Firefox 2.0.0.8 frisst Blog-Design

19 Okt 07
19. Oktober 2007

Heute mal wieder was Technisches.

Firefox hat eine neue Version herausgebracht, und irgendwas haben sie geändert, das das Design von fernsehlexikon.de zerstört.

Das Design mit den drei gleichlangen, farbig hinterlegten Spalten beruht auf dem bis gestern wunderbar problemlosen Three-Column Layout von A List Apart. Bis Firefox 2.0.0.7 funktionierte alles, in anderen Browsern läuft’s auch. Nur Firefox 2.0.0.8 zickt.

Es liegt offenbar nicht speziell an fernsehlexikon.de; sämtliche Layouts, die auf dem Three-Column-Layout-Trick basieren, scheinen nicht mehr zu funktionieren.

Hat jemand eine Idee?


Links: IE (richtig). Rechts: Firefox 2.0.0.8 (falsch)

Callactive unterliegt vor Gericht

18 Okt 07
18. Oktober 2007

Der Firma Callactive, die für MTV dubiose Anrufsendungen veranstaltet, ist es vorerst nicht gelungen, den Betreiber eines kritischen Forums in den Ruin zu treiben.

Callactive fordert von Marc Doehler rund 35.000 Euro Strafe, weil in seinem Forum call-in-tv.de mehrmals (teils nur für wenige Minuten) die Behauptung zu lesen war, Callactive betrüge die Zuschauer durch den Einsatz von Fake-Anrufern. Doehler hatte Anfang des Jahres in einem Radiointerview gesagt, dass man beim Betrachten der Callactive-Sendungen zu diesem Schluss kommen könne, und nach einer Abmahnung durch Callactive eine Unterlassungserklärung abgegeben. Callactive sah in mehreren Äußerungen im Forum Verstöße gegen diese Unterlassungserklärung und forderte für jeden Strafen von bis zu 5000 Euro. (Der Verdacht, dass es bei Callactive nicht mit Rechten Dingen zugeht, mag falsch sein, ist aber naheliegend.)

Das Landgericht Berlin wies die Klage von Callactive ab, weil sich die Unterlassungserklärung nur auf Radiointerviews, nicht das Forum bezogen habe.

Frank Metzing, der Anwalt von Marc Doehler, schildert die Verhandlung so:

Der Vorsitzende der Pressekammer (27. Kammer), VRiLG Mauck, führte gar nicht erst groß in den Sachverhalt ein, sondern unternahm gleich einen Güteversuch mit einem Vergleichsvorschlag, der Marc fast die Tränen in die Augen getrieben hätte. Sinngemäß: „Herr Döhler, Sie sehen doch, mit dem Forum haben Sie nur Ärger, und es ist ja auch nicht so bedeutend, daß Sie damit die Welt retten. Wie wäre es denn, wenn Sie das Forum schließen und die Sache so aus der Welt schaffen? Es hat Sie doch bisher schon ziemlich viel Geld gekostet. Suchen Sie sich doch ein anderes Hobby.“ Dabei grinste er etwas verschmitzt, so daß der Eindruck aufkommen mußte, daß er den Vorschlag selbst nicht so ganz ernst nahm.

Ich wollte dazu gleich etwas sagen, aber Marc wollte sich lieber selbst zu Wort melden. Marc führte seine Motivation aus, das Forum zu machen, um aufzuklären, und stellte klar, daß es dabei zwangsläufig auch zu Problemen mit Sendern kommen müßte. Das Forum schließen: auf keinen Fall, keine Vergleichsbasis. (…)

[Der Richter] äußerte — zu unser aller Überraschung — die Auffassung, daß die Unterlassungserklärung ja der Auslegung zugänglich sei und man sie durchaus so auslegen könnte, daß sich Marc damit nur dahingehend verpflichtet hätte, dies in Radiointerviews nicht mehr entsprechend zu äußern, das Forum aber hiervon gar nicht betroffen sei, weil Ausgangspunkt ja nun einmal das Radiointerview gewesen sei.

Weiter meinte Richter Mauck, daß die überwiegende Anzahl der gerügten Beiträge in den Augen des Gerichts tatsächlich Verstöße gegen die Unterwerfungserklärung darstellen würden, wenn man zu dem Schluß komme, daß diese sich auch auf das Forum beziehe, allerdings nicht alle gerügten Beiträge. Das Gericht war der Meinung, entsprechende Vermutungen könne man durchaus äußern, wenn sich einem der Verdacht aufdränge (hier warne ich allerdings ausdrücklich Neugierige vor schnellen Schlüssen und Schüssen — das LG Hamburg sieht das anders als das LG Berlin!).

Schließlich war das Gericht der Auffassung, daß die Vertragsstrafen, insbesondere die 5.000-€-Vertragsstrafen, weit überhöht seien, da Marc auch 100 € angesichts seiner finanziellen Verhältnisse entscheidend treffen würden. (…)

Das Gericht war letztlich der Auffassung, daß Wortsperren oder eine Kontrolle durch Mods nach Veröffentlichung nicht ausreichten, sondern ausschließlich eine Vorabkontrolle. Für den Zeitraum, in dem diese aufgrund technischer Probleme nicht einsetzbar gewesen sei, hätte Marc das Forum eben dichtmachen müssen.

Das war für das Urteil aber ohne Bedeutung, da es in diesem Verfahren nur um die Strafe wegen den Verstoß gegen die Unterlassungserklärung ging. Da die nach Ansicht des Gerichts das Forum aber nicht betraf, war die Klage abzulehnen.

Der Anwalt von Callactive kündigte gegenüber dem Medienmagazin DWDL an, in Berufung zu gehen.

Weitere Einträge zum Thema Callactive.

[Kommentare wegen laufenden Verfahrens von Callactive gegen mich geschlossen.]

Dabeisein ist alles

18 Okt 07
18. Oktober 2007

Sie sind ungefähr immer Unsinn, diese Live-Schaltungen in Nachrichtensendungen zu bemitleidenswerten Reportern vor Ort, die schon deshalb nicht mehr wissen als ihre Kollegen in den Redaktionen, weil sie die ganze Zeit irgendwelche Live-Schaltungen in Nachrichtensendungen absolvieren.

Aber so schön wie gestern in der „Tagesschau“ um 15 Uhr hat man den Schwachsinn dieses Rituals selten vorgeführt bekommen:

Claus-Erich Boetzkes: Gibt es neue Tarifverhandlungen oder stehen die nächsten Warnstreiks vor der Tür? In diesen Minuten gibt die Lokführergewerkschaft in Frankfurt am Main bekannt, wie sie auf das neue Tarifangebot der Bahn reagiert. (…) In Frankfurt bei der GDL ist mein Kollege Markus Gürne. Herr Gürne, was teilen die Lokführer mit?

Markus Gürne: Ja, die Lokführer haben sich zunächst mal verspätet. Die Pressekonferenz ging ein bisschen später los, und bisher ist der entscheidende Satz auch noch gar nicht gefallen. Claus Weselsky (…) hat bisher nur gesagt, dass alter Wein in neuen Schläuchen ist. Das lässt im Prinzip so gut wie nichts vermuten, weder in die eine noch in die andere Richtung. Also, im Prinzip wiederholt man gerade das, was man schon vorgestern gesagt hat, nämlich dass das Angebot unzureichend ist der Bahn. Das wird jetzt ausgeführt. Wenn das dabei bleibt, dann könnte man davon ausgehen, das die GDL das schlussendlich ablehnt, dann wird es Streiks geben, aber wie gesagt: Die Pressekonferenz hat etwas verspätet begonnen, läuft zur Minute noch, und deshalb wissen wir leider nicht mehr, als wir im Moment sagen können.

Boetzkes: Ich weiß ein bisschen mehr inzwischen. Gerade hat die GDL zu neuen Streiks aufgerufen. Markus Gürne, aus Ihrer Erfahrung, was bedeutet das für uns? Geht das jetzt sehr schnell? Oder wird das frühestens nächste Woche losgehen?

Gürne: Also, wenn das so ist, wie Sie sagen, und da hab ich keinen Zweifel dran, dann wird das sehr sehr schnell passieren. Die GDL hat die Pläne seit Wochen in der Schublade. Der Urabstimmungsbeschluss war ja auch schon längst da, man hat ja auch schon gestreikt. Die Frage wird jetzt sein: Wird es wieder ein bundesweiter Streik im Nahverkehr sein? Oder wird man es ganz gezielt in manchen Ballungsgebieten machen? Das werden sie jetzt wahrscheinlich gleich in der Pressekonferenz weiter ausführen. Aber ich denke, das wird sehr, sehr schnell losgehen.

Boetzkes: Noch eine Information nachgeschoben: GDL ruft für Streiks für morgen auf. Markus Gürne, danke für diese Informationen, danke nach Frankfurt.

Programmhinweis

16 Okt 07
16. Oktober 2007

Ich bin am Mittwoch von 13 Uhr an im Chat von tagesschau.de.

Nachtrag: Der Chat lässt sich hier nachlesen.

Google News ohne Politically Incorrect

15 Okt 07
15. Oktober 2007

Das anti-islamische Blog „Politically Incorrect“ (PI) ist keine Nachrichtenquelle mehr bei Google News. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte mir, dass Google in seiner Nachrichtensuche seit einigen Wochen keine Beiträge von „Politically Incorrect“ mehr aufführe. (Wohlgemerkt: Es geht ausschließlich um die Nachrichtensuche von Google, nicht die Websuche.)

Bislang hatte Google auf Nachfragen nach der Tauglichkeit von „PI“ als Nachrichtenquelle entweder gar nicht reagiert oder abwiegelnd geantwortet: Die Quellen würden „ohne Berücksichtigung einer bestimmten politischen Gesinnung oder Ideologie ausgewählt“.

Google gibt nicht bekannt, wer entscheidet, welche Quellen für Google News akzeptabel sind und welche nicht, und nach welchen Kriterien diese Entscheidung erfolgt. In der „Google News Hilfe“ findet sich allerdings die Aufforderung, dem Unternehmen „Anmerkungen zu hetzerischen Inhalten im News Index“ mitzuteilen.

Was konkret nun zu einem Meinungsumschwung geführt hat, weiß ich nicht. Google teilte mir nur mit, dass man in der Regel keine Blogs als Quellen in seiner Nachrichtensuche aufführen wolle, weil dafür die Google-Blogsuche gedacht sei. (Eine Ausnahme von dieser Regel stellt offenbar BILDblog dar.)

Ich finde die Weigerung, die Kriterien für eine Aufnahme in den Google-News-Index publik zu machen, enttäuschend. Inwieweit diese Kriterien bei jeder Quelle erfüllt wären oder nicht, würde dann natürlich Gegenstand einer öffentlichen Debatte. Google würde sich aber nicht dem Vorwurf reiner Willkür aussetzen. Natürlich darf das Unternehmen frei (und auch willkürlich) entscheiden, welche Quellen es in seiner eigenen Nachrichtensuche zulässt. Angesichts der Dominanz des Unternehmens wäre Transparenz aber wichtig und wünschenswert.

„Politically Incorrect“ ist in den vergangenen Monaten zu einer Art Zentralorgan für moderne Rassisten geworden. Es hat nach eigenen Angaben regelmäßig eine fünfstellige Zahl von Besuchern täglich. Es zieht mit seinen Artikeln Scharen hasserfüllter Kommentatoren mit Gewaltphantasien an, die sich vom dumpfen Neonazi im Wesentlichen in zwei Punkten unterscheiden: Sie haben die (vermeintliche oder tatsächliche) Bedrohung des westlichen Lebensstils und der Demokratie durch den Islam als Legitimation und Rationalisierung ihres Ausländerhasses entdeckt. Und sie sprechen nicht mehr von „Kanaken“, sondern von „Musels“. (Außer, wenn sie doch von „Kanaken“ sprechen, was im Kommentarbereich von „PI“ ebensowenig sanktioniert wird wie zum Beispiel der Aufruf, „jeden Moslem der sich anmasst ehemals christlichen Boden mit seiner Existenz zu beflecken nieder zu machen“ und „in einem ersten Schritt Mekka und Medina mit je einer schweren H-Bombe in eine strahlende Glasscherbe“ zu verwandeln.)

Meiner Meinung nach denken aber nicht nur viele Stammkommentatoren in rassistischen Kategorien, sondern auch die Verfasser der „Politically Incorrect“-Beiträge. „PI“-Gründer Stefan Herre weist diesen Vorwurf mit dem Hinweis zurück, das sei unmöglich: „Moslems bilden keine Rasse, nicht einmal eine Ethnie“. Tatsächlich spielt diese Unterscheidung im von Hass und Beleidigungen geprägten Blog-Alltag auf „PI“ aber keine Rolle.

Die Autoren wenden sich nicht nur gegen den Islam, sondern auch gegen den einzelnen Moslem. Und sie schaffen es über den Umweg einer Schein-Auseinandersetzung mit der Religion, Menschen bestimmter Herkunft vollständig abzulehnen. Ihre Fremdenfeindlichkeit tarnt sich als Kritik einer Religion, Ideologie und Kultur, ist aber umfassend.

„Politically Incorrect“ bekämpft nicht nur fundamentalistische Moslems oder Islamisten (die Unterscheidung zwischen „Islam“ und „Islamismus“ lehnt „PI“ als bedeutungslos ab). „Politically Incorrect“ bekämpft auch explizit moderate, den Dialog suchende Vertreter des Islam. Das geschieht vor allem über das Konzept der „Taqiyya“, nach dem es der Islam seinen Gläubigen erlaubt, in Zwangslagen religiöse Pflichten zu verletzen und den eigenen Glauben zu verheimlichen. „PI“ übersetzt „Taqiyya“ schlicht als „erlaubte Täuschung der Nichtmuslime zur Ausbreitung des Islams“ und kann mit diesem Konzept jede noch so versöhnliche Äußerung eines Moslems ins Gegenteil verkehren: Ihm wird einfach unterstellt, sich bewusst zu verstellen, um seine wahren, kämpferischen, extremen Vorstellungen verwirklichen zu können.

Selbst Nichtmoslems wie der Christ Barak Obama gelten „PI“ als besonders verdächtig. Die Logik lautet: „Einmal ein Moslem immer ein Moslem“, oder genauer: Obamas Vater (den Obama selbst einen „konfirmierten Atheisten“ nennt) war einmal ein Moslem, und aus islamische Sicht sei man Moslem, wenn der Vater ein Moslem gewesen ist.

Im Alltag verzichtet „PI“ aber gerne auch vollständig darauf, die Religion zum Beispiel von Türken in Deutschland oder türkischstämmigen Deutschen überhaupt zu kennen, um sie abzulehnen. Ein entsprechend ausländischer Vorname reicht. „PI“ nennt die Zuwanderer ironisch „Kulturbereicherer“. Das Wort klingt besser als „Kanake“. Das ist aber ungefähr der einzige Unterschied.

Mehr zum Thema „PI“ z.B. von Arne Hoffmann, „Limited“, Telepolis.

[Kommentare geschlossen.]