Programmhinweis

22 Dez 07
22. Dezember 2007

Jeder Idiot darf Journalist werden, das garantiert das Grundgesetz, und viele werden es auch tatsächlich, das kann man Tag für Tag in den „etablierten“ Medien nachlesen, angucken, anhören.

Ich habe für die „taz“ zu der ganzen merkwürdigen Debatte, ob das Abendland untergeht, wenn jeder Depp einfach seine Meinung ins Internet schreibt, eine mittelgroße Tube eigenen Senfs ausgedrückt.

Kurz verlinkt (12)

21 Dez 07
21. Dezember 2007

Sie haben ein Kaffeeservice bekommen, die Frauen der Fußballnationalmannschaft, die 1989 die Europameisterschaft gewannen. Ein Bügelbrett bekamen sie nicht.

Eine einzige kleine boshafte Änderung in der „Wikipedia“ reichte, um diverse Medien vom Gegenteil zu überzeugen — am Ende schaffte es das Bügelbrett sogar in eine Rede des Bundespräsidenten.

Die schöne Geschichte dazu hat Arne Nordmann aufgeschrieben.

Namedropping mit Andrea Kiewel

21 Dez 07
21. Dezember 2007

Das hätt‘ ich auch nicht gedacht, dass es sich noch mal lohnen würde, „Schmidt & Pocher“ zu gucken. Die Sendung zeigte gestern Ausschnitte aus der MDR-Talkshow „Riverboat“ mit diesen Zitaten Andrea Kiewels (die eingeblendeten Geldbeträge sind fiktiv, bzw. witzig gemeint):


„Also ich hab vorher, bevor Johnny gezeugt wurde, 25 Kilo mit Weight Watchers abgenommen und hab dann, doof wie ich bin, drei Monate dieses Gewicht gehalten…“


„Die letzten acht, neun Kilo, die ich als Frau zuviel finde, sollen noch weg bis zum Mai, und bin wieder bei Weight Watchers, und die helfen mir da so richtig schön auf die Sprünge…“


„Aber für mich ist Weight Watchers der Weg zurück zum normalen, gesunden Essen…“


„Und du bist bei Weight Watchers zum ersten Mal nicht die Dicke unter Dünnen…“


„Das ist ja schon meine zweite Episode bei Weight Watchers. Beim ersten Mal war’s mir ein bisschen saudoof…“

Und nun noch einmal zum Vergleich, was der Pressesprecher des MDR gestern im Zusammenhang mit der Schleichwerbung Andrea Kiewels zu „Spiegel Online“ gesagt hat:

„Die auf SPIEGEL ONLINE genannten Vorwürfe gegen Frau Kiewel beziehen sich ausschließlich auf Ihre Tätigkeit für das ZDF“, sagt Sendersprecher Stefan Mugrauer. Im MDR habe sie in keiner Sendung einen Bezug zum Thema „Weight Watchers“ hergestellt oder sei in irgendeiner Weise werblich für Weight Watchers aufgetreten.

ZDF und MDR haben Kiewel inzwischen gekündigt.

PS:


„Und dann war irgendwann der Punkt, wo ich gedacht habe: Jetzt ist auch mal gut, eine Kollegin hat bei Weight Watchers angefangen. Weight Watchers klingt ja erstmal ein bisschen, hmm. Bin hin, Berlin-Spandau…“

Christoph Keeses Klima-Hysterie-Hysterie

20 Dez 07
20. Dezember 2007

Liegengeblieben vom Wochenende war dann noch der Kommentar von „Welt am Sonntag“- und „Welt Online“-Chefredakteur Christoph Keese über Al Gore und den Klimawandel.

Man kann ja darüber streiten (und ich meine das nicht nur als Floskel), ob Gores Rhetorik angemessen ist. Und als jemand, der bei diesem Thema im Zweifel eher auf der Seite der Mahner als der Skeptiker steht, finde ich insbesondere die Frage berechtigt, ob Gores Rhetorik der Sache dienlich ist.

Aber Keese scheint zu glauben, dass es am besten ist, hysterisch auf Hysterie zu reagieren, und schreibt:

Der Klimawandel (…) bedroht kein einziges Menschenleben direkt, auch in hundert Jahren nicht. Es bleibt selbst bei schneller Erwärmung genug Zeit, Dämme zu erhöhen, Städte zu verlegen und neue Lebensräume zu erschließen. Man kann nicht jedes Opfer eines Sturms dem Klimawandel zurechnen.

Naturkatastrophen haben immer Menschenleben gekostet. In diesem Jahr waren es 24.000. Jeder Tod ist eine Tragödie, trotzdem ist die Zahl angesichts einer Weltbevölkerung von 6,6 Milliarden äußerst gering. Es sind gerade einmal 0,00036 Prozent.

Nun hat Keese schon einmal insofern unrecht, als sich die Zahl 24.000 nicht auf dieses, sondern das vergangene Jahr bezieht. Wurscht.

Guckt man sich die Daten, die das Rote Kreuz jährlich veröffentlicht, genauer an [pdf], stellt man fest, dass diese jüngsten Zahlen ungewöhnlich niedrig sind. 2005 gab es mehr als dreimal soviele Tote durch Naturkatastrophen, 2004 sogar zehn mal soviele. Und die Zahl der Menschen, die von Naturkatastrophen insgesamt betroffen waren, war 2006 auch vergleichsweise klein, betrug aber 142 Millionen, was immerhin schon über 2 Prozent der Weltbevölkerung sind.

Aber am besten ist natürlich Keeses Aussage, der Klimawandel bedrohe kein Menschenleben direkt. Ein Leser, der sich darüber so geärgert hat, dass er eine sehr, sehr polemische Mail an Keese samt Abokündigung schrieb, bekam vom Chefredakteur eine Antwort, in der er seinen Satz so erklärt:

Es hieß nicht, dass Naturkatastrophen keine Menschenleben kosten — das ist unbestritten. Sondern dass anders als bei Aids, Krieg etc. keine direkte Gefahr für Menschenleben besteht, sondern nur in direkt. Das ist ein Unterschied.

Aha.

Aids ist ein Super-Beispiel, Herr Keese. Aids bedroht nämlich kein einziges Menschenleben direkt. Aids schwächt das Immunsystem; die HIV-Infizierten sterben nicht an Aids, sondern an anderen, sonst eher harmlosen Krankheiten. Und mal abgesehen davon, dass es mich ein bisschen erstaunt, dass Sie das nicht wissen: Können wir uns dann nicht auch das Geld für die Prävention sparen? Da gibt’s doch dann eh Medikamente gegen!

Andrea Kiewel im PAL-Feld des MDR

20 Dez 07
20. Dezember 2007

Toll: Da hat der MDR gerade erklärt, die Schleichwerbeaffäre von Andrea Kiewel, die in diversen Sendungen für „Weight Watchers“ Reklame gemacht hat, betreffe ausschließlich das ZDF, weil die Moderatorin in keiner MDR-Sendung einen Bezug zum Thema „Weight Watchers“ hergestellt habe oder in irgendeiner Weise werblich für „Weight Watchers“ aufgetreten sei, da zeigen „Schmidt & Pocher“ einen Ausschnitt aus der MDR-Sendung „Riverboat“, in der Andrea Kiewel von ihren Abnehmerfolgen mit „Weight Watchers“ schwärmt.

(PAL-Feld? PAL-Feld.)