichterstattung über Politiker-Nebentätigkeiten vom 6.7. gab es Übermittlungsfehler. Wirtschaftsminister Michael Glos machte uns darauf aufmerksam, dass seine Tätigkeit als Chef des Aufsichtsrates bei der DENA im Auftrag der Bundesregierung und ohne Entgelt stattfindet. Frau Monika Grütters verwies darauf, dass sie für ihre FU-Honorarprofessur nur 200 Euro im Jahr erhält, diese ihren Studierenden für ihr Absolventenfest spende. B.Z. entschuldigt sich bei Herrn Glos und Frau Grütters.

Oft sind die Dinge aber auch kompliziert:

„B.Z.“, 25. August 2007
Gegendarstellung

In der B.Z. vom 26. Juli 2007 verbreiten Sie unter der Überschrift Dieser Familie droht ein Rauswurf, weil ein Adliger ihr Haus will auf S. 15 über mich unzutreffende Darstellungen:

Sie schreiben: „Ab 1999 verkauft die Treuhand Häuser in Börnicke. Mieter haben Vorkaufsrechte, viele erwerben ihr Haus. Nur Familie Jesse darf nicht kaufen. Heiko Jesse…: „Lange rätselten wir, warum. Jetzt wissen wir den Grund. Denn in das Haus will der Berliner Immobilienmakler W. einziehen.“ Dazu schreiben Sie, ich sei Mitarbeiter der BVVG. Dazu stelle ich fest: Ich bin kein Makler. Den Mietern wurde nicht wegen meines Erwerbswunsches kein Vorkaufsrecht eingeräumt. Die BVVG, die das Grundstück vermarktet, tut das generell über öffentliche Ausschreibung. Ich hatte und habe mit dem Objekt BVVG-seitig nichts zu tun. Ich habe mich an der öffentlichen Ausschreibung des Anwesens beteiligt als Privatmann.

Sie zitieren den Bewohner: „Herr W. hat sich nicht vorgestellt.“ Das ist falsch. Ich habe mich vorgestellt.

Berlin, den 10.08.2007
RA Johannes Eisenberg für v. W.

Herr v. W. hat recht,
die Redaktion.

Na, da ist doch wenigstens der letzte Satz von erfrischender Klarheit.

Aber wer weiß, wie oft die vielen schönen Gegendarstellungen, Widerrufe und Berichtigungen in der „B.Z.“ nicht einmal die halbe Geschichte erzählen. Wie im Fall des Soap-Darstellers Pete Dwojak, den die „B.Z.“ „turtelnd“ auf dem Kudamm mit einer Halbprominenten „erwischt“ zu haben glaubte. Es sei das Ende des „Versteckspiels“, ihre „Liebe“ hielten die beiden nicht mehr „geheim“, behauptete die „B.Z.“

Und lag auch damit ganz offensichtlich falsch. Der Artikel ist (sicher nicht freiwillig) entfernt worden, auch in den Archiven fehlt er. In der Zeitung aber hieß es nur:

„B.Z.“, 5. Juni 2007
Gegendarstellung

In der B.Z. vom 26. Mai 2007 schreiben Sie auf Seite 10 in dem Artikel mit der Überschrift „Süße Küsse mit ‚GZSZ‘-Star Pete Dwojak am Kudamm“ über mich:

„Der gebürtige Pole“.

Hierzu stelle ich fest:

Ich bin als deutscher Staatsbürger in Berlin geboren.

Berlin, den 29. Mai 2007
Rechtsanwalt Dr. Christian Schertz für Pete Dwojak

Pete Dwojak hat recht, die Redaktion.

Nur nicht Vroni, die konnt Iro nie

20 Okt 07
20. Oktober 2007

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