Wofür Horoskope gut sind

12 Jun 07
12. Juni 2007

Wenn man die jeweiligen Verlautbarungen der Pressestellen liest, könnte man glauben, alle Zeitungsprojekte von Klaus Madzia hätten wegen zu großen Erfolges eingestellt werden müssen. Nach den kurzlebigen Versuchen „Net-Business“ und „News“ stirbt Ende der Woche nun auch das so, äh, hoffnungsvoll gestartete Gratisblatt „Business News“.

Kein Grund zur Trauer, denn der Verlag teilt mit:

Die Verlagsgruppe wird unter der Chefredaktion von Klaus Madzia, bisher Chefredakteur von Business News, die gesammelten Erfahrungen für ein neues Internet-Portal nutzen. (…) Ein Großteil der Mitarbeiter bleibt für dieses Projekt an Bord.

Und doch gibt es subtile Hinweise, dass die Stimmung in der „Business News“-Redaktion nur so mittel ist. Zum Beispiel im heutigen (wie immer witzig gemeinten) „Business-Horoskop“ der Zeitung:

Löwe 23.7. – 23.8.: Der Chef schart ein Fähnlein von Ja-Sagern um sich und erhebt sie alle in den so genannten Christopherus-Ritterstand. Neben totaler Unterwürfigkeit ist Rücksichtslosigkeit im Sozialverhalten eine Voraussetzung, um in den neuen Ritterorden aufgenommen zu werden.

Liest sich übrigens noch lustiger, wenn man weiß, dass der Online-Chef von „Business News“ Christoph Strobel heißt und als eine Art Wachhund von Klaus Madzia gilt.

Waage 24.9. – 23.10.: Sie backen einen Abschiedskuchen für eine entlassene Kollegin. Dazu brauchen Sie vor allem Mehl – aber auch jede Menge Alkohol. Sie wissen ja, nur mit Alkohol wirkt ein Abschiedskuchen so richtig.

Mehl und Alkohol? Aber ja! Laurence Mehl ist einer der Geschäftsführer von „Business News“.

Ich vermute ja, dass der Autor des Horoskops Widder ist:

Widder 21.3 – 20.4.: Der Verlust Ihres Jobs trübt die Stimmung. Zur Steigerung derselben nimmt Ihre Abteilung an einem Drachenbootrennen teil. Der Chef erscheint in der Uniform eines römischen Legionärs und schwingt die Peitsche. Das finden Sie gut. Denn Hass hält einen Mann am Leben. Er gibt ihm Kraft.

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Apple macht Microsoft Konkurrenz

12 Jun 07
12. Juni 2007

Ab sofort ist der Apple-Browser Safari auch für Windows verfügbar. Apple-Chef Steve Jobs freut sich, die Windows-Anwender „vom überlegenen Browsererlebnis von Safari zu überzeugen“. Der Browser soll Webseiten doppelt so schnell anzeigen wie Microsofts Internet Explorer.

Ich glaube das gern. Safari für Windows lässt die Hälfte einfach weg:

Safari — ein Browser, den ich vor allem zum Lesen von Bild.de empfehlen möchte:

Oder um es mit der Nachrichtenagentur AFP zu sagen, die aber bestimmt die Ironie des Satzes nicht erkannt hat:

Mit dem neuen Angebot geht Apple einen Schritt weiter bei seiner Strategie, mit Microsoft auf breiterer Basis zu konkurrieren.

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Ulrich Deppendorf

10 Jun 07
10. Juni 2007

Man weiß ja nicht, wie das so abläuft, in ARD-Hierarchien. Ob Ulrich Deppendorf, als er vor fünf Wochen wieder Chef der Hauptstadtstudios wurde, gleich am ersten Tag in der Konferenz gesagt hat: Leute, dass eins schon mal klar ist, die Einschätzungen aus Heiligendamm, die mache ich. Oder ob es umgekehrt so war, dass ihm die Leute vorher gesagt haben: Ulli, du hast nur dann eine Chance, wieder Chef des Hauptstadtstudios zu werden, wenn du hier und heute unterschreibst, dass auch jede verdammte Einschätzung von irgendeinem Gipfeltreffen machst.

„Einschätzen“ ist ein merkwürdiges, aber irgendwie treffendes Wort für dieses Ritual, nach einem Nachrichtenbeitrag in einem Live-Gespräch noch einmal nachzufragen, was das denn bedeutet. Meistens nicht, was das für uns oder die Welt bedeutet, sondern für die handelnden Personen. Es geht darum, Haltungsnoten zu verteilen — aber in einer Sportart, bei der man die Atlethen selbst nur über verzerrte Spiegel sieht, oder in der die Wettkämpfe noch gar nicht stattgefunden haben. „Bewegung“ ist dabei das Zauberwort. Teilweise stündlich musste sich Deppendorf von Claus-Erich Boetzkes aus dem Nachrichtenstudio fragen lassen, ob es Anzeichen dafür gibt, dass sich Bush auf die Europäer „zubewegt“, ob es überhaupt „Bewegung“ gibt, wie groß der „Schritt“ ist, den Bush auf Merkel „zugeht“. Und Deppendorf sprach routiniert von „möglichen Annäherungen“ (Dienstag), „nicht so riesig zubewegen“ (Mittwoch), „kann man noch nicht sagen“ (Donnerstag), „sind aufeinander zugegangen“ (Freitag).

Wenn die Metaphern in diesem Genre nicht aus dem Krieg oder Sport stammen („Die Europäer sind geschlossen aufgetreten“), dann kommen sie vom Wetter („Ob das Thema den Gipfel überschattet, weiß man noch nicht“). Und vielleicht war es kein Zufall, dass Deppendorf einmal in einem kurzen Moment der Unkonzentriertheit seine Antwort auf die immergleichen Fragen aus dem Studio mit den Worten „Ja, gut, äh“ begann. Jetzt weiß ich nur noch nicht, ob ich als nächstes von Deppendorf die Einschätzung eines Länderspiels sehen will oder von Beckenbauer die eines Gipfeltreffens.

© Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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Kurz verlinkt (7)

10 Jun 07
10. Juni 2007

This has to be the shot of the day: Paris Hilton being driven back to jail, crying and „screaming,“ according to reports, as a breathless nation watched. The photographer is one Nick Ut, longtime AP photographer — and the Pulitzer-Prize winning photog who took this iconic picture of Phan Thi Kim Phuc, the Vietnamese „napalm girl“ captured running from her village after a napalm attack, naked and horribly burned.

Wie die Huffington Post schon schreibt: „Sort of puts things in perspective.“

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First of all, I don’t want to pay for Hilton to be in jail. Let her staff cook for her. Let her people look after her. Given her crime, mandatory alcohol counseling, community service, a fine and house arrest seems fair. Or an alcohol monitor of some kind for 90 days (they have those now, strapped around the ankle, detects if you sweat alcohol). But jail? No one was injured, no one died, no thousands of dollars of damage from her crime. (…)

The fact is people are loving seeing her dragged through the mud like this. The same people that built her up are loving her downfall. And it’s sad.

Es gibt sie noch. Vernünftige, ernsthafte Artikel über Paris Hilton und das, was mit ihr gerade passiert.

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„Das Musikmagazin ‚Rolling Stone‘ zählte Spector noch 2004 zu den ‚100 großartigsten Künstlern aller Zeiten‘.“

Das Flexibilität des journalistischen Raum-Zeit-Kontinuums und andere Katastrophen: Eine „Spiegel Online“-Gerichtsreportage als schlechtes Beispiel auf der Coffee-and-TV-Journalistenschule.

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ebenfalls beeindruckend an keese: er wirkte die ganze zeit leviert, von seinen überzeugungen und abneigung gegen online-gedöns so sehr getragen, dass er zwei bis drei zentimenter über dem podium zu schweben schien. ein klarer vorteil gegenüber den zweifelnden und unsicheren „68ern“ die ihn umgaben.

ix schwitzt mit Journalisten und bangt um Zeitungen.

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Die Theokratisierung Israels schreitet unablässig voran.

Die Traummeldung für die Schwulenhasser von „Politically Incorrect“: Israelisches Parlament erlässt Gesetz stimmt für Gesetzesentwurf, wonach Gay-Pride-Paraden verboten werden können — aus religiösen Gründen oder weil sie die Gefühle der Mehrheit verletzen können. (Und ultra-orthodoxer Rabbiner belegt alle, die nächste Woche am CSD in Jerusalem teilnehmen oder ihn schützen, mit einem „Fluch“.)

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Der „Guardian“ wird 50.000

10 Jun 07
10. Juni 2007

Am Montag erscheint die 50.000. Ausgabe des von mir heißgeliebten „Guardian“. Um das zu feiern, zeigt die Zeitung unter anderem 50 historische Titelblätter, zum Beispiel die zum Tod von Königin Victoria (rechts).


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